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Unbesiegbar

von MamoChan
GeschichteAllgemein / P12
He-Man
23.07.2010
23.07.2010
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Obwohl er weit über das normale Maß hinaus erschöpft war und sich jede Faser seines Körpers nach längst überfälliger Erholung sehnte, kämpfte sich He-Man weiter voran. Seit seinem Aufbruch hatte er weite Ebenen und die höchsten Berge bereist, hatte die Stätte der Riesen bereist und dichte Dschungel überwunden. Doch er hatte bekommen, weswegen er losgezogen war. Zwar musste er unzähligen Gefahren trotzen, aber am Ende hatte er doch Erfolg. Besorgt legte er eine Hand an den Lederschlauch, gefüllt mit dem Wasser des Lebens, den er an seinem Gürtel befestigt hatte.
Erleichtert atmete er auf, als er die Silhouette des mächtigen Schloß Grayskull vor sich aufragen sah. Nur wenige Minuten später stand er vor der schweren Maulbrücke und öffnete sie mit seinem Zauberschwert. Der Aufzug brachte ihn schließlich nach oben in den Thronsaal. Und dort saß er dann. He-Man erstarrte als er dort im Halbschatten die blauhäutige Gestalt sitzen sah. der blanke Knochenschädel war durch eine Kapuze verdeckt, doch es gab keinen Zweifel daran, wen er hier vor sich hatte.
„He-Man, ich wusste, Du würdest kommen...“, sagte die finstere Gestalt leise.
„Ja alter Freund. Ich versprach Dir doch, ich würde es schaffen.“, erwiderte He-Man leise und ging beruhigend lächelnd auf ihn zu.
„Ich habe es bekommen Duncan! Das Wasser des Lebens, es wird Dir helfen. Du wirst sehen, bald bist Du wieder gesund.“
Er löste den Wasserschlauch von seinem Gürtel und setzte ihn seinem Freund Man-At-Arms an die fleischlosen Zähne. Entsetzt musste er zusehen, wie das lebenspendende Wasser, das ihn hatte retten sollen wirkungslos durch den Schädel hindurchfloss.
„Nein“, rief He-Man hilflos und versuchte dabei das Wasser aufzufangen, dass haltlos weiter durch den Knochenschädel floss. „Nein, nein!“
Bald war der kleine Schlauch leer und das Wasser versiegt, ohne Man-At-Arms geholfen zu haben. He-Man sank verzweifelt auf die Knie. Er hatte alles getan, was in seiner Macht stand, und hatte seinem Freund dennoch nicht helfen können. Seit er eines Tages krank geworden war, hatte He-Man nicht aufgehört nach einer Heilung zu suchen. Doch was blieb ihm denn jetzt noch? Was konnte er noch tun?
„Mach Dir keine Gedanken. Ich weiß, Du hast alles getan, was in deiner Macht stand.“, sagte Duncan schwach.
„Nein, nicht alles!“, rief He-Man und stand wieder auf als hätte es die Strapazen der letzten Wochen nicht gegeben. „Es gibt da noch jemanden, der dir helfen kann! Ich befreie Zodac!“


„Tobias, bist Du soweit?“
Wortlos schaute er nach oben und schüttelte leicht den Kopf. Die Frage hatte ihn völlig aus den Gedanken gerissen. Natürlich war er noch nicht fertig, und nun hatte er Angst, sein Vater würde wieder mit ihm schimpfen. So wie er es in der letzten Zeit so oft getan hatte. Zwar wusste er, dass es  irgendwie niemals böse gemeint war, aber trotzdem fürchtete er sich davor, wenn sein Vater ihn wieder anschrie. Doch heute war dieser den ganzen Tag seltsam still. Wortlos half er Tobias in die Schuhe und band ihm die Schnürsenkel zu.
„Wir müssen gleich los. Du kannst später weiterspielen, ja?“, sagte sein Vater lächelnd und strich ihm dann durch die Haare.
„Ich muss noch einmal telefonieren, aber Du kannst Dir schonmal deine Jack anziehen.“
Tobias folgte ihm in den Flur, nahm seinen Anorak vom Haken und schlüpfte hinein. Der Reißverschluss machte ihm wie jedes Mal Probleme, aber er wollte seinen Vater nicht stören. Er mochte es nicht, wenn er ihm beim Telefonieren unterbrach. Stattdessen suchte er sein Zimmer wieder auf und beschloss zu warten. Dabei ließ er seinen Blick auf das fallen, was da auf dem Schreibtisch mitten auf den Schulsachen lag.

Mühsam kletterte He-man weiter. Stück für Stück kämpfte er sich weiter nach oben. Er wusste genau, dass dies vielleicht seine letzte Chance war Man-At-Arms zu retten. Kaum hatte er diesen Berg erklommen, auf dessen Gipfel sich der Schrein der Gelehrten befand, fiel sein Blick auch auf das eigentliche Ziel dieser Strapaze.
Bald stand er vor Zodac, dem kosmischen Wächter, der sich noch immer in seinem Gefängnis befand. Ein Gebilde, klar wie Kristall umschloss ihn, und eine rote Tafel dahinter lies jeden Zweifel verfliegen, dass es sich hier um Zodac handelte.
Mit seinen gewaltigen Kräften riss He-man das durchsichtige Gebilde von der roten Tafel und nur kurze Zeit später, hatte er den Gefangen  endgültig befreit.
„He-Man, ich danke.“
„Zodac, ich brauche deine Hilfe. Es geht um-“
„Du brauchst nicht weiter zu sprechen, ich weiß über alles bescheid. Du suchst Rat um deinen Freund Man-At-Arms zu retten.
„Ganz recht, ich muss-....“
Weiter kam er nicht, denn der kosmische Wächter ging geradewegs an ihm vorbei und suchte sofort die Bibliothek derjenigen auf, die einst hier an diesem Ort ihr Wissen niedergeschrieben hatten. Nur Zodac wusste, welches Wissen diese Bücher beherbergten. Genau deshalb wusste er auch sofort, wo er nach einer Antwort zu suchen hatte.
„Hier steht es...“, murmelte er leise, während er die uralten Schriften studierte. „Man-At-Arms wurde vergiftet, von einem Wesen, das in weiter Ferne sein Unwesen treibt. Ihn musst Du besiegen. Reis zum Ende der Welt, vernichte ihn, und Man-At-Arms wird geheilt sein.“
„Ich habe verstanden.“, sagte He-Man und wusste was er zu tun hatte.


„Kommst Du?“
Tobias sah kurz von seinem Schreibtisch auf nickte seinem Vater zu. Er schnappte sich noch seine He-Man Figur und noch eine weitere aus der großen Kiste neben dem Bett. Kurz daraus saß er dann auch schon im Auto und sah zu, wie Bäume und Gebäude an seinem Fenster vorbeizogen, und dicke  Wolken am Himmel einen baldigen Regen ankündigten.
Er wusste wohin die Fahrt führen sollte, aber er wollte nicht daran denken. Die Vorstellung bereitete ihm Unbehagen. Viel zu oft schon hatten sie diesen Ort aufsuchen müssen. Gedankenversunken holte er eine der Figuren aus seiner Jackentasche.

Alleine kämpfte sich He-man durch den Sturm, welcher das gewaltige Himmelsgefährt wie eine Barriere umgab. Nur dem Stärksten der Starken konnte es gelingen den eisigen Winden zu trotzen, die einem das Fleisch auf den Knochen zu gefrieren drohten. Obwohl die Kälte seinen Körper immer mehr zusetzte, ihn lähmte und taub machte, zwang sich He-Man immer weiter zu gehen, Schritt für Schritt. Und dann, als er glaubte am Ende seiner Kräfte zu sein, ließen die tosenden Böen  unvermittelt nach und gaben den Blick auf die gigantische Kutsche der Götter frei, jenes unbeschreibliche Fahrzeug, welches ihn in die Welt bringen konnte, in der der Tod regierte. Dort würde er seinen Widersacher finden, jene Kreatur, die seinen Freund Man-At-Arms vergiftet und krankgemacht hatte. Wie ein riesiges Gebäude, größer als alle, die er jemals gesehen hatte, größer als ganze Städte, ragte das Gefährt in den Himmel, und kaum dass er es betreten hatte, begann es sogleich zu erzittern und zu beben. Auf das schlimmste gefasst bereitete er sich darauf vor  herunterfallenden Trümmern ausweichen zu müssen, doch stattdessen spürte er, wie sich die Götterkutsche in Bewegung setzte. Zuerst langsam, dann immer schneller, unaufhaltsam der Welt entgegen, in der der Tod regiert.

Tobias folgte seinen Vater durch die Glastür am Eingang. Er mochte diesen Ort nicht. Es roch sehr unangenehm nach alten Pflastern und Salbe. Manchmal glaubte er auch einen Geruch auszumachen, wie in einer der Toiletten an der Autobahn, die sie aufgesucht hatten, als sie im letzten Jahr in den Urlaub gefahren waren.
Mit einem Fahrstuhl, fuhren sie in den dritten Stock, wo ihn sein Vater anwies sich noch kurz auf einen Stuhl setzen und zu warten. Tobias beobachtete, wie sein Vater den Gang hinunterlief und mit  einer der in weiß gekleideten Frauen redete. Zwar verstand er einige der Worte, aber er wusste nicht, was sie bedeuteten.
Seufzend lies er den Kopf sinken und starrte auf den hellen Boden der in der Mitte schon einen breiten schmutzigen Streifen aufwies. Dann griff er in seine Taschen und holte je eine der Masters-Figuren heraus, die er bei ihrem Aufbruch rasch eingesteckt hatte.

Endlich war es soweit. Er hatte die Welt des Todes erreicht. Dieser Ort war, obwohl hell erleuchtet von Tod erfüllt. Eine unheimliche Einsamkeit und Kälte war allgegenwärtig. Dies war das Reich seines Feindes.
„Du hast es also wirklich geschafft.“
He-Man fuhr herum als er die Stimme hinter sich hörte und erschrak über den Anblick, der sich ihm bot. Er hatte schon viele Ungeheuer gesehen und besiegt, doch keines war derart unheimlich wie das Krebsmonster, das hier vor ihm stand. Er hatte kaum Zeit zu reagieren als es sofort auf ihn zusprang und ihn mit seinen riesigen Scheren zu attackieren versuchte. Schnell wich He-Man aus, darauf bedacht von den brutalen Scheren nicht verletzt zu werden. Er befürchtete dadurch ebenso vergiftet zu werden wie schon sein Freund Duncan. Auch die Strapazen seiner langen Reisen forderten nun langsam ihren Preis. Er kam sich langsam, geradezu schwerfällig vor, während das Monster vor ihm frisch und ausgeruht war. Immer weiter trieb es ihn zurück, bis er an die Kante einer Klippe stieß. Als er einen Blick über die Schulter warf, erkannte er hinter sich ein riesiges dunkles Loch, das keinen Boden zu haben schien.
„Gleich werde ich Dich in den alles verschlingenden Abgrund werfen!“, rief das Krebsmonster vor ihm und setzte zu einem alles entscheidenden Angriff an. He-Man blieb keine Möglichkeit zum weiteren Rückzug, jetzt entschied sich, ob er siegen oder unterliegen würde. Er ließ sich zur Seite fallen, packte die Kreatur als sie gerade auf ihn zustürmte und nutzte seinen eigenen Schwung aus, um das Monster über die Klippe zu befördern.
„NEEEEEEEIIIIIINNNN!!!!“. Die Stimme der unheimlichen Krebskreatur wurde immer leiser je weiter sie weiter in den schwarzen Schlund viel. Schwer Atmend sah He-Man ihm hinterher. Dann setzte er sich auf den Boden und gönnte sich endlich die Ruhe, die er nun so dringend brauchte. Es war vollbracht. Er hatte gesiegt. Nun konnte Man-At-Arms endlich wieder gesund werden, jetzt wo das fiese Krebsmonster, das ihn vergiftet hatte besiegt worden war.


Anteilnahmslos stieß Tobias die Clawful-Figur von seinem Knie direkt in den Abfalleimer, neben seinem Stuhl. Kaum eine Sekunde später ging die Tür gegenüber auf und sein Vater bat ihm darum einzutreten. Tobias schluckte und stand vorsichtig auf, der Griff um den He-Man, den er noch immer in der anderen Hand hielt wurde fester. Sein Vater redete noch weiter, doch Tobias hört ihn nicht mehr. Alles um ihn herum verschwand in einem konfusem Nebel, in dem sämtliche Gegenstände ihre Form verloren und keine Geräusche klar zu erkennen waren, und wie in einem Tunnel nur das, was unmittelbar vor ihm lag, deutlich war. Langsam ging Tobias in das kleine Zimmer. Die Luft roch schlimmer als in den Gängen draußen, es stank nach Krankheit.
Er ließ seinen Blick über all die Gerätschaften wandern, die seine Mutter umgaben. Neben ihr stand ein Gestell mit einer Flasche, aus der fortwährend eine klare Flüssigkeit in einen Schlauch tropfte, der in ihren Arm führte. Ein Monitor am Kopfende des Bettes gab in regelmäßigen Abständen ein Piepen von sich.
Er trat an das Bett, und obwohl er seinen Vater hinter sich spürte, der seine Hand behutsam auf seine Schulter gelegt hatte, musste sich Tobias erst überwinden aufzustehen. Er mochte nicht, was er  dort sah. Die Person, die dort im Bett lag, war nicht seine Mutter, das war einfach unmöglich. Sie war immer wunderschön gewesen, und nun konnte er es nicht mehr ertragen sie anzusehen. Ihre Haut war aschfahl geworden und hatte jegliche Farbe verloren und sah nun eher grau aus, manchmal sogar bläulich. Ihr Gesicht, einst voller Leben, war nun von der Krankheit gezeichnet. Ausgezerrt und mager war sie geworden. Die dünne Haut schien einfach nur über dem blanken Knochen zu liegen, ohne Fleisch darunter, was sie stützte. Die Augen lagen tief in den Höhlen und ihr Blick war starr an die Decke gerichtet. Das Gesicht seiner Mutter erinnerte ihn an einen Totenschädel.
Tobias schluckte erneut. Dann hob er seine Hand und legte die Masters-Figur in die Hand seiner Mutter.
He-Man war stark. Er war der stärkste Mann des Universums. Er hatte Clawful das unheimliche Krebsmonster besiegt, damit sein Freund Man-At-Arms wieder gesund werden konnte, und er würde auch seine Mutter heilen können. Davon war Tobias überzeugt. He-Man konnte alles besiegen.
 
 
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