Sweeney Todd - Buch zum Film & Fortsetzung (Anderes Ende + mehr )

GeschichteThriller / P16
Anthony Benjamin Barker Johanna Barker Lucy Barker Mrs. Lovett
30.04.2010
25.10.2010
33
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Kapitel  1.
Lucy.
Unwillkürlich stellte ich mir meine Frau vor, ihre blonden Haare sanft über das Kissen verteilt, auf dem Gesicht ein wunderschöner, friedlicher Ausdruck. Ihr leises, zufriedenes Atmen erfüllte die Luft. Doch es wurde unruhiger, stockte, und schon bald schlug sie die Augen auf. „Benjamin.“ Hauchte sie erfreut und überrascht zugleich, streckte ihre zierliche, sanfte Hand zu mir hinüber. „Du bist zurück gekehrt.“ Flüsterte sie und berührte fast meine Wange.  STOPP! Genug.
Johanna.
Wunderschön, blass, wie ihre Mutter, mit blondem Haar, saß sie dort, an ihrem Fenster und hielt eine Spieluhr in ihren Händen.  Klare, mysteriöse Töne gab sie von sich, und meine kleine Tochter sang dazu.  Ihre dunklen, wundervollen Augen starrten hinaus, betrachteten die Welt hinter ihrem Fenster. Eine kleine Träne rollte über ihre zerbrechliche Wange.  Doch dann, plötzlich drehte sie ihren Kopf in meine Richtung, und in ihr Gesicht malte sich ein Ausdruck der Verzückung.  „Vater?“ flüsterte sie. Sie musste eine Zustimmung erhalten haben, denn sie sprang auf und lief auf mich zu.
Es waren bereits die schwächlichen Umrisse Londons am Horizont zu sehen, als Anthony mich ansprach, und mich brutal aus meiner Illusion riss. Er sprach, doch ich hörte ihn nicht. Unbarmherzig schnitt der kühle Wind in meine Wangen, verstreute jene Wärme, die ich eben noch zu verspüren glaubte. Ich presste die Zähne aufeinander und mein Gesicht vereiste zu einer starren Maske.  Da er wohl bemerkt zu haben schien, dass ich ihm keine Beachtung schenkte, trat er einen Schritt vor und starrte in die Nacht heraus. Eine Weile verharrte er so, bis er schließlich zu singen begann.  „Ich habe die Welt besegelt, ihre Wunder bestaunt. Angefangen bei den Dardanellen bis hin zu den Bergen von Peru. Doch kein Ort gleicht London“ sang er. „Nein, kein Ort gleicht London.“ Stimmte ich zu. „Mr.Todd, Sir?“ wunderte sich Anthony, ich hatte seit Monaten kein Wort gesprochen. „Du bist jung. Das Leben meinte es gut mit dir. Doch du wirst sehen“ begann ich. „Da ist ein Loch, in der Welt, ein großer,  schwarzer Abgrund, und das Gesindel der Welt bewohnt es. Dort herrscht soviel Moral wie in Schweinespucke, und es hört auf den Namen ‚London‘.  An der Spitze des ganzen, herrschen die paar Privilegierten, das Gesindel  verhöhnend , verwandeln Schönheit in Dreck und Gier. Ich habe die Welt auch besegelt, ihre  Wunder gesehen, denn die Grausamkeit der Menschheit, ist so wundersam wie Peru. Doch kein Ort gleicht London.“ Sagte ich, und schein Anthony damit etwas zu denken gegeben zu haben. Er war naiver als ich es je war, und hatte eine falsche Vorstellung von der Welt.  Die Bountyfull legte an, und wir betraten endlich London. Mein Blick schweifte durch die dunklen, verlassenen Straßen Londons, und  geisterhafte Erinnerungen stiegen in mir hoch. „Ist alles in Ordnung, Mr.Todd?“ fragte Anthony, der sich über meine Zerstreutheit wunderte. „Ich bitte um Nachsicht, Anthony.“ Brachte ich hervor, und die Geister lösten sich auf. „Mein Gemüt ist fern von friedlich. In diesen einst vertrauten Straßen spüre ich .. . Schatten, überall.“ Sagte ich. „Schatten?“ fragte Anthony verwundert. „Geister.“ Erklärte ich, womit sie wieder erschienen, und weitaus erschreckender waren als jene zuvor, denn ich sah mich selbst, mit meiner Lucy. Sie schob einen Kinderwagen vor sich her und lächelte vergnügt. Wir spazierten über den belebten Hof und verharrten an einer Säule, geschmückt mit Blumen. „Es gab hier einmal einen Barbier und seine Frau, und sie war wunderschön. Einen törichten Barbier und seine Frau, gab es hier, sie war sein Grund zu leben, und sie war wunderschön. Und sie war tugendhaft. Und er war naiv.“ Sang ich, zerrissen und gefesselt von meiner Erinnerung. Lächelnd pflückte mein Geist eine der Blumen, und zeigte sie meiner Johanna. „Da war noch ein anderer Mann der sah, wie wunderschön sie war. Ein voreingenommener Geier des Gesetzes, welcher mit der Geste einer Klaue, den Barbier aus dem Weg räumte. Dann hieß es nur noch abzuwarten, und sie würde abstürzen, so sanft, so jung, so verloren und, oh so wunderschön wie sie war.“ Zerschlagen senkte ich den Blick, als zwei Polizisten den jungen Barbier überwältigten und meine wunderschöne Lucy verängstigt zurückblieb, und der, ach so mitfühlende, Richter Turpin sich ihr zuwand. „Und die Lady, Sir, verfiel sie ihm?“ „Oh, das ist vor vielen Jahren gewesen. Ich wäre verwundert, wenn das noch jemand wüsste.“ Antwortete ich ihm, und drehte mich mühevoll zu ihm um. „Ich muss dir danken, Anthony. Wenn du mir nicht geholfen hättest, wäre ich jetzt auf der  See verloren.“  „Werden wir uns noch einmal wiedersehen?“ fragte Anthony. „Du kannst mich aufsuchen, wenn dir danach ist. In der Nähe der Fleet Street, würde mich nicht wundern.“ Mit diesen Worten kehrte ich ihm den Rücken und begann die dunkle Gasse entlangzulaufen.  „Es gibt dort ein Loch in der Welt, ein großer, schwarzer Abgrund, welches mit Leuten gefüllt ist, die mit Scheiße gefüllt sind, und das Gesindel der Welt bewohnt es.“ Flüsterte ich. Diese Stadt ist Schuld an meinem Leid, und ich kannte keinen Weg es ihr heimzuzahlen. Mit den Leuten in ihr war es nicht anders. Ich ging durch mehrere Gassen, bis sich endlich die Fleet Street vor mir öffnete.  Nur ein paar Leute waren so früh morgens unterwegs, so konnte ich mühelos auf den Fleischpastetenladen  blicken, dort, wo früher mein Barbierladen gewesen war. Es gehörte einer gewissen ‚Mrs.Lovett‘. Das Zimmer darauf, wo meine Lucy und ich gewohnt hatten, sah leer aus. Wie sollte ich rausfinden wo ich meine Frau fand? Vielleicht wusste die Frau in dem Laden ja mehr. Ich trat ein, sie schien mich nicht zu bemerken. Sie war damit beschäftigt eine graue Pampe anzurühren, und ich fragte mich ernsthaft ob das essbar sein sollte, und eine gelbe Masse auszurollen.  Ich wollte kehrtmachen, ich hatte nicht das Gefühl das sie mir weiterhelfen konnte, doch da blickte sie auf und rief erstaunt: „Ein Kunde?“
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