. Barcelona . Amor . Fútbol .

von laia
GeschichteRomanze / P16
Primera Division
02.10.2010
20.10.2010
19
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Mia bereitete sich zu Hause gerade vor, denn sie wollte heute mir ihren Freunden ausgehen. Sie hatten einen Geburtstag nachzufeiern und das würden sie heute in einem kleinen Club in Barcelona tun.
Sie kämmte sich gerade ihre dunkelbraunen, langen Haare und betrachtete sich dabei noch einmal eingehend im Spiegel. Das Make-Up sass, das Outfit war ok. Gut, sie hatte ihren eigenen Check bestanden. Sie schnappte sich ihre Tasche, zog ihre besten Schuhe an und verliess dann ihr kleines Appartement und stieg die Treppen hinunter. Draussen auf dem Parkplatz sah sie bereits den weissen Seat ihres Bekannten, der auf sie wartete. Miguel stand lässig angelehnt an seinem Wagen und lächelte ihr zu. Er war einer ihrer besten Freunde. Sie waren schon zusammen zur Schule gegangen und die Freundschaft hielt bis heute. Ihre Eltern konnten nicht verstehen, warum sie und Miguel kein Paar waren. Sie fanden, die beiden würden wirklich perfekt zusammen passen. Doch Mia und er waren eher wie Bruder und Schwester. Wenn sie daran dachte, mit Miguel mehr als nur befreundet zu sein, musste sie lachen. Jedes Mal, wenn sie ihren Eltern zu erklären versuchte, warum sie und Miguel bestimmt nie ein Paar würden, antwortet ihr Vater nur: „Mädchen, du bist wirklich dumm. Er hat alles was du magst. Er sieht gut aus, hat einen guten Job, er spielt Fussball. Mehr brauchst du nicht.“ Er zog sie gerne damit auf.

„Hallo“, begrüsste sie ihn, als sie zum Wagen kam.
„Hi. Na, bist du start klar für eine wilde Partynacht?“, er lachte und öffnete die Wagentür auf seiner Seite.
„Aber natürlich“, sie stiegen zusammen ins Auto. Dort lief bereits die passende Musik und sie stimmten sich mit furchtbaren Gesinge schon mal auf den weiteren Abend ein.
Sie ging gerne mit ihren Freunden aus, doch leider hatte sie in letzter Zeit kaum noch Zeit dafür gefunden. Im Frühling hatten die Prüfungen in ihrem Studium begonnen und es war wirklich eine anstrengende und intensive Zeit.
Sie studierte Geschichte und Sprachwissenschaften im vierten Semester hier in Barcelona. Doch dieses Wochenende hatte sie sich eine kleine Auszeit genommen. Zumindest heute Abend und Morgen unter tags. Sie hatte wirklich viel gelernt und viel Zeit investiert und sie brauchte eine Pause. Die Klausur, welche sie am Montag schrieb, machte ihr keine zu grossen Sorgen und am Sonntag würde sie trotzdem noch kurz Zeit haben, ihre Unterlagen dafür noch einmal durchzugehen.
Gemeinsam fuhren sie zum Club, wo sie innerhalb von kurzer Zeit auch schon den Rest ihrer Truppe ausfindig machen konnten. Nachdem sie ein paar mal auf das Geburtstagskind angestossen hatten, war es an der Zeit zu tanzen. Sie amüsierten sich wirklich gut, währenddessen der Club immer voller wurde.

„Ich hol uns mal was zu trinken“, sagte sie zu ihrer Freundin, mit welcher sie gerade die Tanzfläche unsicher machte.
„Ok, alles klar“, bekam sie zur Antwort und so machte sie sich auf den Weg an die Bar. Es war heute Abend wirklich voll hier und so stellte sie sich brav an.
In der Menge neben ihr, entdeckte sie einen jungen Mann im schwarzen Hemd und Jeanshose. Sie musterte ihn kurz und er kam ihr unglaublich bekannt vor. Doch sie konnte ihn gerade nicht einordnen. Sie wusste, sie hatte ihn schon gesehen, aber erinnerte sich nicht. „Bestimmt von der Uni“, dachte sie sich und war dann auch endlich an der Reihe.
Sie bestellte für sich und ihre Freundin je einen Erdbeer-Margarita, zahlte und nahm dann die beiden Getränke in die Hand. Sie drehte sich um und machte einen Schritt vorwärts, als sie auch schon angerempelt wurde. Der junge Mann, welchen sie vorher gesehen hatte, hatte 2 Bier in der Hand und war zwei oder drei Schritte rückwärts gegangen. Anscheinend redete er noch mit seinem Freund, der ebenfalls an der Bar etwas bestellte. So hatte er sie nicht gesehen und war mit ihr zusammen gestossen.
Mia schüttete die Hälfte eines Glases über ihr Shirt und begann zu fluchen.
„Na, ganz super. Dankeschön”, schimpfte sie und schaute an sich hinunter.
Der junge Mann drehte sich zu ihr und schaute sie erschrocken an.
„Tut mir leid, das war keine Absicht“, entschuldigte er sich und sah dann aber schon, dass es jetzt wohl ein grosses Donnerwetter hageln würde. Das Mädchen vor ihm war auf der linken Seite voll mit ihrem Drink bekleckert und sah nicht gerade amüsiert aus.
„Hmm“, grummelte sie nur.
„Ich hole dir noch einen ok? Oder etwas anderes. Und ich zahle dir die Reinigung. Einverstanden?“, es tat ihm wirklich leid.
„Nein, ist schon ok. Das kann man bestimmt auswaschen und sonst, werde ich es auch überleben“, sie seufzte und es war ihr eigentlich egal, ob ihre Klamotten ruiniert waren. Sie hing nicht sonderlich daran. Aber jetzt noch die halbe Nacht so herum zu laufen, das ging ihr dann doch ziemlich auf die Nerven.
„Darf ich dir dann wenigstens noch was zu trinken holen?“, fragte er mit schlechtem Gewissen.
„Nein, ist ok, wirklich“, sie seufzte und hatte ihn noch keines wirklichen Blickes gewürdigt.
„Gut. Aber wenn du es dir doch noch anders überlegst wegen der Reinigung...“, er stellte seine zwei Flaschen Bier hinter sich auf den Tresen, kramte in seiner Hosentasche, fand ein Kaugummipapier und kritzelte mit einem Kugelschreiber etwas darauf und steckte es ihr dann zwischen die Finger, welche noch das Glas hielten, „meine Nummer. Ruf mich an, dann sag ich dir, wohin du die Rechnung schicken kannst.“
„Ja, klar, danke“, sagte sie, rollte mit den Augen und ging dann weiter in Richtung ihrer Freunde. Einige hatten sich auf Sofas gesetzt, die um zwei schwarze Salontische standen, die anderen waren noch beim tanzen.
„Nochmals Sorry! Viel Spass noch!“, rief er ihr hinter her, nahm dann seine Flaschen und ging ebenfalls zu seinen Freunden zurück.

„So ein Idiot“, fluchte sie und stellte die beiden Gläser erst mal auf einen der Tische ab, „oh man, ich klebe von Kopf bis Fuss.“ Den Zettel schmiss sie zu den Gläsern auf den Tisch.
Miguel fing an zu lachen.
„Das ist nicht lustig“, schimpfte sie.
„Nein, aber du hast es also wirklich nicht gemerkt, oder?“, lachte er.
„Was?“, fragte sie und kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch.
„Ach nichts, nichts!“, er musste immer noch schmunzeln.
„Raus mit der Sprache, was hab ich nicht gemerkt?“, sie schaute ihn eindringlich an und merkte dann aber, dass alle um sie herum lachten, nicht nur er.
„Mit wem du da geredet hast?“, er schaute sie verwundert an.
„Nein, keine Ahnung.“
„Kam er dir nicht ein kleeeeeeeeeeeeeeein wenig bekannt vor?“
„Doch, aber keine Ahnung. So genau hab ich mir den nicht angeschaut“, sagte sie, während sie versuchte, sich mit einem Papiertaschentuch etwas zu trocknen.
„Dass du diese Haare nicht erkannt hast“, Miguel schüttelte amüsiert den Kopf.
„Er hatte schwarze Haare, na und?“, sagte sie und rief sich ihn nochmals in Erinnerung, als es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel, „Ooooh... oooh.. nein... das war er nicht. Ihr spinnt...“
„Na, jetzt hat sie es doch noch gemerkt“, alle lachten.
Sie drehte sich um und schaute ob sie ihn noch irgendwo in der Menge entdeckte. Und tatsächlich, nicht weit von ihr stand er, an einem Stehtisch mit seinen Freunden, sie stiessen gerade miteinander an. Er redete gerade mit einem Freund und deutete kurz in ihre Richtung.
„Oh nein...“, sagte sie leise.
„Ja, und wie zickig warst du zu ihm?“, fragte Carmen, eine Freundin.
„Gar nicht. Ich war nur... etwas... angepisst.“
„Das kann auch nur dir passieren“, lachte Miguel, „Xavi anzuzicken. Es war wirklich lustig euch zu zu sehen.“
Mia seufzte und setzte sich dann zu den anderen, musste dann aber auch anfangen zu lachen.
„Ich dachte noch, der kommt mir irgendwie bekannt vor, aber.. ich hab gar nicht weiter drüber nachgedacht“, sie seufzte und sah etwas peinlich berührt aus der Wäsche.
„Ja, wir haben uns schon gewundert, ehrlich. Aber es war wirklich witzig. Wir dachten schon, was wohl in dich gefahren ist. Du hast ihn ja ganz schön böse angefunkelt“
„Aber sag mal, hat er dir nicht noch was aufgeschrieben?“, grinste Carmen und sie hatten die Szene natürlich genau beobachtet.
„Oh... doch, natürlich.“, sie grinste und sah sich auf dem Tisch um, bis sie dann das zusammengeknüllte Kaugummipapier entdeckte. Es war leicht rot von der überlaufenen Margarita und etwas feucht. Sie faltete es auseinander.
„Zeig her“, lachten die Mädels und versuchten ihr das Papier aus der Hand zu nehmen.
„Ach hört auf. Ich ruf ihn sowieso nicht an. Ich hab ihm schon gesagt, dass er mir die Reinigung nicht zahlen muss.“
„Dann hat er dir wohl einfach so seine Nummer geben wollen.“, zogen die anderen sie auf.
„Ihr seid so blöd“, sie rollte mit den Augen und steckte das Papier dann aber in ihre Tasche. Sie griff nach dem halbleeren Glas Margarita, welches auf dem Tisch stand und trank einen grossen Schluck. Verstohlen blickte sie noch mal in Xavi’s Richtung und konnte es immer noch nicht ganz glauben, dass sie ihn nicht erkannt hatte. Xavi. Xavi Hernàndez vom FC Barcelona. Eine lebende Legende.
In dem Moment sah er auch noch mal zu ihr herüber und schaute sie noch mal entschuldigend an.
Sie lächelte kurz und schüttelte den Kopf, nach dem Motto: „Ach ist doch nichts passiert!“

Später, nachdem Miguel sie wieder nach Hause gefahren hatte, lag sie noch wach im Bett. Sie war zwar wirklich müde, aber sie konnte trotzdem nicht schlafen. Diese kurze Begegnung mit Xavi hatte sie ganz verwirrt und sie war irgendwie wirklich beschämt, dass sie sich so verhalten hatte. „Oh Gott, er muss dich ja für die grösste Zicke halten, die in Barcelona rumläuft“, dachte sie, „aber egal, du siehst ihn ja zum Glück nicht wieder.“
Doch kaum hatte sie daran gedacht, dachte sie an den kleinen Zettel der immer noch in ihrer Tasche lag und wo seine Nummer, Xavi’s Nummer, drauf stand. Sie könnte ihn anrufen. Immerhin, hatte man ja nicht alle Tage die Nummer eines Spielers vom FC Barcelona. Andererseits, hatte sie ihm ja schon gesagt, dass sie ihn auf keinen Fall anrufen wird. Und einfach so anrufen konnte sie ja auch nicht. Er würde dann genau wissen, dass sie sich nur gemeldet hat, da sie gemerkt hat, wer er war und das wollte sie nicht.
Sie seufzte leise, kuschelte sich etwas in ihre Decke und versuchte dann endlich einzuschlafen.

Zur gleichen Zeit fuhr Xavi mit seinem Auto vor seinem Haus in Terrassa vor. Er hatte den Abend mit seinen Kumpels wirklich genossen. Und heute war wirklich ein guter Abend gewesen. Er war kaum von irgendwelchen Leuten angesprochen worden, was ihn wirklich freute. Es war teilweise wirklich nervend, dauernd von irgendwelchen Leuten angelabert zu werden. Oft sprachen ihn wirklich hübsche Mädchen an, aber meistens mit: „Bist du nicht der vom FC Barcelona?“ Dann war es für ihn dann meistens sowieso schon gelaufen. Er war nicht nur „der vom FC Barcelona“...
Er schloss seine Haustüre auf, machte das Licht an und ging nach oben in sein Zimmer.
Um so erfrischender war das Mädchen heute gewesen, dessen Cocktail er verschüttet hatte. Er musste lachen, wenn er daran zurück dachte, wie genervt sie von ihm war und nicht mal seine Nummer annehmen wollte. Und wie sie danach, als sie wieder bei ihren Freunden war und es ihr wohl gedämmert hat, wer er war, plötzlich so peinlich berührt war und wie sie dann so völlig bedröppelt aus der Wäsche geguckt hatte. Er war sich fast sicher, dass sie sonst wohl anders reagiert hätte. Und sie hatte ja auch öfters betont, dass sie ihn bestimmt nicht anrufen wird, wegen der Rechnung.
„Schade eigentlich“, ging es ihm durch den Kopf. Nicht nur weil er sie irgendwie sympathisch fand, sondern weil es ihm wirklich leid getan hatte, dass er ihr Outfit völlig ruiniert hatte.
Er ging ins Badezimmer. Während er sich die Zähne putze, hörte er von draussen sein Handy klingeln.
Er ging mit der Zahnbürste im Mund zurück in sein Schlafzimmer, wo er es zuvor abgelegt hatte und schaute auf das Display.
„1 neue Nachricht von der Nummer...“
Er runzelte die Stirn. Er kannte die Nummer nicht und sie war nicht in seinem Handy gespeichert, sonst wäre der Name angezeigt worden.
Neugierig drückte er auf Nachricht anzeigen und las:

Hallo
Ich weiss, es ist mitten in der Nacht.
Aber ich wollte nur sagen, dass du dir keine Gedanken machen musst,

ich glaub ich krieg die Flecken auch so wieder raus. Und ich lösch deine
Nummer natürlich auch gleich wieder.

Gute Nacht,
Mia

Mia lag in ihrem Bett und starrte auf ihr Handy. „Oh mein Gott... Habe ich das jetzt wirklich gerade abgeschickt?“
Sie starrte ihr Handy mit weit aufgerissenen Augen an. „Also Mia, jetzt stellst du dein Handy aus, legst es zur Seite und denkst nicht mehr daran. Den Zettel wirfst du in den Müll und damit ist die Sache erledigt.“, sagte sie zu sich selbst und tat das dann auch. Nach zwei vergangenen Minuten griff sie wieder nach ihrem Handy, dass auf dem Nachttisch lag und schaltete es ein. „Immerhin könnte es ja schon sein, dass er zurück geschrieben hat...“, dachte sie, „nein, keine neuen Nachrichten. Ok... Vielleicht schläft er ja schon?“
Nachdem sie ihren inneren Kampf ausgefochten hatte, entschloss sie sich, das Handy wieder weg zu legen, aber es angeschaltet zu lassen. Sie seufzte noch einmal leise und drehte sich dann wieder auf die Seite und schloss die Augen.

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Sie drehte sich ruckartig um und griff nach ihrem Handy. Es war ihr Vibrationsalarm, der ihr gerade mitteilte, dass sie eine neue Nachricht erhalten hatte. Sie schaute auf das Display. Darauf war das kleine Briefchen zu sehen... daneben stand aber Carmen...
Mia grummelte kurz, sie hatte natürlich inständig gehofft, dass es Xavi war, der ihr antwortete. Sie wusste aber auch selber, dass das total dumm war und rügte sich in Gedanken selber.
Sie schrieb Carmen noch kurz eine SMS zurück und legte das Handy danach wieder zur Seite.
Sie schloss die Augen und versuchte einzuschlafen.


Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Mia seufzte noch einmal. „Ja, Carmen, ich habe nicht vergessen, dass wir morgen noch ins Kino gehen und ja ich bin sicher pünktlich...“
Sie grabschte nach ihrem Handy und las die Nachricht:

Hallo
Kein Problem, ich bin gerade nach Hause gekommen.
Gut, dann bin ich ja froh, dass ich keinen zu grossen

Schaden angerichtet habe.
Du musst sie nicht löschen, ich hab sie dir ja extra dafür gegeben.
Ich hoffe, du hattest trotzdem noch einen schönen Abend.
Also, dann schlaf gut.

Liebe Grüsse
Xavi

Mia las die Nachricht noch einmal. Und noch einmal. Nach einer gefühlten Stunde verformten sich ihre Lippen zu einem wirklich dämlichen Grinsen.
„Oh mein Gott“, sie kicherte vor sich hin, „soll ich was zurückschreiben?“
Sie legte das Handy erst mal weg, nur um es nach wenigen Sekunden wieder in die Hand zu nehmen.

Xavi lag daheim mittlerweile im Bett, als sein Handy erneut klingelte. Als er sein Handy diesmal zur Hand nahm, las er keine unbekannte Nummer, sondern hinter dem Nachrichten-Text stand ihr Name: Mia.

Ja, ich bin auch erst nach Hause gekommen.
Ok, ok, wenn was ist, würde ich mich noch mal bei dir melden.
Ja danke. War dann doch noch ganz lustig. Hoffe bei euch auch?
Danke werd ich bestimmt. Ich bin so müde von der ganzen Tanzerei.

Schlaf gut,
Mia

Es dauerte diesmal nicht mehr so lange, bis Mia’s Handy wieder klingelte. Und sie hatte es diesmal auch nicht mehr aus der Hand gelegt.

Ja, wir hatten auch noch unseren Spass. Muss man ja immer ausnützen,
wenn am nächsten Tag mal kein Training ist. Morgen ist dann erst mal
Ausruhen angesagt. Bei dir wohl auch, wenn du dir die Füsse wund

getanzt hast, was? ;-) Gut, aber ich will dich ja nicht länger wach halten, wenn du schon so
Müde bist. Gute Nacht.

Er hatte sein Handy auch noch in der Hand, als schon wieder eine Antwort von ihr kam:

Hehe, ja das glaub ich dir, dass du das erst mal ausnutzen musst, wenn
du mal einen freien Tag hast. Ich gehe morgen auch nur
mit einer Freundin was essen und danach ins Kino. Am Montag
darf ich ja dann auch wieder ran.
Ach was, tust du nicht ;-)


Er lächelte. Irgendwie fand er es gerade ziemlich nett so ungezwungen mit ihr zu schreiben.

Klingt nett. Was guckt ihr euch denn morgen an? Ich war
schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr im Kino. Ich glaube
das letzte Mal im Winter. Was arbeitest du denn?

Sie sass mittlerweile im Bett und konnte ihr Grinsen gar nicht mehr unterdrücken.

Ich weiss es nicht. Meine Freundin sucht den Film aus.
Bestimmt irgendeinen Frauenfilm, so wie ich sie kenne. Hehe.

Ach nein. Nicht Arbeiten. Ich hab dann wieder Uni bzw. Klausur.
Juhui..
Du solltest öfters ins Kino gehen. Kino ist toll. ;-)

Ihm ging es nicht anders. Er war zwar schon müde, aber irgendwie, war es gerade einfach interessant mit ihr zu schreiben.



Ach so. Was studierst du denn?
Hehe ja, wenn ich Zeit hätte, würde ich ja schon öfter mal ins Kino.

Leider ist das nicht ganz so einfach in meinem Beruf.
Aber wer weiss, vielleicht ergibt es sich ja demnächst mal.
Du kannst mir ja dann sagen, ob der Film gut war, dann
weiss ich ja schon, was ich mir angucken kann.

Sie gähnte, während sie ihm zurück schrieb:

Ich studiere Geschichte und Sprachen.
Und ja, es ist spannend :P

Ach so ein Fussballerleben scheint ja ganz schön hart zu sein.
Klar mach ich dann morgen, wenn du möchtest.
Ich muss jetzt wirklich schlafen, mir fallen hier
gleich während dem Tippen die Augen zu.
Tut mir leid :-)
Schlaf schön, Mia

Er war auch müde, aber war froh, dass sie schrieb, dass sie sich morgen wohl wieder melden würde.

Ja, klingt wirklich sehr spannend :P
Und ja, so ein Fussballerleben kann manchmal
wirklich hart sein. Und das sagt mir eine Studentin ;-)
Gut, dann bin ich ja schon gespannt, was du morgen
über den Film schreibst. Schlaf gut, Mia.
Xavi

Sie las seine SMS noch einmal und schlief danach lächelnd ein.

Am nächsten Tag traf sich Mia mit Carmen in der Stadt. Sie hatten sich dazu entschlossen erst ins Kino zu gehen und danach zu essen, da sie beide erst spät aufgestanden waren und noch gar nicht hungrig waren.
Insgeheim hatten sie wohl beide vor, sich erstmal im Kino mit Popcorn den Appetit zu verderben.
Nachdem Kino gingen sie noch in ihr Stammlokal, wo sie sich eine Kleinigkeit bestellten.
„Und, schickst du ihm die Rechnung?“, fragte Carmen dann als sie gerade ihre Getränke bekommen hatten.
„Wem?“
„Na Xavi natürlich“, sagte sie und grinste dabei vielsagend.
„Ach nein. Ich wasche sie einfach. Werden schon wieder sauber. So schlimm ist’s jetzt auch wieder nicht.“
„Schade, dann hättest du wenigstens einen guten Grund gehabt, ihn anzurufen.“
“Ach... Das nützt mir eh nichts“, Mia lachte, „ich denke der hat genug Mädchen die ihm hinterher rennen.“
„Ja und? Cool wäre es ja trotzdem. Und wenn du sie nicht willst, kannst du mir ja seine Nummer geben“, sie lachte und scherzte nur. Sie selbst hatte einen Freund und war dann doch vernünftig genug, so etwas nicht zu tun.
„Ja klar, das hättest du wohl gerne, was?“, Mia lachte und kramte aber nach ihrem Handy. Ihr fiel wieder ein, dass sie ihm ja versprochen hatte, zu erzählen, wie der Film so war.

Er lag zu Hause auf dem Sofa und zappte sich durch diverse Fernsehprogramme. Ach wie er solche Sonntage liebte. Einfach nur faul zu Hause liegen, sich die neusten Serien und Klatsch und Tratsch Nachrichten anschauen und sonst einfach nichts tun. Nur faul sein. Am Mittag war er noch bei seinen Eltern essen und jetzt genoss er einfach die Ruhe um ihn herum. Die letzten Wochen waren hart. Vollgepackt mit Spielen und Reisen. Er war wirklich dankbar für diesen Tag.
Hin und wieder ertappte er sich, wie er auf sein Handy schielte. Keine Nachricht von ihr.
„Sie hat es bestimmt vergessen“, sagte er zu sich.
Er stand vom Sofa auf und holte sich noch etwas zu trinken. Als er sich wieder auf Sofa setzte und zu seinem Handydisplay schielte, sah er dieses noch kurz blau schimmern, ehe es sich dann verdunkelte.
Er griff sofort zum Telefon und tatsächlich: Mia.
Mit einem Lächeln im Gesicht drückte er die Lesen-Taste.

Na du? Hast du noch gut geschlafen?
Wir kommen gerade aus dem Kino und ich muss

dir sagen, dass er Film wirklich schlecht war. Ich
kann ihn also nicht weiterempfehlen ;-) So etwas
schnulziges und langweiliges habe ich wirklich selten gesehen.
Wir gehen jetzt was essen. Das macht die Enttäuschung vom
Kino bestimmt wieder weg.
Liebe Grüsse,
Mia

Kurz darauf vibrierte es in Mia’s Handtasche. Sie zwang sich, seine SMS noch nicht zu lesen. Sie wollte nicht, dass Carmen nachfragte, mit wem sie schrieb und zudem war es doch etwas unhöflich, wo sie doch nur zu zweit hier am Tisch sassen.
Doch das Erste was sie tat, nachdem Carmen sie zu Hause abgesetzt hatte, war ihr Handy aus der Tasche zu ziehen und seine Nachricht zu lesen.

Ohje, schade dass euer Film nicht so toll war.
Hoffe das Essen war wenigstens gut?
Danke ja. Ich habe ganz gut geschlafen. Die Nacht war
nur irgendwie ziemlich kurz, obwohl ich nicht früh
aufgestanden bin. Ich sitze daheim rum und geniesse gerade
das Nichtstun.
Xavi

Sie stieg die Treppen zu ihrer Wohnung hoch und tippte schon währenddessen ihre Antwort.

Hehe, ja. Das Essen war toll. Kann mich nicht beklagen.
Das hat den Tag definitiv noch gerettet. Ach ich liebe

faule Tage. Ich beneide dich ja jetzt fast um dein Nichtstun ;-)
Ich bin jetzt gerade wieder daheim angekommen.

Er las ihre Nachricht und überlegte kurz. Eigentlich könnte er sie ja auch einfach anrufen? Sie war gerade daheim und er war sich sicher, dass man sich mit ihr bestimmt genau so gut unterhalten konnte, wie man mit ihr SMS-Schreiben konnte. Ohne zu zögern drückte er den „Anrufen“ Knopf auf seinem Handy.
Es klingelte.

Mia kramte zu Hause gerade ihre Unterlagen hervor, als ihr Telefon klingelte. Sie nahm es zur Hand und sah seinen Namen aufblinken.
„Oh mein Gott, er ruft mich an?“, sie starrte mit grossen Augen auf das Display. Doch sie musste rangehen. Sie hatte ihm gerade zurück geschrieben. Er wusste also, dass sie ihr Handy zur Hand hatte. Sie atmete noch einmal tief ein und ging dann ran: „Ja?“, fragte sie beinahe schüchtern.
„Hallo. Hier ist Xavi“, sagte er freundlich und auch etwas unsicher. Kaum hatte er gewählt, fand er, es war doch keine gute Idee sie anzurufen.
„Hallo. Ja ich weiss, ich hab’s gesehen“, sagte sie und wusste irgendwie gar nicht so recht, was sie sagen sollte. Sie war so überrascht über seinen Anruf.
„Ach so. Ja klar.“, peinliches Schweigen, „ich dachte... also ich ruf einfach an, weil also ja. Geht besser als Schreiben oder?“
„Ja, das stimmt.“
„Oder stör ich dich gerade?“
„Hehe nein. Grad gut, dass du anrufst. Ich wollte gerade noch meine Unterlagen durchschauen. Da ist mir eine Ablenkung grad recht“, sie lachte.
„Gut, aber ich will wirklich nicht stören.“
„Nein, tust du nicht. Wirklich.“
„Was hast du Morgen denn für eine Klausur?“
„Ach nur spanische Literatur. Aber dieses Thema liegt mir ganz gut. Also denke ich, sollte es morgen dann kein Problem sein.“
“Ach so, gut. Klingt immer noch, sehr spannend“, lachte er.
„Hey, machst du dich etwa über mein Studium lustig?“, fragte sie gespielt beleidigt.
„Nein, das würde ich niemals tun.“, er grinste vor sich hin.
„Gut.“, sie lachte.
„Und wie lange hattest du heute noch vor zu lernen?“
„Ach ich wollte es nur noch mal durchlesen. Eine Stunde, vielleicht zwei.“
Er schaute auf die Uhr. Es war kurz vor 18.00 Uhr.
„Hast du vielleicht... also danach Lust noch etwas zu trinken“, fragte er unsicher.
„Also...“, sie überlegte kurz, „ich kann einfach nicht all zu lange weg. Weil ich morgen wirklich fit sein muss. Aber ja, wieso nicht?“
Innerlich atmete er erleichtert auf.
„Gut. Schön“, sagte er dann.
„Und... wohin möchtest du denn gehen?“
„Gute Frage. Das ist gar nicht so einfach, ohne dass die Klatschpresse morgen gleich davon berichtet, dass ich mit einer Frau unterwegs war“, lachte er und das war wirklich immer lästig. Manchmal konnte er wirklich keinen Schritt tun, ohne dass es am nächsten Tag in allen Zeitungen stand.
„Ach so, ja“, sie wartete ab.
„Hmm...“, normalerweise traf er sich meistens mit Freunden zu Hause, so blieben sie unter sich und es wurden keine unnötigen Fragen aufgeworfen, „ich kenne hier in Terrassa ein zwei nette Lokale, wo wir hingehen könnten?“
„Ich habe im Moment kein Auto. Deshalb... Bis ich da wäre und wieder zurück... Das würde ganz schön lange dauern“, antwortete sie ihm.
„Ach so...“, er kratzte sich am Kopf, „vielleicht... also... soll ich dich abholen? Und wir schauen dann einfach mal, was wir machen wollen? Vielleicht fällt uns ja bis dahin noch etwas ein?“
Er war selber überrascht über seine Offensive. Aber irgendwie mochte er dieses Mädchen einfach.
„Ja klar, wieso nicht. So... gegen 19.30 Uhr? Ich denke, dann sollte ich mit allem durch sein.“
„Ja, klingt gut. Also dann.. um halb Acht bei dir?“
„Ja, das ist gut“, sagte sie.
„Gut... also dann... bis später. Ok?“
“Ja, ok. Bis nachher. Tschüss.“
„Tschüss“, sagte er und legte auf. Er atmete tief durch. Kurz darauf kam aber die Erkenntnis, dass er keine Ahnung hatte, wo sie wohnte.
Ihr Handy klingelte erneut.
„Ja?“, fragte sie. Ihr war noch nicht aufgefallen, dass sie ihm ihre Adresse noch gar nicht gesagt hatte.
„Hallo. Ich bin’s wieder. Also... du... wo wohnst du? Ich finde dich sonst ja gar nicht“, er lachte etwas verlegen.
„Ach so. Ja...“, sie lachte auch kurz und nannte ihm danach ihre Adresse, „ähm, es ist ein kleines Wohnhaus. Du musst bei Pereira klingeln.“
„Pereira?“, fragte er zur Sicherheit noch einmal nach.
„Ja genau“, sagte sie freundlich.
„Gut, also dann bis nachher“, sagte er.
„Gut. Tschüss“, sie legte wieder auf und versuchte sich danach wieder ihren Unterlagen zu widmen. Aber die Tatsache, dass er gleich hier auftauchen würde, machte sie irgendwie nervös. So streifte sie etwas durch die Wohnung und überlegte sich zuerst, ob sie sich vielleicht noch etwas anderes anziehen sollte. Immerhin wollte sie ja schon anständig daher kommen.
Sie ging zum Kleiderschrank und probierte einige Outfits durch. Letztlich entschied sie sich dann für ein türkisfarbenes, langes Shirt und schwarze, enge Jeans. Ihr Blick fiel auf die Uhr. „Nur noch 45 Minuten... Los, lies dir jetzt deine Unterlagen durch“, sagte sie zu sich selber. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und fing, wenn auch nur halbherzig, an zu lernen.
Ihre Konzentration war gleich null, denn sie schaute immer wieder auf die Uhr. 10 Minuten bevor er kam, war sie dann sowieso viel zu nervös um auch nur noch ein Wort zu lesen. Sie ging ins Badezimmer, bürstete sich die Haare und putzte sich die Zähne.

„Oh nein“, sie seufzte und starrte auf den grossen weissen Fleck, der die Zahnpasta gerade auf ihrem Oberschenkel hinterlassen hatte, „nicht Zahnpasta...“
Während sie in ihr Zimmer ging, öffnete sie bereits ihre Hose und als sie sie gerade zur Hälfte ausgezogen hatte, klingelte es auch schon an der Türe. Mit einem Fuss noch im Hosenbein steckend und die Hose hinter sich herziehend ging sie zur Sprechanlage neben ihrer Wohnungstür.
„Ja?“, fragte sie.
„Ich bin’s“, sagte Xavi.
„Moment. Ich...“, während sie sprach versuchte sie die Hose loszuwerden, „ich bin gleich fertig. Du kannst hochkommen. Also dritter Stock links. Es ist offen. Wirklich, ich bin gleich fertig.“
„Ok“, hörte sie ihn noch sagen, als sie aber schon dabei war in ihr Zimmer zu rennen und eine andere Hose zu suchen.
Während sie eine schwarze Leggins aus dem Schrank zog hörte sie das Klicken ihrer Wohnungstüre.

Xavi hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen und trat etwas unsicher in die kleine Wohnung ein. Er stand in einem kleinen Gang, zu seiner Linken war das Badezimmer und ein paar Schritte vorne rechts schien das Wohnzimmer zu sein.
„Hallo“, rief er und schaute sich etwas um.
Die Wohnung war aufgeräumt und gleichzeitig doch chaotisch. An den Wänden hingen einige Bilder, unter anderem eines von Paris und London. Im Wohnzimmer standen auf dem Sideboard neben ihrem Fernseher einige Fotos. Er trat einige Schritte darauf zu und schaute die Bilder an. Er erkannte Mia auf gewissen, einmal mit einem jungen Mann, der ihr sehr ähnlich war. „Bestimmt ihr Bruder“, dachte er sich. Neben diesem Bild stand noch ein weiteres, es schien aber schon ein etwas älteres Bild zu sein. Es war ein kleines Mädchen darauf zu sehen und ein Junge, der vielleicht ein oder zwei Jahre älter war. Der Junge hatte den Arm um das Mädchen gelegt, vor ihnen lag ein Fussball auf dem Boden und beide trugen ein Shirt des FC Barcelona. So wie er sich erinnern konnte, musste es etwa das aus der Saison 86/87 sein. Er hatte es auch zu Hause. Er schmunzelte.
„Hey“, sagte sie dann plötzlich hinter ihm, „tut mir leid. Ich hab mir beim Zähneputzen gerade noch meine Hose versaut.“ Sie lachte ihn an.
„Hallo“, sagte er und drehte sich zu ihr. Sie sah anders aus als gestern, nicht ganz so viel Make-Up. Ihre Haare hatte sie zu einem lockeren Zopf geflochten. Sie sah wirklich gut aus, fand er.
„Bist das du?“
Er deutete auf das Bild mit den zwei Kindern.
„Hehe, ja. Das bin ich mit meinem Bruder. Da war ich wohl etwa... 3 Jahre alt.“
„Drei und schon ein Culé?“, grinste er.
„Ja, natürlich.“
„Wer war dein Lieblingsspieler?“, fragte er.
„Als ich noch klein war, dann war es immer Amor. Später dann Guardiola“, sie zwinkerte.
„Und heute?“, lachte er.
„Ach... wollten wir nicht was trinken gehen?“, fragte sie lachend.
„Ich find das grad interessant“, er grinste.
„Ja, das glaub ich dir.“
„Hehe, na ich hoffe mal, dass du mir das dann heute noch verrätst“, er zwinkerte.
„Mal sehen“, sie lächelte, „also wo wolltest du hin?“
„Also entweder dachte ich, dass wir bei dir oder bei mir etwas trinken oder halt irgendwo hingehen?“
„Also mir spielt es keine Rolle. Du musst sagen, was dir am liebsten ist“, sie lächelte und konnte sich schon vorstellen, dass es manchmal echt ätzend sein musste, wenn man dauernd unter Beobachtung stand.
„Hmm“, er überlegte kurz, „dann bin ich für irgendwo daheim.“
„Wollen wir gleich hier bleiben? Ich hab noch irgendwo Wein denke ich und Bier sollte ich auch noch da haben. Dann musst du nicht extra hin und zurück fahren“, sagte sie.
„Ja, hört sich gut an.“, er lächelte und hoffte, ihr damit wirklich keine Umstände zu machen.
„Ja, dann. Was willst du also trinken?“
„Der Wein klang ganz gut“, grinste er.
„Gut, Moment, ich muss ihn suchen“, sie lachte und ging in die Küche die halb offen im Wohnzimmer integriert war.
Er sah ihr zu wie sie einige Schranktürchen öffnete und nach der Flasche suchte.
„Ah hier“, sagte sie dann und hielt eine Flasche Rotwein hoch. Sie suchte noch zwei Gläser raus und stellte sie neben die Flasche auf die Ablage. Beinahe hätte sie eines davon umgestossen. Sie war so aufgeregt, dass er hier war.
„Wollen wir auf den Balkon?“, fragte sie dann und nahm eine Packung mit Chips aus dem Schrank und leerte deren Inhalt in eine Glasschüssel.
„Ja, gute Idee“, er nahm die Gläser und machte sich auf Richtung Balkon. Neben der Tür auf dem Boden lag ein Zuber mit Wäsche. Beinahe ganz oben sah er ein Trikot liegen, es war zwar keines von Barcelona, aber eines der spanischen Nationalmannschaft. Es hätte ihn ja wirklich interessiert, ob auf dem Rücken des Shirts auch ein Name war. Es interessierte ihn einfach immer, auf was für eine Spielart die Leute standen. Er fand, davon konnte man unglaublich viel über die Leute erfahren.
„Was guckst du?“, fragte sie nett und sah wie er die Türe zwar geöffnet hatte, aber noch nicht rausgegangen war, „Sorry, das wollte ich heute noch waschen.“
„Toll gemacht, dass deine Dreckwäsche hier rumsteht... wirklich“, sie rollte innerlich mit den Augen.
„Was? Nein, das stört mich nicht. Ich hab nur gerade dein Spanientrikot bewundert.“
„Ach so. Ja das hab ich mir bei der letzten EM geholt“, sie grinste.
„Welche Nummer?“, er grinste.
„10“, sie streckte ihm die Zunge raus.
„Fabregas“, sagte er.
Sie schüttelte amüsiert den Kopf und ging dann raus und stellte die Flasche auf den Tisch und steckte sich schon mal ein paar Chips in den Mund.
Er folgte ihr und stellte die Gläser auf den Tisch.
Sie schenkte ihnen beiden ein und setzte sich dann auf einen der Stühle. Der Balkon war sehr klein, aber er bot gerade genug platz, dass 3-4 Leute gemütlich draussen sitzen konnten. Sie prosteten sich zu und genossen die Abendsonne. Sie redeten über allerlei und verstanden sich wirklich gut.
Irgendwann fragte Xavi: „Aber sag, ist es wirklich ein Trikot von Fabregas?“
Sie musste lachen.
„Das geht dir jetzt nicht mehr aus dem Kopf oder?“
„Es interessiert mich einfach“, lachte er.
Sie stand auf und zog das Trikot aus der Wäsche, drehte es um und hinten stand unter dem Kragen „Fabregas“ und darunter die Nummer 10.
„Gut.“, er grinste.
„Gut?“, sie schaute ihn fragend an.
„Ja. Gut“, er grinste amüsiert.
„Nein, was? Du siehst aus als hättest du jetzt gerade irgendwelche Schlüsse über mich gezogen, nur wegen meinem Fabregas-Shirt“, sie schmunzelte.
„Nein, aber ich finde das einfach immer interessant, welche Spieler Leute gut finden. Immerhin kann das viel über wen aussagen“, sagte er, versuchte dabei ein Schmunzeln zu unterdrücken.
„Aha... Jetzt wird’s interessant. Was also sagt mein Fabregas-Shirt über mich aus?“, sie setzte sich wieder hin und schaute ihn mit ihren grossen Augen fragend, aber amüsiert an.
„Naja... Also Cesc ist ja so ein Grenzfall. Es gibt die Mädchen, die einfach nur auf Cesc stehen und deshalb sein Shirt tragen. Dann gibt es noch die Arsenalfans und dann die, die wirklich sehen, dass er ein toller Fussballer ist.“
„Ach so“, sie schaute scheinheilig aus der Wäsche.
„Du bist also eines dieser Mädchen, die auf Cesc stehen. Ich sehe schon“, er lachte .
„Ja... nein ... also... ja. Nein. Also er ist toll. Ich meine, er spielt wirklich toll. Und dass er gut ausschaut, das ist nur ein netter Nebeneffekt“, sie grinste vor sich hin.
„Haha, ja klar“, er war amüsiert.
„Doch ehrlich.“, sie grinste.
„Also ist er dein Lieblingsfussballer?“
„Nein. Aber er ist schon einer meiner Liebsten, ja.“
„Wer gehört denn noch in diese ehrenwerte Gruppe?“, fragte er.
„Nein, danach denkst du nur wieder, ich bin so ein komisches Fangirly.“
„Nein, tu ich nicht, versprochen“, er grinste und war wirklich gespannt. Er hätte wetten können, den nächsten Namen, den sie nannte war „Piqué“.
„Also, in meinem Schrank hängt noch ein Cristiano Ronaldo Shirt von Real Madrid.“, sagte sie ernst und lächelte.
„Ok“, sagte er nur und dachte sich, „Oh Gott“
„Ja er ist toll und er sieht so gut aus. Ich stehe total auf ihn“, sie fing an zu grinsen und konnte die Ironie in ihrer Stimme nicht mehr unterdrücken.
„Das war ein Scherz?“, fragte er misstrauisch.
„Nein, natürlich nicht. Ich zeig es dir, wenn du möchtest“, sie lachte, aber natürlich hatte sie kein solches Shirt in ihrem Schrank.
Er hatte mittlerweile gemerkt, dass es wohl nur ein Scherz war und war wirklich erleichtert darüber.
„Gut, ich muss dann gehen“, sagte er und lachte, immer noch bezogen auf das Ronaldo Shirt in ihrem Schrank.
„Schade, aber ich kann es verstehen“, sie lachten beide, „nein ernsthaft, so was kommt mir nicht ins Haus.“ Sie zwinkerte ihm zu und trank noch einen Schluck vom Wein.

Langsam war es schon wirklich dunkel draussen.
„Ich muss langsam los“, sagte er irgendwann. Er genoss es zwar gerade mit ihr hier draussen zu sitzen und es war wirklich lustig, aber er wusste, sie hatte morgen noch ihre Prüfung und er musste auch wieder rechtzeitig auf dem Feld stehen und mit dem Training beginnen.
„Ja, es ist schon langsam spät. Ich sollte auch ins Bett. Morgen muss ich dann wieder 100 % geben.“
„Ja“, er lächelte und stand auf, half ihr noch das Geschirr in die Küche zu tragen und sie begleitete ihn danach noch zur Tür.
„Also...“, sagte er und grinste sie kurz an.
„Ja, Also, dann... viel Spass morgen im Training“, sie lächelte.
„Danke. Und dir viel Glück Morgen für die Prüfung.“
„Dankeschön“, sie stand noch immer in der Tür.
„Also dann. Danke nochmals. War wirklich lustig.“
„Ja, das stimmt. Es hat wirklich Spass gemacht“, stimme sie ihm zu.
„Gut, dann... wir sehen uns?“, sagte er halb fragend, halb feststellend.
„Ja, ich denke schon“, antwortete sie.
„Gut.“
“Gut.“
„Also, tschüss“, er lächelte sie kurz an und ging dann die Treppe hinunter.
Sie schaute ihm noch kurz nach, bis sie dann die Türe hinter sich zu machte und laut hätte schreien können. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass Xavi bei ihr zu Hause gewesen war. Dass sie mit ihm Wein getrunken hatte und sich amüsiert hatte. Unglaublich.

Xavi ging zu seinem Wagen und blickte noch einmal hoch in den dritten Stock. Er hatte ein Lächeln auf den Lippen. Es hatte ihm wirklich gefallen. So ungezwungen hatte er sich schon lange nicht mehr mit einer Frau unterhalten können. Es war ganz locker gewesen und einfach nett. Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss und fuhr nach Hause.