OUT-NUMBER-ED

GeschichteDrama, Romanze / P18
Train Heartnet
10.06.2010
20.05.2013
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Während ich mit hinter dem Rücken verschränkten Armen dastand, ließ ich meinen Blick durch den hohen und weiten Raum schweifen, der etwa die Größe eines Ballsaales entsprach.
Doch anstelle von tanzenden Gästen, einem Orchester, einem Bankett  und Parkettboden, besaß dieser Raum kühlen Marmor als Untergrund, und bis auf einige runde Säulen, die in regelmäßigem Abstand zueinander angeordnet aus Boden und Decke ragten, befand sich ansonsten nichts mehr darin.
Außer natürlich den dreizehn in schwarzen Anzügen – oder in meinem Fall in tiefschwarzer Jeans und ebenso gleichdunkler Bluse – gekleideten Personen, zu denen ich mich selbst zählte, und die sich in zwei Gruppen zu ungleicher Größe aufgespalten hatten.
Die Reihe, in der ich mich befand, bestand aus elf der Anwesenden – außer mir alle Männer, ich war die einzige junge Frau von 18 Jahren in dieser Gruppe – und wir standen einige Meter entfernt von den anderen beiden, einem Mann und der zweiten Frau in unserer Gesamtgruppe.
Die Frau stand mit der Vorderseite ihres Körpers in unsere Richtung gewandt da, sie befand sich etwa in der Mitte des dritten Jahrzehntes ihres Lebens, ihre hellblonden Haare, die ihr bis kurz unter die Schultern fielen, waren im Einklang mit ihrer sanften, hellen Haut.
In ihrem Gesicht stachen die wasserblauen Augen hervor, durch die man bei den ersten Malen, in denen man sie sah, bis in die Tiefe ihrer Seelen zu sehen glaubte, und die schwarze, tätowierte römische I in der Mitte ihrer Stirn.
Sie trug einen langen, violetten Mantel, der ihr bis zu den Füßen reichte, an den Rändern gelb und von ihrer Brust bis zu ihrem Becken zugeknöpft war, sodass von ihrer übrigen Kleidung nur ein kleiner, oberer Teil eines roten Hemdes und eine weiße Krawatte, und am Ende ihres Körper eine eng anliegende, schwarze Hose erkennbar waren.
In ihren Händen, die sie leicht angewinkelt vor sich hatte, ruhte eine schwarze Schatulle, die mit goldenen Ornamenten verziert und offensichtlich verschlossen war.
Jeder von uns anderen im Raum kannte sie.
Saphiria Arks, die Number I und Kommandantin der Kronos Numbers und unsere unbestrittene Anführerin, der keiner von uns im Kampf und auch im Geiste gewachsen war – oder zumindest war niemand so verrückt, sie herauszufordern und es auszuprobieren.
Was es zu meiner eigenen Person zu sagen gab, war, dass es nur Saphiria erlaubt war, ihren violetten Mantel zu tragen und ich mich zwischen Bluse und komplettem Anzug entscheiden hatte dürfen – natürlich hatte ich Ersteres gewählt.
Den junge Mann, der vor ihr und somit mit dem Rücken zu uns anderen stand, konnte ich in meinen Gedanken nur äußerlich beschreiben, da ich ihn erst vor einigen Minuten zum ersten Mal gesehen hatte.
Seine Kleidung war schlicht, er hatte wohl ebenso wie die anderen männlichen Personen im Raum einen Anzug getragen, bis er dessen Jackett gegen einen langen, schwarzen Mantel eingetauscht und die formelle Kleiderordnung damit etwas abgeändert hatte.
Seine strubbligen, schwarz-braunen Haare standen nach allen Seiten ab und ich hatte die Vorahnung, dass es ihm wohl entweder massiv am Arsch vorbei ging, wie sie aussahen, oder er es schlicht und einfach aufgegeben hatte, sie zu kämmen.
Vermutlich war beides korrekt.
Vorhin hatte ich sein Gesicht gesehen, und in der kurzen Zeitspanne, in der ich die Gelegenheit gehabt hatte, es zu mustern, war mir vor allem eines im Gedächtnis geblieben:
Seine Augen waren golden.
Ach, und natürlich das Wichtigste, er war –
„Number XIII. Train Heartnet“, hallte Saphirias Stimme durch den Raum noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken konnte, holte mich allerdings auch aus meinen restlichen Überlegungen wieder in die Wirklichkeit zurück.
Es war nicht der Tonfall, in dem sie Befehle und Anordnungen preisgab, sondern der, mit dem sie bei Versammlungen und ähnlichen Anlässen sämtliche Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer gewann.
Ich hatte diese Ansprachen-Stimme erst ein einziges Mal persönlich zu Ohren bekommen, und zwar bei meiner eigenen Aufnahme zu den Kronos Numbers vor einem halben Jahr, diesen Tag hatte ich noch so frisch im Gedächtnis, als wäre er gestern gewesen – ihre Stimmlage war damals genau dieselbe, aber natürlich sprach sie meinen Namen und meine Nummer, die III.
Train Heartnet erwiderte Saphiria nichts, so wie ich es damals getan hatte.
Er zeigt kein einziges Anzeichen von Aufregung, Stolz oder auch jedwedem anderen menschlichen Gefühl, das in diesem Augenblick angebracht gewesen wäre.
Nicht, dass es mich verwundert hätte, in aller Bescheidenheit – so etwas hatte ich mir schon gedacht.
Das kam daher, dass ich mir vor einigen Minuten, als wir alle zusammen noch draußen auf dem Gang gewartet hatten, vorgenommen hatte, kurz mit ihm zu reden und ihm so vielleicht etwas von der Aufregung und Nervosität zu nehmen, die er meiner Meinung nach bestimmt gefühlt hatte.
In Anbetracht der Tatsache, dass meine Ernennung auch nicht gerade lang her war, hatte ich mir eingebildet, seine Gefühlswelt in diesem Moment gekannt zu haben...allerdings hatte ich da auf Granit gebissen.
Ich war vorhin einfach auf ihn zugegangen, da ich erkannt hatte, dass er etwa in meinem Alter war und somit endlich einen Gesprächspartner unter den Numbers abgeben würde, der meine Interessen einigermaßen so verstand wie ich, war aber nicht näher als einige Schritte weit herangegangen und hatte kehrt gemacht.
Er hatte mich zwar nicht direkt angesehen sondern abwesend aus dem Fenster geblickt, aber trotzdem hatte ich in seinen Augen einen Ausdruck von Kälte ausmachen können, aus dem ich schloss, dass er wohl keinen besonders guten Gesprächspartner abgeben würde und hatte es gar nicht erst weiter versucht.
Vermutlich war er in diesem Moment, in dem Saphiria ihm gegenüberstand, etwa so aufgeregt wie vorhin, und da war er schon alles andere als das gewesen.
Ich frage mich, wie er das macht... Ich hab mich zwei Stunden danach immer noch aufgeregt gefühlt...
Doch bevor ich meine Gedanken weiter ausführen konnte, fuhr Saphiria mit ihrer Ansprache fort und unterbrach damit meinen Erinnerungsfluss.
Während ich in meine Überlegungen vertieft gewesen war hatte sie die Schatulle in ihren Händen auf etwa Hüfthöhe gehoben, eine Hand auf ihren Deckel gelegt und sie etwas in die Richtung ihres Gegenübers geneigt.
„Als Zeichen deiner Zugehörigkeit zu den Kronos Numbers überreiche ich dir –“
In der nun entstandenen Pause öffnete sie die Schatulle mit einer schnellen Handbewegung, indem sie den goldenen Clip-Verschluss an der unteren Hälfte hinunter drückte und den schwarzen Deckel danach bedächtig hochhob.
Ich konnte von meiner entfernten Standpunkt aus nicht alle Details erkennen, allerdings erkannte ich eine schwarz-goldene Pistole, die zwar eigenartig geformt, aber dennoch als Schusswaffe zu erkennen war, und eine weitere, kleinere Schatulle, in der vermutlich die dazugehörigen Patronen enthalten waren.
Eine Pistole. Nein, wie originell.
Beide Gegenstände waren in roten Samt gebettet, in exakt für sie geformte Mulden gelegt und die Waffe, auf der, wie ich jetzt erkannte, die römische XIII eingraviert war, so wie an der Klinge über der Parierstange meiner Waffe die III, war sogar auf Hochglanz poliert worden.
Unwillkürlich ließ ich meine Hand einige Zentimeter weiter von ihrer derzeitigen Position nach hinten wandern, wo sie auf die Scheide meines Dreiklingen-Katar traf, die ich an einer für mich speziell angefertigten Halterung an meinem rechten Oberschenkel festgemacht hatte. Ich war stolz auf meine ungewöhnliche Waffe, eine erweiterte und leicht abgeänderte Version eines Katar, wie ihn vor allem indische Soldaten getragen hatten.
Neben der Hauptklinge hatte er noch zwei weitere kleinere Nebenklingen, die normal auf die Hauptklinge standen und sich rechts und links von der Parierstange befanden, weswegen sie über den Rand der Scheide hinausstanden, was ich in der ersten Woche als ich ihn trug immer wieder vergessen und beinahe ein Loch in meine Hand gestochen hätte.
Auch ich hatte meine Waffe aus Oliharkon, dem härtesten Metall der Welt, an dem Tag meiner Aufnahme zu den Numbers von Saphiria verliehen bekommen und seitdem war ‚Crabro‘  meine treue Begleiterin auf allen meinen Missionen und auch im alltäglichen Leben gewesen.
Mit den neugierigen und manchmal etwas peinlichen Blicken der Leute hatte ich mich nach etwa zwei Monaten abgefunden.
„– die gravierte Pistole ‚Hades‘!“
Mit einem kurzen Aufschrecken bemerkte ich, dass ich schon wieder abgedriftet war und zwang meine gesamte Konzentration wieder auf das Geschehen vor mir.
Zwar konnte ich nachdenken und mich gleichzeitig auf etwas konzentrieren, allerdings befand ich dieses Ereignis als zu wichtig, um ihm nur die Hälfte meiner Aufmerksamkeit zu widmen – immerhin war dies die Ernennung eines weiteren Ausnahmekämpfers, der mit uns anderen Numbers nun auf gleicher Stufe stand und uns ebenfalls ein ernstzunehmender Gegner sein könnte.
Wobei ich Letzteres so gut wie möglich vermeiden wollte.
Nachdem ich mich erneut dafür gescholten hatte, beinahe wieder in meine Gedanken versunken zu sein, hatte der junge Mann nach der Hades gegriffen und sie einige Momente lang gehalten, wohl um zu überprüfen, ob sie möglichst gut in der Hand lag, bevor er sie mit einem kaum bemerkbaren, zufriedenen Nicken wieder in die Schatulle zurücklegte und diese von Saphiria entgegennahm.
„Auf dass ihr gemeinsam erfolgreich kämpft, für Kronos und für die Sicherheit in der Welt!“
Mit diesen Worten ließ Saphiria die Schatulle, die sie immer noch umfasst gehalten hatte, endgültig los, so dass ihr Gegenüber sie nun alleinig in Händen hielt und vermittelte ihm somit, dass die Waffe nun ganz sein Eigen war.
Ich war neugierig darauf, wie sein Gesicht im Moment aussah und musste mich auch nur noch einen kleinen Moment gedulden, bevor die neue Number XIII sich zu uns übrigen Numbers umdrehte.
Leicht enttäuscht erkannte ich, dass sein kalter Blick immer noch derselbe war wie der, der mich dazu bewegt hatte, meinen Gesprächsversuch wieder abzublasen.
Da ich ihn vorhin auf dem Gang nur von der rechten Seite gesehen hatte, stach mir besonders die tätowierte XIII auf seiner linken Brusthälfte – links von ihm aus gesehen – ins Auge und sofort hatte ich wieder etwas, über das ich mir Gedanken machen konnte.
Bis jetzt hatten von zwölf Numbers nur die Hälfte – Saphiria, Belzé, Naizaa, Ash, Kranz und Anubis (was eigentlich nicht zählte, da er ein riesiger und intelligenter schwarzer Hund war und somit beinahe keine Stellen hatte, an denen sie nicht sichtbar gewesen wäre) – ihre Tätowierung so offensichtlich getragen, die andere Hälfte begnügte sich mit weniger auffallenden Stellen.
Ich selbst trug die römische III auf meinem rechten Oberarm nahe der Schulter, und ich hatte schon immer so gut wie nie ärmellos getragen, selbst im Sommer nicht.
Für viele Leute wäre dieses Detail unwichtig für ihre Überlegungen gewesen, mich allerdings brachte es zu einer interessanten Schlussfolgerung.
Am Ende dieser Schlussfolgerung kam ich, in Kombination mit dem kalten Ausdruck seines Gesichtes, zu diesem Satz, der ihn meiner Meinung nach gut beschrieb:
„Es ist mir egal, was die Welt über mich denkt, und sie hat es auch gefälligst nicht zu interessieren, was ich über sie denke.“
Eine schnelle Handbewegung von Saphiria gab uns allen zu verstehen, dass wir entlassen waren und ich verließ den Raum gemeinsam mit den anderen Numbers in gewöhnlicher Geschwindigkeit, bevor ich auf dem Gang mein Tempo anhob und durch den Gang huschte.

Ein leichter Wind blies durch die Straßen und Gassen während die Sonne sich langsam über den Horizont senkte.
Es war Stoßzeit auf den Straßen der nicht zu verachtend großen Stadt, da die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung vor einigen Minuten Dienstschluss gehabt – oder gefeiert, je nachdem – hatten und nun natürlich so schnell wie möglich in ihre eigenen Wohnräume zurückkehren wollten, was zur Folge hatte, dass die Verkehrswege hoffnungslos überfüllt waren.
Eine Weile lang waren brüllende, wütende Stimmen, die sich gegenseitig ankeiften, man solle doch schneller fahren, allein zu hören, was noch erträglich war, doch als dann schließlich doch das Hupkonzert von allen Seiten her ausbrach und sich immer weiter ausbreitete, schloss ich schließlich mit einem Ruck die Seite des Fensters, die ich geöffnet hatte, um meine empfindlichen Ohren von dem schmerzenden Dröhnen zu erlösen.
Einen Moment lang befürchtete ich schon, das Glas würde keinen so großen Unterschied in der Lautstärke der störenden Geräusche erzielen, wie ich erst gehofft hatte, seufzte einen Moment später allerdings zufrieden, als der Lärm auf weniger als die Hälfte reduziert worden war.
Jedoch fand nun auch die leichte Brise, die mit meine Haar gespielt hatte, keinen Zugang in den Teil des Gebäudes, in dem ich mich befand, so dass mir die glatten, rostbraunen Strähnen unbewegt den Rücken und die Schultern hinab fielen.
Ach Mensch... Jetzt beeil dich schon...
Ich seufzte abermals, dieses Mal ein ungeduldiges Seufzen, bevor ich mich mit dem Kopf nach hinten lehnte, um auf den Widerstand des kühlen Fensterglases zu stoßen, das sich angenehm an meiner warmen Kopfhaut anfühlte, und meinen Hals entspannen zu können.
Es war jetzt drei Minuten her, seit ich mich hierher gesetzt hatte – ich spekulierte auf die sehr hohe Möglichkeit, dass Number XIII, wie die anderen Numbers vor ihm, ebenfalls hier entlangkommen würde, allerdings nicht gemeinsam mit ihnen.
Denn ich wusste nur zu gut, wie einschüchternd sie auf den ersten Blick wirken konnten, andernfalls hätten sie wohl den Beruf verfehlt.
Auch, wenn die Theorie des Eingeschüchtert seins für ihn vermutlich nicht galt.
Der Grund, weshalb ich den Neuen abfangen wollte, hatte eine schlichte, wenn auch nicht minder interessante – für mich – Erklärung:
Er faszinierte mich.
Seit vorhin schon hatte ich irgendwie gespürt, dass er anders war als gewöhnliche Numbers – sofern es so etwas überhaupt gab – und auch seine ungewöhnlichen Reaktionen auf die Situationen, in denen jeder, den ich hätte aufzählen können, anders reagiert hätte, weckten mein Interesse daran, ihn näher kennen zu lernen.
Allerdings waren wir Numbers bei den meisten Missionen eher Einzelgänger, da sich unsere Kampfstile meist nicht gut miteinander verstanden, bis auf die eingespielter Teams, versteht sich, so dass ich wohl diese Gelegenheit der Zusammenkunft für das kleine ‚Projekt‘ nutzen musste.
Eine Sekunde nach diesen Gedanken stahl sich in zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht, als sich mein geduldiges Warten nun endlich bezahlt gemacht hatte, denn wie erwartet bog Train Heartnet in diesem Moment um die Ecke.
Na endlich!
Ich versuchte, direkten Kontakt mit seinen Augen weitestgehend zu vermeiden, da ich mich zwar schon einigermaßen damit abgefunden hatte, dass sie einen undefinierbaren Ausdruck hatten, allerdings nicht unbedingt hineinsehen wollte.
Er trug die Waffe, die er vorhin verliehen bekommen hatte, nun ebenso wie ich an seinem rechten Oberschenkel, nur dass es bei mir eine Katarscheide und bei ihm ein Pistolenhalfter war und seine Waffe außer dem schwarzen Oliharkon und den weißen Einsätzen noch mit goldenen Ornamenten verziert worden war und zwei rote, kleine Seile an der Seite hängen hatte.
Unnötig, in meinen Augen.
Mir gefiel das schlichte Schwarz-Weiß Design meines Katar besser.
Leichtfüßig sprang ich von der Fensterbank, die sich etwa einen Meter über dem Boden befand und begann mit dem wohl hoffentlich informationsträchtigen Gespräch, in das ich ihn zu verwickeln intentiert hatte.
„Du hast ganz schön auf dich warten lassen“, spottete ich in einem unernsten Tonfall während ich mich ihm gegenüber aufstellte, um erst einmal den Boden für eine ungezwungenere Unterhaltung zu ebnen.
Steife Konversation zwischen zwei Arbeitskollegen würde mir nicht die Ergebnisse liefern, die ich mir erhoffte.
„Ich kann mich nicht daran erinnern, dich gebeten zu haben, auf mich zu warten“, kam die Antwort auf meine scherzhaft gemeinte Bemerkung, die genauso steif war wie die, die ich genau nicht haben wollte, während er mit einigen weiteren Schritten nun weniger als einen Meter vor mir stand.
Erst als ich nur ein klein wenig zu ihm aufsehen musste, bemerkte ich, dass er nicht viel größer war als ich, vielleicht fünf oder sechs Zentimeter.
„Ach komm, du weißt wie ich es gemeint habe!“, versuchte ich erneut, einfach drauf los zu plappern, erntete für meine nun schon gespielte Unbefangenheit allerdings immer noch Desinteresse.
„Nein. Weiß ich nicht.“
Während er sprach zog er eine Augenbraue hoch, wohl um mir zu verdeutlichen, dass er mein Verhalten nicht nachvollziehen konnte...
Ich seufzte.
„Hör mal, du bist ab heute gewissermaßen einer meiner engsten Kollegen. Ist ein bisschen Smalltalk wirklich zuviel verlangt?“
„Ja.“
Nun hob ich ebenfalls eine Augenbraue, allerdings wich mein Gesichtsausdruck keinem Verständnislosen, sondern einem Empörten.
Und um den Ausdruck noch zu vervollständigen, rümpfte ich zusätzlich die Nase.
„Oh, sind wir heute etwa Mister Ich-Bin-Viel-Zu-Gut-Um-Mit-Dir-Zu-Reden? Dann habe ich Neuigkeiten für dich: wir sind beide im wahrsten Sinne des Wortes Gleichgestellte, da wir beide Numbers sind! Und da ich schon länger als du dabei bin heißt das, dass du mir wenigstens etwas Respekt entgegenzubringen hast, klar?“
Er seufzte, was mich zu dem Schluss kommen ließ, dass ihm das, worauf ich da versuchte, ihn aufmerksam zu machen, so wenig interessierte wie ihn interessieren würde, wenn neben ihm jemand tot umfiel.
Also gleich null.

Schnaubend stapfte ich die dunklen Straßen entlang und versuchte, mich selbst so gut wie möglich wieder unter Kontrolle zu bringen, da ich mich doch besser zuhause aufregte als hier mitten auf offener Straße, wo mir möglichst viele Leute dabei zusehen...oder mich wegen Lärmbelästigung verklagen konnten.
Das Gespräch hatte sich nach dem miserablen Start nicht gerade zum Besseren gewendet, nein, es war sogar noch miserabler geworden.
Dieser verdammte Heartnet!
Gäbe es da nicht diese bescheuerte Regel bei Kronos, die Kämpfe unter den Numbers verbot...ich wäre diesem vorlauten Mistkerl schon längst an die Gurgel gegangen.
Ich schaffte es, den Rest des Weges noch halbwegs bei Sinnen zu bleiben, konnte auf den letzten paar Metern allerdings nicht mehr verhindern, dass meine wuchtigen und kraftvollen Schritte dort, wo sie aufkamen, kleine Risse in den Boden verursachten.
Es war mit meiner Selbstbeherrschung dann auch schon vorbei, nachdem ich die drei Stockwerke á zwei Treppen zu meiner Wohnung regelrecht hochgeflogen und die Tür hinter mir zugeknallt hatte.
Ich ließ meine Faust mit einem wütenden Schnauben gegen die unschuldige Wand knallen, woraufhin eine faustgroße Delle diese zierte – das würde ich vom Haushaltsgeld abziehen müssen.
„ICH HALT’S IM KOPF NICHT AUS!“
Meine Schritte führten mich, einem stampfenden und wutschnaubenden Monster von drei Metern Größe gleich, ins Wohnzimmer, wo mich ein gewisser Mitbewohner bereits erwartete – mein Schrei war wohl nicht zu überhören gewesen und mich beschlich die leise Ahnung, dass wieder einmal die Nachbarn bei uns läuten würden.
Der Name dieses gewissen Mitbewohners war Edward und er war etwa zwei Jahre älter als ich, also um die Zwanzig, seinen Geburtstag hatte er mir allerdings nie aufs Datum genau verraten, obwohl wir uns bereits seit fünf Jahren kannten...er wollte wohl verhindern, dass ich ihm ein Geschenk kaufen, eine Party schmeißen oder einen ähnlichen Aufstand betreiben konnte.
Mein Blick war beim Betreten des Zimmers sofort auf das Sofa gerichtet und ich bemerkte, übertrieben aufgebracht, da ich immer noch gereizt war, dass er es in seiner liegenden Position komplett beanspruchte und für mich somit kein Platz mehr frei war, was mich in meiner geladenen Stimmung mehr als nötig aufregte.
„Wehe dir, wenn das Sofa nicht frei ist, wenn ich wiederkomme!“, zischte ich ihm entgegen und sah gerade noch aus den Augenwinkeln, wie er sich hastig aufsetzte, bevor ich in die Küche abrauschte und die Tür des Kühlschranks aufriss.
Ich verzog das Gesicht als ich erkannte, dass Edward sich wohl schon wieder vorm Einkaufen gedrückt hatte, da sich nur noch eine Packung Orangensaft, eine Hälfte der Butter, zwei Joghurts und eine Gurke in den Fächern des Kühlelements befanden.
Übertrieben fest schlug ich die Tür wieder zu und machte mich daran, die Notration Chips aus der dritten unteren Schublade links zu holen, wo ich sie vor Edward versteckt hatte.
Ich stürmte ins Wohnzimmer zurück, wo Edward sich gerade auf die nächstbeste Sitzgelegenheit – also den leicht gepolsterten Armstuhl – niederließ, was ich sehr begrüßte und mich auf das nun freie Sofa fallen ließ.
Mit einem kräftigen Ruck riss ich die Plastiktüte auf und schob mir erste Ladung knuspriger, goldgelber Chips in den Mund.
Edward sah mich augenscheinlich verwundert an, war aber schlau genug, mich nicht nach dem Grund für meine schlechte Laune zu fragen – das hätte auch nicht zu seiner Gesundheit beigetragen und das wusste er.
Also saß er einfach nur da und sah mir beim Frustfressen zu, während ich versuchte, mich zu beruhigen, um Heartnet nicht beim nächsten Treffen gleich in der ersten Sekunden in Stücke zu hacken und sie danach zu verbrennen, um mich nicht mehr über ihn aufregen zu müssen.

-Tagebucheintrag vom 13.3.1995-
Heute war das erste Mal, dass ich die Ernennung einer Number wirklich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit mit verfolgen konnte, weil ich ja bei meiner eigenen viel zu nervös dafür gewesen bin.
Die neue Number XIII, Train Heartnet, war allerdings dem Anschein nach alles andere als das gewesen, ich habe es gemerkt, als ich ihm in die Augen gesehen habe...
Achja, und ich kann ihn nicht leiden.
Ich weiß auch nicht, irgendetwas an seiner Art regt mich einfach auf!
Bah...
...aber ich glaub, dass ich dann doch ein bisschen überreagiert hab.
Ich werde morgen versuchen, die Sache noch einmal nüchtern anzugehen und ihn vernünftig kennen zu lernen – auch wenn es mich Überwindung kosten wird.

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Crabro = lat. für Hornisse^^
Rileys Waffe brauchte doch wie die der anderen Numbers einen Namen, und da man mit einem Katar (übrigens, wenn ihr euch nach meiner behelfsmäßigen Erklärung immer noch nichts darunter vorstellen könnt:  http://de.wikipedia.org/wiki/Dreiklingen-Katar Wikipedia weiß alles xD) blitzschnell zustechen kann, ebenso wie eine Hornisse...tja, Nomen est Omen x)
Erstes Kapitel, das erstmal den Hauptcharakter und seine Mitcharaktere vorstellt: CLEAR ^.^
Wenn ihr besonders aufmerksam wart, dann könnt ihr mir nach diesem Kapitel sogar Rileys Körpergröße sagen ;D
Zu dem Datum des Tagebucheintrags: meines Wissens wurde der erste Band von Black Cat 2000 veröffentlicht, was für mich bedeutet, dass die Geschichte auch in diesem Jahr spielt – ergo, wenn Train gerade erst zu den Number kommt, muss ich fünf Jahre wegrechnen, da er damals 18 war...das ist eine Tatsache, guckt doch in Band 9 nach, wenn ihr mir nicht glaubt xD
So, erst nochmal für alle, die meine Notiz in ‚Astray‘ nicht gelesen haben:
Ich werde in dieser Story zwar nicht so oft hochladen, allerdings werden die Kapitel dann auch meistens entsprechend länger sein als bei meinen anderen Storys.
(Ich sage meistens, weil es vermutlich auch einige Kapitel geben wird, die vielleicht kürzer sind als mein Standard.)
Setze mir nämlich sonst immer eine Länge von etwa 3.000 voraus...halt um diesen Bereich herum xD
Achja...ich habe gerade meine Kapitel-Planung hinter mich gebracht.
Wenn ich mich daran halten kann, dann wird es zusammen mit Prolog und Epilog 16 Kapitel geben^^
Aber nur WENN.
Und muss euch mitteilen, dass in den ersten drei Kapiteln das Genre wohl noch nicht so ganz deutlich wird, da ich diese brauchen werden, um erst einmal die Grundsteine zu legen.
Danach allerdings werden sich die Ereignisse häufen o_O
Ich habe bereits einige mündliche Bemerkungen erhalten, mit denen mir die Leute vorgeworfen haben (man kann es kaum fassen), ich habe Edwards Namen aus Twilight kopiert.
Und sie meinen, damit auch noch Recht zu haben und ich sei unwürdig, Twilight zu lesen...ähem:
ARSCHLECKEN VERDAMMT!
Das ist ein ganz gewöhnlicher englischer Name und ich habe jedes Recht, ihn für einen meiner Charaktere zu verwenden!
Und das würde ich bitte gerne tun, ohne dass ich bezichtigt werde, von anderen Autoren zu klauen, nur weil ein Charakter aus einer derzeit erfolgreichen Buchreihe ebenfalls diesen Namen trägt.
Nun...ich bin dankbar für jedwedes Review, sei es nun Lob oder Kritik, aber kommt mir nicht mit sowas, sonst werde ich stinkig!
Tschau von einer etwas angepissten Roten Katze -_-
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