Reparations

GeschichteDrama / P18 Slash
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
01.05.2010
25.09.2010
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Reparations

Autor: Sara's Girl
Link: http://www.fanfiction.net/u/1550773/Saras_Girl

Übersetzer: James-Black

Genre: Drama/ Romance,
Warnung: Pre-Slash / Slash, Lemon (zum Ende hin)
Pairing: Draco/Harry

Disclaimer: Harry Potter gehört JKR. Die Fanfiktion und Original Charaktere Sara's Girl. Ich übersetze nur.

Ü/N: Sorry, dass es ein bisschen später geworden ist, und die meisten von euch dieses  Kapitel daher erst Sonntag lesen können.

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Kapitel 2

"…und kommt bitte nicht wieder!", lachte Harry und schüttelte dem letzten der genesenen Auroren die Hand, als diese sich bereit machten, dass Hospital zu verlassen.

"Nein, nicht so schnell, hoffe ich!", antwortete der, trat in die grünen Flammen und verschwand.

Es war eine lange Woche gewesen. Die Patienten, drei junge Männer, die er vage aus Hogwarts kannte, waren gutgelaunt, stoisch und gelassen; doch ständig an Tremellens Seite zu arbeiten, hatte Harry den letzten Nerv gekostet. Der Mann war brilliant, das konnte er nicht leugnen. Aber er war unerträglich.

Auf der anderen, positiveren Seite, hatte er so hart gearbeitet, dass in seinem Kopf kaum Platz für Malfoy gewesen war, was nur gut sein konnte. Harry hatte ihn weitere zweimal in der Kantine gesehen. Jedes Mal Kaffee kaufend, in eleganten Mugglesachen gekleidet und in denselben Teil des Hospitals zurückkehrend, in den Harry ihm beim ersten Mal gefolgt war.

Hermine hatte wahrscheinlich Recht, natürlich. Es hatte ihn nicht zu kümmern, ob Malfoy geschafft hatte von Crack, Feuerwhiskey oder Sahnetorte abhängig zu werden. Sein Interesse war nur… eine zwanghafte Gewohnheit, das war alles.

"Du hast ihn nicht getötet.", bemerkte Cecile hinter Harry. Sie klang beeindruckt.

"Den Patienten? Ich hatte gehofft, dass du ein wenig mehr Vertrauen in mich hast.", rügte er sie, als er sich zu ihr umgedreht hatte.

"Tremellen.", flüsterte sie und beschwor mit ihrem Zauberstab einen gold schimmernden Stern herauf, den sie auf ihn abfeuerte. "Du Idiot."

Harry steckte ihr die Zunge raus und ließ den Stern mit einem Wink seines eigenen Zauberstabes verschwinden, bevor dieser ihn treffen konnte. "Er kann es nicht leiden, wenn man ihm widerspricht.", sagte er. "Ich würde behaupten, er ist seit dieser Woche nicht mehr mein größter Fan."

Cecile zog zweifelnd eine Augenbraue hoch, bevor sich ihre Mundwinkel langsam zu einem Lächeln hoben. "Ich schätze, das werden wir gleich herausfinden."

"Wieso?"

Ihrem Blick folgend, fielen Harrys Augen auf einen selbstzufrieden blickenden Tremellen, welcher gerade um die Ecke kam und ein zusammengerolltes Pergament in der Hand hielt.

"Unsere erste Arbeitsplatzrotation.", informierte ihn eine leise Frauenstimme an Harrys anderer Seite. Eine weitere Auszubildende namens Lisa Irgendwas. Harry drehte sich kurz zu ihr um, bevor ihre heftige Errötung ihn daran erinnerte, dass sie eine derjenigen war, die seine Gegenwart über-einschüchterte.

"Guten Tag, Küken.", sprach Tremellen laut.

"Meine Güte, dieser Mann hört sich gerne selber sprechen.", meckerte Terry, welcher aus dem Nirgendwo an Harrys Ellbogen aufgetaucht war.

Harry schnaubte. Cecile trat ihm auf den Fuß.

"Auf exakt diesem Pergament stehen eure Abteilungen für den nächsten Monat. Ich brauche euch nicht zu erzählen, wie wichtig diese Rotationen sind, und dass ihr soviel wie möglich lernen und mitnehmen sollt von den speziell ausgebildeten Heilern und…", er unterbrach sich kurz und verzog abgewidert die Nase, "anderen… hilfreichen Mitgliedern unseres Team hier in St Mungo's."

"Aufgeblasener Wichtigtuer.", murmelte Cecile.

"Gibt es ein Problem, Heilerin Mackenzie?"

"Nein, gar keins, Heiler Tremellen.", antwortete Cecile und setzte ein Lächeln auf.

"Gut. Ihr solltet alle wissen, dass diese Zuweisungen nicht per Zufall entschieden wurden. Ich habe gründlich überlegt, um euch der Abteilung zuzuweisen, die euren… Fähigkeiten und Stärken zustehen. Ihr werdet Montag beginnen.", endete er.

Mit einen theatralischem Wink seines Zauberstabs ließ Tremellen das Pergament sich selbst entrollen und an die nächste Wand kleben. Für einen Sekundenbruchteil stand die Gruppe bewegungslos da, bevor die acht Lehrlinge explosionsartig auf das Stück Papier zuliefen, aufgeregt durcheinander redend.

"Umkehr Schwarzmagischer Flüche, Umkehr Schwarzmagischer Flüche, Umkehr Schwarzmagischer Flüche.", betete Cecile leise vor sich hin, duckte sich unter Harrys Arm weg und drängelte sich durch die Masse nach vorne. Ihr freudiger Aufschrei wenige Sekunden später, zauberte ein Lächeln auf Harrys Gesicht.

Nach der letzten Woche, war es eine Erleichterung für ihn, nicht die begehrteste Stelle bekommen zu haben. Es war ihm egal, wo er die nächsten vier Wochen arbeiten würde. Es gab mehr Abteilungen als er aufzählen konnte, und jede kam sicher mit ihren eigenen, spezifischen Aufgaben. Als die Gruppe sich lichtete, ging Harry auf die Liste zu und bemerkte Tremellens Blick. Triumph lag in den dunklen Augen des älteren Mannes und Harry runzelte die Stirn.

Wandte sich um.

Suchte auf der Liste nach seinem Namen.

Heiler H. Potter – Abteilung für magische und chemische Abhängigkeit. 5. Stock

Vorgesetzte: Heiler A. Redrow und Mr D. Malfoy.

Harry kniff die Augen zusammen. Hoffte, entgegen aller Hoffnungen, dass er halluzinierte. Doch als er seine Augen wieder öffnete, standen die Worte klar und deutlich auf dem Pergament. Während er darauf starrte, rankte sich ein kaltes, schleimiges Gefühl unter seinen Rippen hervor, durch seinen Körper und verankerte ihn am Boden. Natürlich. Es war so verdammt offensichtlich, auch wenn es überhaupt keinen Sinn ergab.

Dieser Mistkerl war kein Patient, aber arbeitete hier.

"Das muss ein Scherz sein.", murmelte er verzweifelt und rieb sich mit einer bleiernen Hand über das Gesicht.

"Viel Glück damit, Kumpel", flüsterte Cecile halb-mitleidig, halb-entsetzt.

In der darauf folgenden Stille hörte Harry Tremellens amüsiertes Ausatmen und wirbelte zu ihm herum. Es brauchte nur einen Blick in das Gesicht des Mannes, um Harry klar zu machen, dass die Verteilung in der Tat kein Zufall gewesen war. Der Schnauzbart bebte leicht. Harry war plötzlich speiübel. Er hatte Tremellens Entscheidung angezweifelt und nun musste er dafür bezahlen; davon war er überzeugt.

"Diese Entscheidungen sind nicht anfechtbar, Heiler Potter.", grinste Tremellen.

Harry biss sich auf die Innenseite seiner Wange, und brachte jeden Tropfen Trotz und Standhaftigkeit zusammen, die er brauchte, um seinen Mentor anzulächeln.

"Ich möchte es gar nicht anfechten, Heiler Tremellen.", sagte er monoton, während sich seine Fingernägel in seine Handflächen bohrten. "Ich freue mich sogar drauf."

Es hielt nur einen Sekundenbruchteil an, in welcher die heitere Maske des älteren Mannes von Verwunderung durchbrochen wurde, aber es genügte Harry, und sein Herz raste triumphierend, als das warme Gefühl der Genugtuung seine Venen flutete.

Verärgert schritt Tremellen davon, doch Harry wartete bis dieser außer Sichtweite war, bevor er an der Wand zu Boden rutschte und einen leisen Schreckensschrei entließ. Einen Monat. Mit Malfoy arbeiten. Ein Monat mit Malfoy. Und nicht nur mit Malfoy arbeiten, sondern in jeder Hinsicht für Malfoy.

Verdammt.

"Jesus.", stieß Terry aus. "Was hast du getan, um ihn so zu verärgern? Ein Monat mit Malfoy. Aber besser du, als ich, Kumpel."

Harry seufzte. Er starrte zu den anderen fünf Lehrlingen im Korridor hinüber. Sie redeten, lachten und verglichen ihre Abteilungen, nicht bemerkend, in welcher verfahrenen Situation Harry sich befand.

"Danke für die aufbauenden Worte, Terry.", sagte Harry schwach.

"Sensibel wie immer, Boot.", zog Cecile ihn auf. Sie stieß Harry freundschaftlich mit dem Ellenbogen an. "Es hätte schlimmer kommen können."

Verwundert wandte Harry sich ihr zu. "Wie?!"

"Was weiß ich. Das sagt man halt so.", antwortete sie.

Die Augenbrauen in Gedanken versunken zusammengezogen, zog sie einen Pergamentfetzen aus ihrer Tasche, verwandelte es in eine Papierfledermaus und ließ diese um Harrys Kopf fliegen. Als diese versuchte, sich mit ihren Papierkrallen an Harrys Nase zu klammern, schnaubte er und entließ ein unerwartetes Lachen.

Es war absurd, unwirklich und lächerlich. Die ganze Sache. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, waren er, Terry und Cecile in hysterisches Gelächter ausgebrochen. Sich an der Wand abstützend, wischte sich Cecile die Tränen aus den Augen.

"Es hätten zwei Monate sein können.", sagte sie schließlich. "Das wäre schlimmer."

Sie hatte Recht. Es war nur ein Monat. Dreißig Tage. Wie schlecht konnte es schon werden?

-

"Das ist sehr, sehr schlecht. Sehr, sehr, sehr schlecht.", stöhnte Harry und starrte missmutig in sein Weinglas.

"Das ist es. Sehr schlecht.", stimmte Ron zu.

Innerlich ist Harry beeindruckt, dass er es bis zum Ende seiner Schicht geschafft hatte, bevor der wahre Schrecken von Tremellens Zuteilung bei ihm ankam. Er war sofort in Ron und Hermines Wohnung appariert. Nachdem sie die Neuigkeiten gehört hatten, war Ron sofort losgerannt, um eine Flasche Wein zu holen, während Hermine sofort Harrys Lieblingsplatz auf dem Kaminvorleger frei geräumt hatte, auf dem er bisher immer gesessen hatte. Ihre üblichen Ausgehpläne für den Freitagabend wurden über Bord geworfen.

"Und du kannst wirklich nichts dagegen tun?", fragte Hermine vom Sofa, nun schon zum dritten Mal innerhalb dreißig Minuten.

"Gar nichts." Harry trank einen Schluck Wein. "Einen Monat lang Malfoy. Wir werden uns gegenseitig umbringen."

"Wenn du es gleich am ersten Tag machst, wäre das Problem gelöst.", schlug Ron vor. Harry warf leicht orientierungslos einen niedergeschlagenen Blick in Rons ungefähre Richtung. "Nicht für Späße zu haben? Okay. Ähm, was für ein Arschloch, nicht?", korrigierte er sich.

Hermine zuckte mit den Schultern und schlang ihre Arme um die Knie. "Vielleicht… findest du eine Möglichkeit eure Differenzen aus dem Weg zu schaffen.", schlug sie zweifelnd vor.

"Sehr unwahrscheinlich." Harry blinzelte gegen das Kerzenlicht, hielt sein Weinglas hoch und begutachtete die rote Flüssigkeit darin.

Als das Kaminfeuer plötzlich grün wurde und Ginnys Gesicht darin erschien, zuckten alle zusammen. Ein wenig vom Kamin wegrutschend, leckte sich Harry die verschütteten Tropfen Wein vom Handrücken.

"Guten Abend", sagte sie fröhlich und lächelte einen nach dem anderen an. "Nev musste noch mal ins Büro und ich hab Langeweile. Darf ich durchkommen?"

Harry erwiderte das Lächeln, froh darüber, dass sie nach ihrer katastrophalen Beziehung immer noch Freunde geblieben waren. Zwar nicht gleich danach, aber er vermutete, dass Ginnys glückliche, solide Beziehung mit Neville, welche schon seit drei Jahren anhielt, dafür gesorgt hatte, dass sie ihre Freundschaft leichter wieder aufbauen konnten.

"Natürlich.", antwortete Hermine, und rief ein weiteres Weinglas herbei.

Ginny trat aus dem Kamin, klopfte sich die Asche ab und setzte sich neben Harry auf den Boden.

"Gin, du errätst nie mit wem Harry den nächsten Monat zusammenarbeiten muss.", sagte Ron, ein wenig zu amüsiert für Harrys Geschmack.

"Mit wem?"

"Du sollst raten.", bestand Ron. "Denk an den bösesten Idioten, den du dir vorstellen kannst."

Ginny runzelte die Stirn und zuckte dann mit den Schultern. "Ich kenne keine bösen Idioten, die im… Hospital arbeiten.", endete sie schwach und ihre Augen weiteten sich.

"Es ist Malfoy.", fuhr Harry dazwischen, bevor Ron sich noch mehr im Leid seines besten Freundes suhlen konnte.

"Das ist… schrecklich.", sagte Ginny.

Sie legte den Kopf schief und starrte Harry mit einer nicht zusammenpassenden Mischung aus Mitleid und Furcht an. Bevor er antworten konnte, war sie aufgesprungen.

"Wisst ihr was? Ich muss gehen, mir ist gerade eingefallen, dass ich noch etwas zu tun habe.", murmelte sie und lächelte Hermine entschuldigend an, welche ihr ein volles Weinglas reichen wollte und verblüfft drein schaute.

Als die jüngste Weasley wieder durch die Flammen verschwand, starrte Harry ihr noch einen Moment hinterher, bevor er den Kopf auf seine Handflächen fallen ließ.

"Was zur Hölle war das denn gerade?"

"Das weiß ich nicht.", antwortete Hermine verärgert. Es gab nicht viel, was sie mehr haste, als etwas nicht zu wissen.

"Gib das Harry.", wies Ron an, nahm das Weinglas aus ihrer Hand und reichte es Harry hinüber. "Er braucht das."

"Er wird Hilfe brauchen, wenn du weiterhin Wein in ihn reinschüttest.", schnauzte Hermine.

Harry blickte sie durch seine Finger an und fragte sich, ob sie realisierte, was sie da gerade gesagt hatte.

"Zum Beispiel einen Monat im Entzug?", fragte Ron grinsend. Harry stöhnte innerlich auf und versuchte böse zu schauen, doch er befürchtete, es war mehr eine Grimasse.

Hermine kicherte, dann schlug sie die Hand auf den Mund und errötete leicht. "Tut mir Leid, Harry.", keuchte sie, kein bisschen danach klingend.

"Ihr landet beide in der Hölle.", verkündete er. "Das habt ihr dann davon."

Ein Auge zukneifend, um dem Doppeltsehen entgegen zu wirken, zog Harry seinen Zauberstab aus dem Ärmel und murmelte beinahe lautlos einen Zauber, der Hermines Haare grün werden ließ. Sie bemerkte es nicht.

Es war nur Malfoy, belehrte er sich schläfrig. Harry lehnte sich zurück auf seine Ellenbogen, die plüschigen Fäden des Teppichs kitzelten seine Unterarme. Die Wärme des offenen Feuers war gemütlich und ermüdend. Keine zehn Minuten später war er eingeschlafen.

-

Es war drei Minuten nach neun am Montagmorgen und Harry stand wie festgefroren vor der Doppeltür, die in die Abteilung für Magische und Chemische Abhängigkeit führte. Er hatte keine Angst, das war sicher. Bestimmt nicht. Es war nur… Harry seufzte und biss sich auf die Unterlippe. Das konnte einfach nicht gut ausgehen.

"Heiler Potter?"

Als er die zögerliche, männliche Stimme hörte, drehte Harry sich um und sah einen gutaussehenden jungen Mann in hellblauer Pflegeruniform.

"Die Schutzschirme sind angepasst worden, um Sie durchzulassen.", fuhr er fort und deutete auf die Tür. "Also müssen Sie nur…", er zuckte mit den Schultern, zog seinen Zauberstab hervor und machte eine simple Handbewegung.

Harry fühlte, wie der magische Schutz nachgab und er drückte die Tür auf.

"Danke."

Der Pfleger lächelte und, zu Harrys Überraschung, folgte er ihm durch den weiten, luftigen Korridor. Als sie eine weitere Tür erreichten, blickte Harry durch die Glaseinsätze und atmete tief ein.

Er zählte fünfzehn Hexen und Zauberer, welche auf im Kreis angeordneten Stühlen saßen. Manche trugen Umhänge, andere Jeans und T-Shirts. Für einen Moment ruhten seine Augen auf einem ausgezehrten Mann in viel zu großer Kleidung, der gerade stark gestikulierend sprach und die Anwesenden inbrünstig ansah – durch die geschlossene Tür waren seine Wörter nicht hörbar, obwohl Harry sicher war, dass sie laut und leidenschaftlich gesprochen wurden. Von den geringschätzigen Blicken der anderen ableitend, machte sich der Sprecher scheinbar nicht gerade beliebt.

Schließlich war es unvermeidlich, und Harry erlaubte es seinen Augen, Malfoy anzublicken. Dieser saß im Schneidersitz auf seinem Stuhl und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Zu Harrys Erstaunen schien er entspannt und souverän. Die scharfsinnigen Augen waren gewissenhaft auf den sprechenden Mann gerichtet, doch als sie für einen Moment durch den Raum schweiften, blieb Malfoys kalter Blick an Harry hängen und es war, als ob die dazwischen liegenden Jahre seit ihrer letzten Begegnung wie weggeblasen wären. Die Verachtung, die von den grauen Augen ausging war förmlich greifbar. Harry unterdrückte ein Zittern.

"Ich glaube, ihr kennt euch.", bemerkte der Pfleger an Harrys Seite.

"Könnte man so sagen.", antwortete Harry durch zusammen gebissene Zähne. Das amüsierte Geräusch, dass der andere Mann von sich gab, zwang ihn dazu sich von Malfoy abzuwenden. Er war entsetzt, als er das durchtriebene Lächeln auf den Lippen des Pflegers sah.

"Doch nicht so!", stotterte er und merkte, wie sich sein Gesicht erhitzte. Der Pfleger zog eine Augenbraue hoch. "Wir haben uns während der Schulzeit gehasst, das ist alles."

"Wirklich.", murmelte der Pfleger und Harry verlagerte nervös das Gewicht von einem Bein aufs andere.

"Ja. Malfoy und ich sind – ", Harry schloss rasch seinen Mund, als die Tür aufschwang.

"Du bist zu spät, Potter."

Er hob herausfordernd eine Augenbraue und sein Mund ist zu einer harten, unnachgiebigen Linie verzogen. Für circa eine halbe Sekunde, dachte Harry darüber nach, ob er darauf bestehen sollte, mit 'Heiler Potter' angesprochen werden zu wollen, um Malfoy erst richtig in Fahrt zu bringen. Doch etwas in Malfoys Gesicht, ließ ihn diesen Plan nochmals überdenken. Gerade rechtzeitig. Hermine wäre stolz auf ihn.

Jedoch würde er sich auch nicht entschuldigen. Obwohl er wirklich zu spät war.

"Hallo, Malfoy.", brachte Harry hervor. Er benötigte jedes bisschen Selbstkontrolle, um diese vier Silben in zivilem Tonfall hervorzubringen.

"Nochmalerweise nennen mich die Lehrlinge 'Mr Malfoy'.", sagte er locker, während sich einer seiner Mundwinkel zu einem Grinsen hob.

Irgendwie schaffte er es, das Wort 'Lehrlinge' wie etwas Schmutziges und Beschämendes klingen zu lassen. Harry atmete langsam und hörbar durch die Nase aus. Er bereute seine Zurückhaltung sofort, doch da war irgendetwas tief in ihm, etwas, dass versuchte an die Oberfläche zu gelangen, dass wollte, dass er sich hier als der Erwachsenere gab.

Es tat weh, doch Harry glaubte, dass ihn die Jahre nach dem Krieg vielleicht ein wenig vernünftiger gemacht haben.

"Du kannst mich nicht einschüchtern, Malfoy." Das Schnauben, das er als Antwort erhielt, sagte genug, doch Harry fuhr fort. "Jedoch habe ich geplant, höflich zu bleiben. Es ist nur ein Monat. Denkst du, du schaffst das?"

Die Augen waren immer noch eisig, doch Malfoy seufzte und strich sich die kunstvoll verstrubbelten Haare aus dem Gesicht.

"Gut."

Er krempelte die Ärmel seines Pullovers bis über die Ellenbogen und Harrys Augen zog es unerbittlich zu dem verblassenden Dunklen Mal, dass Malfoy offensichtlich nicht zu verstecken versuchte. Es war einige Zeit her, dass er eines aus solcher Nähe gesehen hatte, und es schaffte nicht ihm den Schrecken einzujagen, den er vermutet hätte. Doch trotzdem war irgendetwas schockierend daran, wie das Mal die blasse Haut verunstaltete; und es hatte etwas Herausforderndes und Zerbrechliches wie es so gleichgültig enthüllt wurde.

Malfoy verschränkte die Arme vor der Brust und hustete demonstrativ.

"Ich bin hier oben, Potter." Aus seinen Gedanken gerissen, hob Harry ruckartig den Kopf hoch. "Ich kann auch auf Narben starren.", fuhr er fort, starrte auf Harrys Stirn und gab ein theatralisches Seufzen von sich.

"Du hattest ja genug Zeit zum Üben.", murmelte Harry. Seine Scham wandelte sich rasend schnell zu Wut.

"Gibt es etwas, bei dem wir Ihnen helfen können?", fragte Malfoy plötzlich, Harry ignorierend, und wandte sich dem Pfleger zu, den Harry schon längst wieder vergessen hatte. Unerklärlicherweise, besserte sich Harrys Laune ein wenig dadurch, dass Malfoys Ton genauso frostig war, als wenn er zu ihm sprechen würde, vielleicht sogar ein bisschen mehr.

"Ähm, nun, ich…" Der Mann zögerte und schwieg.

"Habe ich auch nicht gedacht. Wohl nur über-eingeschüchtert durch den Mann Der Nicht Sterben Wollte, was?" Er machte eine Pause, und Harry beobachtete die Szene interessiert. Von Harry war der Pfleger sicherlich nicht eingeschüchtert, aber Malfoy verschreckte ihn klar zu Tode. Interessant. "Warum sind Sie immer noch hier? Wenn Sie mir nichts Interessantes zu sagen haben, dann empfehle ich Ihnen dringendst, aus meiner Abteilung zu verschwinden. Sofort."

Harry beobachtete mit offen stehendem Mund, wie der Pfleger fluchend und mit wehendem blauem Umhang floh, und in seiner Eile von Malfoy wegzukommen, beinahe über seine eigenen Füße stolperte. Als Harry sich wieder Malfoy zuwandte, zeigte sich auf den harschen, aristokratischen Gesichtszügen beinahe ein Lächeln. Genauso schnell war es wieder verschwunden, und Harry konnte nicht anders, als sich zu fragen, ob er es sich nicht eingebildet hatte.

"Ich schätze, du kommst besser rein.", seufzte Malfoy und fegte durch die Tür mit den Glasfenstern.

Harry zögerte einen Moment zu lang, und der Trottel ließ die Tür direkt vor seinem Gesicht zufallen.

-

Bis er sein gemurmeltes Fluchen beendet hatte und die Tür aufschob, war Malfoy nirgends zu sehen. Typisch, einfach zu verschwinden und Harry seinem Schicksal zu überlassen. Der große Raum, in dem er nun stand, war beinahe leer; die Gruppe hatte sich Merlin-weiß-wohin verstreut.

Ein kleines, nervös aussehendes Mädchen beobachtete ihn misstrauisch von ihrem Platz auf dem Fensterbrett und Harry schenkte ihr ein kleines Lächeln. Er dachte gerne, dass seine grüne Robe beruhigend wirkte, doch offensichtlich nicht. Die Stille war unheimlich und wurde nur durch seine eigenen Schritte auf dem polierten Boden unterbrochen. Es fühlte sich beinahe falsch an zu rufen.

"Malfoy?"

"Hier rein."

Harry folgte der Stimme zu einer halb offen stehenden Tür, hinter der allen Anscheins nach ein Büro lag. An der Tür war ein Schild angebracht: 'Anklopfen und WARTEN', zur Betonung mehrmals unterstrichen. Er lächelte für sich selbst, drückte – die Anweisung ignorierend – die schwere Tür auf und lehnte sich gegen den Rahmen.

Malfoy sah hinter seinem hübschen Mahagoni Schreibtisch auf. Dass er von Harrys bloßer Anwesenheit genervt war, stand ihm ins Gesicht geschrieben, auch wenn er klar versuchte, es zu verstecken. Harry hatte es schon immer kinderleicht gefunden, Malfoy zu lesen. Ein kontrolliertes Seufzen entlassend, legte dieser seinen Federkiel ab und erhob sich aus seinem Stuhl.

"Ich schätze du willst den großen Rundgang.", sagte er.

"Ist das dein Büro?", fragte Harry stirnrunzelnd.

Malfoy sah sich demonstrativ im Raum um; auf die mit Bücherregalen bestückten Wände und die Kaskaden an Papierkram. "Aber ja, Potter, ich glaube das ist es."

"Wo ist Heiler Redrow?"

Malfoys Lächeln ist beinahe unmerklich, aber düster. "Sie haben es dir unten nicht gesagt, was?"

"Mir was gesagt?", fragte Harry, misstrauisch werdend. "Auf dem Abteilungspergament stand, ich würde unter einem Heiler Redrow arbeiten."

"Im Prinzip schon." Malfoy zuckte mit den Schultern. "Aber er kommt nur einmal, höchstens zweimal die Woche vorbei. Die richtige Arbeit wird von meiner Wenigkeit, ein paar Krankenschwestern und Pflegern, und ein paar Ehrenamtlichen erledigt."

"Ganz toll.", wisperte Harry. Er wusste nicht, warum er überrascht war.

"Die Tour also?", bot Malfoy an, und er nickte schweigend.

Während sie den Flur entlang liefen, starrte Harry auf den platinblonden Hinterkopf. Sein Kopf war voller Frage. Es ergab keinen Sinn, dass jemand wie Malfoy solch einen Job hatte; einen, der sicherlich einen gewissen Grad an Respekt, Akzeptanz und Einfühlungsvermögen erforderte.

Und nicht nur das. Der Mann schien mit einer erschreckenden Leichtigkeit zwischen Verärgerung, Geringschätzung und Amüsement zu wechseln. Wenn Harry ehrlich war, dann war es nervtötend, aber er würde das Malfoy ganz sicher nicht wissen lassen.

"Das ist der Gemeinschaftsraum.", sagte Malfoy, öffnete eine Tür und winkte den darin sitzenden Leuten nachlässig zu. Es war ein weiterer größerer, gemütlich eingerichteter, wenn auch institutionsmäßiger Raum. Harry erkannte einige Gesichter aus der früheren Gruppe wieder und einige unterbrachen ihre Tätigkeiten, um ihn offen anzustarren.

"Starren sie immer so?", murmelte er hauptsächlich zu sich selbst.

"Du bist eine Berühmtheit, Potter.", antwortete Malfoy, und Harry verdrehte die Augen. "Weiter geht's…"

Die Abteilung war um einiges größer, als sie von Außen aussah; sie nahm mindestens die Hälfte des fünften Stockes ein, überlegte Harry. Malfoy zeigte ihm unterschiedliche Lagerräume, Therapiezimmer und schlichte, sterile Stationen. Die meisten von ihnen waren an diesem Morgen leer, aber für die Patienten von, wie Malfoy sie nannte, 'Phase Eins' vorgesehen. Die meisten von ihnen schliefen gerade in einem stark geschützten Raum, getrennt vom Rest.

Harry verblieb an der Tür und starrte hinein. "Sie sehen aus, als hätten sie schmerzen.", beobachtete er.

"Manche von Ihnen ja.", sagte Malfoy. "Die Effekte der Entgiftungstränke sind… unangenehm, gelinde gesagt."

Harry zuckte. "Gibt es keine andere Möglichkeit, um…"

"Typisch Potter, immer versucht alles zu verbessern.", unterbrach Malfoy ihn, plötzlich einen verachtenden Tonfall anschlagend.

"Ich habe es ja nur gesagt.", seufzte Harry. "Vergiss es, Malfoy."

Er drehte sich zu ihm und blickte fest in die zusammengezogenen, grauen Augen, entschlossen nicht als erstes wegzuschauen. Malfoys Nasenflügel bebten leicht, wie bei einem wütenden Pferd, und Harry musste ein Lächeln unterdrücken. Der Teil von ihm, der immer noch sechzehn war, begann das Duell mehr zu genießen, als er vielleicht sollte.

"Eine Woche hier drin, und drei Wochen hier draußen.", fuhr Malfoy fort und deutete zurück in den Hauptraum. "Routine. Regeln. Ehrlichkeit. Herausforderung. Akzeptanz." Er zählte jedes Wort an seinen langen, eleganten Fingern ab. "Klar?"

"Kristallklar.", murmelte Harry, auch wenn es das nicht war.

Er war sich sicher, es gab genug Möglichkeiten herauszufinden, wie hier alles ablief, ohne Malfoy zu fragen. Auf seine Antwort hin, blitzte Enttäuschung in den Augen des Blonden auf. Harry grinste und verlieh sich einen mentalen Punkt.

-

"Und du erwartest wirklich, dass ich hier sitze und deinen Papierkram erledige für den Rest des Monats?", wollte Harry wissen.

Er schob die Brille höher auf seine Nase und starrte Malfoy böse an, welcher auf seinem Stuhl saß und die Beine auf den Schreibtisch gelegt hatte, genau auf einem Aktenstapel. Es war später Nachmittag und er hatte immer noch keine Pause gehabt, oder auch nur Zeit mit den eigentlichen Patienten verbracht. Malfoy schien sich immens zu amüsieren; dieser verdammte Sadist.

"Nein.", sagte er. "Sobald ich sicher bin, dass du weißt was du tust, erwarte ich, dass du dich dort draußen hinsetzt und es machst. Dieses Büro ist nicht groß genug für zwei. Wo wir schon dabei sind, seit wann nimmst du soviel Platz weg?"

"Fick dich, Malfoy.", grummelte Harry, und sah rechtzeitig auf, um zu bemerken, wie die eisigen Augen spekulativ seinen Körper begutachteten.

"So spricht man nicht mit seinen Boss."

"Du bist NICHT mein Boss, du aufgeblasenes Arschloch.", erwiderte Harry hitzig. Er starrte auf die schimmernde, schwarze Feder von Malfoys Kiel und versuchte die Frustration in seinem Magen zu beruhigen. Obwohl er es wirklich versuchte, schaffte er es nicht; dieser Raum war zu klein und zu heiß und zu voll von Malfoy.

"Glaube was du willst, aber ich werde derjenige sein, der am Ende deine Beurteilung schreiben wird." Malfoy inspizierte sorglos seine Fingernägel und verschränkte dann die Arme hinter seinem Kopf.

Das Dunkle Mal schien abermals bedrohlich zu schimmern und Harry wandte den Blick ab. Er atmete aus.

"Geht das mit Magie nicht schneller?", fragte Harry schließlich, sich um einen zivileren Ton bemühend.

"Schneller ist nicht immer besser, Potter."

"Gehört Arroganz zu deiner Stellenbeschreibung?"

Malfoy ignorierte ihn und blickte an die Decke. Harry wartete eine lange Minute, dann zog er seinen Zauberstab, richtete ihn auf das Pergament und öffnete den Mund, um einen simplen Verdopplungszauber anzuwenden.

"Steck deinen Stab weg.", seufzte Malfoy, stellte die Füße zurück auf den Boden und faltete die Arme auf dem Tisch. "Mein Anliegen ist, dass ich das hier viel länger tue als du, und der Zweck dieser Rotationen ist es, arroganten, besserwisserischen, Heilerlehrlingen beizubringen, dass Magie nicht die Antwort auf alles ist."

"Das sind ja ganz neue Töne.", murmelte Harry, senkte jedoch seinen Zauberstab.

Malfoy zog lediglich eine Augenbraue hoch. Aus irgendeinem Grund rückte ein unbewusster Gedanke, der den ganzen Nachmittag an ihm genagt hatte, plötzlich in den grauenvollen Mittelpunkt. Er hatte Malfoy den ganzen Tag lang nicht ein einziges Mal seinen Zauberstab benutzen gesehen. Um Diskretion bemüht, blickte sich Harry nun danach um. Er war weder in seiner Tasche, noch auf seinem Schreibtisch, ebenso trug Malfoy keinen Hospitalüblichen Handgelenk- oder Gürtelhalfter.

Ihm wurde gesagt, dass die Auroren den Weißdornholz-Zauberstab auf seine Anweisung hin Malfoy zurückgeben würden nach dem Finalen Kampf. Ihm wurde kalt und er schluckte hart. Er wusste, dass die Stäbe mancher ehemaliger Todesser nach den Verhandlungen zerbrochen wurden, aber er hätte nie gedacht, dass auch Malfoys… oh, verdammt. Er war ein Arschloch, aber selbst er verdiente das nicht, jedoch würde es eine Menge über seine aktuelle Position erklären.

"Was ist los, Potter?", unterbrach die trockene Stimme seine Gedanken. "Du bist außerordentlich grün im Gesicht."

Harry zögerte. Er bemerkte die unverhohlene Neugier des Mannes. "Es ist… nicht… ich habe nur… Ich habe nicht bemerkt, dass sie deinen Stab genommen haben."

"Wer ist sie?"

"Das Ministerium. Ich… verdammt, dass ist schrecklich, Malfoy." Er stolperte über seine eigenen Worte, bemerkend, dass dies wohl das erste Mal war, dass er Mitleid mit Malfoy hatte.

Malfoy starrte ihn für ein oder zwei Momente an. Dann verstand er und lachte kurz auf.

"Mach dich nicht lächerlich. Er ist in der Schreibtischschublade.", sagte er und warf Harry einen vernichtenden Blick zu.

"Oh.", sagte Harry schließlich. Seine Dummheit innerlich selbst verfluchend, konnte er nur hoffen, dass die Hitze, die in ihm aufstieg, nicht sichtbar war.

Er ließ die Augen zurück auf das Pergament sinken, aber er kann Malfoys selbstgefälligen Blick auf ihn brennen spüren. Für einige, lange Minuten war im Raum nur das Kratzen der Feder zu hören, als Harry sich kommentarlos wieder der Schreibarbeit widmete. Er wusste, dass er kein Idiot war, aber so langsam verstand er, warum Malfoy dachte, er wäre einer. Es war nicht Harrys Schuld; dieser Mann schien es einfach aus ihm herauszubringen.

"Sie geben ihre Zauberstäbe ab, während sie hier bleiben.", sagte Malfoy ungefragt und brach damit die Stille. "Ich benutze meinen auch nicht, während ich hier bin, außer es ist dringend notwendig."

"Das ist surreal.", sagte Harry, ohne aufzublicken.

"Was auch immer, auf jeden Fall wirst du deinen Stab ab morgen auch hier drin lassen.", informierte ihn Malfoy.

Das war keine Bitte. Harry sträubte sich.

"Lässt du mich also was Nützliches machen?", fragte Harry gespielt überrascht. "Will ja nicht, dass du dich selbst verletzt.", fügte er lautlos hinzu.

"Man kann nie wissen, Potter." Amüsierte, graue Augen blickten zur Uhr und Malfoy gähnte, während er sich luxuriös auf seinem Stuhl streckte. Die Bewegung war bezeichnend anmutig, und Harry konnte nicht anders, als zuzuschauen. "Geh nach Hause, Potter."

Als er die Worte vernahm, atmete Harry erleichtert aus. Innerhalb von Sekunden war er aufgestanden und hatte die Tür aufgezogen. Er hatte den Tag überstanden, das war die Hauptsache. Einer geschafft, noch neunundzwanzig übrig.

"Ähm… muss ich etwas beachten, wenn ich die Station verlasse?", fragte er und blieb auf der Türschwelle zu Malfoys Büro stehen.

"Nein. Sie hindern das Betreten für Unbefugte, nicht diejenigen die rausgehen.", antwortete Malfoy, während er den Pergamentstapel, den Harry bearbeitet hatte zu sich zog, und mit einem kritischen Auge überprüfte.

"Das heißt, die Patienten können einfach gehen?", fragte Harry ungläubig.

"Ja, Potter. Alles hier ist freiwillig. Niemand zwingt sie, hier zu sein, daher können sie gehen, wenn sie möchten. Das ist nicht Askaban."

Ein einfaches Ja hätte auch gereicht, du Idiot, dachte Harry und ergriff die Türklinke. Das Metall war angenehm kalt gegen seine erhitzte Haut.

"Warum tust du das hier, Malfoy?"

"Es ist mein Job.", sagte er monoton, aber ein warnender Unterton lag darin.

"Du weißt, was ich meine.", bestand Harry, auch wenn er nicht wusste, warum er auf die Antwort drängte. Vielleicht hatte Hermine Recht, und er mochte es wirklich, den Zerstörungsknopf zu drücken, nur um zu sehen was passieren würde.

Malfoy stieß sich von seinem Schreibtisch ab und spießte Harry mit einem stählernen Blick auf. "Ich denke, das geht dich gar nichts an, Heiler Potter.", spie er, die simple Anrede mit einer gefährlichen Menge Gift versehend.

Harry seufzte und ließ die Türklinge los. Er lief durch den leeren Aufenthaltsraum auf den Ausgang zu, als Malfoy im hinterher rief:

"Komm nicht zu spät!"

"Komm nicht zu spät.", äffte er nach und wandte einen Tempus-Zauber an, nachdem sie Doppeltür hinter ihm zugefallen war. Es war früher, als er erwartete hatte, und das darauf folgende Knurren seines Magen ließ ihn in Richtung Kantine laufen. Vielleicht war noch ein bisschen Kuchen übrig.

-

Sein Herz raste ohne ersichtlichen Grund, als Harry ins Erdgeschoss apparierte und direkt auf die Kantine zuging.

Er hatte sich ein extra großes Stück Apfelkuchen gesichert, indem er schamlos mit der Bedienungshexe, welche Mitte 40 war, geflirtet hatte. Harry suchte im Raum nach bekannten Gesichtern. Er erblickte Krankenschwester Midgen auf den Ausgang zulaufen und bemerkte, dass sie ihn nicht nur die letzten Tage gemieden hatte, sondern dass er sich nun auch den Grund dafür denken konnte.

Kuchen oder kein Kuchen, nach einem ganzen Tag mit Malfoy war er nicht in der Stimmung, die Sache fallen zu lassen.

"Schwester Midgen!", schrie er, dafür sorgend, dass ihn die halbe Kantine anstarrte. "Eloise! Hey!"

Die kleine Hexe hielt an und wandte sich geschlagen um.

"Hast du eine Minute?", fragte er, nun wieder in normaler Lautstärke.

Sie nickte langsam, und ging wieder zurück in die Kantine. Harry saß am nahesten Tisch und leckte sich die Zuckerglasur von den Fingern und die kleinen Kristalle auf seiner Zunge schmolzen, während er wartete, bis Eloise sich zu ihm gesetzt hatte. Der kleine Zuckerrausch setzte sofort ein, und er beschloss morgen zu Mittag zu essen, egal was Malfoy dazu sagen würde.

"Alles in Ordnung, Harry?", fragte sie beinahe flüsternd und knetete nervös ihre Hände.

"Wie lange arbeitest du hier schon?"

"Seit fast fünf Jahren, warum?" Eloise sah ihn nervös an, doch Harry hatte keine Absicht sie zu beruhigen.

"Dann musst du gewusst haben, dass Malfoy hier arbeitet. Warum zur Hölle hast du es mir nicht gesagt?", verlangte Harry. Er wusste, dass er kindisch klang, doch es war ihm egal.

Die Krankenschwester blinzelte. Ihre volle Unterlippe verzog sich zu einem verwirrten Ausdruck.

"Natürlich wusste ich das. Ich habe angenommen, dass du es auch weißt.", erklärte sie. "Ich dachte eigentlich, dass Ginny es dir gesagt haben würde."

Erschrocken stach Harry sich versehentlich mit den Zinken seiner eigenen Gabel selbst in die Hand. Er starrte Eloise an.

"Ginny Weasley?"

Sie nickte, und sah ihn nun bestürzt an. "Ihr seid doch noch Freunde, oder? Ich weiß, dass ihr euch nach der Schule getrennt habt, aber…" Eloise biss sich auf die Lippe und fummelte am Ärmel ihres Umhangs.

"Sind wir, aber… das ergibt keine Sinn, Eloise.", beschwerte sich Harry.

Er umschloss seine Gabel härter, während sein Unterbewusstsein ihn hilfreich mit einem entsetzlichen Bild nach dem nächsten belieferte; Ginny und Malfoy in etlichen eindeutigen Positionen. Der Gedanke daran schlug ihm auf den Magen, und er hatte gedacht, dass er für Ginny in diese Richtung gar nichts mehr empfand. Vielleicht war es der Fakt, dass sie Neville betrog, oder es lag an Malfoy, denn das war einfach ekelhaft.

"Was hat Ginny mit Malfoy zu tun?", fragte er schlagartig.

"Ich dachte, sie… nun sie… sie sind Freunde.", gab sie schließlich zu. "Sie… essen manchmal zusammen Mittag." Sie verstummte, und ihre Wangen färbten sich rot. "Geheime Mittagessen… oh, scheiße."

Eloise versteckte ihr Gesicht mit beiden Händen und stöhnte laut.

"Nur Freunde?", fragte er. Er musste es wissen, auch wenn die Idee von Ginny und Malfoy als Busenfreunde nicht viel angenehmer war, als die Vorstellung, sie wären Geliebte. Ürks. Jedoch schien Ginnys schneller Abgang den einen Abend, nun mehr Sinn zu ergeben.

"Natürlich.", antwortete Eloise und legte ihre Hände auf den Tisch, während sie Harry empört anblickte. "Ginny hat einen festen Freund, und Draco ist…" Sie zuckte mit den Schultern.

"Er ist was?"

"Er ist nicht so drauf.", sagte sie, nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte.  

"Ja klar, er ist total ehrenhaft.", murmelte Harry düster in seinen Apfelkuchen. "Und du bist dir da ganz sicher?"

"Absolut.", versicherte sie, bekräftigend nickend. "Krankenschwestern machen es sich zur Aufgabe, alles zu wissen, was hier vor sich geht."

"Da wette ich drauf."

Lächelnd, brach sich Eloise ein Stück Kruste von Harrys Kuchen ab. Harry öffnete gerade den Mund, um sie zurechtzuweisen, aber eine bekannte Stimme mischte sich ein und nahm ihm diese Arbeit ab.

"Das würde ich nicht machen, wenn ich du wäre.", sagte Cecile in Singsangstimme. Sie ließ sich auf den Stuhl neben Harry fallen und grinste. Harry kann die Aufregung und Zufriedenheit beinahe von ihr abstrahlen fühlen. Er vermutete, - und das nicht ohne Neid – dass ihr erster Tag der Rotation gut verlaufen war.

Eloise warf ihnen einen seltsamen Blick zu und flüchtete dann.

"Hegst du irgendwelche warmen, flauschigen Gefühle für Draco Scheiß-Malfoy, Cecile?"

Sie lachte. "Nicht unbedingt. Ich war vier Jahrgangstufen über ihm – über euch beiden – in der Schule. Und seitdem, lass mich nachdenken… Ex-Todesser. Wichtigtuer. Dauerhaft miesepetriger Idiot. Nein, nicht wirklich." Sie schwieg kurz und stieß Harry dann mit einer knochigen Schulter an. "Er ist jedoch ein gutausehender Idiot, meinst du nicht?"

"Cecile", stöhnte er. "Nein, denk ich verdammt noch mal nicht. Ich gehe nach Hause. Je eher der 'Alle lieben Draco Malfoy' Tag vorbei ist, desto besser."

"Isst du den noch?", fragte sie und deutete auf Harrys kaum angerührtes Stück Kuchen.

"Ja, tu ich.", sagte er bockig, nahm das ganze Stück und stopfte es sich schneller in den Mund als ratsam wäre.

"Tschüss, Harry.", sagte Cecile ohne zu blinzeln. Er hatte den leisen Verdacht, dass sie sehr stark versucht, ihn nicht auszulachen.

Immer noch eine seltsam prickelnde Anspannung verspürend, rannte Harry sofort auf den Kamin zu, sobald seine Füße den Teppich im Grimmauld Platz berührten.

Er rief per Flohpulver im Fuchsbau an und unterzog sich ein paar qualvolle Minuten lang den üblichen Fragen von Mrs Weasley, bevor er die Geduld verlor.

"Es tut mir Leid, Molly, aber wo ist Ginny? Ich muss mir ihr reden. Dringend."

Sie ist mit Neville ausgegangen, mein Lieber. Kann ich dir vielleicht helfen?", bot sie an. Harry verzog das Gesicht.

"Das bezweifle ich. Entschuldige die Störung.", sagte er und zog den Kopf aus den Flammen.

Was soll's, dachte er, zog sich den schweren, grünen Umhang aus und ließ sich auf sein Sofa fallen. Wenn er die Antworten nicht von Ginny bekam, würde er sie morgen halt aus Malfoy herausquetschen.

TBC

Wer ist überrascht, dass Draco kein Patient ist, sondern dort arbeitet? Gibt es jemanden, der damit gerechnet hat?

Das nächste Kapitel gibt es nächsten Samstag.
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