Für immer

von kuyami
GeschichteRomanze / P12 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft Werder Bremen
12.06.2010
12.06.2010
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12.06.2010 1.594
 
Titel: Für immer
Pairing: Clemens Fritz/Per Mertesacker
Rating: P 12 Slash
Beta: Sammy-chan <3
Warnung: Chara-Death!

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Für immer



Ich hatte Per einmal gefragt, ob er sich dessen bewusst sei, dass es für uns beide nie reichen würde. Dass die Zeit uns immer im Nacken sitzen und uns dennoch davon laufen würde.
Und er hatte geantwortet, dass er das nur zu gut wüsste. Und dass er dennoch, oder gerade deswegen, immer bei mir sein würde.
Und ich würde immer bei ihm sein.

Doch als es dann so weit war und die Zeit uns, insbesondere mir, davon lief, als ich sie vorbei eilen sah, als ich mit dem Auto quer über die Straße auf einen Baum zu rutschte und noch panisch versuchte, das Lenkrad herumzureißen, was alles noch schlimmer machte, da wusste ich, dass es so gekommen war, wie ich es prophezeit hatte: es würde für uns beide nie reichen. Die Zeit war weg. War davon gelaufen, hatte sich versteckt, war mit mir zusammen gegen den Baum geprallt. Sie war weg. Die Zeit war weg.

Aber dennoch war ich immer bei ihm. Wie ich es versprochen hatte, ich war da. Immer. Und sein gelegentlicher, verzweifelt suchender Blick zu mir nach oben, ließ mich wissen, dass er ganz genau wusste, dass ich immer über ihn wachte.

Ich war bei ihm, als das Telefon klingelte und meine Mutter ihm die Nachricht überbrachte.
Ich war bei ihm, als er zitternd und unter Tränen zusammen brach.
Ich war bei ihm, als Torsten und Tim ihn zwei Stunden später noch immer so fanden.
Ich war bei ihm, als er die erste Nacht seit 7 Jahren alleine in unserem Bett verbrachte.
Ich war bei ihm, als er sich verzweifelt und schluchzend an mein Kissen klammerte und versuchte, die Zeit wieder zurückzuholen.
Ich war bei ihm, als er die nächsten Tage alleine in unserer Wohnung zurückblieb, alte Sachen durchsuchte und die Zeit dennoch nicht wiederfand.
Ich war bei ihm, als er versuchte, bei jedem einzelnen Anruf, jeder Beileidsbekundung, stark zu sein.
Ich war bei ihm, als er sich Vorwürfe machte. Immer und immer wieder. Dass er die Zeit mit mir nie richtig genutzt hatte, wie er es hätte tun sollen.

Und ich war auch jede Nacht bei ihm. In seinen Träumen war ich bei ihm, hielt ihn fest und streichelte ihm durchs Haar. Ich flüsterte ihm ins Ohr, dass alles gut werden würde und spürte seine kalten Tränen auf meiner nackten Haut. Jede Nacht schlich ich mich zu ihm ins Bett und gab ihm Kraft. Die Kraft dazu, am nächsten Morgen aufzustehen. Die Kraft, das alles durchzustehen. Allein.

Ich war bei ihm, jeden Morgen als er aufwachte und sich sicher war, dass sein Traum zu real gewesen war, um nur ein Traum zu sein.
Ich war bei ihm, jeden Morgen, als er daraufhin die Wohnung durchsuchte, nach mir rief und mich suchte. Doch er fand mich nicht. Und er fand auch die Zeit nicht wieder.
Ich war bei ihm, als er sich seinen schwarzen Anzug anzog, schwarzes Hemd, schwarze Krawatte.
Ich war bei ihm, als er seine Haare mit Gel in Form brachte. So, wie er es manchmal für mich getan hatte, weil er genau wusste, dass es mir hin und wieder eine Freude gemacht hatte.
Ich war bei ihm, als er sich mit Tränen in den Augen fragte, ob ich ihm jetzt gerade wohl zusah und mich darüber freute, dass er seine Haare so gestylt hatte, wie ich es immer gemocht habe, wenn wir ausgegangen waren.
Ich war bei ihm, als Torsten und Tim ihn abholten. Ihn festhielten und zum Auto brachten. Als sie ihn stützten und ins Stadion führten. Das Weserstadion. Unser Stadion. Das Stadion, in dem wir uns zum ersten Mal geküsst hatten. Auf den leeren Rängen nach einem verlorenen Spiel. Vielleicht hätten wir es damals schon wissen müssen, dass wir früher oder später, auf die ein oder andere Weise, verlieren würden.
Ich war bei ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter, als er, umgeben von seinen Freunden, die versuchten, ihm so gut wie möglich Halt zu geben, das Stadion betrat.
Ich war bei ihm, als sein Blick zum ersten Mal auf meinen Sarg fiel. Weiß, nicht schwarz.
Ich antwortete ihm in Gedanken auf all die Fragen, die ihm durch den Kopf schossen. Beruhigte ihn und versicherte ihm, dass ich immer bei ihm war. Dass das, was in dem weißen Holzkasten vor ihm lag, nicht mehr war, als eine körperliche Hülle. Dass der Mensch, den er so sehr geliebt hatte, noch immer am Leben war. Zwar wandelte ich nicht mehr auf Erden, aber dennoch war ich immer noch da. Genauso stark und lebensfroh, wie ich es immer gewesen war.
Ich war bei ihm, als er all die Kameras verfluchte, die immer und immer wieder auf ihn gerichtet waren. Sie konnten es doch gar nicht wissen. Sie konnten nicht wissen, dass für ihn mehr gestorben war, als nur ein guter Freund, ein Mannschaftskollege. Dass es sein Freund, sein Lebensinhalt, sein Leben gewesen war, das da gegen den Baum gekracht war. Dass es die Zeit war, die ihm davongelaufen war und die er nicht mehr zurückholen konnte.
All das konnten sie nicht wissen. Noch nicht. Aber er würde es ihnen sagen. Er würde es ihnen ins Gesicht schreien und ihnen sagen, dass er mich schon immer geliebt hatte. Und dass es ihm egal war, was sie alle jetzt von ihm dachten, was sie zu ihm sagten, oder was sie wollten, dass er tat. Es war ihm egal.

Ich war bei ihm, als er einen verzweifelten Blick gen Himmel schickte und mich fragte, warum er das alles ertragen müsse. Leise, so dass nur er es hören konnte, antwortete ich ihm, dass er es für uns tat. Für mich.
Ich war bei ihm, als sich daraufhin seine Schultern strafften und er zusammen mit der Mannschaft hinter meinem leblosen Körper, der in einer Holzkiste getragen wurde, her ging. Auf den Friedhof. Mein Begräbnis. Unser Begräbnis.
Ich war bei ihm, als er sich angesichts der Tränen all der anderen nicht mehr zurückhalten konnte.
Ich war bei ihm, als er hemmungslos weinte und sich von niemandem halten lassen wollte.
Ich war bei ihm, als er alleine an mein Grab trat und ich hielt ihn fest und nahm ihm die Angst und gleichzeitig auch das Bedürfnis, einfach zu meinem Körper hineinzufallen.
Ich war bei ihm, als er vor Tränen und Schmerz bebte, als ihm alle, die von uns beiden gewusst hatten, die Hand schüttelten oder ihn in den Arm nahmen.
Ich war bei ihm, als er all die Beileidsbekundungen verfluchte, die mich ja doch nicht wieder zurück bringen würden.

Ich war bei ihm, als er sich schon am nächsten Tag der Presse stellte. Auf einer Pressekonferenz, um die er gebeten hatte.
Ich war bei ihm und gab ihm Kraft, als es ihm schwer fiel, Torsten zu bitten, bei ihm zu bleiben.
Ich war bei ihm und gab ihm die Kraft, sich vor all die Reporter und Fotografen zu setzen.
Ich war bei ihm und stand die ganze Zeit hinter ihm, als er anfing zu sprechen.
Ich war bei ihm, als er anfing zu weinen und ihnen allen sagte, dass wir ein Paar gewesen waren.
Ich war bei ihm, als er sich, so gut er konnte, darüber freute, dass sie alle genauso reagierten, wie wir beide es uns insgeheim immer ausgemalt hatten.
Ich war bei ihm, als Torsten nach seiner Hand griff uns sie fest drückte, weil er es fast nicht mehr schaffte, weiter zu sprechen.
Und ich war auch bei ihm, als er seinen Blick, nachdem er gesprochen hatte und alles verstummt war, nach oben richtete und flüsterte. So leise, dass nur ich es hören konnte:
"Für dich."
Als er all seinen Schmerz und all seine Liebe zu mir schickte, die mich fast erdrückten.

Ich war bei ihm, als er sich die nächsten Wochen alleine in unserer Wohnung verkroch.
Ich war bei ihm, als er jeden Tag neue Briefe bekam. Liebe und tröstende Worte von Fans und Freunden. Hasstiraden von christlichen Organisationen.
Ich war bei ihm, als er sie alle verbrannte und dabei immer wieder einen hilfesuchenden Blick nach oben schickte.
Ich war bei ihm, als er in einer einsamen Nacht einen Entschluss fasste und konnte es dennoch nicht glauben, als er es dann wirklich tat.
Ich war bei ihm, als er sich einen Cocktail aus Tabletten zusammenstellte, die zu bekommen ein leichtes war.
Ich war bei ihm, als er sie alle schluckte.
Von oben sah ich ihm zu und schrie, wollte ihn davon abhalten. Wollte nicht, dass er zu mir kam. Noch nicht. Aber dennoch sofort. Wollte es so sehr, dass alles weh tat.
Doch er hörte mich nicht. Wollte mich nicht hören. Konnte mich nicht hören.
Ich war bei ihm und hielt seine Hand, als die Zeit auch an ihm vorbei rauschte, ihm vor Augen hielt, was wir alles gemeinsam erlebt hatten und ihn auch daran erinnerte, was wir alles zusammen hätten durchstehen können.
Ich war bei ihm, als er aus seinem Körper entwich.

Und dann war er bei mir.
War bei mir, als ich von oben zusah, wie sie versuchten, seinen Körper wiederzubeleben.
War bei mir und sagte mir, dass er nicht wieder zurückkehren würde.
War bei mir und nahm mich in den Arm, küsste mich.
Es war die Erlösung.
All der Schmerz fiel von mir ab und ich löste mich in Per auf. Ging in ihn über und er in mich. Wir wurden eins.
Er war immer bei mir.
Und ich war immer bei ihm.
Eins.
Für immer.
Jetzt hatten wir alle Zeit der Welt.
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