X-Men Evolution: Unknown entity (#2)

von Qantaqa
GeschichteAbenteuer / P12
26.09.2010
15.06.2011
16
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26.09.2010 4.126
 
X-Men Evolution: Unknown entity

Cover: Unknown entity
Serientrailer: Teaser Trailer
Trailer: X-Men Evolution: Unknown entity
Setting:  Cartoons/Comics
Timeline: Setzt nach der 3. Staffel von "X-Men: Evolution" an.
Rating: P12
Disclaimer: Mir gehören keine der in der FF erwähnten Charaktere. Diese sind ausschließlich Eigentum von Marvel. Ich leihe sie mir nur aus... Ja ja, ich geb' sie ja wieder zurück, keine Angst.
Nunja, eine Ausnahme gibt es aber: Felicitas Collins gehört einzig und allein mir :D Und sie wird weder verkauft noch verliehen ;P Dasselbe gilt für alle sonstig auftretenden OCs.
Die Geschichte entsteht aus reiner Freude am Schreiben, ich mache kein Geld damit.
Zusammenfassung: Drei Monate sind vergangen. Drei Monate, in denen sich der stille Krieg zwischen Menschen und Mutanten allmählich ausweitete, und Formen annahm, die nur die wenigsten begrüßten. Doch niemand rechnete damit, dass es schlimmer kommen könnte. Weitaus schlimmer. Es wird Zeit für Entscheidungen, die das Leben aller für immer verändern werden... Fortsetzung zu 'X-Men Evolution: The Brotherhood of Bayville'.


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Übersicht bisherige Teile:

1. Teil (Pilot): X-Men Evolution: The Brotherhood of Bayville
2. Teil: X-Men Evolution: Unknown entity
3. Teil: X-Men Evolution: Blacklist
4. Teil: X-Men Evolution: Family ties
5. Teil: X-Men Evolution: Crossroads

Übersicht Trailer:

Teaser-Trailer
X-Men Evolution: The Brotherhood of Bayville
Dank Sony für Deutschland HIER
X-Men Evolution: Unknown entity
X-Men Evolution: Blacklist
In Deutschland HIER
X-Men Evolution: Family ties
X-Men Evolution: Crossroads

Bonus Trailer (ACHTUNG, unter anderem Spoiler enthalten!):

-Burning love (Für Deutschland HIER)
-Deadly Game zu "Family ties"
-Soldiers zu "Family ties"


~+~



Different times, different measures



Ruhig glitten seine Hände über die kühlen, zentimeterdicken Wände aus Stahl, während er durch die verworrenen Gänge schritt. Noch hatte er keine Bestätigung, doch für ihn gab es keinen Zweifel. Er wusste, dass er endlich gefunden hatte, wonach er monatelang suchte, jedem noch so kleinen Hinweis folgend.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als das tonnenschwere Metall ächzte wie morsches Holz im Winter. Die magnetische Spannung, die in der Luft lag, konnte er beinahe körperlich spüren, was ihm eine Gänsehaut über die Arme jagte.

Nach mehreren Minuten Fußmarsch durch die kalten, düsteren Gänge erreichte er einen großen, kuppelförmigen Raum. Nur spärlich war er beleuchtet, durch einige winzige Luken im schrägen Dach. Doch er kannte sich bestens aus, auch wenn der riesige Bau ganz wo anders war, als noch vor einem guten Jahr, so war er doch kaum verändert worden.
Er legte die Hand auf die kalten Armaturen des Hauptrechners, sah zu dem riesenhaften Bildschirm auf, der an der Wand festmontiert war.

Wochenlang hatte er in fast dem selben Raum ausgeharrt, gewartet, dass man ihn kontaktieren würde. Er war geblieben, als einziger der einst Vieren. Doch dann flog auch er aus. Nicht planlos. Nein, er wollte sich nützlich machen in der Zeit des Wartens, hinterließ eine Nachricht, die nur eine Person verstehen konnte.
In manchen Momenten, so musste er zugeben, hatte er daran gezweifelt, ob man ihn finden würde. Dann hatte er sich jedoch immer wieder bewusst ins Gedächtnis gerufen, dass es kaum ein Hindernis gab für die eine Person.

Lange hatte er warten müssen, bis endlich das erste Zeichen, der erste Hinweis kam. Es hätte keinen Sinn gemacht, sich selbst auf die Suche zu machen, denn wenn er nicht gefunden werden wollte, war es ein sinnloses, zeitvergeudendes Unterfangen.

Die Geduld hatte sich schließlich ausgezahlt, und nun würde er ihm wieder gegenübertreten können, mit mehr vorzuweisen, als einem Jahr des Nichtstuns. er würde gewiss erfreut sein, wenn er seine Erfahrungen und die Neuigkeiten mit ihm teilte und ihm anschließend noch die kleine Überraschung präsentierte...

Tief atmete er ein. Er war froh, wieder hier zu sein, wenn ihm auch der Abschied schwerer gefallen war, als er erwartet hätte. Doch das spielte jetzt keine Rolle mehr. Endlich würde es wieder vorwärts gehen. Er war dort, wo er hingehörte.

Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln, als er hinter sich das leichte Rascheln eines großzügigen Umhangs vernahm. Er hatte keine Schritte gehört. Natürlich nicht.

"Willkommen zuhause, Pyro." Die tiefe Stimme hallte durch den kahlen Raum, und der Angesprochene drehte sich langsam um.

"Hey Boss."






Bayville, New York, Jan. 5th, 16:45 PM:

Keuchend ging Felicitas zu Boden, getroffen von einem unerwartet harten Treffer in die Rippen. Doch lange Zeit um zu verschnaufen blieb nicht. Schnell rollte sie sich zur Seite ab, keine Sekunde zu früh, denn schon schlugen nur knapp neben ihr zwei schwere Stiefel ein.

Geschickt rollte sie sich nach hinten über den Rücken, stieß sich mit den Armen vom Boden ab, sodass sie innerhalb weniger Augenblicke wieder auf den Beinen stand. Ihr Atem ging schwer und stoßweise, pumpte weiße Dampfwölkchen in die kalte, winterliche Luft. Ihre Seite brannte höllisch, doch sie ging sofort wieder in Angriffsstellung. Umso mehr überraschte es sie, dass ihr Gegenüber selbige aufgab.

Nahtlos ging das Aussehen ihres Feindes Scott Summers in die drahtige Figur Mystiques über. Sie bevorzugte es, beim kämpfen die Gestalten ihrer Feinde anzunehmen, nur so würde es optimal auf die Zukunft vorbereiten... "Für heute ist es genug. Du hast dich gut geschlagen, Flame."
Feli nickte, zeigte nach außen hin nicht, wie sehr sie sich über das Lob freute. So etwas kam nur äußerst selten von ihrer Chefin. Aber wenn, dann war es ehrlich gemeint.

Sie schaute Mystique noch kurz hinterher, als sie ins Haus verschwand, dann hob sie ihre dicke Winterjacke vom Boden auf und schlüpfte hinein. Momentan war ihr noch gut warm vom Training, doch sie wusste mittlerweile, wie schnell man in der winterlichen Kälte New Yorks auskühlte.

Seufzend zog sie den Reißverschluss der unförmigen Jacke zu, kehrte dem Haus der Bruderschaft den Rücken und tat das, was sie fast immer nach dem Training mit Mystique tat. Sie wanderte zu ihrer Lieblingsstelle an den Klippen.





Lance sah Feli noch hinterher, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war. Dann setzte er sich gegenüber von Mystique, die ihn aufmerksam musterte, auf den Sessel.
"Also war das alles geplant", schlussfolgerte er, nachdem sein Boss geendet hatte.
"Ja, allerdings. Ich wusste, dass Pyro zurückgehen würde, sobald... Magneto wieder auftaucht. Er hat mich zu ihm geführt."
Lance schnaubte abfällig. Konnte seine Chefin wirklich so naiv sein?! "Denkst du wirklich, darauf würde Magneto nicht kommen? Meinst du im Ernst, du könntest ihn überraschen?"

Mystique hob missbilligend eine Augenbraue. "Natürlich wird er es wissen." Ein überlegenes Lächeln huschte über ihre Lippen, als Lance' Augen groß wurden. "Und deswegen werden wir uns auch besonders gut darauf vorbereiten."
"Wir?!" Entfuhr es ihrem ersten Schützling. "Das ist nicht dein Ernst..." Er schüttelte ungläubig den Kopf.

"Oh doch, junger Avalanche. Aber wir werden nicht alleine sein..." Mystique erhob sich von der Couch und ehe Lance nachhaken konnte, fuhr sie ihm mit Nachdruck dazwischen: "Alles weitere werdet ihr noch früh genug erfahren. Ich verlasse mich darauf, dass du Stillschweigen bewahrst, bis ich etwas anderes sage." Sie hatte es nicht nötig, eine Antwort abzuwarten, sie wusste, auf wen sie innerhalb ihres Teams genau zählen konnte. Und so verließ sie wenige Sekunden später das Haus.

Lance ließ sich zurück auf den Sessel fallen, rieb sich massierend die Schläfen. Nun, jetzt wusste er zumindest, was ihn in diesem Jahr erwarten würde. Er hatte einige Zeit gerätselt, an was Mystique arbeitete, als sie sich lange Zeit sehr rar bei ihnen gemacht hatte. Er hätte eigentlich mit etwas großem rechnen müssen... Aber zumindest konnte er sich nun darauf vorbereiten, dass demnächst wohl, wie vor jedem größeren Coup, eine Feuerprobe stattfinden würde.





Mit einem zufriedenen Grinsen beobachtete Feli, wie der weiße Schnee unter der Feuersbrunst dahin schmolz, die zurückbleibende Nässe ebenfalls innerhalb weniger Sekunden verdampfte. Mit einem wohligen Seufzend ließ sie sich auf den nun trockenen und aufgeheizten Felsen sinken und ließ ihre Beine über die Klippen baumeln. Die letzten Sonnenstrahlen ließen den um sie liegenden Schnee funkeln wie tausende von Diamanten. Feli legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, genoss das noch verbleibende Licht. Viel zu schnell wurde es im Winter dunkel. Und es kam selten genug vor, dass hier in New York die Sonne schien. Tief sog Feli die kalte Luft ein, die so herrlich nach frischem Schnee und nun auch Meer roch.

Sie hasste den Winter. Sie hasste die klirrende Kälte und den nassen Schnee. Aber sie verachtete nicht die Schönheit, die eine Winterlandschaft an sich hatte... Es war das erste Mal, dass sie Schnee in echt sah. All die Jahre zuvor war sie vor Einbruch des Winters immer in den Süden gereist, hatte meist in Mexiko die kalten Monate verbracht. Es hatte sich so leicht dort gelebt... Sie war beinahe glücklich dort gewesen. Aber wie immer hatte der Schatten der Einsamkeit ständig über ihr gehangen, auf ihrem planlosen Weg, als ständiger Begleiter.

Und dann war sie hier her gekommen. Durch ein eigentlich blödes Missgeschick. Sie hatte nach Washington wollen, dort war sie noch nicht gewesen. Doch wegen diesem dämlichen Bullen, der sie beim Taschendiebstahl am Bahnhof erwischt hatte, war sie in den nächstbesten Zug gesprungen... Und der hatte sie direkt nach New York befördert. In den ersten Tagen war es zugegebenermaßen sehr interessant gewesen, Felicitas war fasziniert von der riesigen Stadt, in der es so viel zu sehen gab. Doch bald schon nervten sie die Menschenmengen, die nicht einmal Nachts Ruhe zu finden schienen.
Sie hatte sich schon fest vorgenommen, am nächsten Tag wieder abzureisen, nur deshalb hatte sie es sich geleistet, für ein wenig Chaos zu sorgen... So wie sie es am Ende jedes Städtetrips tat. Man musste Spuren legen, Zeichen setzen, wenn man etwas erreichen wollte. Und ihr Zeichen war gesehen worden. Allerdings ganz anders, als Feli sich es hätte erträumen können.

Mystique hatte sie gefunden. Und ihr Freunde, eine Familie gegeben... Einen Sinn in ihrem bis dahin tristen Leben. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an ihre Familie dachte. Todd, die vorlaute, immer gut gelaunte Kröte mit den schrägen Sprüchen, der schüchterne aber liebenswerte Freddy. Pietro, der Feli nach wie vor nicht wirklich leiden mochte, sie oft mit seiner arroganten Art und hinterhältigen Witzen auf die Palme brachte. Und der grummlige Lance, der sich innerhalb kurzer Zeit einen festen Platz in ihrem Herzen erobert hatte. Ihr bester Freund Lance.
Und sie hatte Pyro kennengelernt... Der ihr mit ihrer Mutation geholfen hatte. Mit ihrem inneren Kampf mit sich selbst. Der Einzige, der wirklich nachvollziehen konnte, was mit ihr geschehen war. Der Einzige, den sie je geliebt hatte. Und noch immer liebte, obwohl er das nie erwidern würde, selbst, wenn er zurückkam...

Drei Monate war es nun her. Drei Monate und vier Tage, Feli wusste es ganz genau. Sie vermisste ihn immer noch höllisch, doch mit der Zeit war es einfacher geworden. Zumal das Trainingsprogramm mit Mystique ihr eine willkommene Ablenkung bot. Aus diesem Grund hatte sie auch nach dem Grundtraining im Gegensatz zu Lance um weitere Unterrichtseinheiten gebeten, was sie als netten Nebeneffekt auch gleich in Mystiques Ansehen hatte steigen lassen.

Es war hart und anstrengend, sie hatte Prügel einstecken müssen, Kopfstände, schmerzhafte Dehnübungen und noch viel mehr Kopfstände machen müssen. Viermal in der Woche wurde trainiert und in den ersten Wochen wusste Feli schon nicht mehr, wie es sich ohne Muskelkater und schmerzendem Körper lebte. Doch sie genoss die Schmerzen, sie lenkten sie so wundervoll ab von der Sehnsucht nach dem Mann, den sie liebte. Und was das Training außerdem bewirkte, gefiel ihr außerordentlich gut...
Feli war um einiges beweglicher und flinker geworden, ihr Körper war sehniger, von dem Babyspeck war nun nichts mehr zu sehen. Und auch, wenn sich auf ihrem schmalen Körper keine Muskelberge türmten, so war sie nun in der Lage, einen ausgewachsenen Kerl zu verprügeln, ohne ihre Kräfte dabei einzusetzen.

Natürlich bevorzugte sie nach wie vor ihr eigenes Feuer als Waffe, sie liebte ihre Mutation einfach viel zu sehr. Doch es tat gut zu wissen, dass man sich auch ohne verteidigen konnte und nicht wehrlos ausgeliefert war. Man wusste schließlich nie, wozu es mal gut sein würde...
Ihre Kräfte trainierte sie zusätzlich, oft ließ sie das Feuer um sich rotieren, wenn sie hier draußen war, unbeobachtet und alleine. Feli wusste noch von früher am besten, dass andere nicht alles über einen zu wissen brauchten... Der eigene Vorteil war immer noch der Beste.
Ein Feuersturm war anstrengend, zehrte sie viel zu schnell aus, wenn sie nicht aufpasste, doch es war auch die beste Methode, um die Ausdauer am effektivsten zu trainieren. Und diese hatte sich um einiges verbessert in den letzten Monaten. Pyro würde stolz auf sie sein...

Der Gedanke an ihren früheren Mentor versetzte ihr den Stich der Sehnsucht in ihr Herz, und sie versuchte sich sogleich wieder mit dem Gedanken abzulenken, dass er ja bald wiederkommen würde. Ja, bald...






Gerade hatte Feli die Türe hinter sich geschlossen, als es auch schon aus dem Wohnzimmer tönte: "Hey! Wann gibt's endlich Essen? Ich verhungere gleich!"
Genervt verdrehte sie die Augen und rief zurück: "Wie wär's, wenn du deinen faulen Hintern selbst mal in die Küche bewegst, Pietro?!" Doch kurz darauf kniff sie sich stöhnend an die Nasenwurzel. Er würde es ja doch nicht tun. Außerdem wollte sie sowieso was machen... "Lass mich wenigstens noch duschen", knurrte sie schließlich und zog sich am Treppengeländer hoch. Das Training heute war wirklich sehr gut gewesen. Aber auch äußerst schmerzhaft... Feli war sich sicher, dass sich an ihrer linken Seite bereits ein sich dunkler färbender Fleck befand. Doch es war nichts, was eine heiße Dusche nicht wieder lindern könnte. Sie hatte gelernt, mit den Schmerzen umzugehen. Beim nächsten Mal würde sie nur umso vorsichtiger und aufmerksamer sein.



"Pietro! Würdest du mal aufhören, Feli so herumzuschubsen und zu schikanieren?! Sie tut schon genug für uns!" fuhr Lance seinen Teamkameraden an.
Pietro schaute gelangweilt auf: "Wieso, sie ist doch selber Schuld, wenn sie meint, sich in Arbeit stürzen zu müssen. Und mal ehrlich", verschwörerisch funkelte er seinen Kumpel an, "dir gefällt es doch auch. Ich meine, sieh dich mal um! Die Bude ist sauber und weitestgehend renoviert und wir bekommen jeden Tag unser warmes Essen vor die Nase gestellt."

Lance schwieg ertappt und wich Pietros amüsiertem Blick aus, ehe er schließlich langsam entgegnete: "Trotzdem könnten wir ihr mehr unter die Arme greifen..."

"Mann, Lance! Sie will es doch so. Seit der Aussie weg ist, flüchtet sie sich in Arbeit. Und meine Güte, wenn es ihr hilft... Mich stört es jedenfalls nicht. Außerdem wird sie schon fragen, wenn sie Hilfe braucht. Oder haben wir ihr etwa nicht geholfen beim Treppengeländer? Na also." Mit diesen Worten lehnte sich Pietro in seinem Sessel zurück und ließ die Beine über der Lehne baumeln.
Lance knurrte frustriert. Einerseits musste er Pietro ja recht geben. Es half Feli scheinbar, darüber hinwegzukommen. Und es war definitiv besser, als die Lethargie in den ersten Tagen... Auch war er froh, dass sie sich nicht die Augen aus dem Kopf heulte. Er konnte es nie mit ansehen, wenn sie weinen musste. Eigentlich wunderte es ihn fast ein bisschen, denn es hatte sie wirklich verdammt schwer getroffen, immerhin war Pyro mehr oder weniger ihr Lehrer gewesen. Derjenige, der ihr zeigte, wie sie mit ihren Kräften am besten umzugehen hatte. Derjenige, der in sie hinein sehen konnte, der einigermaßen nachvollziehen konnte, was Feli durchmachte mit einer derartigen Mutation. Und auch wenn es Lance ganz und gar nicht gefiel, aber Pyro hatte sie nun mal in einer Art und Weise verstehen können, wie er es nicht konnte. Und dass sie sich in ihn verliebt hatte, trug auch seinen nicht ganz unwesentlichen Teil dazu bei...

Lance dachte zurück, an die Tage kurz nachdem Pyro gegangen war. Felicitas war völlig in sich gekehrt, hatte nur das Nötigste gegessen und getrunken und wich nur von ihrem Platz auf dem Fensterbrett, wenn sie in den Garten ging, um dort stundenlang zu sitzen und auf die Straße zu starren. Selbst, als es draußen immer kühler geworden war, hatte sie das getan. Und Lance wusste ganz genau, wie sehr sie Kälte hasste. Doch er dachte, sie würde einfach ein wenig Zeit brauchen.

Am vierten Tag jedoch hatte er es endgültig satt, sie so zu sehen, nicht einmal mit ihm hatte sie noch wirklich viel geredet, und er vermisste sie wirklich. Also hatte er sie überredet, mit ihm einen Ausflug in die Stadt zu machen. Und tatsächlich taute sie etwas auf, es schien ihr wirklich gut zu tun, aus der vertrauten Umgebung herauszukommen und neues zu sehen. Beide hatten sie mehrere Tüten mit wintertauglichen Klamotten gekauft, Feli war so gar nicht auf ihren ersten Winter vorbereitet gewesen.
Und dann waren sie an diesem Baumarkt vorbei geschlendert. So nahm ihre Arbeitswut allmählich ihren Lauf...

Feli hatte ihn hinein gezerrt, unter dem Vorwand, sich nur ein wenig umschauen zu wollen, nach Ideen, wie man das Haus wohnlicher machen könnte.
Gut, nach einer Stunde und fünf Taschendiebstählen später verließen sie den Baumarkt mit Sachen im Wert von 267,79 Dollar wieder.

In den darauffolgenden Tagen war Feli stundenlang damit beschäftigt, Tapeten von den Wänden zu reißen, selbige zu streichen, neue Bodenleisten zu verlegen, und jedmöglichen anderen Kram zu machen. Nicht einmal der aufgebrummte Zwangs-Selbstverteidigungskurs von Mystique hatte sie davon abgehalten. Und sogar Lance machte dieser sehr zu schaffen, doch ganz egal, welche Blessuren sie von dem Training davontrugen, es hielt sie nicht davon ab, gleich weiter an ihrem Projekt 'schöner wohnen' zu arbeiten. Nicht selten hatte sie Blasen an den Händen und einmal hatte sie nicht einmal bemerkt, dass sie sich mit einem Teppichcutter geschnitten hatte und das tropfende Blut auf dem blanken Beton verteilte. Freds Aufgabe war es von nun an gewesen, Feli in ihr Bett zu tragen, wenn sie mal wieder zu Tode erschöpft auf dem Boden eingeschlafen war.

Und als es schließlich nach gut drei Wochen nicht mehr allzu viel zu tun gab, hatte sie sich tatsächlich der Kocherei zugewandt. Nicht, dass es Lance stören würde, Gott nein, er genoss das leckere Essen genauso, wie die anderen, Feli wurde immer besser dabei und die Vielfalt der Speisen war wirklich oftmals einem Hotelbuffet würdig. Allerdings hatte sie kaum mehr einen Kopf für andere Dinge. Für ihn zum Beispiel... Er vermisste die alte Feli wirklich sehr. seine Feli. Er fühlte sich zunehmend einsam. Wenn er versuchte, ein Gespräch mit ihr zu starten, antwortete sie nur äußerst knapp, versunken in ihre selbst zugeteilten Aufgaben. Kaum war der Zwangskurs mit Mystique beendet, hatte sie freiwillig nach weiterem Unterricht gefragt, was ihr natürlich auch gleich Pluspunkte bei ihrer aller Chefin einbrachte. Natürlich hatte sie unter den Jungs gegen die Schleimer-Vorwürfe kämpfen müssen, doch fünf Stichflammen später waren auch die letzte Vorwürfe verstummt.

Lance fuhr aus seinen Gedanken hoch, als Feli in die Küche schlurfte, in ihren grauen Jogginghosen, auf welcher überall helle Farbkleckse waren und dem viel zu großen T-Shirt. Sie wirkte sehr müde. Sie wollte gerade nach dem Griff des Kühlschrankes greifen, als Lance sie am Arm festhielt. "Los, komm mit." Ohne auf den schwachen Protest zu achten, schob er sie ins Wohnzimmer. Er hatte endgültig die Schnauze voll davon.

"Du ruhst dich jetzt ein bisschen aus." Er setzte sich auf die Couch und Feli ließ sich leise seufzend neben ihn fallen.
"Wo ist mein Essen?" motzte Pietro mit fragend gehobener Augenbraue.
"Halt die Klappe und bestell' uns Pizza", fuhr Lance ihn an und warf seinem Kumpel sein Handy zu. "Ich zahl' auch."
"Aber ich kann doch..." Feli konnte ihren leise gesprochenen Satz nicht beenden, denn schon fuhr Lance ihr äußerst gereizt dazwischen: "Nein, kannst du nicht!" Als er sah, wie Felicitas bei seinen ruppigen Worten zusammenfuhr und den Kopf zwischen die Schultern zog, schloss er kurz die Augen und atmete tief durch. Ihn stresste die derzeitige Situation weit mehr, als er selbst dachte. Oder zugeben wollte...

Mit sanfterer Stimme fuhr er fort: "Du wirst dir jetzt einen schönen, entspannten Abend mit mir machen, okay?" Er legte behutsam seinen Arm um ihre Schultern und zog sie näher an sich. Erleichtert stellte er fest, dass sie sich an ihn schmiegte. Er hatte schon befürchtet, er hätte sie mit seinem Ausbruch eben zu sehr erschreckt.

Pietro schnaubte genervt und verdrehte die Augen, doch ein Kommentar kam nicht von ihm. Mittlerweile wussten die anderen über die außergewöhnliche Freundschaft von Lance und Feli Bescheid. Anfangs, als die beiden das erste Mal aneinander gekuschelt auf der Couch lagen, dachten sie wirklich, sie seien ein Pärchen, konnten nicht verstehen, dass sich zwei Menschen außerhalb einer Beziehung so nahe stehen konnten. Doch mit der Zeit hatten sie sich an den Anblick gewöhnt.

Ohne dass Feli es mitbekam, bedeutete Lance Pietro, er solle sie alleine lassen. Ein kurzes Murren war zu hören, doch schon im nächsten Moment war er verschwunden. Ein Grinsen konnte sich Lance nicht verkneifen. Wenn es eines gab, was Pietro mehr hasste, als von seinem Sessel verdrängt zu werden, dann waren es ernste 'Pärchengespräche'.

Lance streichelte mit einer Hand sanft über Felis Haare, legte sein Kinn auf ihren Scheitel, woraufhin sie wohlig schnaubte. "Ich vermisse dich..." flüsterte er schließlich leise. Er hatte keine Ahnung, wo, wie er beginnen sollte, also versuchte er es einfach mit dem, was ihm am schwersten auf dem Herzen lag.
Nun sah Feli auf, lächelte verwirrt: "Aber ich bin doch hier?"
"Das meine ich nicht... Ich vermisse die alte Felicitas. Du bist so anders, seit..."
"Ach, das ist doch Unsinn", unterbrach sie ihren besten Freund unwirsch bereits ahnend, worauf das hinauslaufen würde... Und sie hatte keinesfalls Lust, darüber zu sprechen.

Lance merkte schnell, dass sie in dieser Richtung sofort mauerte. Also wählte er die folgenden Worte mit Bedacht. "Du redest kaum noch mit mir und wären die anderen nicht so verfressen, würden sie dich wohl kaum mehr wahrnehmen..."
Unbewusst knetete Feli einen Zipfel von Lance' Pullover in den Händen. Als sie seinen verletzten Tonfall hörte, wurde ihr langsam bewusst, dass sie ihn tatsächlich sehr vernachlässigt hatte, in ihrer Sorge um sich selbst... "Lance, ich... Das war keine Absicht! Ich war eben ziemlich beschäftigt... Und gib's zu, die Renovierungen sind doch wirklich gelungen, oder?" Feli versuchte ihr Glück mit dem aufmunternden Satz, lächelte dabei möglichst gewinnbringend.

Doch Lance schwieg, strich nur abwesend über ihren Rücken und ihre Hüften, wo er jede einzelne Rippe spürte, wenn sie so seitlich an ihn gelehnt lag. "Du hast dich sehr verändert", murmelte er leise. "Hast ziemlich abgenommen."
"Wirklich? Aber das ist doch gut. Ich dachte, Männer mögen schlanke Frauen. Und zu dünn bin ich nun wirklich nicht!" Gespielt protestierend stemmte sie ihren freien Arm in ihre Hüfte. Nein, da musste Lance ihr Recht geben. Aber sie war einfach... Anders. Vielleicht bildete er es sich nur ein, vielleicht sahen es andere gar nicht so wie er. Aber das Kampftraining und die Veränderungen, die es mit sich brachte... Es ließ Feli sowohl äußerlich als auch innerlich härter wirken. Mehr und mehr orientierte sie sich an Mystiques Art, die nun als Lehrerin ihre Vorbildsperson war. Und das gefiel ihm ganz und gar nicht...
"Du interessierst dich doch sowieso nicht für andere Männer, was kümmert es dich", knurrte er vor sich hin, ohne darüber nachzudenken, was diese Worte bei seiner besten Freundin bewirken würden. Doch das wurde ihm schnell klar, als Feli mit einem Satz aufgesprungen war und ihn wütend anfunkelte. Nun, wenigstens erkannte man jetzt einmal eine richtige Gefühlsregung in ihr, dachte Lance zynisch bei sich, wusste dabei aber ganz genau, dass er gerade Mist gebaut hatte.

Feli wollte etwas sagen und Lance rechnete schon damit, dass sie ihn wild anschreien, vielleicht sogar mit einer Stichflamme aus dem Haus jagen würde, doch stattdessen beließ sie es bei einem weiteren tödlichen Blick, klappte ihren Kiefer wieder zu und machte auf dem Absatz kehrt, rannte schließlich die Treppe hinauf. Er setzte ihr noch nach, rief ihr verzweifelt hinterher: "Feli warte! Bitte, ich hab das doch nicht so-" Lance zuckte zusammen, als ihre Zimmertüre laut zugeschlagen wurde. Gott verdammt, er hatte sie endlich wieder näher an sich und dann stieß er sie auch schon wieder mit einem solchen blöden Spruch weg!

"Bravo, Lance, ganz toll..." Pietro, der nun an den Türrahmen gelehnt stand, klatschte herablassend Beifall. Aus dem Wohnzimmer tönten Polizeisirenen und ein Nachrichtensprecher informierte mit verlogener, vor Mitgefühl triefender Stimme über die Verletztenzahlen der Auseinandersetzungen in der Stadt. Die Zeit war im Wandel...

Doch draußen vor dem Fenster war es ruhig. Die Nacht schien alles zu verschlucken.
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