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The Secret is Love

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Captain Sharon Raydor Charlene "Charlie" Johnson Deputy Chief Brenda Leigh Johnson Special Agent Fritz Howard
30.07.2010
20.08.2017
5
7.705
1
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Dieses Kapitel
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30.07.2010 2.323
 
Hier nun das dritte Kapitel. Ich hoffe, dass es euch gefällt und bitte um Reviews! ;)

Kapitel 3

Es war ein langer, anstrengender Tag gewesen und sie hatte gerade beschlossen zu Bett zu gehen, als es an der Haustür klingelte. Das ist jetzt nicht wahr, oder? Dachte Sharon und schaute empört auf die Uhr. Wer, zum Teufel, maßte sich an, um Mitternacht an den Türen rechtsschaffender Leute zu klingeln und damit womöglich ihren Schlaf zu stören? Sie schaute an sich herunter: ein Morgenmantel mit Boxershorts und T-Shirt drunter war nicht wirklich angemessene Kleidung, um unerwartete Gäste zu empfangen. Sie hatte ja auch gar nicht vor, Gäste zu empfangen! Seufzend ging sie die Treppe hinab, öffnete die Haustür und wollte schon zu einem unwirschen Kommentar ansetzen, als sie die nächtliche Besucherin erkannte. Ihr Herz setzte einen Moment lang aus. Sie träumte! „ Brenda.“, war das einzige was ihr in diesem Augenblick über die Lippen kam. Brenda schien es ähnlich zu gehen. „ Sharon.“, erwiderte sie leise. Schweigen. So standen sie minutenlang da – jedenfalls empfand Sharon es so – und blickten einander an.

Einem zufällig vorbeilaufenden Passanten hätten sie wohl ein merkwürdiges Bild geboten: Sharon im Morgenmantel in der Tür stehend. Brenda im zerknitterten Kostüm, leicht zerzaustem Haar und verschmierter Wimperntusche auf den Wangen, auf der Treppe stehend.

Endlich erwachte Sharon aus ihrer Erstarrung und fasste sich ein Herz: „ Komm herein. Ist doch ganz schön kalt hier draußen.“ Brenda nickte zaghaft lächelnd, trat ein und folgte der Gastgeberin ins Wohnzimmer. Stumm wies ihr Sharon einen Platz auf dem eleganten cremefarbenen Sofa und sie folgte der Einladung schüchtern. Beide Frauen waren ein klein wenig aufgeregt, denn bisher hatten sie sich nie in ihren Wohnungen getroffen. Das war eine stille Übereinkunft gewesen, denn in die Privatsphäre der jeweils anderen einzudringen war ihnen irgendwie verboten vorgekommen. Das hatte sich nun mit einem Schlag geändert. Denn die Situation hatte sich geändert, das spürte Sharon instinktiv und instinktiv wusste sie auch um den Grund. Gespannt wartete sie, ob Brenda etwas sagen würde, doch das tat sie nicht. Einmal mehr stellte sich verlegenes Schweigen ein. „ Magst du etwas trinken? Einen Merlot vielleicht?“, fragte sie dann, um die Situation etwas aufzulockern.
Ohne eine Antwort abzuwarten verschwand sie in die Küche und kam wenig später mit zwei Gläsern und einer Flasche Merlot zurück. Brenda hatte inzwischen ihre Handtasche abgestellt und ihren Blazer ausgezogen. Sie sah müde aus. Sharon setzte sich zu ihr und goss ihnen beiden etwas Wein ein. Sie reichte ihrem Gast ein Glas und Brenda nahm es dankbar entgegen. Sie nahm einen Schluck und dann noch einen und ehe Sharon sich versah, hatte sie das erste Glas geleert. Ohne Aufforderung goss sie ihr nach. Einmal. Zweimal. Und schließlich noch ein drittes Mal. Als Sharon ihr noch einmal nachschenken wollte, winkte Brenda ab, stellte das halb geleerte Glas auf den Tisch und schaute sie dann flehentlich an.

„ Küss mich. Bitte.“, flüsterte sie.

Es kam so plötzlich und unerwartet, dass Sharon einige Sekunden benötigte, um ihre Gedanken zu ordnen. Wie gern wäre sie der Bitte jetzt nachgekommen...doch sie zögerte. War es nicht so, dass sie Brenda bei ihrem letzten Treffen ein Ultimatum gestellt hatte? Weil sie es nicht mehr ausgehalten hatte?

Diese heimlichen Treffen.

Diese kurze Zeit der Leidenschaft.

Eine Liebe auf Zeit. Das hatte sie nicht länger gewollt.

Und sie wollte es auch jetzt nicht. Deshalb blockte sie Brendas Versuch, sich ihr zu nähern schweren Herzens ab und Brenda verstand. Sie erinnerte sich an Sharons Wunsch. Sie erinnerte sich an die Geschehnisse der letzten Tage. Sie hatte viel nachgedacht. Darüber, ob sie ihre Ehe wirklich beenden sollte. Für etwas, von dem sie nicht wusste, wohin es sie führen würde. Sie hatte alle Möglichkeiten abgewogen, doch letztendlich gab es nur zwei Wege:

Entweder ihre Ehe, oder ein Neubeginn mit Sharon.

Verstand vs. Gefühl.

Sie hatte sich entschieden ihrem Herzen zu folgen...

~ Flashback ~

„ Wie steht es eigentlich um unser kleines Projekt?“, fragte Fritz fröhlich, während er das Geschirr vom Abendessen spülte. Brenda blickte von ihrer Fall-Akte auf: „ Was meinst du?“ Ihr Ehemann seufzte beinahe theatralisch und erwiderte: „ Ich meine unser Baby-Projekt! Wir sollten es langsam in Angriff nehmen, findest du nicht?“
Sie hatte es geahnt! Natürlich – es war ja nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Fritz dieses Thema wieder aufnehmen würde! Durch diese ganze Wer-wird-Chief-of-Police-?-Sache war das Thema „ Kinder“ in den Hintergrund geraten, zu vieles war zu tun gewesen. Doch jetzt, da Adrian Delk zum neuen Chief of Police gewählt worden war, rückte es wieder in den Vordergrund.

Jedenfalls für Fritz.

Wenn es nach ihr gegangen wäre...aber es ging ja nicht nach ihr. Wie immer...
Wie so oft in den letzten Tagen schweiften ihre Gedanken wieder ab zu Sharon.

Was sie wohl tat?

Dachte sie vielleicht auch gerade an sie?

Ob sie sich wohl eben so sehr nach ihr sehnte, wie sie sich nach ihr?

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Fritz seine Arme um ihre Taille legte und seinen Kopf auf ihre Schulter legte. „ Weißt du, ich hab mir sogar schon überlegt, wie wir das Zimmer einrichten. So richtig kitschig amerikanisch. Die Wände streichen wir gelb, oder grün. Ganz neutral. Und das Bett wird...“ –
„ Fritz, hör auf! Bitte!“, unterbrach Brenda ihn harsch. Sie befreite sich aus seiner Umarmung, sprang auf und funkelte ihn wütend an.
Jetzt richtete er auch schon in Gedanken das Kinderzimmer ein – sie konnte es nicht fassen!

„ Hör auf damit!“, wiederholte sie, nun schon etwas ruhiger.

Fritz schaute sie vollkommen erschrocken an: „ Aber ich...ich dachte, das willst du auch.“ In seiner Stimme klang eine solche Unschuld, dass es Brenda fast das Herz zerriss. Doch sie musste endlich reinen Tisch machen, es ging nicht anders! Ihr Blick wurde etwas weicher, sie machte einen Schritt auf ihren Mann zu und nahm sachte seine Hand in die ihre. Dann gab sie sich einen Ruck und antwortete leise, aber bestimmt:

„ Nein, Fritz, das ist nicht, was ich will. Es ist allein das, was du dir wünschst. Aber die Wahrheit ist: Ich kann dir deinen Wunsch nicht erfüllen, denn ICH will kein Kind. Es tut mir leid.“

Sie ließ seine Hand wieder los und nestelte nervös an ihrer Strickjacke herum. Sie war verblüfft zu beobachten, wie sich sein Gesicht von Enttäuschung in Erleichterung verwandelte. „ Endlich“, sagte er leise, „ endlich hast du gesagt, was DU möchtest.“ Er kam auf sie zu und strich ihr über die Wange. Brenda zuckte mit den Schultern und wandte sich von ihm ab: „ Ich habe es dir gesagt. Du wolltest es nur nicht hören. Du hörst mir einfach nie zu.“

Mit Schrecken realisierte Brenda, dass ihre Ehe zerbrochen war. Genau in diesem Augenblick.

Fritz, der nichts von ihren Gedanken ahnte, kam von hinten an sie heran und legte ihr seine Arme um die Taille. „ Weißt du, das ist schon in Ordnung. Ja ehrlich, ich kann damit leben! Solange du bei mir bist, ist alles andere nicht von Bedeutung!“, sagte er und küsste ihr Haar.

Brenda tat es weh, denn sie glaubte ihm jedes Wort. Das war ja das Schlimme an der Sache!

Er würde ihr alles verzeihen, denn er liebte sie unbeschreiblich.
Und eine Zeit lang hatte sie das gleiche für ihn empfunden – noch nie war sie mit einem Mann so lange zusammen gewesen. Noch nie hatte es sich so gut angefühlt.

Auch als sie ihn heiratete fühlte es sich richtig an. Doch dann war es verschwunden, dieses schöne Gefühl. Es war fort und sie wusste nicht, weshalb. Das tat verdammt weh!

Sharon hatte sie um eine Entscheidung gebeten. Sie hatte ihr nicht etwa eine Szene gemacht, wie eine eifersüchtige Geliebte. Sie hatte sie nicht unter Druck gesetzt. Zu keiner Zeit. Sie hatte lediglich eine stumme Bitte formuliert.

Und Brenda verstand sie nur zu gut, erinnerte sie sich doch an die Zeit, in welcher sie die Rolle der Geliebten gespielt hatte. Es war furchtbar gewesen.
Allerdings gab es einen bedeutsamen Unterschied:

Will Pope hatte Brenda nie wirklich geliebt. Sie war nur ein schmutziges Abenteuer für ihn gewesen.

Sie hingegen liebte Sharon wirklich. Genug, um ihre Ehe zu beenden.

Brenda entwand sich sanft aus Fritz‘ Umarmung und blickte ihn an. Fritz war in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes.
Er war nicht nur unglaublich attraktiv, wie er so vor ihr stand mit seinem durchtrainierten Körper, den starken Armen, in die sie sich so oft geflüchtet hatte, mit den treuen braunen Augen und dem warmherzigsten Lächeln, welches sie je gesehen hatte.

Fritz war ein Mensch reinen Herzens, er war liebevoll, hilfsbereit und zuverlässig. Und er war ein Mensch, der verzeihen konnte. Er hatte ihr schon oft verziehen, sehr oft. Doch...würde er ihr auch dieses Mal verzeihen?

Sie schlug die Augen nieder, wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Es war, als stecke ein Kloß in ihrem Hals, sie versuchte ihn
hinunterzuschlucken, doch je stärker sie sich bemühte, desto größer wurde er.

„ Liebling, was hast du denn?“, hörte sie seine Stimme fragen.

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, bekam sie sich unter Kontrolle. Sie machte einen Schritt auf ihren Mann zu und sah ihm dann fest und entschlossen in die Augen:

„ Fritz, es ist nicht nur das Kinder-Thema, das zwischen uns liegt – nein, hör mir zu! – Ich habe nachgedacht und ich...ähm.“, sie rang um Atem, „ Du und ich – es funktioniert nicht!“

Du und ich – es funktioniert nicht...
es funktioniert nicht...
funktioniert nicht...
nicht...
nicht...
nicht...

Brenda kam es fast so vor, als hätte sie diese Aussage mit voller Wucht in den Raum hinein geschleudert.

So heftig, dass sie in zig facher Ausführung widerhallte.

Sie schleuderte gegen die Wände, zerbrach in ihre Komponenten, schoss dann wiederum zurück, in die Mitte des Raumes, ballte sich zu einer imaginären Faust zusammen – und traf Fritz wie ein ohrenbetäubender Paukenschlag.

Sein Mienenspiel erinnerte an ein Kaleidoskop – es wechselte von Überraschung zu Fassungslosigkeit.

Von Fassungslosigkeit zu Begreifen.

Vom Begreifen zum Schock.

Vom Schock zur Wut...

und da harrte es dann aus.

„ Mo...Moment mal, verstehe ich das gerade richtig? Willst du mir gerade sagen, dass...? Brenda, das kann doch nicht dein Ernst sein!“

Seine Stimme klang ungewöhnlich rau und dunkel. Sie wusste, dass Fritz kurz davor war, auszubrechen.

„ Fritz“, setzte sie behutsam an, „ich weiß, es ist schwer, aber...“

– „ Schwer?“,
unterbrach er sie, nun schon merklich lauter,

„ SCHWER?!? Was ist schwer?

Komm schon, sprich es aus Brenda!
Sei jetzt, verdammt noch mal, nicht feige!“

Tränen stiegen in Brendas Augen.

„ Es ist aus.“, flüsterte sie.

Fritz legte die Hand ans Ohr, als sei er schwerhörig und beugte sich vor und schaute sie fragend an.

„ Okay, okay! Es ist AUS! Ich liebe dich nicht mehr!“, schrie sie.

Eine schlagartige Stille setzte ein.
Fritz, nun überhaupt nicht mehr aggressiv, sondern müde und getroffen, strich sich mit den Händen übers Gesicht und rang um Fassung.

„ Ich...ich verstehe.“, meinte er dann leise.

Doch sein Herz war gebrochen, das spürte Brenda – und sie hasste, dass ausgerechnet sie es war, die ihn so verletzte. Vorsichtig trat sie zu ihm.

„ Fritz, ich...es tut mir so leid!“

Sie berührte seinen Arm, doch er wich hastig zurück und schaute sie an, wie ein gehetztes Tier:

„ Nein, fass mich nicht an, Brenda, fass mich – um Himmels willen – jetzt nicht an!“

Seine Stimme klang schmerzverzerrt.

„ Möchtest du, dass ich gehe?“, fragte Brenda leise und Fritz nickte stumm. Sie schlug traurig die Augen nieder und wandte sich schon zum Gehen, als er erneut das Wort ergriff:

„ Ist es Will Pope, Brenda?“

Sie blieb stehen.

Will Pope?

Er glaubte, sie würde ihn wegen Will Pope verlassen?

„ Nein“, beeilte sie sich zu versichern, „ es ist nicht wegen Will.“

– „ Wegen wem dann? Für wen wirfst du unsere Ehe über Bord?“, hakte Fritz nach.

Seine Stimme erhob sich sichtlich. Brenda schloss die Augen.

Sie konnte ihm unmöglich die Wahrheit sagen! Nicht jetzt.

„ Brenda, antworte mir bitte!“, erklang erneut die erzürnte Stimme ihres Mannes.

„ Es tut mir leid, ich kann es dir nicht sagen.“, flüsterte sie.

Sie warf Fritz noch einen letzten Blick zu, dann ging sie.

Als sie die Tür hinter sich schloss, hörte sie das Geräusch zerbrechenden Glases und einen gequälten Schrei.
Sie hielt sich die Ohren zu und begann bitterlich zu weinen.

Und mit den Tränen löste sich nun endlich auch der dicke Kloß in ihrem Hals und alles, was blieb, war eine grenzenlose Erleichterung.

Sie war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Doch wohin nun?
In ein Hotel?
In ihr Büro bei Major Crimes?

Im Grunde ihres Herzens aber wusste sie, dass es nur einen Ort gab, an dem sie diese Nacht verbringen wollte.

Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie machte sich auf den Weg.  


****

„ Ich habe Fritz verlassen.“, sagte Brenda unvermittelt. Sharon blickte auf und man sah ihr deutlich die Ungläubigkeit an.

„ Es ist wahr“, wiederholte Brenda und lächelte, „ meine Ehe ist vorbei.“

Sharon fand ihre Sprache wieder und mit einer Ruhe, die Brenda bewunderte, sagte sie: „ Ich dachte immer, du hasst Veränderungen. Ich habe mich wohl geirrt.“ Brenda grinste und erwiderte: „ Nein, du irrst dich nicht. Veränderungen machen mir tatsächlich eine Heidenangst. Aber manchmal lassen sie sich nicht umgehen.“
Sharon schüttelte den Kopf und ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Brenda tat gespielt ungeduldig und maulte:

„ Was muss ich eigentlich noch tun, um Sie endlich überzeugen zu können, Raydor? Muss ich erst auf die Knie fallen und Ihnen eine flammende Liebeserklärung machen?“

Sharon lachte und spielte Brendas Spiel mit, indem sie die Lippen schürzte und antwortete:

„ Hm, Sie können es ja mal versuchen, Chief Johnson.“

Sie kicherte, als Brenda Anstalten machte ihrem Vorschlag Folge zu leisten, zog sie zu sich und flüsterte: „ Reingelegt.“
Dann küsste sie Brenda und es war, als fiele die Last der ganzen Welt von ihren Schultern. Brenda strich ihr mit der Hand durchs weiche braune Haar und sagte:
„ Ich liebe dich, Sharon.“
Diese konnte ihr Glück kaum fassen. Sie seufzte wohlig, als Brenda sie berührte.

An diesem Abend liebten sich die beiden Frauen so leidenschaftlich und zärtlich, als würde es für sie die Welt bedeuten.

Und so war es auch.
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