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Devil Inside II. - Mafia Days

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Matt Mello
18.08.2010
02.04.2011
53
87.086
2
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
11 Reviews
 
 
18.08.2010 2.180
 
Und die Saga geht weiter...
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Vollkommen geschafft ließ ich mich auf die Couch fallen. Rodd saß noch am Esstisch, er hatte nach dem Tag wohl Hunger, ich nicht. Ich war einfach nur fertig. Der Tag war anstrengend gewesen, mehrere Aufträge direkt nacheinander, und keine Pause dazwischen.

„Gute Arbeit, Junge.“, nickte er mir anerkennend zu, während eine der Frauen, die hier immer rum schwirrten, ihm Essen brachte. Ich mühte mir ein Lächeln ab. „Danke.“

Das war es nicht, was ich gewollt hatte. Und doch tat es gut, wenn mich mal jemand lobte, anstatt immer nur zu erwähnen, dass ich es wieder mal nur auf Platz 2 in den Rankings geschafft hatte, anstatt mich stundenlang zu beschimpfen, wie man es vorher mit mir gemacht hatte. Jahrelang hatte ich darauf hin gearbeitet, gut zu werden. Aber jetzt… Jetzt setzte ich alles daran, um mich als Bösewicht zu beweisen. Nun, vielleicht war meine wahre Natur die eines Teufels. Es war mir egal. Es war mir mittlerweile so vieles egal…

Ich hatte Menschen getötet. Ich hatte eine Frau ausgeraubt, und ich hatte einem Jugendlichen, der kaum älter war als ich, ein Messer an den Hals gehalten und ihm gedroht, ihn umzubringen, wenn er mir nicht sein komplettes Erspartes überlässt. Was allerdings eine ganze Menge gewesen war. Waren ja nicht alle Jugendlichen brave Kinder, der Typ war Großdealer gewesen- hatte ich der Gesellschaft nicht vielleicht damit noch etwas Gutes getan?
Immerhin konnte er sich ohne Geld keinen Nachschub besorgen, der dann an irgendwelche armen Kinder verkauft worden wäre.

Alles im Auftrag von Rodd. Rodd hatte mir dafür ein riesiges Zimmer in seiner Villa zur Verfügung gestellt, und nach und nach arbeitete ich daran, sein Vertrauen zu gewinnen. Ich musste den Mörder von L finden, kostete es, was es wollte. L, mein großes Idol. Der Engel in der schillernden Rüstung, der privat ganz anders drauf gewesen war. Wer schon hätte hinter dem großen L jemanden vermutet, der bösartigen alten Männern Streiche spielte? Aber er war ermordet worden. Er konnte die Welt nicht mehr von den wahren Bösewichten beschützen. Und sein Mörder war Kira, der selbst von sich behauptete, die Welt von allem Bösen zu bereinigen. Ich musste ihn finden. Ich musste ihn zur Strecke bringen, bevor er alles Gute auf der Welt vernichtete.

War das eine gute Tat? Ich war mir mittlerweile nicht mehr sicher. Ein Killer, der eigentlich nur den Abschaum dieser Welt tötete- Menschen wie Rodd- und letzten Endes auch mich. War es die Lösung? Feuer mit Feuer zu bekämpfen? Ich war mir da schon lange nicht mehr sicher. Aber  L hatte es mit der Gerechtigkeit versucht, und er war gescheitert. Manchmal musste man sich vielleicht auch einem Feind anschließen, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Ich musste es schaffen. Ich musste beweisen zu was ich fähig war, egal um welchen Preis. Ich wollte Kira zum Schafott führen. Und vor allem…

Vermisste ich Matt.

Es tat mir nicht Leid, dass ich heute den Vater von zwei kleinen Kindern kaltblütig und von hinten erschossen hatte. Es tat mir nicht Leid, dass ich herum lief wie die allerletzte Schlampe- obwohl ich zumindest dieses Versprechen Matt gegenüber gehalten hatte, ich hatte nie wieder Sex gehabt. Es tat mir nicht Leid, dass ich Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt hatte, genausowenig, wie es mir leid tat, dass die Mafia durch mich zu noch mehr Macht gelangt war.

Aber es tat mir Leid, wie ich Matt einfach zurück gelassen hatte. Auch wenn es nun zu spät war.

Ich wartete, bis ich mir ganz sicher war, dass Matt schlief, dann machte ich das kleine Licht auf unserem Schreibtisch an, holte schnell einen zettel hervor, und kritzelte: „Ich mache mich auf den weg, um Kira zu vernichten. Ich muss Ls Tod einfach rächen, und hier schaffe ich das nicht. Mello. PS: Ich liebe dich. Warte auf mich“. Dann ließ ich den Zettel da liegen, packte ein paar Sachen in meinen Rucksack und ging. Einfach so. Es regnete in Strömen und ich war froh darum- niemand sollte meine Tränen sehen, als ich auf dem Weg zum Bahnhof war. Niemand durfte Verdacht schöpfen und mir ansehen, dass ich weggelaufen war.

Ich hatte mich nicht ein einziges Mal bei ihm gemeldet, seit ich so plötzlich aufgebrochen war. Er würde es nicht verstehen, hatte ich gedacht, und deswegen hatte ich nicht mit ihm gesprochen, sondern war einfach gegangen. Alleine. Weil ich es für meine Aufgabe hielt, ein Test, den ich allein zu bewältigen hatte.

Aber es verging kein Abend, an dem ich nicht an ihn dachte. Er hatte immer zu mir gehalten, er war es gewesen, der mich aus meinen Alpträumen geweckt hatte, in denen sich der grausigste Nachmittag meines Lebens wieder und wieder wiederholte.

Seine Nähe fehlte mir, ich fror allein unter der Bettdecke, und das Essen schmeckte mir nicht mehr. Nichts. Nicht mal die teuerste Schokolade, ich aß einen Bissen davon und dann wurde mir schlecht. Ich verdiente nichts von dem. Es war zu gut für jemanden wie mich. Ich verdiente keine belohnung für die schlechten taten die ich begangen hatte, ich gehörte eigentlich allein schon für die Tatsache bestraft, dass ich am Leben war.  Rodd machte schon Witze darüber, dass ich der billigste Auftragskiller wäre, den er je beschäftigt hatte- er musste ja nicht mal Verpflegung für mich kaufen, wenn man den Kaffee, den ich trank und die Cola nicht mitrechnete.

Ich wurde innerhalb von nur sechs Monaten wahnsinnig dünn. Also musste Rodd dann doch wieder Geld in mich investieren, denn die Ledersachen, die ich nun trug, waren nicht billig gewesen. Aber sie unterstrichen meine Ausstrahlung als Killer. Zumindest sah ich dadurch härter aus, und selbstbewusster, als ich war. Wer außer mir würde schon rumlaufen wie eine Profi-Nutte, wenn er es nicht musste? Ich stand über allem. In diesem Outfit war ich stark. Ich musste stark sein.

„Hey, Mello, willst du heute Abend mit in die Spielhalle?“, fragte mich einer von Rodds Komplizen. Ich grinste müde. De Spielhalle war das größte Zimmer hier in der Villa, und eigentlich gab es außer einem Pokertisch und einem Billardtisch und Alkohol nicht viel- außer man stand auf nackte, tanzende Mädchen. Was ich ja nun definitiv nicht tat. Was sollte an denen auch so toll sein?

Trotzdem nickte ich. Ich wollte nicht irgendwann diesen Typen erklären müssen, dass ich einfach keine Lust dazu hatte, weil ich auf Kerle stand- aber niemals wieder mit einem Sex haben wollte. Der Typ grinste mich an. Oh mein Gott, heute Abend durfte ich mich dann wieder voll laufen lassen und danach hatte ich morgen wieder Kopfschmerzen. Ganz große Klasse. Das war wirklich das was ich brauchte, Kopfschmerzen. Aber ohne Alkohol hielt ich es nicht lange dort aus.

Trotzdem stand ich auf und lief den Typen hinterher in Rodds Spielhalle.

Die Musik war grauenhaft, wenn man sie überhaupt als solche Bezeichnen konnte, und das Verhalten der Mädchen, die da waren, widerte mich an. Wie konnte man sich den Kerlen nur so an den Hals werfen? In ihren Miniröcken und alles… Fuck… Die legten es wirklich darauf an, von irgendwem hier gefickt zu werden. Was ich wirklich nicht verstehen konnte.

Nicht nur mein erstes Mal war schmerzhaft gewesen. Linda hatte nach ihrem ersten Mal mit ihrem Freund mit ihm Schluss gemacht, weil er ihr weh getan hatte. Irgendwie bestätigte das alles nur den Verdacht, den ich von Anfang an gehabt hatte; Sex war einfach abartig. Ich meine… Wer wollte denn so was? Gut, Linda hatte es wohl freiwillig gemacht. Aber gefallen hatte es ihr dennoch nicht, und ich glaubte auch nicht, dass sie diese Erfahrung wiederholen wollte.

Aber diese Mädchen flirteten mit den Männern, setzten sich ihnen auf den Schoss und streichelten sie. Bei einem paar von denen verstand ich das noch, die verdienten ihr Geld damit, dass sie zu Männern „nett“ sein mussten wie sie sagten. Rodd nannte sie einfach seine Huren. Ich kannte diesen Begriff zwar- aber das war, bevor ich aus dem Wammy’s abgehauen war, eher ein abstrakter begriff für mich gewesen.

Jetzt wusste ich, was eine Hure oder Nutte wirklich war. Arme Kreaturen, die ncihts anderes hatten als sich selbst und das dann vermieten mussten. Mit diesen widerlichen Kerlen ins Bett springen, die sie mit ihren schwitzigen Händen angrabschten- mich ekelte es allein bei dem Gedanken daran.

Manchmal versuchten die Mädchen es auch bei mir- auch, weil Rodd der Meinung war, dass ich es dringend mal bräuchte- was auch immer er damit meinte. Ich hasste das. Es war mir absolut zuwider und das zeigte ich auch. Wenn ich getrunken hatte, sowieso schon mal. Dann schubste ich die Mädchen auf von meinem Schoß runter wenn es sein musste, und trat dann, wenn sie aufgrund ihrer High Heels am Boden lagen, nochmal ordentlich zu, damit sie es auch definitiv begriffen. Ich wollte nicht angefasst werden, und ich wollte auch nicht, dass sie ihre schmutzigen Hände die Gott weiß was schon angefasst hatten berührten.

Und es tat mir nicht Leid. Ich hätte jeden dieser Männer hier im Raum ohne zu zögern umgebracht. Und die Frauen erst recht. Ich war nicht der einzige, der brutal wurde, wenn er getrunken hatte. Rodd hatte mir einmal eine Ohrfeige verpasst, die mich gegen zwei Tische geschleudert hatte- es hatte weh getan und ich konnte danach nicht alleine aufstehen. Es hatte keinen richtigen Grund gehabt, nur, dass ich ihn genervt hatte, als ich gefragt hatte, ob ich auch etwas trinken durfte. Ich hatte mich zusammengerissen und nicht geheult- nur Mädchen durften heulen- und daraufhin den ersten Drink bekommen. Weil ich ein echter Kerl war, wie Rodd es nannte.

Ich verdrehte die Augen, als wieder eine von diesen Huren auf mich zu kam. „Kein Interesse.“, sagte ich nur und nippte an meinem Cocktail. Außer mir trank kein anderer Mann das Zeug, aber es war süß- das Zeug was Rodd und die anderen tranken, brachte ich nicht runter.

Rodd klopfte mir auf die Schulter: „Warum nicht?“, fragte er. Scheiße.

„Ich werde nie wieder verleugnen, wer ich bin.“, sagte ich zu Matt. „Und ich weiß, dass das Ärger gibt, weil ich anders bin, weil ich dich küsse und nicht eins von den Mädchen und weil ich kein Interesse daran habe…“ „Pschsch…“, machte Matt. „Nein! Ich… Ich bin jetzt nicht still! Ich wollte dir sagen, dass… wenn du es nicht willst, wenn du den Ärger nicht willst, dann kann ich das verstehen. Aber ich werde nicht mehr so tun, als wäre da nichts, nur weil die anderen dumm schauen.“ „Die wissen doch jetzt sowieso Bescheid. Sie wussten doch, dass du kein Mädchen bist.“, sagte er. „Und außerdem ist mir das sowieso egal, was sie von mir denken.“

Ich hatte es Rodd nicht gesagt. Ich hatte keinen Grund dafür gesehen, mir alles noch viel schwieriger zu machen, als es ohnehin schon war. Ergo hatte ich aber auch genau das getan, was ich nie wieder tun wollte- mich für etwas ausgeben, was ich nicht war. „Ich will einfach nicht, ok?!“, fuhr ich ihn an.

Er lachte.

„Wenn sie dir nicht gefällt, such dir eine von den anderen aus. Mello… Oder soll ich dir eine aussuchen? Ich kann dir auch eine suchen, die etwas jünger ist, vielleicht gefällt dir die besser…”

„Ich will keine Hure. Ok?! Ich such mir selber aus, mit wem ich ins Bett gehe. Und das ist definitiv nicht so eine wie die da!“

So. Jetzt hatte ich offensichtlich zumindest einen Standpunkt vertreten, den Rodd auch verstand. Er zuckte mit den Schultern. „Wie du willst. Wenn dir doch noch eine gefällt- oder dich dein Sack drückt, nimm dir einfach eine mit hoch. Ich kümmere mich dann um die Bezahlung.“

Ich drehte den Kopf weg. „Das wird bestimmt nicht passieren.“
Er nickte, aber sein Lächeln verriet mir, dass er davon ausging, dass ich mir doch noch eine mit ins Bett nahm- widerlich, dieser Gedanke. „Nun, ich muss noch mal los. Wenn du möchtest, kannst du dich hier bedienen, wenn nicht, dann lass es. Es ist deine Entscheidung. Wenn du etwas essen möchtest, sag einer der Frauen sie soll dir etwas machen.“

Ich nickte, obwohl er genauso wusste wie ich, dass ich nichts essen würde. „Ich glaube, ich werde schlafen gehen.“, sagte ich. „Ich bin müde.“ Ich war ständig müde. Könnte an dem Mangel an Nahrung liegen, oder aber an der Tatsache, dass ich hier niemanden hatte, der mich vor meinen Alpträumen beschützen konnte. Egal. Ich hatte es verdient. Es war meine eigene Schuld gewesen, weil ich jemand hatte sein wollen, der ich nicht war.

„Nun, das ist natürlich auch ok. Auch wenn ich dich gerne für deine Arbeit belohnen würde.“

„Nein. Nein, schon ok. Solange wir näher an Kira heran kommen, ist das alles was ich möchte.“

„Na, du gefällst mir.“, grinste er und wuschelte mir durch die Haare. Ich hasste das, sagte aber nichts. Und wusste, dass es nicht normal war, dass ich Schuldgefühle hatte. Weil ich eben nicht dafür einstand, wer ich war. Was ich wollte. Es hätte einige Gründe gegeben, sich schuldig zu fühlen- warum suchte ich mir etwas so Abnormales aus? Wieder nur ein Hinweis darauf, wie tief ich gesunken war. Oder war ich einfach nur an den Platz zurück gekehrt, an den ich gehörte?
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