Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sommernachtswind

von Nyneve
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
09.05.2010
21.06.2010
8
6.089
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
09.05.2010 1.272
 
Disclaimer: All publicly recognizable characters, settings, etc. are the property of their respective owners.
The original characters and plot are the property of the author of this story.
The author is in no way associated with the owners, creators, or producers of any previously copyrighted material.
No copyright infringement is intended.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Sommernachtswind


Es war eine der ersten kühleren Nächte in diesem Spätsommer. Der feine Wind, der in den frühen Morgenstunden aufkam, liess die Blätter an den Bäumen leicht zittern. Das Gebäude hinter den Bäumen wirkte verlassen. Nur ein schwaches Licht drang nach draussen, wurde aber allzu bald von der Dunkelheit verschluckt. Eine Frau trat ans Fenster. Ihre Augen schauten ziellos in den klaren Nachthimmel. Die Finger ihrer rechten Hand lagen auf dem Fensterbrett. Sie zitterten. Die Frau schien es zu bemerkten, denn nun klammerten sich die Finger in das Holz. Doch sie hatten aufgehört zu zittern. Der grosse Raum des New Yorker Police Department war menschenleer. Es war eigenartig still, so still wie man es sonst selten erlebte. Die vielen Arbeitsplätze waren leer, die Stühle sorgfältig an die Tische herangezogen. Auf zwei Computern flimmerte noch das NYPD- Logo über den Bildschirm. Doch das war auch schon das einzige, was sich in diesem Raum regte. Sogar die Frau am Fenster stand unbewegt da, als gehöre sie zur Möbeleinrichtung. Ein Taxi fuhr draussen vorbei, froh zu dieser frühen Stunde einen Kunden gefunden zu haben. Der Scheinwerfer zündete für einige Sekunden durch das Fenster und erhellten das Gesicht der Gestallt. Ihre Haare besassen einen leichten Rotschimmer und waren ordentlich frisiert. Nur einige Strähnen waren ihr ins Gesicht gefallen. Ihr feines Gesicht wirkte wie eingefroren, keine Regung war zu sehen. Ihre rehbraunen Augen glänzten im Licht des Scheinwerfers. Eine kleine Träne erschien ihn ihrem Augenwinkel. Als sie die Wange herunterkullerte, fing sie das Licht des Autos auf. Für einen kurzen Moment wurde aus der unscheinbaren Träne ein funkelnder Diamant. Das Taxi verschwand an der nächsten Ecke und aus dem Diamant wurde wieder eine Träne.

Schritte ertönten auf dem Flur. Eine männliche Gestallt erschien. Er strich sich eine braune Haarsträne aus der Stirn und ging auf die Frau am Fenster zu. Obwohl sie ihn gehört haben musste, stand sie noch immer regungslos am Fenster. „Kate…“ durchbrach die Stimme des Mannes die absolute Stille. Er ging die letzten Schritte auf die Frau zu. Seine Hände fassten ihre Schultern und er drehte sie sanft zu sich um. Mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand fuhr er der Tränenspur auf ihrer Wange nach, die auf ihrem makellosen Gesicht noch immer glänzte. Ein Zittern erschütterte die Frau. Ihr Gegenüber nahm sie in den Arm. Wortlos lehnte sich Kate an ihn, sie schien kaum noch die Kraft zu haben, auf ihren eigenen Füssen zu stehen. Ein weiteres Zittern durchströmte ihren Körper, dieses Mal stärker und länger als zuvor. Langsam und vorsichtig hob der Mann sie hoch. Mit einem Arm unter ihren Knien, dem anderen an ihrem Rücken zog er sie langsam zu sich hoch, bis sie seitlich an seinem Oberkörper anlehnen konnte. „Ich bring dich nachhause…“ Seine Stimme klang sanft aber bestimmt. Die Frau in seinen Armen begann zu zappeln. „Rick, lass mich! Ich will hierbleiben.“ Ihre Stimme klang kratzig. Es schien sie einige Anstrengung zu kosten, die Tränen zurückzuhalten. Richard schüttelte nur leicht den Kopf und Kate schwebte in seinen Armen durch den langen Gang.

Eine knappe Viertelstunde später stand Richard Chastle vor der Türe seines Appartements. Der schlanke Körper von Kate Beckett befand sich immer noch in seinen Armen, ihr Kopf an seine Brust gelehnt. Ihre Augen standen offen, doch sie schienen leer und schauten teilnahmslos in das matte Licht der Flurbeleuchtung. Drinnen in der Wohnung legte Richard sie sanft auf sein Bett. Doch das schien Kate nicht zu gefallen. Auf einmal kam Leben in sie. Eilig setzte sie sich im Bett auf, die Knie nah an ihren Körper gezogen. „Castle, lassen Sie das,“ ihre Stimme klang kontrolliert und sie war wieder in die Höflichkeitsanrede des Berufsalltages gerutscht, „ ich kann nicht hier bleiben. Ich muss nachhause.“ Richard erschien im Türrahmen und schaute Beckett einen Moment lang schweigend an, als suche er nach den richtigen Worten. „Sie waren seit drei Tagen nicht mehr daheim und Ihre arbeitsfreien Nächte verbringen sie im NYPD. Meinen Sie nicht, es wäre einmal Zeit für ein warmes, bequemes Bett und einige Stunden Schlaf?“, er trat einige Schritte ins Zimmer hinein, „Kommen Sie, was kann daran schon verkehrt sein?“ Kate schaute ihn stumm an. In ihrer gerade eben aufgestellten Fassade der beherrschten und kontrollierten Frau begannen sich augenblicklich Risse zu bilden. Ihre Augen glänzten verdächtig und schon begann Kate die ersten Tränen wegzublinzeln. Sie liess sich rückwärts aufs Bett fallen, die Tränen liefen ihr nun übers Gesicht. „Ich, ich….“; stammelte sie und suchte krampfhaft nach den richtigen Worten und einer Erklärung für ihren plötzlichen Gefühlsausbruch. Richard Castle setzte sich neben sie auf die Bettkante und strich ihr ein wenig unsicher übers Haar. „Hey, weinen ist gut, du musst das nicht erklären wollen,“ er verstummte für einige Sekunden, bis er weiter sprach, „Verstehst du nun, was ich mit meiner Aufforderung zu ein wenig Schlaf meinte? Kate, du und dein Körper, ihr seid beide total am Ende.“ Kate hob ihren Kopf und schaute ihn aus tränenverschleierten Augen an. Ihre Stimme zitterte, als sie zu sprechen begann: „Ich will nicht schlafen. Dann kommen alle Bilder wieder hoch. Solange ich wach bin, bleiben sie weg.“ Castle schaute ihr tief in die Augen: „Ich bleib bei dir. Ich pass auf, dass sie nicht kommen, versprochen!“ „Nein!“ Dieses eine Wort von Kate kam so energisch, dass Rick leicht zusammen zuckte. Dann schüttelte er leicht und für Beckett nicht erkennbar den Kopf. Die Frau befand sich auf einer Achterbahn ihrer Gefühle. Sie schien keine Kontrolle mehr über sich zu haben, kippte innert Sekunden von Trauer in Wut und wieder zurück. Auch Kate merkte nur zu gut, dass sie sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Und sie hasste sich dafür. Vor allem, als sie bemerkte, dass auch Rick ihre Gefühlssprünge bemerkt haben musste. Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte wieder die Kontrolle über sich zu gewinnen. „Manche Leute muss man ja bekanntlich zu ihrem Glück zwingen,“ Castle sah sie schief an, „ich werde nun das Zimmer verlassen und setze mich draussen im Gang vor die Tür. Solange Sie nicht Spider Man als Freund haben, wird es Ihnen nicht möglich sein das Zimmer zu verlassen, da wir uns im 5. Stock befinden. Zudem befindet sich vor der Tür wie gesagt der castleische Wachhund. Und vielleicht erscheint Ihnen dann das Bett doch sehr verlockend.“ Grinsend schaute er sie an. Leicht amüsiert stellte Kate fest, dass er wieder in die Höflichkeitsanrede gerutscht war. Er schien unsicher. „Ich werde draussen in meinem bequemen Stuhl sitzen und ein wenig arbeiten. Sie können also unbesorgt schlafen, wirklich!“ „Arbeiten?“ Becketts Lippen verzogen sich, „ Wehe, wenn ich nun wieder als Muse missbraucht werde!“ „Nein, nein,“ Castle grinste, „ich kann berufliches und privates trennen. Und zudem, ich weiss nicht, ob ich meine Leserschaft so sehr schocken sollte.“ Kate grinste, ihr Blick wurde dann aber ernster „Danke, Castle.“ Damit schien das Thema für beide abgeschlossen zu sein, denn Rick drehte sich zu seinem Kleiderschrank um. „Hier,“ er warf mit einer eleganten Handbewegung ein T-Shirt auf sein Bett, „Ihre Bluse zerknittert sonst.“ Kate lachte leicht auf, ihre Augen glitzerten im Licht, als sie sich zu Castle umdrehte. „Danke, Sie denken aber auch an alles.“ Castle warf ihr einen belustigten Blick zu und trat dann zur Tür. „Wenn was ist, ich bin draussen. Schlafen Sie gut.“ „Gute Nacht Castle.“ Die Tür war schon fast verschlossen, als ein leise gemurmeltes „Danke“ von Kate erklang.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast