Wir trafen uns in einem Garten

von Itami
GeschichteAbenteuer / P12
04.07.2010
03.10.2010
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Dieses Kapitel
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Inhalt: Edith Greenberg sehnt seit vielen Jahren ein ganz bestimmtes Datum herbei, und als der große Tag endlich gekommen ist, muss sie nur noch den Countdown runterzählen, bis ein Mann im Nadelstreifenanzug ihre Enkelin zum schreien bringt! Ab da weiß sie: Alles wird gut!

Zeitpunkt: Spielt irgendwann nach „Planet of the Dead“.

Genre: Ungefähr im Stile einer DW-Folge.

Disclaimer: Familie Greenberg gehört mir! Miiiiir!! ...Okay, aber der Doktor, die Tardis, und die Serie an sich gehören nach wie vor der BBC. Irgendeinen Haken gibt es halt immer...

Charakterinfo: Am wichtigsten in dieser Story ist die 18jährige Beth Greenberg. Die Idee zu ihr kam mir vor ca. anderthalb Jahren (DerDoctor ist mein Zeuge ;) und jetzt will sie endlich mal ihre erste Story fertig bekommen.
Irgendwann habe ich sie auch zu Papier bzw zu Pixel gebracht... und ja, ich bin fast ausgetischt, als 9 Tage später Karen Gillan als neuer Companion bekanntgegeben wurde^^' tjahaha...
klick mich!  (ich mag den verpennten Blick)



Wir trafen uns in einem Garten

Es war der 18. August 2018. Ein Samstag. Das wusste Edith Greenberg zwar, doch schaute sie bereits zum achten mal heute auf den Kalender, der in ihrer Küche hing. Sie musste einfach sichergehen, dass es dieses Datum war und keinen Tag zu früh. Alles musste heute so sein, wie es sein sollte – angefangen beim richtigen Wetter, über die richtige Kleidung, hin zu dem richtigen Kuchen.

Es machte Bing und so riss die Uhr des Backofens Edie aus ihren Gedanken. Hastig streifte sie ihre Backhandschuhe über, öffnete den Ofen und holte einen großen Russischen Zupfkuchen heraus. Sein Lieblingskuchen. Stolz stellte sie ihn auf das Rost vor der Fensterbank und inhalierte förmlich den herrlichen Duft.

„Ich weiß gar nicht, wann du zuletzt Zupfkuchen gebacken hast!“, ertönte eine Stimme aus Richtung der Tür, und Edie wandte sich zu ihr um.

Mit gespielt hochnäsigem Blick zog sie sich die Handschuhe aus. „Tja, es gibt viele Dinge, die du nicht weißt.“, antwortete Edie, woraufhin die Person im Türrahmen eine Augenbraue hochzog.

„Du immer mit deinen komischen Andeutungen, Oma!“, kommentierte das junge Mädchen und trat auf Edie zu um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. „Ich bin dann mal bei Vicky!“

„Was?“, machte Edie und sah ihre Enkelin an, als sei sie ein Geist.

Gerade war sie noch auf dem Weg raus gewesen, doch nun blieb sie überrascht stehen. „Bei Vicky.“, wiederholte sie, „Ich habe dir doch gestern bescheid gesagt!“

„Nein!“, schrie Edie etwas zu laut und sah an dem besorgten Blick ihrer Enkelin, dass sie etwas zu laut gewesen war. Sie schien überzureagieren, was eigentlich sonst nicht ihre Art war, also atmete sie lieber einmal tief durch. „Ich meine... das geht nicht, Beth. Heute ist schlecht. Heute ist schließlich...“

Doch sie vollendete den Satz nicht, was auch besser so war, denn zu sagen ‚Heute ist schließlich der wichtigste Tag in deinem Leben!’ hätte Beth erst recht verwirrt. Stattdessen unterbrach jemand mit seinem bloßen Erscheinen die Unterhaltung der beiden Frauen.

„Ich bin fertig!“, verkündete der ältere Mann stolz und stiefelte mit seiner dreckigen Gartenkleidung in die Küche, sodass Edie sofort die Augen verdrehte. Sie hatte den Fußboden erst heute morgen gewischt. „Unkraut gezupft und Rasen gemäht! Bin ich toll oder bin ich toll?“

„Klasse, Opa!“, grinste Beth, die es liebte, wenn ihr Opa Dinge tat, die ihre Oma zur Weißglut brachten, ohne dass er es merkte. Aber es war schon seltsam heute. Oma hatte geputzt, gebacken, Opa rausgeschickt um den Garten auf Vordermann zu bringen... „Erwarten wir Besuch?“

Der ältere Mann hob seine Augenbrauen nach dem Motto ‚Das würde Sinn machen!’ und wandte seinen Blick ebenfalls auf Edie.

Am liebsten hätte sie so etwas wie ‚Schaut mal, da hinten!’ gerufen und hätte die Sekunde der Ablenkung genutzt, um wegzulaufen, doch so etwas funktionierte nur in Comics, Filmen, oder wenn man es mit schrecklich dummen Menschen zu tun hatte – und schrecklich dumm waren ihr Mann und ihre Enkelin nun wirklich nicht.

„Keine Ahnung.“, sagte Edie schließlich und zuckte mit den Achseln. „Aber es ist Samstag und Samstag ist der Tag, an dem verrückte Dinge passieren können. Die erste Mondlandung war an einem Samstag!“

Gerade wollte ihr Mann den Mund öffnen, um etwas zu erwidern, da korrigierte Beth bereits, „Netter Versuch, Oma! Die erste Mondlandung war an einem Sonntag!“

Leicht säuerlich schaute Edie zu ihrer Enkelin und wagte einen neuen Versuch, „Dann eben die erste Herzverpflanzung!“

Doch Beth schüttelte nur gespielt mitleidig den Kopf, „Ebenfalls ein Sonntag!“

Gerade machte Edie den Mund auf um beim dritten Anlauf ihr Glück zu probieren, da warf ihr Mann ein, „Na, ihr habt Probleme...!“

Das war das Stichwort, woraufhin Beth laut seufzte, „Zumindest ich habe ein Problem! Du hättest gleich sagen sollen, dass ich nicht zu Vicky darf, Oma! Dabei bin ich schon 18... ein freier Mensch... pah!“, machte sie und sah nicht, wie Edie erleichtert über ihre Kapitulation lächelte. „Geh ich eben auf mein Zimmer und warte darauf, dass was passiert. Mal sehen worauf... vielleicht auf meinen Tod.“

„So etwas will ich in diesem Haus nicht hören!“, rief Edie verärgert und warf einen Backhandschuh nach ihrer Enkelin. Wie erstarrt sah sie das junge Mädchen an und in ihren Augen begann es zu glitzern.

„Tut mir Leid.“, meinte Beth knapp und warf ihre langen, roten Haare nach hinten, „War nur so ein Spruch.“

„Nur so ein Spruch!?“, wiederholte Edie mit vor Aufregung zitternder Stimme. „In letzter Zeit sterben genügend Leute in der Gegend, egal wie jung und fit sie sind! Da will ich keine solchen Sprüche hören!“

Ein wenig hilflos sah ihr Mann von Edie zu Beth und zurück. Er hasste es, wenn seine Frau so überreagierte und das junge Mädchen damit in Verlegenheit brachte. Sie hatte es doch nicht böse gemeint. Ganz abgesehen davon, dass hier gar keine Todesfälle passiert waren, sondern nur...

„Sorry. Wirklich.“, sagte sie schließlich und sah zur Seite, „Du nimmst dir die Sache mit den Leuten sehr zu Herzen, was?“

Edie brauchte nicht antworten – ihr Schweigen zeigte mehr als deutlich, dass es die Wahrheit war.

„Ich... ehm... geh mich dann mal umziehen...“, meinte ihr Mann nach einer Weile und schlich nach oben.

„Ich geh auch hoch. Ruf mich, wenn du mich brauchst, Oma.“, schlug Beth vor und ging in Richtung der Treppe ins Obergeschoss.

Na prima, jetzt durfte Edie wieder den Küchenboden schrubben und von Erde, Matsch und Gras befreien. Sie hatte da diesen Plan im Kopf, der ihr sagte, dass heute alles perfekt sein musste, und dazu gehörte auch ein blitzender und blinkender Fußboden. Und die richtige Kleidung.

Als ihr das einfiel, lief Edie schnell zur ersten Treppenstufe und rief nach oben zu ihrer Enkelin, „Sei so gut und zieh dir doch bitte die schwarzgraue stonewashed Jeans und das eine grüne T-Shirt an. Habe ich dir schon im Bad hingelegt!“

Sie hörte das junge Mädchen seufzen. „Wir erwarten also doch Besuch...“, murmelte Beth zu sich selber und rief dann zurück „Warum nicht die weiße Bluse? Du sagst doch sonst immer, ich sehe sooo süüüüüß darin aus?“

Sie kannte ihre Großmutter doch. Wann immer sonst Besuch vorbeikam wurde sie durch ihre liebevolle aber bestimmte Art dazu gezwungen, diese schreckliche weiße Bluse mit den Rüschchen zu tragen, um nett und adrett auszusehen. Das grüne T-Shirt jedoch... oh, sie liebte es! Sie hatte es damals in S kaufen müssen, weil M ausverkauft gewesen war und sie den weißen Vintage-Print auf dem Rücken so schön gefunden hatte, dass sie gewusst hatte, ohne dieses T-Shirt nicht weiterleben zu können. Ihre Oma hatte es nachher nur abwertend betrachtet und gemeint, es sei ja viel zu kurz. So ein Blödsinn, es war nicht zu kurz! ...Wenn man sich nicht großartig bewegte zumindest.

„Nein, das grüne T-Shirt ist heute perfekt! Glaub mir!“, rief Edie zurück und war froh, dass ihre Enkelin sie gerade nicht grinsen sehen konnte. So ein Grinsen passte nicht in das liebliche Gesicht einer Frau in ihrem Alter – zumindest nicht, wenn Edie nach außen hin so tat, als sei sie nur ein x-beliebiges Mütterchen. In Wirklichkeit war sie jedoch alles, nur nicht x-beliebig...

Angefangen davon, dass sie seit der Pubertät immer wieder wie ein Teufelchen auf der Schulter ihrer Enkelin gesessen hatte, wenn es darum ging, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen wie ‚Geh ich noch auf die Party, obwohl morgen der Physiktest ist, oder gehe ich lieber die Übungsblätter noch mal durch?’. In diesen Dingen war ihre Oma immer diejenige gewesen, die gesagt hatte ‚Los Mädchen! Man lebt nur einmal!’ und ihr auf eine Art und Weise zugezwinkert hatte, die all ihre Zweifel wegblasen konnte.

Ihre Oma musste als junges Mädchen ein wilder Feger gewesen sein. Immer unter Leuten, immer auf Parties, an jedem Finger ein Kerl... Ein Wunder, dass sie überhaupt geheiratet hatte, wo feste Bindungen früher bestimmt nicht ihr Ding gewesen waren. Im Prinzip waren Beth und ihre Großmutter zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Während Beth schon früh gemerkt hatte, dass Mathe und Sprachen ihr Ding waren und sie somit voller Ehrgeiz in die Schule ging, versuchte ihre Großmutter sie auch immer wieder daran zu erinnern, dass es Wichtigeres gab als Noten. Wie zum Beispiel Freizeit, Freunde und all der Kram, der gutaussehenden, jungen Mädchen wie Beth offen stand. Manchmal fühlte Beth sich dann als sei sie selber die spießige Oma und Edie ihre Enkelin, die noch etwas erleben wollte.

‚Du bist zu ernst, Kindchen!’, hatte Edie ihr oft gesagt, gefolgt von Sätzen wie, ‚Hör auf deine gute alte Großmutter und schreib dich nicht in noch eine AG ein!’

‚Aber ich bin nicht so wie du, Oma!’, war etwas, das sie dann häufig sagte, weil sie das Gefühl hatte, Edie wolle sie zu einem jüngeren Abbild von sich selber machen. Meist lächelte die ältere Frau dann und bat um Entschuldigung.

‚Ich möchte nur nicht, dass du später bereust, deine Jugend nicht voll und ganz ausgekostet zu haben.’

Und eigentlich hatte sie ja auch recht. Man war nur einmal jung, man war nur einmal 18... Chancen waren da um genutzt zu werden!

Vielleicht sollte sie doch mit Jake ausgehen... überlegte Beth, wobei sie aus dem Schmuckkästchen auf ihrem Schreibtisch eine Surferkette heraus holte. Eigentlich hatte sie Jake gehört, aber er hatte sie ihr geschenkt. Zu ihrem Geburtstag. An dem Tag vor wenigen Wochen hatten sie sich kennengelernt und als Jake von ihrem Geburtstag hörte, hatte er die Kette sofort abgemacht und ihr umgelegt. Eine Aktion, die bei jungen Mädchen einen bleibenden Eindruck hinterließ. Beth jedoch war mehr als ‚ein junges Mädchen’ und hatte Jakes Aktion sofort als kalkuliertes Schleimen klassifiziert und sich so gegen seine weiteren Annäherungsversuche immunisiert.

Nachdenklich strich Beth über besagte Kette, die sie sich nun angelegt hatte. Andererseits war Jake wirklich okay, schleimen hin oder her. Schade, dass er keine Brille trug und nichts von Computern verstand... Nerds waren Beth immernoch die liebsten, weil sie bei denen ihren IQ nicht kleinhalten musste und einfach so sein konnte, wie sie wirklich war. Bei solchen Jungs fühlte sie sich wohl – wieder so eine Sache, die ihre Großmutter vermutlich nur zum Kopfschütteln gebracht hätte, wenn sie davon wüsste. Bestimmt hätte sie dann gesagt ‚Mit Nerds erlebt man keine Abenteuer!’ und dann hätte Beth mit den Augen gerollt und insgeheim gedacht, dass das Blödsinn sei, da selbst hinter Superman immernoch Clark Kent steckte.


Als Beth sich gerade ihren Roman schnappen wollte – eigentlich hatte sie vorgehabt ‚Alles Sense’ von Terry Pratchett schon gestern zu Ende zu lesen – hörte sie ihre Oma nach ihr rufen.

„Sorry. Später.“, entschuldigte sich Beth bei dem Buch und ging die Treppe hinunter.

„Hör mal zu...“, begann ihre Großmutter sofort als sie vor ihr stand, „Ich habe dir doch immer beigebracht, das Abenteuer zu suchen und Chancen zu ergreifen, vorallem, wenn sie einmalig sind, oder?“

Ein wenig verwirrt nickte Beth.

„Gut.“, lächelte Edie. „Denk immer daran! Es sind die Studierten in ihren Büros und Firmen, die die Welt zugrunde richten. Und die Abenteurer müssen sie dann retten!“

„...Geht es dir gut, Oma?“, fragte Beth ernsthaft beunruhigt. Sie wusste ja, was für ein Schlag Mensch ihre Oma war, aber solche Sprüche waren neu.

„Oh, mir ging es nie besser! Es ist schließlich der 18. August 2018. Samstag.“, lächelte Edie und deutete zum hundertsten mal auf den Kalender an der Wand.

Beth versuchte zurück zu lächeln, doch es wollte ihr nicht so recht gelingen. Es war ein ganz normaler Tag. Ein ganz normaler Samstag. Also warum schien ihre Großmutter so nervös? Hatte sie etwas verbrochen? Hatte jemand sie auf dem Kieker? Die CIA, MI6, Scotland Yard, GEZ...?

Gerade wollte Beth nachfragen, da fuhr Edie herum und zeigte auf einen großen Strauß Rosen, der in einer Vase auf der Kommode stand.

„Den da hat dein Opa draußen geschnitten. Schön nicht? Ich stelle ihn gleich ins Wohnzimmer auf den Sofatisch.“, vorsichtig schielte Edie auf die Wanduhr und spitzte die Ohren. Als sie leise ein scharrendes, kreischendes Geräusch vernahm, begann sie breiter zu grinsen als es für Menschen gesund war, „Bitte, sei doch so gut und hol mir einen Büschel Petersilie aus dem Kräuterbeet, ja?“

„Okay, mach ich.“, antwortete Beth erleichtert darüber, dass ihre Oma doch noch normale Dinge sagen konnte, und trat in die Küche, durch die man in den Garten kam.

Zufrieden sah Edie dem hübschen, jungen Mädchen nach. Sie hatte ihr Bestes bei der Erziehung ihrer Enkelin gegeben, und alles war so, wie es heute sein sollte. Ein perfekter Tag für Besuch!



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Oho, ein Kapitel ganz ohne Doc? – Ja, aber im nächsten taucht er auf, keine Sorge ;)

Dieses Kapitel habe ich am 03.05.09 geschrieben. Erst dann fing ich an, mir eine Story dazu auszudenken. Und, oooh, sie wurde groß! Sehr groß, sehr timewimey und als ich sie als Schaubild (ja, manchmal mache ich Schaubilder zu meinen Storys) fertig hatte, war ich stolz! So stolz, dass ich regelrecht aufschreckte, als mir ausgerechnet kurz vorm einschlafen klar wurde, dass sie ein dummes, alles zerstörendes Plothole hatte! Tja, sht hppns! Weiterschreiben war also gestorben... Ich verbannte die Story und mit ihr auch meine ganzen Ideen für Ten und Beth und... naja...

Jetzt sitz ich hier und möchte die Sache endlich in die Hand nehmen! Ha! ...Mal sehen, was draus wird... Da ich noch an der Story tüftle und zurzeit ein paar Eisen im Feuer habe, werden die Updates wohl etwas unregelmäßig ausfallen.
*verbeug*
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