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Söhne Berlins

von nir77tak
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Carsten Reimann Leonhard "Lenny" Cöster
11.06.2010
26.06.2013
200
269.663
25
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
96 Reviews
 
 
11.06.2010 929
 
Lenny und Carsten hatten ihren Weg gefunden.
Sie hatten beide Sozialarbeit studiert und zusammen mit ein paar anderen Sozialarbeitern ein Projekt gestartet.
Sie hatten ein altes Hotel gemietet und umgebaut und nun war dieses eine Unterkunft für schwule Jugendliche, die zu Hause rausgeflogen waren.
„Söhne Berlins“ stand auf einem großen Schild am Eingang und meist waren sie – leider – gut besucht.
Die jungen Männer wohnten in diesem Haus, bis sie festen Halt im eigenen Leben gefunden hatten. Für einige bedeutete dies einige Tage, für andere Wochen, Monate bis zu einem Jahr und mehr.




„Du alte Kuh!!!“
Gigi, nur die Betreuer wussten, wie er wirklich hieß, quietschte durch den ganzen Flur und entgegen seinem sonst eher schwebenden Gang stapfte er zu Joeys Tür.
„Dein Resort“, grinste Lenny und stupste Carsten in den Rücken.
Mit „Zickenkrieg“ konnte Carsten deutlich besser umgehen als er, Lenny hatte weder die Ruhe noch ansatzweise Verständnis für so etwas.
Carsten seufzte und Lenny küsste und sanft, „Du regelst das schon!“
„Dann schau du doch mal, ob du mit dem Neuen reden kannst. Der ist seit drei Tagen hier und spricht kaum ein Wort. “, sagte Carsten und deutete auf den Garten hinter dem Haus.


Martin saß an einen Baum gelehnt.
Lenny lächelte ihn an und setzte sich ihm gegenüber ins Gras.
Als Martin nicht reagierte, ließ er sich zurück sinken und legte sich auf dem Rücken, den Kopf auf die verschränkten Arme und schaute in den Himmel.
„Sind die beiden da drin schon wieder im Krieg?!“, fragte Martin nach einer Weile.
Lenny grinste: „Carsten ist bei ihnen.“
Martin seufzte: „Die zwei sind ….“
Lenny grinste und nickte: „Wem sagst du das?!“
„Ihr beiden seid irgendwie anders …“
Lenny dreht sich zu Martin, blieb aber liegen, so dass er zu ihm aufschauen musste. „Wer?“
„Na, Carsten und du …. Ihr seid so … normal…..“
Lenny lächelte: „Najaaaa, jeder ist, wie er ist, oder? Wir sind sooo und die zwei sind – öhm – anders … und du ….“, er schaute Martin an … das war hier die Hauptfrage für die jungen Männer, die hier ankamen ... wie will ich sein, wo grenze ich mich ab, wo bin ich „ganz normal“ – der übliche Entwicklungsprozess, hier nur unter erschwerten Bedingungen eben.
„Jaaaaa …. Und ich?! Keine Ahnung!“, gab Martin zu.
„Das macht doch nichts“, beruhigte Lenny ihn, „Das musst du ja auch nicht HEUTE wissen. Du hast alle Zeit der Welt.“
„Aber wie ich NICHT bin, dass weiß ich jetzt schon mal“, grinste Martin mit einer Kopfbewegung zum Haus.
Lenny lachte: „Ach, die beiden sind, jeder für sich, auch voll OK, und Gigi zieht ab morgen zu seinem Onkel, dann wird’s hier auch ruhiger.“

Martins Handy kündigte eine SMS an.
Nach einem Blick aufs Display erklärte er: „Mein bester Freund, er macht sich Sorgen“
„Weiß er, wo du bist?“, fragte Lenny.
„Nein … dann müsst ich so vieles mehr mit erklären …dieses Haus hier sagt ja schon alles …“, druckste Martin.
„… und du meinst, da kommt er nicht mit klar?!“.
Lenny machte eine ausschweifende Bewegung über das Haus, sich selbst und Martin.
‚Das alles hier‘ eben.
Martin zuckte mit den Schultern.
„Wenn nicht, ist er es nicht wert, das weißt du!“, sagte Lenny bestimmt.
„Vielleicht will ich aber genau das nicht rauskriegen.“, erwiderte Martin trotzig.
„Dann sag ihm wenigstens, dass es dir gut geht.“, bat Lenny.
„Ja, das hab ich schon, aber er bohrt weiter – wo ich bin und warum ich rausgeflogen bin und warum ich mich nicht melde …“, erklärte Martin.
„Klingt ja erst mal nach einem netten Kerl“, zwinkerte Lenny, „Dann hat er auch die Wahrheit verdient, oder?“
„Wie war das bei dir damals?“, fragte Martin.
„Oohhh, ich bin nicht wirklich das Paradebeispiel“, verzog Lenny das Gesicht.
„Ich hab um mich geschlagen und viele, die mir nah standen verletzt, bis ich‘s mir selbst eingestanden hab. Dabei hab ich tolle Eltern und ne süße Schwester. Das war wirklich unnötig.“
„… und Carsten?!“, bohrte Martin weiter.
„Ist zu Hause rausgeflogen, als sein Alter es erfahren hat – deshalb ja auch dieses Projekt hier …“
„Aber er hatte dich“
„Nein, nicht wirklich. Erst mal hab ich mich mit Händen und Füßen gegen ihn gewehrt, bis ich‘s nicht mehr verdrängen konnte …“
„…dass du ihn liebst …“, vollendete Martin den Satz.
„Ja!“, lächelte Lenny.
„Ich glaub, ich lieb ihn nicht ….“, überlegte Martin.
„Wen? Carsten?“, zog Lenny eine Augenbraue hoch  - wäre nicht das erste Mal, dass sich einer der Jungs in einen von ihnen verliebte. Meist ‚traf‘ es Carsten, aber auch er hatte schon junge Verehrer enttäuschen müssen.
„Neee, den sowieso nicht, der ist doch viel zu alt“, schüttelte Martin den Kopf und Lenny verzog das Gesicht.
„Autsch, sag ihm das bloß nicht …“
„Aber  Robin – meinen besten Freund – auch nicht … glaub ich jedenfalls … ich weiß auch nicht …. Ich mag ihn …. sehr sogar …. Aber so küssen und anfassen …. Nö, das würd ich jetzt nicht wollen ….“
Lenny zuckte mit den Schultern: „Schwul heißt ja nun auch nicht, dass man JEDEN Kerl will … auch wenn einige da draußen das immer noch so sehen ….“
„Als ob die JEDE Frau wollten …“
Lenny lachte: „Manche schon ….“
„Danke!“, meinte Martin ernst.
„Wofür?!“, fragte Lenny und stand langsam auf.
„Na hierfür, glaubst du, ich weiß nicht, was hier gespielt wird?!“
„Gespielt?!“, fragte Lenny und klopfte sich das Gras von der Hose.
„Ja, Carsten ist für die Ziegen zuständig und du bringst den Schweiger zum Reden ….“, nickte Martin.
Lenny grinste: „Och, Schweiger zum Reden bringen, das kann Carsten auch gut. Ich bin das beste Beispiel dafür. Ich lass dich jetzt mal allein, du magst sicher telefonieren, hm“, zwinkerte er und ging gemächlich ins Haus.
„Hey, Robin, Martin hier …“, hörte er noch, bevor er im Haus verschwand.
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