Blue Water High

von Mia Hall
GeschichteRomanze / P12
05.08.2010
05.08.2010
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Hallo Leute!

Ich hab' mir auf Fanfiktion schon die Finger wund gesucht, aber

bisher nichts über Blue Water High gefunden, was ich wirklich

schade finde. Liegt möglicherweise auch daran, dass die Serie nicht

besonders oft ausgestrahlt wird...

Jedenfalls würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir ein kurzes

Review hinterlasst.

Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen!

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Alles begann mit dem Schulball.
Oder eigentlich schon viel früher, aber mit dem Schulball ist die Situation dann völlig aus dem Ruder geraten.
Aber da man die Zeit nun mal nicht zurückdrehen konnte, hatte es auch keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was Bec gesagt hatte.
Ying braucht ’ne Weile Abstand zu Yang.
Dann eben nicht. Ich war schließlich nicht zum Spaß hier; keiner von uns war das. Ich konnte mich von so was nicht aus der Bahn werfen lassen, wenn ich gewinnen wollte. Und das wollte ich.
Wenn dieses Jahr vorbei war, würde ich Bec sowieso nie wieder sehen.
Ich musste trainieren. Ich musste gewinnen.
Mum würde stolz auf mich sein. Ich war nicht wegen Bec hier, sondern wegen des Vertrags. Wegen Solar Blue.
Wenn die anderen dachten, meine Einstellung sei vorher schon extrem gewesen, dann hatten sie sich getäuscht. Sie konnten ja tun was sie wollten, ich für meinen Teil wollte gewinnen.
Ich trainierte immer mehr, immer härter. Ich verschwendete keinen einzigen Gedanken mehr an etwas anderes als den Sieg.
Meine freie Zeit verbrachte ich im Kraftraum. Ich sah die anderen nicht oft, aber es war mir egal. Außerdem tat ich alles, um Bec nicht über den Weg zu laufen.
Natürlich sah ich sie während des Trainings mit Deb und Simmo, doch mir war klar, dass jegliche Art von Ablenkung das letzte war, was ich gebrauchen konnte.
Ich merkte, wie die anderen über mich redeten. Wie sie sich Sorgen machten.
Dann kam der Morgen, an dem Bec zu diesem Contest nach Tahiti eingeladen wurde, und wieder war es mir egal. Insgeheim fragte ich mich, warum ich nicht zu irgendwelchen wichtigen Contests eingeladen wurde, und wieder suchte ich die Antwort in meinem Training.
Als die anderen zu dem Schluss kamen, dass ich übertrieb, wurde ich wütend. Sie beschwerten sich über mein Essen, Heath montierte die Stange aus dem Türrahmen, an der ich Klimmzüge machte. Ich zog aus.
Nahm meine Proteindosen und meine Matratze und zog ins Wohnzimmer.
Währenddessen passierte auch etwas mit Bec. Es war nicht schwer zu bemerken, dass die anderen ihr aus dem Weg gingen, doch sie war zu naiv, um das zu sehen.
Ihre Eltern waren mit den Sponsoren des Contests befreundet, wie Perri von Joe herausfand.
Das war dann wohl auch der Grund, warum ich nicht ins Ausland eingeladen wurde. Weil ich mir die Teilnahme auf faire Weise verdienen wollte, nicht durch irgendwelche Kontakte meiner Mum.
Ich war so blind vor lauter Training und Gewinnen, dass ich nicht merkte, dass das alles nur Vorurteile waren. Im Grunde waren alle neidisch auf Bec, wären alle gerne nach Tahiti eingeladen worden; und im Grunde wussten alle, dass es nicht stimmte, was sie sagten.
Bec hatte Angst und machte sich Sorgen.
Als ich eines Nachmittags aus der Schule kam und bemerkte, dass jemand mein Essen weggeworfen hatte, fiel mein Verdacht sofort auf Bec. Ich konnte nur wütend sein.
Aber ich konnte sie auch nicht länger ignorieren. Ich war so blind vor Wut, dass ich ihr die schlimmsten Dinge an die Kopf warf, auch den Vorwurf mit Tahiti.
Als sie an mir vorbei zum Strand lief, sah ich die Tränen in ihren Augen aufblitzen und bereute sofort, was ich gesagt hatte.
Wie angewurzelt blieb ich stehen, sah ihr nach, wollte ihr nachrufen, dass es mir leidtat, doch ich fühlte mich wie versteinert.
Erst als Bec sich in die Wellen stürzte, konnte ich mich regen. Eigentlich ahnte ich schon die ganze Zeit über, was passieren würde. Ich sah sie fallen, schrie ihren Namen, rannte auf sie zu.
Alles war meine Schuld.
Wenn ihr irgendetwas zustoßen würde, dann wäre das allein meine Schuld. Mein Kopf fühlte sich an, als könnte er jeden Augenblick platzen.
Doch ich schwamm. Ich muss ausgesehen haben wie ein Verrückter, aber in meinem Kopf war nur noch Platz für einen einzigen Gedanken: Bec.
Ihr durfte nichts passieren, um keinen Preis.
Als ich bei ihr ankam, sah ich sofort die große Platzwunde an der Stirn. Sie war bewusstlos. Ich strich ihr Haar zurück und bemerkte, dass Simmo schon auf dem Weg zu uns war.
Ich fühlte mich elend, hundeelend.
Man hätte mich mit Füßen treten können und ich hätte mich nicht gewehrt.
Wir trugen Bec so schnell es ging aus dem Wasser und Simmo rief einen Krankenwagen, während ich neben Bec saß und sie ansah.
Verdammt, was hatte ich getan?
Nur wegen mir hatte sie sich in die Wellen gestürzt, nur wegen meiner verdammten Naivität lag sie jetzt verletzt und bewusstlos neben mir.
Ihr Atem ging so schwach, dass ich beinahe fürchtete, er könnte aussetzen.
Simmo kam aus dem Haus und sah besorgt von Bec zu mir. Er wusste, dass ich etwas damit zu tun hatte, ich konnte es an seinem Gesichtsausdruck sehen, an der Art, wie enttäuscht er mich ansah.
Als der Krankenwagen ankam, wurde Bec sofort in den Wagen gehoben und ins Krankenhaus gebracht.
Ich folgte Simmo wortlos zu seinem Wagen und stieg ein. Simmo sagte nichts, sondern fuhr los, dem Krankenwagen hinterher.
Es ging alles so verblüffend schnell, draußen rauschten Bäume und Menschen an mir vorbei, ohne dass ich sie wirklich wahrnahm.
Ich war wie in Trance.
Schweigend folgte ich Simmo durch die Gänge, bis wir vor Becs Zimmer ankamen und er mich bat, draußen zu warten, damit er erst einmal allein nach ihr sehen konnte.
Ich ließ mich also auf einen Stuhl in der Nähe fallen und spürte die Angst und die Wut in mir. Mein Herz pochte, meine Kehle fühlte sich so trocken an, dass ich kein Wort mehr herausbrachte. Tränen stiegen mir in die Augen, doch ich konnte sie zurückhalten. Aus den Augenwinkeln sah ich Simmo auf mich zukommen.
Er schüttelte traurig den Kopf und erklärte, Bec sei noch immer bewusstlos.
Ich seufzte.
Was passiert sei, fragte er mich. Wie Bec trotz des ganzen Trainings so etwas passieren könne.
Mit einem Mal brach alles aus mir heraus. Ich erzählte nicht alles; meine Stimme hörte sich dünn und zittrig an, als würde sie jeden Augenblick versagen. Die unwichtigen Details ließ ich weg. Der Schulball. Dass ich die ganze Zeit über nur versucht hatte, nicht an sie zu denken.
Ich sagte, dass alles meine Schuld sei, und sah die aufsteigende Wut in Simmos Gesicht, als ich ihm beichtete, was ich über den Contest in Tahiti gesagt hatte. Dass alle glaubten, Bec sei nur eingeladen worden, weil ihre Eltern mit den Sponsoren befreundet waren.
Wir fuhren nach Hause. Hörten uns Simmos Standpauke an. Zumindest denke ich dass die anderen zugehört haben, ich jedenfalls konnte nur an Bec denken und gegen die Tränen ankämpfen.
Als Jilly kam und erklärte, dass Bec bei Bewusstsein sei, sprang ich auf und rannte los.
Ich rannte den ganzen Weg. Vor Becs Zimmer wurde ich langsamer. Ich hörte Stimmen von drinnen, vielleicht ihre Familie. Ich trat in den Türrahmen. Bloß eine Schwester.
Bec war bei Bewusstsein. Sie bemerkte mich sofort. Ich dachte, wie wütend sie auf mich sein musste, doch sie lächelte.
Als die Schwester gegangen war, begrüßte sie mich mit einem schwachen „Hey“.
Zögernd kam ich näher, ließ mich auf den Stuhl neben ihrem Bett fallen, fragte, wie es ihr gehe, ob sie sich an etwas erinnere.
Sie erinnerte sich bloß daran, wie sie untergegangen war.
Ich sah sie an.
Am Kopf trug sie einen Verband, aber sonst konnte ich keine weiteren Verletzungen erkennen. Ihre Stimme war schwach und ihr Blick trüb, sie wirkte etwas erschöpft, aber gesund und wohlauf.
Ich wusste nicht wie, aber ich sollte zur Sache kommen.
Ich lehnte mich zurück.
„Bec“, sagte ich, doch mehr wollte mir nicht einfallen.
Sag die Wahrheit, Edge, sagte eine Stimme in meinen Kopf.
Die Wahrheit? Die Wahrheit war, dass ich an allem Schuld war, dass wenn ich nicht gewesen wäre, Bec gar nicht hier sein würde.
Und genau das sagte ich auch.
Sie unterbrach mich, meinte, es sei ein Unfall gewesen, aber insgeheim wusste sie natürlich, dass das nicht stimmte.
Ich erzählte auch, dass das ganze Training nur dazu da war, nicht an sie denken zu müssen, und sie fragte, warum ich das nicht tun wollte.
Wieder zögerte ich, wieder wusste ich nicht weiter.
„Bec, ich mag dich wirklich“, sagte ich nach einer Weile. „Vielleicht etwas zu sehr.“
Sie lächelte. Das letzte, was sie sagte, war: „Merkwürdige Art, mir das zu zeigen.“
Und ich nickte nur.
Ich fühlte mich überwältigt von Schuld, sagte noch, dass die anderen sicher schon auf dem Weg seien, dann ging ich.
Deb, Simmo, Fly, Heath, Perri, Matt und Anna kamen mir im Gang entgegen. Also gleich zurück.
Sie entschuldigten sich bei Bec, hatten ihr sogar Geschenke mitgebracht.
Ich starrte sie nur an, die ganze Zeit über.
Als Perri ihr den Bikini hinhielt, den sie für Bec gekauft hatte, und sagte, sie könne ihn in Tahiti tragen, erwiderte Bec traurig, sie fahre nicht zu dem Contest; die Verletzungen seien zu schlimm.
Dieser Satz traf mich wie ein Schlag mitten ins Herz.
Super, Edge. Jetzt hast du ihr alles kaputt gemacht. Sie kann nicht mal mehr zu dem Contest gehen, und alles nur weil du deine verdammte Klappe nicht halten konntest.
Und die Erklärung dafür?
Du magst sie. Das ist alles.
Merkwürdige Art, mir das zu zeigen.
Du bist ein Idiot, Edge, ein riesiger Idiot.
Und die ganze Zeit über lächelte Bec, als sei nichts passiert.
Und die ganze Zeit über hörte ich die Stimme in meinem Kopf, die sagte: Merkwürdige Art, mir das zu zeigen.
Als Deb uns zum Gehen aufforderte, trottete ich mit gesenktem Kopf hinter den anderen her.
Merkwürdige Art, mir das zu zeigen.
Die anderen gingen vor mir. An der Tür überkam mich ein Impuls.
Ich drehte mich um, sah Bec an, und mir wurde sofort klar, was ich tun musste, wie ich ihr zeigen konnte, dass ich nicht gelogen hatte.
Ich rannte zurück zu ihrem Bett, hielt kurz inne, holte tief Luft und küsste sie.
Ihre Lippen schmiegten sich an meine.
Der Kuss war kurz, aber schön.
Bec lächelte.
Ich lächelte zurück.

Von diesem Augenblick an weiß ich, wie furchtbar egoistisch und dumm es war, Bec vergessen zu wollen. Und wie furchtbar egoistisch und dumm es war, zu glauben, dadurch käme alles in Ordnung.
Ich bin vielleicht ein Idiot, ein Egoist, ein Dummkopf, aber Bec weiß das.
Der Kuss im Krankenhaus ist also nicht unser letzter geblieben.