Warteschleife

GeschichteRomanze / P18 Slash
01.06.2010
10.08.2011
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Dieses Kapitel
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Hallo zusammen^^

Schön, dass ihr „Warteschleife“ angeklickt habt! Ich hoffe, ich kann euch über den Prolog hinaus halten; der ist nämlich noch etwas kurz geraten, aber es ist definitiv was Längeres :)
Betaleserin war wieder die liebe Honigklecks, die schon das eine oder andere Kapitel gerettet hat – vielen Dank! :)
Tja, und nun wünsche ich Euch ganz viel Spaß beim Lesen!




WARTESCHLEIFE



null | PROLOG


„Wir sollten reden.“

Ich sehe nicht mal auf. „Danke, kein Bedarf.“

„Gut, dann hör’ einfach nur zu.“

Ohne Erlaubnis lässt er sich in den zweiten Liegestuhl neben meinem fallen. Ich kann seinen durchdringenden Blick von der Seite auf mir fühlen, tue ihm aber nicht den Gefallen, zurückzublicken. Stattdessen ziehe ich in aller Seelenruhe an meiner Zigarette und starre auf den kleinen, künstlich angelegten Teich direkt vor uns hinaus. Eine perfekte Illusion vom Paradies. Sogar noch im September.
Eine Minute. Maximal. Dann bin ich fertig mit Rauchen und kann aufstehen, ohne dass es wie eine Flucht aussieht.

„Es tut mir Leid.“     

Wenn er auf eine Antwort wartet, kann er das lange tun. Ich nehme einen tieferen Zug, um schneller fertig zu werden. Das Ende der Zigarette glüht in dem Zwielicht, das von der Nacht um uns herum und der schwachen Beleuchtung der Terrasse herrührt, kurz auf.

„Ich wusste nicht… ich hätte nicht gedacht… dass meine Gefühle noch so stark sind.“

Ich schnaube abfällig, während mir gerade das Herz bricht. „Ja. Schon klar. Du kannst nichts dafür.“

„Ja. Nein. So meinte ich das nicht.“

Er schüttelt kurz den Kopf und fährt sich dann mit den Fingern durch die wundervollen, dunkelblonden Haare. Er ist schon wieder länger nicht beim Friseur gewesen, weil sich die Spitzen bereits kräuseln. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Hand ausstrecken und an einer von ihnen zupfen möchte. Erst um sie gerade zu ziehen, um dann dabei zuzusehen, wie sie sich wieder lockt.

„Ich hab’ nicht erwartet, dass die Gefühle danach noch so stark sind.“ Er lacht einmal kurz und hart auf. „Und um ehrlich zu sein, ich hätte auch nicht gedacht, dass er zurückkommt. Er hat… zwar gesagt, dass es eine… eine Pause ist, aber… ich dachte, das wäre nur eine Phrase.“

Oh Gott, ich muss unbedingt schneller rauchen. Ich will das nicht hören. Sein ekelhaftes Gestammel, das er im schlimmsten Fall vorher noch auswendig gelernt und einstudiert hat. Ob nun Pause oder nicht, Fakt ist, dass er in keiner Beziehung gewesen ist, als das mit uns angefangen hat. Demzufolge verlässt er mich jetzt für einen anderen.
Ich nehme einen letzten, sehr tiefen Zug und drücke dann den winzigen Reststummel auf den Terrassenfliesen aus, ehe ich aufstehe, die Kippe in der Hand. Will hier ja nichts rum liegen lassen.

Er sieht etwas überrascht aus. „Wo willst du hin?“

„Hab’ aufgeraucht.“ Ich halte den Stummel wie zum Beweis hoch. „Ich geh’ wieder rein.“

„Aber ich bin noch nicht fertig.“

Gleichgültig zucke ich mit den Schultern und deute auf den kleinen Teich. „Erzähl’s den Fischen.“ Dann drehe ich mich um und will gehen.

„Verdammt, Julius!“ Unvermittelt geht ein Ruck durch meinen Arm, als er mich zurückhält. „Es tut mir Leid, okay? Was soll ich denn noch sagen?“

„Gar nichts.“ Ich entwinde ihm meinen Arm. „Ich will nichts mehr hören.“

„Sondern?“

„Ich gehe wieder rein, tue so, als wär’ nichts, und werde in einer halben Stunde fahren.“ Ohne einen Blick zurück gehe ich weiter.

„Und dann?“

Gott, diese Fragerei treibt mich noch in den Wahnsinn! Soll ich mir jetzt allen Ernstes Lösungen für sein Problem ausdenken? Und was zur Hölle ist mit meinem Problem?!
Ich bin hier der Verschmähte, verdammt noch mal! Ich sehe zu, wie mein Freund zu seinem Ex zurückrennt, weil der plötzlich erkannt hat, was er an ihm hatte.
Es ist sowieso scheißegal, was ich sage, weil Volker sich schon längst entschieden hat. Soll ich jetzt vielleicht betteln, dass er bitte, bitte bei mir bleiben soll?
Das hätte er wohl gerne. Ich habe eh schon genug damit zu kämpfen, mich mit diesem Witz von einer Trennung abzufinden.
Dieser blöde Arsch! Das kann doch nicht sein Ernst sein!

Ich beiße die Zähne zusammen und dränge diese Gedanken mühsam beiseite. Über den Wutausbruch bin ich eigentlich schon hinweg gewesen. Ich habe mir so fest vorgenommen, auf Achims Willkommensparty keine verdammte Szene zu machen und jetzt stehe ich trotzdem hier und möchte Volker am liebsten kopfüber in den Teich tunken für sein hinterhältiges Verhalten.
Mit lässiger Eiseskälte wollte ich Volker ins Gesicht lächeln und Achim Willkommen heißen, weil ich ganz genau gewusst habe, dass Volker mich gar nicht erst erwartet hat, obwohl ich eingeladen bin. Natürlich bin ich das. Er hätte Achim schlecht dazu überreden können, mich auszuladen, ohne einen triftigen Grund zu nennen.

Aber stattdessen musste ich irgendwann das Weite suchen, weil Volkers und Achims Herumgeturtel und die endlose Freude aller Anwesenden über die Wiedervereinigung des Traumpärchens einen kaum zu bezwingenden Brechreiz in mir hervorgerufen haben.
So viel also zum Thema, Volker mit abgebrühter Gleichgültigkeit eins reinzuwürgen.
Aber er muss ja nicht mitbekommen, wie sehr er mich wirklich aus der Bahn wirft.

Unangetastet sehe ich ihn noch einmal über die Schulter hinweg an, um seine sinnfreie Frage zu beantworten.
„Und dann wünsche ich dir und Achim ein schönes Restleben. Auf Nimmerwiedersehen, Volker.“

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Danke schön fürs Lesen!^^
Feedback ist wie immer sehr, sehr gerne gesehen :)

lg
- SnowWhite
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