Die Geschichte von Otori Takeos Sohn und Tod

von CoyKoi
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Kenji Muto Yuki Otori Shigeru Otori Takeo Shirakawa Kaede
26.05.2010
10.06.2010
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26.05.2010 677
 
Dies habe ich vor Erscheinen des vierten und fünften Buches geschrieben. Es muss also nicht zwangsläufig mit der späteren Geschichte übereinstimmen.


Hass ist mein einziger Gedanke. Und die Rache an meinen Vater. Ich hasse ihn für das, was er mir und ganz besonders meiner Mutter antat. Er hinterging sie. Nachdem er erfahren hatte, dass meine Mutter schwanger war, verließ er den Stamm und wurde zum Geächteten. Nach dieser Schande nahm sich meine Mutter, kurz nach meiner Geburt, mit Gift das Leben.

Ich wuchs beim Stamm auf und lernte meinen Vater zu hassen. Ich trage zwar den Stammesnamen meines Vaters, Kikuta Shuichi, aber ich bin nicht dankbar dafür, noch empfinde ich es als Ehre. Im Gegenteil, dankbar bin ich ihm für meine angeborenen Talente. Ich besitze die besten Talente, die der Stamm der Kikuta seit Jahrzehnten gesehen hat, pflegte mein Lehrmeister und Kikutameister Kikuta Akio mir immer zu sagen.

Ich kann mich minutenlang unsichtbar machen und mein Zweites Ich besteht solange, bis ich es mit meiner Willenskraft auflöse. Das sind die besten Eigenschaften, die ich von den Kikuta geerbt habe. Aber das Außergewöhnlichste ist mein Kikutagehör. Ich höre durch die dicksten Mauern und Wände und selbst in unzähligen Metern Entfernung verstehe ich geflüsterte Worte.
Von meiner Mutter, Muto Yuki, habe ich die schnellen Reflexe und den guten Instinkt geerbt. Außerdem habe ich ihre Augen, aber meine Hände sind die meines Vaters, Otori Takeo, die Hände eines Kikuta.

Ich weiß nicht, wem von beiden ich ähnlicher bin. Ich bin nur für meine Talente dankbar. Denn sie sind das Wichtigste für den Stamm. Das brachte mir Meister Akio bei. Ich bin jetzt sechzehn Jahre alt, fast so alt wie mein Vater, als er zu den Kikuta kam, mich zeugte und sich kurz darauf wieder den Otori anschloss. Er war ihnen zum Treueschwur verpflichtet, weil er auch von ihnen abstammte und das Erbe seines Adoptivvaters Otori Shigeru antreten sollte.

Aber ich bin kaltblütiger. Takeo besaß das Gefühl des Mitleids, meines ist das des Leids. Ich liebe es, ja bin fasziniert, wenn andere Menschen leiden. Wenn ich selbst einem anderen Menschen schade, pulsiert das Blut in meinen Adern und mein Kikutablut gewinnt die Macht über mich. Ich lasse mich von ihm leiten, zum Bösen verleiten.
Im Alter von sieben Jahren habe ich im Auftrag des Stammes zum ersten Mal gemordet. Die Meister der zwei Stämme, Kikuta Akio und Muto Yuzuru, erprobten meine Fähigkeiten bei einem Mord an einem Adligen. Ich bestand, durfte nun weitere Aufträge ausführen und ich überlebte immer. Kein Einbruch in ein Haus oder Schloss, kein Mord, schien mir zu schwer oder zu gefährlich.

Mein Großvater, Muto Kenji, wurde nach dem Verrat am Stamm und nach seinem Treueschwur zu Otori Takeo aus dem Stamm, mitsamt seiner ganzen Familie, verstoßen und zu einem Abtrünnigen. Er wurde genauso wie Otori Takeo vom Stamm verfolgt. Als ich klein war erfuhr ich immer wieder von zahlreichen Anschlägen auf meinen Vater, aber sie blieben erfolglos. Er entkam immer dem Tod.
Während dieser Zeit vollendete ich meine Ausbildung zum Attentäter. Ich war allen anderen Kindern in meinem Alter überlegen.

Kikuta Akio sagte mir, dass auch mein Vater ein begnadeter Stammesmann sei, und dass er noch jeden vom Stamm besiegt hatte. Der beste Beweis hierfür war, dass alle seine früheren Konkurrenten bei den Anschlägen auf ihn umkamen.
Mein Gehör war mit sieben bereits das am besten ausgeprägte und das Beste, das es je gegeben hatte. Mit zehn hatte ich schon unzählige Aufträge erfolgreich ausgeführt. Darunter fiel Jahre später auch die Ermordung meines Großvaters, Muto Kenji. Ich hasste ihn ebenfalls, weil er meine Mutter im Stich gelassen hatte. Dies sagte ich ihm ins Gesicht, bevor ich ihm mit einem Messer, nachdem ich minutenlang mit ihm gekämpft hatte, die Kehle durchschnitt. Er hatte nichts erwidert.

Durch diesen Mord erzürnte der Stamm Otori Takeo sehr und er griff wieder, wie so oft in den vergangenen Jahren, die Häuser der Stammesangehörigen an und ließ ihre Bewohner öffentlich in Hagi hinrichten. Doch mich, Meister Akio und Meister Yuzuru erwischte er nicht. Wir lebten sicher in einem geheimen Bergdorf der Muto.
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