Gefangen im Damals

von Tigerauge
GeschichteRomanze / P16 Slash
25.06.2010
25.03.2011
32
90794
 
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
Autorenkommentar:

Hallo und willkommen zu meiner neuen Geschichte!

Schön, dass ihr hier her gefunden habt.
Wie angekündigt kommt heute der Prolog zu meiner neuen Geschichte.
Es wird – glaube ich bisher – keine lange Geschichte. Auch die Kapitel werden nicht an die Länge der Kapitel von „Angel Fake“ rankommen. Es ist ein kleines Projekt, das viel von mir selbst beinhaltete, aber dennoch eine Welt für sich ist. Wie nicht anders zu erwarten handelt es sich um eine Boy Love Story, die diesmal viel weniger Drama und dafür mehr Humor in sich trägt. Der Prolog spielt fünf Jahre vor der Zeit, in der die eigentliche Geschichte beginnt.

Bitte verzeiht auftretende Fehler, ich habe für die Story keine Beta. Sollten euch ganz beträchtliche Fehler auffallen, könnt ihr sie mir ja gerne per MAIL durchgeben *g*

Tja, und nun wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen!

Eure Tigerauge

___________________________________________________________________



Gefangen im Damals

~ Prolog ~



Schmerz und Leid aus längst vergangener Zeit, liegt oft fern im Nebel des Vergessens, weit. Plötzlich wie aus dem Nichts, ich werde starr, steht es vor mir, als ob es grad erst geschah. (Verfasser unbekannt)



„Du hast schöne Beine.“

Errötend wende ich meinen Blick ab und blicke auf die Straße. So tuend, als wäre ich unbeirrt, folge ich der uns ein weites Stückchen voraus laufenden Klassenkameraden.

So etwas kann auch nur von ihm kommen. Und obwohl viele meinen, dass solche Sätze mehr als eindeutige Zeichen beinhalten, verpuffen sie einfach vor meinen Augen. Solche Dinge machen ihn für mich nicht greifbar. Er scheint immer noch so unendlich weit entfernt zu sein, obwohl wir tagtäglich durch die Schule verbunden sind.

Seit einem Jahr. Dem einzigen Jahr, das wir je gemeinsam in einer Klasse und auf einer Schule verbringen werden.

Jetzt stehen die letzten zwei Schultage vor uns und dann ist das Jahr auch schon wieder rum.

„Schleimer“, werfe ich ihm - meine Nervosität damit überdeckend - an den Kopf.

Ich reagiere immer so. Lasse völlig absurde Kommentare ab, als darauf einzugehen, wie mir der ein und andere schon geraten hat. Das wir beide vom gleichen Geschlecht sind, scheint keinen zu jucken.

Die ersten sechs Monate schmachtete ich ihn immer heimlich an. Er war ein hübscher Bursche, trotz seiner Zahnspange, die er recht verspätet eingesetzt bekam. Das tat seinem schönen Lächeln aber keinen Abbruch.

Irgendwann fing er an mir mehr Aufmerksamkeit zu zollen, als ich je zu Wünschen gewagt hatte. Es folgten diverse seltsame und auch direkte Komplimente. Beispielsweise so eines wie heute.

Zuvor habe ich von keinem – außer mal von der Familie, aber das zählt nicht – Komplimente erhalten. Dementsprechend unbeholfen und unvorbereitet reagiere ich darauf. Ich bin es nicht gewohnt.

Heute ist ein schöner und sehr heißer Tag. Ich habe mir eine Hose, die bis etwa zu den Knien reicht, ein normales T-Shirt und dazu Flip-Flops, angezogen

Nichts Besonderes.

Aber seit er mich heute Morgen erblickte, spürte ich gleich, wie er mich von oben bis unten musterte. Anschließend fing ich sein breites Grinsen auf. Und was tat ich? Na klar ich habe mich umgedreht und mit meiner Klassenkameradin, die neben mir auf dem Boden hockte, unterhalten. Nicht einmal, als er sich neben mich setzte – da wir noch auf unseren Lehrer warteten – reagierte ich. Was hätte ich auch tun sollen? Feigling!

Nun gut. Heute ist unser vorletzter Schultag. Wir haben beschlossen zur Vormittagszeit zusammen mit unseren Lehrern Döner Essen zu gehen. Sehr ausgefallen. Der Lehrer hat nur zugestimmt, weil er selbst großen Hunger hat.

Bis zur nächsten Dönerbude ist es nicht gerade ein Katzensprung, aber bei dem schönen Wetter, laufen wir auch gerne dorthin.  Und auf dem Weg befinden wir uns gerade.

Wie gesagt, unsere Klassenkammeraden laufen uns vorweg. Nur ich, er, eine Klassenkameradin und ein Klassenkamerad bilden das Ende der Truppe. Sie ist in meinem heimlichen Schwarm, der mir das ungewöhnliche Kompliment gemacht hat, verliebt. Noch ein Grund weshalb ich mich nicht an ihn heranwage.

Obwohl er mir immer solche Komplimente macht und der ein und andere behauptet, er interessiere sich für mich, stempeln es die meisten als einen Scherz ab. Es weiß keiner, dass ich schwul bin. Sie denken sich nichts bei. Er ist meist der Klassenclown, also wer soll da schon glauben, dass er es mit seinen Avancen erst meint? Ich nicht, auch wenn ich es mir insgeheim wünsche. Aber ein Blick in das Grinsen seines Freundes, sagt alles. Ein Scherz, mehr nicht.

Seine Scherze stören mich nicht. Sie sind nicht böse gemeint, er ist eigentlich ein ganz netter. Wir kommen gut miteinander aus.

Natürlich werfe ich ihm immer heimlich schmachtende Blicke zu. Natürlich bin ich über jedes blöde – wenn auch nett gemeintes Kompliment erfreut, aber ich mache mir da nicht viele Hoffnungen. Nur noch morgen, dann trennen sich unsere Wege eh. Wir wohnen nicht gerade um die Ecke, als das wir uns über den Weg laufen würden.

„Er nimmt dich einfach nicht ernst“, beschwert sich sein Freund gespielt empört bei ihm und klopft ihm tröstend auf die Schulter.

Ich verdrehe die Augen und werfe einen vieldeutenden Blick nach hinten. „Witzig.“

Seine blauen Augen taxieren mich.

Schnell wende ich den Kopf wieder ab und beginne ein unbedeutendes Gespräch mit Annika, die neben mir her läuft. Sie ist verdächtig still, immer wenn er mir Komplimente macht. Was soll man von der ganzen Situation halten? Ich weiß es nicht und mit Annika kann ich nicht darüber reden. Manchmal nervt mich ihre Art ein bisschen. Sie macht überall schlechte witzige Bemerkungen und nimmt nichts so wirklich ernst. Wenn ich versuche über ernste Dinge mit ihr zu sprechen, macht sie Witze oder behauptet immer das Gegenteil. Ich habe nie das Gefühl, dass sie mich versteht.

Einmal rastete ich deswegen aus und fuhr sie blöd an. Er schaute mich dabei irritiert aber auch amüsiert an. Sie – nicht besonderes nachtragend – nahm es mal wieder nicht ernst, obwohl es das war.

Dennoch sind wir so etwas wie Freunde. Zumindest für das Jahr über. Ich weiß ganz genau, dass wir uns sofort aus den Augen verlieren, wenn das Jahr um ist. Stört mich nicht.

Mein Herz wird aber schwer, bei dem Gedanken ihn nicht mehr zu sehen. Ihn und sein bezauberndes Lächeln, das noch bezaubernder wurde, als er vor einigen Monaten seine Zahnspange abbekam. In diesem einem Jahr hat er positive Wandlungen angenommen.

In mich hineinseufzend trotte ich den Weg entlang, behaupte seine Blicke im Rücken zu spüren und bereite mich jetzt schon einmal emotional auf den Abschied vor.

Und wie auch all die Tage davor, vergeht die Zeit im Nu und wir stehen im Kreis und begutachten unsere Zeugnisse. Jetzt ist der Abschied gekommen. Reihum verabschieden wir uns von unserem Kameraden, die uns in diesem Jahr am nächsten waren. Er und ich habe noch das Stückchen Weg zur Bushaltestelle, das wir gemeinsam – mit Annika – vor uns haben. Es sieht nach nichts besonderem aus.

Mein Herz fühlt sich schwer wie Blei an, etwas das man mir nach außen natürlich nicht ansieht. Wir sehen uns an, umarmen und verabschieden uns kurz. Unsere Busse warten bereits und wir haben nicht viel Zeit.


Das ist das letzte Mal, dass ich ihn sehe.