"Ich geh da nicht hin!" Und dann war er dort..

von Lia296
GeschichteAllgemein / P6
06.10.2010
26.11.2010
8
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06.10.2010 999
 
Jonas von Lettow lebt vor seiner Zeit auf Schloss Einstein glücklich und zufrieden in einer Villa am Rande von Berlin.
Seine freie Zeit verbringt der zwölfjährige am liebsten mit seiner  
Clique aus arroganten Adelssöhnchen.
Sie treffen sich fast täglich gleich nach den Hausaufgaben und machen dann allen vorstellbaren Quatsch.
Vormittags besuchen die sechs eine Privatschule, in der sie, mit noch acht anderen Kindern, gemeinsam am Unterricht teilnehmen.
Dennoch kommt es ab und zu mal vor, dass ihre Gedanken schon zum Nachmittag abschweifen, und sie nicht mitbekommen, wenn der Lehrer sie etwas fragt.
Dann gibt es ein Donnerwetter, aber die sechs schieben die Schuld immer geschickt auf die anderen, die nicht zu ihrer Clique gehören.
Ihren Eltern erzählen sie nichts davon, also bekommen sie zuhause auch nie Ärger.
Am Nachmittag machen sie dann immer was anderes.
Mal regen sie sich gemeinsam über die Lehrer in der Schule auf, ein anderes Mal gehen sie zu einem nach Hause und spielen Billard.
Doch Jonas bester Freund Felix hat noch einen anderen Gedanken im Kopf.
Streiche spielen!
In den Zeiten wo sie sich nicht sehen können, hängen sie meistens vorm PC und Chatten.
Seid Jonas sechs Jahre alt ist geht das nun schon so.
Deshalb ist er auch gar nicht begeistert, als er eines Tages von der Schule nach hause kommt und seine Eltern etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen haben.....

„Bitte setz dich, Sohn.“, sagt sein Vater.
Jonas setzt sich auf das weiße Sofa und sieht seine Eltern gespannt an.
„Was gibt’s?“, fragt er neugierig.
„Dein Vater war heute geschäftlich in Potsdam tätig, und da hat er in einer Zeitung eine Anzeige gesehen.“, fängt seine Mutter an.
„Ja na und?“, fragt Jonas ungeduldig.
Er will jetzt endlich mit den Hausaufgaben anfangen, da er sich in einer viertel Stunde mit Felix, Ferdi, Michael, Lukas und Tim trifft.
„Es ging dort um ein Internat, was dort in der nähe ist.
Es sah sehr nett aus, und darum bin ich dort hingefahren.
Der Direktor, Dr. Stollberg schien sehr nett, aber lies dir doch bitte zuerst die Anzeige durch!“, sagt nun wieder sein Vater und schiebt die Zeitung zu ihm rüber.
Jonas sieht sie sich kurz an und will zu lesen anfangen, als bei ihm Plötzlich alle Alarmglocken zu schellen anfangen.
Er fragt:
„Warum erzählt ihr mir das eigentlich?
Ihr habt mich doch nicht etwa...?“
Die restlichen Worte blieben ihm im Hals stecken, weil er sah, dass er Recht hat.
Seine Eltern haben ihn doch tatsächlich auf einem Internat angemeldet, was am anderen Ende der Welt liegt, wie es ihm vorkommt.
Er springt auf, als ob die Gegenwart seiner Eltern plötzlich Gift ist, und rennt nach oben in sein Zimmer.
Er hat vergessen seine Schuhe auszuziehen, weshalb die Putzfrau schon in seinem Zimmer steht.
Sie ist fuchsteufelt wild, und jagt ihn sofort wieder nach unten.
Doch Jonas rührt sich nicht.
Es ist ihm egal, was seine Eltern jetzt von ihm denken, es ist ihm egal, was die ganze Welt jetzt von ihm denkt.
Im Moment ist ihm einfach alles egal.
Auch als seine Eltern hochkommen und mit ihm reden wollen, sagt er nichts.
Erst als Felix ihn anruft und wissen will, warum er nicht kommt, geht er wieder runter.
Seine Eltern schauen ihn nicht an, als er an ihnen vorbeigeht, und Jonas ist froh darüber.
Aber bevor er ganz verschwindet, ruft er noch:
„Du kannst diesem Dr. Stolperich gleich wieder absagen, Dad!
Es ist mir egal, ob du es willst oder nicht!
Ich gehe niemals auf ein Internat!
Ich lasse mich nicht so einfach abschieben!
Ich nicht!“
Damit verschwindet er.
Sein Vater ruft ihm noch hinterher:
„Er heißt Dr. Stollberg!“, aber das hört Jonas schon nicht mehr.
„Lass ihn Max!
Er muss das ganze doch erst einmal verarbeiten!
Das dauert.“, sagt Lydia, Jonas Mutter, zu ihrem Mann.
Sie war zwar selbst dafür, dass Jonas auf ein Internat, weg von seiner Clique, geht, aber ihr Sohn tut ihr leid.
„Er ist ein Zartes Wesen.
Er verkraftet so etwas nicht immer gleich.“
„Wahrscheinlich hast du Recht.
Aber es bleibt dabei, dass er ab dem nächsten Sommer auf Schloss Einstein wohnt.“, antwortet Max.
„Na wie du meinst.“, sagt nun wieder Lydia.

Am Abend beim Abendbrot war es außergewöhnlich still.
Normalerweise hätten Jonas Eltern sich über die Firma unterhalten, doch heute ist Lydia mit ihrer Nachbarin für neun Tage in ein Wellnieszentrum gefahren, und Jonas und sein Vater sind alleine.
Jonas hat seinen Freunden noch nichts von dem Schulwechsel erzählt, weil er hofft, seine Eltern überlegen es sich noch einmal.
Doch leider wird er enttäuscht.
Sein Vater bricht die drückende stille so abrupt, dass Jonas erschrocken zusammenfährt.
„Das, was du vorhin gesagt hast, Jonas, dafür solltest du dich entschuldigen!
Du hast keinen Grund, so mit deinem Vater zu reden!
Es hat dir auch nichts gebracht, denn jetzt werde ich dich erstrecht auf das Internat schicken, ob du willst, oder nicht!
Das ist mein letztes Wort.
Und jetzt ab ins Bett mit dir.
Du hast eine Woche lang Hausarrest!“, sagt Max mit fester stimme, vorauf Jonas mit seiner Faust den teuren Teller vom Tisch fegt, der auf dem Teppich zerspringt, und nach oben in sein Zimmer rennt.
Jetzt hat er sich entschieden.
Er sagt seinen Freunden nichts von dem Internat.

Es ist Mitternacht, und die letzte Nacht, die Jonas zu Hause verbringen wird.
Heute um fünfzehn Uhr wird er in dem Internat eingeschult.
Jonas hat noch kein Auge zugetan.
Er überlegt fieberhaft, was er tun kann, um nicht auf das Einstein zu müssen.
Und jetzt hat er die rettende Idee.
Leise steht er auf und zieht sich an.
Er holt seine Taschenlampe aus dem Schrank hervor und schleicht aus dem Zimmer.
Er schnappt sich seinen Rucksack und geht in die Küche hinunter.
Rasch holt er zwei Flaschen Wasser und ein Brot hervor und steckt sie in die Tasche.
Jetzt nur noch die Regenjacke anziehen und nichts wie weg!




Ich hoffe, es hat euch wenigstens etwas gefallen...
Und ich freu mich über jedes noch so winzige Review ;)
Ganz liebe Grüße.
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