Auf der Suche

von Caello
GeschichteMystery / P16
Sylar
24.08.2010
14.11.2010
3
2745
 
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Die Tür knarrte verräterisch. Mist, er machte zu viel Lärm. Aber wahrscheinlich hatte er ihn sowieso schon bemerkt. Ihm entging nichts.
Entschlossenen Schrittes betrat Chase das kleine Haus mit den blauen Fensterläden in der Warwick Avenue. Sein Puls begann zu rasen.
Je weiter er sich hinein wagte, umso dunkler wurde es.
Ein lautes metallenes Scheppern ließ ihn einen Satz nach hinten machen. Er linste vorsichtig in die Halbdunkelheit, doch es war nur eine rot getigerte Katze, die vorbeihuschte.
Die Spannung in ihm stieg, unaufhaltsam und ungnädig.
Jetzt hatte er die Verbindungstür zwischen Wohnzimmer und Küche passiert und lief nun auf die geschwungene Holztreppe zu, die in den ersten Stock führte. Chase kannte sich nicht aus.
Er konnte überall sein. Aber Chase durfte ihn nicht erschrecken. Auf gar keinen Fall durfte er ihn bedrohen. Sonst war es für ihn zu spät. Er schluckte. Angst machte sich in ihm breit, als er an die Akte dachte, die er über ihngelesen hatte. Er war ein Mörder. Er tötete wie es schien wahllos, grausam und ohne zu warten. Doch Chase wusste es besser. Nur bestimmte Menschen wurden von  ihm ermordet. Allerdings blieb dem Opfer nicht die geringste Chance zu entkommen. Wer von ihm auserkoren war zu sterben, würde auch sterben. Dessen Schicksal war unweigerlich und unveränderlich besiegelt. Darauf hätte Chase sogar seinen Kopf verwettet. Aber den brauchte er noch. Wenn er ihn nach diesem Besuch noch besaß.
Da ertönte hinter ihm ein Schlurfen. Erschrocken sah sich Chase um. Ihm fiel in seiner Panik kein anderer Fluchtweg ein. Er schlich leise die Treppe hinauf und betete, dass die Treppenstufen nicht knarren mochten. Er hatte Glück. Oben angekommen sah er sich hektisch um. Das Schlurfen kam immer näher. Oh Gott, gleich hatte er ihn gefunden.
Wie hatte er nur so dumm sein können, zu glauben, er könne und würde ihm helfen?
Er würde ihn sofort töten. Plötzlich erschien ihm sein ach so genialer Plan gar nicht mehr so genial, eher dumm und leichtsinnig. Gott, war er naiv. Chase hätte sich am liebsten selbst für seine Dummheit geschlagen. Hinter ihm knarrte eine Stufe. Scheiße, er kam immer näher.
Chase wollte nicht sterben, er war doch erst fünfundzwanzig. Und unendlich dumm.
Er konnte nicht dort stehen bleiben, er musste sich verstecken.
Chase rüttelte an der nächsten Tür. Sie war verschlossen. Die einzige Tür, die noch offen stand, führte in ein dunkles Zimmer, das bloß durch einen winzigen Lichtstrahl erhellt wurde.
Dort hinein flüchtete sich Chase. Er schloss die Tür hinter sich und drehte den Schlüssel im Schloss um. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Vage konnte er einen Schrank erkennen.
Er dachte sich in Sicherheit und atmete tief durch.
Plötzlich spürte er ein unangenehmes Gefühl im Nacken, so als würde ihn jemand… anstarren. Langsam drehte sich Chase um. Er ahnte es bereits.
Tatsächlich, es war eine Falle gewesen. Er war schneller gewesen und schlauer.
Scheiße, scheiße, scheiße, dachte sich Chase, als er in das markante Gesicht mit dem bösen Blick schaute. Vor Entsetzten stand ihm der Mund offen. Sollte er sich jetzt im Schrank verstecken?
Sein Gegenüber lächelte überlegen, hatte er seine Beute doch ausgetrickst und in eine Falle gesperrt. Selbst dieses Grinsen konnte Chase in der Dunkelheit erkennen.
Und jede Flucht war ihm verwehrt, denn er hatte sich zwischen Chase und die Tür gestellt. Jetzt war alles zu spät. Vor lauter Panik bekam Chase nicht ein Wort heraus.
Der grausame Mörder lächelte. Schweigend.
Sylar.
Review schreiben