Das Buch der Pfade: Ein ungewisser Weg

von TheWoody
GeschichteDrama / P12
Obi-Wan Kenobi
14.08.2010
03.11.2010
22
105585
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Hallo ihr lieben. Wieder vielen Dank für eure Kommentare. :-)
Ich hätte nie gedacht, dass diese FF auf so eine Resonanz stoßen würde.
Da flutscht das Übersetzen doch gleich noch ein bisschen schneller von der Hand. ^^

Eigentlich wollte ich dieses Kapitel erst Montag hochladen, aber da ich nicht weiß, wie es Anfang nächster Woche mit meinem I-Net aussieht, bekommt ihr das Update schon heute.

Wieder vielen Dank an Spitzohr und Dark Star fürs Helfen und Beta-Lesen.

SWSWSWSWSW




Das Buch der Fragen

Qui-Gon Jinn warf einen schnellen Blick durch die Halle, bevor er zügig weiter in Richtung seines Quartiers schritt.

Seine Augen, waren der einzige Sinn, dem er trauen konnte.

„Ich glaube nicht, dass es funktioniert hat.“ ertönte eine Stimme hinter ihm.

Der große Meister verspannte sich und drehte sich abrupt um. Die Bewegung ließ seinen Umhang flattern. Er entspannte sich wieder, als er seinen Schüler erkannte, der den Gang hinunter joggte, um zu ihm aufzuschließen.

Anakin schenkte ihm ein verwegenes Grinsen: „Ihr seid noch immer angespannt.“

Der Jedi-Meister richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Interessant. Ich fühle mich aber gut,“ entgegnete er mit einem Lächeln. Sanft legte er eine große Hand auf Anakins Schulter. „Wie ist dein Duell mit Meister Ke ausgegangen?“

Der Junge zappelte etwas und entblößte dann ein schmerzhaft aussehendes Brandmal an seinem Hals. „Sie hat mich sechs Mal geschlagen.“

„Sechs Mal?“ Qui-Gon lachte. „Die meisten Padawans geben nach dem zweiten Mal auf.“

Ein enttäuschter Ausdruck huschte über Anakins Gesicht, als er zu ihm aufsah. „Ich wusste nicht, dass es okay ist, aufzugeben.“

„Bei Meister Ke ist ein taktischer Rückzug immer die schlauste Option.“

Das Stirnrunzeln des Dreizehnjährigen löste sich schnell in Gelächter auf. „Ich werde mir das für das nächste Mal merken.“

„Ich bin sicher, dass du das wirst.“

„Ihr seid immer noch angespannt.“ sagte Anakin und brachte die Konversation damit wieder zurück auf seinen Meister.

„Mir geht viel im Kopf herum,“ sagte Qui-Gon ruhig, während er seinen Weg durch den Tempel fortsetzte. Gleichzeitig nahm er auch seine visuelle Überprüfung der Umgebung wieder auf.

Lange Zeit lief Anakin stumm an seinem Platz an der Seite seines Meisters neben Qui-Gon her, doch immer wieder blickte er zu dem Mann auf. „Obi-Wan.“ sagte er schließlich.

„Ritter Kenobi,“ korrigierte Qui-Gon sanft, unzufrieden, dass dieser Name so beiläufig ausgesprochen wurde. „Und nein. Das ist es nicht.“

„Humph.“

„Du klingst jeden Tag mehr wie Meister Yoda.“

Anakin streckte sich, um seinen Meister anzusehen. „Ich muss mir genug von seinen Lektionen anhören.“

„Das geschieht nur in deinem Interesse.“

„Er piekt mich ständig, mit diesem Stock, den er mit sich herum trägt. Ich kann es gar nicht mehr erwarten größer zu werden, damit er damit aufhört.“

„Gewöhn’ dich lieber daran,“ lachte Qui-Gon und legte seine Hand auf die Schulter des Jungen. „Er hat auch heute noch keine Probleme mir damit gegen das Schienbein zu schlagen, wann immer ihm danach ist.“

Noch mehr Gelächter war von dem Jungen zu hören.

Qui-Gon konnte nicht anders, als das Lachen zu erwidern und zog sanft an dem dünnen Padawan-Zopf, der über Anakins Schulter hing. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er sich das letzte Mal so glücklich gefühlt hatte.

Nein. Glücklich war nicht das richtige Wort dafür.

Vollkommen.

Er konnte einfach nicht anders, als dieses junge, unschuldige Gesicht anzusehen. Durch Anakin würde er all sein Wissen weitergeben. Alles das er war. Und der Junge war ein so eifriger Schüler, dass er nicht mehr hätte verlangen können.

Als die beiden Jedi den ständigen Strom von Tempelbewohnern verließen und einen ruhigeren Abschnitt des Ganges erreichten wurde Anakin langsamer. „Hasst Ihr ihn?“ fragte er leise, den Blick zu Boden gerichtet.

Qui-Gon stoppte. Sein Blick leerte sich.

„Ich habe ein paar Padawans belauscht.“

„Du solltest nicht auf Gerüchte hören.“

„Hasst Ihr ihn?“

„Nein, Anakin.“

„Warum redet ihr beide dann nie miteinander? Ihr seid doch vorher Freunde gewesen.“

„Ich war sein Lehrer und er war mein Schüler. Wir haben uns einfach auseinander gelebt.“ antwortete Qui-Gon beiläufig, in der Hoffnung, dass der Junge dies ohne zu fragen akzeptieren würde.

„Denkt Ihr, dass wir uns auch auseinander leben werden, wenn ich ein Ritter geworden bin?“

Der Jedi-Meister entließ die Luft aus seinen Lungen, die er unwillkürlich angehalten hatte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das jemals erlauben würde.“

„Gut. Ich würde es nämlich hassen, unsere Freundschaft zu verlieren.“





Das Buch der Richtungen

Er hätte in die Meditationsgärten gehen können.

Er hätte einen der Orte aufsuchen können, die er einst frequentiert hatte. Orte, die ihm früher Trost und Komfort gespendet hatten.

Der Raum der Tausend Quellen.

Obi-Wan wäre gerne dorthin gegangen, doch Qui-Gon war dort gewesen. Meditierend.

Also würde dies hier genügen müssen.

Der Ritter sah sich in dem engen Raum um.

Es gab nicht viel zu sehen.

Das niedrigste Level des Tempels, weit weg von den tausenden Jedi, die ihrem täglichen Leben nachgingen. Es war ruhig, gedämpft durch die vielen Lagen an Mauerwerk.

Ein wenig staubig.

Er atmete tief ein. Nahm die abgestandene Luft auf und entließ sie langsam wieder.

Ein dumpfer Schmerz pochte in seinem Arm.

Die Wunde heilte, wenn auch langsam.

Seine körperlichen Verletzungen heilten immer.

Er würde diesen kleinen Schnitt in seinem Arm überleben.

Die Wände der Zelle versprachen Schutz. Vor was allerdings, konnte er nicht wirklich erklären.

Vielleicht waren es die Alpträume, die ihn hochschrecken ließen, sobald er einige seltene Stunden Schlaf finden konnte. Jene Alpträume, die ihn selbst bis in seine Meditationen verfolgten.

Die Zelle fühlte sich warm an. Trotzdem ließ ihn die Kälte, die in den letzten vier Jahren sein konstanter Begleiter gewesen war, erschauern. Selbst sein Umhang konnte ihn nicht dagegen abschirmen.

Die Wärme – diese trockene Wärme – durchzog seine Meditationen wie ein Miasma. Er konnte das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte, nie völlig abschütteln. Die Bilder – Erinnerungen – von Sand fraßen sich durch seine ungeschützten Gedanken.

Jedi haben keine Alpträume. Sie träumen nicht. Dieses Mantra tat wenig gegen das Stigma, das ihn verfolgte. Wenn er doch nur jemandem diese Träume – Visionen – die ihn verfolgten, erklären könnte.

„Ich kam hierher, um alleine zu sein,“ sagte er kalt.

„In einem Raum voller Leute, allein du bist.“

„Meister.“

Yoda humpelte in die Zelle. Noch hatte er den meditierenden Ritter keines Blickes gewürdigt. „Hmm,“ sagte er, das Kinn auf den Knauf seines Gimer-Stocks gestützt. „Abgeschirmt ich war.“

„Ich bin tot, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, die Veränderungen in meiner Umgebung wahr zu nehmen, Meister.“

„Nicht derart gefährlich, der Tempel ist.“

„Ich werde nicht immer im Tempel sein.“

„So eilig du es hast, zu gehen. Eine Chance, dich an das Leben im Tempel zu gewöhnen, du dir nicht gibst.“

Obi-Wan öffnete die Augen. Leeres Blau fokussierte auf den kleinen Meister. „Ich wäre lieber auf einer Mission.“

„Nein.“ Das Wort kam schnell, endgültig.

„Ich gehöre hier nicht her.“ sagte Obi-Wan. „Ich kann anderswo besser dienen.“ Eine lange Pause folgte. „Wo das Leben von anderen nicht riskiert werden sollte.“

„Nicht weniger wichtig, dein Leben ist. Der Verlust eines Jedi, das Ganze verletzen er würde. Dein Leben oder das eines anderen; keinen Unterschied es macht.“ Yoda humpelte um den Ritter herum. Sein Gimer-Stock tappte gegen den Boden, schlug gegen die gepolsterten Wände. „Eine Zelle.“ Er stoppte und schüttelte traurig den Kopf.

Der Raum war seit Jahren nicht mehr genutzt worden, wurde aber dennoch für den Fall der Fälle beibehalten. Er war als eine Art letzte Maßnahme vorgesehen. Eine Gefängniszelle mit gepolsterten, gegen die Macht isolierten Wänden für Jedi, die außer Kontrolle geraten waren.

Er war kreiert worden, um diejenigen außerhalb, gegen die im Inneren zu schützen. Oder vielleicht war es ja auch anders herum.

„Trost du hier findest?“

„Ja.“ Der Ritter verlagerte sein Gewicht und zog seinen Umhang enger um sich.

Yoda humpelte an Obi-Wan’s rechte Seite. Er zog an dem blutdurchtränkten Ärmel. „Dieser Umhang, beschädigt er ist. Einen neuen du brauchst.“

„Ich mag diesen Umhang.“

„Einen neuen bekommen, du wirst.“

„Meister…“

Yoda stieß das Ende seines Stockes gegen den Riss im Ärmel des Ritters.

„Au!“ schrie Obi-Wan und ließ sich in einer Mischung aus Schmerz und Schrecken rücklings gegen die gepolsterte Wand fallen.

Der kleine grüne Meister lächelte, als Obi-Wan die Hand auf seine Verletzung presste. „Am Leben, du bist.“ erklärte er mit einem Hauch amüsierter Überraschung. „Meine Zweifel, ich hatte.“

„Meister…“

Ein weiterer schneller Schlag mit dem Gimer-Stock gegen den Arm des verwundeten Mannes provozierte einen erneuten Aufschrei. „Diskutieren mit mir, du wirst nicht!“ sagte er mit der bekannten Unnachgiebigkeit. „Antworten, du wirst.“

Obi-Wan zog sich weiter in die Ecke zurück. Der scharfe Schmerz, der sich in seinem Arm ausbreitete ließ ihn zittern.

„Wann zuletzt gesprochen mit Qui-Gon, du hast?“

Seinen Arm vor einem weiteren Schlag schützend, grollte Obi-Wan: „Vor dreieinhalb Jahren. Ihr wisst das.“

„Stur du bist.“ Yoda, dem die Bitterkeit in der Stimme des Jedi nicht entgangen war, betrachtete ihn müde.
Der kleine Meister ließ das Thema fallen und fuhr mit neuem Elan in der Stimme fort: „Viele Jünglinge gibt es im Tempel,“ sagte er unvermittelt. „Zeit für dich es ist, eine Wahl zu treffen. Den Jünglingen einen Besuch abstatten, du solltest.“

„Nein, Meister…“

Wieder wurde der Ritter von Yodas blitzschnellen Reflexen überrascht. Ein weiteres schmerzhaftes Japsen erfüllte den Raum. „Dir überlegen, einen Padawan zu nehmen, du wirst.“




Das Buch der Tempelgeister – Teil I


Vier Monate und zwei Wochen seit der Schlacht von Naboo.

Drei Monate, seit Qui-Gon aus der Obhut der Heiler entlassen worden war, um sich in seinem eigenen Apartment weiter erholen zu können.

Drei Monate, seit Anakin in das Apartment eingezogen war, um sich an das Leben im Tempel zu gewöhnen.

Zwei Monate und zwei Wochen, seit Obi-Wan aus einem tiefen Koma erwacht war.

Ein Monat und eine Woche, seit Obi-Wan seine Prüfungen bestanden hatte.

Ein Monat, seit Obi-Wan zum Ritter geschlagen worden war.

Ein Monat, seit Obi-Wan den Tempel verlassen hatte, um seine erste Mission anzutreten.

Drei Wochen, seit Qui-Gon Anakin offiziell zu seinem Padawan-Schüler gemacht hatte.

„Obi-Wan?“ Qui-Gon Jinn konnte sich kaum überwinden, den Namen auszusprechen, der ihm einst so leicht über die Lippen gegangen war.

Der Jedi mit den dunkelblonden kurzen Haaren drehte sich in dem weiten Korridor um, um den älteren Mann mit von Kälte heimgesuchten, blauen Augen anzusehen. „Meister Jinn,“ gab Obi-Wan dumpf zurück.

Diese Augen waren alles, das Qui-Gon sehen konnte. Leer. Tot.

Es kostete Qui-Gon beinahe mehr Kraft als er aufbringen konnte, seinen Blick von den Augen des jungen Mannes zu lösen. Etwas an dem Jungen war so anders.

Was war es nur?

Qui-Gon studierte seinen Schüler. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, als ihn schließlich die Erkenntnis traf: „Du bist nicht mehr mein Padawan.“

„Nein.“

Der Meister konnte einfach nicht anders. Er streckte seinen Arm aus und seine Finger tasteten über die leere Stelle hinter Obi-Wan‘s rechtem Ohr, an der zuvor noch sein Padawan-Zopf gewesen war.

Obi-Wan zog sich einen Schritt zurück.

Ein Stirnrunzeln legte sich auf Qui-Gon’s Gesicht und er ließ seine Hand wieder sinken. „Mace hat es mir erzählt.“

Sein Schüler – der Ritter – wich seinem Blick aus. „Ihr wart beschäftigt.“ entgegnete er leise.

„Wer hat deinen Zopf abgeschnitten?“ Die Worte klangen schwach, und Qui-Gon hasste sich dafür, dass er in diesem Moment nicht mehr Stärke zeigen konnte. Er machte seine Verletzung dafür verantwortlich. Ein Lichtschwert durch die Brust gestoßen zu bekommen würde Schwäche erlauben. – Obwohl er zugeben musste, dass es nicht Schwäche war, die ihm die Tränen in die Augen steigen ließ.

„Ich,“ entgegnete Obi-Wan einfach, „Das war mein Recht.“

„Du bist nicht einmal vorbeigekommen, um mir mitzuteilen, dass du zu deiner ersten Mission aufbrichst. Ich hätte das gern gewusst.“ Qui-Gon musterte den Jungen für einen Moment. „Ich dachte...“

„Ihr hattet Anakin, der Eure Aufmerksamkeit in Beschlag genommen hat.“

„Er ist wichtig,“ sagte Qui-Gon schnell. Er bereute seine Worte sofort, als Obi-Wan einen weiteren Schritt zurückwich. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du deine Prüfungen bestanden hast?“

Der leere, distanzierte Blick konzentrierte sich auf den ehemaligen Meister. Obi-Wan wirkte so viel älter, als er die Falten seines Umhangs enger um seinen Körper zog. „Ihr hättet es gewusst Meister Jinn, hättet Ihr nicht vor den Prüfungen unsere mentale Verbindung getrennt.“

„Ich musste mit Anakin...“

„Anakin war nicht Euer Padawan!“ Obi-Wan kniff die Augen zusammen, als er versuchte sich nach diesem Ausbruch wieder zu sammeln.

„Er ist der Auserwählte,“ erklärte Qui-Gon fest. „Ich weiß, dass du das nicht verstehen kannst. Oder du bist wie der Rat, und willst es einfach nicht verstehen.“

Was hatte er mit diesen Worten ausdrücken wollen?

Waren sie dazu gedacht gewesen, die Situation zu erklären?

Dem leeren, gehetzten Blick in Obi-Wan’s Augen nach zu schließen, wusste Qui-Gon, dass sie dazu gedacht waren, zu verdammen.

„Anakin wird die Macht ins Gleichgewicht bringen,“ fuhr er fort, als würde er versuchen alles zu erklären.

„Und wenn er Euch ebenfalls enttäuscht?“ Obi-Wan hüllte sich tiefer in seinen Umhang, verschränkte die Arme vor der Brust, als würde er versuchen, sich gegen eine tief sitzende Kälte zu schützen.

„Das wird er nicht.“

Obi-Wan lächelte und zog sich noch ein wenig weiter zurück: „Ich hoffe, Ihr habt Recht, Meister Jinn.“

Die Förmlichkeit zwischen ihnen störte Qui-Gon und er wollte gerade etwas dazu sagen, als ihm das leichte Zittern auffiel, das durch den Körper seines ehemaligen Schülers lief. Jeder andere hätte es wohl übersehen, doch Qui-Gon kannte Obi-Wan gut genug um zu sehen, wenn etwas nicht stimmte. „Du bist immer noch krank.“

„Das wird nie ganz verschwinden. Meister Dirad sagt, dass es wohl irgendwann nachlassen wird. Vorausgesetzt, ich versuche nie wieder jemanden mit Hilfe der Macht zu heilen.“

„Das tut mir so leid.“ sagte Qui-Gon. „Du hättest nicht...“

„Ihr wärt gestorben, Meister Jinn.“

Wieder griff Qui-Gon nach dem anderen Mann. Ein Teil von ihm suchte noch immer nach dem fehlenden Padawan-Zopf, der eigentlich hätte da sein müssen.

Obi-Wan schob Qui-Gon’s Hand grob von sich. „Es gibt Dinge, um die ich mich kümmern muss.“ Er wandte sich ab, um zu gehen.

„Eine weitere Mission?“

„Ich muss meinen Platz im Leben finden.“ entgegnete Obi-Wan mit einer seltsamen Gleichgültigkeit in der Stimme. Der junge Jedi wandte seinen Blick ab, drehte sich um, und ließ Qui-Gon einfach stehen.

Es war das letzte Mal, dass Qui-Gon wirklich die Gegenwart des anderen gespürt hatte.

Hätte er in dem Moment seine Augen geschlossen, wäre die in einen Umhang gehüllte Gestalt wohl einfach verschwunden.

Ganz plötzlich verschwand jeder Hinweis auf Obi-Wan’s Anwesenheit aus der Macht.




Das Buch der Konversationen

Obi-Wan zupfte unbehaglich an dem steifen Stoff seines neuen Umhangs.

Yoda hatte ihn einfach vor der Tür seines Apartments abgelegt. Eine einfache Nachricht, verfasst von einer alten Hand, war daran befestigt gewesen. Anscheinend wollte der kleine Meister nicht, dass er die Jünglinge verschreckte.

Wenn das der Fall war, hätte er nicht darauf bestehen sollen, dass Obi-Wan sich im Trainingsraum der Anwärter einfand.

Langsam verließ er den Schutz seines Apartments.

Der Korridor war vollkommen leer.

Er bewegte sich lautlos durch die Gänge bis hin zum Hauptlift und noch bevor sich die Tür öffnete, wusste er, was ihn erwartete. Obi-Wan begann sich zurück zu ziehen.

„Ritter Kenobi!“ rief eine jungenhafte Stimme. Anakin schob die Hände in die Ärmel seines Umhangs und verbeugte sich förmlich.

Obi-Wan stand einfach in dem Gang und starrte in den offenen Lift.

„Ich habe mich gefragt, ob wir miteinander sprechen könnten.“ begann Anakin.

„Dein Meister wäre davon wohl nicht angetan.“

„Er muss es ja nicht wissen.“

Obi-Wan trat von dem Lift zurück. „Ich habe nicht vor, mich dafür beschuldigen zu lassen, dass du deinen Meister hintergehst. Ich werde deine Lügen nicht unterstützen.“

„Ich würde meinen Meister nie anlügen.“

Obi-Wan wandte sich scharf um und marschierte den Gang hinunter. Auf der anderen Seite gab es ebenfalls einen Lift. Er würde diesen benutzen und dem Jungen damit gänzlich aus dem Weg gehen.

„Ritter Kenobi!“ rief Anakin und sprintete hinter Obi-Wan her.

Anfangs hatte Obi-Wan gedacht, Yoda würde das unmögliche von ihm verlangen, indem er ihn zwang den Trainingsraum der Anwärter aufzusuchen. Er hätte sich nicht träumen lassen, dass die wahre Prüfung darin lag, dort überhaupt anzukommen.

„Stopp!“ schrie Anakin. „Ich bin in der letzten Stunde ständig in diesem Lift auf und ab gefahren, nur um eine Chance zu bekommen mit Euch zu sprechen. Mein Meister ist...“

Meister.

Dieses Wort ging Obi-Wan auf die Nerven. Er hasste es, wie der Junge dieses Wort aussprach. Dieses Wort, das ihm so beiläufig gestohlen worden war, rollte ganz natürlich von Anakins Zunge.

„Ich mag es nicht, dass mein Meister so angespannt ist.“

„Und was hat das mit mir zu tun?“ fragte Obi-Wan und drehte sich so plötzlich um, dass Anakin mehrere Schritte zurückprallte.

„Alles.“

„Hat er dich geschickt?“ fragte Obi-Wan grob.

„Nein.“

„Dann verschwinde.“

„Ritter Kenobi.“

Es spielte keine Rolle, was der Junge zu sagen hatte. Obi-Wan wollte es nicht hören. Er stürmte in scharfem Tempo davon.

„Es tut mir leid, dass Ihr und mein Meister einander nicht leiden könnt.“ sagte Anakin, der hinter dem Ritter her jagte.

Wieder drehte Obi-Wan sich um. „Das ist nicht dein Problem. Es ist nicht deine Schuld.“

„Aber es fühlt sich an, als wäre es meine Schuld.“

„Es wird nie deine Schuld sein. Genau wie bei allem anderen auch, wird Qui-Gon das nicht zulassen.“ sagte Obi-Wan bitter. „Du bist sein über alles geschätzter Auserwählter. Sein Vermächtnis.“

Anakin stand vollkommen entgeistert da, als der Ritter durch die angrenzende Halle verschwand. Ärger stieg in ihm auf. „Ihr habt meinen Meister verletzt!“ schrie Anakin. „Ihr habt seine Lehren verraten! Qui-Gon war immer nur freundlich zu mir. Er hat mich aus der Sklaverei befreit. Er trainiert mich, damit ich ein Jedi werden kann. Ich weiß, dass er gut zu Euch gewesen ist, und trotzdem behandelt Ihr ihn so schrecklich. Ihr habt alles verraten, an das er geglaubt hat. Ihr hattet ihn nie als Euren Meister verdient!“





Das Buch des Flüsterns

Die Aussichtsplattform über dem Trainingsraum der Anwärter war besetzt mit einer ganzen Reihe stummer Jedi, die die Schüler unter sich beobachteten. Obi-Wan lief lautlos an der Wand entlang, nicht wirklich auf der Suche nach einer Lücke zwischen den anderen Jedi, die sorgfältig die kleinen Gestalten beobachteten, die im Training ihr Bestes gaben.

Obi-Wan fand einen Platz um die Ecke, an der gegenüberliegenden Wand. Zögernd trat er an das kühle, aus Stein gefertigte Geländer und lehnte sich schwer dagegen. Seine Augen auf die Kinder unter ihnen gerichtet, griff Obi-Wan mit der Macht um sich und scannte die Jedi in seiner Umgebung.

Er hätte nicht empfänglich für die Macht sein müssen, um die Besorgnis zu fühlen, die sich unterschwellig in der Gruppe ausbreitete. Sie alle waren sich seiner Gegenwart und vor allem seines Rufes nur zu deutlich bewusst. Und sie alle fragten sich, was jemanden wie ihn, in den Trainingsraum der Anwärter geführt hatte.

Unbewusst zog er an den Falten seines Umhangs. Der Raum fühlte sich kühl an, selbst mit all den warmen Körpern um ihn herum.

Yoda hatte seinen kleinen grünen Verstand verloren, dass er ihn mitten in diesen Zirkus geschickt hatte.

Oder Schlimmer noch: Der Meister war sich vollkommen im Klaren über seine Handlung gewesen. Gab es einen besseren Weg sich selbst wahrzunehmen, als durch die Augen derer um sich herum? Selbst wenn die anderen Jedi versuchten ihn zu ignorieren, war sich doch jeder überdeutlich seiner Anwesenheit bewusst.

Sie versuchten es zu verstecken, doch er konnte es trotzdem wahrnehmen.

Die Frage war: Was glaubten sie, hatte ihn am Meisten verändert? War es der beinahe fatale Versuch Qui-Gon zu heilen, das Zerwürfnis mit seinem Meister, oder doch die Tatsache, dass er einen Sith getötet hatte? Ein Teil von ihm hoffte, dass jeder glaubte, dass es der Sith gewesen war, der ihn so kalt und abweisend gemacht hatte. Immerhin war es bereits tausend Jahre her seit zuletzt ein Jedi einen Sith getötet hatte. Auf diese Art zu versagen, wäre leichter zu erklären gewesen.

Obi-Wan‘s Blick glitt über die lebhaften Bewegungen der Kinder unter ihnen.

Er musste nicht hier sein.

Er hatte nicht vor, sich einen Padawan-Schüler zu nehmen.

Er wollte keinen.

Der plötzliche Schmerz in seiner Brust brachte ihn dazu, sich wieder aufzurichten. Er hätte nicht so mit Anakin reden sollen.

Was war schon eine Person mehr, die ihn hasste?

In der Mitte des Trainingsraumes fanden sich mehrere Zweierteams zu Duellen zusammen.

Warum hatte ihn Yoda in diese Folterkammer geschickt?

Zu viele Jahre seines Lebens hatte er in der Hoffnung zugebracht, als Padawan-Schüler ausgewählt zu werden. Heute waren mehr potentielle Meister als Anwärter anwesend. Diese Kinder würden nicht unter der Ablehnung leiden müssen, die er erfahren hatte.

Ein kleiner dunkelhaariger Anwärter blockte den Hieb eines größeren Jungen. Der dunkelhaarige Junge stolperte zurück, verlor den Boden unter den Füßen und fiel rücklinks auf die Matte. Ein orange leuchtendes Trainings-Lichtschwert berührte ihn beinahe am Hals, bevor er sich zur Seite rollen konnte.

Obi-Wan lehnte sich interessiert wieder gegen das steinerne Geländer und beobachtete, wie der zierliche Junge über die blaue Matte krabbelte. Er sprang auf und versuchte erneut zu blocken, wurde aber zurückgedrängt. Der größere Junge presste schließlich die Klinge seines Lichtschwertes gegen seinen Hals.

Der kleine Anwärter sank auf die Knie, seine Niederlage akzeptierend, dann erhob er sich wieder, um sich vor dem Gewinner zu verbeugen.

Der Blick des Jungen wanderte hinauf zu der Aussichtsplattform. Seine leuchtenden grünen Augen wanderten über die anwesenden Jedi, und sein Blick blieb kurz an Obi-Wan hängen, bevor er wieder zu einem Duell aufgefordert wurde.

Obi-Wan trat von dem Geländer zurück. Er zog seinen Umhang enger um seine Gestalt und verließ ohne weiteres Zögern den Raum.
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