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Rumo und die Wahrheit der Alchimisten

von -Echo-
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Blaubär Hildegunst von Mythenmetz Rumo von Zamonien
30.06.2010
22.03.2015
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146.075
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30.06.2010 5.136
 
Sie standen wie eingefroren, ein unbewegtes Bild, so als seien sie nichts weiter als der Fels, der sie umgab. Rumo nach wie vor am Boden, Echo, den Schweif bedrohlich erhoben und den Rücken gewölbt, auf seiner Brust. Daneben Blaubär und zu seiner anderen Seite der herbei geeilte Mythenmetz, deren beider Blicke ungläubig auf dem nun regungslosen Schattentod wenige Meter vor ihnen ruhte.
Selbiger starrte wie vom Schlag getroffen zurück, das einzige Lebenszeichen das leichte Zittern der Sense in seiner Hand, die nun, sehr zu Rumos Erleichterung, zu Boden zeigte. Es schien ein Wettstreit zu sein - wer von ihnen konnte sich durch völlige Bewegungslosigkeit am längsten davor drücken, die Situation erklären zu müssen - und weder Mythenmetz, noch Echo oder der Schattentod schienen besonders erpicht darauf zu verlieren.
Nach etwas mehr als einer halben Ewigkeit - so empfand es zumindest Rumo - räusperte sich Blaubär schüchtern, löste sich aus seiner Erstarrung und sah mit merklichem Unbehagen zwischen den sich gegenüber stehenden Parteien hin und her. "Ähm… nun, Leute, eine Frage stand im Raum", begann er zögerlich. "Also… was genau wird denn hier nun gespielt? Scheinbar kennt man sich ja untereinander…"
Echo fauchte wild. "'Kennen' ist ein ziemlich harmloses Wort für die Tatsache, dass er versucht hat, mich umzubringen!"
"Es geschah einvernehmlich!", rief der Schattentod bebend und hielt seine Waffe abwehrend vor die Brust. "Ich habe deine Unterschrift!"
"Ich war dem Tode nahe und du hast es schamlos ausgenutzt!" Die Stimme der Kratze überschlug sich unangenehm und mischte sich mit einem kehligen Knurren zu einer aggressiven Disharmonie. "Du hast mich bis zum Schluss betrogen und belogen! Mich und Izanuela! Sie hat dich geliebt und du hast sie getötet!"
"Ihr habt mich hintergangen! Ihr wolltet den Vertrag brechen!"
"Und du solltest in deinem Scheiß-Schloss verrecken!", brüllte Echo und der Satz hallte dutzendfach von den massiven Höhlenwänden wieder, fegte ihnen allen um die Ohren wie ein eisiger Wind.
"Wow", macht Blaubär leise und duckte sich unwillkürlich.
Echo steig nun langsam von Rumo herab und ging mit fließenden Bewegungen auf den Schattentod zu. "Verrate es mir", hauchte er dabei gefährlich leise. "Wieso bist du hier? Wie konntest du überleben? Über deinem Kopf ist nicht nur dein Haus, sondern eine ganze Welt zusammen gebrochen, so etwas übersteht kein normaler Mensch."
'Menschen', dachte Rumo. 'Keine Ahnung, worum es geht, aber die machen nur Ärger.'
Der Schattentod wich vor der heran schleichenden Kratze zurück. "Woher soll ich das wissen? Ich wurde ohnmächtig kurz nachdem du aus dem Fenster gesprungen warst. Und als ich wieder aufwachte, war ich auf einmal hier!"
"Schwachsinn! Was willst du hier? Was ist dein Plan?"
"Es gibt keinen Plan!", reif der Bedrängte und warf die Arme in die Luft, sodass die Sense vernehmlich sirrte. "Es gibt überhaupt keinen Plan mehr! Du hast mir alles genommen, schon vergessen?"
Echo schnaubte verächtlich. "Soll ich etwa Mitleid haben? Tut mir Leid, aber aus irgendeinem Grund fällt mir eine solche Empfindung dir gegenüber gerade etwas schwer."
Rumo fand es ziemlich mutig von der kleinen Kratze, so mit einem Mann zu reden, der noch vor wenigen Minuten recht erfolgreich versucht hatte, sie zu töten. Zwar hatte er bei Echos Anblick aus irgendeinem, dem Wolpertinger völlig schleierhaften Grund augenblicklich inne gehalten, doch das Blut des Bücherjägers tropfte immer noch verheißungsvoll von seiner Sense, was ihn nicht gerade sympathischer machte.
"Also", bohrte Echo weiter und wich keinen Millimeter. "Wie kommst du hier her und was, bei allen Dämonen von Hel, willst du hier?"
An dieser Stelle hüstelte der bisher stille Mythenmetz nervös und als hätten sie sich gerade erst erinnert, dass der Lindwurm ja auch noch zu den Anwesenden zählte, wandten sich alle Blick mit einem Mal zu ihm.
Echo kniff die Augen zusammen und musterte den Schriftsteller scharf. "Was weißt du?", fragte er dann langsam, nun zum ersten Mal offenbar nicht mehr am Schattentod interessiert. "Du bist schon so komisch drauf, seit wir hier herunter gestiegen sind. Hast du etwas mit der ganzen Sache zu tun? Dann gib es hier und jetzt zu!"
"Na ja…", wich Mythenmetz aus und sah zur Decke.
"Keine Ausflüchte, Reptil."
Rumo hätte anerkennend gepfiffen, hätte er noch Kontrolle über seine Gesichtsmuskulatur besessen. Hinter der Fassade beinahe übermäßiger Freundlichkeit und Fröhlichkeit verstecke die Kratze ein hartes, unnachgiebiges Selbst, das immer wieder hervor blitze und klar postulierte, dass mit jenen nicht zu scherzen war, die den Tod gesehen hatten.
"Äh, nun gut." Mythenmetz strich sich einmal mehr nervös über die Robe. "Ich denke, ich habe da einiges zu kläre und vor allem zu erklären." Er holte tief Luft und sah in die Runde. "Wenn man es ganz genau nimmt und es mit der Wahrheit wirklich ernst meint, dann… dann könnte es eventuell ich gewesen sein, der den werten Herren dort drüben hier herunter gebracht hat."

"Das darf doch alles nicht wahr sein!", stöhnte Echo, als Mythenmetz seinen Bericht beendet hatte. "Ist dir eigentlich klar, was du getan hast, Lindwurm?"
"Was hätte ich den machen sollen?", entrüstete sich der Schriftsteller. "Ihn einfach da liegen lassen? Sein wertvolles Gehirn einer Bande von rachelüsternen Bauern überlassen? Sicher nicht!"
"Du hättest ihn einfach verscharren können! Irgendwo in der Pampa. Das wäre das beste für uns alle gewesen!"
"Wie ich bereits am Rande erwähnte, hat er noch gelebt, als ich ihn fand!"
"Na und? Wozu gibt es Spaten?"
Blaubär erhob sich von dem Stein, auf dem er bis jetzt gesessen hatte, und trat in die Mitte ihres kurzfristig um Rumo arrangierten, provisorischen Sitzkreises. "Okay, an dieser Stelle möchte ich gerne zwei Dinge anmerken!"
"Nur zu", gewährte Mythenmetz großzügig, als besäße er tatsächlich die Autorität für ein solches Zugeständnis.
"Erst mal: Habe ich das jetzt alles richtig verstanden? Der da" – der Buntbär deutete auf den teilnahmslos an einer Höhlenwand lehnenden Schattentod - "ist der ehemalige Schrecksenmeister von Sledwaya und dazu Echos vormaliger Meister, der allerdings versucht hat ihn umzubringen. Das geschah mehr oder weniger einvernehmlich, da Echo einen Vertrag unterzeichnet hat, der seinen Meister bevollmächtigte, ihm nach Ablauf einer Frist das Fett auszukochen." Blaubär blickte in die Runde und sah die Kratze und seinen vermummten Meister wortlos nicken. "Äh, gut - oder auch nicht. Auf jeden Fall wurde der Vertrag dann gebrochen, Echo war frei und sein Meister vermeintlich tot." Wieder ein Nicken. "Was Echo dann allerdings nicht wusste, war, dass Mythenmetz gerade in Sledwaya war, das Schloss des Schrecksenmeisters einstürzen sah und selbigen bewusstlos in den Trümmern fand. Aus Angst, das - wie er wusste sehr wohl wusste, denn er kannte ihn schon seit einigen Jahren persönlich – sehr wertvolle Wissen des Alchimisten könnte nach seinem Ableben in die falschen Hände geraten, brachte er den Mann an den seiner Meinung nach einzig sicheren Ort tief in den Katakomben von Buchheim." Dieses Mal nickte der Lindwurm. "Dort - so vermutete Mythenmetz - würde der Schrecksenmeister dann schon sehr bald seinen Verletzungen erliegen und sein gefährliches Wissen wäre weit entfernt von jeder Zivilisation sicher verborgen." Blaubär blickte zwischen Mythenmetz und dem Schattentod hin und her. "Allerdings ist dieser Plan wohl nicht ganz aufgegangen."
Der vermummte Mensch schnaubte ein freudloses Lachen. "Das erklärt zumindest, warum ich irgendwann ohne Erinnerung daran, wie ich hergekommen bin, in diesem Drecks-Labyrinth aufgewacht bin."
"Es ist passiert, was passiert ist", fuhr Echo unwirsch dazwischen. "Es ist zwar keine Entschuldigung dafür, dass du dich dann einfach auf machst und sinnlos Amok läufst, aber ich schätze, es passt einfach zu deinem Charakter. Was war das zweite, was du anmerken wolltest, Blaubär?"
Bei der Erwähnung seines Namens zuckte der Buntbär kurz zusammen, so sehr war er offenbar gefesselt von der verfahrenen Situation. "Äh, ja. Nun… ich weiß ja nicht", er drehte sich um und sah zu dem immer noch am Boden liegenden Wolpertinger herab, "aber sollten wir uns nicht vielleicht langsam mal um Rumo kümmern? Ihn aufheben oder so?"
'Oh vielen Dank', dachte Rumo spöttisch. 'Aber mir geht es gut. Die ersten fünf Sekunden der letzten halben Stunde lag ich sogar fast bequem.'
Mythenmetz trat neben den verletzten Krieger, beugte sich herunter und begutachtete ihn eingehend. "Ich frage mich, was ihm fehlt. Er hat sich seit seinem unfreiwilligen Salto nicht bewegt. Und sprechen kann er offenbar auch nicht."
Echo kam ihm zu Hilfe. "Ein Nervenschaden, vermutlich", erklärte er "Vielleicht ist etwas mit seiner Wirbelsäule, das wäre allerdings wenig erfreulich."
Rumo fluchte innerlich. Er hätte seinen Mitreisenden sehr genau sagen können, was ihm fehlte, und vielleicht auch, wie man selbige beheben konnte, doch das Problem war offensichtlich. Denn natürlich konnte er nicht.
"Ich werde ihn mir ansehen", schlug Echo vor. "Vielleicht kann ich etwas tun, ich habe rudimentäre Kenntnisse in Anatomie und Medizin."
Der Schattentod lachte kalt. "Und mit deinen kleinen Kratzenpfötchen willst du dann was genau tun? Ihn am Rückenmark operieren? Nun, viel Vergnügen."
"Mit Verlaub, haben Sie eine bessere Idee?", fragte Blaubär zurück und verschränkte missmutig die Arme vor der Brust. Es war nicht zu übersehen, dass ihm der Fremde noch immer nicht geheuer war, und Rumo konnte es ihm wunderbar nachempfinden.
"In der Tat, die habe", sagte er Schattentod trocken, stieß sich mit dem Rücken von der Höhlenwand ab und ging auf die kleine Gruppe zu. "Folgender Vorschlag", erklärte er. "Ich flicke euren Freund hier wieder zusammen - immerhin war es ja auch mehr oder weniger meine Schuld, dass er verletzte wurde - und danach ziehen wir wieder jeder unseres Weges und vergessen, dass dieses ganze Treffen jemals stattgefunden hat."
"Unmöglich!", rief Echo bevor einer der anderen eine Chance zur Antwort bekam. "Ich kann ihn unmöglich einfach ziehen lassen! Er ist ein Monster! Ganz Buchheim fürchtet sich vor ihm!"
Der Vermummte zuckte mit den spitzen Schultern und wandte sich ab. "Es ist eure Entscheidung. Eine Operation am offenen Rückenmark unter den hier gegebenen Umständen endet mit fünfundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich, so viel kann ich euch verraten. Aber wenn ihr es versuchen wollt, nur zu. Ich möchte bloß nebenbei erwähnen, dass ich so etwas schon etliche Male gemacht habe, unser kleiner pelziger Freund hier sein Wissen aber wohl allerhöchstens aus Büchern bezieht, die er - wohl gemerkt - bei mir zu lesen bekam. Nun, wenn ihr dennoch nicht wollt, kann man nichts machen."
"Warte!" Mythenmetz sah zu der Kratze hinab. "ich verstehe, wie sehr dir der Gedanke, diese Mann ungeschoren davon kommen zu lassen, widerstrebt, Echo. Aber bedenke unsere Lage. Ohne Rumo sind wir hier unten so gut wie wehrlos. Und wer weiß, ob du ihm tatsächlich helfen könntest. Ich fürchte, wir werden uns auf das Angebot einlassen müssen. Etwas anderes wird uns kaum übrig bleiben, wenn wir hier lebend wieder heraus kommen wollen."
Echo schnaubte verächtlich und sah zu Boden. Sagte jedoch nichts mehr.
"Also ist es beschlossene Sache?", fragte Blaubär in die Runde. "Rumo wird operiert und im Gegenzug verleugnen wir, dass wir uns jemals begegnet sind?
Mythenmetz und der Schattentod nickten.

Sie brachten Rumo in eine kleinere Tropfsteinhöhle, die eine geeignete, tischartige Erhebung besaß und legten ihn, vorsichtig und mit der nach allgemeiner Vermutung verletzten Wirbelsäule nach oben, auf selbiger ab. Echo hatte sie nicht begleitet, sondern saß einige hundert Meter entfernt an einem unterirdischen Salzsee, um, wie sich ausdrückte, mit der Situation klar zu kommen. Keiner seiner Kameraden nahm es ihm übel.
Was Rumo seinen Mitreisenden allerdings sehr wohl übel nahm, war, dass sie ihn tatsächlich offenbar ganz vertrauensvoll in die Hände jener Kreatur gaben, die noch vor wenigen Minuten versucht hatte, sie alle umzubringen. Sie hatten sich zwar noch einmal bei Echo vergewissert, dass die Aussagen seines Meisters über sein Können auch tatsächlich der Wahrheit entsprachen, doch was garantierte ihnen bitteschön, dass der verrückte Mensch nicht einfach ein Skalpell zückte und ihm die Kehle aufschnitt? In der Vorstellung des Wolpertingers war dieser Gedanke nicht sonderlich abwegig.
Doch da er weder eine Chance hatte, seinen Unmut zu äußern, noch etwas daran zu ändern, versuchte er sich möglichst entspannt seinem Schicksal zu fügen. Er schloss die Augen, und wartete auf die Dinge, die da kamen.
Unterdessen hatte der, der Succubius Eißpin hieß - man hatte sich auf dem gemeinsamen Weg untereinander namentlich vorgestellt - einige Kerzen aus seinem Umhang zutage befördert, sie um Rumo herum platziert und angezündet. Dann fischte er aus einer Tasche ein zerschlissenes Leder-Etui, löste den Knoten des dünnen Hanfseils, mit dem es umwickelt worden war, und breitete es neben dem Kopf des Wolpertingrs aus. Das Mäppchen enthielt ein blitzendes Sezier-Set - zwei Skalpelle mit auswechselbaren Klingen, mehrere Pinzetten, Seziernadeln, und Lupen und ein Reagenzglas in dem eine durchsichtige Flüssigkeit umher schwappte. 'Ethanol' stand in filigraner Schrift auf dem Etikett.
Mythenmetz und Blaubär hielten sich im Hintergrund, gleichzeitig gehalten von dem Anstand, den Operierenden nicht bei seiner Arbeit zu stören, und getrieben von der unweigerlichen Neugierde, die wohl jeden im Anbetracht einer solchen Situation überkommt. So schielten sie aus gebührendem Abstand zu dem Verletzten herüber und zogen dann und wann eine Augenbraue hoch oder bissen sich auf die Unterlippe. Sagten jedoch nichts.
„Ich gehe mal davon aus, dass du durchaus noch in der Lage bist, mich zu hören, Wolpertinger“, sagte Eißpin schließlich distanziert und schob die Ärmel seiner Robe nach oben. „Zunächst einmal werde ich deinen Nacken und Rücken abtasten, um herauszufinden, was genau dir fehlt. Es passiert also vorerst nichts dramatisches, falls du dir in der Hinsicht Sorgen gemacht hattest.“
Rumo hörte den ehemaligen Schrecksenmeister tatsächlich nur zu gut. Und ja, er hatte sich Sorgen gemacht und machte sie sich auch immer noch. Abtasten mochte ja ganz in Ordnung sein, doch um die defekten Nervendrähte zu ersetzten, würde der Alte ihn hundertprozentig aufschneiden müssen – wenn er sie denn überhaupt ersetzten konnte, hier Unten herrschte ja nicht gerade ein hoher medizinischer Standard – und dann begann für ihn der hässliche Teil.
Leider hatte das Schicksal ihm eine Wahl abgesprochen, und so fügte sich Rumo missmutig.
Eißpins dünne Finger legten sich spinnenartig in seinen Nacken und begannen ihn Zentimeter für Zentimeter zu massieren, zuckten jedoch schon nach wenigen Sekunden wieder zurück. „Ah!“
„Was ist?“, fragte Blaubär, der in seiner Neugierde letztendlich doch näher an das Hauptgeschehen gerückt war. „Wissen Sie, was Rumo fehlt?“
Der alte Alchimist lachte kurz. „Allerdings, das weiß ich. Es war auch nicht gerade eine Herausforderung. Hier, sieh!“ Er bog das Nackenfell des Wolpertingers mit den Fingerspitzen auseinander, bis schließlich die dünnen Enden der kupferfarbenen Nervendrähte frei lagen, die Nachtigaller vor einigen Wochen dort eingezogen hatte. „Offenbar wurde sein Rückenmark bereits einmal irreversibel verletzt, sodass es für notwendig befunden wurde, es durch künstliche Leitungen zu ersetzen. Diese Eingriff ist dahingehend problematisch, als dass er meist mangels der notwendigen Kenntnis unsauber durchgeführt wird und die Drähte zu sehr auf Spannung gezogen werden. Folglich reißen solche künstlichen Nerven gerne über kurz oder lang.“
'Na wundervoll', dachte Rumo grimmig. 'Der verrückte Eydeet mit den sieben Gehirnen hat also gepfuscht. Wie überaus erbaulich!'
„Und kann man da etwas machen?“ Die deutliche Sorge in Blaubärs Stimme stimmte den Wolpertinger spontan wieder etwas sanftmütiger. Es war ein schönes Gefühl, einer anderen Person nicht völlig egal zu sein, auch wenn diese einen gerade an einen Psychopathen ausgeliefert hatte. Irgendwie machte es die Sache erträglicher, wenn ein guter Wille dahinter stand.
Eißpin zog das Ethanol aus dem Leder-Etui und entkorkte das Reagenzglas. „In der Tat, das kann man. Ich wage sogar zu behaupten, dass ich mit einer der fähigsten Personen bin, an die ihr hättet geraten können, wenn es daran geht, Nerven zu isolieren und neue einzuziehen. Allerdings würde ich sagen, wir verzichten auf dieses fremdartige Draht-Zeug und gehen den natürlichen Weg. Das ist sicherer und hält, nebenbei bemerkt, um einiges länger.“
Mythenmetz verschränkte die Arme vor der Brust. „Den natürlichen Weg? Und wie genau darf ich mir das vorstellen? Soweit ich informiert bin, trägt nicht jeder von uns eine Flasche Rückenmark mit sich herum, Succubius.“
„Das ist mir bewusst, werter Hildegunst“, säuselte Eißpin mit schrecklich süßlicher Stimme. Ein diabolisches Grinsen huschte über seine schmalen Lippen, das selbst unter der Kapuze, die er immer noch trug, deutlichst zu erkennen war, und er wandte sich an die beiden unversehrten Reisenden. „Deshalb würde ich euch jetzt bitten, so freundlich zu sein und mir den unglücklichen Bücherjäger aus der Nachbarhöhle zu bringen.“
Dem Schriftsteller entglitten für einen denkwürdigen Moment die Gesichtszüge. „Du willst... ich meine, du hast tatsächlich vor...?“
„Hast du einen besseren Vorschlag?“
Rumo wurde mit einem Mal furchtbar schlecht.

Das erste, was der Wolpertinger empfand, als er wieder zu sich kam, war tiefste Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Eißpin dann doch ein gewisses Maß an Mitleid mit ihm gehabt zu haben schien und ihm kurz vor dem Eingriff ein Tuch mit einer ominösen Substanz vor die Schnauze gehalten hatte, deren Duft ihn erst betört und dann mit brachialer Gewalt ins Aus befördert hatte. So blieben ihm keinerlei Erinnerungen an das, was in den letzten Stunden – Minuten, ja wie lang eigentlich? - geschehen war, und das war, wenn es nach ihm ging, nicht das Schlechteste, was ihm hätte passieren können.
Immerhin lebte er.
Wobei das wohl noch zu überprüfen war, denn sonderlich lebendig fühlte Rumo sich im Endeffekt doch eher nicht. Er versuchte, Arme und Beine zu bewegen, was allerdings nicht wirklich funktionieren wollte und ihm erst mal eine Welle der Angst durch den geschwächten Körper jagte. War etwas bei der Operation schief gegangen? Würde er sich womöglich nie wieder bewegen können?
Dann folgte aber sogleich die Erleichterung mit der Feststellung, dass er lediglich angebunden war an etwas, das einem Hinrichtungskreuz verdächtig ähnlich sah, wohl aber, so hoffte er, seiner Genesung dienen sollte. Ein ziemlich eindeutiges Anzeichen dafür konnte sein, dass das Kreuz lag und nicht stand.
Das war zwar nur eine vage Vermutung, doch Rumo beschloss, fürs erste recht beruhigt zu sein. Das war eindeutig besser für seinen Gesiteszustand.
„Ah, du bist wach.“ Eißpin, der offenbar hinter dem Kopfende des Kreuzes gestanden hatte, trat um seinen Patienten herum und musterte ihn eingehend. „Und? Wie fühlst du dich?“
Zeit, das mit dem Sprechen mal wieder zu versuchen, überlegte Rumo und öffnete probeweise das Maul. „Ganz gut, schätze ich“, brachte er schließlich mühsam hervor. Seine Kehle war furchtbar trocken und jetzt, wo er darüber nachdachte, hatte er auch höllischen Durst. „Kann ich -“ Er hustete. „Kann ich vielleicht etwas zu Trinken bekommen?“
Eißpin nickte. „Natürlich.“ Er verschwand und tauchte nur wenige Sekunden später mit einem jener Lederbeutel in den Händen wieder auf, in denen die Gruppe ihr Trinkwasser in die Katakomben transportiert hatte. Vorsichtig setzte er die Öffnung an Rumos Hundelippen. „Heb' auf keinen Fall den Kopf“, mahnte er dabei eindringlich und ließ das Wasser Rumos Rachen hinab tröpfeln. Der schluckte gierig und versuchte, sich an die  Anweisung zu halten, was gar nicht so einfach war, wie er feststellten musste.
„Ich musste deinen gesamten Rücken öffnen, dementsprechend groß und empfindlich ist auch die Wunde. Dazu dürften sich die neuen Synapsen noch nicht vollständig in dein Zentralnervensystem eingegliedert haben, es ist also Vorsicht geboten.“
Rumo leckte sich den letzten Tropfen Wasser aus dem Mundwinkel und sah Eißpin mit entsetztem Blick an. „Das heißt, ich werde für Wochen, vielleicht sogar für Monate außer Gefecht sein? Das darf nicht sein!“
Der alte Alchimist lachte leise und dem Wolpertinger fiel auf, dass er nun zum ersten mal die Kapuze seines Umhangs abgestreift hatte. Das Gesicht des Menschenmannes wirkte eingefallen und schrecklich erschöpft, tiefe Ringe lagen unter seinen wässrig-blauen Augen, von denen eins blind zu sein schien, und seine Haut hatte die Farbe von kalter Asche. Unzählige, schlecht verheilte Narben zogen sich über das gesamte Antlitz, die von Verbrennungen, Verätzungen und tiefen Schnitten zeugten, und das dünne, zum losen Zopf gebundene Haar, das unter seiner alchimistischen Mütze hervor ragte, war ebenso mausgrau, wie der schlecht frisierte Ziegenbart an seinem spitzen Kinn.
Rumo erschauderte. Schön war dieser Mann beim besten willen nicht. Tatsächlich hatte er – ganz nach dem unehrenvollen Spitznamen, den ihm die Buchhaimer gegeben hatten – verblüffende Ähnlichkeit mit dem Sensenmann höchspersönlich, so dürr und klapprig erschien ihm die Gestalt.
Wie hatte er im Kampf gegen diese Kreatur verlieren können? Plötzlich erschien Rumo diese ganze Episode nur noch unwirklich, ja geradezu skurril.
„Beruhige dich“, sagte Eißpin und riss sein Gegenüber damit aus seinen abdriftenden Gedanken. „Du darfst mir dankbar sein, ich habe dir ein Mittel verabreicht, das den Heilungsprozess auf wenige Tage reduzieren sollte – unter der Voraussetzung, dass du dich in diesem Zeitraum nicht einen einzigen Millimeter bewegst. Hast du das verstanden?“
„Aber wie soll das gehen?“, fragte Rumo aufgebracht. „Wir müssen weiter ziehen! Ich habe ein Versprechen gegeben und die Zeit läuft mir davon!“
„Und genau deshalb befinden sich an den Seiten deines Stützkreuzes auch eigens von mir montierte Trageschlaufen. Deine Freunde sind informiert und haben sich bereit erklärt, dich bis nach Schattenhall zu tragen – was auch immer ihr an diesem verlassenen Ort wollt, man war mir gegenüber nicht sonderlich redselig.“
Rumo biss sich auf die Unterlippe. So erniedrigend diese Art des Reisens auch sein mochte, er schätzte das Angebot seiner Kameraden sehr. Freunde, wie es Eißpin formuliert hatte, würden sie zwar kaum werden, wenn all dies ausgestanden war, doch offenbar konnte man im Zweifel erst einmal aufeinander zählen. Mehr konnte er sich kaum wünschen. Eine Frage drängte sich ihm allerdings dann doch noch auf. „Und was ist mit den Bücherjägern? Ich kann nichts tun, wenn wir einen von ihnen begegnen. Und ob Blaubär alleine damit fertig wird...“
„Das ist alles bereits geklärt“, kam ihm der ehemalige Schrecksenmeister zuvor. „Bis es dir wieder besser geht, werde ich euch eskortieren und Schlimmeres verhindern. Danach haue ich ab und wir sehen einander nie wieder. Das Ganze...“
„...ist nie passiert, schon klar“, beendete Rumo den Satz. „Mir soll es ohnehin egal sein, ich weiß nicht, wer du bist, und ich will es auch gar nicht wissen. Ich weiß nicht mal, ob ich dir für deine Hilfe danken oder dir den Hals umdrehen soll, für den Versuch, mich zu ermorden, das ist schon verwirrend genug.“
„Im Moment reicht es mir schon, wenn du dich aufs Liegen konzentrierst“, kommentierte Eißpin kühl und prüfte noch einmal etwas an Rumos Rücken, das dieser nicht sehen konnte. „Du bist jetzt ein wandelndes Kunstwerk und ich hasse es, wenn man meine Kunst nicht zu würdigen weiß.“
Das klang ein Wenig nach einer Drohung, fand Rumo und schluckte. Vielleicht sollte er wirklich sorgsam mit diesen Ersatz-Nerven umgehen. „Keine Angst, das weiß ich“, erklärte er schnell.
„Gut.“ Der alte Alchimist zog mehrere Spritzen mit unterschiedlichsten Substanzen auf, legte sie in ein Etui ähnlich dem, das er für sein Sezierbesteck benutzte, und verschloss dieses dann sorgsam. „Die sind für später. Und nun ruhe dich aus, Wolpertinger. In ein paar Stunden brechen wir auf und dann wird es für dich holprig.“

Es war ein Kraftakt.
Mythenmetz übernahm nach einigem Murren und Zetern die rechte Seite des Querbalkens, Blaubär die linke. Echo, der sich vor seinem ehemaligen Meister nur widerstrebend in seiner gewandelten, zweibeinigen Gestalt zeigte, bekam das leichtere, lange Ende des Längsbalkens zu tragen und schritt somit voran. Hinter ihnen ging Eißpin, nun wieder vermummt in seiner Kutte inklusive Kapuze und die Sense poliert und bedrohlich blitzend auf seinem Rücken. Er koordinierte das schlecht gelaunte Tragekommando mit herrischen, einsilbigen Befehlen, die sich meist auf „rechts höher!“ oder „nicht so sehr wackeln!“ beschränkten und nach einer Weile nicht nur Rumo gehörig auf den Geist gingen.
Selbiger hatte unterdessen das Gefühl, noch nie in seinem Leben so gedemütigt worden zu sein. Selbst als er sich vor dem gesamten Hohen Rat der Lindwürmer auf sein Brustfell übergeben hatte, hatte er sich würdevoller gefühlt als in diesen Sekunden. Gefesselt an ein Kreuz wie ein Schwerverbrecher auf dem Weg zur Hinrichtung und dem wilden Geschaukel dreier unwilliger Träger ausgeliefert, hatte diese Erfahrung etwas dermaßen surreales, dass es dem Wolpertinger schwer fiel sich klar zu machen, dass all dies wirklich geschah. Dass er sich noch dazu seit etwa einer halben Stunde in übelstem Maße Seekrank – oder besser „Kreuzkrank“ - fühlte, machte die Sache auch nicht so richtig besser.
'Wenn ich jetzt kotze, ersticke ich, bevor es jemand bemerkt', dachte der Getragene bitter. 'Vielleicht sogar erstrebenswert.'
Mythenmetz zu seiner Rechten stöhnte theatralisch. „Könnten wir bitte endlich eine Pause einlegen? Meine Arme fühlen sich langsam an, als könnte ich sie demnächst als nutzloses Accessoire hinter mir her ziehen, mehr aber auch nicht.“
„Ich wäre auch für eine Pause“, stimmte Blaubär erschöpft zu und wagte einen Blick hinüber zu Eißpin, der das Gejammer offenbar nicht im Geringsten nachvollziehen konnte.
„Nun, wenn ihr weiterhin so schwächlich daher kommt, werden wir nie bei Schattenhall ankommen. Aber wenn ihr unbedingt wollt, dann bitte. Lasst den Hund runter. Aber langsam!“
Mythenmetz, Blaubär und Echo gingen vorsichtig in die Knie, setzten Rumo mitsamt Tragekreuz auf dem Boden ab und schüttelten dann ihre schmerzenden Arme. Knapp drei Stunden waren sie nun schon gewandert und laut dem Schriftsteller würde es noch mindestens zehn weitere Stunden dauern, bis sie die Residenz des Schattenkönigs endlich erreicht hatten.
Rumo wusste nicht, für wen diese Nachricht schlimmer war, für ihn oder für seine Träger.
„Also, wir brauchen Feuer und etwas Essbares“, kommandierte Eißpin monoton autoritär weiter, nachdem sie alle eine Weile nutzlos in der Gegend herum gestanden hatten. „Ihr drei – seht euch in den umliegenden Höhlen nach möglichen Nahrungsmitteln um, Pilze, Flechten, kleine Tiere, nehmt alles mit, was ihr findet. Aber beleibt auf jeden Fall zusammen!“
Mythenmetz machte ein Gesicht, als war ihm in dieser Sekunde sehr danach, sich einmal darüber auszulassen, dass niemand ihm in seinen Katakomben Befehle erteilte – schon gar nicht ihm, Hildegunst von Mythenmetz! - doch ein lautes Knurren seines Magens betrog seine Absichten, noch bevor er die erste Silbe über die Lippen gebracht hatte und zwang ihn so zur widerstrebenden Kooperation.  Folglich trollte er sich leise vor sich hin zeternd mit Echo und Blaubär im Schlepptau aus dem südlichen Höhleneingang in einen Teil der Katakomben, wo sie kurz zuvor ein Fleckchen Stein mit äußerst farbenfrohem Pilzbewuchs gesichtet hatten. Die hatten zwar nicht unbedingt so ausgesehen, als könnte man sie gefahrlos essen, doch vielleicht hob eine daraus gekochte Suppe für eine Weile die Stimmung.
Nachdem die Schritte des ungleichen Trios verklungen waren, blieben Rumo und Eißpin allein in der Höhle zurück und während der Wolpertinger eisern einen Punkt an der von Stalaktiten überzogen Decke fixierte, um seine Übelkeit zu bekämpfen, hatte der alte Alchimist ein grünes Pulver aus seinem Mantel gezogen, es kurz zwischen seinen Fingern gerieben und dann auf den Boden geworfen. Nun stand er stumm da und betrachtete das Ergebnis seiner Arbeit: Ein kleines, leise prasselndes Feuer.
Dass die Flammen der provisorischen Kochgelegenheit in etwa die Farbe eines Laubwolfgewandes im Frühjahr hatten, wunderte Rumo nicht im geringsten. Immerhin brannten sie ja auch ohne Holz.
Eine Zeit lang lauschte Rumo dem beruhigenden Geräusch der Flammen und gab sich ganz der Empfindung hin, die sie ihn ihm auslösten. Denn obwohl er viel zu weit entfernt lag, um etwas spüren zu können, erfüllte ihn allein das Knistern mit einer Ahnung der Wärme, die von den grünen Flammen ausgehen musste. Tatsächlich wurde ihm schon beinahe etwas behaglich zumute und er schloss die Augen, um für einen Moment zu schlafen. Schmerzen hatte er glücklicherweise keine – irgeneins der Mittelchen, die Eißpin ihm stündlich verabreichte, schien ganze Arbeit zu leisten, und eigentlich fühlte er sich auch schon wieder ziemlich fit. Dennoch hielt er es für angebracht, sich an die Anweisungen des ehemaligen Schrecksenmeisters zu halten – das Risiko vielleicht nie wieder in seinem Leben laufen zu können, war eindeutig zu hoch.
Rumo öffnete die Augen wieder, als ihm etwas einfiel.
So angenehm diese Stille auch war uns so sehr er sich eine ordentliche Mütze Schlaf gewünscht hätte, eine Frage gab es da dann aber doch noch, die ihm auf der Seele brannte und ihm keine Ruhe ließ, seit sie wieder unterwegs waren.
„Warum willst du, dass wir das alles hier vergessen?“, fragte er in das Nichts über ihm, nachdem er sich seine Worte genau zurecht gelegt hatte. „Warum hast du uns nicht einfach getötet und bist weiter gezogen, obwohl du sehr wohl die Möglichkeit dazu gehabt hättest? Was hält dich ab?“
Etwas neben ihm raschelte, doch eine Antwort blieb aus.
„Ist es wegen Echo?“
„Das geht dich nichts an“, gab Eißpin unwirsch zurück und Rumo konnte an seinen klappernden Schritten hören, dass er sich entfernte.
„Aber wenn du ihn damals töten wolltest, wieso tust du es dann jetzt nicht einfach?“
Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde stand der ehemalige Schrecksenmeister über Rumo gebeugt und hielt ihm seine Sense an den Hals, sodass diesem der Schreck bis in die Pfotenspitzen fuhr. Gerade noch rechtzeitig konnte er sich davon abhalten zusammen zu zucken und den Kopf schützend zur Seite zu schmeißen. „Bis du wahnsinnig? Was soll das?“
„Hör zu“, hauchte Eißpin ihm gefährlich leise ins spitze Hundeohr. „Das ist mein Leben, mein Problem. Und was ich tue oder nicht tue geht dich einen Feuchten Trompaunenstoß an. Ich hab dich zusammengeflickt, ihr lasst mich ziehen. So war es abgemacht. Keine Fragen, keine Erklärungen. Wir sind uns niemals begegnet und Ende der Geschichte.“
Rumo biss die Zähen zusammen. „Schon gut, schon gut. Und jetzt nimm das verdammte Ding runter!“
Eine weitere, drohende Sekunde presste der Alchimist die Klinge seiner Waffe gegen Rumos Halsschlagader, dann zog er sie mit einem wütenden Ruck zurück und drehte sich weg.
Der Wolpertinger entspannte sich langsam wieder und versuchte seinen rasenden Herzschlag zu beruhigen. Was, um alles in Zamonien, war das gewesen? Waren seine Fragen wirklich so privat gewesen, dass sie eine solche Reaktion rechtfertigten?
Er schloss ein weiteres Mal die Augen. Vielleicht war es einfach noch nicht an der Zeit für Antworten, vielleicht war es einfach an der Zeit für Schlaf. Denn in dieser Sekunde traf es ihn wie ein Hammerschlag: Er war müde, so schrecklich müde, müde, wie er es noch nie zu vor in seinem Leben gewesen war, da war sich Rumo sicher.
Bevor seine Gedanken jedoch ins Reich der Träume abdrifteten konnten, rief er sich noch einmal die Gesichter seiner Mitreisenden ins Gedächtnis, das Antlitz von Blaubär, von Mythenmetz, von Echo und auch das von Eißpin, den er beim besten Willen nicht einzuschätzen vermochte. Und mit einem Mal drängte sich ihm etwas auf, dass ihn zum schmunzeln brachte, obgleich er nicht wusste, ob sich seine Mundwinkel tatsächlich bewegten, oder ob vor lauter Erschöpfung nur sein Geist lächelte.
'Vielleicht', überlegte er, 'bin ich momentan einfach nicht der einzige, dem die Nerven blank liegen.'
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