Elfenleben

von Heindal
GeschichteAbenteuer / P16
15.08.2010
02.02.2012
21
47086
 
Alle
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 

Es war dunkel und kalt,
als der Schöpfer mich schuf...

Es roch nach Schwefel,
als der Schöpfer mich schuf...

Es war einsam,
als der Schöpfer mich schuf...

Und das Leben war hart
und die Nahrung bitter.
Die kalten Winde wehten
und ich fürchtete um
mein Leben.

"Ich will frei sein
und ich will Leben!"
flehte ich den Schöpfer an.

Und mit allem Willen
erklomm mein kleines Licht
und erleuchtete die Dunkelheit.

Doch der Schöpfer war weise,
er legte seine Hand um mich
Schutz vor den bitterkalten Winden
und gab mir Nahrung.

Leise flüsterte er: "Brenne!"

Die kleine Flamme loderte an der Zündschnur und folgte ihrem Weg. Und die kleine Flamme brannte.



Sanfter Wind strich durch die Blätter der Bäume des nahen Parks. Der See schimmerte silbrig im Glanz des vollen Mondes. Es wäre ein friedliches Bild gewesen, wäre er nicht durch die helle Stichflamme am Rande der Stadt jäh unterbrochen worden.

Der Pulverturm, dachte Francois bei sich während er nervös mit seinen Fingern auf dem Balkongeländer trommelte.  

Verdammte Mandriden, murmelte er während ein Lächeln seine Lippen umspielte. Es hatte also begonnen. Zu lange war die Kirche in Lethargie verfallen, zu lange hatte man die Aufständischen und Aufrührer in den eigenen Reihen geduldet. Einige von Ihnen behaupteten gar die Albenkinder wären nichts als Ammenmärchen, erzählt um kleine Kinder zu ängstigen.

Fast unerträglich aber war die Situation innerhalb der Kirche. Während manche Kirchenoberste ganze Dynastien gegründet hatten und primär nur ihre eigenen Interessen verfolgten, war auch der übrige Klerus korrupt und gespalten. Seine Mund formte bei diesen Gedanken eine Linie und seine Augen wurden kalt.

So teuflisch die Albenkinder auch waren, die Einheit der Kirche durch einen gemeinsamen Feind war nach dem glorreichen Sieg über sie zerfallen. Einzelne Machtspielchen hatte es wohl immer gegeben, wenn man an die Konkurrenten des Aschebaums oder die Zersplitterung der kirchlichen Orden und Bruderschaften dachte. Aber die Uneinigkeit über die Grenzen der Länder hinweg war einfach unerträglich. Es gab sogar noch Länder die schwere Panzerreiter unterhielten, während die Technologie diese Ungetüme bereits abgelöst hatte. Manch einer wusste die Erfolge der vergangenen hundertfünfzig Jahre und die Entdeckung der neuen Welt durch die Fjordländerin Malik Angrimmson zu schätzen.

Einzig die Profite aus den neuen Kolonien ließen die Herzen der alten Heptarchen höher schlagen. Es wurde Zeit die Kirche unter einer  starken Hand wieder zu vereinen! Was die Albenbrut einst tat, würden sie mit Stahl und Pulver erreichen. Eine Hand berührte sanft seine Schulter und eine verschlafene, aber angenehme Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

Komm wieder ins Bett, mein Liebster, ich ... sie stockte. Als Francois sich zu Ragnar umwandte, bemerkte er ihre angstweiten Augen. Selbst in diesem Augenblick war sie schön. Ihr rotes Haar das in Strähnen ihren nackten Körper bedeckte und ihr mandelförmiges Gesicht umrahmte, glänzte im Mondschein und ließ sie wie eine Gestalt aussehen, wie man sie nur in den Geschichten alter Haudegen kannte. Vielleicht war sie ja eine elfische Spionin. Die grünen Augen gaben ihr zumindest etwas Katzenhaftes.

Er schmunzelte.

Sie war Fjordländerin, jenes Volk das bis zu letzt ihren alten Göttern treu geblieben war und sogar im Kampf mit den Albenkindern Seite an Seite gestritten hatte. Doch zweihundert Jahre hatten die Vorurteile gegenüber den Fjordländern ausgeräumt. Ihre Kenntnisse als Seefahrer und Schiffsbauer waren der Tjuredkirche zu großem Vorteil gereicht und hatten Wohlstand gebracht. Doch munkelte man, das es immer noch einen geheimen Kult gab, der gar Verbindungen in die neue Welt unterhielt... den Mandriden. Wieder Andere behaupteten gar das der Kult von dort stammte, was natürlich aberwitzig war. In Wirklichkeit ging der Name auf eine alte fjordländische Heldensage zurück.

Er küsste ihre Schulter.

Komm ins Bett , sagte er nun seinerseits und ging langsam an ihr vorbei ...