Das Glückskind II - Lektionen

von Saakje
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
01.06.2010
01.06.2010
7
13491
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Eine Gaststube wie so viele andere. Immer noch hörte ich gern den Spielleuten zu. Ich besaß mittlerweile sogar eine eigene Laute und spielte selbst. Allerdings nur für mich, nie für andere. Ich wollte nicht, dass mich alle Menschen beobachten, fühlte mich dann unsicher. Die Angst enttarnt zu werden war immer noch da, würde wohl nie vergehen. Irgendwann könnte jemandem mein fehlender Schatten auffallen ...

Trotzdem war ich wieder einmal in einer Gaststube gelandet. Das Ersparte war schon lange ausgegeben; für Nahrung, bessere Kleidung, ein Dach über dem Kopf ... Ich hatte nie geahnt, wie teuer das werden konnte, wenn es nicht selbst hergestellt wurde. Doch es war keine große Mühe Nahrung zu beschaffen. Hunger war für mich ein Fremdwort: Ich konnte jederzeit hinaus in die Wildnis. Kaninchen waren so leicht zu jagen. Das Genick gebrochen, es rasch ausgenommen, und das Fell konnte sogar noch verkauft werden. Wenn ich ein Reh erbeutete, verkaufte ich oft sogar einen Teil des Fleisches. Genauso wie Kräuter, die ich auch im Dunkeln fand. Und selbst Diebstahl war mir nicht fremd - allerdings nur von denen, die genug hatten. Da war meine Fähigkeit unsichtbar zu werden sehr praktisch ...

All mein Geld landete fast komplett bei irgendwelchen Wirten. Seit dem Tod meiner Ziehmutter hatte ich unzählige Lokale gesehen. Denn ich suchte die Nähe zu Menschen. Zwerge und Elfen waren mir genauso recht. Ich lauschte der Musik und vergaß darüber meine Einsamkeit. Es war das einzige was dagegen half: Sich unter das Volk zu mischen und der Musik eines Spielmannes zuzuhören.

Und dieses Leben in den Schenken hatte noch einen Vorteil: Wenn ich mich des Nachts in Gaststuben herumtrieb, fiel es nicht auf, wenn ich den ganzen Tag verschlief. Spät nachts, wenn die Gäste längst heimgegangen waren, saß ich oft bei den Spielleuten. Ich lernte ihre Lieder, lehrte ihnen meine. Manchmal unterrichtete ich sie regelrecht und erhielt dafür Lohn.

Diese Spielleute hier waren nicht einmal so schlecht. Drei waren es: Zwei Lautenschläger spielten auf und eine tanzende, singende Frau verdrehte den Männern den Kopf. Ich sah, dass sie zwischendurch ein oder zwei Geldbeutel einsammelte. Das tat ich auch manchmal, aber mithilfe anderer Tricks.

Doch diesmal wollte ich nur die Musik genießen. Verglichen mit dem was ich in den letzten Wochen gehört hatte, waren diese drei eine Wohltat. Ich saß allein am Tisch, wie so oft im hintersten Eck, fühlte mich im Halbdunkel sicher. Nur selten musste ich einen Mann verjagen, der meinte mir etwas Gutes mit seiner Anwesenheit zu tun. Plötzlich setzte sich ein Frau zu mir. Sie wirkte nur wenig älter als ich, die dunklen langen Haare trug sie offen, die Kleidung war fast etwas zu gut für dieses Lokal. Hübsch war sie, aber all das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit weckte: Ihr Geruch war anders, sie war kein Mensch, nichts was ich kannte. Und doch, an irgendetwas erinnerte mich der Geruch, doch es wollte mir nicht einfallen.

Sie nickte mir freundlich zu. "Ein schöner Abend für die Jagd, nicht wahr?", sagte sie mit leichter Stimme, ihre Worte fielen wie einzelne Perlen von ihren Lippen.
Ich war verwirrt. Jagd? Wovon redet sie? Und wie redete sie? Noch nie traf ich jemand, der so genau und akzentuiert die Gemeinsprache aussprach. Es klang fast wie Musik, doch ohne dass sie sang. Ich entschloss mich, meine Verwirrung nicht so zu zeigen. "Wenn ihr meint ..."
Sie lachte leise. "Verzeiht, ich habe mich nicht vorgestellt. Innogen Maria-Louisa Isabey-de La Tou, Freunde nennen mich Malou."
"Feli, von Felicitas." Ich nickte ihr unsicher zu, versuchte so freundlich zu sein wie sie. Sie roch anders, aber nicht nach Lüge oder Falschheit.

Sie sah mich aufmerksam an. "Ein recht kurzer Name. Aber es soll mir gleich sein. Feli also. Wenn ihr nicht sagen wollt, von welcher Familie ihr seid, soll es mich nichts angehen." Wieder lachte sie leise. Nun war ich erst recht verwirrt, sie musste mich für jemanden halten, der ich nicht war. So schwieg ich unsicher.

Sie sagte einige Worte zu mir, aber die Sprache kannte ich nicht. "Verzeiht, was sagtet ihr gerade?", fragte ich höflich. Sie war überrascht, dann zuckte sie mit den Schultern. "Ihr seid nicht von hier, nehme ich an?"

Ich schüttelte nur den Kopf. "Nein, ich bin erst heute angekommen, kurz vor Sonnenuntergang. Und jetzt wollte ich erst einmal nur den Spielleuten lauschen." Ich deutete mit dem Kopf auf die drei. Diese aber unterbrachen gerade ihre Vorstellung, ließen einen Hut herumgehen und tranken etwas.

Wieder der überraschte Blick, scheinbar reagierte ich anders als erwartet. Doch dann nickte sie. "Ja, recht nett, aber nichts verglichen mit echter Kunst. Keine Jagd also? Nichts nach Eurem Geschmack heute hier?" Ich schüttelte den Kopf. Sie wirkte neugierig, eigentlich zu neugierig fand ich. Aber gleichzeitig wollte ich wissen, für wen oder was sie mich hielt. Wie eine Professionelle, egal worin, sah sie selbst nicht aus. Ich hatte schon mehr als ein leichtes Mädchen gesehen, die Männer abschleppt, nur um sie auszunehmen. Doch so wirkte Malou nicht.

"Ganz frisch in der Stadt also ... Nun, ich habe hier letzten Herbst ein Haus gemietet. Feli, von Felicitas, wollt Ihr heute mein Gast sein?"
Ich nickte. "Sehr gern, Malou."
"Nun denn, dann lass uns gehen." Sie stand auf, warf einige Münzen auf den Tisch. "Kommst du?", fragte sie, als ich noch einen Blick in Richtung der Musikanten warf.
'Du, wir waren jetzt beim Du. Ich hätte sie wohl nicht mit dem Kurznamen anreden sollen', schoss es mir durch den Kopf. Aber ich war bereits so neugierig, ich musste mehr über Malou erfahren ...

Die Schankmaid sammelte bereits die Münzen ein, sie reichten offensichtlich auch für meine Zeche. So folgte ich Malou. Draußen war es kühl geworden. Der Frühling war schon ins Land gezogen, aber nachts konnte es noch ziemlich kalt werden. Zumindest für Menschen, ich war da nicht so empfindlich. Malou sog die Luft tief ein, schlenderte dann in Richtung eines der besseren Stadtviertel. Auf dem Weg redete sie zuerst über die Musikanten, fragte mich dann nach meiner Laute. Ich winkte ab, meine Kunst sei nicht gut, ich würde lieber nicht öffentlich auftreten. "Oh, eine von den Schüchternen ..." Sie lächelte, freundlich und leicht amüsiert. "Für mich musst du unbedingt eine Ausnahme machen!" So brachte sie mich dazu ihr eine kleine Kostprobe meines Lautenspiels zu versprechen.

Dann wechselte sie das Thema, kam wieder zurück auf die Gaststube. "Niemand dort gewesen, der deinem Geschmack entspricht?" Ich schüttelte den Kopf. Sie lachte leise. "Ich persönlich mag ja am liebsten Halbelfen, aber zu jung dürfen sie nicht sein. Du wirst noch sehen, was ich meine, wenn wir bei mir sind. Und du?" Sie war neugierig: "Was gefällt dir denn so? Menschen, oder lieber etwas anderes? Männer oder Frauen? Und welches Alter?"
Ich schaute sie überrascht an, ich hatte diese Frau gerade erst kennengelernt - und jetzt wollte sie mit mir ein Gespräch über meine sehr privaten Interessen führen? Doch bevor ich ihr sagen konnte, was ich von dieser ziemlich indiskreten Frage hielt, deutete sie auf ein Haus vor sich: "Wir sind da."
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