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Rumo und die Wahrheit der Alchimisten

von -Echo-
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Blaubär Hildegunst von Mythenmetz Rumo von Zamonien
30.06.2010
22.03.2015
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30.06.2010 5.309
 
Rumo war zu der Erkenntnis gelangt, dass es für ihre Personenkonstellation offenbar nur zwei Aggregatzustände gab: schweigend oder streitend. Da er selbst sich immer noch weitestgehend außerstande fand, an irgendeiner Auseinandersetzung aktiv teil zu nehmen, bevorzugte er ersteres, auch wenn die herrschende Stille meist von eher unangenehmer Natur war.
Leider schien niemand wirklich Rücksicht auf seine Vorzüge nehmen zu wollen.
„Ich sehe nicht ein hier abzubiegen!“ Eißpin blieb stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Dieser Weg führ von Schattenhall weg, wenn wir dort lang gehen, verlieren wir über einen Tag!“
„Wo wir lang gehen, bestimme hier unten immer noch ich!“, rief Mythenmetz aufgebracht und unterstrich diesen Satz mit einer Geste, die Rumos Kreuz bedrohlich zum schwanken brachte. Er hatte in den letzten Stunden immer wieder eine alte, vergilbte Karte studiert, genickt oder mit dem Kopf geschüttelt und die Gruppe um endlose Windungen und Biegungen geführt, ohne dass irgendjemand Protest erhoben hatte.
Jetzt allerdings weigerte sich Eißpin auch nur einen Schritt weiter zu gehen. „Es interessiert mich nicht, was in deiner komischen Karte steht, Hildegunst, ebenso wenig, wie es mich interessiert, dass du vor einer halben Ewigkeit einmal hier unten ein paar Wochen verbracht hast. Ich habe hier gelebt! Und das fünf Jahre lang! Und ich kann dir sagen: Das hier ist nicht der Weg nach Schattenhall.“
„Wie wäre es, Succubius“, zischte Mythenmetz gefährlich, „wenn du dich aus meinen Angelegenheiten heraus hältst und dich einfach auf das konzentrierst, wofür du da bist. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir die Abmachung, dass du uns Geleitschutz bis an unser Ziel gibst und wir dich dafür ungeachtet deiner Taten unbehelligt ziehen lassen. Für nicht mehr und nicht weniger bist du hier zuständig.“
„Wir hatten die Abmachung, dass ich euch nach Schattenhall bringe! Von einem anderen Ziel war nie die Rede!“
„Seid endlich still!“, fuhr Echo plötzlich harsch dazwischen, ohne die beiden Streitenden auch nur eines Blickes zu würdigen. Er hatte eisern geschwiegen, seit sie sich mit Eißpin auf den Weg gemacht hatten und wirkte auch jetzt distanziert und kalt. „Das ist ja nicht zum aushalten! Ist das der richtige Weg, Lindwurm?“
„Es ist der beste Weg.“
„Das genügt mir. Wir werden also dort lang gehen!“
Eißpin schnaubte ungläubig. „Wie bitte? Oh nein, das sehe ich gar nicht ein!“
Echo befand es offenbar immer noch nicht für nötig sich umzudrehen, stattdessen schüttelte er seinen Arm und hielt zusammen mit seinem Handgelenk ein dünnes, silbern funkelndes Armband empor. Es war eine filigrane Arbeit, die eine Blumenranke mit kunstvoller Beblätterung darstellte. „Wirst du es tun, wenn ich dir das dafür gebe?“
Rumo zog auf seinem Kreuz eine Augenbraue hoch. Wollte der Gestaltenwandler diesen komischen Kauz etwa mit einem Frauenschmuckstück bestechen? Was war das denn für eine Idee? Besonders wertvoll sah es nicht aus, im Gegenteil, es war an einigen Stellen abgewetzt und deutlich angelaufen, so als wäre es oft getragen worden. Zu Geld ließ es sich sicherlich nicht machen.
Doch Eißpin stürzte wie vom Donner gerührt zu seinem ehemaligen Schüler herüber, packte dessen Arm mit tödlichem Griff und betrachtete das kleine Silberstück als sei es der Stein der Weisen persönlich. „Wo hast du das her?“, fragte er barsch, während er mit dem Finger über die glänzenden Blumen fuhr.
Echo entriss ihm seinen Arm und schob ihn unter den linken, der das untere Ende des Kreuzes trug. „Hast du ernsthaft geglaubt, ich sei damals gegangen, ohne mir etwas zur Erinnerung mitzunehmen?“
Der Blick des ehemaligen Schrecksenmeisters hatte sich verklärt und er sah zu Boden. „Sie hatte es damals schon“, murmelte er abwesend. „Ich würde es niemals vergessen.“
„Also?“
„Schon gut, ich bin dabei.“ Eißpin zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und wandte sich ab, ganz so als wolle er vor der Gruppe verbergen, was in diesen Sekunden in ihm vorging. Und tatsächlich war es für Rumo völlig unbegreiflich, wieso ausgerechnet so etwas Unbedeutendes wie ein Armband eine derartige Gefühlsregung und ein vollständiges Abtreten der Prinzipien bewirken konnte, doch er kam zu dem Schluss, dass es ihm ja im Grunde egal sein konnte. Das Wichtigste war, dass sie Schattenhall erreichten und zwar möglichst bald. Was mit diesem alten, exzentrischen Neuankömmling geschah, wer er war, was er wollte – wen kümmerte das schon?
„Schön“, schnaubte Mythenmetz und rückte die Trageschlaufe des Kreuzes in seiner Klaue zu Recht. „Können wir dann weiter gehen?“
Sie konnten und sie taten es auch, nun wieder schweigend und nur gelegentlich durch Eißpins gebellte Kommandos aus ihren Gedanken aufgeschreckt. Bücherjäger behelligten sie dank des metallenen Schrittes des Schattentodes nicht mehr, der ihnen durch die wunderbaren Akustik der Katakomben wie eine Vorhut voraus eilte und den Weg frei machte. Lediglich einige wilde Tiere sprangen hier und da aus dem Dunkel, doch ehe sie auch nur die geringste Chance zum Angriff hatten, schlug ihnen eine wütend rauschende Sense entgegen und verpasste ihnen Entweder den Schock ihres Lebens oder halbierte sie gleich ohne viel Federlesen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Eißpin beugte sich jedes Mal, wenn er etwas erlegt hatte, für einige Sekunden interessiert über den toten Körper, studierte dessen Bau, Gebiss und Gliedmaßen, machte sich dann und wann Notizen und zückte Skalpell oder Jagdmesser – das hing ganz von der Größe des Opfers ab – um sich auch von den Innereien ein genaueres Bild machen zu können.
Blaubär und Echo hielten in diesen Minuten zusammen mit Rumo gebührend Abstand, wohl wissend, das dieser Anblick sie wohl eine Weile verfolgen würde, wenn sie sich zu nah heran wagten. Ganz zu schweigen von dem Geruch.
Mythenmetz jedoch konnte nicht anders als seiner angeborenen Neugierde nachzugehen und sich in Sichtweite heran zu trauen, als der alte Alchimist einen besonders widerlich anmutenden Mischling aus Riesenkäfer und Ratte auftrennte. Vorsichtig linste er ihm über die Schulter, um einen genauen Blick auf die fremdartigen Innereien zu erhaschen und diese Informationen in seinem reichen Erfahrungsschatz abzuspeichern.
Die folgende halbe Stunde war er damit beschäftigt sich zu übergeben.
Als er sich halbwegs wieder beruhigt hatte – er würgte mittlerweile nur noch bittere Magensäure empor – wischte er sich über das Maul und deutete einen dunklen Stollen hinunter. „Nur noch ein paar hundert Meter in diese Richtung“, keuchte er. „Dann sind wir da.“
Eißpins Augenbraue zuckte verdächtig, doch er blieb still.
Rumo war unendlich erleichtert. Nun hatten sie es also bald geschafft. In wenigen Stunden konnte er von diesem schrecklichen Kreuz aufstehen, Echo würde ihm das Elixier brauen und dann würde ihn nichts mehr halten. Er würde rennen, durch die Süße Wüste, durch den Großen Wald, durch ganz Zamonien, wenn es sein musste, um Smeik endlich aus seiner misslichen Lage zu befreien und diese furchtbaren Menschen zum Teufel zu jagen. Und dann konnte endlich wieder alles seinen gewohnten Gang gehen und er musste sich nicht länger mit lästigen Weggefährten herumärgern.
Obwohl – Blaubär war ja ganz nett. Vielleicht konnte man in Kontakt bleiben.
„Also auf!“, rief Echo vom vorderen Ende der Tragekonstruktion. „Je eher wir da sind, desto besser!“
Wie es Mythenmetz gesagt hatte, folgten sie dem leicht abfallenden Stollen rutschend und taumelnd tiefer in das Erdreich hinein. Rumo vermochte nicht zu sagen, wie hoch oder tief sie inzwischen sein mochte, so oft waren sie auf und wieder abgestiegen. Waren sie direkt unter Buchhaim oder war ein paar Meter unter ihnen schon Untenwelt? Diese Vorstellung gruselte den wehrlosen Wolpertinger und er schob ihn schnell beiseite. Dort unten wollte er nie wieder hinmüssen – die Erinnerung an so manches Ereignis raubte ihm noch immer den Schlaf.
Eißpin verließ unterdessen seine Position hinter dem wankenden Kreuz und schloss schnellen Schrittes zu Echo auf. Als er schließlich auf gleicher Höhe mit ihm war, zog er sich die tarnende Kapuze vom Kopf und strich sich durch das dünne, lange Haar.
„Du hast einiges dazugelernt, wie ich sehe“, sagte er und grinste dabei auf eine nicht zu deutende Weise. „Gestaltenwandeln – das ist nicht einfach! Meinen Respekt!“
Echo sah zu Boden. „Was willst du?“
„So abweisend?“ Sein ehemaliger Meister lachte. „So kenne ich dich ja gar nicht! Was ist los mit dir?“
„Denk mal drüber nach.“
Das Lächeln verschwand von Eißpins schmalen Lippen. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen und das weißt du auch! Alles, was ich getan habe, geschah einvernehmlich. Ich habe dich nie hintergangen oder zu etwas gezwungen!“
Echo schnaubte und für einen Moment schien ein Anflug von Sanftmut über seine Züge zu huschen. Doch der Moment verging und schon einen Wimpernschlag später war die abweisende Kälte zurückgekehrt. „Das ist nicht der Punkt!“ Er drehte sich so gut er konnte weg und überließ Eißpin seinem Rücken. „Aber das würdest du ohnehin nicht verstehen.“
Sein ehemaliger Meister hob die Augenbrauen und blieb stehen, um sich wieder zurück fallen zu lassen. „Sind wir jetzt nicht ein wenig melodramatisch?“, sagte er laut, sodass sogar der in Gedanken versunkene Mythenmetz neugierig den Kopf hob. „Die letzten fünf Jahre haben deinem Charakter nicht gut getan, Echo!“
Als Antwort erhielt er ein freudloses Lachen, das von den Stollenwänden widerhallte und Rumo die Nackenhaare zu Berge stehen ließ.

„So, das sollte reichen!“
Blaubär, Echo und Eißpin blieben stolpernd stehen und starrten Mythenmetz verständnislos an. „Wie jetzt?“
„Das reicht“, wiederholte der Lindwurm und machte Anstalten Rumos Tragekreuz abzulegen. „Wir sind da.“
Blaubär drehte sich verwirrt einmal um die eigene Achse. „Wie, ‚da’? Wo ‚da’?“
„Willst du mich verarschen“, fragte Eißpin und griff drohend über die Schulter an seine Sense. „Hier ist absolut gar nichts außer diesem götterverdammten Stollen! Wir sind kilometerweit von Schattenhall entfernt!“
Rumo, der spürte, wie seine Kräfte langsam aber sicher zurückkehrten, versuchte verzweifelt sich aufzurichten und sich ebenfalls umzusehen. Hier sah es tatsächlich nicht unbedingt so aus als stünde ein riesiges Schloss hinter der nächsten Ecke. Der schmale Gang, in dem sie stehen geblieben waren, roch modrig, an den wänden tropfte das Wasser herunter und Moos zog sich flächendeckend über die Felsen. Fluoreszierende Pilze säumten die Übergänge zwischen Wand und Fußboden und immer wieder huschten kleine, unheimliche Insekten durch die Lichtkegel ihrer Fackeln. Alles in allem keine sehr königliche Umgebung.
„Wir sind hier genau richtig!“, erklärte Mythenmetz beinahe trotzig. „Und jetzt sollten wir uns vielleicht alle ein wenig setzen und ausruhen.“
Der Schattentod ließ ungläubig die gezückte Sense sinken. „Jetzt hat er endgültig den Verstand verloren.“
„Ähm, Mythenmetz…“ Blaubär räusperte sich verlegen. „Ich will deine Autorität ja nicht infrage stellen, aber ich kann hier auch nicht wirklich ein Schloss oder etwas Derartiges sehen.“
„Ihr solltet euch jetzt wirklich hinsetzten!“
„Wo sind wir, Lindwurm?“, wollte jetzt auch Echo wissen. Er und Blaubär folgten gezwungenermaßen Mythenmetz’ Bewegung und setzten Rumo mitsamt Kreuz vorsichtig auf dem Felsboden ab. „Was für eine Art von Spiel ist das hier?“
Doch der Lindwurm schüttelte nur den Kopf. „Regt euch nicht auf, ich halte mein Wort. Ihr werdet schon sehen. Tut mir nur einen Gefallen und setzt euch endlich hin!“
„Einen Teufel werde ich tun!“, rief Eißpin und warf die Arme in die Luft. „Mir reicht es jetzt. Die Echse sagt, wir sind da, also ist mein Teil der Abmachung ja wohl erfüllt. Ich verschwinde! Echo, gib mir das Armband, wie du es versprochen hast!“
Doch Echo rührte sich nicht. Wie hypnotisiert starrte er den Tunnel hinunter, während sich seine Brust deutlich unter aufgeregten Atemzügen hob und senkte. „Leute, was ist das?“
Eißpin war augenblicklich still. Auch Rumo und Blaubär lauschten nun angestrengt in die Dunkelheit hinein und tatsächlich: Ein seltsamer, leiser Singsang hatte die Katakomben um sie herum erfüllt. Er schien von allen Seiten gleichzeitig zu kommen und wurde als tausendfaches Echo von den Stollenwänden zurückgeworfen, sodass er zu einem unheimlichen, geisterhaften Chor anschwoll, der jede einzelne Faser des Körpers zum Schwingen brachte. Rumo fand sich von einem unkontrollierten Zittern erfüllt, dem er selbst mit all seiner Willenskraft keinen Einhalt zu gebieten vermochte und auch Blaubär kämpfte ganz offensichtlich mit seinen Gliedmaßen, die langsam den Dienst quittierten und unter ihm nachzugeben drohten.
Dann brach Echo plötzlich bewusstlos zusammen.
Blaubär machte einen entsetzten Sprung zur Seite, während aus dem Gestaltenwandler wieder zuckend und zitternd die Kratze wurde, die er war, und Eißpin suchte mit hektischem Blick nach de Quelle der gespenstischen Melodie. „Was soll das?“, rief er und schlug mit seiner Sense panisch ins Nichts. „Was ist das hier für eine Sch….“ Doch bevor er den Satz zu Ende bringen konnte, schlug auch er der Länge nach zu Boden.
Blaubär blieb gerade noch die Zeit sich umzudrehen und dem immer noch gelassen dastehenden Mythenmetz einen hysterischen Blick zuzuwerfen, dann gaben auch seine Beine unter ihm nach und er sank in einem dumpfen Geräusch auf den nassen Fels.
Rumo hätte in diesen Sekunden nicht einmal sagen können, dass er Angst hatte. Er spürte, dass auch er seinen Gefährten gleich nachfolgen sollte, dass sich seine Gedanken vernebelten und sich seine Sinne langsam trübten, doch alles, woran er denken konnte, war: ‚Hat Mythenmetz wirklich gelogen? Hat er uns hierher gelotst, weil wir hier untern wehrlos sind? Aber wo liegt da der Sinn?’
Dicht gefolgt von seinem letzten, bewussten und nicht ganz so tiefsinnigen Gedanken: ‚Nicht schon wieder….’

Rumo hatte einen wundervollen Traum.
Er war das Kreuz los und fühlte sich lebendig wie nie zuvor. Er tollte über die Wiesen vor Wolperting mit Rala und einem hübschen, weiß braunen Welpen, der wohl sein Sohn sein musste, zumindest waren sie sich sehr vertraut. Smeik sah ihnen von weitem zu und winkte dann und wann, er schien sehr zufrieden und trug ein fettes Grinsen zur Schau, als habe er gerade das Geschäft seines Lebens abgeschlossen.
Nun kam sein Sohn angelaufen. Er lachte ausgelassen und sprang mehr als dass er rannte, wobei Gras und Erde hinter ihm aufflogen. Freudig und mit einigem Schwung hopste er in Rumos Arme und begann ihm zärtlich das Fell auf der Wange zu lecken. Rumo erwiderte die Geste nur zu gerne und schleckte dem kleinen Wolpertinger liebevoll über die Ohren und die kleinen Hörnchen, während er von Rala wohlwollend beobachtet wurde.
Dann wachte er auf.
Blaues Fell klebte an seiner Zunge und Blaubär, der neben ihm lag und schnarchte hatte einen verdächtig nassen Fleck auf dem Kopf.
„Uäh!“ Rumo sprang auf und wischte sich mit den Pfoten über die Zunge, um die königsblauen Strähnen loszuwerden. Dann hustete er, sank wieder auf alle viere und erbrach sich auf den Höhlenboden.
Wie war das? Der Morgen macht den Tag?
Auf einmal fiel ihm etwas auf. Und das war – gelinde gesagt – fantastisch.
Das Kreuz! Es war nicht mehr da! Er hatte keine Ahnung, wo es hin war, und ob er überhaupt schon wieder laufen durfte, doch es war weg und das fühlte sich unglaublich gut an. So unglaublich gut, dass Rumo sofort wieder auf die Beine sprang und sich an ein paar Tritten und Faustschlägen versuchte, die traumhaft geschmeidig durch die stickige Luft sirrten.
Es war tatsächlich recht stickig.
Ziemlich unangenehm sogar.
Und obwohl er keine Fackel angezündet hatte, lag ein rötlich heller Schimmer über der gesamten Umgebung, einschließlich Echo und Blaubär, die nach wie vor schlafend, aber ganz offensichtlich unverletzt wenige Meter von ihm entfernt herum lagen. Von Mythenmetz und Eißpin fehlte jede Spur, doch das interessierte Rumo in diesem Augenblick bei weitem nicht so sehr wie dieses seltsame Schimmern und diese unerträgliche Hitze.
Er drehte sich um und erstarrte.
Lava! Da war überall Lava! Ein riesiger See glühend roter, tödlich heißer Lava, der sich beinahe von seinen Füßen bis hin zum anderen Ende der Höhle erstreckte, an welchem sich dem bereits jetzt halbwegs überforderten Wolpertinger etwas präsentierte, das ihn endgültig an seinem Verstand zweifeln ließ:
Es war ein gigantisches, komplett aus tausenden und abertausenden Büchern errichtetes Schloss.
Rumo klappte der Unterkiefer herunter. Das war mit Abstand das Atemberaubenste, was er je gesehen hatte! Keine Ebene von Untenwelt, keine Vrahok-Schlacht, kein General Tick Tack hatte eine solch epische Erhabenheit besessen, wie dieses kolossale Papierbauwerk inmitten eines brodelnden Meeres aus purem Feuer. Dabei war es noch nicht einmal besonders schön – ganz im Gegenteil: Mit seiner düsteren, in rotes Licht getauchten Fassade und den leeren, dunklen Fenstern wirkte es alles andere als einladend, gar Furcht erregend und doch konnte und wollte der Wolpertinger den Blick nicht abwenden.
„Ziemlich beeindruckend, nicht wahr?“ Mythenmetz trat aus dem Schatten eines Felsens heraus neben Rumo und sah mit ihm zusammen zum Schloss empor. „Ich habe euch doch gesagt, dass ich euch herbringe.“
Rumo war viel zu beschäftigt damit sich der überwältigenden Atmosphäre hinzugeben, um zu hinterfragen, wie genau der Schriftsteller es angestellt haben mochte, sie alle hier her zu transportieren. Stattdessen wanderte sein Blick immer wieder die endlosen Bücherreihen hinauf und hinunter auf der Suche nach vielleicht einem einzigen, halt gebendem Stein, doch es gab keinen. Es war schier unglaublich!
„Das ist einfach fantastisch!“, brachte er schließlich atemlos hervor. „Ist das Schloss Schattenhall?“
„In seiner ganzen Pracht“, nickte Mythenmetz und lächelte. „Wie ich es versprochen habe.“
Etwas stöhnte hinter ihnen, fluchte kurz, polterte dem Klang nach gegen einen Stein, fluchte noch einmal und warf sich schließlich von hinten halb über Rumos rechte Schulter.
„Wie ich sehe stehst du wieder, Großer“, grinste Blaubär noch halb benommen und schlug seinem Kameraden freundschaftlich auf den Rücken. Der zuckte zusammen – ein wenig schmerzte es trotz der Freude dann doch noch. „Und das ist also das sagenumwobene Schloss Schattenhall, hm? Ziemlich beeindruckend, muss ich zugeben!“
Mythenmetz’ Lächeln hatte nun etwas unverkennbar Selbstverliebtes an sich. „Schön, dass wir uns da einig sind.“
Blaubär schüttelte energisch den Kopf, sodass eine Wolke grauen Staubs aus seinem Fell wehte und lautlos zu Boden rieselte. „Bleibt nur noch die Frage wie wir hier hergekommen sind…“
„Ist das nicht egal?“, fuhr im der Lindwurm hastig über den Mund und blickte etwas nervös umher. „Wir sind hier, der Rest ist doch unwichtig.“
„Meine Kopfschmerzen stimmen ihm zu“, krächzte Echos heiser klingende Stimme von einer Etage tiefer zu ihnen empor. „Egal wie er’s gemacht hat, ich hab mich nach einer Reise schon mal besser gefühlt. Nach langen Erklärungen ist mir grad so gar nicht.“
„Dito“, stimmte Rumo müde zu und rieb sich die lädierten Gliedmaßen. „Also was steht nun an? Wir gehen da rein, du zeigst Echo das Labor und er macht sich ans Werk?“
Mythenmetz verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Fast richtig, mit der kleinen Ausnahme, dass nicht wir alle sondern nur Echo und ich das Schloss betreten werden. Ihr zwei werdet hier draußen auf uns warten.“
Rumo ließ die Schultern sinken. „Und warum das nun wieder? Was soll die ganze Heimlichtuerei um dieses Schloss? Du hast uns betäubt, damit wir nicht wissen, wo es liegt, nicht wahr?“
„Wieder fast richtig.“
„Nun da kann ich dich beruhigen“, gähnte der Wolpertinger, ohne auf das ‚fast’ einzugehen. „Ich kann mir hier unten kaum merken wo rechts und links ist. Und falls du Angst hast ich könnte unsere Witterung aufnehmen – bei dem Gestank überall um uns herum bin ich froh, wenn ich meinen eigenen Schweif wittern kann.“
Mythenmetz betrachtete ihn abschätzend von oben bis unten. „Trotzdem“, sagte er schließlich. „Dieses Schloss ist eines der letzten Geheimnisse dieses Kontinents und ich werde alles daran setzten, dass das auch nach unserem Besuch der Fall bleibt. Hier unten liegen einige meiner liebsten und teuersten Erinnerungen, mit kaum einem anderen Ort verbinde ich so viel wie mit diesem. Ich kann einfach kein Risiko eingehen.“
„Schon gut, schon gut“, lenkte Blaubär ein, bevor der in die Jahre gekommene Schriftsteller zu sehr in Nostalgie versank. „Wir warten hier, kein Ding. Wie lange wird es schon dauern? Einen Tag, vielleicht zwei?“
Alles sah nun zu Echo hinunter, der die Unterlippe zwischen die spitzen Zähne genommen hatte. „Das hängt ganz davon ab, wie gut das Labor ausgestattet ist. Die Formel ist bis auf wenige Komponenten vollständig, allerdings muss ich eventuell einige der Zutaten synthetisieren. Und vergesst nicht, dass immer noch nicht hundertprozentig sicher ist, dass ich alles nötige vorfinden werde. Vielleicht war diese Reise auch völlig umsonst.“
Rumo packte die kleine Kratze im Nacken und hob sie sich auf Augenhöhe. „Sag so was nicht, klar? Noch einen Fehlschlag kann ich mir nicht leisten! Nicht so kurz vorm Ziel! Ich bin sowieso schon weit über die eigentliche Frist hinaus, wenn du es nicht hinbekommst, weiß ich endgültig nicht mehr weiter!“
„Weiß ich doch!“ Echo wand sich aus dem unangenehmen Griff. „Und ich werde ja auch mein Bestes geben. Aber was ich nicht habe, habe ich nicht. Das ist nun mal ein Fakt.“
„Fakten können mich mal“, knurrte Rumo und trat frustriert gegen einen Stein. „Ich will Glück, keine Fakten.“
„Eine Bitte hätte ich allerdings noch“, fuhr die Kratze unbeeindruckt fort. „Können wir uns ein paar Stunden ausruhen, bevor wir weiter machen? Immerhin bedeutet eine Hypnose auch immer eine große geistige Anstrengung.“
Mythenmetz nickte verständnisvoll. „Natürlich können wir…“ Dann stutze er plötzlich. „Woher weißt du…?“
Zum ersten Mal seit Stunden huschte ein Lächeln über Echos Gesicht. „Wer je unter einem posthypnotischen Befehl gestanden hat, lernt sich zu schützen, glaub mir. Ich kann zwar niemanden daran hindern mich zu hypnotisieren, doch mein Unterbewusstsein ist mehrfach versiegelt, sodass ich lediglich in einen tiefen, traumlosen Schlaf falle.“
„Hypnose also, hm?“ Rumo kratze sich am Kopf, um sich an das zu erinnern, woran er sich technisch gesehen nie würde erinnern können. „War ich `n Huhn oder so was? Das fand ich schon immer irgendwie witzig.“
Mythenmetz warf ihm einen strafenden Blick zu. „Du warst überhaupt nichts außer einem schweren, schlafender Hund. Und jetzt lass uns alle eine Runde Schlaf tanken, bevor es für Echo ernst wird. Er wird jede seiner genialen grauen Zellen brauchen, um euch euer dämliches Mittelchen zusammen zu brauen.“
„Elixier“, maulte Rumo leise, zog es dann aber vor der Aufforderung des Lindwurms nachzukommen. Auch er merkte inzwischen, wie sehr ihn die Hypnose beansprucht hatte – körperlich und vor allem mental. Sein Gehirn fühlte sich an wie ausgewrungen.
Während Lindwurm, Wolpertinger und Kratze sich einen halbwegs bequemen Schlafplatz suchten und sich genüsslich einrollten, blieb Blaubär irritiert stehen und starrte auf seine Kameraden hinab. „Sagt mal, interessiert es eigentlich niemanden außer mir, wo der alte Mann hin ist?“

Wie sich herausstellte, hatte Mythenmetz den alten Mann schlicht in einen anderen Teil der Katakomben verfrachten lassen. Von wem, darüber schwieg er eisern. Und es war auch keinem von ihnen so recht danach nachzufragen, die Hauptsache war, dass sie den verrückten Alchimisten möglichst weit von ihnen entfernt wussten. Besonders Echo war nach dieser Neuigkeit sichtlich erleichtert, und sogar sein Armband hatte er noch. Das jedoch stimmte ihn ein wenig trübsinnig, denn, wie er selber sagte, brach er nur sehr ungern Abmachungen, doch so wirklich Mitleid vermochte keiner von ihnen aufzubringen.
Nachdem sie sich ein paar Stunden ausgeruht hatten und sich alle wieder einigermaßen bei Kräften fühlten, wies Mythenmetz Rumo und Blaubär an, unweit des Schlosses Stellung zu beziehen und diese nur zu verlassen, wenn Gefahr in Verzug war. Für diesen Fall übergab er ihnen auch eine mit glänzend rotem Wachs versiegelte Karte.
„Dieser Plan“, erklärte er und warf den beiden Säugetieren von oben herab einen strengen Blick zu, „ist ein sehr detailliertes Abbild sämtlicher Gänge, Ebenen, Kammern und geheimen Räume Schattenhalls. Ursprünglich war er dazu gedacht Teil meines Nachlasses zu werden, doch in Anbetracht der Umstände sehe ich ein, dass ich ihn euch werde anvertrauen müssen.“ Er legte Blaubär das Papyrus in die ausgestreckte Pfote. „Doch werdet ihr ihn nur im absoluten Notfall öffnen, ist das klar? Wenn sich niemand in akuter Lebensgefahr befindet, gibt es keinen Grund, das Siegel zu brechen!“
„Äh, verstanden“, sagte Blaubär schnell und nickte. „Wir kommen nur im absoluten Ernstfall rein.“
Mythenmetz musterte ihn noch einmal prüfend. „Gut. Wir sind auf der untersten Kellerebene, in dem als Labor gekennzeichneten Raum. Dort kommt ihr hin, falls etwas ist. Ihr werdet keinen anderen Korridor betreten und keine andere Tür öffnen, nichts anfassen und nichts verändern!“
„Verstanden.“
„Das hoffe ich!“ Der Schriftsteller raffte sein Reisegewand zusammen und schlang es sich enger um den Körper „Nun gut. Echo, bist du bereit?“
Echo hatte, seit er aufgewacht war, keinen Ton von sich gegeben und wirkte auch jetzt noch etwas blass um das schwarze Näschen – soweit das bei Fellträgern überhaupt möglich war.
„Ähm, ja, natürlich“, murmelte er zögerlich und mehr zu sich selbst, bevor er sich erhob und langsam auf Mythenmetz zutrottete. „Lass uns anfangen.“
Rumo sah dem seltsamen Paar nach, das, geisterhaft illuminiert von der aufwogenden Lava, die Landbrücke zum Schloss Schattenhall empor schritt. Er war sich nicht sicher, was er empfinden sollte. Seine Reise war so kurz vor ihrem Ziel und doch fühlte es sich irgendwie nicht richtig an. Fehlte nicht etwas? Wo war der große Höhepunkt, der epische Kampf am Ende, die finale Schlacht? Wo war der Knall, auf den alle warteten? Bald würde sich seine Klaue um eine Schriftrolle mit einer Formel darauf schließen, er würde nach Atlantis zurück kehren und dann war alles vorbei.
Das war doch gar nicht so schlecht.
Oder?
Mythenmetz und Echo verschwanden im Zwielicht, von fern war das Knarzen einer mächtigen Tür zu hören und dann war mit einem mal alles totenstill.

Echo folgte dem Schriftsteller durch die endlosen Korridore des geisterhaft verlassenen Schlosses. Während der letzten Tage war er jeden Morgen erwartungsvoll, ja geradezu aufgeregt in den Tag gestartet, so sehr hatte er sich auf das unter Alchimisten so Sagen umwobene Schloss Schattenhall gefreut. Doch nun, da er sich endlich im inneren dieses fantastischen Kunstwerkes befand, hatte er nicht einen Blick für seine düster abstrakte Schönheit übrig. Viel zu viel war passiert in den letzten Stunden, Dinge, die niemals hätten passieren dürfen. Wie konnte es sein, dass sein Meister am Leben war? Wie hatte so etwas nur passieren können? Er hatte ihn sterben sehen, hatte gesehen, wie er unter den Trümmern verschwand, hatte gehört wie er schrie.
Und nun stand er da, arrogant und selbstverliebt wie eh und je, so als sei nichts gewesen, als sei dieser entscheidende Monat in Echos jungem Leben nichts weiter als ein böser Traum.
Etwas huschte vor dem Krätzchen über den Boden, kreischte ohrenbetäubend und schnappte nach seinem Schweif, doch er erschrak nicht einmal. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie Mythenmetz nach dem Ding, das tatsächlich ein wenig aussah wie ein in schweres Leder gebundenes Buch, mit seinem Säbel schlug und es schließlich mit einem Fußtritt gegen die Wand beförderte.
Wilde Kreaturen, dunkle Ecken, Spinnweben - hier erinnerte alles an Eißpins Schloss, nur dass es durch den Lava-Vorgarten wohl nicht annähernd so kalt werden konnte.
Echo fröstelte dennoch. Eißpin hatte es natürlich nicht verstanden. Es ging ihm nicht um den Pakt, nein, ihm war schon vor langer Zeit klar geworden, dass - wenn auch aus Notwehr - er derjenige gewesen war, der sich nicht wie abgesprochen verhalten hatte. Der Schrecksenmeister mochte grausam zu so ziemlich jedem Tier des Kontinents gewesen sein, ihm gegenüber hatte er sich jedoch nie auch nur unhöflich verhalten und in dem Moment, in dem Echo dies bewusst geworden war, war ihm auch eine andere, für seinen sanften Charakter geradezu unerträgliche Wahrheit aufgegangen:
Er hatte ein Leben zerstört.
Eißpin war tot - und er war Schuld.
Echo war schon immer der festen Überzeugung gewesen, dass, egal wie grausam eine Kreatur sein mochte, niemand den Tod verdient hatte. So hatte es ihm sein Frauchen beigebracht und daran glaubte er wie an kaum etwas anderes. Und nun hatte er selbst sich zum Richter erhoben, indem er einem hilflosen Wesen den Rücken gekehrt und es seinem Schicksal überlassen hatte.
Es hatte viele Monate gedauert, bis er diese überwältigenden Gefühle der Schuld schließlich in sein Inneres verbannen konnte und sie ihn auch in seinen tiefsten Träumen nicht mehr verfolgten. Diese Zeit hatte ihn verändert, das wusste er selber, und das sicher nicht zum besseren. Er hatte begonnen Alchimie zu studieren, einfach aus einem Gefühl heraus, das ihm sagte, er würde sich hinterher besser fühlen. Und das tat er tatsächlich, wenn auch nur ein wenig und er ahnte, dass es auch etwas damit zu tun haben konnte, dass er erwachsen wurde, doch er vermied es zu viel über solche Dinge nachzudenken.
Vor einem Jahr dann endlich hatte er sich wieder richtig wohl in seinem Pelz gefühlt. Er hatte seinen Abschluss in der Tasche und machte sich voller Tatendrang auf in ein neues Leben, in das Leben, das er sich immer erträumt hatte. Es gab Arbeit für ihn, er konnte gehen wohin er wollte, und sogar ein Mädchen traf er. Es hielt nur ein paar Monate, doch das spielte keine Rolle, er lebte.
Und jetzt?
Jetzt kam jemand anspaziert und knallte ihm vor den kleinen Kopf, dass all die Tage der Schuld und der Selbstzweifel völlig sinnlos gewesen waren! Er war kein Mörder, denn niemand war tot. Er hatte nichts getan. Nichts!
Er war wer er war. Und das völlig ohne Grund.
"Was geht dir durch den Kopf?"
Echo schreckte auf und wäre beinahe über seine eigenen Pfoten gestolpert. "Äh, wie bitte?"
Mythenmetz sah mit sanftem Blick zu ihm herunter. "Du starrst die ganze Zeit über wie seelenlos vor dich hin. Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir! Ich dachte, dass du vielleicht darüber reden möchtest?"
Die kleine Kratze schüttelte den Kopf. "Nein, schon gut", murmelte er. "Ich bin mir nur  gerade nicht mehr ganz so sicher, wer ich bin. Aber dabei kannst du mir wohl kaum helfen."
Mythenmetz sah ihn weiterhin an, nickte dann schließlich. "Das ist wohl wahr. Jeder muss für sich selber heraus finden, wer er ist. Und noch viel wichtiger: Wer er sein möchte." Er schwieg kurz. "Hängen deine Zweifel mit unserer Begegnung mit Succubius Eißpin zusammen?"
Echo seufzte. "Ja", antwortete er wahrheitsgemäß. "Eine Menge von dem, was ich bin, definierte sich über das, was ich getan habe - oder das, von dem ich bis gerade dachte, dass ich es getan hätte."
Wider nickte Mythenmetz. "Ich verstehe." Dann dachte er einige Minuten nach, während er Echo tiefer in das Gewölbe hinein führte, in dem es mit jedem verwirrenden Stockwerk wärmer wurde. Die Kratze hatte ein ums andere Mal das Gefühl, dass sich die Wände  verschoben, doch er wagte es nicht, den Schriftsteller danach zu fragen, wo er doch aus allem, was mit Schattenhall zu tun hatte, so ein großes Geheimnis machte.
Als sie schließlich eine mächtige, zweiflügelige Tür aus schwarzem Holz erreichten, blieb der Lindwurm stehen und wandte sich abermals seinem Begleiter zu. "Darf ich dich etwas fragen? Es ist von großer Wichtigkeit für das Buch."
Echo setzte sich verdutzt auf die Hinterpfoten. "Klar."
"In welcher Beziehung stehst du zu Eißpin?"
Jeder Muskel im Körper der Kratze zuckte wie vom Blitz getroffen zusammen. Das war sie, die Frage, der er aus dem Weg ging, seit er damals aus dem Fenster des Schlosses in Sledwaya gesprungen war. Er hatte gewusst, dass er sich früher oder später mit ihr würde auseinander setzten müssen, allerdings wäre ihm etwas später deutlich lieber gewesen.
Er dachte nach.
War die Antwort wirklich so schwer?
"Wir waren… sind Todfreunde." Ohne, dass er es wirklich geplant hatte, war ihm das Wort über die Lippen gekommen, das er damals für seine seltsame Beziehung zu dem Meister erfunden hatte. Und im gleichen Augenblick war er unglaublich erleichtert, denn er spürte, dass er es noch immer sagen konnte, ohne dass es sich falsch anfühlte. Und noch etwas fiel ihm ein: "Er und ich - wir haben in unserem Leben auf die eine oder andere Art vieles falsch gemacht. Ich denke, wir sind einander begegnet, um das zu erkennen."
Mythenmetz blinzelte erstaunt. "Das… das war ehrlich gesagt nicht ganz die Antwort, mit der ich gerechnet habe!"
Echo merkte, wie sich ein Grinsen den Weg auf seine tierischen Lippen suchte. "Ich weiß. Und jetzt lass uns da rein gehen. Ich will heute noch dem Geheimnis des ewigen Lebens auf die Schliche kommen."

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An dieser Stelle eine ganz kurze Anmerkung: Da dieses Kapitel im ganzen sehr lang ist bzw noch wird, habe ich mich entschlossen schonmal den ersten Teil zu veröffentlichen, um ein Voranschreiten der Geschichte nicht noch weiter zu verzögern. Wenn das Kapitel vollständig fertig ist, wird es wahrscheinlich einen Re-Upload geben, bei dem ich auch ein paar kleine Fehler in diesem Teil ausmerze, die mir leider zu spät aufgefallen sind. ;)
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