Besuchszeit

GeschichteDrama / P12 Slash
KHK Jürgen Tauber
04.07.2010
04.07.2010
1
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Titel: Besuchszeit
Autor: Kessel_KSL
Inhalt: Tauber besucht Kurtz im Gefängnis...
Warning: Es ist von mir? :D Slash... ein wenig jedenfalls...
Rating: FSK 12
Disclaimer: Alles ARD - Ich nichts..
AN: Man sollte "Endspiel" kennen.

*

Er hasste schon das Wort ‚Besuchszeit’ und das Prozedere der Sicherheitsschleusen und dass er nichts mitnehmen durfte, obwohl der 24. Dezember war.

Diverse Flüche vor sich hin murmelnd eilte Tauber durch den leeren Gang zum Besucherraum, verharrte einen Moment vor der schweren Eisentür und strich sich über die kurzgeschorenen Haare. Er straffte die Schultern und öffnete die Sicherheitstür. Selbst die Besucher wurden wie Schwerstverbrecher behandelt. Er nannte seinen Namen und den von Matthias und wurde darauf verwiesen doch schon mal Platz zu nehmen. Argwöhnisch sah er sich in dem kahlen Raum um, der nichts als Trostlosigkeit versprühte, selbst der Tannenbaum in der Ecke konnte dem nicht entgegenwirken.

Der Raum war in der Mitte durch eine schusssichere Glasscheibe getrennt, vor der auf jeder Seite ein Stuhl und ein Tisch standen. Tauber nahm auf einem Stuhl abseits der anderen Platz und wartete auf Matthias. Gedankenverloren drehte er den Telefonhörer durch den sie sich unterhalten konnten in der Hand. Auch er hatte Schuld daran, dass Matthias jetzt hier einsaß, er hätte weniger nachforschen sollen, hätte ein einziges Mal an das Gute im Menschen glauben sollen. Aber jetzt war es zu spät… Und die Aktion mit der Wanze und der Obermaier hätte er sich auch sparen können. Hätte einfach so zu ihm fahren und sich entschuldigen sollen. Irgendwie hätten sie das Ganze schon wieder geradegebogen…

Tauber zuckte zusammen, als ihn ein Klopfen gegen die Glasscheibe aus seinen pessimistischen Gedanken riss. Matthias saß ihm gegenüber, den Stuhl auf zwei Beine nach hinten gekippt und der Anflug eines Lächelns huschte über Taubers Lippen. Matthias würde sich hier nicht unterkriegen lassen, da war er sich sicher.

„Hey…“, sagte er leise in den Telefonhörer, unsicher, was er überhaupt sagen sollte. „Geht’s dir gut?“

„Ja. Was ist mit deinen Haaren passiert?“ Seine Stimme klang merkwürdig fremd durch den Plastikhörer. Weit weg, obwohl sie nur ein halber Meter trennte.

„Ich dachte das trägt man jetzt so…“, antwortete er schmunzelnd mit einem Blick auf Matthias’ genauso kurze Haarpracht. Dieser konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen.

„Wie geht’s der Katze?“, fragte Matthias und stellte den Stuhl wieder auf alle vier Beine, lehnte sich mit den Ellenbogen auf die Tischplatte vor ihm.

„Der geht’s gut… Ich glaube sie vermisst dich.“ Und nach einem kurzen Zögern: „Ich… vermisse dich auch, Matthias.“

„Ja, ich wär’ auch gern bei dir…“ Die Antwort war mehr ein leises Murmeln, aber Tauber verstand sie trotzdem.

„Ich hol’ dich hier raus. Versprochen. Wir gehen in Revision. Ich lass dich hier nicht zehn Jahre schmoren.“ Und er meinte er ernst, dieses Versprechen. Für Matthias würde er kämpfen. Würde nicht tatenlos zusehen.

„Danke… Aber ich glaube da lässt sich nichts mehr machen. Ich häng’ da zu tief drin…“ Matthias schüttelte den Kopf und strich sich über die millimeterkurzen Haare. „Aber danke, trotzdem. Und dass du heut’ gekommen bist.“

„Das bin ich dir doch schuldig…“ Bevor er noch mehr sagen konnte, schallte eine Stimme durch den Raum.

„Die Besuchszeit endet in fünf Minuten. Ich wiederhole – In fünf Minuten endet die Besuchszeit. Bitte verabschieden Sie sich!“

„Okay… Kann man nichts machen.“, seufzte Tauber, klemmte sich den Hörer zwischen Kopf und linker Schulter und legte die rechte Hand gegen das kalte Glas. „Bis nächste Woche…“

Matthias tat es ihm gleich, erwiderte sein Lächeln und drückte seine Hand gegen das Glas, sagte ihm das, was er nie von ihm erwartet hätte.

„Jürgen, du bist ein guter Freund… Und ich habe dich gern’. Sehr gern. Wirklich... Ohne Scheiß…“

„Ich dich auch, Matthias. Ohne Scheiß’.“ Nickte ihm aufmunternd zu und hängte den Hörer wieder ein, als Matthias von den Beamten fortgeführt wurde. Warf ihm noch einen langem Blick hinterher, bevor er sich loseisen konnte und sich zum Gehen wendete.
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