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Banshee IX - Life on MRC

GeschichteMystery, Horror / P16 Slash
Cyclops / Scott Summers Jubilee / Jubilation Lee Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Siryn / Theresa Maeve Rourke Cassidy Wolverine
09.10.2010
16.06.2011
26
66.965
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09.10.2010 3.223
 
Irene war zur Untätigkeit gezwungen, das musste sie einsehen. Mit ihrem Projekt konnte sie nicht vor Montag weiter machen. Doch es war schon Donnerstag und Irene hatte immer noch die Hoffnung, dass das Labormaterial schon am Samstag geliefert wurde.
Um nicht vor dem Fernseher oder bei einem Computerspiel zu versauern, half sie Moira und den Schülern in der Küche; heute waren Terry und Vlad zum Küchendienst mit eingeteilt.
Irene hatte sich gerade noch die Hände gewaschen, als sie eine Vision hatte. Schnell rannte sie in die Küche, aber da hörte sie Terry schon fluchen.
  „Was ist passiert?“ fragte Moira und rannte zu ihrer Stieftochter.
  „Ich bin abgerutscht!“ sagte Terry.
  „Zeig mal her!“ sagte Irene und drängte Moira bei Seite und sah sich die Wunde an Terrys Finger an. „Kein Grund zu weinen, Terry, das krieg ich schon wieder hin.“
  „Ich weine nicht, ich habe Zwiebeln geschnitten. Und nun tun sie mal nicht so, ich glaube, das muss genäht werden, das sehe sogar ich!“
  Moira stand hinter Irene und sah ihr über die Schulter.
  „Terry, was ist passiert!“ fragte Sean, der gerade in die Küche kam dicht gefolgt von Rahne.
  „Dad, ich hab mich geschnitten!“ sagte Terry. Sie bekam von Irene ein Küchentuch und hielt es unter ihren Finger, damit sie keine Blutflecken auf ihrer Kleidung oder in der Küche hinterließ.
  „Sean, das muss genäht werden!“ sagte Moira verzweifelt.
  Er ging auf Moira zu, nahm sie in den Arm und zog sie etwas von Terry weg. Dann sah er Irene an.
  „Ich krieg Terry schon wieder hin, aber an deiner Stelle würde ich mir Sorgen um deine Frau machen; sie ist blass wie ein Bettlaken.“
  Sean sah zu Moira, die wirklich etwas neben sich zu sein schien. Tröstend streichelte er ihr den Rücken.
  „Gib ihr einen Drink“, sagte Irene und zwinkerte Sean zu. Dann legte sie Terry einen Arm um die Schulter und führte sie aus der Küche.
  „Kann ich Ihnen helfen, Schwester Irene?“ fragte Wanda.
  Irene warf noch einen flüchtigen Blick in die Küche und nickte: „Behalte bitte Vlad im Auge. Er macht auf mich den Eindruck, als wenn er kein Blut sehen könnte.“
  „Mache ich, Schwester Irene!“ versprach Wanda.
  „Ach und Wanda?“
  „Ja?“
  „Danke!“ Sie lächelte Wanda zu und führte dann Terry aus der Küche, damit sie die Schnittwunde an ihrem Finger versorgen konnte.


  Irene hatte sich einen vom Moiras Kitteln übergezogen, sich ihre Brille hoch ins Haar gesteckt, und beugte sich über Terrys Hand.
  „Muss das wirklich genäht werden?“ fragte Terry. Sie saß an auf einen Stuhl und hatte ihre Hand auf die Untersuchungsliege gelegt.
  Irene sah kurz zu Terry und musterte sie. Nachdem sie sich dann sicher war, dass Terry noch eine gesunde Gesichtsfarbe hatte, antwortete sie erst.
„Höchstens zwei Stiche, da lohnt sich keine Anästhetika zu spritzten.
  „Okay, dann kann ich verzichten.“ Terry biss die Zähne zusammen, als Irene die Wunde desinfizierte; und dann stiegen ihr die Tränen in die Augen.
  Irene sah Terry an: „Wenn du nachher schreien willst, tu dir keinen Zwang an. Das Labor ist Schalldicht und du weißt ja, dass ich gegen deine Kräfte Immun bin. Und fluchen darfst du auch – hilft gegenen die Schmerzen!“
  „Danke!“ sagte Terry und begann mit einer Schimpftirade.
  Irene war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie gar nicht merkte, wie Sandra durch die Tür kam. Sie richte das Licht gerade neu aus und setzte die chirurgische Nadel an.
  Terry liefen die Tränen die Wangen runter und sie konnte nicht anders und schrie vor Schmerz laut auf.
  „Das war schon das schlimmste!“ versprach Irene und sah zu Terry. Die Naht muss ich auch nicht ziehen. Nun mach ich mit dem Wundkleber weiter und verbinde den Finger.“
  Terry wischte sich mit der anderen Hand die Tränen von den Wangen.
  „Geht es, oder willst du eine Pause machen!“
  „Geht schon!“ versicherte Terry ihr. „Ich will es nur schnell hinter mich bringen.
  „Aber ich könnte eine Pause gebrauchen“, meldete sich nun Sandra zu Wort.
  „Sagen Sie nicht, dass ihnen schlecht wird“, sagte Irene und drehte sich zu ihr um.
  „Irene, Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen!“ Sandra lachte, wurde aber schlagartig wieder ernst. „Ich kann meinen Geist von meinem Körper trennen. Normalerweise passiert mir so was nicht, aber Terrys Schrei hat das wohl bewirkt.“
  Irene setzte ihre Brille wieder auf. Nun konnte sie genau sehen, was Sandra meinte. Der Körper der blonden Frau lag leblos auf dem Boden, während ein Schemen, der fast genauso aussah wie Sandra, direkt vor Irene stand und mit ihr sprach.
  „Verzeihung, Dr. Kalewood. Ich hab sie nicht reinkommen hören.“
  „Schon gut“, sagte Sandra und wandte sich wieder an Irene. „Wenn Sie mit Terry fertig sind, würden Sie sich dann bitte um mich kümmern? Der Boden ist etwas kühl.“
  Irene rang mit ihrer Fassung. Sie hatte schon jede Menge erlebt, aber das war auch für sie fast eine Nummer zu groß.
Sie konzentrierte sich wieder auf Terrys Wunde und verband ihr die Finger.
„Morgen sehe ich mir das noch mal an. Halte den Verband trocken. Und wenn alles gut aussieht, dann kannst du morgen mit auf das Konzert.“
  „Danke, Schwester Irene!“ Terry stand auf und ging zu einem Schrank. Sie griff sich ein Kissen und eine Decke und legte sie auf die Untersuchungsliege.
„Soll ich Ihnen bei Sandra helfen?“
  „Danke, aber das krieg ich schon alleine hin. Wenn du was tun willst, dann sieh mal nach Moira und sorg dafür, dass Sandra und ich noch was zu Essen bekommen.“
  „Okay…“ sagte Terry und machte sich dann auf dem Weg.
  „Tut mir Leid, wenn ich Ihnen Umstände mache, Irene!“ sagte Sandra.
  „Kein Problem!“ Irene wuchtete Sandras Körper hoch und legte ihn auf die Untersuchungsliege. „Für Hämatome übernehme ich aber keine Haftung!“
  Nun musste Sandra lachen. Nachdem ihr Körper es dann bequem und warm hatte, setzte sie sich auf einen Stuhl und unterhielt sich mit Irene.
„Tut mir Leid, wenn ich Sie erschreckt habe.“
  Irene setzte sich auf den andern Stuhl: „Kein Problem. Irgendwann hätte ich von ihren Kräften eh erfahren. Aber wann wissen Sie, wenn sie wieder in Ihren Körper können?“
  „Das ist Erfahrungssache. Kann aber noch etwas dauern.“
  „Also muss ich mir keine Sorgen um Sie machen?“ fragte Irene.
  „Nein, alle in bester Ordnung. Aber was war mit Moira? Wanda brachte Vlad auf die Terrasse, weil er kreidebleich war und Moira hatte ein Glas Scotch in der Hand.“
  Irene grinste kurz, wurde aber dann wieder ernst: „Als Terry sich in den Finger schnitt, da hat Moira fast die Fassung verloren.“
  „Was? Ich hab mich hier so oft an etwas geschnitten, dass Moira wegen mir immer Pflaster in der Kitteltasche hatte.“
  „Aber Sie waren nur ihre Schülerin, Sandra. Terry ist für Moira so wie eine Tochter.“
  „Da stimme ich Ihnen zu, Irene. Selbst der beste Arzt ist manchmal nicht in der Lage seinem eigenen Kind zu helfen.“
  „Ja, ist komisch, aber es ist so. Aber Terry geht es so weit gut und Sie kriegen wir auch schon wieder auf die Beine!“


  Es dauerte nicht lange und Sandra kam wieder zu sich, wenn man es denn so nennen durfte. Irene war sich nicht sicher, wie sie den Vorgang sonst benennen sollte, den sie soeben beobachtet hatte.
  Sandras Geist hatte sich wieder mit ihrem Körper vereint und kurz drauf schlug sie auch die Augen auf und streckte sich, als wenn sie aus einem Mittagschlaf erwacht wäre.
„So langsam bekomme ich Hunger. Ob das Essen schon fertig ist?“ Sandra stand auf, packte die Decke und das Kissen weg und machte sich auf dem Weg nach oben.
  Irene folgte ihr. Die Medizinerin in ihr würde Sandra gerne noch einige Fragen stellen, aber das würde sie sich nur die Zähne ausbeißen. Und selber hatte sie auch Hunger.
  „Ich wollte euch gerade holen!“ sagte Sean, als die beiden Frauen in die Küche kamen. Dann sah er Sandra an. „Geht es dir nicht gut?“
  „Ich habe leichtes Kopfweh, das ist alles!“ sagte Sandra und warf Irene einen schnellen Blick zu.
  „Sie will erst was Essen, bevor sie zur Tablette greift!“ sagte Irene und nahm ihren Platz gegenüber Terry ein.
  Terry sah zwischen Irene und Sandra hin und her. Ihre Lippen formten ein Lautloses DANKE.
  Sandra nickte und Irene zwinkerte ihr zu.
  „Soll ich dir beim schneiden helfen, Terry?“ fragte Rahne und setzte sich neben ihre Ziehschwester.
  „Ich fühl mich auf den Arm genommen“, sagte Terry und sah auf ihre linke Hand, wo ihr Zeigefinger verletzt und mit dem Mittelfinger zusammen Verbunden war. „Aber danke, ich will es erst selber versuchen.“
  Als dann alle ihre Plätze eingenommen hatten, tischte Moira auch auf. Sie wirkte so, als wenn nichts gewesen wäre, obwohl Sean sie nicht aus den Augen ließ.


  Irene hatte wieder Bewegungsdrang. Nichts tun zu können war für sie schon fast eine Art Folter. Wenn sie in Salem Center mal nichts zu tun hatte und Sam beschäftigt war, dann kümmerte sie sich immer um Prinz. Doch auf Muir Island gab es keine Pferde und Irene wollte nicht die ganze Insel umrunden, um vielleicht irgendeinen Vierbeiner anzutreffen, der sich mal nicht als Wolfsbane entpuppte.
Bei einem Spaziergang um sich die Zeit zu vertreiben, steuerte Irene erst mal das Bootshaus an. Diesen Weg kannte sie schon und von dort aus wollte sie weiter bis hin zum Wald, vorausgesetzt das Wetter machte ihr keinen Strich durch die Rechnung.
Irene dachte daran, was Kurt ihr damals von Muir Island erzählt hatte. Er hatte damals Sommerurlaub hier gemacht und war von der Gegend begeistert. Nun, wo der Herbst fast zu Ende war, sah es hier nicht gerade sehr einladend aus. Aber vielleicht hatte Irene glück und es würde hier sehr früh Schnee geben, dann würde sie hier sicher ein kleines Winter-Wunder-Land haben…
Ein schrilles Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Durch ihre Kräfte war Irene ziemlich Immun gegen laute und schrille Geräusche, doch das was anderes als alles, was sie je gehört hatte. Das Geräusch schien lauter zu werden, näher zu kommen.
Mit sich zuhaltenden Ohren drehte Irene sich um und glaubte nicht, was sie da sah.
„Sean und Terry können fliegen?“
  Sean schwebte auf Irene zu, dabei hielt er den Mund offen wie ein Karpfen unter Wasser, und landete geschmeidig auf seinen Füßen.
  Terry schwebte mit etwas Abstand zu ihrem Vater. Als sie landen wollte, da gelang ihr das nicht so geschmeidig. Sie berührte mit den Füßen den Boden, geriet ins stolpern und fiel Irene in die Arme.
  „Vorsicht“, sagte Irene und hielt Terry fest, „Dein Finger reicht mir für heute!“
  „Tut mir Leid, mit dem Landen hab ich noch Probleme!“
  „Kein Problem, mir ist ja nichts passiert!“ sagte sie und stellte fest, dass das schrille Geräusch auch endlich weg war. Anscheinend kam es von Sean und Terry.
  „Willst du uns begleiten?“ fragte Sean.
  Irene sah ihn fragend an: „Sean, ich weiß zwar nicht wie ihr das macht, aber ich kann nicht fliegen.“
  Sean erklärte Irene, wie er seine Kräfte nutzte um sich schwebend fortzubewegen; aber Irene verstand nur Bahnhof.
  „Ich versteh es auch nicht“, gestand Terry, „Doch fliegen ist einfach nur cool!“
  „Dann sollte ich es auch lernen“, sagte Irene und dachte schon an die Vorteile, die sie haben wird, wenn sie auch fliegen könnte. „Aber vielleicht unterrichte erst mal deine Tochter weiter, dann kann sie mir das in Salem Center beibringen, falls ich hier die Zeit nicht dafür finden werden.“
  „Wie du meinst. Wir können je nachher noch mal darüber reden!“ sagte Sean und wandte sich dann an Terry. „Also, ich will mit dir in den Wald. Bei der Lichtung landen wir dann und dann üben wir das landen noch mal!“
  Terry nickte. Sie nutzte ihre Kräfte und begann zu schweben; Sean tat es ihr gleich und flog voraus in den Wald hinein.
  Irene sah den beiden noch nach und drehte dann bei. So gerne sie im Wald spazieren gegangen wäre, aber dieses Geräusch bereitet ihr Ohrenschmerzen. Sie würde sich also noch mal gründlich überlegen, ob sie auch fliegen lernen wollte.


  Terry hatte das Training mit ihrem Vater hinter sich und freute sich über eine heiße Dusche. Sie hatte zwar keine Bruchlandung hingelegt, aber trotzdem tat ihr alles weh. Auf dem weg zu ihrem Zimmer traf sie dann auf Sandra.
  „Was macht dein Finger?“ fragte Sandra.
  „Danke, sehr gut!“ Terry hob die verbundene Hand auf Augenhöhe und lächelte, doch das Lächeln verging ihr schnell wieder. „Es tut mir Leid, was vorhin passiert ist.“
  „Ich weiß nicht, wovon du redest.“
  Terry sah sie fragend an, aber dann lächelte sie erneut: „Danke. Und vielen Dank auch, weil Sie mich beim Essen nicht verraten haben, Dr. Kalewood.“
  „Es war nicht deine Schuld“, sagte Dr. Kalewood. Sie legte Terry einen Arm um die Schulter und führte sie über den Flur. „Und Terry, wir kannten uns schon, als ich selber noch Schülerin hier war.“
  „Tut mir Leid, Sandra, aber Moira besteht darauf, dass wir Sie mit Dr. Kalewood anreden.“
  Sandra drehte sich demonstrativ nach allen Seiten um: „Ich kann Moira aber nirgendwo sehen. Und mach dir bitte keine Gedanken mehr wegen vorhin. Es war nicht deine Schuld. Wenn, dann war es die Schuld von Irene – immerhin hat sie dir gesagt, du darfst schreien.“
  Terry musste unweigerlich grinsen; so hatte sie das bisher noch nicht gesehen. Zwar hatte Sandra Recht, aber sie wollte Irene nicht die Schuld dafür geben, dass sie Sandra heute versehentlich zusammen geschrieen hatte.
  „Ich weiß, was in Salem Center passiert ist.“ sagte Sandra in sanftem Tonfall, den Arm immer noch um Terrys Schultern gelegt, „Irene hat mich gebeten nichts zu sagen. Du hast in nur wenigen Tagen solche Fortschritte gemacht, dass das von heute Morgen nicht erwähnenswert ist.“
  „Danke, Sandra!“ Terry wusste nicht so recht, ob sie Sandra in den Arm nehmen sollte, so wie sie es bei Schwester Irene machen würde. Um zu sehen, wie Sandra reagierte schmiegte Terry ihren Kopf an Sandras Schulter.
  „Nix zu Danken!“ sagte Sandra und nahm Terry kurz in den Arm.
  Terry bemerkte, dass sie ihr Zimmer erreicht hatten und verabschiedete sich für den Moment von Sandra. „Ich geh dann mal unter die Dusche, sonst bin ich nachher zu verspannt.“
  „Mach das“, Sandra nickte verständnisvoll, „Du willst für das morgige Konzert doch fit sein!“
  Als Terry an das Konzert dachte strahlte sie übers ganze Gesicht hinaus. Sie freute sich, dass sie auf das Konzert durfte.
Bevor Terry dann aber in ihrem Zimmer verschwand, sah sie noch zu Sandra. „Ich freu mich auf das Konzert. Und ich freu mich, dass Sie und Schwester Irene mitkommen.“


  „Nur noch Morgen und dann kann ich ausschlafen!“ sagte sich Sam, als sie von der Uni nach Hause kam. Wegen ihrem neuen Stundenplan ging sie aus dem Haus, bevor die Sonne aufgegangen war und kehrte erst wieder zurück, wenn die Sonne schon lange hinter den Horizont verschwunden war. Tageslicht hatte Sam in den letzten drei Tagen nur in der Mittagspause und zwischen den Vorlesungen gesehen, wenn sich bei dem trüben Spätherbstwetter nicht mal ein Sonnenstrahl in einen Lesungssaal verirrte.
„Nur noch Morgen und dann kann ich ausschlafen!“ sagte sich Sam immer und immer wieder, als sie auf ihr Zimmer schlenderte. Sie wollte nur eine heiße Dusche und ins Bett. Ein Nickerchen halten, bis sie sich mit Irene zum Videochat verabredet war.
„Nur noch Morgen und dann…“
  „Samantha“, wurde sie von Jubilee unterbrochen, „Ich wollte Sie fragen, ob sie das Training mit Rose und mir bitte auf Samstagvormittag verschieben können?“
  Sam wollte nicht, dass man ihr ansah, wie Müde sie war. Sie wollte genau das Engagement zeigen, was Irene immer an den Tag legte. Zwanghaft lächelte sie: „Und wann genau am Vormittag?“
  „Wir dachten so zu 10:00 Uhr, damit wir alle noch gemütlich frühstücken können.“
  „Ja, natürlich. Das ist eine Gute Zeit. Dann hab ich den Nachmittag frei für was anderes.“
  „Samantha, geht es Ihnen nicht gut?“ fragte Jubilee. „Ihr rechtes Auge zuckt so komisch.“
  Sam tastete vorsichtig ihr Auge ab und spürte, wie ihre Gesichtsmuskeln im Augenbereich unkontrolliert zuckten.
Ach, das ist nur, weil ich aufgeregt bin.“ Es war eigentlich nicht Sams Art zu lügen, aber sie wollte Jubilee nicht beunruhigen.
  „Aufgeregt?“ Jubilee merkte, dass etwas nicht stimmte.
  „Ja, weil ich mich doch gleich mit Irene im Videochat treffe!“ Sam lachte wieder zwanghaft und hoffte, dass Jubilee ihr glauben würde.
  Jubilee seufze: „Ja, dann wäre ich auf aufgeregt.“
  Sam spürte Jubilees Emotionen. Bei jedem zeigte sich Liebeskummer anders, aber Sam spürte ihn immer auf die gleiche Art. Ihr Herz begann langsamer, aber dafür kräftiger zu schlagen und das Atmen fiel ihr schwer. Sie brauchte immer einen Moment, bis sich der Kloß in ihrem Hals auflöste.
„Soll ich Irene bitten, dass sie Pietro von dir grüßt?“
  „Würden Sie das wirklich machen?“ Jubilees Kummer war wie verflogen und sie freute sich gerade wie ein kleines Kind an Weihnachten. „Ich hatte mich ja auch wahnsinnig über seine Grüße gefreut.“
  „Natürlich!“ Sam streichelte Jubilee sanft über den Oberarm und merkte, dass sie nicht zuckte, wie sie es vor einigen Wochen noch tat, wenn sie jemand berührte. „Doch nun brauch ich erst mal etwas Zeit für mich.“
  „Danke!“ sagte Jubilee noch, als Sam schon fast außer Hörweite war.
Endlich in ihrem Zimmer angekommen, setzte sich Sam an ihren Laptop und starte das Chatprogramm. Irene war noch nicht online und so hinterließ Sam ihr nur eine Nachricht.

Hallo Liebes,
tut mir Leid dir absagen zu müssen, aber ich habe Kopfschmerzen. Du weißt ja, dass ich ungern Tabletten nehme, daher werde ich mich direkt ausruhen, damit ich schnell wieder fit bin.

Morgen hast du ja Leider keine Zeit, aber Samstag sehen wir uns dann. Du musst mir dann erzählen, wie das Konzert so war. Mach viele Fotos für mich!


Ich Liebe Dich von ganzen Herzen,
Honey *KISS*

PS: Jubilee lässt Pietro grüßen.


  Zur verabredeten Zeit schaltete Irene ihren Laptop ein. Als sie die Nachricht von Sam erhielt, war Irene enttäuscht und besorgt zu gleich.
Enttäuscht, weil Sam keine Zeit für sie hatte und besorgt, weil Sam Kopfschmerzen hatte. Wenn Sam Kopfschmerzen hatte, dann waren das meistens die Schmerzen von jemanden aus ihrer nähe. Empathie war eine Gabe, die man schwer kontrollieren konnte. Doch wenn Sam dann mal richtige Kopfschmerzen hatte, was sehr selten war, dann litt Sam fast so sehr, wie Irene wenn sie Migräne hatte.
Irene schrieb Sam noch eine Nachricht zurück, in der sie ihrer Verlobten gute Besserung wünschte, ihr versprach viele Fotos zu machen und ihr natürlich auch sagte, dass sie sie liebe und vermisse.
„Sam, was soll ich nur mit dir machen?“ fragte Irene sich selbst und kniff sich in die Nasenwurzel. Am liebsten würde Irene hier alles stehen und liegen lassen und sofort wieder nach Salem Center zurückkehren, doch das würde alles nichts bringen. Sie würde zu spät da sein.
Es gab also nur eine Sache, die Irene machen konnte. Sie griff nach ihrem Handy und bat Kim um Hilfe.
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