Das Duell

GeschichteDrama / P12
10.06.2010
10.06.2010
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Duell


Noch 2 Stunden bis Sonnenaufgang. Sorgsam kleide ich mich an. Ich ziehe meinen besten Rock an, knöpfe ihn bis oben hin zu. Meine Beinkleider verschwinden in meinen Stiefeln und ich gürte mir einen Degen um. Einen Dolch trage ich immer verdeckt, so auch heute. Kaum bin ich fertig und trete ins Speisezimmer, huschen meine Diener zu Seite und offenbaren mir ein, zwar wie bestellt doch trostlos, karges Frühstück. Ich esse schnell und ohne Appetit und denke dabei über den Grund meines so frühen Erwachens nach. Heute kann, vielleicht ja werde, ich sterben. Es wäre nicht so verwunderlich.
Gestern nach der Oper, ich wollte gerade das Opernhaus verlassen als mir der Graf Fraunbourg nachrief, ich solle doch auf ein Wort stehenbleiben. Widerwillig, ja missmutig sogar blieb ich stehen und drehte mich um, woraufhin er sagte: „Mein lieber Baron von Hombourg sie sind mir noch eine erstaunliche Summe schuldig, ich würde es sehr begrüßen wenn sie ihren Kommis mit der mir noch zustehenden Summe zu mir schickten. Diese, wenn ich mich richtig erinnere beläuft sich auf fünfmaleinhunderdtausend Franken. Ich gebe ihnen noch Zeit bis zum ersten des letzten Kalendermonats!“ All dies sagte er mit dem liebenswürdigsten Lächeln auf den Lippen, doch hinter seinen Augen loderten Geiz und Hass. Er wusste genausogut wie ich, dass er die besagte Summe erhalten hatte doch in diesem Moment zog er einen Wechsel über die geforderte Summe aus der Innentasche seinen Kobaltblauen Gehrockes. Er sah genauso aus wie der von ihm Entwertete Wechsel nur ohne den Stempel und seine Unterschrift, dass er entwertet sei. Ich klemmte meinen Gehstock unter den Arm ging auf ihn zu 8und zog dabei den entwerteten Wechsel aus der Tasche und hielt ihn ihm hin und mit kühlem Zorn in der Stimme sagte ich: „Wie sie sicher wissen haben sie die Summe schon erhalten und mir den Wechsel als bezahlt quittiert. Sicher ist es ihnen nur entfallen. Wo sie diesen wertlosen Zettel her haben weiß ich nicht aber es handelt sich um eine Fälschung. Es tut mir leid sie darauf hinweisen zu müssen, doch es ist so..“
Hinter seinen Augen loderte ein Polarsturm und seine Stimme war nur noch ein Zischen. Er streckte den Kopf vor und meinte: „Sie beschuldigen mich einen Lügner und Fläscher zu sein? Das wagen sie nicht!“
Meiner Stimme war meine Wut nicht anzuhören als ich antwortete: „Nein nur das ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Eine Fläschung von ihrer Hand wäre niemals so nahezu Perfekt wie die, die sie in der Hand halten.“
Inzwischen hatte sich eine kleine Menschentraube um uns gebildet und der Graf Fraunbourg richtete sich auf und setze seinen Zylinder auf, um größer und autoritärer zu wirken, doch es nutzte nicht viel. Er zog seinen Handschuh aus und wollte ihn mir ins Gesicht werfen, ich stoppte seine Hand und nahm den Handschuh mit den Worten: „Ich nehme ihre Herausforderung, bestimmen sie die Waffen, sowie die Zeit und den Ort, ich werde da sein!“ Kaum hatte ich dieses ausgesprochen drehte ich mich um und ging nach meiner Droschke. Zu Hause wartete schon der Sekundant des Grafen Fraunbourg und sagte mir ich solle mich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang am Waldrand einfinden, in der nähe der Ruine. Die Waffen sind Pistolen auf 40 Schritte, jeder tut 20. Nachdem jeder seinen Schuss getan hat, wird wenn kein Treffer gesetzt sollte die Entfernung um je 6 Schritte verringert werden. Nur ein Sekundant für jeden, keine Zuschauer. Ich erklärte mich bereit und schickte ihn fort. Noch spät Abends schickte ich einen Brief an meinen langjährigen Freund Herzog von Blieskastel der schon bei vielen Duellen mein Sekundant war.
Eine Stunde vor Sonnenaufgang besteige ich seine Droschke und wir fuhren los. Er schweigt dankenswerter weise, sodass ich mich in mir sammeln kanne. Wir fahren lange und langsam denn die Wege waren vom Regen aufgeweicht. Kurz vor dem Grafen kommen wir an. Die Sekundanten treffen sich in der Mitte und klären etwaige Fragen. Danach gehen der Graf und ich auf einander zu, empfangen die Pistolen und machen jeder 20 schritte. Wir gehen Schritt für Schritt während unsere Sekundanten laut bis 20 zählen. Auf das Kommando „Umdrehen“ drehen wir uns um. Kaum das ich mich umgedreht habe pfeift mir schon seine Kugel am linken Ohr vorbei. Ich lache innerlich und ziele genau und schieße, die Kugel durchbohrt seinen Zylinder. Er ist erschrocken über meine Zielgenauigkeit und besteht auf einem weiteren Schuss so bekommen wir neu geladene Pistolen und verringern den Abstand auf 28 Schritte. Diesmal zielt er genauer und bedachter. Auf den Schuss hin spüre ich einen dumpfen Schmerz in meiner linken Schulter. Ohne Zweifel hat er versucht mein Herz zu durchohren. Ich stehe keuchend da und hebe meine Pistole. Ich lese den Schrecken in seinen Augen als ich nach seiner Brust ziele. Ich schieße und das glühendheiße Blei gräbt sich tief in seine Brust. Der Ausdruck des Schreckens weicht und hinterlässt ein ausdrucksloses Gesicht. Er fällt auf die Knie und dann vorne über. In seinem Rücken ist ein weit größeres Loch als in seiner Brust. Sein Sekundant stürzt auf ihn zu und dreht seinen Leib um. Seine Leiche.