Rachel Morgan und der König der Frösche

von Jari
GeschichteHumor / P12
26.05.2010
26.05.2010
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Hallo :)

Ich hoffe, ein paar Leser/-innen verirren sich hierher und finden Gefallen an dieser kleinen Story.

Viele Grüße, Jari *wink*




       Rachel Morgan und der König der Frösche

Es war der perfekte freie Tag. Die Sonne schien mit jener wunderbaren Gleichmäßigkeit, die einen automatisch entspannen ließ. Die meisten Bewohner des Blocks hatten sich wohl entweder auf den Weg in ein Schwimmbad gemacht oder sich in die kühleren Zimmer ihres Hauses begeben. Jedenfalls herrschte eine Ruhe, die nur durch das Klingeln des Eiswagens und dem tiefen Brummen eines einsamen Rasenmähers durchbrochen wurde.

Der letzte Auftrag, der Vampirische Hexenkunst erteilt worden war, hatte bereits seine Beendigung gefunden, und so genehmigten wir uns eine Auszeit, die darin bestand, uns bewaffnet mit einer Zwei-Liter-Kanne Eistee in den Garten unseres Anwesens zu verziehen.

Jenks versuchte, seiner zahmen Libelle ein paar neue Kunststücke beizubringen, während seine Kinder damit beschäftigt waren, einen armen Frosch zu quälen, der sich unvorsichtiger Weise aus seinem Tümpel getraut hatte.

Ivy saß mit ihrer neuen Errungenschaft, einem Laptop, auf den Knien unter einem Baum und betrachtete mit glänzenden Augen irgendwelche für mich absolut unverständliche Symbole auf dem Bildschirm.

Ich selbst hatte mich mit einem Buch, das von mir auf gut Glück aus dem Wohnzimmerschrank gezogen worden war, in einen Liegestuhl verkrochen. Einen Schluck von dem herrlich erfrischenden Eistee nehmend öffnete ich den ledernen Einband und erstarrte. Ein Märchenbuch. Na prächtig. Von der ersten Seite blickte mir das dümmlich grinsende Gesicht irgendeines Mädchens -vermutlich eine Prinzessin- entgegen. Deren Name lautete wohl Cinderella, wenn man der Überschrift glauben durfte.

Ich hatte Märchenbücher noch nie ausstehen können. Darin wurde ein völlig falsches Bild von Hexen gezeichnet. Alte Weiber mit Hakennase und Warzen, die am Ende so oder so auf dem Scheiterhaufen landeten. Dreck auf Toast. Wie ich es haßte.

Warum bloß hatte ich nicht einen Band mit Kochrezepten -von mir aus sogar menschlichen- oder einen Krimi erwischen können? Sogar ein schnulziger, vor romantischem Fett triefender Liebesroman wäre besser gewesen.

Dummerweise hatte ich keine Lust zurück ins Haus zu laufen, wo ich es mir gerade bequem gemacht und die perfekte Liegeposition gefunden hatte, also fing ich an zu lesen:

„Einem reichen Manne wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach ...“

Ich mußte wohl eingeschlafen sein, denn als ich wieder erwachte, war es bereits dunkel und außer mit befand sich niemand mehr im Garten. Halt - das stimmte nicht ganz. Außer mir und dem zu meiner Überraschung noch quicklebendigen Frosch befand sich niemand mehr im Garten.

Auf seinem dunkelgrünen Kopf saß ein winziger cremefarbener Sommerhut unter dem ein paar blasse Haarspitzen hervorschauten, und in seinen hübschen, moosigen Augen stand eine Mischung aus Genervtheit und vorsichtigem Interesse. Er hatte sich vor meinem Liegestuhl aufgebaut und tippte ungeduldig mit seinem rechten Vorderfuß auf einen Kieselstein.

„Äh, hi“, sagte ich, nur um überhaupt etwas zu sagen. Natürlich erwartete ich nicht im Geringsten eine Reaktion des Frosches.

„Guten Abend, Miss“, antwortete der Frosch. Er besaß eine Stimme, die mich unwillkürlich zusammenfahren ließ. Eine Stimme sanft wie ein Regenschauer im Frühling und genauso erfrischend. Die reinste Sahne für Ohren.

„W-wer bist Du?“ stammelte ich und setzte mich gleichzeitig aufrechter hin. Es konnte ja nicht angehen, daß ich vor dieser Amphibie wie ein nasser Kartoffelsack in meinem Stuhl hing.

„Ich bin der Froschkönig.“ Bei diesen Worten verbeugte sich das Tier leicht vor mir und trat einen Schritt näher.

„Und wieso siehst Du dann aus wie Trenton Kalamack?“ platzte es aus mir heraus, denn genau an diese Person erinnerte mich das Wesen.

„Wie wer?"

„Ach vergiß es", meinte ich großzügig und beugte mich vor, um den Frosch genauer betrachten zu können. Tatsächlich fielen mir noch mehr Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem verdammten Elfen auf: Schmale Hüften, breite Brust, ein –soweit man das bei einem solch’ einer Kreatur sagen konnte- allgemein ansprechendes Äußeres. Irgendwie schaffte es der Frosch sogar, Trentons großkotzige Haltung einzunehmen.

„Ich bin auf der Suche“, sprach der König unvermittelt weiter und riß mich aus meinen Überlegungen.

„Nach einer goldenen Kugel", rief ich triumphierend aus und freute mich, als der Frosch bestätigend nickte. „Ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst“, zitierte ich die Worte aus dem Gedächtnis. Das Märchen vom Froschkönig war das einzige gewesen, das ich immer gemocht hatte - schließlich kamen keine Hexen darin vor. „Aber ich bin keine Prinzessin und spiele nicht mit goldenen Kugeln.“

Das kleine Gesicht verzog sich mißbilligend. Ich hätte schwören können, der Frosch sehnte sich insgeheim nach einem Bleistift und einem Schreibtisch. "Die Kugel ist nicht zum Spiel gedacht. In ihr befindet sich der Gen-Code des Urfrosches. Ich brauche ihn dringend. Unsere Kaulquappen sterben.“

„Oh, das tut mir leid", sagte ich und meinte es auch so. „Aber was habe ich damit zu tun?“

„Der magische Brunnen, in dem sich die Kugel befindet, liegt auf Eurem Grundstück. Und ich bekomme den Deckel, der ihn verdeckt, nicht geöffnet.“ Der Frosch machte eine Pause und blickte mir mit seinen irritierend grünen Augen tief in die meinigen. „Ich bin dazu bereit, für Ihre Mitarbeit zu bezahlen. Ich habe Geld, jede Menge Geld.“

Bei allen magischen Amuletten – der Frosch benahm sich sogar wie Trenton, der auch immer glaubte, mit Geld könne er sich alles erkaufen.

Ich überlegte einen Moment. Was konnte es schon schaden, dem Frosch zu helfen? Frösche waren keine Gefahr, oder? Und die nächste Mietzahlung war auch bald fällig. Jenks war in dieser Hinsicht wirklich streng.

„Nun gut, ich mache es“, sagte ich und versuchte aufzustehen, doch statt dessen hielten mich zwei Hände schraubstockartig fest, dann fühlte ich wie mir irgend etwas Feuchtes ins Gesicht geklatscht wurde und hörte in der Ferne Jenks in seiner Hochfrequenzstimme kreischen.

"Bei Tinkerbells künstlichen Titten", fluchte der Pixie. "Ich glaube, sie hat einen Sonnenstich. Wie lange hat sie hier bloß gelegen? Und was faselt sie da von einem Frosch?"

„Ich weiß es auch nicht.“ Ivys Stimme. Beruhigend wie Balsam. „Ich werde sie in ihr Zimmer tragen und dann sehen wir weiter.“

Ich fühlte, wie ich angehoben wurde. Mir war irgendwie schwindelig und mein Schädel fühlte sich an, als hätte man ihn mit Watte ausgepolstert.

"Ich muß Morgen unbedingt mit Trent Froschmack sprechen. Ich werde ihm verraten, wo sich die goldene Kugel befindet, damit er die Elfen retten kann", murmelte ich noch, bevor ich in Ivys kühlen Armen einnickte.

     E n d e
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