Die Monde

von Nazukagi
GeschichteAbenteuer / P16
Moro
23.07.2010
03.09.2012
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PROLOG
Es wurde dunkel und die Sonne näherte sich dem Erdboden. Zwei dunkle Schatten erkannte man vor der immer größer werdenden Sonne. Alle Wolken waren schon in pink, rot und lila eingetaucht. Es war noch genau in der Zeit der alten Legenden, Sagen und in der Götter noch lebten. Jedoch im Verborgenem…
Die zwei Schatten sahen einander nicht ähnlich, doch sie berührten sich eindeutig! Der Linke war wohl ein kleiner Mensch, der Rechte jedoch… etwas unbeschreiblich Großes…
Es wurde dunkler und die beiden Schatten wurden von den beiden Wächtern  Nobu und Kazuki genau beobachtet bis die Schatten plötzlich keine Schatten mehr waren, sondern ein verdrecktes Mädchen mit kaputten Anziehsachen und ein Wolf, der neben ihr stand, welcher keine normal Größe hatte, und der von dem Mädchen mit ihrer rechten Hand an der Schulter berührt wurde.

AKINA
Der kleinere braun Haarige Wächter, der sich als Nobu ausgab, hinderte mich einzutreten: Wer bist du? Wo kommst du her? Und was willst du hier?
Ich antwortete genervt: *seufz* Ich bin Akina! Komme aus dem Akuma-Wald, von dem aus ich verstoßen wurde und nun hier leben soll.
Der zweite Wächter, der sich Kazuki nannte, sagte: Der Akuma-Wald? *anfang zu lachen* Das ist doch nur eine Legende! Die Legende, wo alle Götter herkommen, die in bestimmte Menschen versiegelt worden sind.

Auch Nobu fing zu lachen an.

Ich: Für euch ist es nur eine Legende! Für MICH  ist es meine Heimat!

Verteidigte ich meine Heimat und mir schossen kleine ungeweinte Tränen in die Augen. Und plötzlich verstummten die beiden kurz.

Nobu: Du meinst… das… ist dein ernst?
Ich: Aber natürlich! Was hattet ihr anderes erwartet? Auch eine Legende muss irgendwoher ihren Ursprung haben!
Kazuki: Und wer oder WAS  ist das? *auf großen Wolf neben mir deut*
Ich: Ach das… das ist Sayo. Sie ist ein Halbgott der…
Sayo: Danke, aber ich denke, ich kann mich auch selbst vorstellen! Ich bin Sayo! Und wie mein Name schon sagt, bin ich in der Nacht geboren… in einer bestimmten Nacht! Ich bin Akinas lebendiger Dämon, Schwester, Freundin und Leibwächter beauftragt von unserer Mutter Moro, der Wolfsgöttin!
Kazuki und Nobu: *ungläubig* Der…der Wolf kann sprechen??
Ich: *sarkastisch* Habt ihr ihn grade sprechen hören?

Beide nickten nur mit großen Augen, die auf Sayo gerichtet waren…

Ich: Dann hat sie wohl gesprochen. Immerhin dürft ihr nicht vergessen, sie ist eine halbe Wolfsgöttin und nur deswegen so unglaublich riesig ist und sprechen kann! Ein bisschen mehr Respekt also!
Nobu: *Muskel anspann und Rücken durchstreck* Okay… du, … ich meine natürlich ihr, könnt ins Dorf gehen. Meldet euch bei dem Dorfoberhaupt an! Am besten folgt ihr dieser Straße bis sie irgendwann zu Ende ist und geht dann in das größte Gebäude hinein, was genau vor euch stehen müsste.

Nickend stieg auf Sayos Rücken, es war einfach bequemer und meine Füße taten vom langen Fußmarsch weh. Und Sayo würde das bestimmt verstehen. Also landete ich nach einem hohen Sprung auf Sayos Rücken.
Sie ging ein paar Schritte, damit die Wachposten uns nicht mehr verstanden.

Sayo: Akina?
Ich: Ja? Was ist?
Sayo: Meinst du, dass das alles hier so richtig ist?
Ich: Nein, … aber… uns fragt ja keiner. Und Mutter wollte uns nur beschützen! *Sayo hinterm Ohr kraul*  Und jetzt komm! Du kannst noch einmal so richtig fetzen! Immerhin musstest du am Schluss meinen schleppenden Gang ertragen…
Sayo: Oh ja! Nochmal Beine vertreten!

So stark Sayos Herz war, voller Energie, Lebensfreude und Pracht, so schwach war mein Herz. Jedoch behielt ich es lieber für mich. Genau wie die Tatsache, dass ich eine Hälfte von Sayos Herz bekommen hatte und deswegen eine große Narbe auf meiner Brust prangte. Worüber wiederum das Zeichen lag, dass Sayo in mir versiegelt war… bzw. die eine Hälfte… sonst würde sie so groß und mächtig wie einer ihrer Vorgänger werden, dem Neunschwänzigen Fuchs! Er war ein entfernter Verwandter… und das Erbe traf Sayo. Als sie klein war, wurde eine große Aura um sie herum festgestellt, die sie nicht würde kontrollieren können.
Auf meinem Rücken war der Tigergott versiegelt. Tora hieß dieser. Er wollte die ganze Welt vernichten und alles zu seinem machen, genau wie Sayos Vorgänger. Er war sehr herrschsüchtig und nur auf sich selbst bezogen! Dank ihm konnte ich bei jedem Lebewesen bestimmte Schmerzen im Kopf auslösen, indem ich diese berührte und in ihren Kopf eindrang. Das ging von leichten Schmerzen über Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod. Aus diesen und noch weiteren Gründen wurde ich von meinen Eltern förmlich vor Moros Füßen geworfen. Diese hatte Sayo und mich gutmütig aufgenommen und für uns beide und ihren anderen Sohn Suou gesorgt. Sayo war ihr anderes, verloren geglaubtes Wolfskind, entführt von den Menschen, die mir ihr halbes Herz eingepflanzt hatten!
Aus diesem Grund HASSTE  ich die Menschen und war es eigentlich jetzt schon leid, in diesem Dorf voller stinkender Menschen zu leben!
Aber… genug von der verhassten Vergangenheit und meinen Geheimnissen, auch wenn es davon noch genügend gibt.
Wir waren gerade so richtig schnell geworden, sodass die Häuser nur an uns vorbei flogen, ohne dass wir ihnen große Beachtung schenkten (bei dem Tempo machte es besonders viel Spaß!) als plötzlich jemand, ohne aufzupassen Sayo vor die Füße lief. Ich zog hart an ihrem Fell, was so viel bedeutete wie „Bleib stehen! JEEEEETZT!!!“. Ihr tat das ziehen nicht weh, denn es ist vielmehr so als würde mir jemand am Arm ziehen, wenn ich meine Muskel angespannt habe. Sie machte eine schliddernde Drehung, um rechtzeitig zum stehen zu kommen.

Ich schrie: Was sollte das denn? Kannst du nicht aufpassen? *von Sayo herunter spring*
Junge: Tut mir Leid… ich hab dich mit diesem riesigen Wolf einfach übersehen…
Ich: Genau! RIESIGEN Wolf! Wie kann man den nur übersehen? *zisch* Dumme Menschen…
Junge: Ich weiß es nicht… Entschuldigung.
Ich seufzte nur als Antwort und bedeutete, dass ich weiter gehen wollte.
Junge: Hey, warte mal. Du bist neu hier, stimmt’s?
Ich: Ja… wieso fragst du? Wer bist du überhaupt?
Junge: Ich bin Takeru und werde das nächste Dorfoberhaupt! Und ich frage, weil ich es eben einfach wissen will. Immerhin WOHNE  und LEBE  ich hier! Wo kommst du denn her? Und wie heißt du?
Ich: *seufz* *an Armstulpe riech*…*leise*ich stinke schon wie ein Mensch…*normale Lautstärke* Ich komme aus dem Akuma-Wald!
Takeru: *lach* Das ist doch nur eine alte Legende!
Ich: Wieso finden das alle so komisch? Es entspricht der Wahrheit! Wo sonst sollten die alten Legenden herkommen? Sie werden dort geboren.
Takeru: *innehalt* … hm… *meine Fragen und meine Antwort ignorier* Und wie heißt du?
Ich: *seufz* Akina…
Takeru: Was für ein schöner Name! *mich von oben bis unten muster* *flüster* Für eine schöne Frau.
Ich: Und wenn es dir nichts ausmacht, werde ich jetzt wieder meinem Weg folgen und zum Dorfoberhaupt gehen!

Da er scheinbar fertig war, stieg ich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, auf Sayo und sie lief bestimmend los in die Richtung, die uns gezeigt wurde.
Dort angekommen mussten wir an der Informationsstelle nachfragen. Es war die zweite Tür links im Stockwerk über uns.
Ich klopfte höflich an die Tür, wie mir unten gesagt wurde, und wartete auf eine Antwort von drinnen. Da nichts zu kommen schien, ging ich einfach hinein.
Dort stand eine große Frau, mit dem Rücken zur Tür und mit langen blondem Haar und zwei Jungen, die sich sofort umguckten und anfingen mich zu mustern. Der eine, der mir wegen seiner Größe zuerst ins Auge stach, war normal gekleidet, hatte dunkle Haare bis zum Kinn mit extrem dunklen Augen und vollen Lippen.
Der andere war kleiner als er, aber dennoch größer als diese Frau und somit auch größer als ich, wie ich schätzte. Er hatte leuchtende, blaue Augen und braune Haare, die schon etwas länger nicht geschnitten worden waren. Vielleicht waren sie so lang wie mein Zeigefinger und lagen verwuschelt auf seinem Kopf. Seine Schultern waren breit gebaut mit starken Oberarmen. Sein Shirt und seine dreckige Hose waren mit Einschnitten übersät. Ich sah sie nur etwas böse an und sie gingen auf Zeichen der Frau aus dem Zimmer, jedoch nicht, ohne dass einer von beiden, der Kleinere, beim hingucken zu mir, gegen die Wand lief und dann schnell durch die Tür verschwand. Geschieht ihm Recht!, dachte ich. Nun war ich also ganz allein mit dieser Frau… einem Menschen…!

Frau: Ah… hallo *lächel* Du bist also neu hier? Ich bin Amaya und das Dorfoberhaupt hier! Darf ich also, nach der kurzen Vorstellung von mir, auch etwas über dich erfahren?

Es stellte sich heraus, dass ihre Lippen blutrot und ihre Augen grün waren.

Ich: *seufz* Wieso wollen dass alle wissen?
Amaya: Naja… immerhin wirst du wohl ein Weilchen hier leben. Und… dann sollte man ein paar Kontakte haben. *zwinker* Also komm. Du kannst es mir sagen. Du MUSST  es mir sogar sagen!
Ich: Okay, also gut. Ich bin Akina und komme aus dem Akuma-Wald! Und NEIN  es ist keine alte Legende! Sie müssen damit nicht auch noch anfangen! Wenn Sie wollen, kann ich Sie gerne mal mitnehmen und es Ihnen zeigen! Es ist nur sehr weit östlich von hier.
Amaya: *lach* Ja klar… gerne! Aber jetzt nicht. Vielleicht wenn ich mal mehr Zeit habe?!
Ich: Ok… so machen wir das!
Amaya: *auf Wolf deut* und wer ist das, wenn ich fragen darf?
Ich: Das ist…
Sayo: *mich wieder unterbrech* Ich bin Sayo! Die eine Tochter von Moro, der Wolfsgöttin! Ich wurde dazu verpflichtet auf Akina aufzupassen und ihr zu helfen! *egal ob ich es wollte oder nicht… wir müssen eben zusammen bleiben!*  Wie sie, komme auch ich, aus dem Akuma-Wald! Und ich dulde es nicht länger, dass so über ihn gespottet wird! *Zähne fletsch*

Ich sah, wie Amaya allmählich Angst bekam. Und das war gut so, denn wir brauchten hier keine Freunde! Und Menschen waren nun mal unsere Feinde! Ich ließ meine langen Eckzähne ein Stück heraus gucken. Diese waren bei mir außergewöhnlich lang und brachten jeden erst einmal zum Stillschweigen!
Amaya fing an, in einer Schublade zu kramen, bis die etwas Glitzerndes und Klirrendes fand, und es zu mir geworfen hatte. Ich sah es bedeutungslos an und schaute nach dem begutachten Amaya an.

Ich: Wofür ist das gut?
Amaya: Das ist der Haustürschlüssel für deine Wohnung, Straße 42 5B. Und dann warte mal kurz… Ich werde dir jemanden besorgen, der dich dorthin bringen kann. *aus Fenster guck und die beiden Jungs entdeck*…*Fenster öffne und zu den Jungs schrei* He! Shin und Taiki! Ihr wartet da und bringt die Neue zu ihrem Haus! Ich werde sie euch runter schicken!! *zu mir wieder guck und leiser red* Du kannst runter gehen. Die beiden werden dich dann zu deiner Wohnung bringen. Du kannst dich ruhig mit den beiden anfreunden. Die sind richtig nett.
Ich: Das wünschst du dir vielleicht, aber sowas wird nie passieren! Ich HASSE Menschen! Und dabei wird es bleiben! Ich muss nur so lange hier wohnen, bis wieder Frieden herrscht!

Ich drehte mich um, damit Amaya verborgen blieb, dass es mir die Tränen in meine Augen schoss, wenn ich von meiner geliebten Heimat sprach, und ließ Sayo zuerst hinausgehen, dann knallte ich die Tür hinter mir zu und verschwand die Treppe hinunter. Beinahe wäre ich gegen die beiden Jungen gelaufen bzw. wäre einfach an ihnen vorbei gerannt. Wohin wusste ich zwar noch nicht, aber als mir einfiel, dass ich mich in meine eigene Wohnung verstecken könnte, gefiel es mir besser. Nur da war mir noch nicht bewusst, wie sehr diese Wohnung stank.

Der Kleinere: *mich muster* Hey. Dich sollen wir also ein bisschen herum führen? Wie heißt du denn?
Der Größere: Was für eine Schönheit. *grins*
Letzteres ignorierte ich mal ganz einfach, bevor es mich wütend machen konnte.
Ich: Also… ja… ihr sollt mich zu meiner Wohnung bringen. Und ich heiße Akina… wer von euch ist Shin und wer Taiki?
Der Kleinere: Dieser Junge hier *auf den Größeren deut*, der immer alle Mädchen anmachen muss, ist Taiki. Ein Romantiker, Charmeur, Frauenversteher und manchmal benimmt er sich wie ein Callboy. Und ich bin Shin… *grins*
Taiki: Nun sei doch nicht so hart zu dir!
Ich: Ah… ok… *dann werde ich mich mal lieber von den beiden fernhalten*… *meine Zähne durch ein Lächeln zeig* Wo ist meine Wohnung?
Taiki: Ach… du Schöne, deine Wohnung ist so leer… und ich bin auch so einsam… schlaf doch einfach bei mir, ja?
Ich: NEIN! *sauer werd* ICH BIN KEIN MENSCH!!! ICH HASSE MENSCHEN!!!

Plötzlich waren die beiden ganz ruhig und ich hatte meine Ruhe. Wir gingen schweigend los… endlich! Die beiden begonnen vor mir etwas zu reden. Ich hatte aber keine Lust, ihr Gespräch zu belauschen und schaltete ab. Auch wenn ich mich immer noch nicht wohl fühlte, ging ich, wie mir befohlen war, hinter ihnen her und vermied jegliche Berührung von den Menschen. Sayo lief schützend neben mir. So konnten die Menschen mich auf der einen Seite nicht berühren. Ich wollte zu anfang einfach kein zu großes Risiko eingehen. Auf diesen Fluch war ich nicht sehr stolz, aber was sollte ich dagegen tun?, fragte ich mich. Leider bekam ich ihn, als ich versucht hatte einen bösartig gewordenen Hirschgott zurück zu gewinnen und mit ihm gekämpft hatte. Das Böse war als lasches Feuer um ihn herum und als ich ihn dann berührte, ging der Fluch auf mich über und würde mich nun von innen auffressen. Außerdem vollbrachte er, dass, egal welche Emotionen ich für eine Person hegte, diese Person brennen würde, wie ich damals oder schlimmer. Aber ich war mit meinen Gedanken nicht ganz allein. Sayo konnte sie hören, solang ich keine Mauer um sie herum baute (natürlich nur bildlich in meinem Kopf). Sie konnte sie aus dem Grund lesen, weil sie mein einer eigener Dämon war. Es war schwer mit so vielen Lasten unbesorgt zu leben. Manchmal verzweifelte ich ¬¬¬fast daran, aber dann drängelte sich Sayo dazwischen und erinnerte mich, dass sie ohne mich wohl auch sterben würde. Und ihr Leben wollte ich nicht einfach beenden, weil ICH MEIN  Leben satt hatte. Von Moro hatte ich Ratschläge bekommen und hatte viel mit ihr trainieren müssen. Bis sie mich plötzlich ohne Vorwarnung losgeschickt hatte. Es war grausam für Sayo und mich. Wir sind viele Tage und Nächte gelaufen ohne einmal eine große Pause zu machen. Und allmählich machte sich die Müdigkeit in uns breit. Und so kam es, dass ich gegen Shin lief, der plötzlich angehalten hatte und zu wenig Aufmerksamkeit von mir bekommen hatte, um das rechtzeitig zu bemerken. Erschrocken und ängstlich sprang ich förmlich die Schritte wieder zurück und beobachtete, ob er sich krümmte vor Schmerzen. Aber er sah mich nur etwas verwundert über meine Reaktion an, drehte sich aber wieder weg als sich meine Gesichtszüge beruhigten und redete mit Taiki weiter. Und dann drehten sich beide wieder um. Nun war Shin etwas rötlich im Gesicht und Taiki richtete seine leuchteten Augen auf mich.

Taiki: Ach… jetzt sind wir leider schon da. Mein letztes Angebot: Soll ich nicht doch mit dir hinein, damit deine Wohnung nicht so leer, allein und verlassen ist? Ich könnte dir Gesellschaft leisten und dir viel über dieses Dorf erzählen.

Ich schüttelte abwesend den Kopf. Ich guckte mich genau um und musterte die Wohnung ganz genau. Es war klein, mit einem schwarzen Dach, die Räume sahen von Außen schon klein aus. Widerwertig, dachte ich und machte ein angeekeltes Geräusch. Ein paar Sachen standen unnütz in der Gegend herum. Ich blinzelte etwas ungläubig.  Dann entdeckte ich auch die Nummer an der Hauswand. Shin nahm meine Hand in der mein Schlüssel war und entzog ihn mir mit geschickten Fingern. Dann schloss er die Tür auf. Doch ich stand wie geschockt da und überlegte, wie es nur sein konnte, dass nichts passiert. Hätte er vor Schmerzen nicht zusammen zucken und sich am Boden krümmen müssen? Wie es normalerweise immer ist? Dann nahm er dreist meine Hand in seine und ging mit mir in die Wohnung.

Shin: Ich würde es eher kleines Häuschen nennen, aber okay. Wie gefällt es dir auf den ersten Blick?

Ich sah ihn leicht geschockt und fragend an. Dann ging mein Blick zu unseren Händen und wieder in sein Gesicht. Wieso passierte nichts? Ich konzentrierte mich noch nicht einmal, dass es ihm nicht weh tun sollte. Meinetwegen könnte er sich ruhig am Boden krümmen. Aber es passierte einfach nichts. Sayo drängte sich zwischen meine Gedanken: Vielleicht passiert aus dem Grund nichts, weil du ihn mehr magst als du vielleicht zugeben würdest? Ich hab doch gesehen, wie du ihn angesehen hast, als er vor dir lief. Und dein Herz schlägt auch nicht so, wie normal. Und schieb das jetzt nicht darauf hinaus, weil du nicht Zuhause bist und es hier so ungewohnt und fremd ist!

Ich versuchte ihre Gedanken zu ignorieren bis sie mir anfing etwas zu beichten:
Aus dem Grund habe ich… versucht… deine Kräfte zu bändigen… ich versuchte, sie zu unterdrücken und eine Mauer darum zu bauen. Nur leider kann ich diese nicht länger aufrecht erhalten. Es tut mir leid. Ab jetzt musst du vorsichtig sein und dich mehr unter Kontrolle haben.

Ich nickte zustimmend und entriss Shin schnell meine Hand. Dieser guckte mich fragend an, zuckte dann aber mit den Schultern: Oh…entschuldige. Du standest eben nur wie angewurzelt da und hattest dich nicht bewegt. Ich wollte dir die Wohnung zeigen und hatte wohl eben vergessen, dass ich deine Hand noch halte…*leicht rot wird*

Taiki hingehen guckte mich immer noch mit leuchteten Augen an und plötzlich platze er mal wieder mit etwas heraus, was er sich meiner Meinung nach,  hätte sparen können.

Taiki: Hach… ich mag deine Art! Deine Art, wie du so kühl, Gefühlskalt bist und deine Art wie du dich bewegst! Du bist so anders wie all die anderen Mädchen, die ich kenne. Wie schaffst du das nur?
Ich: Vielleicht, weil ich woanders herkomme? Weil mein Leben gar nicht so war, ist und sein wird wie eures?

Ich hätte noch mehr aufzählen können, aber das wollte ich nicht. Schluckte es stattdessen lieber hinunter und unterdrückte es.
Und dann vernahm ich schon die Rufe eines anderen Menschen. Es musste wohl ein Mädchen sein, denn Taiki drehte sich sofort um und stürmte aus meiner Wohnung. Ich roch leicht und bemerkte, wie sehr es hier nach Mensch roch bzw. STANK. Man konnte diesen Geruch einfach nicht mehr ignorieren. Ich drehte mich sofort um und kräuselte angewidert meine Nase. Ich stürmte nach draußen und legte mich neben meinem Häuschen auf die Wiese, die sich dort zum Glück ausbreitete. Sie war groß, weitläufig und war gut bewachsen mit viel Grün. Hier könnte ich wohl besser wohnen. Nachdem ich da lag, kam auch Sayo zu mir und legte sich zu mir. Über ihre Gesellschaft war ich froh. Als ich in den Himmel schaute, fing ich leise zu winseln an. Ich vermisste meine Familie und meine normale Umgebung, schlichtweg: meine Heimat. Was war nur passiert? Erschöpft schloss ich meine Augen und wollte mich entspannen in der Welt der Menschen. Doch da spürte ich eine Berührung an meinem Kopf und plötzlich war da etwas Weicheres. Meine Hand ging vorsichtig nach oben, dann öffnete ich meine Augen, weil ich es immer noch nicht wusste, was das denn war. Da sah ich genau in die wunderschönen blauen Augen eines Menschen. Ich unterdrückte einen Aufschrei und fing an, mich zu konzentrieren. Ich durfte ihm den Schmerz nicht antun. Er sah mich an und sein Blick glitt an mir herunter und wieder herauf bis er schließlich wieder in meine Augen blickte.

Shin: Du musst sehr viel durchgemacht haben. Tut mir leid. Wenn du Hilfe oder einen Ansprechpartner brauchst, kannst du gerne mit mir reden. Ich versuche dann, wenigstens in der Anfangszeit, immer für dich da zu sein.
Nach einer kurzen Atempause fügte Shin hinzu: Wenn es dir nichts ausmacht, kann ich dir eine Frage stellen?

Ich sah ihn an und nickte dann zustimmend.

Shin: Wieso warst du in dem Wald? Was ist passiert? Hast du deine Eltern verloren? Und was ist mit dem Wolf? Aus welchem Grund zuckst du bei jeder Berührung zusammen?
Ich seufzte: Bitte nicht so viel auf einmal… Ich werde versuchen, dir alles zu erklären.

Ich war erstaunt über mich selbst, dass ich wirklich vorhatte, ordentlich mit einem MENSCHEN  zu reden. Aber es schien so normal. Er war so nett und freundlich zu mir. Er bot mir seine Hilfe in dieser Welt an. Vielleicht hatte Moro recht, und es würde einen Neuanfang geben. Jedoch werde ich wohl nie die Vergangenheit vergessen, denn diese wird mich jeden Tag aus neue wieder einholen.

Ich: Also… In dem Wald wohnte ich, weil mich meine Eltern allein gelassen hatten und nun wahrscheinlich Tod sind. Moro, die Wolfsgöttin hat ihre zwei Kinder und mich aufgezogen. Sayo ist eine Gottheit, dazu bestimmt mit mir zu leben. Wir haben eine innere Verbindung eingegangen. Es passierte alles, als ich noch sehr klein war, deswegen weiß ich das meiste nur von Moro, die mir alles ziemlich genau schildern konnte. Und wegen den Berührungen… das… hat etwas mit einer bestimmten Sache zu tun…
Shin: Und was? Wenn ich fragen darf?
Ich: *seufz* Klar darfst du, die Frage ist nur, ob ich antworten werde.
Shin: Und? Wirst du?

In genau dem Moment verlor mein Körper den Boden und ich flog bis ich schließlich in den beiden Armen von Taiki lag. Ich klatschte ihm meine Hand mit all meiner Macht ins Gesicht. Er zuckte zusammen und ließ mich fallen. Ich landete wie eine Katze auf meinen Beinen und Taiki krümmte sich vor Schmerzen am Boden. Soll ihm ganz recht passieren! Ich wollte gerade wieder weggehen, als er wieder schmerzlich aufsprang und mir seine Lippen auf meine Wange presste. Zum Glück hatte ich den Kopf gedreht, mir schien als ob er auf etwas anderes gezielt hatte. Mit neuer Wut entfacht, drang ich in seine Gedanken ein und zerstörte sie fast. Er musste zum zweiten Mal eine harte Landung hinnehmen, aber so etwas ließ ich nicht mit mir machen! Ich war endlich mal froh, diese Fähigkeiten zu haben. Endlich blieb er am Boden liegen, aber wohl eher unfreiwillig. Shin sah mich etwas geschockt von der Seite an. Sayo riet mir, mich wieder unter Kontrolle zu bekommen und mich zu beruhigen und zu besinnen. Ich konnte nicht anders als zuvor noch einmal böse zu lächeln. Es nahm einfach die Überhand. Kurz schüttelte ich den Kopf, um wie aus Trance wieder zu erwachen. Ich baute eine Mauer um meine Kräfte auf und half Taiki wieder auf seine Beine, der mich so gleich wieder umarmte. Ich schleuderte ihn weg und er erlitt schon wieder das Brennen an der Haut, als er mich berührte.

Ich sah ihn an: Lass es doch lieber einfach. Du tust dir nur noch mehr weh. Gegen meine Gefühle, bzw. den Hass kann ich leider nichts machen… Shin? Nimm das Geschehen als Antwort an.
Taiki: Aber genau das ist es ja. Diese Neuheit, diese Unerreichbarkeit, diese Kälte gegenüber jedem, dein unbeschreibliches Aussehen,…
Ich: Es geht dir also nur darum? Um die äußeren Kleinigkeiten?
Taiki: Du lässt ja keinen an dich heran…

Ich zuckte zusammen. Damit traf er genau ins Schwarze und er hatte somit recht. Bis jetzt hing ich immer nur an Sayo, Moro und Suou.
Ich guckte mich um und rannte davon. Sayo folgte mir. Sie hatte mich schnell eingeholt und fragte, was denn mit mir los wäre. Ich meinte nur, dass ich Zeit brauchen würde… auch, um mich einzugewöhnen.
Und so verging eine Woche. Jeden Tag ging ich zum nahe gelegenen Wald, jede Nacht schlief ich auf der Wiese neben meinem Haus. Ich hielt mich insbesondere von Taiki und den anderen fremden Menschen fern, nur Shin traf ich hin und wieder und sprach drei bis vier Wörter mit ihm, ehe ich weiterging. Er war der Einzige, der mal von mir einen Blick bekam, der Einzige, mit dem ich redete, wenn ich irgendetwas brauchte. Ich musste leider zu verschiedenen Prüfungen in denen mein Können unter Beweis gestellt wurde und hatte deswegen nicht immer Zeit.
Und die zweite Woche begann mit etwas verstärktem Training, wo ich nichts gegen hatte. Ich hielt mich immer noch von sämtlichen Menschen fern, was nicht mehr unbedingt klappte, denn sie hatten mich in ihre Gemeinschaft aufgenommen. So verrückt das auch klang in meinen Gedanken. Von Shin hielt ich mich mehr und mehr fern. Er verursacht so ein bestimmtes Gefühl in meiner Magengrube, das ich nicht zu erklären vermochte. Dieses Gefühl mochte ich definitiv nicht und ich versuchte es, mit dem nicht sehen von Shin, zu vermeiden. Doch da kam dann auch ein komisches Gefühl, was mir viel mehr Schmerzen verursachte als das Bauchgefühl. Es wurde immer schlimmer desto länger ich ihn nicht sah. Also ging ich planlos durch das Dorf, gefolgt von Sayo, in der Hoffnung ihn zu sehen. Irgendwann hatte ich das Laufen satt und setzte mich auch den Rand eines Brunnens. Sayo setzte sich vor den Brunnen und trank erst einmal etwas. Mein Blick schweifte durch die Gegend und ich sah die vielen Pärchen, die am Brunnen saßen. Mein Blick verdüsterte sich. Wie kann man nur…? Dann kam Takeru und setzte sich zu mir.

Takeru: Na, wen suchst du hier?
Ich: Wieso fragst du? Wie kommst du darauf?
Takeru: Weil du dich sonst an so einem Ort nie Blicken lässt. Also gehe ich mal davon aus, dass du etwas Bestimmtes hier willst. Da du nicht gehst sondern hier sitzt, wartest du auf jemanden oder suchst wen, richtig?
Ich: Hmpf… ja ich suche Shin.
Takeru: Siehst du. Ach ja… entschuldige, aber du sollst zu Amaya kommen. Sie will etwas mit dir besprechen… *Augen verdreh*
Ich: Okay… dann werd ich mal gehen.
Takeru: Ja wäre besser. Sonst bekommt sie wieder einen furchtbaren Ausraster…
Ich: O-kay… ähm… Kannst du Shin sagen, dass ich ihn gesucht habe? Wenn du ihn siehst…?!
Takeru: Ja klar, kann ich machen. Da wird er sich bestimmt freuen!
Ich: Wieso?
Takeru: Mist… vergiss es! Ich hab nichts gesagt! Shin wird ausrasten, wenn…
Ich: Wenn?
Takeru: Nichts… ähm… ich muss los. Ich glaub, ich wurde eben gerufen. Bis dann.

Und schon lief Takeru davon. Ich blickte ihm nach. Dann fiel mir wieder ein, dass ich zu Amaya gehen sollte.
Nachdenklich schlich ich durch die nicht viel begangenen Gassen. Ich vermied die breiteren Wege mit den vielen Menschen. Es war immer noch zu viel für mich. Auf so eine Dauer mit so vielen Leuten konnte ich meine Fähigkeit noch nicht einschränken.  Sayo lief geduldig neben mir. Irgendwann legte ich ihr wieder meine Hand auf ihre Schulter. Das tat ich dauernd und es beruhigte mich furchtbar. Ich wusste nicht, was bei Amaya auf mich zu kam. Die Unsicherheit war nervenaufreibend. Kurz überlegte ich, ob ich nicht einfach umdrehen und es bleiben lassen sollte. Vielleicht sollte ich einfach wieder nach Hause gehen. Ich gehörte hier einfach nicht her…!, grübelte ich.
Jedoch stand ich nach ein paar Gassen vor dem riesigen Haus. Ich schaute von unten nach oben bis zum Dachgiebel. So riesig wie heute hatte es noch nie ausgesehen. Danach ging ich in das Gebäude hinein. Die Frau unten schickte mich auf das gleiche Zimmer, wie bei meinem ersten Besuch.

Frau: Ja, aber du solltest dich beeilen. Amaya hat nicht sehr viel Geduld…

Ich nickte und verschwand dann die Treppe hinauf. Leise schritt ich durch den Gang und klopfte behutsam an die Tür. Es gab ein lautes, energisches „Herein!“ zu hören. Ich öffnete die Tür und ließ zuerst Sayo eintreten, erst danach ging auch ich hinein und schloss die Tür hinter mir. Amaya bedeutete mir mich hinzusetzen. Doch ich blieb lieber stehen. Amaya schien sich damit abzufinden und winkte mich zu ihr.

Amaya: Schau aus dem Fenster, siehst du das alles hier? Das ist mein Dorf was ich beschützen muss. Ich muss hier für alles Sorgen. Es ist eine harte Aufgabe manchmal, aber ich tue das gerne. Immerhin habe ich Helfer, die mich unterstützen. Du bist nun schon seit zwei Wochen hier und ich finde, dass es an der Zeit ist, dass auch du mal mehr siehst und deine Fähigkeiten einsetzt. Ich habe dich bei deinem Training oft beobachtet und war verblüfft wie leicht das alles für dich war. So jemand ist selten und nicht oft vorzufinden! Aus diesem Grunde habe ich nun deine erste richtige Mission für dich. Vergessen wir den Anfang und kommen gleich zu den Richtigen. Wir brauchen dich. Ich habe hier eine Rolle für dich und dort steht alles drinnen, was du wissen musst. *mir eine Rolle geb* Morgen kannst du losziehen. Hier im Dorf bist du außerdem nicht sehr gut aufgehoben. Du warst und bist lieber im Wald, ich weiß. Deswegen wird es dir gefallen. Du wirst diese Mission alleine machen. Wenn du nur EINE  weitere Person mitnimmst könnte diese Mission tödlich für diese Person enden. Und das wollen wir ja nicht. Also mach einen schönen allein Gang ohne nervige Menschen. Wir werden dir dankbar sein.

Als ich begriffen hatte, dass es so üblich war und ich es tun musste, überlegte ich nicht viel länger. Nickend nahm die Rolle in meinen Besitz und trat zurück neben Sayo. Ich unternahm ein kurzes Gespräch mit ihr in Gedanken, um abzuklären, was sie davon hielt.

Sie dröhnte wie eine Stimme aus einem Verstärker: NEIN! Tu es nicht!! Ich weiß wie das endet. Lass es! Mir zu liebe. Wieso schicken sie wohl DICH dorthin?
Ich: Ich weiß nicht. Vielleicht bekomm ich dann mehr Anerkennung? Sieh das Positive daran: Wir sind alleine, unter uns, kein Mensch endlich Ruhe. Vielleicht könnten wir sogar danach wieder nach Hause! Vielleicht ist dann endlich wieder alles ok und normal.
Sayo: Nein. Nichts wird ok sein! Lass es sein. Bitte! Du weißt doch hoffentlich, dass wenn dein Herz…
Ich: *sie unterbrech*Ja, weiß ich. Das wird schon nicht passieren! Ich kann mich sehr gut alleine verteidigen. Wieso sonst wurde ich zu Hause von den Menschen „der Teufel der Tiere“ genannt? Sie wussten schon warum!
Sayo: Du vergisst, dass du ein normaler Mensch bist, der auch verwundbar ist! Akina, ich bitte dich! Ich flehe dich an, wenn es sein muss!

Und plötzlich lag sie vor meinen Füßen und dachte immer wieder nur „Bitte, bitte tu es nicht!“. Ich hatte das Gefühl, dass sie mehr wusste als ich, aber sie wollte nicht so recht mit mir darüber reden. Was sollte das? Ich versuchte in ihre Gedanken zu kommen, um mehr darüber zu erfahren. Doch es war zu spät. Sie hatte meine Anwesenheit gespürt und eine Mauer darum erbaut. Ich sah sie wütend an, sie stand auf, um mir ihren Widerstand auch in ihrer Körperhaltung zu zeigen. Ich war sauer.

Sie anguckend, fing ich zu grinsen an und sah zu Amaya: Okay… wir übernehmen das.

Ein Knurren kam aus Sayos Maul, aber ich zuckte nur mit den Schultern, drehte mich um und ging zu der Tür hinaus.
Ich ging die Treppe in einem schnellen Tempo hinunter und kaum draußen fing ich an zu rennen. Ich rannte schnell durch all die Gassen zurück zu meinem Haus. Doch als ich ankam, lag Sayo schon im Gras und schaute mich immer noch wütend an.

Ich: Ach komm schon Sayo. Das wird lustig! Es ist abwechslungsreich und wird mal unsere Fähigkeiten benötigen und unter Beweis stellen! Wovor hast du Angst? Das ich wirklich sterbe? Du weißt, dass das bei mir nicht sehr leicht funktioniert! Oder etwa…
Sayo: Hör auf damit! Deine Lebenszeit ist schon von alleine sehr begrenzt! Übertreib es nicht. Ich muss auch darunter leiden. Ich muss dir immer folgen, fühl mich mittlerweile wie ein Kindermädchen für einen Menschen. Ich hatte es mir etwas anders vorgestellt.

Ich zuckte bei dem Gedanken zusammen. Sie hatte recht. Mit allem. Meine Lebenszeit war schon genug begrenzt, sie musste unter all meinen Handlungen leiden und auch mit mir sterben. Momentan hatte ich sie etwas außen vor gelassen.
Ich: Es tut mir leid! Wirklich. Ich war so verwirrt, mit anderen Sachen beschäftigt…dachte nicht daran… entschuldige!

Sayo schaute mich noch kurz prüfend an, nickte dann und ihr Blick glitt an mir herunter bis zu meinen Händen. Sie knurrte. Ich seufzte.

Ich: So weit ist es noch nicht. Glaub mir!

Ich entfernte meine Armstulpe ein Stück und sie konnte sehen, dass alles normal war. Sie kam näher und schleckte mir über meine Wange.

Sayo: Du bist eben doch mein Schwesterchen.

Ich nickte und schloss meine Augen, glücklich, dass sie nicht auch den anderen sehen wollte, denn da war es schlimmer geworden. Für einen Moment fühlte es sich wie zu Hause an, als ob alles beim Alten wäre. Als ich meine Augen wieder öffnete, zuckte ich zusammen. Ich schloss und öffnete sie wieder, um sicher zu gehen, dass es wahr war. Dann bemerkte ich plötzlich, dass eine Person an unserem Haus stand und begann sie zu mustern. Sie musste Sayo und mich beobachtete haben. Sie kam näher und trat aus dem Schatten hinaus in den jetzt vorhandenen Mondschein. Sayo und ich hatten viel geredet und nicht auf die Zeit geachtet die mittlerweile vergangen war.

Person: Ich wollte euch nicht stören. Es sah wie ein Gespräch zwischen euch beiden auf Augenbasis aus…
Ich: Shin…danke… *leicht stotter* das…äh… war es auch.
Shin: Ich hab gehört, du hast mich gesucht?
Ich: Hat Takeru es dir gesagt?
Shin: Ja…wie mans nimmt. Wenn es „ja“ heißt, dass er es laut durch die Gegend schreit, dann schon.
Ich: Ouh…*genervt* Na ganz toll… Hier verbreitet sich auch alles recht schnell oder?
Shin: Ja. Sag mal, musst du wirklich weg?
Ich: *verwirrt guck* Wie jetzt?
Shin: Na… zu einer Mission…?
Ich: Ah… so… ja… Da besteht eine. Morgen muss ich los.
Shin: Ich werde dich begleiten!
Ich: Das geht nicht. Ich soll sie alleine durchführen.
Shin: Was ist das denn für eine? Wo musst du hin?
Ich: Das muss ich noch in dieser Rolle nachlesen.
Shin: Gib mal her.
Ich: Nein!
Shin: Bitte! Hör mal… wegen einer bestimmten Mission hab ich schon meinen Bruder verloren. Ich will nicht noch jemanden verlieren, der mir wichtig ist! Immerhin, wer soll sonst auf dich aufpassen? Außerdem war die Zeit hart, als du dich mir nicht gezeigt hast. Jeden Tag tat es mehr und mehr weh. Du kannst es dir nicht vorstellen…
Ich: Doch, denn mir tat es auch weh. Vielleicht nicht so sehr wie dir, aber es war schon ein Schmerz da.
Shin: *seufz* Wie hab ich mir das gewünscht und dennoch schmerzt es, das zu hören.
Ich: *Schritt zurück trett* Ich bin müde. Also wenn du bitte gehen würdest?
Shin: Wieso? Wir können doch auch in dein Haus gehen.
Ich: Du verstehst nicht. Ich will morgen ausgeschlafen sein. Nun geh bitte. Tu mir den Gefallen! Und das Haus stinkt furchtbar nach Mensch!
Shin: Okay. Ich versteh schon. Ich werde dann wohl gehen… und ich dachte…
Ich: Was dachtest du?
Shin: Nichts… Ich werde jetzt gehen.
Ich: Hey… Ich wollte dich nicht verärgern.
Shin: Ich weiß. Du willst vieles nicht. Du bist anders als alle Mädchen, die ich je zuvor getroffen habe.

Kurz ich schaute in den Himmel hinauf und überlegte. So kam es, dass Shin doch noch bei mir blieb. Er schlief auf der andren Seite von Sayo ein. Leider streikte Sayo, wenn wir beide nebeneinander schlafen wollten, aber es war schon ein komisches Gefühl. Ich diskutierte noch lange mit Sayo bis diese ermüdet vom streiten einschlief. Ich schaute noch in den nächtlichen, Sternen besetzten Nachthimmel, den ich so liebte. In meiner Heimat gab es so viel mehr Sterne… Wie es da jetzt wohl ist? Wie sehr wünschte ich mir jetzt dort zu sein. Aber das ging nicht. Ich hatte nun also definitiv eine Mission und fing an, mich einzuleben. Ich fing an, zu versuchen mit Menschen auszukommen. Etwas Unglaubliches war passiert. Ich ging nochmal alle Erlebnisse durch. Alles, woran ich mich erinnern konnte. Auch wenn ich die Vergangenheit so hasste. Doch ohne Vergangenheit kann man nicht leben, ohne Leben gibt es nur noch Tod.
Irgendwann fielen auch mir die Augen endgültig zu und ich schlief ein.
Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf. Die Sonne war erst gerade dabei aufzugehen. Es war erst leicht hell im Osten. Ich stand auf und ging erst einmal in mein Haus. Ich bemerkte, dass ich hier wirklich nicht wohnte. Alles stand noch so wie am Anfang, es war alles leer und unberührt. Nein, das hier war kein wirkliches Leben. Hier lief ich nur vor der Wirklichkeit weg. Ich musste wieder frei sein und nicht in diesem Gefängnis sitzen. Meine paar Sachen packte ich in eine Tasche, legte diese über meine Schulter trat wieder nach draußen und legte den Schlüssel behutsam neben Shin. Eine Decke hatte ich extra für ihn mit raus genommen und deckte ihn damit zu. Nun konnte ich los. Ich winkte Sayo leise zu mir und fing an los zu gehen. Am Tor begutachteten uns die beiden Wächter erneut.

Kazuki: Gehst schon wieder weg?
Ich: Nein… ja. Auf meine erste Mission.
Nobu: Du hast jetzt schon so eine Mission?
Ich: Ja, warum denn nicht? Ist das so ungewöhnlich?
Nobu: Ja, so etwas ist wirklich selten. Das letzte Mal war bei…
Kazuki: *Nobu unterbrech* Das letzte Mal ist lange her. Nun geh doch bitte. Und pass auf dich auf. Die Welt hat viele Gefahren!
Ich: Danke, aber das wusste ich schon.

Ich ging an den beiden vorbei dicht gefolgt von Sayo.

Sayo: Ich mag die beiden irgendwie nicht. Die hatten irgendetwas vor uns zu verbergen.
Ich: Hab ich auch bemerkt, aber was solls? *Schultern zuck*

Ich fing an über den leichten Sandboden zu laufen. Sayo trabte kurz hinter mir. Sie war immer noch wegen der Mission unzufrieden und sauer auf mich. Ich ließ sie in Ruhe, damit sie sich beruhigen konnte. Mehr könnte ich nun mal nicht machen.
Nach einer Zeit des Laufens stupste mich etwas nasses Großes an der Schulter an. Das war dann wohl Sayos Nase. Jetzt spürte ich auch wieder deutlich ihre Anwesenheit in meinem Kopf.

Sayo: *laut sprechend* Es… es tut mir leid. Ich habe wohl etwas überreagiert. Ich weiß auch nicht wieso…
Ich: Ist schon okay Sayo. Ich kann dich verstehen…

Es kehrte wieder Stille ein. Jeder hing seinen oder den Gedanken des anderen hinterher. Es war beruhigend. So gingen wir zwei Tage durch ohne eine Pause zu machen. Erst in der Nacht auf den dritten Tag schlugen wir unser Lager auf.

Sayo: Das tut echt gut. Endlich mal wieder unterwegs zu sein. Die Welt zu sehen. Es gefällt mir im Nachhinein sehr. Danke, dass du doch zugestimmt hast.
Ich: Ist doch normal *grins*. Naja was soll man auch anderes machen? Ich hätte da keinen weiteren Tag bleiben können. Nur Shin war dort.
Sayo: Na sind da etwa Gefühle im Spiel?
Ich: *verwirrt* Gefühle? Wie Gefühle? Gefühle für einen MENSCHEN? Einen von IHNEN? Niemals!
Sayo: Scheint mir aber ganz so. Es ist viel passiert in letzter Zeit.
Ich: Aber nicht so etwas! Er ist zu durchschaubar. Er ist wie alle Menschen.
Sayo: Jetzt sei doch nicht so negativ.
Ich: Es stimmt doch und wenn da mehr wäre, dann allerhöchsten nur Freundschaft. Also wenn es dir nichts ausmacht, werde ich in den Wald und noch etwas an den Fluss, was trinken, gehen.
Sayo: Ist okay. Sei aber vorsichtig! Wenn was ist…
Ich: Ich weiß, dann schrei ich laut, auch in Gedanken. *zwinker*

Sayo nickte und ich fing zu laufen an. Den Fluss hatten wir ein Stück vor unserem Lager gefunden. Also musste ich so zusagen ein Stück wieder zurück gehen. Ich lief mal wieder sehr schnell, als ich plötzlich Bilder in meinem Kopf sah. Ich zuckte zusammen und sank zu Boden.
Im nächsten spürbaren Moment schnappte ich nach Luft. Meine Lunge fühlte sich furchtbar verkrampft an und ich lag unbequem. Was war nur passiert? Ich sah wieder diese Bilder. Dieses viele Feuer, überall… viele Tote lagen herum. Wo war das nur? Was hat das zu bedeuten?

Sayo: *in meinen Gedanken* Nein! Das… das darf nicht wahr sein!

Ich spürte wie sie neben mir hochschrak und nervös hin und her lief. Zwischendurch konnte ich sie noch knurren hören. Ihre Reaktion war mir schleierhaft. Ich ging die Bilder in Gedanken noch einmal durch. Wurde jedoch gestört von einer Stimme, die über mir war.
Stimme: Sayo beruhig dich. Gaaaaaanz ruhig. Leg dich wieder neben Akina. Das beruhigt sie.

Nun wurde es klarer für mich. Ich schrak hoch, öffnete meine Augen blitzschnell und schrie aus voller Kehle: NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!!!!

: Autsch… Man… das tut weh. Musst du immer so schreien und dich so schnell bewegen? Demnächst brichst du mir noch alle möglichen Knochen!
Ich: *mich umseh* Ouh… tut mir leid, Shin. Ich hatte es nicht bemerkt… Ich wusste nicht mehr, wo und was passiert war. Ich lag nur etwas unbequem…
Shin: Tut mir leid. Ich musste dich irgendwie wärmen. Du warst total unterkühlt, als ich dich fand. Zum Glück bin ich dir gefolgt. Sonst wäre wohl etwas schief gegangen.
Ich: Wie lange habe ich geschlafen?
Sayo: Zu lange.
Ich: Sind die… ist das wirklich…?

Ich schaute Sayo erwartungsvoll an. Die nickte nur zustimmend mit dem Kopf. Ich fluchte, stand auf, wobei ich mehr acht darauf gab, Shin, auf den ich wohl die Nacht über gelegen hatte, nicht wieder so achtlos zu verletzen.

Shin: Was ist los?
Ich: Ich kann es dir nicht erklären. Ich werde ALLEINE  weiter gehen. Du bleibst hier! Das wäre wirklich zu gefährlich für dich. Bitte vertrau mir! Bitte, bleib hier.

Ich flehte ihn an und er gab zum Glück nach. Schon bald machte er sich auf den Heimweg. Und auch ich zog mit Sayo los. Um schneller voran zu kommen, setzte ich mich auf Sayo und diese lief dann, so schnell sie konnte, für uns beide.
Als ich so auf ihrem Rücken saß und sie ein angenehmes Tempo hatte, schob ich meine aus Fell bestehenden Armstulpen zur Seite und seufzte hart. Ich zog mein T-Shirt etwas höher und seufzte noch mehr. Dann zog ich es wieder herunter.
Nach einer Weile machten wir Pause an einem See, um etwas zu trinken. Sayo trank schnell, auch ihr Atem ging stoßweise. Ich sah sie an und überlegte, ob ich sie etwas zu sehr gescheucht hatte? Oder hätte sie eher von sich aus stoppen sollen? Sie hatte sich selbst übernommen. Nun mussten wir wohl eine längere Pause machen als geplant. Ich sah sie verführerisch an. Sie schüttelte nur mit dem Kopf, doch da war es schon zu spät. Ich hatte das T-Shirt ausgezogen, die Armstulpen abgenommen, das Fell abgebunden und sprang gerade ins Wasser. Es war kühl, es tat meinem Körper gut. Es machte mich wacher. Ich tauchte eine Weile. Als ich wieder auftauchte, war Sayo gerade dabei sich zu putzen. Beim hinein springen hatte ich sie wohl etwas nass gemacht. Sie schaute mich böse an.

Ich: Ach man… Komm schon. Spring rein! Das wird dir auch gut tun!
Sayo: Aber… du… man sieht zu viel…
Ich: Ach quatsch… wer soll denn hier her kommen und etwas sehen? Wir sind alleine! Unter uns… nun komm, spring endlich rein!

Und da nahm Sayo schon Anlauf und sprang ins Wasser, genau vor mir. Es gab eine riesige Welle und ich tauchte erst einmal unter. Als Sayo wieder auftauchte, hatte sie den Drang mir noch etwas zu sagen.

Sayo: Du weißt aber, dass wir noch etwas anderes vorhaben und das eigentlich wichtiger ist und wir uns beeilen sollten?
Ich: Ja schon… aber unausgeruht, wenn uns alle Knochen wehtun… Da können wir ihnen auch nicht helfen, verstehst du?

Sayo nickte und stieß mich um. Leider konnte ich in dem See nicht so recht stehen. Ich tauchte unter und griff Sayo von unten an. Ich zog ihr die Hinterbeine weg und sie tauchte unter. Ich tauchte schnell wieder auf und schwamm vor ihr weg. Als ich anhielt und mich umschaute, sah ich ihr nasses Gesicht und musste lachen. Es war so natürlich und befreiend. Wir tollten ein bisschen in dem See herum. Vergaßen die Welt um uns herum, bis ein Wolf am Rand des Ufers erschien. Sayo fiel er zuerst auf. Sie fing sogleich zu knurren an. Sie schwamm zu dem leuchtendem grau-braunen Wolfsmännchen und versuchte ihn zu verscheuchen. Ich sah die beiden erschrocken an. Er war zwar nur ein Wolf, aber wer konnte sich zu so einer Zeit in solchen Sachen noch sicher sein? Sayo schien ihn herauszufordern. Er knurrte kurz und bleckte seine Zähne, aber dann zog er es vor lieber abzuhauen. Im Gegensatz zu Sayo war er recht klein. Obwohl auch er etwas größer als normale Wölfe war.

Ich: Sayo? Ich glaub, das war kein gewöhnlicher Wolf…
Sayo: Ja, das dachte ich auch. Aus dem Grund habe ich ihn versucht zu vertreiben. Los komm, wir müssen dringend weiter. Zieh dich wieder an.

Ich nickte nur. Sayo gab mir meine Sachen und ich zog über dem nassen Top mein T-Shirt wieder drüber. Auch mein Rückenfell band ich mir wieder um, sowie meine Armstulpen kehrten zurück zu ihrem Platz. Der Schock, dass hier noch ein Wolf war, lag mir noch leicht in den Knochen. Dieser Blick… Sein Blick war nicht der eines wahren Wolfes. Er war nicht wild genug und auf mich gerichtet, STUR  auf mich. Sayo stimmte mir zu.
Wir liefen und kamen unserem Zuhause immer näher. Ich roch den Geruch von totem Fleisch und verbranntem Holz. Ich stutzte. Das durfte nicht wahr sein.  Sayo fing zu sprinten an, gab ihre letzten Kraftreserven für den Lauf. Für sie war der Weg anstrengend gewesen. Sie musste sich beeilen, dabei trotzdem sicher laufen und sich nicht überanstrengen. Um es ihr zu erleichtern, stieg ich von ihr ab und rannte in den dicht bewachsenen Wald hinein. Wir liefen mit der Zeit um die Wette. Liefen zu unserem Felsen, wo wir früher lebten. Als wir dort ankamen war er leer und verlassen. Moro und auch Suou waren nirgendwo zu finden. Wir sahen auf den vor uns liegenden Wald hinunter. Uns blieb der Atem stocken. Wir glaubten das einfach nicht. Der Wald hatte seine alte Schönheit verloren. War zerstört worden durch Menschenhand. Ich konnte es nicht glauben. Sayo fing zu knurren an und meine Wut stieg immer mehr. Wir entdeckten ein großes Gebäude am Rande des Waldes, wo eigentlich der Waldrand hätte sein müssen. Ich sprang von dem Vorsprung hinunter und lief unten angekommen sofort weiter abwärts.

Sayo folgte mir, lief neben mir und sagte: Spring auf. Hier bist du zu langsam!

Ich gehorchte ihr und sprang von der Seite auf ihren Rücken. Sie beschleunigte sofort und schlug Hacken um die Bäume. Wir hörten, wie unten alles zerstört wurde. Wie ein Baum nach dem anderen gefällt wurde. Wie ein Tier nach dem anderen ermordet wurde. Wie die Menschen auf die Tiere schossen und sich immer weiter in den Wald fraßen. Tiefe Wut gewann endgültig die Oberhand. Ich fing förmlich zu brennen an. Endlich an der Mauer zu dem großen Gebäude angekommen, schwang Sayo mich nach oben und ich war auf der anderen Seite der Mauer. Die Menschen, die dort waren, schauten verblüfft und gaben sofort Alarm.

Sie schrien: Der Teufel ist wieder da! Der Teufel der Tiere, auf sie!

Ich zog mein Doppelschwert aus meinem Rückenfell hervor und verletzte jeden Menschen, der an mir vorbei ging, tödlich. Die alte tiefe Wut und die Abscheu machten es möglich. Mein Doppelschwert war ähnlich lang wie ein Samuraischwert, aber breiter mit einer Klinge, die auf der Hauptkampfseite schlicht war, wobei die andere Seite es in sich hatte, weil diese gezackt war und deren Zacken waren zwar groß, aber hatten dennoch Ähnlichkeit mit widerhacken, die unterschiedlich groß und tief waren. Der Parier war rund, klein und schlicht war mit einer leichten Biegung zu dem Griff, der auch schlicht gehalten wurde. Der Knauf war kaum verdickt, hatte dennoch die leichte Form einer Wolfspfote mit einer kleinen Klinge am Ende, die wie die Kralle eines Wolfes leicht gebogen und sehr spitz war.
Ich ging in das große Gebäude hinein. Hinter mir lagen nur noch Tote. Wie wild hatte ich mit meinem Messer um mich gefuchtelt. Der Boden war nur noch rot von dem vielen Blut, das aus den toten Körpern floss und kaum wiederzuerkennen war. Die große Tür war schwer aufzubekommen, aber ich schaffte es. Drinnen angekommen war der Raum ziemlich hoch und geräumig. Ich schaute erst zur Decke hinauf und dann glitt mein Blick wieder herunter auf eine Person, die im Dunklen stand und man deswegen nur die leichten Umrisse erkennen konnte, die auf einen schmalen Mann hindeuteten, die plötzlich am anderen Ende erschienen war. Mein Griff um mein Schwert wurde fester und ich fing an, auf der Mann zuzulaufen.

Ich schrie sie an: Wer bist? Was macht ihr hier und wieso zerstört ihr alles?

Der Mann rührte sich nicht. Er machte keine Anstalten zurückzuweichen. Ich lief weiter auf den Mann zu. Und dann, dann fing der Mann zu lachen an.

Mann: Ihr Menschen seid doch alle gleich erbärmlich. Und so leicht verletzbar.

Als erstes fiel mir nun auf, dass der Mann doch tatsächlich größere Fangzähne hatte als ich. Ich konnte das nicht glauben. Dann bemerkte ich seine langen, blonden Haare, die verwuschelt auf seinem Kopf lagen. Dann schnellte mein Blick zu seinen blutroten Augen hinunter zu seinem blutroten Mund. Er hatte gerade mal eine lässige, blaue Hose an, doch sein Oberkörper war nicht sehr muskulös. Sein gesamter Körperbau war eher unauffällig und seine Haut war äußerst blass, eher leichenblass.
Dennoch hatte er nicht „ihr Menschen“ gesagt? Also ist er kein normaler Mensch?

Mann: Oh dein Gesicht erzählt Bände. Und dein Geruch *tief einatme* ist verzaubernd. Nur einmal kosten… Oh wie wär das schön…

Mein Schwert wollte gerade auf ihn niederfahren, als er mein Schwert mit seiner Hand abwerte. Es floss kein Blut heraus. Was war das nur für eine Gestalt? Er entzog mir mein Messer aus meiner Hand, drehte mich in ihn ein und hielt mir die Klinge an die Kehle. Mir entglitt ein kurzes Keuchen der Anstrengung. Eine seiner sehr kühlen Hände landete auf meinen Kopf und drückte ihn zur Seite, sodass mein Hals frei wurde. Das passierte innerhalb sehr kurzer Zeit. Es war zu schnell für mich, obwohl ich ansonsten selbst die schnellere war und schnelle Bewegungen gut zu ordnen konnte. Sein Kopf senkte sich zu meinem Hals immer weiter hinunter. Seinen Atem konnte ich schon auf meiner Haut spüren. Er war genauso kalt wie alles an diesem wie aus Stein bestehenden Mann. Ich traute mich noch nicht ihn als Menschen zu bezeichnen, selbst in Gedanken, weil es so abwegig schien. Bevor er sich noch weiter herunter beugte, hörte man ein Klirren und vom Dach sprang scheinbar etwas hinunter. Es fiel. Es war groß. Der Mann stieß mich beiseite, mit einem deutlich vernehmbaren Seufzer. Ich fiel zu Boden, landete schwach, rollte mich ab, dass damit endete, dass ich auf dem Rücken lag und nach oben schaute. Die Decke bestand nur aus Glas und durch das Loch war sie instabil geworden und sackte zusammen. Tausend Stücke Glas, die wie tausend Diamanten in dem Mondlicht glitzerten, fielen wie in Zeitluppe auf mich herab. So sah ich, wie sich die Stücke drehten und wanden. Ich war wie gelähmt, total fasziniert, wie in Trance. Da schrak ich zusammen und drehte mich blitzartig um. Genau rechtzeitig, denn plötzlich klirrte alles um mich herum und ich spürte viele Stiche überall an meinem Körper. Darauf folgten ein großer Knall und eine furchtbar schreiende Person, deren Schrei durch Mark und Knochen ging. Zwei riesige Gestalten waren noch für mich wahrzunehmen. Erst dann verlor ich vollkommen mein Bewusstsein.
Aus Instinkt wollte ich mich sofort Bewegen als ich wieder zu mir gekommen war, aber ein Schmerz durchzog meinen Körper und ich zuckte leicht zusammen. Ich schlug die Augen auf, die nicht sofort scharf waren. Ich erinnerte mich an diesen schrecklichen Mann. Ich wusste, was passiert war. Als meine Augen wieder scharf sehen konnten, blickte ich in das Gesicht eines unbekannten, jungen Mannes. Grübelnd schaute ich genauer hin, denn irgendwoher kannte ich diese Gesichtszüge. Ganz eindeutig!

Mann: Ah… sind wir auch mal wieder zu uns gekommen? Keine Sorge, ich habe ihn erledigt. Mithilfe von deinem Wolf.
Ich: Sie… gehört mir nicht.
Mann: Okay… was ist sie dann?
Ich: Meine Schwester, gute Freundin und eine von den in mir versiegelten Göttinnen.
Mann: *schock* *Mund offen hab* Wow… das… das hätte ich nicht gedacht.
Ich: Man denkt vieles nicht.
Mann: Du hast aber mehrere Dämonen und Götter, oder?
Ich: Wieso…? Woher weißt du das?

Allmählich kam ich wieder vollständig zu Bewusstsein und wurde wacher, folgte dem Gespräch aufmerksamer. Wer war ER  nur?

Mann: Ich musste deinen Rücken versorgen. Da waren lauter Glassplitter und Wunden wegen dem Glas. Das musste ich alles erst einmal behandeln. Auf dem Rücken… ist das der Tigergott Tora?

Ich nickte überrascht.

Mann: Und vorne auf deiner Brust, die Narbe und das Siegel… Dann ist das von Sayo?
Ich stutze noch mehr: Woher kennst du ihren Namen?
Mann: Nachdem wir Seite an Seite gekämpft hatten und ich dich geheilt hatte, erzählte sie mir einiges. Darunter, dass du eine Hälfte ihres Herzens hast und die Narbe daher stammt. Auch ihren und deinen Namen verriet sie mir. Ich muss schon sagen, du hast echtes Glück mit allem.
Ich: Wer zum Teufel bist du? Deine Gesichtszüge… ich kenne sie irgendwoher! Und außerdem HABE  ich kein Glück! Es wäre besser, wenn alles anders gekommen wäre.
Mann: Tja, das kann ich dir sagen. Du kennst doch Shin, richtig? Na ja, er ist mein kleiner Bruder. Ich bin der Älteste aus unserer Familie. Ausgestattet mit einigen Fähigkeiten…

Fähigkeiten… Da fiel mir etwas wieder ein. Geschockt schaute ich ihn an. Irgendetwas war hier faul. Er krümmte sich nicht. Dabei hatte ich schon ein paar kleine Ausraster bekommen und ich lag immerhin halb auf seinem Schoß. Als ich das bemerkte, wollte ich aufspringen, aber vor Schmerzen fiel ich wieder zurück in seine sicheren Arme. Ich musste gestehen, dass ich mich irgendwie wohl fühlte. Er hatte so eine sichere Atmosphäre.

Ich: Wie heißt du eigentlich? *böse zu Sayo guck* Und wieso macht dir mein… meine… Fähigkeit nicht zu schaffen?
Mann: *grins* Ich bin Akio. Und nun ja… Ich habe eine Art Blitzableiter in der Hinsicht, sprich deine Fähigkeiten können mir nichts anhaben.

Dass es so jemanden gibt, hatte ich bezweifelt. Ein Traum wurde Wirklichkeit für mich.
Akio: Nun ja… bei mir zu Hause, wenn ich es denn noch so nennen kann, wird es wohl mittlerweile schon heißen, dass ich, *ironischer Unterton* der ach so besondere Junge, bei meiner Mission gestorben bin, oder?
Ich: Das weiß ich nicht so genau, aber irgendwie sowas wurde angedeutet. Wieso?
Akio: Ach… ich frag nur so. Mir gefiel das Leben einfach besser als herumstreunender Wolf. Ich hatte etwas gesucht
Ich: Und was, wenn ich fragen darf?
Akio: Du würdest lachen, wenn ich es dir erzählen würde.

Ich schüttelte den Kopf, doch er schwieg. Bis er sich aufraffte und seinen Part zu sprechen übernahm.

Akio: Aber na ja… in all der Zeit kam nichts dabei raus. Ich glaube es wird Zeit, dass ich wieder nach Hause gehe. Aber vorher haben wir hier noch etwas zu erledigen. Kannst du aufstehen?

Der erste Versuch aufzustehen scheiterte. Sayo stellte sich stützend neben mich, aber auch das half nichts. Akio stand auf und ich fing an, ihn von oben bis unten zu mustern, da er sich nur noch etwas umschaute. Er war nicht sonderlich groß, jedoch sehr breit gebaut, braune Haare, die fast schwarz und nicht sehr lang waren, blaue Augen die irgendetwas Bräunliches und  Berührendes hatten. Insgesamt war er der erste Mensch, der mich sofort ansprach. Sein Aussehen und auch seine Art gefielen mir. Er verstrahlte auch eine bestimmte Aura und ich weiß nicht, wie ich sie beschreiben könnte. Sie wärmte einen von innen. Mein Herzschlag verschnellerte sich, als er sich umdrehte und zu mir zurück kam. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm wenden. Er hatte irgendetwas, was mich furchtbar anzog. Ich wollte ihn spüren, ihn in meiner näher haben. Seinen Duft riechen…

Akio: Deine Wunden habe ich nur vorläufig zum Stillen gebracht. Sie könnten wieder anfangen zu bluten, wenn du dich vermehrt bewegst… Willst du dieses Risiko wirklich eingehen?
Ich: *viel zu hohe Stimme* Ja, das wird schon gehen.
Akio: Okay. Dann gebe mir deine Hand und stütze dich bei mir ab.

Wir schafften es, dass ich zum Stehen kam. Kurz danach schaffte ich es auch alleine zu gehen. Wir gingen immer tiefer in das Gebäude hinein und kamen an immer mehr Räumen vorbei. Dann standen wir vor einer schön verzierten Tür, die wir aufstießen und trafen auf einen großen hässlichen Mann in einem Bett mit vielen Frauen um sich herum, die alle nackt dort lagen. Sie sahen alle nicht mehr ganz gesund aus. Bei genauerem betrachten fiel einem auf, dass alle Tod waren. Wut schäumte in mir hoch. Wie kann man nur…? Dann trat ein weiterer Mann ins Zimmer, nur mit einem Lacken um die Hüpfte gebunden. Seine Haut war wie eine Leiche, blass, weiß und durchschimmernd. Er lächelte uns an und zeigte seine sehr langen Fangzähne.

Mann2: Ah sie mal an, Antonius, wen haben wir denn da? Besuch. Wundervoll.

Er kam uns näher, Schritt für Schritt. Akio richtete sich neben mir noch mehr auf als zuvor, versteifte sich, bereitete sich wohl auf einen Angriff vor. Dann kam der erste Mann zwischen den ganzen Frauen hervor und kam uns ebenfalls immer näher.

Antonius: Ah… endlich wieder der Geruch von lebendigem Fleisch. Hörst du wie das Blut durch IHRE  Adern pumpt, Servatius?
Servatius: Ja und es hört sich wunderbar an. Da bekommt man gleich wieder Hunger!
Akio: *sich schützend vor mich stell* IHR  werdet ihr nichts tun! Da müsst ihr erst einmal an mir vorbei!

Er lief auf die beiden zu und beim Sprung hörte man ein lautes Knacken und ein reißendes Geräusch. Plötzlich landet ein Wolf auf den beiden Gestalten. Ich bemerkte, dass ER  der Wolf vom See war. Er hatte uns also da gesehen und ist uns gefolgt. Hatte mich dann gerettet und wollte mir nun helfen. Ich verspürte allerhand Gefühle: Zuneigung, Ekel, Hass, Dankbarkeit und nicht zuletzt das Gefühl gemocht zu werden und einer Person wichtig zu sein. Meine Hand suchte eine stütze, da ich drohte wieder umzukippen. Meine Hand fand die Schulter von Sayo und da strömte schon alles auf mich ein. Der Hass. Wie alle Stämme auf einen Abhang zuliefen, um dann ohne Erfolg in die Luft zufliegen. Von einer neuen Waffe getötet… Ich schüttelte meinen Kopf. Das durfte einfach nicht passieren!
Inzwischen hatte Akio sich mit den beiden Männern in einen Kampf verwickelt, da er gerade nur mit dem einen beschäftigt war, sah der andere seine Chance und stand plötzlich vor mir.

Servatius: *tief einatme* Hach… dieser Duft ist irgendwie einzigartig und herrlich. Wollen wir mal gucken… Wie siehst du denn aus? Klein, sportlich, dünn… *abwertendes Geräusch mach* scheinbar gut durchtrainiert. Na dann zeig mir mal was du kannst, Kleine!
Ich wollte nach meinem Schwert hinter meinem Rücken fassen, aber da war es nicht mehr. Und da fiel es mir wieder ein. Beim Kampf gegen den Ersten von ihrer Rasse musste es wohl dort herum liegen. Ich schnellte zum Boden und zog meine kaputte Hose ein Stück hoch, um an den kleinen Dolch, der an sich schlicht und gerade verlief, bis auf die Verzierungen am Griff, wo aus Holz, abgenutzt und verfärbt vom vielen anfassen, eine Schlange mit Hals zum Knauf überging, der den Kopf der Schlange war, geschnitzt war, zu kommen. Ich wollte auf ihn einstechen, doch auch er hatte sich eine Waffe geholt, einen Degen um genau zu sein.

Ich: Sayo? Lauf!! Rette die anderen! Ich werde nachkommen sobald ich kann!
Sayo: Aber auf mich werden sie nicht hören!! Sie brauchen ihre…
Ich: Verdammt nochmal LAUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUF!!!

Sayo sprintete plötzlich los ohne etwas zu erwidern. Ich war nun etwas beruhigter und konzentrierte mich mehr auf den Kampf. Doch leider zu spät. Seinen Degen hielt er schon gegen meinen Bauch. Mein T-Shirt und Top dabei hochgezogen. Ich traute mich nicht an  mir hinunter zu schauen, weshalb ich nur die Kälte der Degenspitze am Bauch spürte, wie eine kalte Nadel.

Servatius: Ach verdammt… Verflucht bist du auch schon… Dann bist du nichts weiter als Müll für uns! Du kannst nun sterben gehen!

Und mit diesen Worten stach er mir seinen Degen in meinen Bauch. Doch das reichte dieses Mal nicht, um mich aufzuhalten! Ich lief auf dieses Ekel zu und fing an, ihn zu umarmen. Der Degen schob sich dabei immer tiefer in meinen Bauch hinein. Es ragte schon hinten aus meinem Rücken wieder heraus. Ich hatte schon Blut gespuckt, aber ich konzentrierte mich auf den Hass. Ließ meine Fähigkeit wirken. Zerstörte sein ganzes Wesen. Mit einem Schlag lag er am Boden und rührte sich nicht mehr. Zum Abschied  trat ich ihm nochmal zwischen die Beine und in den Bauch. Dabei wischte ich mir das Blut vom Mund ab und zog lässig den Degen aus meinem Bauch. Dabei spuckte ich erneut Blut. Ich seufzte…

Ich: Akio? Soll ich dir hier noch helfen?

Der Wolf jaulte auf, denn der andere Mann hatte ihn gerade in der Mangel. Seine Hände waren so riesig, dass sie drohten Akio zu ersticken. Ich sprang auf ihn und er ließ Akio frei.

Ich: Akio… lauf hier raus so schnell du nur kannst und helf Sayo!! LOOOOOOOOOOS!!

Er schüttelte den Kopf und biss den Kopf von dem Mann ab. Nun lag unter mir ein kopfloser Mann. Das Blut floss nur so aus dem nun Kopflosen. Das Akio so gewalttätig sein kann, hätte ich nie für möglich gehalten, aber er war es wohl. Ich musterte ihn und stand dann auf. Tora stärkte mich in dieser Zeit.
Mit Akio an meiner Seite liefen wir aus dem Gebäude hinaus. Unterwegs zog ich mein Schwert aus der Brust des ersten Mannes heraus. Nun hatte ich wieder ein ordentliches Schwert. Wir liefen weiter, auch, als wir schon draußen waren. Ich konnte nur hoffen, dass Sayo es geschafft hatte und es noch nicht zu spät war. Doch so sah es nicht aus. Teile des Waldes brannten und die Stämme hatten riesige Spuren hinter lassen. Man sah ganz deutlich, wo sie gerade entlang liefen. Sie waren bald bei dem Abhang. So schnell könnten wir sie nicht mehr einholen und aufhalten. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Dieser Wald durfte nicht zerstört werden. Diese Tiere durften nicht getötet werden! Sie waren mehr als nur Tiere. Jede Tierart war ein eigener Stamm, seit Generationen hier versammelt. Abgestammt von den ersten richtigen Lebewesen dieser Welt. Was sollte nur aus ihnen werden? Akio trat in mein Blickfeld. Mittlerweile schluchzte ich schon und die Tränen liefen nur so über meine Wangen.

Er nahm mich in den Arm und flüsterte mir zu: Es tut mir leid. Wir werden es nicht mehr schaffen. Wir werden sie nicht mehr…

In genau diesem Moment gab es einen heftigen Knall, gefolgt von vielen weiteren. Am Horizont erkannte man die vielen Punkte, die Stämme, die alle auf einmal in die Falle gerannt waren und ein loderndes Feuer, vergleichbar für ein paar Sekunden mit der Sonne. Ich konnte nur hoffen, dass Sayo nicht noch unter ihnen war. Ich vergrub mein Gesicht in der Schulter von Akio. Ich ließ ihn all meinen Schmerz fühlen. Auch er vergoss ein paar Tränen. Es tat gut, jemanden an meiner Seite zu haben. Obwohl ich mir in diesem Moment Sayo auch hier her wünschte. Sie fehlte noch. Ich breitete meine Gedanken aus und versuchte sie zu finden. Doch ich fand sie nicht. Sie schien nirgendwo zu sein. Und dann bekam ich einen Stich in  mein Herz. Ich schrak hoch und ich hörte auf zu weinen. Hörte auf, eine weitere Träne zu vergießen. Ich sprang auf und Akio sah mich nur etwas verwirrt an. Kurz angebunden schüttelte ich nur den Kopf und fing an in eine Richtung zu laufen. Dieser Schmerz bedeutete, dass Sayo noch lebte und nur zu weit von mir entfernt war. Dieses Band, was uns zusammen hielt, war nicht unendlich lang. Wir waren auch aneinander gefesselt.

Akio: *schrei* Es hat keinen Sinn mehr! Vergiss es! Es wäre totaler Selbstmord…
Ich: Und wenn es das halt ist… Ich MUSS wissen, wie es Sayo geht!! Ich MUSS  etwas dagegen tun! Das darf alles nicht wahr sein!

Doch meine Wunde im Bauch machte sich schon bald bemerkbar und meine Beine gaben nach. Ich sackte zu Boden…
Mein Rücken schmerzte und auch in der Bauchgegend hatte ich ziemlich starke Schmerzen. Meine Augen öffneten sich und ich schaute direkt… auf den Boden. Ich hob meinen Kopf und sah mich um. Das Bild wackelte ziemlich schnell auf und ab. Was war das nur? Oh… kein Wunder. Akio trug mich auf seinen Schultern Huckepack. Er lief genau in die Richtung, aus der immer noch  diese lauten Knalle kamen. Adrenalin durch lief plötzlich erneut und schnell meinen Körper. Das konnte… nein… das war wahr…! Alle Stämme liefen in genau diesem Moment in den Tod oder waren es schon Minuten zuvor.

Akio: Ich *keuch* ich hab deine Wunden erneut versorgt nachdem du umgekippt bist. Durch dein schnelles aufstehen, sank dein Kreislauf ruckartig und aus deiner Wunde am Bauch floss wieder das Blut. Danach habe ich dich Huckepack genommen und bin gelaufen. Die Männer eben, das waren Teufelsdämonen. Sie haben diese „Stadt“ seit Jahren aufgebaut und unter Kontrolle. Die Menschen hatten sich schon länger beschwert, aber die Teufelsdämonen wollten einfach nicht hören. Deswegen haben sie das hier gestartet. Sie wollten endgültig mit allem Schluss machen. Sie denken, keine Götter gleich keine Teufelsdämonen mehr. Aber sie haben sich getäuscht…!
Ich: Was sind Teufelsdämonen genau? Ich hab noch nie etwas von denen gehört…
Akio: Das sind boshafte Dämonen, die ihren Wirt, den menschlichen Körper, erobert haben und ihn nun steuern, aber sie können nicht in ihre ursprüngliche Gestalt zurück. Und sie müssen sich mit Blut von anderen Menschen am Leben erhalten. Auch sind verfluchte Menschen oder Menschen, die schon Dämonen im Körper haben nicht sehr gut für sie, weil sich das dann auch auf das Blut des Menschen auswirkt.
Ich: Und was bist du? Du verwandelst dich in einen Wolf…
Akio: Ich bin ein Gestaltwandler, nur bin ich noch nicht so weit fortgeschritten und kann mich nur in die Gestalt eines Wolfes verwandeln. Später gehen auch andere Tiere. Ich persönlich mag aber diese Gestalt auch am liebsten. Außerdem ist unser Clan als Wolfsclan bekannt. Das ganze liegt in unseren Genen, bei dem einen ja, bei dem nächsten nein. Genaueres wissen wir auch noch nicht. Ein paar erforschen dieses Phänomenen gerade.
Ich: Wie… wie können wir das ganze hier aufhalten?
Akio: Was bist du?
Ich: Ich weiß es nicht…

Akio sagte nichts mehr sondern schaute hinauf in den Himmel.
Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir Anschluss bei den Tieren gefunden. Von Akio sprang ich auf einen Hirsch. Der Hirsch war zuerst verwundert, doch sobald ich ihm sagte, dass ich es bin, beruhigte er sich und gehorchte mir. Mir ging die Frage von Akio nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte recht. WAS war ich? Ich war kein Mensch, aber auch kein Tier. Mir gehorchten die Tiere dieses Waldes, weil ich sie darum bat und ihnen nie etwas befohlen hatte. Sie vertrauten mir vollkommen. Der Hirsch brachte mich zu ihrem Stammesoberhaupt Tsuyoshi.

Ich: Tsuyoshi, ihr dürft euren Stamm nicht dazu verschwenden! Das hier ist ein großer Fehler! Seht ihr nicht, wie alle sterben? Fühlt ihr den Tod nicht? Riecht ihr den Tod hier nirgendwo? Bemerkt ihr es nicht mehr?
Tsuyoshi: Wir sterben für unser Vaterland, das wir nicht so einfach hergeben werden! Wir sterben für alle kommenden Götter!!
Ich: Tsuyoshi, komm wieder zu dir!!! Ohne euch alle wird es keine mehr geben!! Bitte! Werde wieder vernünftig!!!
Tsuyoshi: Weißt du überhaupt, was du bist, du Menschenkind?
Ich: Nein, aber ich weiß, was ich will und was nötig ist, um das hier alles zu retten!!! Bitte!! Versteh mich doch!! Ich will nicht, dass alle in den Tod laufen! Das wäre nur falsch!!
Tsuyoshi: Nein… Wenn sie den Wald zerstört haben, haben wir keinen Ort mehr, in dem wir ungestört leben können. Lass uns ziehen, Prinzessin der Tiere. Lass es uns einfach tun. Dir lassen wir die Wahl. Willst du mitkommen und uns helfen? An unsere Seite sterben? Oder willst du uns im Stich lassen, weiterleben und nicht wissen, wo du richtig hingehörst?

Ich seufzte und schüttelte den Kopf. Ich wusste nicht, wo ich hingehörte. Mir dämmerte es aber allmählich, dass ich bei diesem Kampf mitkämpfen musste.

Ich: Tsuyoshi, kann ich auf dir reiten und du bringst mich weiter nach vorne? Ich würde gerne Sayo finden und an der Spitze sein.

Tsuyoshi nickte und ich stieg von dem kleinen Hirsch auf den gewaltigen Hirschgott, der nicht nur wegen seiner Körpergröße alle anderen überragte, sondern auch sein wunderschönes, riesiges, goldenes Geweih ließ auf eine Gottheit schließen. Er fing an, seinen Schritt zu verschnellern und lief an der Seite an allen vorbei. Ich suchte nach dem weißen Wolf unter all den verschiedenen Tieren. Doch ich fand keinen. Wo war sie nur? Ich wollte doch nur meine Familie noch ein Mal wiedersehen. Endlich entdeckte ich den kleinen Wolfstamm. Ich sprang von Tsuyoshi ab und landete auf Sayo, die mich schon bemerkt hatte. Wenn man hier auf dem Boden laufen würde, würde man untergehen und am Ende zertrampelt werden. Ich umarmte Sayo von oben um den Hals und fragte sie, wo sie nur war.

Sayo: Hier war ich… bei meiner Familie. Ich werde mit ihr kämpfen und sterben.
Moro: Es ist für mich an der Zeit und meine Kinder wollen mich einfach nicht loslassen. Was hätte ich tun sollen? Am Ende kann ich nur sagen, dass ich sehr, sehr, sehr stolz auf euch bin! Es tut mir Leid, Prinzessin.
Ich: Das hier ist alles falsch!! Wir werden alle sterben! Seid ihr denn alle irre geworden? Wir müssen den Wald wieder aufbauen! Wir müssen ihn beschützen!! Was… was passiert denn sonst mit dem Geist des Waldes?
Moro: Er wird aussterben, genau wie wir alle, Prinzessin…

Ich war geschockt. Plötzlich ich hatte nicht mehr vor zu sterben. Ich WOLLTE nicht. Ich brauchte Hilfe. Alleine könnte ich sie nie davon überzeugen, dass es nichts bringen wird.

Ich: Sayo… kannst du mich nach vorne an die Spitze bringen?
Sayo: Na, aber klar doch.
Sayo lief an allen vorbei, raste nach vorne, genau dorthin, wo gerade in dem Moment alles in die Luft ging. Ich lenkte sie davon ab und seitlich wieder in den Wald hinein. Ich steuerte sie den Abhang hinauf und dort stand eine abscheuliche Frau mit langen roten Haaren. Als sie sich zu mir umdrehte, sah ich, wie kreidebleich sie war. Also war auch sie ein Teufelsdämon. Ich knurrte. Ich sprang von Sayo herunter und schickte ihr meinen Gedanken, sie solle mit allen verschwinden, die sie treffen würde. So schnell und so weit wie möglich. Sie tat, wie ich es ihr befohlen hatte. Es war das erste Mal, dass ich ihr wirklich etwas befohlen hatte, etwas zu tun. Dann trat ich einen Schritt auf die Frau zu.

Ich: Hallo. Ich könnte mir gut vorstellen, dass du Durst hast. Hier oben… so ganz alleine. Wie wäre es mit meinem Blut?

Vorsichtig ging ich immer mehr Schritte auf sie zu, befreite meinen Hals von Haaren und legte den Kopf zur Seite, damit sie genug Platz haben würde. Die Frau leckte sich schon gierig und durstig über ihre Lippen und fletschte ihre Zähne. Sie ging mit schnelleren Schritten auf mich zu als ich zu ihr. Schon bald trafen wir uns und sie schlug ihre langen dicken Fangzähne in meinen Hals. Im ersten Moment tat es weh, aber danach war ich wie berauscht und fühlte keinen Schmerz mehr.

Ich: Stoppen sie dieses Massaker da unten und ich gehöre ihnen.

Sie zog ihre Fangzähne wieder aus meinem pumpenden Hals und ging zum Abhang. Sie gab ein Zeichen und die Knalle hörten auf. Die Waffen wurden eingestellt.
Frau: Mein Plan war es eigentlich, alles Götter zu zerstören und dabei, auch danach die Menschen in einem riesigen Blutbad, damit wir die einzige überlebende Rasse hier sind, aber nun kamst du mit diesem Deal… So und jetzt zu dir, Kleine. Wie kann menschliches Blut nur so köstlich schmecken? Ich habe so etwas noch nie trinken können! Du bist wohl etwas ganz besonderes. Komm her… du gehörst nun mir. Ich will all dein wunderschönes Blut trinken!!
Ich: Okay. Dann komm her. Komm näher. Halte mich fest!

Sie drehte mich um und schmiegte sich an meinen Rücken. Mit der einen Hand drückte sie leicht und sachte meinen Kopf wieder zur Seite, mit der anderen strich sie die Haare beiseite, um danach mit der Hand nach unten zu gehen und sich an meinen Bauch zu krallen.

Frau: Ich habe noch nie so ein Mädchen wie dich getroffen, das sich freiwillig zu so etwas hingibt. Aber hör du nur als letztes Geräusch deines Lebens mein saugen an deinem Hals von deinem verführerischen Blut!

Und damit presste sie ihre Fangzähne erneut in meinen Hals. Genau jetzt müssten Sayo und die anderen weit genug entfernt sein. Ich konzentrierte mich auf den Hass zu ihr und all den Tieren, die sie schon getötet hatte. Ich konzentrierte mich darauf, in ihre Gedanken einzudringen und…
Ich spürte wie ich am ganzen Körper brannte. Spürte wie sie anfing zu brennen. Spürte wie ihre Gedanken nun nicht mehr da waren… Und dann gab es eine Explosion.

…20, 21, 22, 23,… , 79, 80, 81, 82, 83,… ,156, 157, 158, 159,… , 2.493, 2.494, 2.495,… … …
Ich schlug meine Augenlider auf und sah den Himmel, der so blau wie selten war. Die Sonne schien und es war ein recht warmer Tag. Ich saugte die warme frische Luft durch meine Nasenlöcher ein, die sich aufblähten wie die Nüstern eines Pferdes.

Sayo: Hey Akio, ich glaube, da ist endlich jemand wach geworden.
Akio: Okay Sayo, bleib bitte stehen.

Das Geräusch ihrer Pfoten blieb aus und mein Bett begann sich zu bewegen.

Akio: Bleib bitte genau so liegen und beweg dich nicht! Wir konnten dich nur notverarzten nachdem wir dich auf dem Abhang gefunden hatten. Man, das war eine ganz schöne Explosion. Wie hast du die denn gemacht? Na ja, jedenfalls sahst du echt nicht mehr gut aus. Ich hab jetzt alles versucht, was in meiner Macht stand. Im Dorf müssen sie dich dann richtig versorgen und heilen. Also bitte… wir tragen dich ganz vorsichtig.
Ich: Aber… wenn sie mich versorgen dann sehen sie…
Akio: Ich weiß, aber man sieht es jetzt schon. Dein T-Shirt war fast vollständig verkohlt. Das was übrig geblieben war, damit hab ich deine Wunden versorgt. Nur dein Top ging noch einigermaßen und die Hose… na ja… von der ist auch nicht mehr wirklich was übrig…
Ich: Hmpf… na ganz toll. *seufz* Das heißt, sie sehen fast alles von meinem Körper? Von meinem Fluch und den Malen und Versiegelungen?
Akio: Ja, und nun erzähl mal. Wie hast du sie aufgehalten? Plötzlich tauchte sie oben auf, gab ein Zeichen und die kleinen Explosionen hörten auf. Es wurde auf kein Tier mehr geschossen sondern eher abgewehrt.
Ich: Ich hab ihr mein Blut angeboten. Und dann, als sie es gestoppt hatte, hab ich mich konzentriert und alles einfach frei gelassen. Dadurch entstand eine Explosion. So frei hat sich Tora schon lange nicht mehr austoben dürfen.
Akio: Ich bin stolz auf dich!
Ich: Akio? Du sag mal… Wieso warst du eigentlich unterwegs?
Akio: Ich sollte etwas erledigen. Was genau… darüber will ich nicht sprechen… Und als ich das erledigt hatte, fühlte ich mich so dreckig, dass ich erst einmal als Wolf verwandelt blieb. Na ja… und dann fiel mir diese Geschichte ein, die mein Vater mir früher mal erzählt hatte. Von dem Mädchen… und heute wurde mir klar, was er damit gemeint hatte…
Ich: Was denn?
Akio: Ok…wohl eher… Ich habe dieses Mädchen endlich gefunden.

Ich sah ihn fragend an, doch er winkte nur ab.

Sayo: *in meinen Gedanken* Bist du wirklich so doof oder tust du gerade nur so?
Ich: Nein, ich weiß das wirklich nicht!
Akio: Ich störe euch zwei ja nur ungern, aber wir müssen weiter.
Sayo: Kein Problem, ich steh schon auf.
Akio: Nein warte noch kurz.
Ich schaute ihn fragend an: Was gibt’s denn noch zu klären?
Akio: Eigentlich ja nichts, aber…

Akio beugte sich über mich und kam meinem Gesicht immer näher. Bis… bis seine wunderschönen vollen weichen Lippen auf meinen lagen. Zuerst verkrampfte ich mich. Dann glitt seine Hand zu meinem Gesicht und ich fing an, ihm in seinen Haaren zu wuscheln und da wurde mein Körper locker und ich gab mich ihm ganz hin. Bis Sayo plötzlich in meinen Gedanken auftauchte und sich räusperte. Ich zog Akio elegant an den Haaren von meinen Lippen weg.

Akio: Autsch... autsch… autsch… Was soll das denn? Das war doch schön oder für dich etwa nicht?
Ich: Doch schon, aber wollten wir nicht los?

Eigentlich war ich total besinnungslos. Er hatte einfach so… Was war das überhaupt? Na ja, er hatte einfach meine Sinne still gelegt. Meine Lippen fingen stark zu pochen an. In meinem Bauch war ein komisches Gefühl und ich war glücklich. Moment… ich war glücklich? Ja verdammt, das war ich! Seit sehr langer Zeit. Aber das sollte nicht mehr lange so sein, denn als ich wieder für alles Gefühl bekam, bemerkte ich, wie sehr mir alles weh tat. Ich seufzte.

Ich: Akio? Was war das eigentlich eben?
Akio: Ähm… so etwas nennt man einen Kuss. Wieso fragst du?
Ich: Nun ja, weil ich das nicht wusste. Scheinbar hatte Taiki so etwas auch mal vorgehabt, aber da hatte ich ihm kräftig eine verpasst gehabt!
Akio: Da bin ich stolz auf dich!

Und dann kehrte wieder stille ein. Meine Schmerzen waren so stark, dass ich fast den ganzen Rückweg schlief. Akio redete in der Zeit angeregt mit Sayo und diskutierte mit ihr über einige Sachen. Ich war froh, dass sich die beiden so gut verstanden.
Irgendwann kamen wir dann in dem Dorf wieder an. Alle schauten uns verdutzt an, mich, wegen den vielen Wunden, Akio, weil er scheinbar doch noch lebte und mit mir nach Hause kam. Sie machten uns alle eilig Platz und wir konnten ungestört zum Krankenhaus gehen. Dort angekommen wurde ich sofort in ein Zimmer gelegt und ordentlich verarztet. Mein Bauch wurde genäht und alle anderen Wunder versorgt. Sie sagten alle, dass ich schlimm aussehen würde, aber naja…
Akio blieb Tag und Nacht bei mir und pflegte mich mit gesund. Ich war überrascht, wie sehr mich diese Mission verändert hatte. Ich liebte diesen einen Jungen, der mein Herz seit dem ersten Augenblick gestohlen hatte, der später, mein Held geworden war. Immer wenn ich nicht mehr weiter kam, war er da gewesen.
Taiki war darüber sehr frustriert und beleidigt. Er ließ sich kein einziges Mal blicken. Shin hingegen war froh, wieder seinen Bruder zu haben und auch wenn er mich geliebt hatte, wie sich später heraus stellte, freute er sich trotzdem riesig für uns beide. Denn ich hatte endlich meine andere Hälfte gefunden. Meine andere Hälfte bei den Menschen. Sayo wurde stark in unsere Beziehung mit eingebracht. Bald konnte ich aus dem Krankenhaus entlassen werden. Meine Wunden waren verheilt und es ging mir auch sonst einfach nur super. Akio hatte wegen der Entlassung aus dem Krankenhaus extra eine Feier organisiert und gab mir etwas Originelles zum Anziehen. Eine Wohnung (meine Wohnung) hatten wir ab sofort zusammen.
Als  ich mich so im Spiegel betrachtete, war ich überrascht, wie alles verheilt war. Ich trug ein enges schwarzes Top bei dem mein muskulöser Bauch frei war und auch ein bisschen Ausschnitt hatte. An den Armen wie immer meine Armstulpen. Ich hatte ausnahmsweise Schuhe an, was für mich unbequem und sehr neu war. Am liebsten hätte ich diese sofort ausgezogen, bei diesem Gedanken seufzte ich, aber Akio wollte das nicht. Dann trug ich noch meine neuen Fellstulpen für meine Beine und einen kurzen wunderschönen schwarz-grünen Rock. Da nun eh alle über den Fluch Bescheid wussten, der sich langsam aber sicher durch meinen Körper fraß und meine Knochen zerstörte, musste ich eigentlich nichts mehr verstecken. Meine Haare hatte Nagisa mir gemacht und auch die Schminke und das Make-up. Nach meiner Ankunft war sie zu einer weiteren guten Freundin geworden, die mir gerne mit Rat und Tat zur Seite stand. Sayo war von dem ganzen hier nicht so sehr begeistert, ließ jedoch alles über sich ergehen. Auch Akio hatte sich mal wieder ordentlicher angezogen und stutzte nicht schlecht, als er mich so sah.

Akio: Hat dir eigentlich jemals schon einer gesagt, dass du wunderschön bist?

Ich wurde rot und schüttelte den Kopf. An solche Komplimente musste ich mich erst einmal richtig gewöhnen.

Dann gab er mir einen Kuss auf meine Stirn: Du bist so süß, wenn du verlegen bist. *grins*
Ich: Und du bist böse, weil du genau weißt, dass ich das nicht sonderlich mag!

Er nahm meine Hand und wir gingen alle gemeinsam zum Fest. Sayo stand an meiner anderen Seite. Ich war überwältigt. Es war alles wunderschön. Es hingen kleine Lampen von den Decken und verbreiteten einen leichten rötlichen Farbton im Raum, der ihn gleich gemütlich und einladend machte. Alle Blicke, der schon Anwesenden, waren auf uns gerichtet. Akio verbeugte sich und hielt eine kleine Ansprache. Danach kam Shin zu uns und umarmte uns alle. Ich weiß, dass auch er irgendwann, die Richtige finden würde. Doch ich war es nicht gewesen.
Mitten in der Feier zog Akio mich mit Sayo nach draußen. Er hatte einen versteinerten Gesichtsausdruck, etwas zu ernst für eine Feier.

Akio: Ich muss mit dir reden.
Ich: Worüber denn? Es ist doch alles gut.
Akio: Ja schon, aber mich drängt es wieder in Wolfsgestalt unterwegs zu sein. Ich kann hier nicht länger bleiben. Es ist schrecklich hier. Verstehst du mich? Wenn mich einer verstehen könnte, dann musst du es sein.
Ich: Ja schon, aber wegen dir hab ich das alles getan. Wegen DIR  bin ich überhaupt noch hier!
Akio: Ich weiß, deswegen tut es mir leid, aber dir fehlt deine Heimat doch auch. Das sehe ich in deinen Augen. Hör mal, dort ist alles ruhiger und angenehmer für dich! DORT  bist du zu Hause! Nicht hier. Bitte! Versteh mich. Du könntest wieder dahin zurück gehen. Der Krieg ist beendet! Du kannst zurück kehren und alles wieder aufbauen! Ich werde dich oft auf meinen Reisen besuchen kommen! Werde meine Routen so legen, dass ich dich immer sehen werde! Ich werde dich auf Ewig lieben!! Akina, die so wild ist wie eine Frühlingsblume im Wind, die man einfach nicht bezähmen kann oder wie ein kleines verspieltes Wolfsjunges, dass man nicht vermag einzufangen. Die als Prinzessin der Tiere bekannt ist! Kehre zu deiner Heimat zurück! Und ich zu meiner.

Er küsste mich nochmal. Seine weichen, wunderschönen Lippen berührten die Meinigen. Meine Hand vergrub sich in seinen Haaren und ich drückte ihn fester an mich. Wir pressten sanft unsere Lippen zusammen aufeinander und verschmolzen förmlich bevor wir von einander ließen und bereit waren, unsere eigenen Wege zu gehen. Ich zog mir die Schuhe aus und ließ meine Hand noch einmal über sein wunderschönes Gesicht fahren, ehe ich mich umdrehte, um meine Tränen zu verstecken, die schon über meine Wangen flossen. Es tat schon jetzt so unendlich weh. Dieses Leben, an das ich mich gerade gewöhnt hatte, zurück zu lassen und zu meinem alten Leben wieder zurück zu kehren. Ihn erstmal aufzugeben und auf ihn zu warten, würde sich wohl als eine harte Prüfung herausstellen. Zu meiner Wohnung lief ich, um mich für die Abreise fertig zu machen. Schon in dieser Nacht trennten uns Kilometer von einander, doch er war für immer der eine, den ich nie vergaß, den ich immer vermisste… bei allem was ich tat. Der in mein Herz geschrieben war. Mein einziger Geliebter auf Erden…



ENDE
Fortsetzung folgt…
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