Zimmer mit Aussicht

von RowenaR
GeschichteAllgemein / P12
14.07.2010
14.07.2010
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A/N: Noch ein Experiment… schon alleine, um zu sehen, ob es hier tatsächlich noch mehr Fans von Warehouse 13 gibt. Falls also jemand von denen, die das hier angeklickt haben, darunter sein sollte… meldet euch. Na gut, und auch vom Rest wäre eine Review nett :)

~*~


Zimmer mit Aussicht


“And they say it never rains in L.A. County
but it gets cold enough to wish you had a few
and he laughs tonight and says ‘I finally found me
the room with a view, how about you?’”

Tony Carey, “Room With a View”


Von seinem Platz im Auto aus kann er sehen, wie Rebecca aus dem Lagerhaus kommt, ohne sich umzusehen und einen Augenblick lang will er sie rufen und sie fragen, ob er sie in die Stadt mitnehmen soll, aber etwas… hält ihn davon ab. Vielleicht ist es etwas in ihrer Haltung oder in der Art, wie sie einen Fuß vor den anderen setzt. Elegant, ja, aber mit so einer bestimmten Art der Entschlossenheit, die ihm sagt, dass sie nicht vorhat, je wieder zurückzukehren und dass sie keinen von ihnen je wiedersehen will.

Und natürlich, wer würde ihr das auch verdenken wollen, nach all dem, was sie vor so vielen Jahren und jetzt wieder durchmachen musste? Er ist sich nicht ganz sicher, ob er sich wirklich vorstellen kann, wie das für sie gewesen sein muss, den Partner so zu verlieren… zweimal sogar. Ja, er hat seinen Vater verloren, als er noch ein Kind war… aber wenigstens hat er immer gewusst, was passiert ist und selbst obwohl er sich manchmal immer noch fragt, ob es irgendetwas – auch nur irgendetwas – gab, das er hätte tun können, um es zu verhindern, hatte er doch immer einen Abschluss gehabt; er war auf der Beerdigung und er konnte sich verabschieden.

Aber Rebecca? Sie muss Jahrzehnte darauf gewartet haben, dass ihr Partner zurückkommt, traurig und vielleicht sogar verbittert darüber, dass er immer den Job über sie gestellt hat und dass der Job ihn ihr genommen hat… aber immer mit diesem kleinen verräterischen hoffnungsvollen Glimmen, dass er vielleicht, vielleicht eines Tages wiederkommt. Verdammt, das muss furchtbar gewesen sein. Und ganz sicher etwas, dass er nie durchmachen will.

Bei diesem Gedanken… streift etwas seine Gedanken, nur für einen kurzen Moment; ein bisschen wie eine seiner Ahnungen, aber nicht ganz. Ein bisschen beunruhigt, schaut er das Lagerhaus wieder an und nur einen Moment… fühlt es sich an… als würde es da… lauern, nur darauf wartend, dass er zurückkommt und es ihn verschlingen… nein, das ist dämlich. Das Lagerhaus beherbergt vielleicht seltsames Zeug und ja, einige der Artefakte scheinen tatsächlich ein Eigenleben zu führen… aber das Lagerhaus selbst ist doch kein Artefakt, oder? Oder?

Na ja, vielleicht fragt er eines Tages Artie mal danach. Im Moment allerdings… schreibt er seinen wachsenden Wunsch, vom Lagerhaus wegzukommen dem unbedeutenden Fakt zu, dass er heute fast durch einen Stromschlag gestorben wäre. Also… es wäre wirklich nett, wenn Myka jetzt mal… oh, da ist sie ja schon.

Sie kommt zum Auto hinüber und er fragt sich, ob er sich das nur einbildet oder ob sie wirklich etwas langsamer läuft als sonst und ob dieser eine Blick zurück zum Lagerhaus… war das misstrauisch? Gedankenverloren? Aus der Entfernung kann er das nicht ganz erkennen und er ist kurz davor, sie darauf anzusprechen, als sie die Tür öffnet und einsteigt, aber… behält es dann doch für sich.

Ihm erscheint es so, als wäre sie ganz woanders, nicht ganz hier… tief in Gedanken, aber nicht in ihrer üblichen analytischen Art, wenn sie über einen Fall nachdenkt. Oder wenn sie vollständig in ein Buch vertieft ist – bildlich gesprochen, nicht… artefaktisch, vielen Dank auch… nein, es ist irgendwie anders. Irgendwas… muss passiert sein in der Zeit zwischen seinem Verlassen des Lagerhauses, als er sie mit Rebecca in Secords Zimmer alleine gelassen hat und ihrem Verlassen des Lagerhauses.

Er ist kurz davor, eine Bemerkung dazu zu machen; nur irgendetwas, das die schwere Decke, die das seltsame Schweigen, das sie befallen hat, als Myka eingestiegen ist, über sie geworfen hat, wieder anhebt. Aber letztendlich… ist es Myka, die zuerst wieder spricht. Aus den Augenwinkeln kann er sehen, dass sie kurz auf der Unterlippe herumkaut und dann sagt sie: „Pete… denkst du…“, aber sie beendet den Satz nie.

Und weil er noch nie gut in solchen Sachen war, versucht er, den Ton fröhlich zu halten, als er erwidert: „Klar, manchmal tue ich das tatsächlich.“ Er erwartet einen Schubs gegen die Schulter oder wenigstens ein genervtes Seufzen, aber überraschenderweise kommt es nie. Okay… „Jedenfalls… worum geht’s denn?“ Vielleicht sagt sie ihm jetzt, was passiert ist, als er schon draußen war…

„Nichts. Ich dachte nur… na ja, du weißt schon.“ Oder vielleicht auch nicht. Das hier ist wirklich seltsam… aber da er selbst jetzt auch nicht gerade in Redelaune ist – und vor allem, weil er sie inzwischen gut genug kennt, um zu erkennen, wann sie gerade reden will und wann nicht – zuckt er nur mit den Schultern.

„Ja, schätze schon.“ Und damit… ist das Schweigen wieder da und ihm wird langsam klar… dass Mykas seltsame Grübelei etwas mit… Rebecca zu tun hat. Oder zumindest mit Rebecca und Selcord und was sie beide durchgemacht haben… verdammt, er hätte sie in diesem verdammten Zimmer nicht alleine lassen dürfen.

Aber es hatte ihn einfach zu sehr an sein eigenes Zimmer erinnert und er hatte nicht wirklich darüber nachdenken wollen, dass er selber ziemlich nahe dran gewesen war, eine Erinnerung in einer Schachtel – in Form seines Zimmers in Leenas Bed & Breakfast – zu werden und dass er in diesem Moment nicht so genau darüber nachdenken wollte. Oder jemals wieder.

Jetzt allerdings fragt er sich, wie Myka sich gefühlt haben muss in diesem Zimmer, mit Selcords ehemaliger Partnerin und Geliebten… Myka, die auch vor nicht allzu langer Zeit einen Partner – und, wenn man den Gerüchten glaubt, auch Geliebten – verloren hat, die immer noch nicht mit ihm darüber reden will… und die heute fast einen weiteren Partner verloren hätte.

Ach, Scheiße. Er fühlt sich jetzt wie ein Arschloch, weil er nicht daran gedacht hat, was ihr das alles angetan haben könnte. Na schön, er hatte sich versichert, dass es ihr nach der ganzen Sache gut ging – aus irgendeinem Grund war ihm das in dem Moment viel wichtiger gewesen, als sein eigenes Wohlergehen – aber er hatte gar nicht darüber nachgedacht, dass da noch mehr dran gewesen sein könnte. Jetzt will er… er will sich dafür entschuldigen, dass er nicht mit ihr in dieses Zimmer gegangen ist, will sie umarmen… obwohl er ganz genau weiß, dass sie ihm vermutlich schon dafür in den Hintern treten würde, dass er es nur versucht.

Sie sind jetzt nah beim B&B… und er gibt Myka das stille Versprechen, dass er sich bei ihr entschuldigen wird, dafür, dass er sie mit Rebecca alleine gelassen hat und er wird vielleicht sogar versuchen, sie zu umarmen… aber vor allem wird er dafür sorgen, dass sie nie in seinem Zimmer stehen muss, verpackt im Lagerhaus, und sich fragen muss, was passiert ist, ob sie es hätte verhindern können… ob der Job ihm wichtiger war als sie.

Wie jetzt, fragt er sich, wo kam das denn auf einmal her? Aber… ja, besser nicht darüber nachdenken. Das war wahrscheinlich nur, weil sein Kopf noch völlig durcheinander ist vom Fall und dem Beinahetod durch Stromschlag. Nein… das ist nichts.

Er versucht, den Gedanken daran, wie wichtig Myka ihm ist, abzuschütteln und parkt den Wagen und dann steigen sie aus. Sie gehen schweigen zum Haus hinüber, aber er hat das Gefühl, als müsse er wenigstens etwas tun, um ihre Laune zu heben. Er überlegt kurz, ihr die Möglichkeit zu geben, ihm mit ihrem Nerd-Wissen quasi eins überzubraten. Aber am Ende… als sie vor der Tür des B&B stehen… lächelt er nur kurz und sagt: „Hey, äh… Myka?“

Sie sieht ein bisschen erschrocken aus, als wäre sie gerade wieder woanders gewesen. „Ja?“

Ein weiteres Lächeln erscheint auf seinem Gesicht, gedacht dazu, irgendwie diesen traurigen Ausdruck in ihren Augen verschwinden zu lassen und er sagt nur: „Danke, dass du mir heute das Leben gerettet hast.“

Im Versuch zu antworten, öffnet sie ihren Mund… schließt ihn aber wieder, als wäre sie kurz davor gewesen abzustreiten, dass sie es war, die ihn gerettet hat oder dass sie es fast versaut hätte, weil sie mit den Klemmen gezögert hat… aber am Ende… lächelt sie nur etwas ungelenk und erwidert: „Jederzeit, Pete. Jederzeit.“

Na ja… ein Lächeln ist ein Lächeln und weil er für heute genug Ernstes hatte, beschließt er einfach, dass sie auch an einem anderen Tag darüber reden können. Für heute Abend allerdings… für heute Abend hat er etwas viel Besseres im Kopf. „Weißt du… ich könnte jetzt wirklich ein paar Kekse vertragen.“

„Ja“, sagt sie und dieses Mal sieht das schiefe Grinsen tatsächlich schon viel echter aus, „das wette ich.“

Endlich öffnen sie die Tür zum B&B und drinnen werden sie von einem fröhlich flackernden Feuer begrüßt und der gemütlichen Couch und den Büchern im Gemeinschaftsraum… und Keksen auf dem Tisch. Ah… es ist so gut, nach hause zu kommen.
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