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Versucht

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Mystery / P16 / Gen
29.04.2010
28.04.2011
7
21.765
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
29.04.2010 794
 
Hallo, liebe (potenzielle) Leser!
Ich hoffe, die Geschichte kann euch zufriedenstimmen. Mich jedenfalls hat sie schon jetzt gefesselt, obwohl sie mich vermutlich früher oder später in eine Krise stürzen wird. Ich fürchte, weder den Charakteren, noch der Handlung gerecht werden zu können. Egal, im Moment geht es voran, und ich will euch den Anfang nicht vorenthalten.
Viel Spaß!

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Prolog: Unschuld

Wenn ihr, liebe Leser, glaubt, die reine, wahre Unschuld würde in der heutigen Zeit nicht mehr existieren, gar nicht mehr existieren können, dann lasst euch gesagt sein, dass euch eine große Überraschung bevorsteht. Inmitten all der Sünde, der Niedertracht und der Versuchungen hat die Reinheit sich nämlich eine letzte Bastion bewahrt. Ein junger Mann, gerade zwanzig Jahre alt, unbefangen und naiv, weiß nichts von der Schlechtigkeit der Welt, in der er lebt. Sein Name ist Tim Räncke, und bald schon wird er erfahren, dass es viele, viel zu viele Dinge gibt, von denen er keine Ahnung hat.
Bereits von Kindesbeinen an wurde ihm beigebracht, er solle seinen Mitmenschen gegenüber stets mit Respekt und Freundlichkeit begegnen, da sich ein solches Auftreten gewiss auch für ihn lohne. Er benötige keine zweifelhaften Attribute wie Überzeugungskraft oder Durchsetzungsvermögen, um weit zu kommen. Unschuldig wie er war, stellte er diese Meinung, die ihm von seinen mit milder Strenge liebenden Eltern eingetrichtert wurde, nie infrage. Er war ein braves Kind, widersprach Lehrern oder anderen Erwachsenen nie, legte sich nicht mit älteren Mitschülern an und verprügelte oder verspottete keine jüngeren. Seine Schulzeit absolvierte er mit Fleiß und Pflichtbewusstsein, und auch wenn er nie ein herausragender Schüler war, so schaffte er seinen Abschluss dennoch ohne größere Schwierigkeiten.
Später ließ er sich zum Gärtner und Floristen ausbilden, da er die Natur schon immer bewundert und geschätzt hatte. Regen- oder taunasse Blüten und Blätter verursachen bei ihm auch heute noch Glücksgefühle, die Reinheit der Schöpfung um ihn herum schafft es gelegentlich, ihm Tränen in die Augen zu treiben, und wenn er einfach so dasteht und den schäfchenweißen Wolkenhimmel betrachtet, fühlt er sich mitunter, als könne er die ganze Welt umarmen. Er liebt seine Arbeit, kommt stets pünktlich um acht Uhr morgens und erledigt alle anfallenden Aufgaben sofort, akkurat und ohne Widerrede.
Bei seinen Kollegen ist er beliebt; wenn er auch nicht aller Freund ist, so schätzen sie ihn doch als fleißigen Mitarbeiter, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann. Maßhalten fällt ihm nicht sonderlich schwer; er weiß instinktiv, wann er seine eigenen Ansprüche zurückstellen und andere zum Zug kommen lassen muss. Das Streben nach Höherem ist ihm fremd, ja, er weiß nicht einmal, dass es so etwas wie Egoismus gibt.
Obwohl schon seit gut zwei Jahren volljährig, lebt er noch bei seinen Eltern, zu denen ihn ein ungezwungenes, aber dennoch inniges Verhältnis pflegt. Oft hilft er seiner Mutter bei der Bepflanzung der Blumenbeete oder seinem Vater beim Rasenmähen und Mulchverteilen. Daran, eine eigene Wohnung zu nehmen, eine eigene kleine Familie aufzubauen, verschwendet er keinen Gedanken. Zu Hause ist es am Schönsten für ihn, und auch seine Eltern würden nie auf die Idee kommen, ihn vor die Tür zu setzen. Welchen Grund lieferte er ihnen bisher auch für diesen Entschluss?

Bestimmt sind wir uns einig, Tim Räncke sofort und ohne Umschweife als strahlenden Helden ohne Fehl und Tadel bezeichnen zu können. Er ist der edle Ritter, der im Glanze seiner Unwissenheit und Unschuld golden schimmert. Ein Spiegel jedweder negativer Gefühle, da er sie stets abblockt und nie in sein Inneres lässt.
Gleichzeitig dürfte uns allen aber auch klar sein, dass genau hierbei das Problem des Tim Räncke liegt. Er ist naiv, und ihm ist nicht klar, dass die Welt noch vielerlei grausame Gesichter hat, die ihm bisher bloß glücklicherweise verborgen blieben. Er ist die personifizierte Sündenfreiheit, eine regelrechte Unschuldsallegorie. Welch trauriges Los, denn was ist schon ein Held, der nichts von seiner Glorie weiß, oder schlimmer noch, dem diese Glorie nichts nützt? Verderbtheit lauert schließlich überall, und früher oder später wird er ihr begegnen müssen.

Doch egal, was bereits an negativen Faktoren erwähnt wurde, die die Unschuld für Tim Räncke mit sich bringen mag- bitte, liebe Leser, habt kein Mitleid mit ihm! Er weiß schließlich nicht, was noch alles geschehen wird und was er noch erdulden muss. Zweifelsohne, wenn es dann letztendlich geschehen ist, wird er sich natürlich vergeblich wünschen, es früher erahnt zu haben. Aber noch ist es nicht so weit.
Manchmal, ja manchmal, ist die Unschuld eben doch ein Nachteil oder –schlimmer noch- ein regelrechter Makel.

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So, und jetzt gibt es hier offiziell eine Premiere: Ich werde euch ein Lied empfehlen. Der Text passt zwar nicht hundertprozentig, aber zu einem erschreckend großen Teil, und ich glaube, es gibt einen guten Einblick in die Grundstimmung der Geschichte. Wenn es euch interessiert, könnt ihr es euch ja anhören. :)
http://www.youtube.com/watch?v=N9W27mVXhGk
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