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Narn giliathon

von Nairalin
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Mystery / P18 / Mix
Aegnor Curufin Elrond Finrod Felagund Finwe Olwë
10.08.2010
07.08.2018
53
181.651
12
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.08.2010 3.626
 
Huhu,

das ist mein Beitrag zum Wettbewerb Liederthemen-OS  von Nidoqueen. Vorgabe war das Lied Applause von Lady Gaga

Für die Jury: Bitte verwendet Tolkien Gateway, da dieses wirklich belegt ist und im Gegensatz zu seinem dt.sprachigen Pendant Ardapedia akkurat und mit Belegen versehen ist.

Inhalt: Macalaurë singt auf dem Fest Mereth Aderthad vor allen Gästen und wird überrascht durch Daeron und Tinfang Gelion.

Sonstiges: Es kommen drei Lieder vor, die nicht von mir stammen. In den Links sind auch die Übersetzungen der Lieder, sollte sich jemand dafür interessieren.

Das erste ist hier zu finden: http://www.phy.duke.edu/~trenk/elvish/horizon_s.html
Bei diesem hab ich eine kleine Änderung vorgenommen, dass ich aus Rath Fair > Rath Edhel gemacht habe, da es zu dem Zeitpunkt keine Menschen gab. Das Lied gehört America und die Übersetzung ins Sindarin gehört Thorsten Renk.
Das zweite hier: Lusta Malle
Und das dritte hier: Han Nartho

Namen:

Maglor = [Qu.] Canafinwë (KF Cáno) Macalaurë; zweiter Sohn Feanors und bekannt als größter Sänger (der Noldor)
Maedhros = [Qu.] Nelyafinwë (KF Nelyo) Maitimo Russandol, erster Sohn Feanors und Bruder Maglors
Fingolfin = [Qu.] Nolofinwë (KF Nolvo) Aracáno; Onkel von Maglor
Fingon = [Qu.] Findecáno Poldórea; Cousin Maglors
Daeron = Hofsänger und Linguist von Elu Thingol, dem König des Elbenreiches Doriath, gehört zu den drei größten Sängern unter den Elben
Tinfang Gelion = einer der drei größten Sänger der Elben, bei mir den Teleri/Falathrim zugehörig

Genannt:

Celegorm = [Qu.] Turcafinwë (KF Turco) Tyelcormo
Caranthir = [Qu.] Morifinwë (Moryo) Carnistir
Curufin = [Qu.] Curufinwë (KF Curvo) Atarincë
Amras = [Qu.] Pityafinwë (KF Pityo) Ambarussa
Amrod = [Qu.] Telufinwë (KF Telvo) Ambarto
Ambarussar = Pl. von Ambarussa, da beide Zwillinge so hießen und sich auch gegenseitig nur Ambarussa nannten.
Angrod = [Qu.] Artanga/ [Te.] Angárato Angamaite

Mereth Aderthad = Das Fest der Versöhnung zwischen den Noldorn und den einheimischen Elbenvölkern (Sindar, Nandor und Teleri). Wurde an den Weihern von Ivrin gefeiert, die als einer der schönsten Plätze in Beleriand galten. Die Noldor waren zerstritten, weil ein Teil von ihnen auf der Helcaraxë, der gr. Eiswüste des Nordens, die die Kontinente Aman und Endor verbindet, zurückgelassen. Diese Zwistigkeiten sollten bei diesem Fest beiseitegelegt werden.

Quenya, Sindarin, Falathrimin, Lindarin und Doriathrin sind Elbensprachen.

Pityarangwë = eine Einheit der Elben, die ca. 0.96cm

Quenya- und Sindarinbegriffe:

Begriffe mit Asterisk (*) sind rekonstruierte Begriffe

Nér = [Qu.] Mann
aranya = [Qu.] mein König
atar = [Qu.] Vater
hîr nin = [Si.] mein Herr
Quendi = alle Elben, Calaquendi (Noldor, Vanyar, Lindar), Moriquendi (Sindar, Teleri, Nandor) und Avari
*Falathron, Pl. Falathrim = Volk der Küste
Telir = Falathrimin für Teler

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Gewaltengesang


Eine angenehme Nervosität machte sich in ihm breit und er lächelte. Es war so gut es wieder zu fühlen. Es schien ihm eine Ewigkeit her zu sein. Und wenn er es wirklich bedachte, dann war es tatsächlich so. Die Zeit war ein seltsames Wesen und zerrann wie Sand in den Händen. Das letzte Mal, wo er ein Konzert abgehalten hatte, war vor dem Tod seines Großvaters gewesen. Auf dem Versöhnungsfest von Onkel Nolofinwë und Atar.

"Macalaurë?", wurde er gefragt und sein Cousin Findecáno setzte sich neben ihn. Er sah zu ihm und berührte seine silberne Harfe. "Findecáno, was kann ich für dich tun?", fragte er und berührte zärtlich die einzelnen Saiten. Sein Cousin wirkte etwas unruhig und er runzelte die Stirn. "Maitimo will, dass ich heute für ihn auf der Harfe spiele", seufzte er und sah hoch zum Himmel. Und ich soll singen, wenn es nach ihm geht."

Überrascht blickte er auf. Seit wann war sein Cousin derartig nervös?

"Du hast doch-" "Das letzte Mal in Aman gespielt und gesungen. Ich konnte nicht, während wir auf der Helcaraxë waren", unterbrach Findecáno ihn und wirkte zerknirscht. Alles in Macalaurë zog sich bei der Erwähnung der Helcaraxë zusammen. Er hatte sich selbst nie vergeben, dass er nicht dagegen vorgegangen war, dass Atar Onkel Nolofinwë und seine Cousins und Cousinen in der Eiswüste zurückgelassen hatte. "Ich weiß nicht, ob ich vor Publikum bestehen werde", wisperte der Jüngere und Cáno legte die Harfe beiseite. Sanft berührte er seinen Cousin an der Schulter, der wirklich auffallend blass wirkte.

"Du kannst wundervoll singen, Fin", meinte er ruhig. "Und ich bin mir sicher, dass du das mühelos schaffst." Der Zopf war nur mehr lose durch die Bänder zusammengehalten, als hätte sein Cousin sich ständig die Haare gerauft. "Es ist etwas anderes für Maitimo allein zu singen, als vor Hunderten von Leuten, die ich nicht einmal kenne."

Mitfühlend zog er seinen kleinen Cousin zu sich und legte den Arm um seine Schultern. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Findecáno sich selbst so einschätzte. "Du wirst das mühelos schaffen. Schließe am besten die Augen und stell dir vor, dass du nur im Rahmen der Familie singst", riet Macalaurë und ein Seufzen erklang. "Das sagt sich so leicht für jemanden, der damit keinerlei Probleme hat!"

Natürlich entging ihm die Spitze nicht, doch er lächelte nur.

"Und du denkst, ich wäre nicht nervös?", fragte er amüsiert und bemerkte den skeptischen Blick, der ihm zugeworfen wurde. "Du hast ich weiß nicht wie viele Konzerte gegeben, Cousin", meinte Findecáno trocken und schüttelte den Kopf. "Oder um es mit Tyelcormos Worten auszudrücken: Du lebst für den Applaus!"

Macalaurë brach in schallendes Gelächter aus und schüttelte erheitert den Kopf. "Hat er das gesagt?", fragte er und Findecáno nickte. Ein Grinsen schlich sich auf die Gesichtszüge seines Cousins. "Mein Bruder scheint mich schlechter zu kennen, als angenommen", meinte er nur. Er setzte sich nun im Schneidersitz auf den Findling und musterte Findecáno. "Ich bin jedes Mal nervös. Egal ob es nur ein wenig musizieren im Kreise der Familie, ein kleiner Auftritt oder ein großes Konzert ist."

Ungläubig war der perfekte Ausdruck für Findecános Gesicht und er lächelte den Jüngeren an. "Ich bin mir durchaus bewusst, dass mir das kaum jemand glaubt, aber es ist so. Auch wenn es mittlerweile einer angenehmen Nervosität gewichen ist und nicht mehr richtiges Lampenfieber. Ja, ich genieße die Bühne und selbstverständlich liebe ich den Applaus! Wer würde es nicht wollen, für sein Können nicht nur gelobt, sondern gefeiert zu werden?"

Er legte seine Hände auf seine Knie und betrachtete sein Gegenüber. Findecáno wirkte jung, so nervös wie er war. "Du bist wirklich nervös?", wurde er unsicher gefragt und er nickte nur. Sanft ergriff er die Hand seines Cousins und legte sie an seinen Hals, wo seine Halsschlagader gut zu spüren war. Der Puls war schneller als normal und Findecáno wirkte wirklich vollkommen überrascht.

"Aber du bist der beste Sänger überhaupt! Wieso bist ausgerechnet du nervös?" Sein Cousin schien wirklich nicht zu verstehen. "Nur weil ich der Beste bin, heißt das nicht, dass ich keine Fehler mehr machen kann.", meinte Macalaurë und lächelte.

"Wieso konnte er nicht verlangen, dass wir uns dann zurückziehen und ich dann spiele? Wieso vor allen hier?", fragte Findecáno etwas frustriert. "Es ist nicht so, dass ich nicht gern vor anderen spiele und singe, aber vor so vielen?"

Macalaurë seufzte nur. "Er ist vollkommen von dir überzeugt, Fin! Und er ist stolz auf jeden von uns und tendiert dabei dazu, dass er uns gerne herumzeigt, um andere wissen zu lassen, wie gesegnet er ist, uns zu haben. Du kennst ihn doch!" "Er ist furchtbar!", kommentierte Findecáno und fuhr sich durchs Haar. Macalaurë lachte leise. "Das ist er, aber er liebt uns. Bevor du jedoch auftrittst, solltest du deine Haare neu einflechten." Irritiert hielt sein Cousin inne und starrte ihn an. "Verdammt!", fluchte er und begann den Zopf zu öffnen.

"Weißt du schon, was du vortragen willst?", fragte Findecáno ihn und er seufzte. "Etwas Fröhliches denke ich, vielleicht auch noch etwas eher Melancholisches. Ich bin mir noch nicht ganz sicher." Findecáno nickte verstehend und löste mit den Fingern vorsichtig die Knoten im Haar, die sich durch das auseinanderziehen der Strähnen gebildet hatten. "Soll ich ihn flechten?", fragte Macalaurë und sein Cousin sah ihn dankbar an. Er deutete ihm an, näher zu rutschen und besah sich die Strähnen. "Die Bänder muss ich nochmals befestigen."

Vorsichtig löste er die Bänder und nahm sich jeweils drei feine Haarstränge und band um diese die goldenen Stoffbänder. Findecáno hatte sehr feines Haar, welches nur zu oft nicht so wollte, wie er selbst. Einer von mehreren Gründen, warum er sie immer zu einem Zopf zusammenfasste. "Denkst du, dass dieser Frieden anhalten wird?", fragte der Jüngere und seufzte. Die Mereth Aderthad war ein Fest, um die Versöhnung der Noldor zu feiern und über den einstigen Verrat hinwegzusehen. Noldor, Sindar, Falathrim und auch zwei Eldar aus Doriath waren gekommen, um daran teilzunehmen. Einzig aus dem Osten waren nur Maitimo und Macalaurë angereist. Die restlichen fünf Brüder wollten oder konnten nicht kommen.

Tyelcormo und Curufinwë hatten ausrichten lassen, dass sie bleiben würden, um die Gebiete zu sichern und die Ländereien für ihre beiden älteren Brüder zu verwalten. Sie trauten dem Feind nicht. Morifinwë wollte nicht kommen, der Streit zwischen ihm und Angaráto war immer noch nicht bereinigt und Findecáno wusste, dass Maitimo auch verlangt hatte, dass Moryo in Thargelion blieb. Die Zwillinge Ambarussar hatten sich ebenso entschuldigen lassen, da ihre Gebiete noch nicht gesichert waren, ihre Festung am Amon Ereb nicht fertig war und sie die Arbeiten beaufsichtigen mussten.

Macalaurë flocht schnell und geübt den Zopf, während er über eine Antwort sinnierte. "Ich wünschte ich könnte es dir bejahen, aber wir müssen realistisch sein", meinte er und zog eines der Bänder zurecht. "Hast du jemanden kennen gelernt?", fragte er dann und versuchte wieder die Stimmung zu heben. Findecáno lachte nur.

"Nein, noch nicht", meinte er amüsiert und sah hinüber zu den Gästen. "Aber vielleicht treffe ich ja eine holde Maid!" "Oder du schürst weiter die Gerüchte um dich und Maitimo, weil du das so amüsant findest", bemerkte Macalaurë trocken mit einem Seufzer und zog den Zopf etwas fester. "Oder das!", lachte sein Cousin und entspannte sich.

"Manchmal bin ich dazu verleitet, es selbst zu glauben", murmelte Macalaurë und er spürte die Vibration des Lachens deutlich über die Haare. "Ich werde auch immer sagen, dass ich ihn liebe. Ich müsste lügen, um das Gegenteil zu behaupten." Er legte die Bänder um das Ende des Zopfes und knotete die Enden zu. "Du machst es nicht leichter!", meinte er und sah den Jüngeren an.

Findecáno drehte sich um und schaute ihm in die Augen. "Ich würde nicht sagen, dass ich Maitimo begehre", meinte sein Cousin ruhig. "Auch wenn er wirklich sehr attraktiv ist. Aber ich liebe ihn und würde nochmals nach Angband gehen, wenn er dort wäre." Die Leichtigkeit des Gesprächs war dahin und Findecáno wirkte ernst und tiefer Schmerz war in seinem Gesicht zu sehen. "Er leidet immer noch, auch wenn er es niemandem zeigen will."

Er ergriff nur Findecános Hand und drückte sie sanft. Er wusste, wie sehr ihn die Schuldgefühle zerfraßen. "Du weißt selbst, dass es keine andere Möglichkeit gab, Maitimo zu befreien, als ihn am Handgelenk loszuschneiden." Der Jüngere nickte und erwiderte den Druck. "Wir sollten heute nicht daran denken, Poldórea. Es ist ein Fest der Freude und der Versöhnung."

Er wollte noch mehr sagen, doch dann erschien ein Elb und bat ihn zu kommen. Sein Auftritt würde erwartet werden, wurde ihm ausgerichtet. Seufzend ließ er die Hand seines Cousins los und stand auf. "Vielleicht solltest du erneut mit Maitimo reden, dass du zwar gerne für ihn singst, aber nicht vor so vielen." Damit folgte er dem Elb und spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte.

Die Nervosität von vorhin war wieder da und hatte ihn im Griff. Noch dazu kam, dass nicht nur Massen ihm zuhören würden, sondern auch dass unter den Zuhörern auch zwei Eldar waren, die wirklich auch das Recht hatten, ihn zu kritisieren. Daeron o Doriath war gekommen und von den Küsten jener Nér, den man Tinfang Gelion nannte. Sie wurden hier in Beleriand als die besten Sänger der Quendi bezeichnet.

Sein Onkel kam in Sicht und er straffte sich, die Harfe betont locker an seine Brust gepresst. Aus den Augenwinkeln konnte er Findárato erkennen, der ihm aufmunternd zulächelte. Doch dann entdeckte er einen Elb, der eindeutig aus der Menge hervorstach. Silbrig-weißes Haar war kunstvoll in einen Zopf mit mindestens sieben Strängen verflochten. Graugrüne Augen funkelten amüsiert und sein Mund war zu einem breiten Lächeln verzogen. Er war klein und zierlich, höchstwahrscheinlich ein Falathron. Doch das Auffällige war nicht seine Haarfarbe, sondern der Bart, der nur um den Mund herum zu erkennen und nicht ganz ein Pityarangwë lang war.

Als der Fremde seinen Blick bemerkte, lächelte er freundlich. Verwundert nahm Macalaurë das zur Kenntnis und ging weiter zu seinem Onkel, bevor er sich verbeugte. "Aranya", grüßte er ihn laut und zog damit die gesamte Aufmerksamkeit auf sich.

Er wusste, welche Wirkung seine Stimme hatte. Die Nervosität ließ ihn flacher atmen und er sah auf seinen Onkel, der jegliches Protokoll ignorierte und ihn einfach umarmte. "Neffe, ich wurde mit Fragen gequält, wann du endlich singst!", lachte er und wirkte befreiter als noch wenige Stunden zuvor. "Ich habe mich nur vorbereitet, Onkel Nolofinwë", meinte Macalaurë ruhig und er konnte fast nicht mehr erwarten zu singen. Seine Nervosität war dem tiefen Verlangen gewichen zu singen, zu begeistern.

Macalaurë hatte vor zwei Lieder zu singen. Eines in Quenya, seiner Muttersprache, und eines in Sindarin oder Falathrimin, der Sprache der Völker hier in Beleriand. Er hatte von einem umherwandernden Falathron diese Sprache gelernt und sie zu lieben begonnen. Die Aussprache war manchmal dem Lindarin, der Sprache der Lindar in Alqualondë, sehr ähnlich.

Sein Blick wurde wieder wie magisch zu dem Falathron mit dem Bart gezogen. Es war ein seltener Anblick und es faszinierte ihn immer noch. Doch damit hatte er sich entschieden, dass er sein erstes Lied in Sindarin vortragen würde. Ein Schemel wurde für ihn hergerichtet und er setzte sich, die Harfe auf seinem Schoß. Es war nur die kleine, da seine große Konzertharfe in Formenos zurückgeblieben war.

Sanft zupfte er die ersten Töne des Liedes und ließ sich Zeit, die Melodie anzustimmen. Er schloss genüsslich die Augen und war sich der Aufmerksamkeit, der Augen auf ihm deutlich bewusst. Und schließlich erhob er für diesen Abend zum allerersten Mal seine Stimme und ließ sie wie das Meer über das Publikum spülen.


"Gardhrain ameriol an ngovaded i amrûn goll,
i astrog nallol, toltho thoron a thoged nin,
an min gûr nín celin gaul long,
si bedin na rath Fair,
padol rath Edhel, padol rath Edhel."

"Boe enni maded, darthad, dan ú-belin caedo,
i ross tôl, loen, nad ú-chirnin a thobad nin,
lû anann na hirin i mâr nín
si bedin na rath Fair,
padol rath Edhel, padol rath Edhel."

"Ithil eriol, dolthol raith erib nan genid glass
in elin thinnar, i vôr danna, câr 'ardh gostad
dartha dínen a mreithad Menel,
si bedin na rath Edhel,
padol rath Edhel, padol rath Edhel."



Klar und laut sang er sein Lied und ließ sich in die Melodie fallen. Seine Finger schienen über die Saiten zu fliegen und er konnte schon jetzt spüren, dass er seine Zuhörer gepackt hatte. Als er das Lied beendete, kam tosender Applaus auf und er lächelte zufrieden. Sein Blick wanderte zu dem Falathron, der überrascht aussah. Doch seine Augen begannen zu funkeln und er klatschte begeistert in die Hände.  Ein anderer Elb trat neben ihn, silbernes Haar fiel ihm ins Gesicht und graublaue Augen sahen anerkennend zu ihm.

"Hervorragend vorgetragen und das ohne Akzent!", meinte der Bärtige und lächelte. Erst jetzt fiel Macalaurë der Gurt um seine Brust auf, wie auch der verhüllte Gegenstand, der über seine Schultern hinweg zu sehen war. "Danke", sagte er nur und nickte dem Elb zu. "Was meinst du Daeron? Die Gerüchte stimmen wirklich, würde ich meinen." Der Silberhaarige neben ihm nickte offensichtlich amüsiert. Ein simples "Ja", war die Antwort und Macalaurë wurde wieder neugierig angesehen.

Er ließ es sich nicht anmerken, aber dass dieser Elb Daeron, der große Sänger aus Doriath, war, machte ihn etwas nervös. Er räusperte sich etwas und trug das nächste Lied vor.


"I vên dolthanthen min fuin 'lûn,
Ú-dirion i vên na Ndûn.
Mas i thiliad in elin,
Brass e-geleb maeg i melin?"

"Thi dirgenui i ngildin faen,
A Menel pên i mîr a maen.
Silef úgal, morn i geleb
Adel esgal dûr a deleb."

"A Elbereth, dadantho naur,
Han nartho, nartho aglar iaur!
Nan narthan hirithon i dê,
A rhadathon pen-drast na-le!"



Erneut brach tosender Applaus aus und selbst der bärtige Falathron klatschte begeistert. Er würde jedem zeigen, warum er der größte aller Sänger war. Seine Werke waren Kunst und er machte seinem Namen Macalaurë 'Goldenschmied' alle Ehre. Seine Stimme wurde seit jeher als golden bezeichnet und er schmiedete die Töne zu einer einzigartigen Melodie. Weitere Lieder sang er und der Falathron stimmte plötzlich mit ein. Überrascht schaute er zu ihm, doch auch er hatte eine Laute in der Hand und spielte zu den Liedern und begleitete ihn im Gesang. Totenstille herrschte.

Jeder hörte nur zu und ihm schien, sie hielten vor Ehrfurcht die Luft an. Er kämpfte nicht gegen den anderen Sänger, es hätte die Stimmung und das Lied zerstört. Stattdessen gab er dem anderen ebenso Momente für sich in dem Lied und Macalaurë sang leiser, um die Stimme des Falathrons zu betonen.

Doch noch mehr verblüffte es ihn, als nun auch Daeron mit einfiel und mit klarer Stimme die nächste Strophe sang. Alle Gäste lauschten ihnen nur mehr und tiefe Freude erfüllte Macalaurë. Sie spielten und sangen, die Aufmerksamkeit gehörte ihnen allein und selten hatte er derartiges erlebt.

Als sie verstummten brach ein Sturm der Begeisterung los und seine beiden Begleiter verbeugten sich, während sie sich nun zu ihm stellten. Immer wieder erklangen Rufe, dass sie erneut singen sollten und das Klatschen wollte nicht mehr aufhören. "Daeron kennt Ihr nun, hîr nin", lachte der Bärtige und legte eine Hand auf den etwas größeren Elb. "Aber ich habe mich noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Tinfang Gelion und gehöre den Teleri an", stellte sich der Bärtige vor und lächelte ihn breit an. Ein gewisser Ernst war in den Augen zu sehen, doch er wirkte allgemein wie ein heiterer Geselle.

"Der große Sänger der Falathrim", stellte Macalaurë fest und wurde sofort angefunkelt. "Telerrim oder Telir, nicht Falathrim! Wir nennen euch Noldor ebenso wenig Gondorim, nur weil ihr bevorzugt die Gebirge und Hochebenen bewohnt", tadelte der Teler und Macalaurë hob entschuldigend die Hände. "Verzeiht", bat er und wurde wieder angelächelt. "Euch sei vergeben", lachte Tinfang. "Doch warum kein Lied in Eurer Sprache? Ihr habt in Sindarin und in Telerin gesungen."

"Ich wollte unsere Gäste hier ehren, hîr nin. Mein nächstes Lied wäre in meiner Sprache gewesen", meinte er leise und Daeron gluckste leicht. "Dann freue ich mich schon auf diesen Vortrag. Jedoch würde ich gerne nochmal mit Euch singen, Maglor. Ich fürchte, so oft werden wir nicht mehr die Gelegenheit haben."

Tinfang nickte zustimmend und ließ sich neben Macalaurë zu Boden. "Macalaurë", korrigierte er den Teler und wurde erst erstaunt angesehen. Doch Tinfang fing sich schnell und hielt die Laute in seinen Händen, um leicht an den Saiten zu zupfen. "Dann werde ich Euch auf der Laute begleiten, Macalaurë, wenn Ihr es denn erlaubt." Macalaurë nickte und sah zu Daeron, der sich nun auch setzte. Er holte eine silberne Querflöte aus seinen Gewändern und setzte sie an seine Lippen. Seine Augen funkelten auffordernd.

Macalaurë begann auf der Harfe eine Melodie zu spielen, um beiden den Hauptklang zu vermitteln, bevor er nun auch das neue Lied zu singen, welches er sich erdacht hatte. Daeron und Tinfang spielten beide diese Weise und wandelten sie jeweils etwas ab, um etwas Neues und Eigenständiges zu erschaffen und dem Lied noch mehr Tiefe zu verleihen.


"Morna vilya,
Lusta malle -
Manómenna tultuvalyen?
Tintingilya,
Orni halle -
Tie forya, tie hyarya."

"Lelyan voro,
Lá nan•kenin.
Sanwelóra
Voro menin."

"Kéva hwesta,
Malwe kalmar -
Níke nildor i Aryanten.
Kumna hresta,
Linde falmar -
Manómenna yaluvanten?"



Er ließ seine Stimme verstummen und zupfte die letzten Tonfolgen, bevor er zeitgleich mit Tinfang und Daeron aufhörte. Erneut erklang tosender Beifall und Macalaurë genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen. Die Kunst war er und er war die Kunst. Und wie immer würden sich viele nach ihm richten. Oder jetzt nach ihnen, wenn er Tinfang und Daeron mit einbezog.

Beide lächelten begeistert über den Applaus und schienen ihn ebenso zu genießen, wie er selbst. "Wollen wir sie noch weiter unterhalten?", fragte Tinfang und sah zu ihm. Er nickte zustimmend, ebenso auch Daeron. "Nutzen wir die Gelegenheit, dass wir uns hier trafen, wer weiß, wie oft wir uns noch sehen werden. Unsere Kunst wird noch die nächsten Jahrtausende überdauern!" Der Sinda sah sie enthusiastisch an.

Damit war es entschieden und sie sprachen kurz über die Lieder, die sie gedachten vorzutragen. Danach spielten sie und die Aufmerksamkeit war allein ihre.

Musik war sein Leben, stellte Macalaurë nur erneut fest und liebkoste die Saiten seiner Harfe.

Denn nichts hielt ihn so fest, wie diese.
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