Das Buch der Pfade: Ein ungewisser Weg

von TheWoody
GeschichteDrama / P12
Obi-Wan Kenobi
14.08.2010
03.11.2010
22
105585
10
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Dieses Kapitel
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Vielen Dank für die vielen Reviews. Ihr haut mich echt um... 8-)

Ebenfalls bedanke ich mich bei Dark Star fürs Beta-Lesen
und natürlich bei Spitzohr für das Angebot mir beim Übersetzen zu helfen.

Viel Spass beim Lesen.
Gruß Woody

SWSWSWSWSWSWSWSW




Das Buch der Erklärungen


„Es war ein Fehler.“ sagte Qui-Gon Jinn entschieden.

„Und wie kommst du zu dieser Erkenntnis?“ fragte Meister Windu aus dem Zirkel der Zwölf in der Ratskammer der Jedi.

Qui-Gon verlagerte sein Gewicht. Seine Ärmel warfen tiefe Falten, als er die Arme vor der Brust verschränkte.
„Anakin war...“

„Junger Skywalker,“ unterbrach Mace den ehrwürdigen Jedi. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“

„Es tut mir sehr leid.“ antwortete der Dreizehnjährige.

„Es tut dir leid?“ fragte Adi Gallia.

„Ich wusste nicht, dass es das Haustier der Prinzessin war.“ platzte Anakin heraus. Der geflochtene Zopf des blonden Padawan rutschte über seine Schulter.

„Das hätte keine Rolle spielen dürfen.“ warf Ki Adi Mundi ein. „Ein Lebewesen ist tot.“

„Aber es war doch nur ein dummer Vogel!“ Panik füllte Anakins lebhafte blaue Augen.

„Es war ein lebendes Wesen und du hast es getötet. Wenn du nicht nachweisen kannst, dass es ein Unfall war…“

Qui-Gon räusperte sich um Ki Adi Mundi zu unterbrechen. Er trat hinter Anakin und legte seine Hände auf die Schultern des verstörten Kindes. „Es war ein Fehler in seiner Einschätzung der Situation.“ erklärte Qui-Gon fest. „Der Junge lernt aus seinen Fehlern.“

„Er hat die Macht genutzt, um den Vogel zu erdrosseln.“ sagte Mace langsam.

„Ich habe nur reagiert!“ Anakin schrie beinahe, doch die Stärke und Ruhe, die sein Meister durch ihr mentales Band schickte, linderte seine Aufregung. Der Junge blieb ruhig stehen. „Ich wollte das nicht. Ich war wütend.“

Die Ratsmitglieder entspannten sich in ihren Sitzen, als wären sie mit der Antwort zufrieden.

„Ich habe seither intensiv mit ihm gearbeitet.“ fuhr Qui-Gon fort. „Er lernt aus seinem Fehler.“ betonte er erneut.

„Ärger führt zu Hass,“ meldete sich Yoda zu Wort. „Hass führt zur Dunklen Seite. Diese Emotion, zu leicht gibst du ihr nach. Besorgt wir sind.“

„Er hat in den letzten vier Jahren enorme Fortschritte gemacht.“ beharrte Qui-Gon.

„Wir sind uns dessen durchaus bewusst, Master Jinn.“ sagte Mace kühl.

„Er sollte deswegen nicht gerügt werden.“

„Unseren eigenen Rat befolgen wir werden, wenn es darum geht, wie mit dem jungen Skywalker zu verfahren ist,“ sagte Yoda streng.

Qui-Gon ging einen Moment in sich. Seine wachen Augen studierten den Kreis um sie herum. „Anakin braucht…“ war alles, was er heraus brachte, bevor seine Aufmerksamkeit von der Ratskammer weg und in den lebendigen Tempel gezogen wurde, der sie umgab. Seine Haltung sackte ein wenig, als ein Schatten über sein Herz zog.

Anakin warf Qui-Gon einen Blick zu. Meister?

Der eigenbrötlerische Jedi schüttelte die leichte Benommenheit ab und wandte sich wieder dem Rat zu. „Es war eine ermüdende Mission für uns beide. Meinen Padawan und mich. Ich denke, eine Pause im Tempel und die Rückkehr zu einem normalen Rhythmus würde uns beiden gut tun. Anakin kann eine Rückkehr in seinen Unterricht mit Sicherheit gut gebrauchen. Ich möchte nicht, dass er zurück fällt.“ Ein leichtes, aufmunterndes Lächeln huschte über seine Züge. „Normalität ist, was wir beide jetzt brauchen.“

„Gut bemerkt.“ antwortete Mace. „Während Padawan Skywalker sich im Tempel aufhält, sollte er Heiler Ielesis ein paar Besuche abstatten. Vielleicht kann er ihm helfen, einige seiner wilderen Emotionen zu verarbeiten.“

„Wir werden sofort einen Termin vereinbaren.“ sagte Qui-Gon und verbeugte sich. Er warf Anakin einen Blick zu, um sicher zu gehen, dass der Junge ihm auf dem Fuße folgte.

Ein abwesender Ausdruck legte sich auf das Gesicht des Jungen, doch auch er verbeugte sich pflichtbewusst.




Das Buch der Begegnungen


„Meister?“ fragte Anakin leise, als sie die Ratskammer verließen. Sorge zeichnete sich auf seinen jugendlichen Gesichtszügen ab.

„Ja, Padawan?“ antwortete Qui-Gon dem schlaksigen Jungen an seiner Seite mit einem sanften Lächeln.

„Es tut mir leid.“ flüsterte Anakin mit zu Boden gerichtetem Blick. Er sah mit einem Lächeln zu seinem Meister auf. Wie immer war Qui-Gon für ihn eingestanden, hatte ihn gegenüber denjenigen verteidigt, die nicht willens waren, ihm eine Chance zu geben. Ein Teil von ihm fühlte, dass er seinen Meister enttäuscht hatte. Er seufzte leise.

„Dies ist etwas, aus dem du eine Lehre ziehen musst.“ sagte der ehrwürdige Meister. Er hatte inne gehalten, um seinen Schüler anzusehen. Sanft legte er seine Hände auf die Schultern des Jungen, seine Stimme warm und verständnisvoll: „Das hätte nicht passieren dürfen, doch wenn du etwas daraus lernen kannst…”

Qui-Gon hielt einen Moment inne, gefangen in seinen eigenen Gedanken.

„Seid Ihr in Ordnung, mein Meister?“

Langsam drehte sich der Meister um, um den Gang hinunterzublicken, der von der Ratskammer fortführte.

Unwirklich wie ein Geist bewegte sich eine ernste Gestalt in einem wehenden braunen Jedi-Umhang durch den Korridor, die gleichzeitig allem und nichts ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden schien.

Durch seine Verbindung mit Qui-Gon fühlte Anakin einen kalten Schauer, bevor die Schilde seines Meisters ihn ausschlossen.

Der ‚Geist’ stürmte an Meister und Schüler vorbei, als wären sie überhaupt nicht anwesend.

„Meister?“ flüsterte Anakin.

Blut durchnässte den rechten Ärmel von Obi-Wan‘s braunem Umhang. Er hielt inne und betrachtete das getrocknete Blut, das seine Hand bedeckte, als wäre er von dessen Vorhandensein vollkommen überrascht. Sein Blick wanderte weiter und traf schließlich Qui-Gon’s. Er lächelte. „Meister Jinn,“ sagte er förmlich und verbeugte sich.

Die Kälte, die von dem Ritter ausging, brachte den Jungen dazu, sich in den Schutz seines Meisters zurückzuziehen.

„Komm mit, Anakin,“ sagte Qui-Gon schroff. Mit seinem weiten Umhang schirmte er den Jungen ab, und führte ihn in die andere Richtung.

„Aber Meister,“ flüsterte Anakin leise, „das ist Obi-Wan.“

„Ritter Kenobi,“ korrigierte Qui-Gon. Er schenkte der stillen Gestalt, die neben den Türen zur Ratskammer stand keine weitere Beachtung. „Er geht uns nichts an.“

Obi-Wan Kenobi beobachtete den Abgang des großgewachsenen Meisters und des Jungen, der, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten, um mindestens zwanzig Zentimeter in die Höhe geschossen zu sein schien. Keinerlei Ausdruck zeigte sich auf seinem müden Gesicht. Unbewusst zog er seinen Umhang enger um sich.




Das Buch des Bleibens

Die Ratskammer war still.

Zwölf Jedi-Meister starrten die Figur in der Mitte des Raumes an.

Totenstille.

Mace rutschte leicht in seinem Sitz hin und her, doch sein Blick verließ den Jedi, der vor ihnen stand, nicht.

Obi-Wan starrte stumm aus dem Fenster. Sein leerer Blick streifte keinen der Meister, die ihn beobachteten. Ohne wirklich darüber nachzudenken, zog er seine mentalen Schilde noch enger um sich zusammen. Als ob das überhaupt noch möglich gewesen wäre.

Mace, der die starken Schilde bemerkte, warf Yoda einen kurzen Blick zu. Nach einem Moment der stummen Verständigung wandte er seinen Blick wieder dem Ritter zu. „Wir haben von Kanzler Palpatine und der urotianischen Delegation bereits Nachricht erhalten. Sie sind dankbar für deine Dienste.“

„Ich tue nur, was der Rat für erforderlich hält.“ sagte Obi-Wan langsam als er sich verbeugte.

Yoda blinzelte und legte leicht die Ohren an.

„Du blutest,“ bemerkte Adi Gallia mit Mitgefühl in der Stimme. „Wir hätten dir keine Vorhaltungen gemacht, hättest du zuerst die Heiler aufgesucht, bevor du hier berichtet hättest.“

„Es ist nichts Ernstes,“ entgegnete Obi-Wan teilnahmslos.

„Humph!“ schnaubte Yoda. „Eine Gewohnheit von dir, dies ist.“

„Senator Urot befindet sich in Sicherheit. Ich erbitte eine neue Mission.“

„Nein.“ Mace klang, als sei er von der Bitte überrascht.

Der stoische Ausdruck auf Kenobis Gesicht bekam einen Riss. Er wandte sich von den entfernten Skyways ab und starrte Mace an. „Meister?“

„Du hast in den vergangenen vier Jahren ohne Pause eine Mission nach der anderen angetreten.“

„Und ich bin bereit für eine weitere,“ warf Obi-Wan schnell ein, einen Hauch von Panik in der Stimme.

Mace fuhr ohne zu zögern fort: „Jede Mission, von der du zu uns zurückkehrst, hat dich nur noch weiter ausgelaugt. Ich habe Jedi gesehen, die weit länger auf Außenmissionen unterwegs waren als du, du aber weitaus weniger Erschöpfung ausstrahlen.“

„Ich wäre besser..."

„Nein,“ meldete sich Yoda zu Wort. „Selbstzerstörerisch der Pfad ist, auf dem du dich befindest.“

„Meister..."

„Etwas zu sagen, ich habe!“ Yoda glitt aus seinem Sessel und humpelte über den Boden zu Obi-Wan. Er lehnte sich auf seinen bloßen Füßen zurück und starrte den Ritter an. Der kleine Meister wusste, dass er entgegen des Protokolls für Sitzungen des Rates handelte, aber er konnte ebenso fühlen, dass Obi-Wan sich belagert vorkam. „Vergessen ich habe, wie groß du bist.“ Yoda stieß Obi-Wan mit seinem Gimer-Stock gegen das Bein.

Zögernd kniete der Ritter sich nieder, um den kleinen Meister besser ansehen zu können.

Yoda zog an dem blutigen Ärmel und schlug dann mitleidslos seinen Gimer-Stock gegen Obi-Wan’s verletzten Arm. Er beobachtete das ausdruckslose Gesicht des Ritters, der nicht im Geringsten auf diese Misshandlung reagierte. „Viel zu oft, du kommst zu uns in diesem Zustand. Sehr besorgt wir sind.“

„Das braucht Ihr nicht zu sein,“ Obi-Wan starrte den Boden zu Mace’s Stiefeln an. „Eine Mission…”

„Keine weiteren Missionen,“ sagte Adi. „Zumindest nicht in nächster Zeit.“

„Aber..."

„Diskutiere nicht mit dem Rat,“ sagte Mace streng. Er lehnte sich in seinem Sessel nach vorne.

Obi-Wan schloss die Augen und beruhigte seinen aufgebrachten Geist. „Ich bin gut in einer Sache.“ sagte er leise.

Mace sprach langsam: „Du bist bis auf Weiteres dem Tempel zugeteilt.“

Obi-Wan war binnen eines Augenblicks wieder auf den Füßen: „Das könnt Ihr nicht machen.“

„Wir können.“

„Ich werde mich dem nicht beugen!“

„Du wirst,“ entgegnete Mace streng.

„Es muss doch irgendwo eine Geiselnahme geben, oder irgendetwas, das ich tun kann. Ich werde nicht hier bleiben.“

„Du hast keine Wahl,“ sagte Mace kalt.

Yoda stieß wieder gegen Obi-Wan’s Bein. Kurze, grüne Finger bedeuteten dem Ritter zu knien.

Obi-Wan stand einfach nur da, und starrte mit leerem Blick geradeaus. „Ich kann nicht im Tempel bleiben.“

„Dein Zuhause, der Tempel ist.“ sagte Yoda ruhig.

„Nicht mehr.“

Mace sprach ruhig, und ließ keinen Zweifel an seiner Autorität: „Keine weiteren Missionen, bis wir etwas anderes entscheiden. Ich schlage vor, du gewöhnst dich wieder an die Aufregung des Tempellebens.“

Obi-Wan starrte die anderen Meister an, suchte nach irgendeinem Zeichen, dass sie ihm vielleicht beispringen würden. „Nur noch eine weitere Mission. Dann werde ich eine Ruhepause einlegen.“

„Das hast du das letzte Mal auch schon gesagt.“

Der Ritter versteifte sich. Langsam verschränkte er die Arme unter den Falten seines Umhangs. Der distanzierte, stoische Gesichtsausdruck kehrte zurück. Er konnte noch lange weiterdiskutieren, doch er wusste, dass sich der Rat nicht beugen würde. Ihre ernsten Gesichter und scharfen Blicke erschufen ein Gefängnis, aus dem er nicht entkommen konnte.

„Und was soll ich jetzt tun?“

Das regelmäßige Klopfen von Yodas Gimer-Stock hallte in der Ratskammer wieder. „Kehre zurück zu deinem Zentrum,“ sagte der uralte Meister, als wäre dies die einzig mögliche Antwort.

Adi Gallia meldete sich erneut zu Wort: „Die Hausverwaltung sagt, dass du zu einem Apartment auf einem höheren Level berechtigt bist. Wenn wir richtig verstanden haben, hast du frühere Angebote abgelehnt. Vielleicht solltest du dieses Angebot annehmen. Es könnte die Eingewöhnung einfacher machen.“

„Mir gefällt es da, wo ich jetzt bin.“

„Wann war das letzte Mal, dass du in deinem Apartment geschlafen hast?“

Obi-Wan blieb stumm.

„Weißt du überhaupt, wo dein Apartment ist?“

„Niedrigstes Wohnlevel. Die entfernteste Ecke rechts von den Hauptlifts.“

„Geh zu den Heilern,“ sagte Mace kühl.

Obi-Wan verbeugte sich und stürmte aus dem Raum.

Yoda seufzte leise.

„Das ist nicht gut gelaufen,“ bemerkte Mace.

„Erwartet, hast du das?“ fragte Yoda, an den dunkelhäutigen Meister gewandt.

„Er wird die Heiler nicht aufsuchen,“ sagte Adi mit ruhiger Gewissheit. „Er wird sich überhaupt keine Hilfe suchen, solange er sich im Tempel aufhält.“

„Dann ihn die Hilfe finden wird.“






Das Buch der alten Freunde


Die Türglocke läutete bereits ein ungeduldiges zweites Mal.

Qui-Gon Jinn ließ sich reichlich Zeit, bis er endlich an der Tür ankam. Zu jeder anderen Zeit hätte er sich der Macht bedient und die Tür mit ihrer Hilfe geöffnet. Zu jeder anderen Zeit, wenn er sich nicht so angespannt fühlen würde.

Er öffnete die Tür, und fand sich von Angesicht zu Angesicht mit seinem Freund Mace Windu wieder.

„Was führt dich hierher?“

„Kann ich meinem Freund keinen Besuch abstatten?“

Qui-Gon trat zurück und winkte das respektierte Ratsmitglied herein. „Ich bin immer misstrauisch, wenn du auftauchst, bevor ich die Gelegenheit hatte auszupacken.“

„Bin ich so offensichtlich?“ fragte Mace mit einem Lächeln. Er nahm auf der Couch Platz.

„Tee?“

„Nein, danke.“ Mace sah sich in dem Apartment um, doch er wusste bereits von Anakins Anwesenheit in den Trainingsräumen. „Qui..."

„Obi-Wan ist hier.“ Es hatte keinen Zweck um den heißen Brei herumzureden.

Sie beide kannten den Grund für Mace’s Anwesenheit.

Qui-Gon lächelte unverbindlich. „Ja, ich weiß. Wie könnte ich das nicht? Er war einmal mein Padawan.“ Die Worte waren einfach, förmlich. Emotionslos. Der ergrauende Jedi-Meister ließ sich gegenüber seinem Freund auf einen Stuhl sinken. Er trug eine Maske der Ruhe, von der er wusste, dass sein Freund sie mit Leichtigkeit durchschaute. „Er wird in ein, zwei Tagen wieder verschwunden sein.“

„Nicht dieses Mal.“

Qui-Gon setzte sich plötzlich auf und starrte Mace an. „Was meinst du?“

„Es ist der Wille des Rates, dass ihm in der nächsten Zeit keine weiteren Missionen übertragen werden. Yoda hat darauf bestanden, dass er im Tempel bleibt.“

„Gibt es keine weiteren Geiselnahmen, um die er sich kümmern kann? Oder ist in der Republik plötzlich der Frieden ausgebrochen?“

Mace starrte den anderen Mann einfach nur lange Zeit an. „Du weißt so gut wie ich, dass es immer Bedarf an einem guten Geiselbefreiungs-Experten geben wird. Aber wie ich sagte, Yoda hat darauf bestanden, dass er in nächster Zeit im Tempel bleibt.“

Qui-Gon sprang auf die Füße. „Dann sollten Anakin und ich in den Außendienst zurückkehren.“

„Ihr seid noch nicht einmal einen Tag zurück.“

„Mace…”

„Falls es dafür sorgt, dass du dich besser fühlst: Obi-Wan hat sein Missfallen dem Rat gegenüber deutlich zum Ausdruck gebracht. Er hat heiß mit uns diskutiert. Natürlich haben wir gewonnen.“

„Es sorgt nicht dafür, dass ich mich besser fühle! Wir werden zu einer ausgedehnten Mission am anderen Ende der Galaxis aufbrechen.“

Mace lachte. „Weißt du, wie du dich anhörst?“

Qui-Gon starrte ihn einfach nur an.

„Du klingst genau wie Obi-Wan in diesem Meeting.“

„Vergleiche mich nicht mit ihm,“ sagte Qui-Gon kühl.

„Er hatte einen ausgezeichneten Lehrer, von dem er Trotz lernen konnte.“

„Ich will nicht über ihn reden!“ schrie Qui-Gon.

Mace lehnte sich auf seiner Sitzgelegenheit zurück und sah den anderen Jedi – von dessen Ausbruch vollkommen unberührt - an.

Qui-Gon hielt inne. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Nach einem Augenblick entließ er seinen plötzlichen Ärger in die Macht. Nachdem es sich wieder zu seiner Zufriedenheit mit sich selbst in Einklang gebracht hatte, öffnete er seine Augen. „Vergib mir.“

„Das ist jetzt vier Jahre her, Qui.“

„Ich denke, ich würde es vorziehen, dass du mir eine Lektion über Anakin hältst, bevor ich mir etwas anhören muss, das du bezüglich Ritter Kenobi zu sagen hast.“

Mace senkte seinen Blick und schüttelte traurig den Kopf. „Du machst die Dinge nicht einfacher, alter Freund.“

„Finde eine andere Mission für uns.“
„Du und Anakin seid gerade erst angekommen. Padawan Skywalker braucht seinen Rhythmus und muss zu seinen Studien zurückkehren. War es nicht genau das, was du bei unserem Treffen vorhin gesagt hast?“ Er deutete auf den verwaisten Stuhl. „Setz dich.“

Qui-Gon ließ sich zögernd darauf nieder.

„Ich erinnere mich an eine Konversation, die wir vor sechs oder sieben Jahren geführt haben.“ Mace zögerte, um Qui-Gon’s Reaktion abzuschätzen. Er lächelte, als er weitersprach: „Du sagtest mir, dass du zu alt wirst, um weiterhin Padawans durch die Gegend zu scheuchen. Ein Dreiundzwanzigjähriger sei zu viel für deine alten Knochen, hast du gesagt.“

Ein unzufriedenes Stirnrunzeln legte sich auf Qui-Gon’s löwenhafte Züge.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, wie du mit einem Neunjährigen mithalten wolltest. Wie händeln es deine alten Knochen, jetzt wo er dreizehn ist?“

„Sobald die ganze nervöse Energie erst einmal unter Kontrolle ist, händeln es meine alten Knochen ganz gut.“

„Darum ist mir auch dein verstecktes Humpeln aufgefallen.“

Qui-Gon lachte und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Ich hätte nie die Tür öffnen sollen.“

„Ich hätte mich gegen die Klingel gelehnt.“

„Drohungen.“

„Anakin.“

Wieder runzelte der Meister die Stirn. „Wir arbeiten uns da durch.“

„Wir sind besorgt.“

„Ich wusste nicht, dass dies ein offizieller Besuch ist.“

„Ist es nicht.“ Mace schwieg eine Weile. „Vielleicht sollte ich das umformulieren. Ich bin besorgt.“

Qui-Gon’s steter Blick fiel auf seinen Freund. „Anakin ist nicht schlimmer als die anderen Kinder seines Alters. Ich habe drei von ihnen trainiert und weiß, wovon ich rede.“

„Ja, aber keiner deiner Dreizehnjährigen hat aus Ärger einen Vogel getötet.“

„Es ist ein Stolperstein.“ Qui-Gon zögerte und wandte dann seine Aufmerksamkeit wieder vollkommen seinem Freund zu. Seine Worte waren langsam und sorgfältig gewählt: „Ich weiß, Anakin hat seine Schwierigkeiten. Nein, ich versuche nicht, das Geschehene herunterzuspielen. Ich weiß, dass es noch viele solcher Zwischenfälle geben wird. Ich arbeite mit ihm. Er hat sich weiterentwickelt, das müsst ihr gesehen haben.“

„Ich weiß. Ich habe seine Entwicklung scharf im Auge behalten. Das kann dir nicht entgangen sein.“

„Ja.“ Qui-Gon lehnte sich nach vorn. „Anakin ist alles. Er macht schnellere Fortschritte, als ich es mir vorstellen konnte. Er hat nicht nur zu den anderen Kindern seines Alters aufgeschlossen, er hat sie überflügelt. Er ist der Auserwählte. Er ist mein Vermächtnis an den Orden.“





Das Buch der Einsamkeit

Die Türen des Liftes öffneten sich.

Ein Geist stieg aus der leeren Kabine.

Obi-Wan bewegte sich völlig geräuschlos. Seine Erinnerung führte ihn durch die Korridore, bis er die am weitesten entfernte, dunkelste Ecke erreicht hatte.

Auf diesem Level des Unterkunftssektors hielt sich kaum jemand auf. Ein vorübergehender Zwischenstopp für frisch in ihren stand erhobene Ritter, die es kaum erwarten konnten, ihre Zeit im Außeneinsatz zu verbringen. Diese Ecke des Tempels stand öfter leer, als dass sie bewohnt war. Keiner wollte lange hier bleiben.

Keine Fenster.

Kein einfacher Zugang zu den Lifts oder Treppen.

Es war einfach. Die Wände waren stumpf. Beinahe schon vernachlässigt im Vergleich zu den übrigen Quartieren.

Aber diese kleine Ecke tief im Inneren des Jedi-Tempels hatte einen Vorteil, den kein anderes Apartment hatte. Es war so weit weg von Qui-Gon Jinn und Anakin Skywalkers Apartment, wie es nur ging und befand sich trotzdem noch im inneren Bereich des Tempels.

Obi-Wan stand vor der stumpfen, grauen Tür.

Unbewusst zog er seinen Umhang enger, in einem Versuch, sich vor der Kälte zu schützen, die ihre Klauen tief in seinen Körper geschlagen hatte. Der Tragegurt seines kleinen Reisebeutels drückte spürbar gegen seine Schulter. Er hob langsam die Hand, um die Tür zu öffnen, doch hielt dann inne.

Hinein zu gehen würde bedeuten, seine Niederlage zu akzeptieren.

Der Rat hatte gewonnen. Das wusste er bereits.

Die Tür öffnete sich mit einem zischenden Geräusch und Obi-Wan starrte in den dunklen Raum.

Er sah den Gang hinunter.

Allein.

Was gab es sonst noch Neues?

Obi-Wan trat ein und erlaubte der Tür, sich hinter ihm zu schließen. Gedämpftes Licht erfüllte auf eine Handbewegung hin den Raum.

Der Raum war klein.

Er war kaum groß genug, um einer kleinen Couch Platz zu bieten. Ein kleiner Tisch in der Ecke. Stumpfe graue Wände.

Ein sogar noch winzigeres Schlafzimmer mit angrenzender Nasszelle.

Zuhause.

Er ließ den kleinen Reisebeutel, den er immer bei sich trug,direkt neben dem Eingang auf den Boden fallen.

Obi-Wan selbst kam nicht viel weiter als der Beutel. Er lehnte sich rücklinks gegen die Tür, während sich seine Augen langsam an das gedämpfte Licht gewöhnten.

Ein helles grünes Licht leuchtete an der ComUnit am anderen Ende des Raumes.

Es blinkte so stetig wie der ruhige Schlag eines Herzens.

Er machte keine Anstalten, sich in Richtung des Com’s in Bewegung zu setzen.

Sollte es doch blinken, so viel es wollte. Er würde trotzdem nicht rangehen.

Wer immer es auch war, er wollte nicht mit ihm reden.

Das grüne Blinken schien schneller zu werden.

Ein akustisches Signal ertönte.

„Ich weiß, dass du immer noch am Auspacken bist,“ erklang eine weibliche Stimme über den automatischen Anrufbeantworter des Com’s. „Obi-Wan, ich weiß dass du da bist. Obi?“

Unbewusst seine mentalen Schilde verstärkend, stand Obi-Wan da – wie erstarrt – und wartete darauf, dass die Nachricht endlich endete.

„Was tust du gerade? So langsam laufen, wie’s nur geht? Meister Yoda wollte, dass ich ihm mitteile, ob du aufgetaucht bist oder nicht. Du weißt, dass er immer danach fragt. Ich hasse es ihm jedes Mal erklären zu müssen, dass du nicht zu den Heilern kommst.“

„Aber du tust es, Bant,“ flüsterte Obi-Wan. „Immer eine treue Freundin. Selbst, wenn ich dir keinen Grund dazu gebe.“

„Obi-Wan, antworte mir. Ich weiß, dass du da bist. Wo in diesem Tempel solltest du auch sonst sein?“ Sie zögerte einen Moment. „Okay. Vielleicht war ich ja zu schnell, und du bist noch gar nicht angekommen. Zumindest hoffe ich das. Im Tempel geht das Gerücht um, dass du diesmal eine Weile hier bleiben wirst. Ich will nicht, dass du wieder verschwindest, bevor ich eine Möglichkeit hatte, dich zu besuchen.“

Wieder erfüllte Stille den Raum.

Das grüne Licht begann erneut zu blinken.

Obi-Wan’s brauner Umhang flatterte, als er den Raum mit einigen großen Schritten durchquerte. Seine Hand strich über die Oberfläche des Com’s und er zögerte nicht, bevor er alle eingegangenen Nachrichten löschte.

Das grüne Licht verschwand.

Langsam wandte er sich um und überblickte den leeren Raum.

Niemand lebte hier.

Niemand lebte hier, selbst wenn er es tat.

Obi-Wan ließ sich auf den einzigen Stuhl an dem kleinen runden Tisch in der Ecke sinken. Wieder zupfte er an seinem Umhang, zog ihn eng über seiner Tunika zusammen, als wäre er in der Lage, ihn vor der Phantomkälte zu schützen, die zu seinem ständigen Begleiter geworden war.

Sorgfältig sah er sich um.

Hier gab es nichts.

Nicht ein persönlicher Gegenstand, der etwas über den Bewohner dieses Raumes hätte aussagen können.

Die harten Linien verschwanden langsam aus seinem Gesicht.

Ohne dass er darüber nachdachte, strich seine Hand entlang seines Gürtels zu einer kleinen Tasche. Er öffnete den Verschluss und griff abwesend hinein.
Einen Moment lang war er von dieser Geste ehrlich überrascht.

Eine traurige Gewissheit überkam ihn. Der Flussstein, den er von Qui-Gon als Geschenk zu seinem dreizehnten Geburtstag erhalten hatte, war – genau wie die Person, die er einmal gewesen war – verschwunden.

Ein Teil von ihm wünschte, er würde den Stein noch immer bei sich tragen; wenn auch nur als Erinnerung an eine Vergangenheit, in der alles seinen Platz gehabt hatte. Eine Zeit, in der er sich seines Schicksals gewiss gewesen war.

Als er seinen Platz in dieser Welt noch gekannt hatte.

Als er noch nicht so allein gewesen war.
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