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Das Böse ist überall

von choci
GeschichteKrimi / P12 / Gen
Ben Kessler Dirk Matthies Harry Möller Henning Schultz Lothar Krüger Nicole Beck
26.07.2010
26.07.2010
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26.07.2010 2.215
 
Sie saß einmal wieder am Schreibtisch und starrte  aus dem Fenster. Das regnerische Wetter spiegelte ihren Gemütszustand wieder, wie hatte Dirk einmal gesagt, Wasser ist der Spiegel der Seele?
Puh, den ganzen Tag auf der Wache. Ein trostloser Tag mehr, während die Kollegen draußen Streife fuhren.
Sie wollte doch auch raus, raus in den Streifenwagen, mit ihrem alten Partner.
Aber der war jetzt sonst wo, wusste nichts davon, dass sie nun, neben Regina, Chefin des PK 14 geworden war.
Es war ja egal, das war damals war versuchte sie sich auf andere Gedanken zu bringen.
Außerdem ruft die Arbeit! Sie überprüfte ob der Haarknoten noch saß, tat er und machte sich daran die Berichte der Kollegen zu studieren. Alles hatte seine Ordnung.
Währendessen beobachtete sie Dirk, wie er sich im Wachraum langweilte. Er spitzte alle Stifte, die auf seinem Pult zu finden waren, brach sie wieder ab, spitzte abermals.
Sie hatte Mitleid mit ihm, obwohl sie sich das bei dem Ruf den sie hier auf dem Revier hatte, nicht erlauben dürfte, er war nun mal ein „Kiezbulle“, das hatte sie in den zwei Jahren, in denen sie neben ihm im Streifenwagen gesessen hatte erlebt.
Er kannte sich in der Szene aus und wusste immer wo man sich einen Tipp holen konnte, na ja fast immer. Doch nun saß er da, ohne Partner und vertrieb sich die Zeit mit dem Spitzen der Stifte.

„Henning komm jetzt endlich!“, schallte es über den Flur. Das war eindeutig Harry. „Normalerweise warte ich ja auf dich!“ entgegnete der Gerufene scherzhaft. Die Antwort darauf war nur ein „Na ja“
Beide kamen die wenigen Stufen hinauf in den Wachraum. „Moin Dirk“ , begrüßten sie ihn wie aus einem Mund.
„Moin“ meinte dieser nur abwesend.
„Was ist denn mit dem los?“, fragte Henning, während sie in Richtung Aufenthaltsraum gingen.
Harry verdrehte die Augen und antwortete: „Er langweilt sich halt. Er ist ja den ganzen Tag hier drin eingesperrt. Du kapierst auch gar nichts!“
„Tschuldigung, ich bin halt keine Frau und habe den siebten Sinn“, verteidigte er sich „ Aber du hast ja Recht“
„ Ich habe immer Recht“ , entgegnete Harry gerissen. Henning ließ es auf sich beruhen, öffnete sein Schließfach und entnahm ihm die Dienstwaffe. Harry tat es ihm gleich, nachdem sie ihr Holster übergestreift hatte.
Ab auf die Straße!

„Bis dann Dirk“ , verabschiedete sich der Zivilfahnder, während seine Partnerin schwieg, da sie Dirk nicht in seinen Gedanken stören wollte.
Nun war er wieder allein im Wachraum.
Schweigend sah er aus dem Fenster Henning und Harry zu, wie sie ins Auto stiegen und wegfuhren.
Er musste da bleiben, den Papiertiger füttern und sich mit den Leuten streiten, na toll!
Strahlend kam Nicole Beck, die von allen nur Nicki genannt wurde. Aber auch das konnte seine Stimmung nicht heben.
Die junge Polizistin erzählte ihm sehr aufgeregt etwas, doch er hörte nicht richtig zu bis er das Wort „neuer Mitarbeiter“ vernahm. „Wir bekommen einen Neuen?“, fragte er Nicki.
„Ja das habe ich dir doch gerade erzählt! Wo bist du nur in letzter Zeit mit deinen Gedanken?“, meinte diese etwas verärgert.
Dirk dachte nach, wer konnte das sein? Sollte er Frau Küppers fragen, die müsste das doch eigentlich wissen?
Also raffte er sich auf und ging zum Chefzimmer, klopfte und erhielt sogleich ein strenges
„ Herein!“. Eigentlich wollte er sich wieder auf seinen Platz verkrümeln, aber es interessierte ihn einfach brennend wer der Neue sein würde.
Doch auch Frau Küppers wusste nicht wer es werden sollte und so zog sich Dirk wieder zu seinem Schreibtisch zurück.
„Hier Harry, dein Kaffee.“ „Danke Henning“
„Du bist heut so nachdenklich, ist etwas passiert?“, bemerkte er fürsorglich.
„Nein, es ist nichts passiert, ich mache mir Gedanken über Dirk. Stell dir mal vor du müsstest den ganzen Tag auf der Wache verbringen.“
„Du hast Recht, Dirk hat es echt nicht leicht“, bestätigte er sie.
Dirk lief im Wachraum auf und ab während Nicki versuchte sich zu konzentrieren. „ Wenn du weiter Marathon hinter läufst, wirst du mindestens 20 Kilo los und ich wenn ich Pech hab meinen Job“, meinte seine Kollegin leicht genervt.

Im Wachraum erschien währenddessen eine junge, braunhaarige Frau, die sich als Kim Krüger vorstellte, Chefin der Kripo Autobahn, sie wollte zu Frau Küppers, wegen des neuen Mitarbeiters. Eigentlich war das ein Vorwand um endlich einmal wieder mit ihrer Freundin zu reden. Aber sie war auch wegen des neuen Mitarbeiters gekommen.
„Frau Küppers ist gerade nicht da, aber sie können gerne mit ihrer rechten Hand sprechen.“, meinte einer der Polizisten genervt, sie kannte ihn nicht.
Kim dachte bei sich, wenn Alex das hören würde, dann würde sie bestimmt noch eiserner durchgreifen. Allerdings hatte sie nicht vor es ihr zu sagen.
Sie ging durch den Tresen, zur Tür und klopfte.
Ein strenges „Treten Sie ein!“ kam von drinnen. „Morgen Alex!“ begrüßte Kim ihre Freundin. „Ach du bist es.“ Die Stimme wurde wieder weich. „Du hier? Du bist bestimmt sauer, weil ich mich so lange nicht gemeldet habe“ setzte sie reumütig hinzu.
„Du wirst deinen Grund gehabt haben“, entgegnete Kim ihr.
„Oh ja den hatte ich wahrlich.“, stimmte sie ihr geistesabwesend zu „ Und dann war ich ja in Arabien außerdem weißt du doch, dass ich mich nicht melden konnte.“
Frau Küppers betrat das Zimmer, sie kam von einer Besprechung mit der Kripo.
„Oh schön dich zu sehen Kim, was führt dich denn hier her, das wird bestimmt beruflich sein, oder?“ begrüßte sie die Chefin der Kripo Autobahn ohne mit einer Wimper zu zucken, da vermutlich das ganze Präsidium ihnen aufmerksam zusah.
„ Euer neuer Kollege ist im Moment auf meinem Kommissariat, außerdem wollte ich Alex mal wieder sehen“, eröffnete ihnen die junge Frau.
Diese musterte Alex um zu sehen wie sie nun auf die Nachricht reagieren würde. Dabei fiel ihr auf, dass sie nicht gut aussah, aber das behielt sie lieber für sich.
Aber etwas anderes beschäftigte sie: „ Alex, wann bist du denn den Rollstuhl los?“
„Ich weiß es nicht. Wann wird denn der neue Mitarbeiter kommen?“, versuchte sie vom Thema abzulenken. „Morgen schon“, antwortete Kim.
„ Und da informiert man uns erst jetzt? Wir haben es von unserer jüngsten hören müssen, du rufst nicht mal an, wieso machst du das??“, ereiferte sich Frau Küppers.
„Das hat alles seine Gründe“, versuchte die braunhaarige Frau die anderen beiden zu beruhigen. Was Alex ganz und gar nicht beruhigte, war da das merkwürdige Gesicht, das Kim an den Tag legte, sie hatte es schon ein mal gesehen, wusste aber nicht in welchem Zusammenhang.
„Wer wird es sein?“, fragte Alex beunruhigt.
Ihre Freundin entgegnete ihr mit einer Spur Ironie in der Stimme: „ Das werdet ihr schon sehen, ihr könnt ihn ja morgen fragen, wer er ist.“

„Henning, ein Überfall, Balduinstraße 3, wir müssen weiter!“, rief Harry ihrem Kollegen zu, als dieser sich gerade mal wieder einen Kaffee kaufte.
„Komm jetzt!“, trieb Harry zur Eile an. Henning lief in einem flotten Schritt zum Auto und stieg ein. „Was ist denn passiert?“, fragte er genervt.
„Wahrscheinlich eine Vergewaltigung“, war Harrys abwesende Antwort.
„Was ist denn? Hab ich was falsches gesagt?“, erkundigte sich ihr Partner fürsorglich.
„ Ach nicht so wichtig“, wehrte die Zivilfahnderin ab.
Den Rest der Autofahrt herrschte Stille.

Am Tatort angekommen stiegen die beiden aus dem Wagen und rannten zum Haus, dessen Tür offen stand. Auf dem Parkplatz daneben sah Henning den Krankenwagen.
In der Küche saß eine blonde Frau, mittleren Alters auf einem Stuhl, eine Sanitäterin kniete neben ihr und als die Ermittler kamen schaute sie, sie ernst an.
„Wir sind vom PK 14“ meinte Henning „Schulz mein Name, das ist meine Kollegin Möller.“
Die beiden zeigten ihre Dienstausweise.
Die Sanitäterin stand auf und kam auf die Beiden zu.
„Sie steht unter Schock, am besten nehmen Sie, sie mit und bringe sie später in ein Krankenhaus“
„Ok, machen wir“, war die knappe Antwort von Harry.
„ Wie heißt sie?“, versuchte Henning seinem Job nach zu gehen.
„Mareike Saller“ antwortete die Sanitäterin.
Harry ging zu dem Opfer und sprach mit ihr, das heißt versuchte mir ihr zu sprechen.
„ Hallo ich heiße Möller. Ich bin Polizistin, wir werden sie jetzt mit aufs Präsidium nehmen und dann ins Krankenhaus begleiten“
Doch anstatt zu antworten wimmerte die Frau vor sich hin:
„ Ich schäme mich so, ich bin an all dem Schuld.“
Frau Saller ging sich schnell duschen und umziehen, während Henning die Spurensicherung anrief.
Kurz darauf waren die Kollegen auch schon da und die Zivilfahnder konnten das Opfer endlich aufs Revier bringen.

Auf der Wache angekommen, wies Harry gleich Nicki an Frau Schaller in den Aufenthaltsraum zu bringen.
Sie selbst lief ohne anzuklopfen in Küppers Büro, was sie nicht hätte machen sollen, das diese schon zu einer Attacke ausholte.
Frau Saller hatte mit keinem gesprochen Harry wollte dies tun,
doch Alex brachte sie davon ab, sie hatte die Frau gesehen und eine Vorahnung gehabt.
„Wer, Mareike Saller?“, fragte sie ungläubig nachdem Harry die Geschichte erzählt und auch den Namen genannt hatte.
„ Ich komme mit!“, entschied Alex entschlossen, ohne Widerspruch zu dulden.
Sie zog ihre Handschuhe an, die sie beim Rollstuhl fahren immer trug und folgte Harry.
Als hinter dieser auch noch die Chefin im Aufenthaltsraum auftauchte, schaute Nicki blöd.
Die hielt sich doch sonst immer aus den Ermittlungen raus, wahrscheinlich hat die noch nie welche geführt, schwirrte es Nicki im Kopf herum, die kann doch gar nicht mit Opfern umgehen, war noch nie an einem Tatort, kannte das Gefühl nicht zu spät zu kommen, immer wieder zu spät zu kommen, die konnte nur kalt und überlegen schauen, die konnte bloß schimpfen und kritisieren.
Alex fuhr Frau Saller gegenüber, hielt aber einen Sicherheitsabstand von ihr, damit sie sich nicht bedroht fühlte.
„ Hallo Frau Saller, ich bin Alex“  Noch nie hatte die jemandem das du angeboten schoss es Nicki durch den Kopf. Aber der Ton ihrer Chefin war weich, mitfühlend nicht wie sonst, kalt, unbarmherzig.
„Ich kann Ihnen helfen, aber Sie müssen mit mir reden. Können Sie mir sagen wer es war?“, versuchte sie ein paar Wort aus ihr zu locken.
Als Frau Schaller zu reden begann, merkte Nicki, dass sie ihre Chefin unterschätzt hatte, wenn es wichtig war konnte sie weich sein, aber anscheinend nur zu den Opfern.
„ Ich werde es Ihnen nicht sagen“, murmelte die Frau verängstigt.
Da wusste Alex wer es gewesen war, diese Frau würde nie ihren Mund aufmachen und etwas zu verraten.
Aber sie hatte damals nichts mit der Sache zu tun gehabt, die Frau die damals nach dem Kartenständer gefragt hatte. Wahrscheinlich saßen auch ihr diese Gedanken im Kopf wie eine Egel, die sich festsaugt um nie mehr los zu lassen, nie wieder.
Warum tat er so etwas? Sie verkrampfte sich ihr Blick wurde härter als je zuvor, er zog einfach Menschen mit hinein, die nichts damit zu tun hatten, was damals geschah.
Sie würde ihn kriegen, koste es was es wolle!
Für diesen Mensch gab es fast kein Schimpfwort, das schlimm genug gewesen wäre.
Harry merkte an was ihre Freundin dachte und legte ihr die Hand auf die Schulter während sie fragte: „Ich sollte nun mit ihr ins Krankenhaus fahren. Können Sie mir da eins empfehlen?“
„Am besten fahren Sie in die Hafenklinik“, gab Alex ihr den Rat „Aber ich werde mitkommen“.
Harry widersprach ihr nicht, da sie wusste, es würde keinen Zweck haben, es ihr ausreden zu wollen, außerdem war sie immer noch ihre Chefin.

Als sie durch den Wachraum gingen, zogen sie alle Blicke auf sich, die Chefin, wie sie meist genannt wurde, blieb normalerweise während der Arbeitszeit im Büro.
Aber heute war kein normaler Tag! Sie hatte einen Entschluss gefasst, einen gefährlichen Entschluss.
Sie nahmen den 14/2. Alex kletterte aus dem Rollstuhl auf den Beifahrersitz, Harry klappte diesen zusammen und packte ihn in den Kofferraum.
Sie setzte sich auf den Fahrersitz, während Frau Saller hinter Alex Platz nahm.
Es gab nur eine belanglose Unterhaltung zwischen Alex und Harry, wobei sie aber darauf achteten sich zu Siezen, da sie ja beruflich unterwegs waren und noch das Opfer mit im Auto saß.
Alex brauchte etwas um aus dem Wagen zu kommen doch nun fuhr sie auf den Eingang der Klinik zu.
Sie gingen direkt zum Ärztezimmer. Alex klopfte, durch die offene Tür sah man Rechner stehen, ein Regal mit bunter Fachliteratur stand am anderen Ende des, mit weißen Wänden versehenen Raumes. Der Geruch von Desinfiktionspray biss Harry in die Nase, während es Alex scheinbar kalt ließ, sie war oft genug im Krankenhaus gewesen und roch es schon gar nicht mehr.
„Patienten haben hier keinen Zutritt!“, kam es mürrisch von drinnen.
Aber so leicht ließ die Polizistin sich nicht abwimmeln: „Ich würde gerne Herrn Wenzel sprechen.“
„Aha und wieso bitte?“, meinte die junge Stimme abwertend, während er ums Eck kam.
„Das würde ich ihm gerne selbst sagen“, ließ Alex sich nicht provozieren.
„ Sie halten sich wohl für was Besseres!“, versuchte der junge, blondhaarige Arzt sie aus der Ruhe zu bringen.
„ Passen Sie mal auf! “, sprach die Polizistin still, gefährlich still. Wie eine Raubkatze, die sich an ihr Opfer anschlich.
Mit ruhiger Stimme gab sie von sich: „Werden Sie mal erst trocken hinter den Ohren Sie Grünschnabel.“
Er kam ein paar Schritte näher, zu nah, er übertrat ihre Intimsphäre.
Sie fühlte sich unwohl, ihre Knie wurden weich, es lief ihr eiskalt den Rücken runter.
Der Arzt hob seine Hand um sie zu schlagen, nein das durfte er nicht, nein.
Sie schloss die Augen, erwartete den Schmerz der kommen würde.
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