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Angekettet

von MariLuna
GeschichteAbenteuer / P18 / MaleSlash
Brave Starr Handlebar J.B. McBride Tex Hex
03.05.2010
03.06.2010
28
88.923
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03.05.2010 2.769
 
2. KAPITEL

- Marshall Brave Starr -

„Du hast dich mal wieder selbst übertroffen, J.B.“

„Danke, Brave Starr“, J.B.s Wangen ziert wieder diese hübsche Röte, als sie die Chicken Wings auf die Mitte des Tisches stellt, neben die Schüssel mit den Bratkartoffeln und dem Gemüse, um sich dann auf den Stuhl mir gegenüber hinzusetzen.

Sie lächelt, als ich ihr auftafele und den Wein einschenke.
Ich habe für mich beschlossen, diesen Abend trotz aller Widrigkeiten zu genießen.
Auch wenn einem gewisse Probleme einfach sauer aufstoßen. Zum einen konnte ich nicht duschen, wie ich es sonst immer vor einem Date mache, eine kurze Katzenwäsche unter Tex Hex’ glühendem Blick mußte genügen. Denn keiner von uns beiden kann sich das Hemd und das Shirt darunter ausziehen, wir scheitern immer wieder daran, daß uns diese blöde Kette im Weg ist.

Wenn wir uns nachher schlafen legen, bleibt uns nur die Schere.

Handlebar hat versprochen, uns bis morgen legere Oberbekleidung mit Ärmelschnürung zu besorgen.
Ja, Danke, auf DIE Fädelei freue ich mich jetzt schon, aber was bleibt uns anderes übrig?
Vielleicht gibt es ja auch welche mit Klettverschlüssen oder Druckknöpfen, ich hoffe es.

Es sind wirklich immer die alltäglichen Dinge, die einen vor fast unlösbare Probleme stellen.
Aber vielleicht löst sich das Problem ja auch schon über Nacht, so ganz aufgegeben habe ich es ja nicht.

J.B. und ich geben uns wirklich Mühe, eine romantische Stimmung aufkommen zu lassen, aber ein Teil des geplanten Abends ist absolut verdorben.
Na toll, da sind ihre gestrengen Eltern mal nicht da, sie hat sturmfreie Bude, und ausgerechnet dann muß ich Tex Hex mit mir herumschleppen!

Und allmählich bereue ich es wirklich, daß wir ihm etwas von unserem leckeren Essen abgegeben haben. Seine Tischmanieren sind eines Dingos würdig. So benimmt man sich vielleicht im Hexagon, aber doch nicht in diesem Haus hier!
Die Beilagen ißt er ja noch mit der Gabel, aber in das Hähnchenfleisch schlägt er seine Krallen wie ein Neandertaler. Und er schmatzt so ungeniert, daß einen das Grausen überkommt.

Es fällt mir zunehmend schwerer, mich auf J.B. zu konzentrieren, immer wieder schweifen meine Blicke zu ihm hinüber.
Er hat eine merkwürdige Art, sich nach jedem Chicken Wing die Finger abzulecken: erst verschwindet der Finger bis zum Knöchel im Mund und es wird daran herumgelutscht wie an einem Lolli, dann zieht er ihn heraus und läßt dabei seine lange rosa Zunge darüberschlecken, bevor er dieselbe Prozedur dem nächsten Finger zukommen läßt.
Sein genüßlicher Gesichtsausdruck setzt dem ganzen noch die Krone auf.
Wenn er alle Finger abgeschleckt hat und sie von seinem Speichel fast noch mehr glänzen als vom Bratfett zuvor, wischt er sich mit dem Handrücken einmal quer über den Mund, schnappt sich den nächsten Wing und das Spielchen beginnt von vorne.

Da vergeht einem wirklich alles.

Vor allem, da er genug Spielraum hat, um auch seine linke Hand zu benutzen, und mich schaudert, als diese frisch abgeleckt haarscharf an meiner eigenen vorbei zum Weinglas greift.

„Bah, du bist eklig“, stoße ich schließlich hervor.

Er wirft mir einen verwirrten Blick zu und zuckt dann mit den Schultern.

„Schmeckt gut“, meint er und beißt herzhaft ins nächste Fleischstückchen.
„Bist nicht nur ´ne ansehnliche Frau, kannst auch kochen“, nuschelt er mit vollem Mund an J.B. gewandt. „Sowas ist die richtige Frau zum Heiraten. Nee, wirklich“, er grinst und wider besseren Wissens fasziniert, verfolge ich den kleinen Tropfen Bratensoße, der an seinem Mundwinkel glänzt und von einer geschickten, rosa Zungenspitze abgeschleckt wird.
„Sollte der Marshall dich nicht heiraten, Richterin, ich würde es sofort tun.“

J.B.s Augen verengen sich zu zwei schmalen, saphirblauen Schlitzen.
„Danke nein. Nicht mal, wenn du der letzte Mann im Universum wärst.“

Er grinst nur noch breiter und SCHLÜRFT von seinem Wein.

„Was meinst du, wie oft ich DAS schon gehört habe?“

Er gluckst leise und wirft ihr unter gesenkten Lidern einen glühenden Blick zu.
In mir erstarrt alles.
Ich wußte nicht, daß er so lasziv sein kann.

„Aber Frauen wie du beurteilen immer nach dem Äußeren. Unser Marshall hier ist wirklich hübsch anzusehen und ein richtiger Goldjunge, aber kann er einer Frau auch etwas bieten? Hm, ich schon, frag ihn mal, davon konnte er sich heute selbst überzeugen.“

„Oh, also wirklich“, schnaube ich und kann mir mein plötzliches Herzklopfen nicht erklären, „SO besonders war das nun auch wieder nicht.“

„Dafür hast du aber erstaunlich lange hingesehen, Marshall.“

Mir bleibt fast die Spucke weg, denn jetzt beschenkt er MICH mit diesem lasterhaften Blick. Ich muß mich wirklich zusammenreißen um nicht zu erröten.

„Kann es sein, daß du an Selbstüberschätzung leidest?“ gebe ich betont eisig zurück.

Und dann lasse ich ihn bewußt links liegen, sehe J.B. tief in die Augen und beginne mit ihr eine kultivierte Unterhaltung, von der ich sicher bin, daß Tex Hex sich zu Tode langweilt.
Denn was weiß jemand wie DER Kerl schon über die interessanten Themen der oberen Gesellschaftsschichten. Von Opern und Konzerten hat der doch genauso wenig Ahnung wie von den politischen Verstrickungen des galaktischen Rates.

Leider bleibt es auch ein sehr oberflächliches Gespräch, denn vor Tex Hex können wir natürlich nichts persönliches austauschen.
Und was mich am meisten ärgert: wir können nicht, wie eigentlich vereinbart, die Nacht miteinander verbringen. Dabei sind gerade solche Gelegenheiten immer so selten und kostbar, so lange sie noch bei ihren gestrengen Eltern wohnt.

Ich bin wirklich zunehmend frustriert.

***


Ich verabschiede mich von J.B. mit einem langen Kuß, ignoriere Tex Hex’ spöttisches Grinsen und lege noch schnell einen Zwischenstopp im Saloon ein, um meinen Frust wenigstens mit einem Starblazer herunterzukippen.
Tex murrt, ob es denn so kurz vor elf Uhr nicht schon zu spät für mich wäre, wo ich doch morgen Früh gewiß zum Dienst müsse, doch ich überhöre ihn geflissentlich.
Und ich übersehe auch seinen sehnsüchtigen Blick Richtung Pokertische und ziehe ihn hinter mir her direkt zum Tresen, hinter dem wie immer Handlebar steht und ein Glas poliert.

„Hallo, Marshall“, begrüßt mich der grüne Hüne und schiebt mir sofort ein Starblazer zu. „Wie war dein Essen mit J.B.?“

Noch im selben Atemzug dreht er sich zu Tex Hex um, mustert ihn prüfend und schiebt ihm dann ein alkoholfreies Sweetwater zu.

„He“, beschwert sich Tex sofort, „gib mir was anständiges, ja? Nachdem ich eben dieses ganze Süßholzgeraspel zwischen unseren beiden Liebchen ertragen mußte …“

„Vergiß es“, unterbricht Handlebar ihn ruhig, aber entschieden.

Oh, diesen Ton kenne ich. Den schlägt er normalerweise nur bei Leuten an, die schon sturzbetrunken hier hereinkommen und sich hier zweifelsfrei ins Koma saufen wollen.
Aber Tex hat eben doch nur  zwei Gläser Wein getrunken. Da bin ich jetzt aber wirklich überrascht und vergesse für einen kurzen Augenblick sogar meinen ganzen Frust.

„Ich hab’s eben genau gesehen, als du reingekommen bist. Du hast was geschluckt“, fährt Handlebar an den Anführer der Carrion Bunch gewandt fort, „was auch immer und wogegen auch immer, aber Tabletten und Alkohol vertragen sich selten.“

Tabletten? Alarmiert taste ich meine hintere Hosentasche ab. Tatsächlich – leer!
Wütend packe ich Tex Hex am Kragen, zwinge ihn dazu, sich bäuchlings über den Tresen zu beugen und taste ihn geübt ab. Nicht zum ersten Mal staune ich über all die sehnigen Muskeln, die sich tastbar unter diesem grünen Hemd verbergen, irgendwie überkommt mich dieses Gefühl immer, wenn ich ihn berühre – sei es in einem Kampf oder eben so wie jetzt.

Ich weiß nicht, wann genau er mir die Tabletten wieder stibitzt hat, aber ich finde sie in seiner Ärmeltasche und dafür verpasse ich ihm eine Kopfnuß.

„Ich bin doch nicht dein Kindermädchen!“ fauche ich ihn an, stopfe die Schachtel wieder in meine Hosentasche – diesmal die vordere, soll er mal sehen, wie er die DA wieder rauskriegt – und widerstehe der Versuchung, ihn durchzuschütteln.

„Hey“, funkelt er mich böse an, „meine Schulter schmerzt. Ich brauche das Zeug.“

„Wenn du was haben willst, mußt du mich eben demnächst vorher fragen“, gebe ich zurück, lehne mich an die Theke, nehme einen kräftigen Zug von meinem Starblazer und gebe Handlebar endlich eine Antwort auf seine Frage:

„Danke, das Essen war mal wieder hervorragend und wir hatten einen schönen Abend, auch, wenn DER da-“ ich werfe einen giftigen Blick zu Tex hinüber, der sich gerade mit leidender Miene den Kopf reibt, „- alles versucht hat, ihn uns zu verderben.“

„Gar nichts hab ich gemacht“, zischt Tex zurück. „Obwohl euer Gesülze echt zum Kotzen war.“

„DU bist zum Kotzen!“

„Danke, gleichfalls!“

Ich hätte wirklich gute Lust, ihn mit einem Kinnhaken zum Schweigen zu bringen, aber ich beruhige mich lieber mit meinem Starblazer. Schließlich muß ich auch auf mein Image achten, immerhin befinden wir uns hier in einem ziemlich überfüllten Saloon und wir werden sehr neugierig angestarrt.

Handlebar bückt sich kurz, und taucht dann mit einer Segeltuchtasche wieder hinter dem Tresen auf, die er lautsstark zwischen uns beiden abstellt.

„Ich habe im Lager noch so einiges gefunden. Da keiner hier weiß, wie lange ihr beiden noch aneinander hängt, hielt ich es für eine gute Idee, ein paar Klamotten für Tex Hex herauszusuchen. Er kann nicht jeden Tag in denselben Jeans herumlaufen, von der Unterwäsche ganz zu schweigen, oder? Ach ja, und die besagten Hemden habe ich zwar noch nicht gefunden, die habe ich aber bestellt, die kommen morgen Nachmittag hier an. Dafür habe ich ein Doppelpack T-Shirts mit Schulterschnürung gefunden. Und wenn es nachts kalt wird empfehle ich Ponchos.“

Sekundenlang kann ich ihn nur anstarren.

„Handlebar“, lobe ich dann dankbar, „wenn ich DICH nicht hätte. DU denkst wirklich an alles.“

Er grinst nur. „Ist mein Job, oder? Du weißt doch: es gibt nichts, was es bei mir nicht zu kaufen gibt.“

Tex seinerseits kramt schon eifrig in der Tasche herum und wirft Handlebar dann einen schrägen Blick zu.

„Woher kennst DU so genau meine Größe?“

Handlebar taxiert ihn von oben bis unten und wieder zurück.

„Das“, erwidert er dann breit grinsend, „ist wirklich nicht schwer. Du bist um die einsachtzig groß, wiegst, wenn es hochkommt, siebzig Kilo und trägst Größe L.“

„Stimmt nicht ganz“, brummt Tex merkwürdig verlegen, „ist aber nahe dran. Was bist du? Ein Scanner auf zwei Beinen?“

„Bringt mein Job so mit sich“, erklärt Handlebar grinsend.

Und dann dreht er sich zu mir um, und bevor er auch noch meine Maße in aller Öffentlichkeit breittreten kann, wehre ich lachend ab.

„Danke, Handlebar.“

Er zuckt nur mit den Schultern und lächelt zufrieden.
„Gern geschehen, Marshall.“

Ich widme mich wieder meinem Getränk, während Tex weiterhin in der Tasche kramt, und dann passiert das, wovor ich mich seit dieser vermaledeiten Zwangsverbindung mit Tex Hex am meisten gefürchtet habe: mein Verdauungstrakt meldet sich.
Mein einziger Trost besteht darin, daß ich diese Gelegenheit hier am Schopfe packe und Handlebars Toiletten-Kabinen benutzen werde.
Ein bißchen Privatsphäre muß schon sein, finde ich.

Tex’ beinahe schüchterne Bitte, kurz bevor wir zwei nebeneinanderliegende Kabinen betreten, überrascht mich dennoch etwas:

„Aktiviere dein Wolfsgehör.“

„Bist du wirklich lieber taub? Übertreibst du es da nicht etwas? Seit wann bist du so etepetete?“

„Seit heute.“

Also gut, wieso sollte ich DARÜBER noch weiter diskutieren? Wenn er es so haben will, bitteschön.

Und als ich dann bequem sitze, aktiviere ich mein Wolfsgehör. Zuerst konzentriere ich mich auf nichts besonderes, und je mehr Zeit vergeht – und mein Körper meine Aufmerksamkeit in anderer Hinsicht fordert – desto mehr lasse ich mein Wolfsgehör ziellos herumschwirren. Irgendwann dröhnt mir dann doch etwas in den Ohren, ein beständiges, regelmäßiges Pochen, dumpf, mit einem leichten Widerhall und einem Doppelschlag.

Erst, als ich fertig bin, mich wieder angezogen habe, die Spülung betätige und meine Wolfskräfte deaktiviere, begreife ich, daß ich SEINEM Herzschlag gelauscht habe.

Ausgerechnet!

***


Duschen wird mindestens genauso zur Herausforderung wie das Benutzen der Toilette. Aber während letzteres nur absolut oberpeinlich ist, gehört Duschen wenigstens nur in die Kategorie „unangenehm“.

Verärgert lehne ich mich – halbnackt, nur mit einem um die Hüften geschlungenen Handtuch – gegen die Wand neben meiner Dusche. Normalerweise genieße ich diesen Abschluß eines anstrengenden Tages, wenn ich mir endlich den Staub und Schweiß von der Haut waschen kann, aber heute bin ich leider nicht allein, und nicht nur, daß mich das ärgert, allmählich beginne ich wirklich vor Wut zu kochen.
Ich meine, wo mir sogar mein Date mit J.B. durch diesen Kerl so verdorben wurde!

Um ehrlich zu sein, verlangt ein ganz gewisser Körperteil von mir nach seinem Recht, und es ist extrem schmerzhaft, diesen leer ausgehen lassen zu müssen.
Bah, warum habe ich Idiot die Chance in Handlebars Toilettenräumen nicht genutzt, als ich Tex in die Taubheit geschickt habe?

Mürrisch schiebe ich mit den nackten Füßen den Badteppich etwas zurecht.
Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen, Tex Hex zuerst unters Wasser zu schicken, immerhin scheint der Typ kein Ende zu finden. Aber ich dachte mir eben, ein Tex Hex, der sich abtrocknet, umzieht und die Zähne putzt, wird mich wenigstens nicht stören. Tja, stattdessen stehe ich jetzt hier, bin mit dem Zähneputzen schon durch und warte darauf, daß sich der werte Herr endlich mal bequemt, aus der Dusche zu kommen.

„Hey! Glaubst du, wenn du lange genug einweichst, kannst du durch den Abfluß verschwinden? Oder was dauert da so lange?“

Und um meinen Worten den richtigen Nachdruck zu verleihen, reiße ich einmal kurz, aber sehr kräftig an der Handschelle. Ich höre einen erschrockenen Aufschrei, das Geräusch von nassen Füßen, die auf einer glatten Oberfläche ausrutschen und kurz darauf, wie etwas Hartes gegen die Duschhalterung knallt.

„Mistkerl!“ ertönt Tex’ dunkle Stimme.

Das Wasser wird abgestellt, das Handtuch, das über der Duschkabine hing, verschwindet, und nur wenig später tritt Tex Hex heraus, das Handtuch um die Hüften und sich den schmerzenden Hinterkopf haltend.

„Ich hasse dich!“ blitzt er mich an.

Wortlos steige ich in die Dusche und schließe die Tür hinter mir.
Na ja, eigentlich so gut es geht, die Kette verhindert, daß die Tür richtig schließen kann. Ich muß sehr vorsichtig sein, wenn ich keine Überschwemmung außer halb der Duschkabine anrichten will. Aber was Tex Hex gelungen ist, sollte mir ja wohl erst recht nicht schwer fallen!
Aber bald muß ich zugeben, daß es gar nicht so leicht ist, so zu duschen, die Haupthand immer in Nähe der Kabinentür.

Doch als die ersten warmen Wasserstrahlen meine Haut massieren – na gut, es ist etwas zu heiß, ich muß die Temperatur etwas herunterregeln, und Tex Hex noch einiges über unnötigen Warmwasserverbrauch beibringen – beginne ich, mich zu entspannen.
Jedenfalls so lange, bis Tex Hex’ finstere Stimme meine wohlverdiente Ruhe stört.

„Krieg ich auch ´ne Zahnbürste?“

„Gurgel mit Abflussreiniger“, schlage ich freundlich vor.

„Gut“, klingt es vergnügt zurück, „dann nehm ich deine...“

„Das WAGST du nicht!“

Von einer Sekunde auf die andere bin ich aus der Dusche.
Mein Schlag geht allerdings ins Leere, denn Tex Hex weicht mit einer einzigen, geschmeidigen Bewegung aus.
Eine schnelle Drehung und ich sehe mich plötzlich im Klammergriff, den Arm, mit dem ich an ihn anderen gekettet bin, schmerzhaft auf den Rücken verdreht. Tex hängt hinter mir, seinen rechten Arm regelrecht um meine Kehle gewickelt.
Die Finger seiner anderen Hand packen mein langes, nasses Haar und zerren mir daran gnadenlos den Kopf in den Nacken.

Ich bin für einen kurzen Augenblick tatsächlich überrascht, aber nachdem die erste Schrecksekunde erst einmal überwunden ist, lasse ich mich mit meinem ganzen Gewicht nach hinten fallen.

Und mein Badteppich beweist, daß, wo „rutschfest“ draufsteht, nicht immer auch „rutschfest“ gemeint ist.

Ich falle weich.
Der Desperado nicht.

Ich höre, wie Tex durch den Aufprall die Luft aus den Lungen gepresst wird – ein ersticktes Ächzen – und ramme ihm zusätzlich noch meinen Ellbogen in die Seite. Erst dann drehe ich mich langsam um.

Tex blinzelt mich benommen an.

Der durchdringende Geruch von „Oasis“ steigt mir in die Nase, vermischt mit dem Apfelaroma meines Duschgels und für einen winzigkleinen Moment bemerke ich, daß in seinen keriumroten Augen tatsächlich erdbeerrote Flecken schwimmen.
Faszinierend.
Doch ein Augenblinzeln später ist die Wut wieder da.

Verärgert halte ich mein Handtuch fest, das mir allmählich über die Hüften zu rutschen droht, lange nach Tex’ langem Schnauzer und zerre ihn daran unsanft in die Höhe.

„Hast du eine Meise?“ tobe ich.

„Und du hast ganz schön zugenommen“, zischt Tex zurück. „Das macht wohl das reichliche Essen von deiner Richterin?“

„Du...“ knurre ich, lasse die schon zum Schlag erhobene Faust dann aber wieder sinken.

Langsam rutscht mein Blick nach unten.

„Dein Handtuch“, meine ich dann nur trocken.

Und während Tex Hex mit seiner freien Hand hastig das sich selbstständig machende Wäschestück festhält und zurechtzieht, lange ich zum Wandschränkchen hinüber, krame darin herum und werfe ihm dann eine noch originalverpackte Zahnbürste ins Gesicht.

„Da“, zische ich und verziehe mich hastig wieder unter die Dusche.

Verdammt, ich muß jetzt dringend das immer größer werdende Problem unterhalb meiner Gürtellinie beseitigen.
Möglichst von ihm unbemerkt.
Seufzend drehe ich den Kaltwasserhahn auf.

***
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