Der Fluch der Unsterblichen

von Riniell
GeschichteAbenteuer, Mystery / P16
Barbossa Captain Jack Sparrow Gibbs Tia Dalma Will Turner
03.09.2010
31.05.2013
21
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Vorwort


Willkommen, ihr Lieben!
Nach langem Planen, Recherchieren und Plot-Feilen hab ich mein Baby endlich ongestellt - dem Wetter nach genau der richtige Zeitpunkt, um einen Abstecher in die Karibik zu machen!
Diese Story wird sich um meine (die wohl 384.) Version des 4. Teils von Fluch der Karibik drehen. Dazu habe ich einige, bereits bekannte Details des nächsten Films mit eingebaut aber auch andere ausgelassen bzw. ergänzt.

Alle Rechte an den Figuren und ihren Besitztürmern etc. gehen an Disney, ich habe sie mir nur ausgeliehen. Adaptionen von John "Jack Shandy" Chandagnac aus dem Buch 'On Stranger Tides' enthalten, diese Rechte gehen an Tim Powers.

Dank im Voraus geht an Gundolf und ihr 'Handbuch von Fluch der Karibik' (http://www.fanfiktion.de/s/47f123600000071e06801388) Lohnt sich, reinzuschauen, denn die Informationen sind echt wissenswert für alle Fluch der Karibik-Fans.

Ich hoffe, euch gefällt meine Story und freue mich über jegliche Kritik!
Nun geht’s aber ab in die Karibik!

~~~


Prolog - Vorahnungen



„So geschah es, dass die Hexenhure Anne Boleyn, die für kurze Zeit die Freuden der Königinnenschaft genießen durfte, kniend vor den Augen ihres Volkes exekutiert wurde. Niemals sah man einen todeswilligeren Menschen, was doch nur die apodiktische Schuld und die mit ihr verbundenen Reue beweist. Erst der Schreck in den Augen der Hure verriet doch die letzte Menschlichkeit dieser teufelshuldigen Hexe als das Richtschwert hinunterfuhr …“

William Turner jr., seines Zeichens Captain der sagenumwobenen Flying Dutchman seufzte leise und schlug das Buch zu. Der Chronist verlor sich wahrscheinlich weiterhin in Lobpreisungen über seinen König, den einmaligen aber leider unersättlichen Henry VIII.

Will hatte schon oft von dem König uns seinen sechs Ehefrauen gehört. Doch erst vor wenigen Tagen war er in den zweifelhaften Genuss gekommen, auch von seinem Leben zu lesen.

Der junge Captain erhob sich von der niedrigen Liegestatt, auf der er mit zusammengesunkenen Schultern gesessen hatte uns stellte das winzige, dicke Buch in das überquellende Regal zurück. Gleich neben die Heilige Schrift und einen dünnen Gedichtband – alle samt waren das die Hinterlassenschaften des Davy Jones, verstorbener wie gefürchteter Teufel der Meere, sein Vorgänger. Doch sahen seine Bücher so aus, als wären sie seit Jahrzehnten nicht berührt worden. Wasserflecken, Staub und Gilb verunstalteten die Einbände und machten es bei einigen Büchern schier unmöglich, den Inhalt zu entziffern. Will hatte sich das Meiste von ihnen ohnehin zusammengereimt. Er war nicht gut im Lesen. Während seiner Lehrzeit in der Schmiede Mr. Browns hatte er zwar gelernt zu schreiben und zu lesen. Doch ein Meister dieses Fachs war er nie geworden.

Nicht, dass er es jemals sonderlich gebraucht hätte …

Der Mann ohne Herz sah sich einmal mehr in seinem Refugium, der großzügig bemessenen Kapitänskajüte der Flying Dutchman, um. Hier war es ihm wenigstens manchmal möglich, ungestört mit seinen Gedanken zu sein.

Die Kapitänskajüte war beherrscht von der gewaltigen, auf melancholisch anmutende Töne getrimmten Orgel des ehemaligen Captains. Ein großer Sekretär, neben dem eine alte Weltkugel aufgestellt war, schien kaum benutzt. Die aufgemalten Länder des Globus‘ waren zerkratz – Davy Jones hatte nicht nur das Leben und die Lebenden verflucht sondern auch ihre Heimat, die Welt, die er nur alle zehn Jahre betreten durfte. Ein zerschlissenes, großes Tuch grenzte die gewaltige, von Kerzenlicht erleuchtete Kajüte von einem kleinen Raum ab, der mit der durchgelegenen Koje und dem Bücherregal schon mehr als ausgefüllt war.

William stieß den hängenden Teppich vollends zur Seite und betrat seine Kajüte. Wohl das gesamte Mobiliar war Entergut anderer Schiffe, die der Dutchman zum Opfer gefallen waren. So auch die Bücher. William war sich sicher, hätte er das letzte von ihnen erst einmal fertiggelesen, würde er wahnsinnig werden.

Erst sieben Wochen waren vergangen seit er sich von seiner Angetrauten Elizabeth Swann – Nein, Turner, Elizabeth Turner – getrennt hatte. Und damit auch wortwörtlich auch von seinem Herzen, denn ihr hatte er sein herausgeschnittenes Organ zum Schutze anvertraut und erst in neun Jahren, zehn Monaten und einer Woche, die er in übernatürlicher Lebensweise verbringen musste, könnte er sie wieder sehen.

Bis dahin blieb die Welt trist und grau!

Träge schritt er zu dem Sekretär, auf dem er seinen Degen – jene Waffe, welche er selbst zur Ernennung James Norrington's zum Commodore unter der britischen Krone geschmiedet hatte, durch die er mit Davy Jones' Führung getötet worden war und die sich letztlich wieder in seinem Besitz befand – abgelegt hatte. Obgleich er an Bord nichts zu fürchten hatte, trug er den Degen so gut wie immer an seiner Seite. Er war eine Verbindung zu seinem alten Leben, gleichzeitig erinnerte er ihn aber auch daran, was aus ihm geworden war – der untote Captain einer Geisterfähre, das verstorbene Seelen auf die andere Seite überführte. Außerdem trug er zum Zeichen seiner Kapitänswürde eine Bandana, so wie es in der Karibik üblich war. Ansonsten war er nur in dunkle Breeches und ein schlichtes, weißes Hemd gekleidet.
Heute Nacht würde er acht in Seenot geratene Seelen ins Jenseits geleiten. Er konnte spüren, dass ihr Kampf ums nackte Überleben völlig umsonst sein würde, und wollte keinesfalls zu spät sein.

Mittlerweile wusste er, weshalb der Captain der Flying Dutchman kein Herz besitzen durfte – der eigentliche Grund, welcher diese Tradition durch Davy Jones ins Leben gerufen hatte, nämlich die verschmähte Liebe zu einer heidnischen Göttin, ließ er hierbei außer Acht. Wie sonst könnte man der Befehlshaber dieses Schiffes sein? Man würde unweigerlich wahnsinnig werden. Langsam und schmerzhaft.
Zwar hatte er durchaus noch menschliche Gefühle – vor allem die stärksten: Liebe und Sehnsucht. Doch durch die Distanz zu seinem Herzen war das Mitleid, das ihn ansonsten langsam verzehren würde, zu ertragen. Mit ein wenig Gewöhnung würde er vielleicht eines Tages über diesen Gefühlen stehen … Aber genau das war es, das er vermeiden wollte. Es widerstrebte ihn, sich bloß vorzustellen, auch nur ansatzweise so wie Davy Jones zu werden.

Ein kühler Lufthauch strich über seine Haut, gerade als er auf Deck treten wollte. Will wandte sich eilig um, obgleich er wusste, dass keine Bedrohung nahte. Jedenfalls keine im klassischen Sinne …
„Guten Abend, Captain Turner!“, drang eine kratzige und dennoch wohlklingende Stimme zu ihm, ehe sein Gegenüber überhaupt zu sehen war.

Doch dieses ließ nicht lange auf sich warten. Feine Rauchschwaden glitten von den Kerzen herüber vor seine Füße und nahmen bald die geisterhaften, fast durchsichtigen Konturen einer exotischen, eigenwillig attraktiver Frau an – Calypso, ehemalige Voodopriesterin und wiedererweckte Göttin der See. Wie konnte Jones die Bibel ins seinem Regal stehen haben, wenn er eine Heidengöttin geliebt hatte?

„Guten Abend, Calypso“, ließ William verlauten und verschränkte die Arme. Das war bei weitem nicht ihr erster Besuch, denn wirklich alles, was er wissen musste, um den Aufgaben des Captain der Flying Dutchman gerecht zu werden, konnte er nicht von seiner Mannschaft lernen. Außerdem hatte er den leisen Verdacht, dass Calypso weit mehr Motive als tote Seelen hatte, immer wieder in seiner Kajüte zu erscheinen.

Es war unangenehm, sich diesem tiefen Blick ausgesetzt zu wissen. Ein offenherziges aber dennoch geheimnisvolles Lächeln schlich sich auf das von dem Kerzenrauch gebildete Gesicht der Göttin. „Etwas Interessantes spielte sich mit den Achten ab, die du zu begleiten gedenkst.“ Calypsos rauer Akzent bereitete ihm keine weiteren Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Wenn es aber darum ging, in Rätseln zu sprechen, lag sie noch mit glatter Nasenlänge vor Jack Sparrow, jenem Mann, der die Unsterblichkeit aufgegeben hatte, um ihm – William – das Leben zu retten.

„Was spielte sich ab?“, hinterfragte William, wohl wissend, dass die Göttin genau dies erwartet hatte. Sie antwortete erst nicht, sondern verschwand mit ihren Konturen, um kurz darauf wieder vor der großen Tastatur der Orgel zu erscheinen. Will hatte das Instrument nicht angerührt seit er hier Einzug gefunden hatte. Eine unheimliche Aura von Schmerz und Melancholie ließ ihn davon zurückschrecken. Außerdem konnte er ohnehin nicht spielen.

Calypso betrachtete traurig die Orgelpfeifen als sie antwortete: „Ein furchtbarer Mann, ein Pirat, durchstreift die See. Er versenkt Schiff um Schiff und bringt Grausamkeiten über die Männer und Frauen auf ihnen.“

„Wer ist dieser Mann?“
„Sein Name ist Edward Teach, doch er nennt sich selbst nur Blackbeard. Er fährt unter einer Flagge, welche den Tod ein Herz durchbohrend zeigt.“
„Wie überaus passend“, antwortete Will, dem dieser Name nicht ein vollkommen fremder Begriff war. Soweit er wusste, hatte der gefürchtete Captain ein mächtiges Schiff, das ganze vierzig Geschütze beherbergte, unter seinen Fittichen. Er wusste es von den Erzählungen der Toten; von ihnen bekam er doch einiges aus der Welt der Lebenden mit. „ Ich kenne diesen Namen. Sein Schiff ist die Queen Anne’s Revenge. Warum erzählst du mir das?“

Sie wandte sich mit einem durchdringenden Blick zu ihm: „Interessant wird es, wenn man die Zukunft kennt, oder zu kennen glaubt. Blackbeard wird bald ein Ziel haben. Das gleiche wie es zwei Piraten haben, die du sehr gut kennst.“

Will musste sich ein Augenrollen verkneifen. Was sollte das? Er mochte keine Ratespiele! „Um einmal rein ins Blaue zu raten: Einer davon ist Jack, habe ich Recht?“

Calypso nickte lächelnd: „Der andere ist der momentane Captain der Black Pearl.“ Den Namen des berüchtigten Piratenschiffes, das den Kampf gegen die Royal Navy, welche unter der Führung des skrupellosen Cuttler Becketts die Bruderschaft der Piraten auslöschen wollte, entschieden hatte, rollte sie eigenwillig über die Zunge.

Will hob verwundert die Augenbrauen, bis sie fast unter seine Bandana rutschten. „Der momentane Captain … aber nicht Jack Sparrow?“ Da leuchtete es ihm ein: „Barbossa hat sie wohl wieder zurückgewonnen!?“

Die Meeresgöttin nickte bestätigend und Will schüttelte den Kopf. Jack Sparrow und Hector Barbossa! Diese Streithähne würden sich noch von ihren Gräbern aus bespucken! „Aber von welchem Ziel sprachst du?“

„Beide wollen es. Beide werden sie auf Blackbeard treffen.“ Sie wandte den Blick ab. „Es wird ihre Schicksale besiegeln … Vielleicht schneller als ihnen lieb sein mag.“

„Calypso – du spricht in Rätseln!“ Wohl kein anderer mit klarem Verstand würde sie so forsch ansprechen, doch William wusste, dass er nichts von der Göttin zu fürchten hatte, wenn er nur seinen Dienst als Captain erfüllen würde.

Sein aus Rauchschwaden bestehendes Gegenüber zog ein trauriges Gesicht. „Ihr größter Wunsch ist wohl dein größter Albtraum. Und genau deswegen hat das Schicksal dich erwählt, hier zu sein – Verstehst du?“

Will konnte wirklich nicht mehr folgen. Aber auf jeden Fall war nun seine Wissbegierde geweckt – Weshalb er?! „Nicht wirklich …“

Nun war es an Calypso ungeduldig zu werden. „Das dritte Regal von unten. Siebtes Buch rechts …“

Damit war sie verschwunden. Die Rauchschwaden hatten sich einfach aufgelöst.
Will zögerte nicht lange und stürmte in sein ‚Schlafgemach‘. Dort zog er das beschriebene Buch aus dem Regal heraus. Es war noch vergilbter als die anderen und außerdem war es in einer krakeligen Handschrift verfasst – Jones‘ Schrift?

Will blätterte es verwundert wie neugierig durch und stieß auf fast unleserliche Seiten. Etwa in der Mitte des Notizbuch – und anders war es auch nicht zu beschreiben, denn es bestand aus kaum mehr denn fünfzig Seiten, nicht einmal zwei Drittel davon waren beschrieben und viele kleine Zettel segelten beim Durchblättern auf den Boden – fand er eine Karte, die den westlichen Atlantik und Teile der Karibik zeigten. Ein fettes Kreuz kennzeichnete einen Ort innerhalb der Bahamas. Darüber zeigten zusammengepresste Buchstaben, die am deutlichsten auf der Karte zu erkennen waren, die Worte: Der Jungbrunnen.

Will hielt die Luft an. Das war doch Seemannsgarn! Jack würde doch nicht auf die Idee kommen und … – Doch das würde er!

Natürlich hatte er schon von dieser Sage gehört, welche besagte, dass das Wasser dieses Brunnens jedermann, der davon trank, unsterblich machen würde. Aber wer würde dies – die Unsterblichkeit, ein endlos langes Leben schon wollen … wer außer Jack und Barbossa? Blackbeard!? Und was hatte Jones damit zu tun gehabt, dass er diese Karte allen Anscheins nach aufbewahrt hatte?

Will betrachtete sie eingehend. Dort sollte also der Quell der ewigen Jugend liegen? Weshalb betraute ihn Calypso mit diesem Wissen? Was verlangte sie von ihm? Seine Gedanken trugen keine Früchte, denn er kannte die Antworten nicht.

Er wusste nur eines: Sollte Jack auf diesen Blackbeard treffen, hätte er ein Problem, denn die Black Pearl befand sich nicht mehr in seinem Besitz und Will war kein anderes Piratenschiff bekannt, das es mit der Queen Anne's Revenge aufnehmen könnte. Das sah diesem Halunken wieder ähnlich! Kein Schiff, keine Mannschaft, ein viel zu hochgestecktes Ziel – und gleich zwei mächtige Piratenkapitäne als Nebenbuhler.

„Na dann, Jack, Petri Heil!“ Damit stellte er das Buch zurück in das Regal. Er hatte andere, weitaus wichtigere Aufgaben zu erledigen.

Doch das Wissen ließ ihn die gesamte Nacht, in der er eigentlich genügend Beschäftigung fand, keine Ruhe – Was war seine Rolle in diesem Spiel?
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