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Der Fluch der Unsterblichen

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Mystery / P16 / Gen
Barbossa Captain Jack Sparrow Gibbs Tia Dalma Will Turner
03.09.2010
31.05.2013
21
43.593
1
Alle Kapitel
82 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
03.09.2010 2.084
 
Ahoi!

Wenn ich rund grinsen könnte, würde ich es machen! Vielen lieben Dank für eure positiven Kritiken, Polgara, Schöni und Sarawyn! Ihr habt euch Kekse in Kübeln verdient! Leider bin ich eine miese Bäckerin *zwinker*

Meine Reviewantworten findet ihr gleich unter euren Reviews - wie ich herausgefunden habe, ist es mir persönlich als Leser lieber, auch die Antworten des Autors auf andere Reviews zu lesen. Ich hoffe, das stört hier nicht. Andernfalls könnt ihr mir auch gerne Mails schreiben. Ich beiße bei Fragen nicht ^^
Natürlich bedanke ich mich auch bei den anderen Lesern und jene, welche meine Story favorisierten! *freu*

Normalerweise wollte ich jedes Wochenende ein neues Kapitel posten. Aber nun wird es eben immer der Mittwoch sein.

So, nun zur eigentlichen Story:
Endlich wird Jack mehr oder minder aktiv in die Handlung kommen. Die Begegnung in diesem Kapitel wird er so schnell nicht vergessen - und wohl noch tausendfach verfluchen! Ich wünsche euch viel Spaß!


______________      

Zwei Kapitäne, ein Kurs





Die Sonne stand hoch am Himmel über der azurblauen See der Karibik. Wer nach Wolken und ihren gnädigen Schatten suchte, wurde heute nicht fündig. Dementsprechend war es fast unerträglich heiß. Landbewohner suchten ihr Heil in ihren Häusern, Seemänner flegelten sich in ihren Hängematten oder taten ihren Dienst unter Ächzen und Fluchen.

Für jenes Volk aber, welchem die lange Gestalt unter der wellenschlagenden Oberfläche angehörte, war die Hitze kein Ungemach. Es versprach für die Geschöpfe unter den Wogen schnelleres Gedeihen ihrer Nahrung. Hinzu kam die angenehme, liebkosende Kühle unter den Wellen.

 Neviv schwamm gegen die gewaltigen Fluten an, als wären sie kein Hindernis für ihre schlanken Arme. Welch ein herrlicher Tag! Normalerweise würde sie bei solch einem Wetter mit ihren Freunden, den Delfinen und Wasserschildkröten, schwimmen oder mit ihrer Schwester singen. Doch sie war mit einer Aufgabe betraut.

Die junge Meernixe tauchte unter die Wasseroberfläche, um schneller voranzukommen. Calypso selbst hatte ihr jenen Befehl erteilt und sie gedachte, ihm nachzukommen, koste es, was es wolle. Die Meeresgöttin, die ihren Kindern der See erst seit ein paar Wochen wieder hold geworden war, hatte sie aber auch gewarnt – vor einer gewieften Zunge und einem charmanten Lächeln.

Neviv schaute nach einem plötzlich auftauchenden Schatten an der Oberfläche. Sie tauchte auf und bedachte das entdeckte Ding aus sicherer Entfernung. War sie wirklich richtig hier?
Das konnte doch wohl kaum der berühmte Jack Sparrow und seine Black Pearl sein … oder etwa doch?

Sie sah sich einem schmächtigen Dingi gegenüber, dessen vergilbtes Segel in der Flaute schlaff herunterhing. Den ‚Captain‘ konnte sie nirgends sehen, aber das mochte nichts heißen. Vielleicht war er in der Hitze elendig verreckt? Das würde Calipso überhaupt nicht gefallen …

Neviv tauchte mit ihrem Fischleib wieder unter und überwand die letzte Entfernung zu dem kleinen Segelschiff.
Menschenähnliche Hände, versehen mit grünlichen Schwimmhäuten und klingenscharfen Krallen,  zogen den Leib der Nixe an der Reling hoch, mit ihren sehnigen Oberarmen konnte sie sich dort mehr schlecht als recht festklammern. Ihre blanke Brust wiegte sie etwas über den Rand, um bessere Sicht zu haben.

Was sie vorfand, ließ die Fischfrau erschauern. Ein Mann mittleren Alters lag ausgestreckt auf dem Rücken über den Ruderbänken des ‚Decks‘. Seine Kleidung war abgewetzt, fast zerschlissen: Dunkle Breeches, ein schlichtes Hemd. Neviv erkannte weitere Kleidungsstücke, die der Mann sich zusammengeknüllt unter den Kopf gelegt hatte. Eben dort blieb ihr Blick hängen. Dunkle Haare waren in filzigen Zöpfen zusammengefasst und mit viel Schmuck verziert. Eine rote Bandana zähmte die wilde Mähne. Selbst einen Knochen konnte sie unter den eigenwilligen Schmuckstücken erkennen.

Der Pirat konnte sie unmöglich sehen, denn ein abgetragener Dreispitz lag auf seinem Gesicht und verbarg seine Augen. Auf der Brust des Mannes ruhte ein aufgeklappter Kompass – Jenes Ding, welches Calypso ihr beschrieben hatte. Nach ihrer Erzählung konnte es dem Träger zwar keine Himmelsrichtungen mitteilen, aber dafür die genaue Richtung zu jenem Ort, wo das lag, was er am meisten begehrte.

Mehrere leere und eine halbvolle Flasche – welche sich in der unsicheren Umklammerung einiger beringter Finger befand – lagen in dem Boot zerstreut. Eine häufig zerbrochene und wieder reparierte Angelrute und ein mit weißem Stoff eingewickelter Packen war der Rest der ‚Schiffsladung‘.

Neviv ließ missmutig die Schultern sinken; das war schlimmer, als erwartet. „Ahoi, Seemann!“, rief sie schließlich aus und erhielt bis auf ein lautes Schnarchen und den platschenden Wellen der See keine Reaktion. Grandios!

Kurzerhand reckte sie sich, fegte sie den Dreispitz zur Seite, griff nach der Flasche in der Hand des Piraten und leerte deren Inhalt über das Gesicht des Schlafenden. Dabei bemerkte sie einen geflochtenen Kinn- und einen wirren Schnauzbart. Die Augen, die in der nächsten Sekunde panisch aufflogen, waren von Kohle umrandet. Calypso hatte übertrieben – dieser Mann wirkte eher ausgemergelt und bemitleidenswert denn charmant und gewieft.

„Seid Ihr Jack Sparrow?“ Der nun wache Angesprochene sah sie an als sei sie eine ausgewachsene Fata Morgana. Zwar war sie es bisweilen gewohnt, diese Reaktion auf ihr Erscheinen zu erhalten, doch hätte sie damit gerechnet, dass ausgerechnet dieser Mann einmal etwas Individuelleres an den Tag legen könnte. Doch dieser Gefallen wurde ihr nicht getan.

„Seid Ihr es?“, fragte sie nochmals, obgleich sie die Antwort schon kannte. Er zog die Augenbrauen zusammen und hob ein klein wenig trotzig das Kinn: „Der einzig wahre Captain Jack Sparrow! Klar soweit?“

Etwas grob riss er ihr die Rumflasche aus der Hand und roch daran, als erwartete er, der Inhalt sei schlecht geworden, nahm dann aber doch einen kräftigen Zug von dem Rest. Er rümpfte die Nase und schüttelte sich, ehe er mit der Zunge über die Schneidezähne fuhr, als wolle er sie säubern. All das ohne sie eines Blickes zu würdigen.

Neviv fiel die sonderbare Gestik Jack Sparrows auf – ob er wohl doch zu lange in der Sonne gewesen war? Endlich wandte er seinen Blick wieder zu ihr: „Oh …“ er musterte sie schamlos von oben bis unten, bis er ihr endlich wieder in die Augen schaute. „Und wer seid Ihr, Madame?“
„Man nennt mich Neviv … Ich wurde von Calypso – “

„Calypso?“, unterbrach er. „Groß, geheimnisvoll … vollbusig und … etwas herrisch?“ Neviv sträubte die Schuppen auf ihrem Körper und stieß ein Fauchen aus – Wie konnte er es wagen?! –, was den Piraten nicht sonderlich zu interessieren schien.
„Es gab einmal eine Zeit, da waren wir Freunde … so richtige. Wie Pech und Schwefel ...“ Er wollte weitererzählen, holte auch schon Luft, dann runzelte er aber die Stirn und hielt inne: „Was ist dann eigentlich passiert?“

Neviv seufzte. Der Mann war verrückt! „Ihr denkt, ich wäre eine Fantasie Eures verwirrten Geistes, habe ich Recht?“
Jack lächelte verschmitzt und lehnte den Oberkörper zurück. „Bestimmt die Schönste der letzten vierundzwanzig … Minuten …“
Wie hatte es dieser Mann geschafft, sage und schreibe zwei Wochen mit diesem Dingi auf hoher See zu sein, ohne sich dabei selbst zu töten? Trotz ihrer Gedanken lächelte sie süß zurück: „Wollt Ihr mir dann nicht folgen, großer Captain?“

Jack blickte skeptisch drein. „Ahh … mein Vater legte mir nahe, niemals fremden Nixen zu folgen …“
Nevivs lächeln brach, nur mit Mühe wahrte sie Haltung und sprach weiterhin mit verlockender Stimme: „Ich weiß aber, wonach Ihr so tollkühn sucht … dem Brunnen der ewigen Jugend. Um ihn zu finden, werdet Ihr mehr brauchen als diese zusammengeflickten Bretter.“ – Jack verzog unwillig das Gesicht – „Ihr wollt die Black Pearl zurückgewinnen.“

„Für eine Fantasie redest du zu viel … aber fahre ruhig fort.“ Neviv lächelte in sich hinein. Endlich, er hatte angebissen! „Ich kenne jemanden, der Euch helfen könnte.“

Der Pirat zog kalkulierend eine Schnute: „Du willst mir also helfen, jemanden zu finden, der mir hilft, die Pearl zu finden, mit deren Hilfe ich besagten Brunnen finden werde. Der wiederum hilft mir, Unsterblichkeit zu erlangen, was durchaus hilfreich ist in Anbetracht dessen, dass ich vorhabe, unendlich lange zu leben. Nun aber helfe mir, den höchstwahrscheinlich äußerst unhilfreichen Haken daran zu finden …“ Ein selbstbewusstes Lächeln umspielte die von der Hitze gezeichneten Lippen ihres Gegenübers.

Auch vor diesen endlos erscheinenden Wirrsätzen hatte Calypso sie gewarnt. Deshalb kannte sie die einzig richtige Methode, darauf zu reagieren. Ignoranz.

„Folgt mir!“ Sie tauchte unter, unterschwamm das Boot, stieß an der anderen Seite wieder durch die Wasseroberfläche und versicherte sich, dass Jack ihr auch folgte. Und tatsächlich: der Pirat suchte mit seltsam anmutenden Gesten nach etwas, das sich wenige Momente später als eine Paddel herausstellte, stieß sie in das Wasser und nahm Kurs auf.


****



„An die Riemen!“ Barbossas Stimme hallte noch über das Deck, als Joshamee Gibbs den Befehl lauthals wiederholte. Der kleine Jack kreischte dabei zustimmend und sprang von der Takelage auf die Schulter seines rotschopfigen Herrn, der mit stolzgeschwellter Brust am Steuer der Black Pearl stand.

Die dunklen Segel seines Schiffes blähten sich im Wind auf wie sie die Bucht Tortugas verließen. Wie große, schwarze Leichentücher bedeckten sie den prunken Sternenhimmel.
Es war ein unselig heißer Tag gewesen, dementsprechend wirkte die kühle Brise nun wahre Wunder in den Gesichtern aller der Crew.

Barbossa schnaubte zufrieden, als er registrierte, dass sie noch einmal an Knoten zulegten. Der Gedanke daran, dass er die unsägliche Insel hinter sich ließ, war befreiend. Alle Piraten wurden auf magische Weise von diesem Rattenloch mit Namen Tortuga angezogen. Lärm, Rum, Huren und Glücksspiel lockten hier mit dem Versprechen, einen gutmütig die Realität vergessen zu lassen. Doch Barbossa war ein Mann, der es bevorzugte, Gesellschaft um sich zu haben, die ohne große Denkanstrengung ihren Namen buchstabieren konnte. Diese Insel war ein Pfuhl der Sünde, was ihn eigentlich nicht sehr störte. Vielmehr die Dauer, die vonnöten war, an Proviant oder Informationen zu gelangen - was nicht verwunderlich war in Anbetracht dessen, dass drei Viertel der Bevölkerung gerade zu stoisch versuchten, niemals nüchtern zu werden.

Erst vor wenigen Tagen waren sie in Tortuga erneut vor Anker gelaufen, um Jack Sparrow, den Erzrivalen Captain Hector Barbossas, aufzusammeln. Denn dieser war auf geradezu Wiesel -entehrende Weise an den unscheinbaren, dafür aber umso wichtigeren Teil einer Karte gekommen, die für den Piratencaptain von unschätzbarem Wert war. Diese Karte nämlich zeigte den genauen Lagepunkt des Jungbrunnens, jenem Relikt, das seit Jahrhunderten ein Mysterium für jedermann war und unsterbliches Leben versprach. Und zwar nicht solches, in dem man als Skelett und ohne erfüllende Ablenkunken verdammt auf den jüngsten Tag wartete.

Statt auf Jack Sparrow war seine Mannschaft auf Joshamee Gibbs gestoßen, den Ersten Maat Jacks. Die alte, erfahrene Seeratte hatte berichtet, dass der gemeuterte Pirat allen Ernstes mit einem Dingi den Jungbrunnen zu finden gedachte. Das sah diesem Wahnsinnigen einmal mehr überaus ähnlich.
Es machte aber auch die Chancen, diesen Hund – und vor allem die Karte – zu finden, so gut wie nichtig. Dennoch hatte Barbossa den Befehl zur Verfolgung Sparrows gegeben. So schnell gab er nicht auf!

„Ah, Captain Barbossa“, meldete sich Gibbs, welcher mit auf dem Rücken verschränkten Armen die Arbeiten an Deck verfolgte. Er hatte sich – obwohl niemals die Frage laut geworden war – bereit erklärt, sie auf ihrer Reise zu begleiten. Barbossa hatte wohlweislich nicht abgelehnt. Nach den Kämpfen gegen Jones' und Becketts Armee war die Zahl seiner Männer rar geworden.  „Nicht, dass ich zu neugierig erscheinen will, aber was machen diese beiden Navy-Tiere auf Eurem Schiff?“ Mit dem Kinn deutete er auf Mullroy und Murtogg, die gerade dabei waren, in den Bauch des Schiffes zu eilen, um dort ihren Kameraden an den Riemen zu helfen.

„Sie haben sich selbst dazu entschieden … auch wenn ich mich nicht unbedingt als einen Noah sehe und die Pearl bestimmt nicht die Arche ist, so ist hier doch jeder seetüchtige Mann willkommen.“ Er runzelte die Stirn. „Außerdem könnten sie einmal nützlich sein.“ Damit sah Hector dieses Gespräch eigentlich als beendet an.
„Gut“, sagte Gibbs in seiner langgezogenen Art. „Und dafür bin ich auch dankbar. Ich kann nach all der Zeit auf See nicht an Land schlafen.“
Beide verfielen in Schweigen. Selbst an Deck wurde es nun ruhiger. Nur das Platschen der Riemen zeugte von der Anwesenheit der Crew.

Barbossa hatte eine ungefähre Ahnung von der Lage des Brunnens und in dieser Richtung würde auch Jack ihn erwarten. Es war nicht unmöglich, den gesuchten Piraten auf seinem so winzigen Seegefährt ausfindig zu machen: Wo die Pearl war, war Jack nicht weit. Er wurde von dem Schiff wie eine Motte vom Licht angezogen.
Das war ihr einziger Trumpf.

Die Pearl nahm Kurs von Tortuga, welches im Norden Haitis lag, hin zu den Bahamas. Was aber ihr Captain nicht wusste, war die Tatsache, dass dort zurzeit der berüchtigte Blackbeard sein Unwesen trieb.


________      

Es ist schon eine Kunst, Jack zu charakteresieren. Will mal hoffen, ich bin ihm wenigstens etwas nahe gekommen. Zweideutigkeit im vorhergegangenen Satz bitte ignorieren und lieb Reviews schreiben! *zwinker*


Mast- und Schotbruch bis zum nächsten Mal,
Morwenna *Meinen Hut zieh, verbeug, die Bühne langsam verlasse*
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