Der Erste.

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P16 Slash
Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
13.05.2010
13.05.2010
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Für Sayena.


Es ist das Jahr 1943.

Das Besteck macht nicht das geringste Geräusch, als es Tom mit Bedacht und äußerster Sorgfalt auf seinem Tellerrand ablegt. Horace Slughorn lacht soeben unangemessen laut auf, Tom sieht hoch und macht das, was er lange vor dem Spiegel geübt hat und mittlerweile perfekt beherrscht – er lächelt.

„Meine Herren, Sie müssen mir aber versprechen, unseren Neuzugang nicht allzu sehr mit Fragen zu löchern...“ Slughorn hebt in gespielter Drohung seinen Finger, wie lächerlich... „...wir wollen doch nicht, dass die Verteidigung gegen die dunklen Künste plötzlich anwendungsbezogen unterrichtet werden muss...“
Tom lächelt einfach weiter, achtet auf den Atem seines Hauslehrers um seinen unsäglichen Redeschwall zu passender Zeit unterbrechen zu können, einatmen, jetzt...
„Sir, dieser neue Schüler aus Durmstrang – ich frage mich, was es denn für einen Grund geben könnte, im sechsten Jahr mitten in der Unterrichtszeit noch die Schule zu wechseln?! Das ist doch eher – ungewöhnlich...“
Und er lächelt.
Seine Mitschüler schweigen, wie immer wenn er im Raume ist, wenn er mit ihnen am Tisch sitzt, sie schweigen, sehen ihn an, nicken, blicken ernst, drehen den Kopf, sehen Slughorn an, erwarten eine sofortige Antwort auf die Frage die Tom gestellt hat.
Slughorn atmet aus, stockt kurz... dann lacht er wieder.
„Tom!“
Tom lächelt ohne zu klimpern.
„Sie sind mir eine Schlawiner!“ Er droht erneut mit dem Zeigefinger. Toms Lächeln vertieft sich, seine Mitschüler sehen es und lachen leise mit.
„Sie haben wohl Angst, in Slytherin könnte jemand einziehen, der uns nicht nur eine Schülerüberzahl Ihres Jahrgangs beschert, sondern uns durch sein Verhalten den Hauspokal kosten wird... keine Bange, Tom, keine Bange!“
Slughorn lehnt sich zufrieden im Stuhl zurück.
„Nein, nein, er kommt aus einer sehr ehrenwerten Familie und wechselt aus gesundheitlichen Gründen. Das eisige Klima, wissen Sie, das eisige Klima... nunja.“
Er steht auf, sofort erheben sich alle seine Schüler mit ihm, Tom steht als erster.
„Es ist spät, meine Herren. Ein angenehmer Abend in angenehmer Gesellschaft sollte im angenehmen Zustand beendet werden.“
Die anschließenden Worte der Verabschiedung plätschern an Tom vorbei, während er mechanisch erklärt, wie dankbar er für das vorzügliche Essen ist.
Ein Kranker.
Uninteressant.
Nicht zu gebrauchen.


Am folgenden Tag geht Tom wie immer pünktlich und ruhig zu den Kursen, nimmt pünktlich und ruhig an den Mahlzeiten teil.
Er sitzt am Tisch mitten unter den anderen Schülern.
Ein aufmerksamer Betrachter hätte den kleinen Abstand links und rechts zu seinen Sitznachbarn bemerkt.
Ein unachtsamer Betrachter nicht.
Die Lücke reicht, damit Tom seine Tasche, statt wie die anderen auf dem Boden, ordentlich auf der Sitzbank abstellen kann.
Sehr praktisch.

Er mag es nicht, wenn sein Eigentum besudelt wird.
Durch Schmutz.
Durch Dreck.
Durch Unrat.
Er ist ein sehr reinlicher und sorgfältiger junger Mann.


Nach dem letzten Kurs des Tages, Tom will erneut die Bibliothek aufsuchen, kommt die Kutsche, Thestrale ziehen sie, Tom blickt emotionslos auf die skeletartigen Tiere, er steht hinter einer Säule.
Der neue Schüler.
Der Kranke.
Der neue Schüler steigt aus, dick vermummt, eine Kapuze über dem Kopf gezogen, ein Haufen Gepäck wird abgeladen, ah, da ist ja auch Professor Slughorn.

Der Schüler ist sehr groß und dünn. Er steht, es regnet, er steht im Regen und wartet. Dann geht er los, langsam, hoch aufgerichtet, Tom wechselt neugierig die Position, der neue Schüler kommt die Freitreppe hoch, schreitet an ihm vorbei, und zieht sich die Kapuze vom Kopf.
Ein blasses, spitzes Gesicht.
Graue Augen.
Weißblonde, sehr lange Haare.
Lange Haare?
In Durmstrang müssen sich die Schüler den Schädel rasieren.
Er offensichtlich nicht.
Obwohl seine Haare lang sind, hängen sie nicht einfach herab, sie sind sehr straff aus dem Gesicht frisiert und am Hinterkopf miteinander verflochten.
Der neue Schüler sieht nicht krank aus.
Er sieht eher kriegerisch aus.
Interessant.
Möglicherweise zu gebrauchen.

Die Bibliothek ist voller emsig studierender Schüler. Man hört das leise Kratzen der Federn und das lockende Flüstern der Bücher aus der Verbotenen Abteilung.
Tom hat einen ganzen Tisch für sich. Er beschreibt ordentlich und gewissenhaft einen halben Meter Pergament, sein Aufsatz für Slughorn.
Ruhig kratzt seine Feder, seine Gedanken beschäftigen sich intensiv mit der gestellten Aufgabe, der Optimierung der Rezeptur zur Herstellung des „Flüssigen Todes.“


Er nickt nach links und nach rechts, während er sich auf seinen Platz an den Slytherintisch setzt, die von ihm gegrüßten Schüler nicken schnell hektisch freundlich zurück.
Er stellt seine Tasche links neben sich auf die Bank.
Das Essen erscheint, heute gibt es Hähnchen und Kürbisgemüse und...
Eine Bewegung.
Eine Berührung seines Körpers.
Seine Tasche schwebt hinter seinem Rücken und wechselt die Seiten, wird rechts neben ihm platziert.
„Du verzeihst?“ schnarrt eine ihm unbekannte Stimme,
„Deine Tasche befindet sich nun auf Deiner anderen Seite. Hier ist mehr Raum für mich.“
Die Stimme schwingt, sie klingt hoch und tief und hoch und tief...
Tom blickt nach rechts. Seine Tasche.
Nach links. Der neue Schüler.

Dieser weiß noch nicht, dass Tom das nicht mag.
Er weiß noch nicht, dass niemand die Dinge von Tom berühren darf.
Er weiß noch nicht, dass Tom keinen Schmutz seines Körpers und seines Eigentums durch andere Hände befürwortet.
Und er weiß noch nicht, was dann passiert.
Tom schweigt, nimmt sich das Vorlagebesteck und damit einen Hähnchenflügel.
Der neue Schüler wird morgen nicht zu den Kursen können, er wird drei Tage lang schwer erkrankt sein.

„Ich habe Deine Tasche nicht berührt.“
Tom verharrt, mit der Gabel in der Hand, sieht erneut nach links und lächelt, so wie er es geübt hat.
„Mein Tasche...“ sagt er und lächelt, „...befindet sich stets an meiner linken Seite.“
Klare graue Augen blicken ihn unbewegt an.
Dann erhebt sich der neue Schüler, murmelt einige Worte, Toms Tasche schwebt zu ihrem alten Platz.

Tom lächelt weiter.
Der neue Schüler lernt schnell. Er wird kein Problem darstellen.
Wie niemand hier in Hogwarts, wie nicht mehr dieses minderwertige unbrauchbare schäbige schmutzige Muggelmädchen in der Toilette. Oder wie sein Muggelerzeuger in Little Hangleton... den er jeden Tag fiebrig und voller Vorfreude in Gedanken aufsucht... Oder wie die Kinder und die Schwestern im Waisenhaus. Niemand wird ein Problem für ihn darstellen, niemand irgendwo auf der Welt.
Dessen ist sich Tom bereits jetzt sehr sicher.

„Rück.“ sagt die schwingende Stimme in seinen Rücken hinein.
Heftige Irritation macht sich in Tom breit. Er stockt, seine Hand mit der Gabel verharrt.
„Was sagtest Du?“ murmelt er ohne sich umzudrehen.
„Rück. Damit ich zu Deiner rechten Seite sitzen kann.“

Nachdenken.
Nicht auffallen.
Rücken.
Lächeln.
Ein Gespräch.

„Professor Slughorn informierte uns, dass Du kommst.“
Jetzt studiert Tom das Gesicht neben sich genauer.
Ein schönes Gesicht.
Ansprechend.
Klar.
Rein.
Sauber.
Hell.

„Du hast die ersten Klassen in Durmstrang verbracht?“
Der neue Schüler lächelt.
Weiße Zähne.
Sauber.
„In der Tat.“
Der neue Schüler reicht ihm die Hand.
Tom blickt auf die Hand. Er will die Hand anfassen und ergreift sie, schüttelt sie behutsam, blickt dabei auf ihre Hände, lässt los, sieht wieder hoch in das reine Gesicht.
„Abraxas Malfoy.“ raunt der neue Schüler.
„Tom Vorlost Riddle.“ sagt Tom.
Ein Malfoy...
„Sehr angenehm, Riddle.“
Malfoy streicht mit der flachen Hand über seine straff nach hinten, ordentlich frisierten weißblonden Haare.
„Du magst keinen Schmutz.“
Keine Frage, eine Feststellung.
Tom lächelt nur und beobachtet.
Malfoy lächelt ebenfalls, nickt kurz und sagt dann:
„Wir sollten beginnen den Tod zu essen, Riddle!“
Und er lacht, etwas heiser und rau und leise, nicht mehr kindlich, schon männlich, und nimmt sich mit dem Vorlagebesteck eine Hühnerbrust.
„Sonst wird er noch kalt, das wäre doch bedauerlich.“

In Tom hallt das heisere Lachen nach, es geht ihm bis in die Knochen, er sieht auf die schmalen, sauberen, weißen Hände, auf das glänzende Besteck darin, auf die ordentlichen Bewegungen die das Fleisch gewissenhaft zerteilen, beobachtet gespannt den eleganten Schwung der die Gabel zum Mund führt, ohne zu tropfen, ohne zu kleckern, das Fleisch verschwindet in dem Mund, der bewegt sich ruhig, ohne Hektik, gewissenhaft.

Den Tod essen.
Tom blickt auf sein eigenes Stück Fleisch. Von einem Getöteten. Tier.
Ein Malfoy...
Ein Reinblut.
Bevor er kalt wird.
Er nimmt das Besteck in die Hände.
Ein interessanter Gedanke...
Interessant.

Sein Innerstes kocht und dampft und brodelt und brennt und vibriert und zerrt und reißt und sehnt und flattert. Ein interessantes Gefühl. Interessant...
Malfoy ist zu gebrauchen.

Die nächsten drei Tage ist Abraxas Malfoy schwer erkrankt, er liegt im Krankentrakt, übergibt sich, kratzt sich blutig, windet sich vor Schmerzen und kann nicht an den Kursen teilnehmen.

Am vierten Tag wird er entlassen.
Und setzt sich direkt neben Tom auf die Bank in das Klassenzimmer.

„Du bist das gewesen, Riddle.“ raunt Malfoy heiser in sein Ohr.
Tom lächelt, blickt Malfoy an, schüttelt den Kopf.
„Aber aber, was für ein merkwürdiger Vorwurf, Malfoy... Du erscheinst mir noch reichlich indisponiert.“
Und da lächelt Malfoy, ganz dicht vor Toms Gesicht, zerren, brennen, heiß, heiß, heiß, heiß, Hitze, HITZE... „Du bist das gewesen, Riddle.“ flüstert warmer, klarer, reiner Atem auf Toms Lippen.

HITZE.
Tom sitzt unruhig und sieht nach vorne zu Professor Dumbledore.
Unruhig kratzt seine Feder, seine Gedanken beschäftigen sich intensiv mit Hitze und Zerren und Anfassen und Reinheit und Sauberkeit und Besitzen und Begehren.
Begehren.
Begehren... begehren... begehren...

Die erste Nacht im Jungenschlafsaal mit dem neuen Schüler ist interessant für Tom.
Abraxas Malfoy hat sehr viel Gepäck.
Er entkleidet sich, seine langen Haare fallen weich und ordentlich auf helle, reine Haut.
Er hat einen ganz glatten, makellosen Rücken.

„Es gibt Gerüchte über Dich, Riddle.“ sagt Malfoy mit dem Rücken zu Tom und zieht sich ohne Scheu seine Hose aus.
Tom lächelt und beginnt zu schwitzen, denn die innere Hitze strömt nach außen.
„Das ist mir bewusst.“ erwidert er und lächelt und starrt Malfoy auf seinen Rücken, der dreht sich zur Seite und nimmt vollkommen entblößt und wie in Gedanken sein Pyjamaoberteil vom Bett und Tom starrt auf seine muskulösen weißen Oberschenkel.
„Warum musstest Du die Schule wechseln, Malfoy?“
Malfoy dreht sich um und knöpft sich langsam sein Oberteil zu. Sein Pyjama liegt ganz glatt und ordentlich an seiner Brust. Tom beobachtet die weißen, sauberen Hände beim Zuknöpfen, lächelt und schwitzt weiter. Und schweift mit seinem Blick nach unten, auf Malfoys nackte Genitalien.
Interessant.
„Ich war nicht ausreichend kooperativ. Ich habe Flüche an Schülern getestet. Ich wollte mir meine langen Haare nicht scheren lassen. Ich habe offen meinen Unwillen darüber gezeigt, meinen Schlafraum mit Schülern aus Familien teilen zu müssen, die eine Schande für die Zauberergemeinschaft darstellen.“
Tom klimpert. Und legt den Kopf etwas schief. Malfoy ist überall sauber und... perfekt... und ansprechend...
Nicht ausreichend kooperativ...
Interessant.
Einfältig, aber interessant.

Die nächsten Tage ist Malfoy immer bei Tom. Und Tom bei Malfoy.

Als Schnee fällt, gehen Tom und Malfoy nach draußen. Die anderen Schüler bewerfen sich mit Schneebällen, die beiden jungen Männer ignorieren das alberne Treiben und spazieren in ein Gespräch vertieft zu den Gewächshäusern. Malfoy hat sich selbstverständlich bei Tom untergehakt, die jungen reinblütigen Männer der höheren Klassen pflegen das zu tun, Tom bislang nicht, mit niemandem, jetzt aber schon, mit Malfoy.
Außerdem ist dieses Verhalten unauffällig.

Sie reden zusammen über Familie, über Ehe, über Kinder, über Fähigkeiten, über die magische Gesellschaft, über Ordnung, Sauberkeit und Reinheit. Tom ist erleichtert über die Kälte.
Die innere Hitze beginnt ihn zu beunruhigen.

Malfoy lacht soeben, Tom erzählt ihm leise von dem Hauselfen, dessen Arme und Beine er verknotet hat... die niedere Kreatur hat seine Bettdecke auf den verschmutzen Boden fallen lassen. Malfoy lacht kehlig und heiser, er nimmt dazu den Kopf etwas in den Nacken und berührt Tom mit seiner anderen Hand kurz am Arm.
Tom ist das aufgefallen, Malfoy macht das oft bei ihm.
Er mag es.
Das Lachen klingt aus, Malfoy senkt den Kopf wieder und blickt Tom aufmerksam an.
Und ganz still.

Seine Haut ist so rein und weiß.
Die grauen Augen so klar.
Die Augenbrauen sanft geschwungen, die weißblonden Haare streng nach hinten frisiert, der warme Pelzmantel weich und warm und tiefschwarz.
Er ist perfekt.
Malfoy ist ansprechend und rein.
Er ist sauber und weiß. Wie Porzellan. Wie Schnee.... Tom muss dieses Gesicht besitzen. Er will es haben. Unbedingt, sofort, es muss ihm gehören, ihm. Er muss es besitzen.

Weißer kalter klarer Atem formt Wölkchen vor Malfoys Lippen, als Tom sich zu ihm beugt.
Die Hitze in ihm zerrt und reißt und schreit.
So rein, dieses Gesicht, dieser Mund.
Ohne Hast legt Tom seine Lippen auf diesen perfekten Mund in dem weißen, reinen Gesicht.
Die Hitze schreit.
Malfoy bewegt die Lippen leicht, öffnet sie etwas, Tom fühlt seine Zungenspitze sachte, sie bewegt sich langsam und sanft und schmeichelnd an seiner eigenen.

Tom bekommt eine Gänsehaut, er schwitzt wieder trotz der Kälte, die saubere Hand von Malfoy wandert seinen Körper hinunter und findet ihren Weg unter Toms Mantel und legt sich ruhig auf den Hosenstoff zwischen seinen Beinen, auf sein pochendes hartes Glied, Tom fühlt Malfoys warme Zunge im Mund und seine warme Hand und er will sich reiben an Malfoy und ihn noch weiter besitzen und nicht aufhören... Malfoy schmeckt sehr gut... Er ist sehr warm.
Tom brennt. Er begehrt noch mehr, noch viel mehr, er will noch mehr haben, haben... haben... er begeht und begehrt.

Aber nicht hier draußen, nicht hier in der Kälte, nicht jetzt.
Andere Schüler vor den Gewächshäusern lachen laut miteinander, sicher dieses kindische Spiel, ihr Lachen erreicht Tom wie durch Watte.
Tom zieht sich widerstrebend zurück. Und lächelt etwas und beobachtet hitzig das Gesicht, das er gerade besessen hatte.
Malfoy lächelt auch, seine weißen Zähne glänzen feucht.

„Sollen wir gehen, Vorlost?“ raunt die schnarrende Stimme.
„Es wäre wieder an der Zeit für uns, den Tod zu essen. Sicher steht heute getöteter Fisch auf dem Plan der Küche.“ Und er lacht leise und schnarrend.
Tom gefällt das „Vorlost“ viel besser als „Riddle“, er nickt, lächelt breiter und nimmt Malfoys jetzt behandschuhte Hand in seine eigene, in seinen Besitz.
„Und danach ziehen wir beide uns für ein paar angenehme, entspannende Stunden zurück.“ flüstert Malfoy noch. „Wäre Dir das Recht?“

Dieses Mal ist Toms strahlendes Lächeln echt.
Interessant.





Und das ist das
Ende
der Geschichte.



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