Nejis Missionen

von Ylvi
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Neji Hyuga TenTen
01.05.2010
22.02.2014
4
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Für Neji  - damit er mehr "Screentime" bekommt :)

Wer Ideen für weitere Kapitel hat, kann sie mir gerne mitteilen. Vielleicht mache ich was draus, wenn ich Zeit und Lust habe ;)

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Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Liebe Grüße an alle! Ylvi


Die 1. Mission:

Mein Team. Ich hatte keine Ahnung, wen Tsunade dafür ausgewählt hatte, aber sie würden gleich hier sein. Unser Auftrag war klar: Wir sollten eine Familie sicher nach Konohagakure bringen. Sie waren Mitglieder des Nara-Clans, wohnten aber nicht in der Stadt. In letzter Zeit hatte es in ihrer Nähe einige Schwierigkeiten gegeben – Übergriffe, von wem, wusste man nicht – und ihr Clanoberhaupt, Shikaku Nara, hatte Tsunade gebeten ein Team zu schicken, das sie sicher nach Hause geleiten konnte.
Obwohl ich gestern erst von einer Mission zurückgekehrt war, würde ich das Team anführen. Das Team.
Ich stand vor Tsunades Schreibtisch. Sie hatte den Blick wieder auf ihre Papiere gesenkt und las mit gerunzelter Stirn. Ich wartete. Ich war noch nie ungeduldig gewesen.
Es klopfte und Tsunade hob den Kopf. Da waren sie.
„Herein“, rief die Hokage ungeduldig. Ich drehte den Kopf, als sich die Tür öffnete. Vor mir stand Hyuga Hinata, meine Cousine und warf mir einen schüchternen Blick zu. Obwohl sie in den letzten Jahren besser geworden war und etwas mehr Selbstvertrauen aufgebaut hatte, kannte ich immer noch keinen schüchterneren Menschen als sie. Hinter ihr trat Inuzuka Kiba ein, wie gewohnt mit seinem Hund Akamaru, dicht gefolgt von Tenten. Sie grinste und zwinkerte mir zu.
„Ihr vier werdet die Mission übernehmen. Neji, du kannst ihnen erklären, was sie wissen müssen. Ich habe jetzt keine Zeit das nochmals zu tun.“ Ich nickte. „Da Shino auf einer Mission ist, wird Tenten euch dieses Mal begleiten“, erklärte sie weiter. Dann schwieg sie, ihre Augen auf die Tür gerichtet. Ich deutete das richtig und winkte meinem Team. Zusammen verließen wir den Raum, ich als Letzter.
Es war gut, dass Tenten da war. Ich kannte ihren Kampfstil, weil wir jahrelang zusammen trainiert hatten und sie kannte meinen. Auch über Hinatas Techniken wusste ich Bescheid; ich hatte sie beobachtet. Von Kiba wusste ich leider wenig – angeblich war er etwas impulsiv und machte deshalb Fehler. Na, auf ihn würde ich schon aufpassen können.

Zwei Stunden später brachen wir auf. Es war immer noch Morgen, aber die Sonne stand höher am Himmel. Die Mission würde nicht sonderlich schwer werden. Ich fragte mich, warum Tsunade mich dafür ausgewählt hatte. Eigentlich war ich besser als das, aber was solls. Ich hatte Kiba, Hinata und Tenten instruiert. Sie wussten, wohin es ging und warum.
Während wir rannten fragte ich mich, ob Tsunade mir etwas verschwiegen hatte, als sie uns losgeschickt hatte. Sie hatte nicht gesagt, warum diese Familie Begleitschutz brauchte. Waren sie so etwas Besonderes? Oder waren sie so bedroht? Und wenn ja, von was? Wusste sie es oder schickte sie uns einfach ins Blaue hinein? Das passte nicht zu ihr. Aber warum hätte sie mir sonst Informationen verschwiegen?
Ein Ninja muss immer nur so viel wissen wie er braucht, um seine Mission zu erfüllen, dachte ich. Ich wusste, was zu tun war. Hoffentlich reichte das. Nun ja. Unser Kage würde uns ja wohl kaum wissentlich ins offene Messer laufen lassen, oder? Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als ihr zu vertrauen. Und gut aufzupassen.
„Byakugan.“ Sofort veränderte sich meine Sicht.
Wir würden den ganzen Tag brauchen, um zu der Nara-Familie zu gelangen. Es würde wahrscheinlich dunkel werden, bis wir dort wären. Wir würden dort übernachten, wenn uns dies möglich war und erst am nächsten Morgen aufbrechen. Ich fragte mich, was das für eine Familie war. Waren Kinder dabei? Und wenn ja, wie viele? Konnte überhaupt einer von ihnen kämpfen? Wenn, dann waren die Fähigkeiten der Nara auf jeden Fall willkommen, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Solange es Tag war zumindest, denn sonst war ihr Schattenjutsu nutzlos.
Wir sprachen wenig. Gelegentlich hörte ich Tenten ein Wort mit Kiba oder Hinata wechseln oder Kiba mit Akamaru kommunizieren – als Sprechen konnte ich das beim Besten willen nicht bezeichnen, zumindest nicht das, was Akamaru von sich gab. Hinata war meistens still, genau wie ich es erwartet hatte. Das war einfach ihre Persönlichkeit. In diesem Punkt waren wir uns gar nicht so unähnlich.

Als es dunkel wurde, hatten wir eine ereignislose Reise hinter uns.
„Ich denke, wir werden in ungefähr drei Stunden dort sein“, informierte ich meine Reisegefährten. Ich sah zur Seite, genau in Tentens große braune Augen. Sie nickte mir zu und lächelte.

Ich behielt Recht; meine Schätzung war gut gewesen. Das winzige Dorf, indem die Familie lebte, lag abgeschieden still und dunkel vor uns. In nur wenigen Fenstern brannte Licht und einige der Hütten sahen aus, als würden sie leer stehen. Die Nara waren nicht die ersten, die diese unsichere Gegend verlassen wollten.
Auf der Hauptstraße – oder eher der einzigen Straße – begegneten wir einem Posten, der uns das Haus zeigte, das wir suchten. Ich nickte ihm zum Dank zu.
Es war eines der wenigen erleuchteten Häuser. Eine Frau öffnete uns die Tür. Sie hatte kurze schwarze Haare und trug ein Gewand mit dem Zeichen des Nara-Clans. Sie lächelte und winkte uns, einzutreten. Anscheinend wusste sie genau, wer wir waren und warum wir gekommen waren.
Bevor ich hineinging warf ich noch einen letzten Blick auf die Straße. Nichts war zu sehen, außer dem Wache haltenden Ninja. Mithilfe meines Byakugans konnte ich die Menschen in ihren Häusern ausmachen, aber mir fiel nichts Ungewöhnliches auf, also folgte ich Hinata in das vom Feuer erleuchteten Zimmer.
Ein alter Mann saß neben dem Ofen und starrte uns mit trüben Augen an. Sein Blick verharrte auf Akamaru, aber er sah nicht ängstlich aus. Ich hatte eher den Eindruck, als wäre es ihm egal, was passierte.
Die Kinder allerdings – sie spielten vor dem Fenster am Boden – starrten den großen Hund sehr wohl mit großen verschreckten Augen an. Kiba grinste und ging mit Akamaru im Schlepptau zu ihnen hinüber. Ich war mir sicher, dass sie Kibas besten Freund bald zu lieben lernen würden wie nur Kinder es können.
Neben dem Alten saß ein weitaus jüngerer Mann. Trotz des Altersunterschiedes sah ich, dass sie verwandt waren, vermutlich Vater und Sohn.
Wir stellten uns der Reihe nach vor und setzten uns dann. Auch Kiba kam dazu, ohne seinen Begleiter.
„Ich bin Nara Tomoko“, sagte die Frau. „Das ist mein Mann Nara Hiroki und sein Vater Kenta. Wir sind sehr dankbar, dass ihr gekommen seid. Hier ist es nicht mehr sicher für uns und unsere Kinder.“
„Wir werden Morgen früh aufbrechen, gleich nachdem die Sonne aufgegangen ist. Dann werden wir wohl mehrere Tage brauchen, bis wir Konohagakure erreichen.“ Mein Team und ich hatten es vielleicht geschafft in 14 Stunden hierher zu kommen, aber auch nur weil wir die ganze Strecke gerannt waren. Mit den Kindern würde das auf keinen Fall möglich sein. Aber damit hatte ich gerechnet. „Morgen Abend werden wir ein Dorf erreichen und dort übernachten.“ Hiroki nickte, aber seine Frau hatte sich abgewandt. Über ihre Schulter hinweg rief sie ihren Kindern zu, endlich ins Bett zu gehen. Vielleicht würden wir sie morgen tragen müssen, um schneller voranzukommen.
„Seid ihr im Kampf erfahren?“
Hiroki schüttelte den Kopf. „Ich arbeite als Apotheker hier im Dorf und wurde nie zum Ninja ausgebildet.“
„Im Gegensatz zu mir“, erklärte Tomoko. „Sollte es zu einem Kampf kommen, werde ich mich verteidigen können.“
„Erwarten wir denn einen Kampf`?“, fragte Tenten und schaute mich an.
„Wir sollten darauf vorbereitet sein“, gab ich vage zur Antwort. Ich wusste ja selbst nicht mehr. Fest stand, dass diese Familie bedroht wurde und wenn wir sie begleiteten, mussten wir auf diese Bedrohung vorbereitet sein. Das galt auch, solange wir hier waren.
„Wir sollten alle schlafen gehen“, meinte Tomoko mit einem Blick auf ihre Kinder, die angefangen hatten die Schlafmatten auszubreiten. Sie erhob sich und half Kenta beim Aufstehen. Der alte Mann würde zweifelsohne eine größere Last sein als die Kinder. Wie weit konnte er gehen, bis er zu müde wurde?
„Kiba, Hinata, ihr übernehmt die erste Wache und weckt mich in drei Stunden“, sagte ich und beide nickten. Hinata schaute mir nicht einmal in die Augen dabei. Sie hatte sich vielleicht verändert, aber… Nun ja, sie war schließlich immer noch sie selbst. Das konnte ihr ja keiner vorwerfen.

Ich schlief unruhig. Bei jedem Geräusch wachte ich auf und lauschte in die Dunkelheit. Als die drei Stunden vorbei waren, war ich fast erleichtert. Ich weckte Tenten und setzte mich Rücken an Rücken mit ihr in die Mitte des Raumes. Es war ganz still. Nur das tiefe Atmen der Schlafenden und die leiseren Atemzüge von Tenten waren zu hören. Ich spürte, wie sie aufrecht dasaß und genoss es, nicht allein zu sein, auch wenn wir nicht sprachen.
Als es hell wurde, schickte ich Tenten alle zu wecken und trat nach draußen vor die Tür. Niemand war zu sehen. Ein Wind war aufgekommen und es würde kühler werden als am Vortag. Kiba war mir gefolgt und reckte nun seine Nase in die Luft. Er schnüffelte in den Wind und rief dann Akamaru. Ich runzelte die Stirn.
„Was ist?“
„Irgendetwas ist anders als gestern“, meinte er. „Der Geruch… hat sich verändert, aber ich weiß nicht, warum. Es ist was dazugekommen.“
„Von wo kommt es?“, fragte ich weiter. Er zeigte nach rechts, in die entgegengesetzte Richtung in die wir gehen mussten. Dort war Wald, wie zu allen Seiten des Dorfes. „Byakugan“, murmelte ich. Wenn jemand im Wald war, konnte ich ihn oder sie vermutlich sehen. Ich brauchte nicht lange, um die fremden Gestalten auszumachen.
„Siehst du etwas?“, fragte Kiba neugierig. Ich nickte und zählte. Es waren mehrere. Was wollten sie?
„Fünf Personen. Sie bewegen sich nicht, das heißt, sie kommen nicht näher.“
„So viele?“ Mein Reisebegleiter starrte mich ungläubig an. „Wir gehen aber trotzdem, oder?“ Ich nickte. Was blieb uns anderes übrig? Sollten sie uns gefährlich werden, so konnte das genauso hier wie auf dem Weg passieren. Und wenn nicht – umso besser. Fünf. Wir waren ebenfalls fünf Ninja, auch wenn ich nicht wusste, wie gut Tomoko war. Allerdings mussten wir beschützen und uns nicht nur selbst verteidigen. Drei Kinder, ein alter Mann, ein jüngerer. Ich konnte nur hoffen, dass sie nicht mehr wurden.

Zum Glück hatte Tomoko dafür gesorgt, dass alles gepackt war. Nach einem schnellen Frühstück waren wir bereit und brachen auf.
Für den größtmöglichsten Schutz der Familie ließ ich Kiba mit Akamaru die Gruppe anführen und blieb selbst zurück, um einen möglichen Angriff von hinten abzuwehren. Hinata ging links, Tenten rechts. Mit meinem Byakugan suchte ich den Wald ab, genauso wie Hinata.
Ab und zu sprach sie mit Kiba, der sie zu mögen schien und sich offensichtlich nichts aus ihrer Schüchternheit machte. Ob Hinata immer noch in Naruto verliebt war? Ich konnte mir nicht vorstellen, wer weniger zu ihm passte als meine jüngere Cousine.

Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs, als das kleinste der Kinder, ein kleiner Junge, anfing zu jammern, er wäre müde und hätte Hunger und er wollte keinen Schritt mehr weiter laufen. Ich fragte mich, wie alt er wohl war. Nicht älter als vier vielleicht. Seine größere Schwester schätzte ich auf sechs, den Ältesten der drei auf acht. Er ließ sich die ungewohnte Lauferei nicht anmerken. Anscheinend wollte er zeigen, wie gut er mit uns mitkam.
Entgegen meiner Befürchtungen war wenigstens Kenta keinerlei Belastung für uns. Eine ganze Weile lang hatte ich auf seine Atmung gelauscht, um nicht zu riskieren, dass er sich überanstrengte. Einen Herzanfall konnten wir uns wirklich nicht leisten. Aber er war rüstig und sein Atem blieb gleichmäßig und ruhig.
Schließlich schaffte Kiba es, den kleinen Jungen zu beruhigen, indem er ihm erlaubte auf Akamaru zu reiten. Tenten schenkte ihm etwas Süßes aus ihrem Beutel – wo hatte sie nur immer dieses Zeug her? – strahlte den Kleinen an, der nicht anders konnte als zurückzulachen. Ich konnte gut verstehen, warum. Tentens offenem Lachen konnten die wenigsten widerstehen.
Ich blickte zurück. Während wir uns immer weiter vom Dorf entfernt hatten, hatte ich schließlich auch die Fremden aus dem Wald aus den Augen verloren. Ich konnte zwar gut sehen, aber so gut auch nicht. Erleichterung konnte ich allerdings noch nicht zulassen. Wir kamen natürlich viel langsamer voran als jeder, der irgendetwas vom Kämpfen verstand. Selbst wenn wir alles stehen und liegen ließen – sämtlichen Besitz der Familie, den sie mitgenommen hatten – wären wir zu langsam, auch wenn wir die Langsameren tragen würden. Weglaufen kam also nicht in Frage.
Ich drehte mich zurück und begegnete Hinatas Blick, der immer noch auf den Wald hinter mir gerichtet war. Hatte sie etwas gesehen, was mir entgangen war? Ich blieb stehen, bedeutete aber den anderen, weiterzugehen. War da etwas?
Plötzlich war ich mir sicher. Etwas bewegte sich mit schneller Geschwindigkeit auf uns zu. Feind oder Freund? Für einige Sekunden blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich wollte mir erst sicher sein.
Es waren die Fremden aus dem Wald. Aber sie waren nicht mehr zu fünft. Mir blieb keine Zeit, um zu zählen. Ich lief zu den anderen zurück. Sie waren auf einer kleinen Lichtung stehen geblieben
„Hinata, beobachte den Wald hinter mir und sag mir, was du siehst.“ Verwundert drehte sie sich zu mir um, tat aber sofort, was ich gesagt hatte. Zuerst antwortete sie mir nicht. „Kiba?“, fragte ich weiter. Er schnüffelte, Akamaru tat es ihm nach.
„Der gleiche Geruch wie heute Morgen“, stellte er fest. „Mit kleinen Veränderungen… aber… es ist derselbe.“
„Dort ist jemand. Sie kommen auf uns zu“, sagte Hinata. Ohne den Blick vom Wald zu wenden, fragte sie: „Was tun wir jetzt?“
Ich dachte nach. Es gab zwei Optionen: Kämpfen oder wegrennen. Gerade hatte ich schon festgestellt, dass Wegrennen zwecklos war. Kämpfen mit der Familie mitten unter uns war allerdings viel zu gefährlich bei dieser Anzahl von Gegnern. Blieb nur noch eins: Kämpfen und Weglaufen.
„Kiba und Tenten, ihr begleitet die Familie. Hinata, du bleibst mit mir hier. Ihr bringt sie bis zu dem Dorf, wo wir übernachten wollten. Wenn ihr rennt, solltet ihr es in wenigen Stunden erreicht haben. Es ist groß genug, um euch Schutz zu bieten. Wir werden hier bleiben und sie möglichst daran hindern, euch überhaupt zu folgen.“
„Rennen?“, fragte Kiba. „Wie soll das gehen?“
„Ein Teil rennt, der andere wird getragen“, erklärte ich knapp. „Tenten?“
„Ja?“
„Du weißt, wo ihr hinmüsst?“ Sie nickte. Sie lächelte nicht, sondern schaute entschlossen.
„Was ist mit unseren Sachen?“, fragte Hiroki. Ich antwortete nicht darauf.
„Ihr müsst sofort gehen“, sagte ich stattdessen. Hinata und ich sahen zu, wie Kiba, nachdem er den Kindern auf Akamarus Rücken geholfen hatte, kurz entschlossen Kenta auf seinen Rücken hob. Tenten tat das gleiche mit Hiroki, der erstaunt schien, dass sie sein Gewicht so gut tragen konnte. Ich hoffte, sie würde das durchhalten.
Das war ein Grund, warum ich Hinata nicht an Tentens oder Kibas Stelle schickte. Ich traute es ihr nicht zu. Am liebsten hätte ich sie mit den anderen mitgeschickt, aber allein gegen acht unbekannte Gegner anzutreten, war Selbstmord. Hinata war zwar nicht so gut wie ich, aber sie war immer noch die beste Option.
In weniger als einer Minute waren sie aufbruchbereit. Kurz kam Tenten zu mir.
„Wie viele sind es?“, fragte sie und ihre großen braunen Augen befahlen eine wahrheitsgetreue Antwort.
„Acht“, antwortete Hinata an meiner Stelle.
„Aber-“, setzte Tenten an.
„Lauft los“, sagte ich und schnitt ihr damit das Wort ab. „Wartet dort auf uns, wir werden nachkommen.“ Ich zog eine Karte aus meiner Tasche. Unser Heimweg. Ich war mir nicht sicher, ob Tenten die Route gut genug kannte. „Pass darauf auf.“ Sie nahm das Papier. „Los.“ Ich sah, dass sie nicht gehen wollte. Dass sie vielleicht sogar Angst hatte. Aber ich war der Jonin und sie Chunin und ich leitete dieses Team.
Ich sah nicht zu, wie sie zwischen den Bäumen verschwanden, jetzt viel schneller als zuvor. Stattdessen richtete ich – genau wie Hinata – meine Aufmerksamkeit auf das, was hinter uns lag.
„Was meinst du, was sie wollen“, fragte Hinata mich.
„Ich weiß es nicht“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Aber es muss ja einen Grund dafür geben, dass wir die Nara-Familie in Sicherheit nach Konohagakure bringen sollen. Irgendetwas hat sie bedroht. Entweder wusste Tsunade nicht, was es war, oder sie konnte oder wollte es mir nicht sagen. Wir müssen auf jeden Fall damit rechnen, dass wir kämpfen müssen – und dass es ein harter Kampf wird.“ Hinata runzelte die Stirn, blickte aber entschlossen, was mich erleichterte. Hätte sie Angst bekommen, wäre es schwieriger gewesen.
„Wenn sie uns angreifen“, sagte ich, „dann zögere nicht, sie zu töten. Das können wir uns nicht leisten.“
„Ich weiß“, sagte sie. „Mach dir darüber keine Gedanken.“
Wir schwiegen beide, den Blick erwartungsvoll auf die sich uns nähernden Gestalten gerichtet und bereit zu kämpfen, die Arme vor unseren Körpern erhoben.
Sie kamen immer näher. Es waren tatsächlich acht. Vier für jeden von uns, falls wir das überhaupt schafften. Ich hoffte, dass sie nur so viele waren, weil sie jeder für sich nicht sonderlich stark waren.
„Lass keinen vorbei“, sagte ich noch.
Dann trat der erste auf die schmale Lichtung. Wenige Sekunden später hatten sie einen Halbkreis um uns gebildet. Keiner von ihnen trug ein Stirnband, also waren sie keine Ninja, die noch zu irgendeinem Dorf gehörten. Oder sie wollten nur unerkannt bleiben.
„Wollt ihr etwa allein gegen uns kämpfen?“, fragte der, der als erstes auf die Lichtung gekommen war. Offenbar war er der Anführer der Gruppe.
„Was wollt ihr?“, fragte ich, anstatt eine Antwort auf diese überflüssige Frage zu geben.
„Das geht nur uns etwas an, Hyuga Neji.“
„Ihr wisst, wer ich bin, dann könnt ihr mir doch auch verraten, wer ihr seid.“
„Wir haben uns keinen Namen gegeben“, erklärte der Mann und verzog sein Gesicht zu einem Grinsen. „Namen sind nicht wichtig. Ziele sind es.“ Jetzt kamen wir der Sache schon näher.
„Komm endlich zum Punkt, Masaru“, sagte die ungeduldige Stimme einer Frau, die zu meiner Rechten stand. „Wir sind nicht hier, um uns zu unterhalten.“
„Nein, natürlich nicht. Dennoch wäre ich dir dankbar, wenn du noch ein bisschen Geduld haben würdest, meine liebe Beniko.“ Masarus Grinsen wurde noch breiter bei diesen Worten.
„Pah.“ Die Frau spuckte auf den Boden. Eine Strähne ihres roten Haares löste sich aus ihrem sowieso schon unordentlichen Zopf. „Wir sind wegen dem Mädchen hier, also holen wir sie uns auch.“
Wegen dem Mädchen? Was sollte das heißen? Verfolgten sie am Ende gar nicht die Nara-Familie? Hatte ich ihnen Hinata auf dem Silbertablett serviert? Denn um ein anderes Mädchen konnte es kaum gehen. Schließlich hatten sie noch keinen Versuch gemacht, an uns vorbeizukommen.
Wenigstens sind dann Tenten, Kiba und die anderen in Sicherheit, dachte ich. Das bedeutete, dass die Mission erst einmal nicht gefährdet war. Dafür aber Hinata. Wenn meine Cousine verwirrt war, ließ sie es sich jedenfalls nicht anmerken. Ich konnte nicht anders als ihr Beifall zu zollen. Sie war doch tatsächlich ein guter Ninja geworden. Nicht überragend, aber trotzdem…
„Daichi, Fumiko“, Masaru wandte sich an zwei seiner Begleiter, die ganz außen am Halbkreis standen. „Ihr verfolgt die anderen. Wir werden euch einholen, sobald wir hier fertig sind.“ Moment. Also waren die anderen doch in Gefahr. Hinter was waren diese Banditen denn jetzt her?
Daichi und Fumiko setzten sich in Bewegung. Weder Hinata noch ich zögerten, ihnen in den Weg zu springen.
Daichi kam abrupt vor mir zum Stehen. Er hatte kurz geschorene dunkle Haare und ein breites Gesicht. Er sah mich grimmig an, nicht so überheblich wie sein Anführer.
„An uns kommt ihr nicht vorbei“, sagte ich.
„Schön, dann töten wir euch eben zuerst.“
Damit begann der Kampf.
Es war keine Zeit mehr, um zu überlegen. Ich lieferte mir einen Schlagabtausch mit Daichi, dem sofort zwei weitere seiner Gefährten zu Hilfe kamen, darunter die rothaarige Frau, Beniko. Einer von ihnen lag schnell am Boden. Noch sieben.
Ich versuchte gleichzeitig zu kämpfen und auf Hinata zu achten. Das Byakugan erlaubte mir, mehr zu sehen als jeder andere Mensch, aber es ging alles so schnell, dass ich kaum in der Lage war, mir die ganzen Gegner vom Leib zu halten.
Ich versuchte, so viele wie möglich in einen Nahkampf mit mir zu verwickeln. So konnte ich sie am schnellsten ausschalten und sie gleichzeitig von Hinata fernhalten. Nur Masaru schaffte es an mir vorbei und nun hatte sie es mit ihm und Fumiko zu tun.
Zwei weitere hielten sich im Hintergrund und nutzten jeden Moment, in dem ich abgelenkt war, um Shuriken oder Kunai auf mich zu werfen. Ich wich ihnen aus und zog meinerseits ein Kunai hervor, um sie besser abwehren zu können. Einem meiner Gegner rammte ich es in den Hals. Blut spritzte, jemand schrie, dann ein Röcheln. Noch sechs.
Ich merkte wohl, dass Hinata in Masaru einen schweren Gegner hatte. Anscheinend wusste er um unsere Technik und hielt sich so geschickt fern von ihr, sodass sie ihr Juken nicht anwenden konnte. Immer wenn sie versuchte, ihm zu nahe zu kommen, hielt er sie mit Drahtseilen auf Abstand, die er so geschickt spann, dass sie sich einmal sogar daran verletzte.
Aber ich hatte keine Zeit mich mehr um sie zu kümmern. Die zwei Verbleibenden Nahkampfgegner und die zwei auf den Bäumen waren nicht so leicht zu besiegen. Merkwürdigerweise schienen sie total auf mich fokussiert zu sein. Sowohl Shuriken als auch Kunai kamen nur in meine Richtung geflogen. Auf einen kurzen Befehl von diesen beiden sprangen Beniko und ihr Partner zurück und ich befand mich in einem Regen von spitzen glänzenden Waffen. Ich benutzte mein Chakraschild, um sie abzuwehren, aber auf lange Zeit war das keine Lösung, weil es zu viel Chakra verbrauchte. Deshalb griff ich meinerseits den blonden Partner von Beniko mit meinem Juken an. Er war schnell und wich mir aus, trotzdem erwischte ich ihn an mehreren Punkten und brachte so seinen Chakrafluss durcheinander. Dadurch war er jedoch noch lange nicht besiegt. Kurz zog er sich zurück und wieder kam ein Hagel von Shuriken auf mich herunter. Auf diese Art war ich so ablenkt, dass mir fast entging, wie einer der Waffenwerfer die Lichtung umrundete, um so in den Wald zu entkommen und die Verfolgung der anderen aufzunehmen. Sie wussten also nicht, wohin wir gingen. Deshalb brauchten sie jemanden, der ihnen den Aufenthaltsort verriet.
Ich rannte ihm hinterher, sprang ihm vor die Füße. Er versuchte mir einen Fußtritt zu verpassen, dem ich auswich und meinerseits angriff. Doch ich war nicht schnell genug. Mit ein paar Handzeichen beschwor mein Gegner einen Windstoß, der mich so hart traf wie eine Wand und mich zurück gegen einen Baum schleuderte. Alle Luft wurde aus meinen Lungen gepresst, aber ich schaffte es zu landen, ohne verletzt zu werden.
Wieder Kunai und Shuriken. Diesmal war es nicht nur einer, der zu entkommen versuchte. Während Beniko und der auf dem Baum mich abzulenken versuchten, rannten zwei in den Wald hinein. Ich verpasste Beniko einen Hieb, der Lee alle Ehre gemacht hätte, und stellte mich ihnen erneut in den Weg.
Der mit den kurzen Haaren sah mich überrascht an. Ich verpasste ihm einen Schlag auf die Brustmitte, wo am meisten Chakrapunkte lagen und er taumelte zurück. Ein Sirren in der Luft warnte mich diesmal vor. Genau auf meinen blinden Fleck zielend hatte Masaru eines seiner Stahlseile zu mir geschickt.
Wusste er von meiner Schwäche? Oder war das nur Zufall gewesen?
Ich hatte es zwar gehört, aber es war dennoch zu spät, um auszuweichen. Erneut aktivierte ich mein Chakraschild. Gerade noch rechtzeitig.
Beniko griff mich wieder an. Sie war wirklich gut. Schnell wirbelte sie um mich herum, sodass es mir unmöglich war, ihre Chakrapunkte zu treffen. Ich versuchte es mit einer Täuschung und griff sie von hinten an, doch bevor ich sie auch nur berühren konnte, traf mich ein Kunai genau in der Mitte meines Rückens.
Ich spürte, wie es stecken blieb, ohne lebenswichtige Organe verletzt zu haben, aber der Schmerz jagte trotzdem durch meinen Körper. Ich hatte es nicht gesehen. Wieder fragte ich mich, ob das Zufall gewesen war. Ich hatte keine Zeit, es herauszuziehen, denn den Moment der Unaufmerksamkeit war an meinen Gegner nicht unbemerkt vorbeigegangen.
Erneut traf mich erst Benikos Angriff und dann ein weiterer Windstoß. In einem hohen Bogen flog ich durch die Luft. Während ich noch fiel, versuchte ich mich auf die Seite zu drehen, aber erfolglos. Das Kunai bohrte sich tiefer in meinen Körper.
Schwarzer Schmerz explodierte hinter meinen Augenlidern. Ich versuchte aufzustehen, sackte aber zurück.
Reiß dich zusammen, befahl ich mir. Du warst schon schlimmer verletzt. Viel schlimmer. Ich erlaubte mir, zwei mal tief durchzuatmen, dann kam ich wieder auf die Beine.
Niemand versuchte, an mir vorbei zu kommen. Sie hielten mich für besiegt, aber das war ich noch lange nicht. Während Beniko noch auf Abstand war, zog ich die blutige Waffe aus meinem Rücken. Dann ging ich in meine normale Kampfhaltung zurück. Sollten sie doch kommen.
Der Schmerz pulsierte, aber mein Denken war klar. Hinata war immer noch mit zwei Gegnern beschäftigt, von denen Masaru eindeutig der stärkere war. Ich hatte zwei meiner vier Gegenüber schon verletzt. Ich konnte genau die Stellen in ihrem Chakrafluss sehen, die bereits beschädigt waren. Ich sprang auf einen von ihnen zu, bevor dieser erneut sein Wind-Jutsu anwenden konnte und erledigte ihn mit meinem Juken, bevor seine Kameraden reagieren konnten. Noch fünf. Dann schickte ich einen Chakrastrom in Richtung des Baumes. Ein Ast brach, aber mein Gegner hatte es geschafft auszuweichen und warf erneut Shuriken auf mich. Ich wehrte sie mit dem Kunai ab und startete einen erneuten Angriff auf Beniko, als mir Hinatas Schrei in die Glieder fuhr.
Ich sah sie durch die Luft fliegen und hart auf dem Boden aufschlagen. Um ihre Fuß- und Handgelenkte waren Drahtseile geschlungen. Masarus Werk. Ich warf meine Waffe und befreite damit eine ihrer Hände. Mehr konnte ich nicht für sie tun. Ich hatte immer noch drei Gegner vor mir. Wieder versuchte ich es mit einem Trick.
Während Beniko noch glaubte, ich würde vor ihr stehen und sie angreifen, sprang ich unter den Baum, um endlich den Messerwerfer auszuschalten. Ich wich all seinen Waffen aus, die er mir entgegenwarf. Offenbar waren meine Bedenken unbegründet gewesen. Wenn er von meinem blinden Fleck wusste, stellte er sich mit diesem Wissen einfach nur dumm an.
Er schaffte es, mir zwei Mal auszuweichen, aber ich verdoppelte meine Geschwindigkeit und meine Schläge und schnell lag er mit geschädigten Organen vor mir. Vor ihm und seinen Künsten war ich jetzt sicher. Doch immer noch waren vier Gegner übrig.
Wieder ein Schrei, diesmal jedoch von Masaru. Am Rande meines Sichtfeldes nahm ich war, wie sein Begleiter, der zweite Gegner von Hinata, Fumiko, zusammenbrach. Offenbar hatte sie es endlich geschafft, ihn loszuwerden. Falsch, nur noch drei. Masaru schien wütend darüber zu sein. Eine Unmenge von Draht schoss aus seinen Händen hervor und bevor meine Cousine auch nur eine Bewegung machen konnte, um auszuweichen, war sie abermals gefangen.
Ich rannte los, um ihr zu Hilfe zu kommen, aber Beniko stellte sich mir in den Weg. Ihr Gesicht war voller Blut. Offenbar hatte sie es abbekommen, als ich ihrem Begleiter die Kehle durchgeschnitten hatte. Ihr Zopf hatte sich vollkommen gelöst und die Strähnen ihrer Haarmähne standen ihr wirr vom Kopf ab. Sie hatte die Zähne gebleckt und die Augenbrauen zusammengezogen. So sah sie unglaublich wütend aus.
„NEJI!“
Ich begriff zu langsam, dass es kein Hilfe- sondern ein Warnschrei gewesen war.
Eines von Masarus Drahtseilen wickelte sich blitzschnell um mich und schnitt mir in die Haut. Gleichzeit verpasste mir Beniko einen heftigen Schlag und ich fiel nach vorn, ohne mich irgendwo abstützen zu können.
Es sah nicht gut aus. Wir hatten zwar fünf der acht erledigt, aber die stärksten waren immer noch absolut kampffähig, während Hinata und ich von Masaru gefesselt waren. Außerdem hatte ich fast kein Chakra mehr und auch die Verletzung machte mir zu schaffen.
Blut lief mir über die Arme, wo die Seile mir ins Fleisch schnitten.
Ich konzentrierte mich auf die verbliebene Menge Chakra und durchtrennte damit die Seile. Doch kaum hatte ich sie durchtrennt, flogen Waffen auf mich zu. Ich konnte alle abwehren oder ausweichen, bis auf eine. Wieder der Schmerz in meinem Rücken.
Keuchend wirbelte ich herum, um den Mann, der die Waffe geworfen hatte, unschädlich zu machen. Geschickt wich ich den Drahtseilen aus, schlug dem Mann seine Waffen aus der Hand. Mein Juken machte auch ihn unschädlich.
Jetzt waren nur noch Beniko und Masaru übrig. Ich sah zu Hinata hinüber, die mich nicht aus den Augen ließ. Der Draht war so fest um sie geschlungen, dass sie nicht mehr bewegen konnte als ihren Kopf. Und das reichte nicht zum kämpfen.
Ich musste also erst Masaru angreifen, damit Hinata von ihren Fesseln befreit wurde. Doch meine Aufmerksamkeit wurde nicht nur von ihm und der Rothaarigen in Anspruch genommen. Schon seit kurzer Zeit sah ich, wie sich etwas auf uns zu bewegte. Tenten oder Kiba konnten es nicht sein. Sie konnten noch nicht einmal im Dorf sein, geschweige denn bereits auf dem Rückweg.
Wer waren also dann die Unbekannten? Helfer für Beniko und Masaru? Der Geschwindigkeit nach zu urteilen, mit der sie sich uns näherten, mussten es Ninja sein. Also musste ich auch noch gegen sie bestehen. Es waren zum Glück nur zwei.
Ich schleuderte Chakra auf Masaru, sodass er zurückweichen musste und die Kontrolle über die Drahtseile verlor. Aber sofort war Beniko bei Hinata und griff sie an, bevor sie sich komplett befreit hatte. Ich musste mit ansehen, wie Hinata durch den Angriff der Frau durch die Luft flog, immer noch in Drahtseile gewickelt, und erneut mit einem schmerzhaften Aufprall auf dem Boden landete, wo sie liegen blieb. Aber ich konnte nichts tun. Masaru stand zwischen uns.
Beniko zog meine Cousine hoch und warf sie gegen einen Baum, woraufhin Hinata bewusstlos wurde. Jetzt war ich wirklich allein.
In diesem Moment sprangen die beiden, die ich hatte näher kommen sehen, auf die Lichtung. Fast synchron landeten sie zwischen Beniko, die immer noch Hinata festhielt und Masaru, der mir zugewandt war.
„Endlich, ihr beiden“, sagte dieser.
„Wo wart ihr denn so lange?“, fragte jetzt auch Beniko.
„Wir dachten, ihr würdet das hier alleine schaffen, aber anscheinend haben wir uns getäuscht.“ Die Neuankömmlinge verzogen nicht eine Miene. Sie sahen sich ähnlich, vermutlich waren sie Geschwister. „Wenigstens habt ihr jetzt das Mädchen. Was ist mit Nara Tomoko?“
„Sie ist entkommen“, musste Masaru zugeben. „Wir wurden…aufgehalten.“
„Das sehen wir.“ Jetzt sprach der andere, aber wenn ich es nicht gesehen hätte, hätte ich keinen Unterschied bemerkt, so ähnlich waren sich ihre Stimmen.
„Wir werden schon einmal vorgehen und nehmen das Hyuga-Mädchen mit. Du kommst nach, sobald du hier fertig bist.“
„Und was ist mit der Nara-Familie?“
„Sie sind zu weit weg. Wir können das Dorf nicht angreifen.“
Irgendwie war ich erleichtert. Sie waren also doch in Sicherheit. Wenigstens in dieser Hinsicht hatte ich nicht versagt. Auch wenn ich wahrscheinlich nichts tun konnte, um zu verhindern, dass die Brüder mit Hinata verschwanden, solange Masaru mich aufhielt. Ich hatte gesehen wie er kämpfte. Genau wie Beniko hatte er darauf geachtet, dass Hinata ihm nicht nahe genug kam, um seine Chakrapunkte zu blockieren.
Ich zog die unter meinem Blut immer noch silbrig glänzende Waffe aus meinem Rücken und rannte auf Masaru zu. Ich musste an ihm vorbei, um zu verhindern, dass Hinata entführt wurde. Sofort versperrte mir ein Netz aus Draht den Weg. Ich durchschnitt es mit der kleinstmöglichen Menge Chakra, doch darauf war er schon vorbereitet. Das harte Material schlang sich um die Gelenke meiner rechten Hand. Ich hieb mit der blutigen Waffe darauf ein, bis es riss und stürmte wieder vorwärts. Dieses Mal war er zu langsam, aber ich war es ebenfalls.
Einer der Brüder hatte Hinata über seine Schultern geworfen. Er hatte bereits den Rand der Lichtung erreicht, während sein Bruder und Beniko seinen Abgang deckten. Ich konnte nichts tun. Masaru erforderte mein ganzes Geschick und meine ganze Aufmerksamkeit. Ich warf einen letzten Blick auf Hinata, die bewusstlos über der Schulter ihres Entführers hing und sich nicht regte. Ich hoffte, dass sie nicht allzu schwer verletzt war. Gib nicht auf, dachte ich. Wenn das hier vorbei ist, werde ich kommen, um dich zu holen.

Meine Sicht war verschwommen. Masaru lag zu meinen Füßen und atmete nicht mehr. Letztendlich hatte ich gesiegt.
Aber Hinata war verschwunden. Ich wusste nicht, wo sie war. Ich wusste nicht, ob sie noch lebte. Ich wusste nicht, was ihre Entführer mit ihr vorhatten. Ich wusste nicht, wo der Rest meines Teams war, ob sie in Sicherheit waren, ob sie es geschafft hatten, die Familie in Sicherheit zu bringen. Würden sie zurückkommen? Tenten wusste, wohin es gehen sollte. Es war gut, dass ich ihr die Karte gegeben hatte. Ich hatte gleich gewusst, dass ich nicht mehr in der Lage sein würde, ihnen nachzukommen.
Das tote Gesicht meines gefallenen Gegners war seltsam verzerrt. Als ich den Blick hob, sah ich die Leichen. Sieben hatten wir besiegt. Sieben. Aber das war nicht genug gewesen.
Ich hätte Hinata beschützen müssen, aber ich hatte es nicht getan. Ich hatte versagt.
Ich müsste sie verfolgen, aber ich konnte mich nicht rühren. Ich wusste, wenn ich auch nur einen Schritt machte, würde ich zusammenbrechen. Also erlaubte ich mir, stehen zu bleiben wo ich war und erst einmal wieder zu Atem zu kommen.
Ich versuchte nicht zu denken, nicht zu sehen, nicht zu fühlen, denn all das bereitete mir Schmerzen. Jetzt nach Hinata zu suchen konnte ich nicht. Mein Team würde wahrscheinlich nicht zurückkommen. Ich war allein, so allein, wie ich mich nie in meinem Leben gefühlt hatte. Ich wusste, ich würde sterben, denn es kam nicht in Frage, Hinata einfach so im Stich zu lassen.
Mein Bewusstsein schwand langsam. Nebel schien auf mich zuzukriechen und mich einzuschließen, versperrte meine Sicht. Das meiste war verschwommen, nur wenige Einzelheiten stachen deutlich hervor.
Ein Vogel, der auf dem Baum mir gegenüber saß schillerte rot.
Blut auf dem Boden.
Ein silbrig-rotes Kunai.
Ein verdrehter Arm.
Ich hatte nicht einmal mehr mein Byakugan aktiviert. Was auch immer jetzt kam, ich war nicht mehr in der Lage irgendetwas zu tun.
Der Schmerz hatte sich ausgebreitet, von meinem Rücken. Er erfüllte alle Gliedmaßen, ließ sie brennen. Blut tropfte vom Ärmel meines zerrissenen Gewandes.
Tropf.
Tropf.
Tropf. Tropf.
Alles war von einem roten Schleier überzogen.
Der Vogel breitete seine Flügel aus und flog gen Himmel. Ich fragte mich nicht einmal, was ihn aufgeschreckt hatte. Ich selbst konnte es nicht gewesen sein, denn ich hatte mich nicht bewegt.
Ein Gesicht tauchte vor mir auf, verschwamm, wurde wieder klarer und verschwamm erneut. Ich sah den Mund, der sich bewegte, spürte wie mein Kopf hin und her flog, als ich geschüttelt wurde, aber ich begriff nicht.
Wer schüttelte mich da?
Das Gesicht wurde wieder klarer. Blonde Haare, weit aufgerissene blaue Augen und ein nie still stehendes Mundwerk. Naruto.
Naruto?
Mein Hirn fing wieder an zu arbeiten, stellte wieder Fragen. Was machte er hier? Träumte ich? Nein, alles war real. Diesen Schmerz gab es in keinem Traum. Warum war er gekommen?
Dann gaben meine Knie nach. Der Boden kam schneller auf mich zu, als mir jemals irgendetwas schnell vorgekommen war. Aber ich traf nicht auf. Jemand hielt mich, fest und sicher. Ich versuchte etwas zu sagen, aber kein Ton kam über meine Lippen. Ich fühlte mich so schwach wie noch nie in meinem Leben. Das ist der Blutverlust, sagte der noch funktionierende Teil meines Gehirns.
Beinahe sanft wurde ich hochgehoben und einige Meter von den Leichen entfernt auf den Boden gelegt. Dann war der helfende Arm verschwunden und ich starrte mit leerem Blick in den Himmel. Starb ich jetzt?
Nein. Ich war schon einmal geheilt worden von Verletzungen, die schlimmer gewesen waren als das jetzt. Es hatte einige Anstrengungen gekostet, aber ich war genesen. Und ich musste schließlich meine Fehler wieder gutmachen. Hinata zu beschützen war mir nicht gelungen. Es war so falsch gewesen, sie mit mir hier zu behalten. So falsch. Möglicherweise hatte ihr das bereits das Leben gekostet.
Ein anderes Gesicht trat an Stelle Narutos. Kakashi. Naruto war also nicht alleine hier. Diese beiden zusammen hatten möglicherweise eine Chance gegen die Fremden. Schließlich war Kakashi einer der besten und Naruto würde nie einen Freund im Stich lassen. Ich hörte auf, mich zu fragen, was die beiden hier taten und konzentrierte mich auf den Versuch zu sprechen. Sie durften nicht hier bei mir bleiben, so lange Hinata in Gefahr war. Ich konnte hier liegen bleiben. Selbst wenn ich starb – hatte ich nicht genau das verdient?
Das einzige, was mein Vater mir je befohlen hatte und ich hatte versagt. Dieser Schmerz war beinahe noch größer als der körperliche.
„Kakashi…“, brachte ich schließlich mühsam hervor. Gerade noch rechtzeitig, denn er hatte bereits angefangen sich wieder zu entfernen. Jetzt beugte er sich tiefer zu mir hinunter.
„Du solltest nicht sprechen, Neji. Sakura wird sich um dich kümmern.“ Nein, ganz falsch. Nicht um nicht sollten sie sich kümmern, Hinata mussten sie retten.
„…Nein…“ Meine Stimme klang selbst in meinen Ohren leise, nur ein Hauch. Ich strengte mich etwas mehr an. „Nein… Ihr müsst… Hinata…“ Schwarze Schatten tanzten vor meinen Augen. Ich hustete und spürte Blut in meinem Mund. Dann wurde alles schwarz.

Ich erwachte ohne jegliches Gefühl dafür, wie viel Zeit vergangen war. Es war noch nicht dunkel, aber auch nicht mehr richtig hell. Irgendetwas zwischen Tag und Nacht. Über mir war der Himmel eingerahmt von den Blättern der Bäume. Ich drehte meinen Kopf und erblickte die Leichen auf dem Kampfplatz, aber ich fühlte nichts. Ich war leer, bis auf diesen einen Gedanken: Hinata.
Schnell richtete ich mich auf – zu schnell. Ein stechender Schmerz fuhr durch meinen Rücken und ich zuckte zusammen.
„Sei vorsichtig“, sagte eine strenge Stimme und ein ärgerliches Gesicht beugte sich über mich. Es war Sakura. „Bleib gefälligst liegen, sonst war meine ganze Mühe umsonst.“ Wo waren Kakashi und Naruto? Ich achtete nicht auf sie, sondern richtete mich noch ein Stück weiter auf und tastete nach meinem Rücken. Meine Finger stießen auf Binden. Natürlich hatte Sakura mich fachmännisch versorgt.
„Hey, ich hab gesagt, du sollst liegen bleiben!“ Jetzt war sie definitiv wütend. Doch ihr Geschrei hatte auch Vorteile. Schon standen Kakashi und Naruto hinter ihr.
„Hey, Neji.“ Naruto grinste über beide Ohren. Seine ständige Fröhlichkeit haute mich wirklich um. Welchen Grund hatte er denn, hier so gut drauf zu sein?
„Wie geht’s dir?“, fragte jetzt Kakashi.
„Besser.“
„Ja, Sakura hat ganze Arbeit geleistet“, meinte Naruto und grinste noch breiter.
„Ja und genau deshalb hörst du jetzt auf mich und legst dich wieder HIN!“ Natürlich tat ich das genaue Gegenteil und erhob mich. Jetzt, wo es mir wieder besser ging, musste ich Hinata finden und zwar so schnell wie möglich. Sakura sah aus als würde sie gleich Dampf aus ihren Nasenlöchern ausstoßen. Das war genau der Gesichtsausdruck, den sie immer hatte, bevor sie Naruto eine verpasste. Ich hoffte, sie würde sich bei mir ein bisschen zurücknehmen.
„Was ist denn passiert?“, fragte Kakashi. „Wo ist der Rest deines Teams? Und wo ist die Nara-Familie?“ Woher wusste er über meine Mission Bescheid?
„Ich hab sie in das nächste Dorf geschickt, als ich merkte, dass wir verfolgt wurden. Aber Hinata wurde entführt.“
„Was?“ Das Grinsen auf Narutos Gesicht war wie weggewischt. „Wann? Warum? Was tun wir denn noch hier? Warum hast du nicht auf sie aufgepasst?“ Sein Gesicht war ganz nah vor meinem und wieder schüttelte er mich, dieses Mal jedoch grober.
„Naruto, lass sofort die Finger von ihm!“, schrie Sakura – und Peng! – Naruto lag am Boden.
„Aua“, jammerte der Blondschopf. „Was soll das?“
„Er ist mein Patient und er ist krank also lass gefälligst deine Finger von ihm!“ Immer noch kochend schaute Sakura auf ihren Teamkollegen hinab. Kakashi ignorierte die beiden. Offensichtlich war er das schon gewohnt.
„Was macht ihr hier?“, fragte ich jetzt meinerseits.
„Tsunade hat uns die Mission erteilt, herauszufinden, was hier vor sich geht. Die Nara-Familie war nicht die erste, die bedroht wurde. Und es sind Leute verschwunden.“
„Und – was habt ihr herausgefunden?“ Alles, was uns helfen konnte, Hinata zu retten, war wichtig.
„Anscheinend haben sich einige Ninja, die von ihren Dörfern verstoßen wurden oder es aus eigenem Antrieb verlassen haben, zusammengeschlossen und wollen nun ihrerseits eine neue Macht bilden und so den anderen Dörfern Konkurrenz machen.“
„Und warum entführen sie dann Menschen?“
„Um ihre Kräfte zu stehlen. Anscheinend ist unter ihnen jemand, der das kann. Wir wissen nicht wie, nur dass sie es tun.“ Deshalb hatten sie es also sowohl auf Tomoko als auch auf Hinata abgesehen. Es tröstete mich in keinster Weise, dass ich wenigstens meine Mission erfüllt hatte. Was, wenn wir bereits zu spät waren? Wenn sie Hinata ihr Byakugan schon gestohlen hatten? War sie vielleicht schon tot?
„Wir dürfen keine Zeit verlieren. Helft ihr mir, Hinata zurückzuholen?“
„Na klar!“ Naruto hatte sich aufgerappelt. Ich schaute aber nicht zu ihm, sondern zu Kakashi, dem Teamleiter.
„Natürlich“, meinte auch dieser und nickte. Ich spürte keine Erleichterung.
„Wie weit ist es bis zu ihrem Lager?“
„Es ist nicht weit von hier“, meinte Kakashi. „Eine halbe Stunde, wenn wir schnell laufen.“ Ich schwieg. Wir würden uns direkt in die Höhle des Löwen begeben. Und ich hatte beinahe kein Chakra mehr zur Verfügung. Obwohl Sakura mich gut versorgt hatte, fühlte ich mich fiebrig. Es würde schwierig werden.
„Neji!“, rief in diesem Moment eine mir allzu bekannte Stimme. Ein Bellen folgte. Ich schaute in ihre Richtung. Tenten und Kiba traten aus dem Wald.
„Sind Tomoko und ihre Familie in Sicherheit?“, fragte ich Tenten und sie nickte.
„Wir haben sie dort gelassen, niemand wird sie angreifen. Aber wir haben uns Sorgen gemacht.“ Sie machte eine Pause, ließ ihren Blick über Kiba schweifen, der gerade Kakashis Team begrüßte, und schaute dann wieder mich an. „Wo ist Hinata?“
Und wieder musste ich mein Versagen eingestehen.
Natürlich machte mir niemand einen Vorwurf. Sogar Naruto schwieg.
„Wir sollten gehen“, sagte ich, nachdem ich geendet hatte. „Und uns die Lage von dort aus anschauen.“ Ohne viele weitere Worte rannten wir los.

Das Lager war größer, als ich erwartet hatte. Aber nicht so groß als dass unser Plan nicht funktioniert hätte. Ich aktivierte mein Byakugan, um Hinata zu suchen. Nur wenige Sekunden später wurde ich fündig. Sie hielt sich in einer der drei relativ stabil aussehenden, befestigten Hütten auf. Bei ihr waren mehrere fremde Ninja und Beniko, die rothaarige Frau. Ich erkannte sie sofort.
„Sie lebt, sie ist in der Hütte da vorne.“ Ich zeigte darauf und hörte Tenten neben mir leise und erleichtert seufzen.
„Gehen wir also vor wie geplant“, meinte jetzt Kiba. Täuschte ich mich oder schwang in seiner Stimme eine Vorfreude auf den Kampf mit? Denn ein Kampf ließ sich schlecht vermeiden, auch wenn es uns wohl nicht möglich sein würde, ihn für uns zu entscheiden. Unsere Gegner waren ausgebildete Ninja und viel mehr als wir. Deshalb sollte der Kampf auch nur ein Ablenkungsmanöver sein, während Sakura, Akamaru und ich Hinata befreiten. Sollten wir das geschafft haben, würde Akamaru zu den Kämpfenden laufen und sie informieren. Sakura begleitete mich, falls Hinata verletzt war.
Auf Kakashis stummes Zeichen hin, rannten wir los, in Richtung Lager. Kurz darauf trennten wir uns und ich führte Sakura und Akamaru, der sich nur widerwillig von Kiba trennte, zu Hinata, ohne dass unsere Feinde uns bemerkten. Dank meines Byakugans war es einfach, ihnen auszuweichen.
Es war nun vollkommen dunkel – im Lager gab es kaum offene Feuer, wer etwas sehen wollte, musste eine Fackel benutzen. Das kam uns ebenfalls zugute.
Wenige Minuten später waren wir an der Rückseite der Hütte angekommen. Hinata war direkt dahinter. Fünf andere waren noch mit ihr dort und drei waren vor der Tür. Diese Nukenin setzten wirklich auf ihre überlegene Anzahl und weniger auf Geschick und Können. Wahrscheinlich versuchten sie auch deshalb, sich die Fähigkeiten anderer anzueignen.
Stumm standen wir dort und versuchten, so leise zu sein wie möglich. Wir warteten.
Dank Tenten mussten wir nicht lange dort ausharren.
Ein lauter Knall, mehrere Leute riefen etwas und Rauch zog über das Lager dahin. Wir hörten, wie Beniko zwei ihrer Helfer Befehle gab. Sie wollte natürlich wissen, was vor sich ging. Ich bedeutete Sakura, sich bereit zu machen. Sie nickte. Zusammen brachen wir durch die dünne Bretterwand der Hütte.
Hinata lag, immer noch von Stahlseilen zusammengeschnürt, am Boden. Glücklicherweise war sie nicht mehr bewusstlos. Ich sprang über sie hinweg und stellte mich den Wachen, während Sakura meine Cousine befreite.
Fünf Gegner griffen mich auf einmal an. Glücklicherweise schien Beniko ihnen nichts von meinem Juken erzählt zu haben, so schaffte ich es, zwei auszuschalten.
„Greift ihn nicht direkt an! Passt auf, dass er euch nicht mit seinem Juken trifft.“ Beniko gab ihren Kameraden zwar Tipps, griff mich jedoch nicht an. Einen Moment später wusste ich auch, warum.
Mir blieb nichts anderes übrig, als mich vor Sakura und Hinata zu stellen, als die Rothaarige sie mit Kunai angriff. Von meinen drei übrigen Gegnern abgelenkt, schaffte ich es nicht, alle abzufangen.
„Sakura, Hinata, seid ihr verletzt?“, fragte ich. Ich konnte mich nicht umdrehen, um selbst nachzusehen.
„Uns geht es gut“, meinte Sakura.
„Hinata?“ Ich musste sicher sein, dass sie fliehen konnten.
„Es geht mir gut… Bruder.“
„Schickt Akamaru weg und geht!“
Ich konnte keine Antwort abwarten. Erneut wehrte ich Schläge ab. Mein Schild aus Chakra konnte ich nicht mehr benutzen, also musste ich mich auf meine Schnelligkeit verlassen. Aber auch damit war es nicht mehr gut bestellt.
Also musste ich das hier so schnell wie möglich hinter mich bringen. Und wenn ich es nicht schaffte, sie alle auszuschalten, dann musste ich sie wenigstens lang genug hinhalten, damit alle entkommen konnten.
Von draußen ertönte ein lauter Knall und ich vermutete Tenten dahinter. Staub fiel mir in den Nacken und ich hoffte, dass diese Hütte nicht über uns zusammenbrach.
Jetzt oder nie. Wenn ich noch länger zögerte, würde ich sie nicht mehr aufhalten können. Schon jetzt fühlte ich mich fiebrig, mein Rücken schmerzte. Ich griff an, schleuderte einen der zweite-Klasse-Ninjas nach hinten und ging auf die beiden anderen los. Einer hielt sich geschickt von mir fern, wie Beniko es ihm gesagt hatte. Der andere war schnell besiegt.
Ich wunderte mich, dass die Frau mich nicht angriff. Auf was wartete sie? Versuchte sie, abzuwarten und dann an mir vorbeizukommen?
Ich sprang auf sie zu, um zu sehen, was sie wohl machen würde. Sie grinste und wich aus. Mit einer Hand gab sie den anderen ein Zeichen. Einer griff mich aus der Entfernung an – so gut es in dieser Hütte eben ging – der andere rannte auf das Loch zu, das wir in die Rückwand des Holzhauses gesprengt hatten. Was blieb mir anderes übrig, als ihm entgegenzutreten? Auch wenn das bedeutete, dass ich weniger Zeit dafür hatte, den Kunai auszuweichen.
Einer traf mich in der rechten Schulter und ein stechender Schmerz fuhr mir den Arm hinunter. Dann spürte ich, wie meine Finger davon taub wurden. Die Waffe hatte einen Muskel getroffen. Ich würde meinen Arm nicht mehr benutzen können. Es sah wirklich schlecht aus.
Der Vorteil der Situation war, dass ich es geschafft hatte, den Fliehenden aufzuhalten. Ich verpasste ihm mehrere Tritte, sodass er bewusstlos liegen blieb.
Gegen einen Schwindel ankämpfend, ging ich auf Beniko los, die mit Sicherheit meine stärkste Gegnerin war. Sie wusste, wie ich kämpfte. Sie war schnell und ich wurde immer langsamer. Langsam begriff ich, dass sie genau darauf zu setzen schien.
„Du bist bald am Ende“, sagte sie. „Kai, halte dich raus. Ich werde ihn erledigen.“
„Aber – das Mädchen!“
„Sie sind über alle Berge. Er besitzt das Byakugan ebenfalls. Eigentlich wollten wir ihn töten, weil sie die leichtere Beute war. Aber jetzt werde ich ihn eben am Leben lassen.“
Ich stellte mich in Abwehrposition und wartete. Beniko hatte dafür gesorgt, dass ich nur noch einen Gegner hatte, sie selbst. Also konnte ich mich auf sie konzentrieren.
„Du hast ja schon kein Chakra mehr, bevor wir überhaupt angefangen haben zu kämpfen“, meinte sie. Woher wusste sie das nur so genau? Natürlich konnte sie vermuten, schließlich hatte sie am Nachmittag genug Zeit gehabt, mich zu beobachten und zu analysieren. Aber sie schien sich ihrer Sache so sicher zu sein, dass vielleicht noch etwas anderes dahinter steckte.
„Du wunderst dich sicher, woher ich das weiß“, meinte sie und grinste. „Das ist ganz einfach: Nicht nur du bist in der Lage das Chakra anderer wahrzunehmen. Ich wusste, dass die Chance dich zu besiegen am höchsten war, wenn du keines mehr hättest. Jetzt ist der Sieg wie eine reife Frucht, die man nur noch abpflücken muss. Deine Techniken basieren auf Chakra. Was also willst du tun? Du bist ja jetzt schon zu langsam, um dich zu verteidigen.“ Sie nickte mit dem Kopf zu meinem unbrauchbaren Arm. Ich konnte nicht anders als ihr Recht zu geben. „Ich werde dich besiegen und dich am Leben lassen. Immerhin. Du musst zwar ohne dein Byakugan weiterleben, aber… du könntest dich uns anschließen. Was meinst du?“
Die Frage war mir keine Antwort wert. Ich blieb, wo ich war, beobachtete und wartete ab. Jede Sekunde, die sie redete, kamen Hinata und Sakura weiter von hier weg.
„Wahrscheinlich wirst du das nicht tun. Du bist sicher deinem Dorf treu.“ Wieder grinste sie, sie lachte mich aus. „Aber ich weiß, wo ich mit meinen Fähigkeiten etwas erreichen kann – für mich und nicht für irgendwelche Herrscher! Schon seit wir Kinder waren, waren meine Schwester und ich in der Lage das Chakra aller um uns herum wahrzunehmen. Das macht uns zu etwas Besonderem.“
„Vielleicht seid ihr ja etwas Besonderes, aber das heißt noch lange nicht, dass du mich besiegen wirst. Ist deine Schwester auch eine Verbrecherin geworden?“
„Oh ja, so kann man das nennen. Allerdings weniger freiwillig, als ich. Als sie 14 war, fiel sie in die Hände von Orochimaru. Ich denke, das könnte man als eine kriminelle Karriere bezeichnen.“
„Aber Orochimaru ist tot.“
„Das weiß ich“, fauchte sie. „Die Geschichte ist ja auch noch nicht zu Ende. Jetzt hat sie sich Taka angeschlossen. Auch wenn ich nicht glaube, dass sie lange dort bleiben wird. Das ist nichts für sich. Sich aufzuopfern für jemanden wie ihn.“ Beniko rümpfte die Nase. Ihr Gesicht zeigte Verachtung. „Wie auch immer. Ich werde mich ganz bestimmt nicht aufopfern. Ich werde dich besiegen und dann werde ich nicht nur Chakra spüren, sondern auch sehen können. Das wird mich zu einer ultimativen Gegnerin für jeden machen.“
„Dann ist diese ganze Gruppe dir also egal?“, hakte ich nach.
„Oh ja. Sie sind vielleicht momentan ein Teil meines Lebens, aber das wird sich wieder ändern.“ Sie winkte ab. „Aber jetzt haben wir genug geredet. Zeit, dass ich dich besiege.“ Sie funkelte mich an, Kampfgeist in ihren Augen. Das war der Moment in dem ich begriff, dass ich nicht entkommen würde. Ich konnte sie nicht mehr besiegen. Der Kampf mit Masaru hatte mich meine ganze Kraft gekostet und sie wusste das. Sie würde mich Juken nicht anwenden lassen und eine andere Chance hatte ich nicht. Wir würden Katz und Maus spielen, bis mein Körper mich im Stich ließ. Sie hatte Recht gehabt. Der Sieg war wie eine reife Frucht für sie. Sie brauchte nur ein wenig Geduld, musste nicht einmal viel tun. Für mich war es vorbei. Es half nicht einmal die Erinnerung an Naruto, der niemals aufgab. Aber ich wusste, wo meine Grenzen waren. Ich hatte sie gerade gefunden.
Nein, sagte ich mir bei diesem Gedanken. Nein. Selbst wenn ich verlieren würde, jetzt aufzugeben kam nicht in Frage. Für Hinata. Ich hatte etwas gut zu machen.
Nun begann der Anfang vom Ende.
Es begann mit einem Schlagabtausch. Wir versuchten beide, dem anderen möglichst nahe zu kommen, wichen aber gleichzeitig den Hieben des jeweils anderen aus. Es war ein Katz- und Mausspiel, wie ich vermutet hatte. Schließlich versetzte sie mir einen Hieb in den Bauch und ich hustete Blut auf den Boden. Mir blieb nichts anderes übrig als zurückzuweichen.
Ich versuchte sie zu täuschen, schneller zu sein als sie, sprang um sie herum, aber sie durchschaute mich und schlug mit der flachen Hand gegen meine rechte Schulter genau auf die Wunde. Sterne tanzten vor meinen Augen, ich sah nichts mehr, fiel nach hinten. Ich blinzelte. Schatten schwebten am Rande meines Sichtfeldes. Wie gerne hätte ich zugelassen, dass diese Schatten über mich fielen und mir die Besinnung raubten, aber ich tat es nicht. Stattdessen stieß ich Beniko weg, die mir zu nahe gekommen war. Sie taumelte zurück und nun war sie es, die Blut spuckte. Ich hatte sie an ihrem verletzlichsten Punkt getroffen, dort, wo die meisten Chakraströme zusammenflossen.
„Du bist wirklich besser als ich dachte“, keuchte sie. „Eigentlich hatte ich nicht vor, verletzt zu werden.“ Ich runzelte die Stirn. Hatte sie wirklich erwartet, einen Kampf gegen mich ohne einen Kratzer zu überstehen? Das schrie ja gerade dazu, sie eines Besseren zu belehren. Dieses Mal war ich es, der wieder angriff.
Wieder spielten wir „fang mich wenn du nur kannst“. Aber nicht sehr lange.
Mit einem lauten Knall und einer Erschütterung, die den Boden unter unseren Füßen erzittern ließ, wurde ein Loch in das Dach gerissen. Kleinere und größere Holzstücke regneten auf uns hinunter. Dann standen Tenten und Naruto neben mir.
„Hey, Neji!“ Naruto grinste, als ob nichts wäre, aber Tenten sah mich besorgt an.
„Wir sollten von hier verschwinden“, meinte sie.
„Ja, bring Neji hier weg. Ich krieg das hier schon alleine hin.“ Ich widersprach nicht. Ich hätte es gar nicht gekonnt.

Tenten brachte mich zurück zu unserem Treffpunkt. Dafür brauchten wir beinahe eine ganze Stunde. Zwei mal konnte ich nicht weiter und musste mich ausruhen. Ich dachte an Naruto. Ich fühlte mich nicht gut dabei, ihn zurückzulassen. Andererseits war er beinahe unschlagbar. Und mit Beniko konnte er es problemlos aufnehmen.
Die Wunde an meiner Schulter blutete noch immer und während ich rannte, presste ich meine linke Hand darauf. Ich versuchte, mich nur auf das Laufen zu konzentrieren. Der nächste Schritt, der nächste, der nächste… Die immer noch andauernde Dunkelheit erschwerte mir das.
Wieder war ich froh, dass Tenten bei mir war, sodass ich nicht alleine war. Ich hätte das niemals zugegeben, aber es war die Wahrheit. Sie hatte sich meinem langsameren Tempo angepasst, drängte nicht, fragte aber auch nicht.
Ich hätte gern gewusst, wie es ihnen ergangen war, ob sie verfolgt worden waren, oder ob die Täuschungen, die sie benutzt hatten, um zu entkommen, funktioniert hatten. War jemand verletzt worden? Hatten sie mit Hinata und Sakura geredet? Warum waren sie überhaupt gekommen? Das war nicht vorgesehen gewesen. Aber ich sparte mir meine Kraft fürs Laufen. Reden konnte ich immer noch, wenn wir erst da waren.
Die Bäume zu beiden Seiten verschwammen immer wieder zu grauen Schemen. Sie verwischten wie ein Bild auf das Wasser tropfte. Ich hielt meinen Blick geradeaus auf den Boden gerichtet, um nicht zu stolpern. Mir war eiskalt. Vorhin hatte ich den Schmerz als heiß und brennend empfunden, jetzt war er einer kalten Taubheit gewichen, die sich langsam und schleichend in meinem ganzen Körper ausbreitete.

Schließlich waren wir da. Die Lichtung wurde von einem kleinen Feuer erhellt. Hinata saß auf dem Boden, auf sie fiel mein Blick zuerst. Sie hatte die Arme um die Knie geschlungen. Es fiel mir mal wieder auf, wie sehr ihre Körperhaltung ihren Charakter preisgab. Ich sagte nichts dazu, sondern war nur froh, dass sie nicht verletzt war, von einer Schramme quer über ihrem Gesicht einmal abgesehen.
Kiba lehnte an einem Baum; Akamaru lag zu seinen Füßen. Er schaute in unsere Richtung, lang bevor sein Herrchen auch nur bemerkte, dass wir da waren.
Kakashi schaute uns ebenfalls an, als wir auf die Lichtung traten. Er blieb jedoch, wo er war, im Gegensatz zu Sakura, die sofort mit ihrem Erste-Hilfe-Koffer auf uns zukam.
„Wo ist Naruto?“, fragte Hinata.
„Er kämpft gegen Beniko“, erklärte ich.
„Die Rothaarige?“ Tenten nickte. Jetzt erhob sich meine Cousine und kam ebenfalls herüber.
„Hey, Hinata“, meinte ich und versuchte zu lächeln. Ich hatte das Gefühl, das sollte mir nicht so schwer fallen. „Geht es dir gut? Haben sie dir irgendetwas getan?“ Sie schüttelte den Kopf.
„Aber was ist mit dir? Du bist verletzt!“
„Ich werde es überleben.“ Ich hustete in meinen Ärmel. Drei rote Flecken erschienen darauf.
„Setz dich hin“, verordnete Sakura. „Und lass mich deine Wunde anschauen. Sofort!“ Ich tat wie mir geheißen und sank langsam auf den Boden.
Während sie mich untersuchte, bekam ich fast nichts davon mit. Ich spürte ihre Finger nicht, die mit geübten Griffen die Wunde reinigte, die Verbände von zuvor wechselte und mich neu verband. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab; noch nie war es mir so schwer gefallen mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Außerdem war mir schrecklich heiß. Ich hatte das Gefühl, überall zu brennen.
Als die Lichtung anfing, ihre Kreise um mich zu drehen, schloss ich die Augen. Meine Lider schienen bleischwer zu sein. Und heiß wie jeder Zentimeter meines Körpers.
Ich war dankbar, als der Schmerz weniger wurde. Ich blinzelte und schaute in Tentens braune Augen. Sie lächelte und ich lächelte zurück, dankbar dass ich wieder dazu in der Lage war.
„Danke, dass ihr gekommen seid“, meinte ich.
„Das war doch klar. Wir hätten dich doch nie im Stich gelassen!“ Ich schwieg und sah mich um. Die Bäume hatten wieder klarere Konturen, aber mein Sichtfeld kam mir trotzdem seltsam eingeschränkt vor.
Kakashi las. Hinata saß jetzt bei Kiba und streichelte Akamaru über das Feld. Sie lachte. Naruto war auch bei ihnen. Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass er gekommen war. War ich ohnmächtig geworden?
„Wie lange sind wir schon hier?“, fragte ich Tenten.
„Ungefähr zwei Stunden.“ Zwei Stunden? Und Sakura war immer noch dabei mich zu behandeln? Und Tenten war noch immer bei mir. Sie saß an genau der gleichen Stelle, an der sie auch schon vorher gesessen hatte. Ich wusste plötzlich, dass sie mich nicht verlassen würde.
„Hey Sakura, bist du bald fertig?“, fragte ich das Mädchen.
„Jetzt beschwer dich nicht auch noch. Was kann ich dafür, dass du dich so zurichten lässt? Außerdem: Denk bloß nicht darüber nach heute noch Aufzustehen. Du hast Fieber. Also bleib einfach wo du bist, schlaf am besten und mach dir keine Gedanken.“ Ihre Finger befühlten meine Stirn. Sie fühlten sich eiskalt an. Ich zuckte zurück. „Du solltest wirklich versuchen zu schlafen.“
„Ich möchte noch kurz mit Hinata reden“, meinte ich und rappelte mich hoch. Tenten sprang auf, um mir auf die Füße zu helfen. Zusammen gingen wir zu der Gruppe am Feuer hinüber.
Es gab ein allgemeines Hallo. Naruto grinste über beide Backen, als er mir von seinem Sieg über Beniko erzählte. Anscheinend war alles seeehr einfach gewesen. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen.
Während er noch redete, sagte ich: „Hinata, kann ich kurz mit dir reden?“ Ich erntete mehrere verwunderte Blicke. Naruto saß da, starrte mich an, sein Mund noch immer geöffnet. Meine Cousine stand auf.
Wir entfernten uns ein wenig von den anderen.
„Es tut mir Leid, Hinata“, sagte ich schließlich leise. „Es war meine Schuld, dass das alles passiert ist. Ich hätte besser aufpassen sollen.“ Sie schaute mich aus großen Augen an.
„Was meinst du?“
„Ich hätte doch mit den anderen wegschicken sollen, dann wäre dir nichts passiert.“
„Mir ist nichts passiert, Neji. Du bist der einzige, der wirklich verletzt ist. Niemand würde dir je einen Vorwurf machen. Du hast gleichzeitig gegen sechs Ninja gekämpft und sie besiegt.“
„Es waren aber acht“, meinte ich. „Ich war nicht gut genug.“ Hinata lächelte mich an, als hätte ich irgendetwas Entscheidendes nicht mitbekommen. Als würde sie mich belehren müssen.
„Du hast mich doch gerettet.“ Ich sagte nichts. „Ich bin doch jetzt hier. Mir geht es gut. Aber dir nicht. Du solltest dich ausruhen. Wir müssen immer noch unsere Mission zu Ende bringen.“
„Du hast Recht“, meinte ich ergeben. „Wir werden Morgen früh aufbrechen.“
„Schaffst du das denn?“, fragte sie. „Sakura meinte, du wärst schlimm verletzt.“
„So schlimm nun auch wieder nicht.“ Den Schmerz würde ich schon überstehen. Und hier zu bleiben war keine Lösung, schließlich konnten die Nukenin jederzeit zurückkommen und uns angreifen. Hier waren wir nicht sicher.
„Ich danke dir für alles“, sagte Hinata jetzt. Ich sah sie erstaunt an. Ich wusste, dass sie nicht wütend auf mich sein würde (dafür war sie viel zu lieb), aber Dank hätte ich nicht erwartet. Und ich hatte ihn auch nicht verdient. Kurz schauten wir uns an, dann senkte sie den Blick. Das Gespräch war offensichtlich beendet. Ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte und sie wohl auch nicht.

Die Nacht dauerte quälend lange. Ich legte mich schlafen, wie Sakura es gesagt hatte, aber ich erholte mich nicht. Mir war abwechselnd heiß und kalt wegen des Fiebers, das sich meinem Körper bemächtigt hatte. Ich erwachte oft, begriff nicht, wo ich war, zuckte vor Schmerz bei jeder Bewegung. Jedes mal wenn ich aufwachte war das Feuer niedriger und irgendwann erwachte ich in Schwärze. Es fühlte sich an als wäre ich blind. Ich war froh als die Sonne endlich aufging.
Es war Tenten, die mich weckte.
„Wie geht es dir?“ waren die ersten Worte, die ich hörte. Ich antwortete nicht. Ich wollte nicht lügen, aber beunruhigen wollte ich sie auch nicht. Und es war nicht so als hätten wir eine Wahl: Wir mussten gehen.
„Wir brechen so schnell wie möglich auf“, meinte ich also anstatt einer Antwort. Wir taten, was ich vorgeschlagen hatte. Kakashi, Naruto und Sakura wollten uns noch bis zum nächsten Dorf begleiten. Von dort aus würden sie weiterlaufen und wahrscheinlich noch heute in Konohagakure ankommen. Mein Team und ich würden die Nara-Familie abholen und sie zu ihrem Clan zurückbringen. Ich hoffte, dass unsere Reise friedlich verlaufen würde und wir nicht verfolgt wurden. Mein Chakra hatte sich zwar über Nacht wieder etwas aufgebaut, aber ich hatte immer noch Fieber und wusste nicht, ob ich einen erneuten Angriff überstehen würde. Beim zweiten Mal würden sie außerdem vorsichtiger sein.
Fürs Erste passierte nichts. Wir kamen nach zwei Stunden bei unserem ersten Ziel an und verabschiedeten uns von Team Kakashi, die schnellstmöglich Tsunade berichterstatten wollten.

Tomoko schien froh uns zu sehen. Ihre Familie war bereit, sofort aufzubrechen und so gab es keine Verzögerungen. Den Großteil ihres Gepäcks hatten sie leider verloren, weil sie ihn bei dem Angriff nicht hatten mitnehmen können, aber dafür kamen wir jetzt schneller voran.
Während wir gingen beobachtete ich nach wie vor mit dem Byakugan die Umgebung, aber meine Konzentration ließ zu schnell nach. Ich war froh, dass Hinata und Kiba Verfolger beinahe ebenso schnell bemerken würden wie ich.
Abends war ich jedes Mal todmüde und schlief tief und traumlos, schreckte aber manchmal hoch. Wenn ich Wache halten musste stand ich, weil ich fürchtete im Sitzen könnte ich einschlafen. Ich war noch lange nicht wieder fit. Das Fieber kam und ging; ich konnte es nie ganz abschütteln. Natürlich schmerzten auch meine Wunden, aber was mir am meisten zu schaffen machte war mein rechter Arm, den ich nach wie vor nur mit einiger Anstrengung und unter Schmerzen benutzen konnte.
Wir brauchten vier Tage.

Es war am späten Nachmittag, als wir im Dorf ankamen. Ich brachte Tomoko und ihre Familie in das Haus ihres Clananführers, dann entließ ich mein Team und ging in Tsunades Büro, um ihr Bericht zu erstatten.
„Kakashi hat mir bereits von dem Zwischenfall mit den Nukenin erzählt“, meinte sie, bevor ich auch nur anfangen konnte, mein Versagen (erneut) einzugestehen. „Ihr seid alle wohlbehalten zurückgekehrt?“ Ich nickte. „Gut, du kannst gehen.“ Ich wandte mich zur Tür. „Und Neji?“
„Ja?“
„Ich werde dich in der nächsten Woche auf keine Missionen schicken, bis es dir besser geht. Also ruh dich aus.“ Ich nickte. Sie lächelte mir zu, als ich hinausging.

Als ich aus dem Gebäude trat, warteten Tenten und Lee auf mich. Ich begrüßte sie und in stillem Einverständnis miteinander gingen wir zu unserem alten Trainingsplatz. Dort setzten wir uns auf die Äste eines Baumes. Am Stamm hingen noch immer Tentens Zielscheiben, obwohl wir schon eine Weile nicht mehr hier gewesen waren.
Lee quasselte von seinem letzten Training mit Gai. Ich bewunderte ihn noch immer so sehr für seine Ausdauer. Wir waren lang genug ein Team gewesen als dass ich um seine Hartnäckigkeit wusste. Und von seiner Bewunderung für Gai-sensei. Während ich zuhörte musste ich lächeln. Das alles erinnerte mich so sehr an früher. Wir wurden zwar auch jetzt noch ab und zu zusammen auf Missionen geschickt, aber es kam auch oft vor, dass wir getrennt waren. Trotzdem verband uns etwas. Ich fing Tentens Blick auf und sie lächelte ebenfalls.
„So Leute, ich muss jetzt los.“ Lee war mit seiner Geschichte fertig. „Gai-sensei und ich haben uns noch zu einem Wettrennen verabredet und diesmal werde ich gewinnen!“ Er hob die Hand zum Gruß und sprang auf den Erdboden. „Bis dann!“
Jetzt waren nur noch Tenten und ich da.
„Du machst dir doch keine Vorwürfe mehr wegen der Mission, oder?“, fragte sie. Ihre braunen Augen wichen für keinen Moment von meinem Gesicht, so als wollte sie darin lesen. Und sie war tatsächlich auch einer der Menschen, denen das am Besten gelang.
„Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte ich. „Das weiß ich und daran wird sich nichts ändern. Ohne Kakashi, Naruto und Sakura hätte ich Hinata nicht befreien können.“
„Wer weiß das schon?“, fragte Tenten. „Du hättest immer noch Kiba und mich gehabt.“
„Ich weiß. Aber ich hätte nicht mehr kämpfen können.“ Mein Geständnis erstaunte sie. Normalerweise gab ich nicht so einfach zu, wenn ich am Ende war. Aber welcher Ninja tat das schon?
„Du hättest es geschafft“, meinte sie zuversichtlich. „Ich weiß es. Ich habe das immer gewusst.“
„Danke“, sagte ich. Wir schwiegen. Ich beobachtete sie, während sie ihre Beine baumeln ließ, einen Vogel beobachtete der, von irgendetwas erschreckt, aufflog und sich in die Wipfel der Bäume erhob.
Mein Blick folgte ihm, genau wie ihrer und gemeinsam sahen wir zu wie er höher und höher stieg, sich dunkel vom Blau des Himmels abhob und schließlich aus unserem Sichtfeld verschwand.

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Benikos Schwester ist natürlich Karin von Sasukes Team Taka... Beniko ist allerdings frei erfunden.

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