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Ein süßer Traum

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
17.05.2010
17.05.2010
1
1.003
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2 Reviews
Dieses Kapitel
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17.05.2010 1.003
 
Dieses Geschichtchen ist heute in recht kurzer Zeit entstanden und deshalb vermutlich nicht ganz ausgereift. Egal. So könnt ihr euch ganz ungestraft mit jeglicher Kritik äußern (...bitte).
Ich hoffe mal, es ist kindergerecht. Noch mehr hoff ich, dass es irgendjemandem gefällt.
Habt bitte Spaß beim Lesen.

Ein süßer Traum

Jonas liebte Schokolade. Es verging im Grunde kein Tag, an dem er nicht zumindest ein winziges Stückchen davon verzehrte. Manchmal machte er es sich zu einem wahren Genusserlebnis. Dann öffnete er ganz vorsichtig die Tafel oder den Schokoriegel, achtete darauf, dass das Papier ganz blieb, brach sich ein kleines Stück ab, legte es genüsslich auf die Zunge und ließ es dort vergehen. Und während die Schokolade auf seiner Zunge schmolz, wurde das Grinsen auf seinem Gesicht immer breiter und er fühlte sich mit jeder Sekunde glücklicher. Manchmal träumte er nachts sogar von Schokolade.
Meistens jedoch (oft dann, wenn er die Schokolade nicht von seinem eigenen Geld hatte kaufen müssen, sondern ihm seine Oma eine Tafel zugesteckt hatte), meistens ging das Schokoladeessen eher nebenher. Wenn er an den Mathehausaufgaben saß... wenn er ein Buch las... wenn er Fernsehn schaute... Gelegentlich war es ihm schon passiert, dass er nach einem Stück hatte greifen wollen, bevor er dann hatte feststellen müssen, dass nichts mehr da war: er hatte die ganze Tafel bereits aufgegessen.
Da Jonas aber sehr sportlich war, Fußball spielte und Fahrrad fuhr, wurde er von dem vielen Schokoladeessen nicht dick. Und mittlerweile wurde ihm davon auch nicht mehr schlecht. Und seit seine Eltern ihm dieses Schuljahr ein wenig mehr Taschengeld gaben als bisher, konnte er sich sogar jeden Tag einen kleinen Riegel oder ein Täfelchen kaufen, denn so teuer war Schokolade nicht. Und immer häufiger stopfte er die Schokolade gedankenlos in sich hinein und merkte gar nicht, wie viel er davon aß, und immer seltener ließ er sich den Kakaotraum auf der Zunge zergehen.

Etwa 10.000 Kilometer entfernt wischte sich Pedro gerade mit dem Handrücken den Schweiß aus der Stirn. Es war heiß. Doch die Hitze war er eigentlich gewohnt. Was ihm noch immer Schwierigkeiten bereitete, das war die harte Arbeit. Denn obwohl Pedro schon seit vier Jahren, also seit er sechs Jahre alt war, hier arbeitete, war die Arbeit noch immer sehr anstrengend. Und das würde sich vermutlich auch nie ändern.
Pedro arbeitete auf einer Plantage, auf der Kakao angebaut wurde, in Brasilien, in Südamerika. Er war jetzt zehn Jahre alt, doch bis auf ein paar Wochen lang war er nie zur Schule gegangen. Er konnte kaum schreiben und nur ein klein wenig lesen. Doch das brauchte er auch nicht, nicht für dieses Leben hier. Den ganzen Tag über war er auf der Plantage und erntete mit der schweren Machete, einer Art großem Messer, den Kakao, aus dem später zum Beispiel Schokolade hergestellt wurde. Doch die Arbeit war sehr hart und anstrengend und schon jetzt bekam Pedro ab und zu Rückenschmerzen. Die Älteren auf der Plantage hatten bereits alle irgendeine Krankheit oder ein Gebrechen von der harten, schweren und vor allem ungesunden Arbeit. Pedro wusste, dass es mit ihm nicht anders kommen würde, sollte nicht ein Wunder geschehen und ihn von dieser Arbeit hier befreien.
Er hatte kein Geld. Seine Familie war arm und hatte ihn schon früh an den Plantagenbesitzer verkaufen müssen, zusammen mit einem seiner Brüder. Seine restliche Familie hatte er schon seit Jahren nicht mehr gesehen, seit er hier arbeitete. Und die Chancen standen schlecht, dass er sie jemals wieder sehen würde.
Wenn er die Möglichkeit hätte, zur Schule zu gehen, dann... Ja, dann könnte er vielleicht von der Plantage wegkommen. Er könnte in die Stadt gehen und einen Beruf erlernen und genug Geld verdienen, dass er davon leben könnte. Manchmal träumte er nachts sogar davon, in die Schule gehen zu können. Doch die Schule war teuer und wenn er den Tag in der Schule verbrachte, dann könnte er in dieser Zeit nicht arbeiten. Und das konnte Pedro sich nicht leisten. Denn hier auf der Plantage wurden er und die Männer und Frauen und Kinder, die mit ihm zusammenarbeiteten, ausgenutzt und ausgebeutet. Die Plantagenbesitzer kassierten fast das ganze Geld für sich selbst. Pedro und die anderen Arbeiter bekamen nur einmal die Woche einen ganz geringen Lohn, von dem sie kaum frische Kleidung kaufen konnten, wenn die einzige, die sie hatten, allzu kaputt war; sie mussten in den Hütten wohnen, die die Plantagenbesitzer ihnen anwiesen, und bekamen nicht sonderlich viel zu essen. Deshalb war Pedro auch sehr mager, obwohl er den ganzen Tag nur das sah und erntete, aus dem einmal Schokolade werden sollte.
Pedro selbst hatte erst einmal in seinem Leben Schokolade gegessen, bei der Hochzeit seines Onkels, als er noch ganz klein gewesen war. Dort hatte es viele verschiedene Leckereien gegeben; es war ein richtiges Fest gewesen und Pedros Onkel, der ohnehin ein bisschen reicher war als Pedros Familie, hatte es wirklich an nichts fehlen lassen.
Ein alter, weiser Mann, der mit Pedro auf der Plantage arbeitete und den Pedro „Großvater“ nannte, hatte ihm einmal erzählt, es gäbe Länder, in denen die Menschen so reich wären, dass sie sich Schokolade manchmal auch einfach nur so kauften, auch ohne Hochzeit zu feiern. Pedro hatte versucht sich das vorzustellen. Er hatte sich gefragt, ob das wirklich stimmen konnte. Denn wenn es so reiche Menschen gäbe und sie die Schokolade kauften, für die Pedro den Kakao pflückte, warum war er dann so viel ärmer als sie, wenn sie doch für die Schokolade bezahlten? Und diese Menschen mussten sich doch irgendwann fragen, woher die ganze Schokolade kam, die sie für eine Selbstverständlichkeit hielten? Und wenn sie dann sähen, dass es viel mehr Menschen gab, die sich überhaupt nie Schokolade leisten konnten, warum gaben sie dann nicht ab und zu ein wenig von ihrer Schokolade ab, so wie Pedros Onkel es bei seiner Hochzeit getan hatte?
Der Großvater hatte Pedro außerdem erzählt, manche Menschen äßen wöchentlich, ja, vielleicht sogar täglich Schokolade. Doch das hatte Pedro dann doch nicht glauben können. So gut konnte es keinem Menschen gehen. Das wäre ja wie im Paradies.
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