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Freddy vs. Jason: Fullmoon

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Freddy Krueger
27.04.2010
11.07.2010
18
41.804
2
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27.04.2010 7.173
 
Kapitel 1
It's hard to be a werewolf


Hallo, ich bin Serena, achtzehn Jahre alt und Hauptfigur dieser Geschichte.
Mein Leben ist ein einziges Chaos, alles begann damit, dass ich vor genau fünf Jahren von einem Werwolf angefallen wurde. Ihr lest richtig: Einem Werwolf.
Glücklicherweise habe ich den Angriff überlebt. Nicht so toll daran ist, dass ich nun selbst ein Werwolf bin.
An jenem schicksalhaften Tag verlor ich alles. Meine Familie verstieß mich, ebenso wie die Menschen von denen ich glaubte sie seien meine Freunde.
Vor einem Jahr nahm mein Leben erneut eine überraschende Wendung, an dem Tag, als ich das erste Mal Camp Crystal Lake betrat...

Die Sonne schien auf mich herab, sodass das Wasser des Crystal Lake wie tausend Diamanten funkelte.
Ich sog die frische, nach Gras, Wasser und Erde duftende Luft ein und schloss einen Moment die Augen.
Ganz entfernt nahm ich den Geruch verrottender Leichen wahr, denn durch den Biss des Werwolfs hatte ich einen ebenso feinen Geruchssinn wie ein Hund, doch ich hatte wirklich keine Lust, mir über sowas Gedanken zu machen.
Meine Eltern hatten mich ganz alleine hergeschickt. „Damit ich mich erholen konnte“, hatten sie gesagt, doch ich glaubte ihnen kein Wort. Sie wollten mich nur so weit wie es ging von sich weg haben.
Mehr noch, sie wussten von den Morden am Crystal Lake und hofften wahrscheinlich, dass ich ebenfalls dem Mörder zum Opfer fallen würde... Wie lächerlich.
Dies war einer der Momente, in denen ich anfing meine Familie zu hassen.
Mit finsterem Blick ging ich ans Ufer des Sees und betrachtete mein Spiegelbild.
War das Mädchen, das mir da entgegenblickte, eine Bestie? „Nein“ hätte jeder gesagt, der mich nicht kannte.
Aber ich wusste es natürlich besser. Ich war ein Monster. Ein Monster, dass jedes Mal an Vollmond weggesperrt werden musste.
Beinahe hätte ich laut aufgelacht. Ich sah wirklich nicht nach einer Bestie aus. Mein Spiegelbild zeigte ein Mädchen mit grünen Augen und feuerroten Haaren.
Ich sah aus wie jedes andere Mädchen auch. Man konnte keinen Unterschied zu meinen Altersgenossinnen feststellen.
Aber ich war anders. Und das hatte mir schon ziemlich viel Ärger eingebrockt.
Leise seufzend ließ ich mich am Ufer nieder. Immer wenn man mich an Vollmond wegsperrte, musste ich irgendwie meinen Blutdurst stillen... und dies pflegte ich an mir selbst zu tun.
Mein gesamter Körper war schon vernarbt.
Mein Körper regeneriert sich sehr schnell, und zu töten war ich auch nur mit speziellen Waffen.
Offenbar hatten meine Eltern keine Ahnung davon, wieso sonst hatten sie mich in das Revier eines einfachen Mörders geschickt? Ich ging nicht davon aus, dass er rein zufällig eine Waffe aus geweihtem Silber hatte.
Ich beschloss, einen Spaziergang durch den Wald zu machen, um auf andere Gedanken zu kommen.
Der Wald war mein Revier, mein Gebiet. Innerhalb eines Waldes hatte ich als Werwölfin einen Heimvorteil.
Nicht, dass ich erwartete kämpfen zu müssen. Aber sicher ist sicher.

Die Bäume spendeten Schatten, als ich den Trampelpfad entlangschlenderte.
Überall raschelte es von dem Wind, der durch die Blätter fuhr.
Trotzdem lauschte ich angestrengt. Ich wollte auf alles vorbereitet sein.
Als Werwolf in einen Hinterhalt zu geraten wäre einfach zu dämlich gewesen.
Für einen Moment glaubte ich Schritte zu hören.
Ich blieb stehen, jede Sehne meines Körpers zum zerreißen gespannt, und schnupperte.
Der Geruch von Verwesung, von Blut und Wasserpflanzen lag in der Luft.
Trotz des fauligen Gestanks von verrottenden Leichen roch ich auchnoch etwas, das sich schwach als menschlich einordnen ließ...
Nun drang auch das Geräusch von Schritten an meine Ohren. Ich sah mich um. Ich war nicht allein, so viel stand fest.
,,Wer ist da?“, fragte ich laut. Niemand antwortete. Ich trat einige Schritte zurück.
Endlich konnte ich die Quelle der Gerüche orten.
Aus dem dichten Unterholz trat ein Hüne auf mich zu, ein riesiger Kerl, dem ich knapp bis zur Brust reichte. Sein Gesicht war wegen der Hockeymaske, die er trug, nicht zu sehen, aber momentan zog auch eher seine blutverschmierte Machete meine Aufmerksamkeit auf sich.
Der Fremde hielt die Waffe kampfbereit in der rechten Hand, seine braunen Augen sahen mich mit einer Mischung aus Hass und Trauer an.
Der Hass war wohl auf mich bezogen. Die Trauer, so vermutete ich, war wegen etwas anderem.
,,Tag auch“, sagte ich locker, in dem Bewusstsein, dass ich vor ihm nichts zu befürchten hatte.
Mal abgesehen davon dass ich nur mit geweihten Silberwaffen zu töten war, besaß ich auch ausgezeichnete Reflexe, was es ziemlich unwahrscheinlich machte, dass dieser halbe Wandschrank mich traf.
Er sagte nichts, sondern starrte mich nur weiterhin finster an. Ich zog eine Augenbraue hoch. ,,Nimm das Ding da runter, ich mag es nicht wenn man mit Waffen vor meiner Nase rumfuchtelt.“
Er dachte nicht daran. Ganz langsam kam er auf mich zu, die Machete bereit zum Schlag.
Seine Art zu gehen sagte mir „Du kannst weglaufen, aber du kannst dich nicht verstecken!“. Wieso sollte ich? Nun stand er direkt vor mir und hob seine Waffe.
,,Das lässt du schön bleiben.“ Ich bedachte den Fremden mit einem warnenden Blick.
Er ließ sich von meiner Warnung nicht abschrecken, sondern ließ die Machete auf mich niedersausen.
Ich wich aus und knurrte:,,Sehr schlechte Entscheidung, Großer.“
Ich zog mein Taschenmesser. Im Vergleich zu der Machete sah es zwar ziemlich kümmerlich aus, doch es konnte großen Schaden anrichten, wenn man es richtig einsetzte.
Ich stieß die Klinge in seine Schulter, doch es juckte ihn kaum.
Er schlug erneut mit der Machete nach mir, diesmal erwischte er mich sogar.
Eine tiefe Fleischwunde zierte nun meinen linken Arm.
Den Schmerz ignorierend zog ich mein Messer aus seinem Fleisch und versuchte diesmal, sein Herz zu erwischen.
Blut vermischt mit Wasser sprudelte aus der Wunde an seiner Schulter.
,Verdammt', schoss es mir durch den Kopf. ,Der Kerl ist kein Mensch!'
Auch der Treffer ins Herz zeigte keine so große Wirkung.
Ich starrte überrascht auf die Verletzung, aus der auch nur blutiges Wasser schoss. Das ausnutzend rammte er mir die Machete in die Seite.
Ich jaulte auf. Die Schmerzen explodierten, doch es brauchte mehr, um mich in die Knie zu zwingen.
Diesmal zielte ich mich dem Messer auf seinen Hals. Es zeigte ebenso wie meine letzten beiden Treffer so gut wie keine Wirkung...

Es war bereits Abend, und wir kämpften immernoch. Ich verlor viel Blut, doch die ersten Verletzungen waren schon wieder verheilt und nurnoch als blasse Narben zu sehen.
Der Fremde blutete ebenfalls sehr stark.
Eine Weile machten wir so weiter, bis wir beinahe gleichzeitig zu Boden sanken.
,,So geht das nicht weiter“, keuchte ich und versuchte, aufzustehen. ,,Wir könnten uns hier bis zum gehtnichtmehr prügeln, aber das wäre irgendwie sinnlos.“
Der Hüne gab einen zustimmenden Laut von sich. Auch er schien eingesehen zu haben, dass ich keine so leichte Gegnerin war.
Ich ging zu ihm und reichte ihm eine Hand. ,,Ich heiße Serena.“
Er sah mich an und schwieg. Offenbar konnte er nicht reden.  Er ließ sich hochziehen. Das war alles andere als einfach, denn so groß wie er war, so schwer war er auch.
Aber das war sicher kein Fett, sondern alles Muskelmasse.
Er sah mich an und zeigte dann in eine Richtung tiefer im Wald. Offenbar wollte er mir zeigen, wo er wohnte.

Es dauerte nicht lange, da standen wir vor einer kleinen, vermoderten Hütte. Der Fremde ging voraus, ich folgte ihm ins Innere.
Von innen sah das Häuschen ebenso runtergekommen aus wie von außen, doch es hatte was heimeliges.
Auf dem Tisch lag eine Todesanzeige.
Jason Voorhees stand darauf.
,,Jason... Voorhees? Ist das dein Name?“
Der Hüne sah mich an und nickte. So. Er war also untot.
Interessant.
,,Offiziell“, begann ich. ,,bin ich auch tot.“
Sofort waren wieder zwei braune Augen auf mich gerichtet. Ich sah auf und lächelte. ,,Seit ich von einem Werwolf gebissen wurde, glauben alle außer meinen Eltern ich sei tot. Und meine Eltern wollen mich loswerden. Deswegen haben sie mich hergeschickt.
Sie hofften wohl, du würdest mich umbringen.“
Für einen Moment schüttelte Jason sich vor Abscheu. Er schien nicht zu verstehen, wie Eltern ihr Kind einfach verstoßen konnten.
Ich setzte mich an den Tisch und betrachtete meine Hände, genauer gesagt meine Fingernägel, die zu Klauen gewachsen waren.
Es war ein furchterregender Anblick, doch ich hatte mich an die Krallen gewohnt, genau wie ich mich an die Fangzähne gewöhnt hatte.
Es wären Zähne die dazu gewachsen waren, Fleisch, menschliches Fleisch, ohne große Mühe zu zerfetzen.
Aber zu einer richtigen Bestie wurde ich erst bei Vollmond... Dann entblößte ich meine schreckliche Bestiengestalt.
Ich bekam Fell und Pfoten, meine Augen wurden glühend rot und mein Blutdurst unerträglich.
Zum ersten Mal begann ich mir Sorgen zu machen. Was, wenn ich an Vollmond Jason attackieren würde? Das wäre schrecklich.
Er verstand mich. Ich kannte ihn noch nicht lange, doch ich merkte, dass er meinen Schmerz sehr gut nachfühlen konnte.
Ich wollte ihn nicht verletzen. Er war mir wichtig.
Jason setzte sich mir gegenüber und legte seine Hand auf meine.
Meine Hand verschwand in seiner Pranke, und obwohl die Berührung von Grabeskälte durchzogen war, spürte ich Wärme in meinem Herzen aufkommen.
Es war eine vertraute Berührung, erfüllt von gramvollem Verständnis.
Jason wusste natürlich am besten, wie es war, nirgendwo dazu zu gehören.
Ich freute mich, dass er mir gegenüber so verständnisvoll war.
Er hatte die braunen Augen geschlossen. Er schien das Leben, das noch in meinen Adern pulsierte, zu spüren. Leben, das er selbst vor langer Zeit verloren hatte.
Der Ärmste. Er hatte Mitleid verdient.
Es war ein Jammer, dass Menschen wie Jason und ich, die anders waren, einfach ausgestoßen wurden. Die Menschheit war wirklich tief gesunken.
Aber das war schon so seit es die Menschheit gab. Alles, was anders war, war auch gleichzeitig schlecht.
Das zeigt die Hexenverfolgung. Frauen, die nicht in die Norm passten, waren Hexen und mussten vernichtet werden.
Wie erbärmlich.
Nach einer Weile sah Jason wieder auf und blickte mir direkt in die Augen. Darin flackerte eine Mischung aus Trauer und Verständnis. Die Wut war verschwunden.
Natürlich. Jetzt wusste Jason ja auch, dass ich nicht wie die anderen war.
Sanft zog er meine Hände zu sich heran und betrachtete die scharfen Krallen. Ich wandte den Blick ab. ,,Ich habe mich an die Klauen gewöhnt“, sagte ich leise.
Jason legte meine Hände wieder auf den Tisch, ohne sie loszulassen.
Er nickte verstehend.
Für eine Weile schwiegen wir, bis ich plötzlich etwas hörte.
Von ganz weit weg drangen Stimmen und Gelächter an meine Ohren. Auch der Geruch von Menschen lag in der Luft, von schwerem Parfum (ich konnte sogar die Marke einordnen: Black Star von Avril Lavigne) und Deo.
Ich stand auf. ,,Es sind neue Opfer für dich angekommen.“
Jason blickte mich fragend an. Ich zupfte an meinen leicht zugespitzten Ohren und meinte:,, Ich kann besser hören und riechen als jeder Mensch. Ich höre sie lachen und rieche sie auch.
Ich hab halt ebenso feine Sinne wie ein Wolf.“
Der Maskierte stand nun ebenfalls auf und griff nach seiner Machete. Einen Moment sah er mich an als wolle er fragen, ob ich mitmachen wollte.
Ich zuckte mit den Schultern. Warum nicht? Zwar konnte ich kein Blut sehen, doch der Werwolf in mir hob den Kopf und bleckte kampfbereit die Zähne. Ja, da kam mein Bestienblut in Wallungen.

Die Teenager waren alle zwischen sechzehn- und neunzehn Jahren alt, sie veranstalteten am Ufer des Sees ein Saufgelage. Ich knurrte in freudiger Erwartung.
Vielleicht konnte ich mich beim nächsten Vollmond besser beherrschen, wenn ich jetzt ein Blutbad anrichtete.
Jason bedeutete mir, ihm zu folgen. Ich gehorchte.
Er schlich im Schatten der Bäume bis zum Eingang des Camps. Jetzt wusste ich, was Jason vorhatte: Er wollte unserer Beute den Fluchtweg abschneiden.
Ich machte mich kampfbereit. Meine Krallen funkelten im Licht der Abendsonne und ich ließ meine Reißzähne aufblitzen. Oh ja.
Ein aufgeregtes Kribbeln schoss meine Wirbelsäule hinunter.
Endlich gab Jason das Zeichen und ich schoss aus meinem Versteck hervor. Mein Verstand, der eigentlich kein Blut sehen konnte und wollte, wurde in diesem Moment einfach abgeschaltet.
Die Teenager blickten mich überrascht an, als ich auf sie zu stürmte.
Erst als sie mein Messer blitzen sahen und die Mordlust in meinen Augen bemerkten, gerieten sie in Panik, doch so sollten sie hin? Sie waren auf einem Steg, um sie herum nur Wasser. Jason hatte die Boote in weiser Voraussicht versenkt.
Endlich erreichte ich den Ersten. Mein Messer bohrte sich in seinen Magen, verfing sich in den Gedärmen, ich zog es nach oben und schlitzte den Körper komplett auf, sodass die Organe in einem großen Schwall Blut herausquollen.
Der Blutrausch dauerte an. Ich tötete noch fünf weitere von ihnen, den Rest erledigte Jason, der mittlerweile zu mir gestoßen war.
Einem riss ich mit meinen bloßen Händen den Kopf ab. Den Schädel, an dessen Halsstumpf noch unförmige Fleischschläuche hingen, die wohl einmal Speise- und Luftröhre gewesen waren, schleuderte ich einer flüchtenden Tussi zwischen die Beine.
Sie geriet ins Stolpern und stürzte zu Boden, wo ich ihr ein schnelles Ende bereitete, indem ich ihr einfach den Schädel eintrat.
Dem nächsten schnitt ich mit einer fließenden Bewegung die Kehle durch. In diesem Rausch war es ein willkommenes Gefühl, wenn das Blut meine Kleidung tränkte.
Ein weiteres Mädchen erwürgte ich, während ich mit der anderen Hand einem Jungen das Genick brach.
Das ekelhafte Geräusch von brechenden Knochen erinnerte mich daran, dass ich nicht alleine war.
Jason hatte einen am Boden robbenden Jungen erwischt und trat nun auf dessen Arm, bis die Knochensplitter seine Haut durchlöcherten.
In der linken Hand hielt Jason eine verstümmelte weibliche Leiche. Ihr fehlten beide Arme, ein Bein, der Kopf war halb abgetrennt und ein Auge rausgerissen.
Wahnsinn, da war das, was ich mit meinen Opfern getan hatte, ja reiner Kindergarten.
Gerade spießte Jason sein letztes Opfer mit seiner Machete auf, als ich erschöpft zu Boden sank.
,,Wow, so einen Adrenalinschub kriegt man nichtmal mit Extremsport“, keuchte ich.
Selbst jetzt noch schoss pures Adrenalin durch meine Adern. Mein Herz raste, als wolle es zerspringen.
Jason half mir auf. Ich stand recht wackelig, und erst jetzt bemerkte ich, wie meine Klamotten aussahen. ,,Ohje“, seufzte ich.
Meine vorher blaue Jeans hatte ein dunkles Rot angenommen, was wohl zu einem rötlichen Braun werden würde, sobald das Blut trocknete. Meinem T-Shirt erging es nicht besser.
Jason ging ruhig zu dem Mädchen, das ich erwürgt hatte, und begann dessen Kleidung zu inspizieren. Als er sich davon überzeugt hatte, dass sie einigermaßen sauber und blutfrei waren, zog er die Leiche aus und reichte mir deren Shirt und Hose.
Ich lächelte. ,,Danke.“ und verschwand im Wald, wo ich mich umzog.
Als ich wieder am See ankam, stand Jason noch dort wie ich ihn verlassen hatte. Er begutachtete mich und nickte dann. Das war wohl ein Zeichen dafür, dass mir diese Klamotten gut standen.
Das fand ich auch. Ich trug nun einen rot-schwarzen Neckholder und eine weiße Leggins, die zwar von dem Staub auf dem Steg ein bisschen dreckig war, aber das störte mich nicht weiter.
Ich sah auf die Leichen. ,,Und was machen wir mit denen?“
Jason packte die Leiche eines leicht übergewichtigen Jungen und warf sie in den See.
Ich wollte ihm erst helfen, doch er hielt mich auf. Offenbar wollte er nicht, dass ich die Klamotten mit Blut vollsaute. Ich lächelte dankbar und zog mich leicht zurück, während Jason einen Kadaver nach dem anderen im See versenkte.
Als er endlich fertig war, kam er wieder zu mir und seine Augen funkelten mich an.
Das war wohl seine Art zu lächeln.

Wir gingen zurück zu Jasons Hütte. Dort musste ich mich erstmal setzen.
Der Adrenalinrausch war abgeklungen und mein Gewissen schaltete sich wieder ein.
Ich hielt es für besser, Jason nichts davon zu erzählen.
Er stand gerade an seiner Küchenzeile und kochte uns einen Tee.
Das brauchte ich auch, um erstmal wieder runterzukommen.
Zwar war das eine unglaubliche Erfahrung gewesen, doch mein Gewissen wollte mir die Freude mit Gewalt verderben.
Ich seufzte tief und fuhr mir durch die Haare.
Die waren zwar auch blutverklebt, aber ich hatte gerade keine Lust im See zu baden.
Jason reichte mir eine Tasse Pfefferminztee und setzte sich mir gegenüber hin.
Ich nahm einen Schluck. Ich trank Tee grundsätzlich ohne Zucker.
Der Geruch von Pfefferminze vernebelte meine Sinne ein bisschen.
Ich hatte schon lange keinen Tee mehr getrunken, weil ich schlicht und ergreifend zu faul war, welchen zu kochen.
Stattdessen blieb ich wie die meisten in meinem Alter bei Cola, Fanta, Sprite und Co.
Bier oder überhaupt Alkohol hatte ich schon immer abgelehnt. Schon als Kind hatte ich mir vorgenommen weder Alkohol zu trinken, noch mit dem Rauchen anzufangen.
Die meisten aus meiner alten Klasse, in der ich vor meiner Verwandlung in einen Werwolf gewesen war, rauchten heute. Ich sah sie manchmal an meinem Haus vorbeigehen, dabei eine Zigarette in der Hand.
Ich fand so etwas ekelig. Aus Neugier hatte ich ein einziges Mal an einer Zigarette gezogen.
Danach war ich sofort ins Badezimmer gestürzt und hab mich übergeben.
Eines war klar: Rauchen war nichts für mich.
Und offenbar auch nicht für Jason, denn ich konnte keinen Aschenbecher ausmachen und auch von dem Gestank den Zigarettenqualm hinterließ gab es keine Spur.
Gut so. Mein Vater war Kettenraucher, deswegen hielt ich mich meistens von ihm fern. War ihm nur recht.
Weder meine Mutter noch mein Vater hielten noch zu mir.
In Gedanken versunken merkte ich nicht, wie Jason sich erhob und zu dem Bett schritt, das an der Wand hinter mir stand.
Es hatte nur eine sehr dünne Matratze, wie ich sie aus Jugendherbergen kannte. Bestimmt hatte Jason sie zusammen mit dem verblichenen Bezug und dem Kissen aus einer der Hütten des Camps geholt.
Er schlüpfte aus seinen Schuhen und legte sich hin, rückte dabei ganz an die Wand und nickte auf den freien Platz neben sich.
Natürlich... Erst jetzt bemerkte ich, wie müde ich war. Meine Lider waren schwer wie Blei.
Offenbar hatte der Adrenalinkick ziemlich viel Kraft verbraucht.
Ohne groß nachzudenken legte ich mich neben Jason und spürte nurnoch am Rande, wie er die Decke über uns zog.
Schon schlief ich.

Als ich am Morgen erwachte und neben mich tastete, musste ich feststellen, dass ich alleine war.
Entweder hatte ich nur geträumt, oder Jason war bereits aufgestanden.
Als ich die Augen öffnete, sah ich die kleine, modrige Hütte. Also kein Traum.
Jason war nicht da.
Mir verstohlen den Schlaf aus den Augen reibend setzte sich mich auf.
Mein Rücken tat weh. In meiner Müdigkeit hatte ich am Vorabend nicht gemerkt, wie ungemütlich dieses Bett doch war.
Ich quälte mich auf die Beine und torkelte wie betrunken nach draußen, wo Jason im Licht der Morgensonne stand.
Seine braunen Augen blickten mir entgegen und ich murmelte:,, Guten Morgen.“
Er nickte und deutete in Richtung des Sees. Zuerst wusste ich nicht, was er mir damit sagen wollte, doch dann hörte ich die Stimme meiner Mutter:,, Und du bist sicher, dass Serena unter den Teenagern war, die hier verschwunden sind?“
,,Sicher bin ich sicher“, antwortete die tiefe Bassstimme meines Vaters.
Meine Mutter seufzte befreit auf. ,,Dann ist sie tot? Wir brauchen keine Angst mehr haben?“
,,Wahrscheinlich.“
Noch bevor Jason mich aufhalten konnte, raste ich los, auf den Lake zu. Nicht weit von meinen Eltern blieb ich stehen. Vor Wut begann ich zu knurren.
Ganz langsam, wie ein Raubtier auf der Pirsch, näherte ich mich meinen Erzeugern.
Endlich bemerkten sie mich. Zuerst schien ihnen nicht ganz klar zu sein, wer da vor ihnen stand. Das getrocknete Blut hatte meine roten Haare dunkelbraun gefärbt. Meine Augen färbten sich golden. Das war immer so, wenn ich wütend war.
In diesen für mich total untypischen Klamotten musste ich ihnen vorkommen wie eine Fremde.
Meine Mutter sah mich an. ,,Wer bist du?“
Ich kicherte leise. Dieses Kichern schwoll bald an zu einem psychopathischen Lachen, das über den See dröhnte.
Dann blickte ich meine Eltern wieder an, mit einer Mischung aus Trauer, Hass, Wut und Hohn. ,,Ihr erkennt mich nicht? Mutter? Vater?“
Mein Vater wich zurück. ,,Serena!“
Meine Mutter fiel auf die Knie. ,,Oh Serena! Serena! Wir dachten zu seist tot! Zum Glück...“
Ohne irgendeine Kontrolle über meinen Körper zu haben ging ich zu ihr und verpasste ihr eine Ohrfeige. Meine Krallen rissen ihr dabei die Wange auf. Blut floss aus den Wunden.
,,Zum Glück?! ZUM GLÜCK?! Wollt ihr mich verarschen?!“, fauchte ich. ,,Ihr wart doch froh! Froh, als ihr glaubtet ich sei tot! Ich habe euch gehört. Ich habe alles gehört.“
Meine Stimme war zu einem bebendem Flüstern geworden. Mit einem Ruck drehte ich mich um. ,,Nennt mir einen guten Grund, euch nicht gleich hier in Stücke zu reißen.“
Meine Mutter stieß ein flehendes Wimmern aus, mein Vater keuchte:,, Serena, du... du... Monster...“
Ich fuhr herum und fixierte meinen Erzeuger. ,,Ein Monster? Ihr freut euch über den Tod eurer Tochter und nennt mich Monster?!“
Ich tat einen Schritt auf die beiden zu. Sie waren vor Angst gelähmt. ,,Was würdet ihr davon halten, wenn ich euch beiße, aber nicht töte? Was würdet ihr davon halten, mein Schicksal zu teilen?“
Meine Mutter begann zu jammern:,, Bitte hab Gnade! Sei gnädig mit deinen Eltern, wir wollten dich nicht kränken...“
,,Nein“, zischte ich. ,,Kränken wolltet ihr mich sicher nicht. Aber ihr wolltet mich umbringen. Nun stellt sich mir die Frage: Was wäre in euren Augen 'gnädiger'? Soll ich euch lieber in Werwölfe verwandeln, oder soll ich euch gleich die Kehlen rausreißen? Oh, ich habe eine Idee!“ Ich blickte meine Eltern an. Der Wahnsinn, der meinen Verstand beherrschte, hatte meinem Gehirn eine wundervolle Idee eingepflanzt. ,,Ich verwandele euch in Werwölfe, sodass ihr nur mit Silber zu töten seid, und foltere euch dann so lange mit normalen Waffen, bis ihr euch wünscht ich hätte euch gleich getötet!“
Meine Mutter stöhnte entsetzt:,, Du bist wahnsinnig! Einfach wahnsinnig!“
Plötzlich regte sich etwas in meinem Inneren.
Der klare Verstand und das Herz, das meine Eltern immernoch liebte, bäumten sich auf und verdrängten für einen Moment meinen alles vernichtenden Hass.
Wieder drehte ich mich um. ,,Heute lasse ich euch noch laufen. Solltet ihr euch einfallen lassen noch einmal herzukommen, kenne ich kein pardon mehr, verstanden? Jetzt verschwindet.“
Damit ging ich Richtung Wald, wo Jason bereits auf mich wartete.
Als ich ihn erreicht hatte, blickte ich zurück. Meine Eltern eilten zu ihrem Auto und fuhren weg.
Sobald ich es nicht mehr sehen konnte, sackte ich auf dem weichen Waldboden zusammen und fing an, herzzerreißend zu schluchzen.
,,Warum hassen sie mich?“, wimmerte ich verzweifelt. ,,Was habe ich gemacht? Es ist doch... nicht meine Schuld...“
Jason ging neben mir in die Hocke und strich mir behutsam über den Kopf.
Ich schlang die Arme haltsuchend um seinen muskulösen Körper und weinte in das raue Leinen seiner Jacke. ,,Warum? Warum?“
Jason umarmte mich und zog mich wieder auf die Beine, als er selbst aufstand.
,,Jason...“, schluchzte ich auf und krallte mich an ihn.
Er gab mir einen Moment lang das Gefühl, nicht völlig alleine zu sein.
Mein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, als ich an die verängstigten Gesichter meiner Eltern dachte.
Ich war für sie ein Monster. Eine Bestie. Ich war nicht länger ihre Tochter.
Ich kam mir klein vor, verlassen, einsam, hilflos, wie ein kleines Kind.
Und dieses beklemmende Gefühl wurde nur durch Jasons Umarmung ein bisschen abgeschwächt.

Die Sache mit meinen Eltern war nun zwei Wochen her, und ich begann mich bei Jason einzuleben.
Gerade machte ich einen Spaziergang um den See und summte dabei ein Lied aus meinem Lieblingsmusical, als mir ein fremder Geruch in die Nase wehte. Es roch nach verbranntem Fleisch und Blut.
Neugierig geworden blickte ich in die Richtung, aus der ich den Geruch wahrnahm. Zwar konnte ich noch nichts sehen, doch die Quelle kam unaufhaltsam näher.
Nun hörte ich Schritte, und das, was mir da entgegen kam, war wohl früher einmal menschlich.
Der schmutzige alte Hut war tief in das verbrannte Gesicht gezogen, an der rechten Hand klackerte ein Klingenhandschuh unheilvoll.
Die Augen des Mannes blickten mich an. Noch bevor ich einen lässigen Spruch loslassen konnte, stolperte es mir aus dem Mund:,, Boah, ist der Pulli hässlich.“
Der Fremde sah auf. Seine grünen Augen fixierten mich mit einem von unnachgiebiger Kälte durchzogenem Hohn. Er hob die rechte Hand.
Ich sah ihn gelassen an.
Nun begann er zu sprechen. Seine Stimme war tief und rau. ,,Ich wusste nicht, dass diese Missgeburt Freunde hat.“
,,Wer bist du?!“, fragte ich gereizt, meine Gelassenheit ablegend. Niemand durfte Jason beleidigen, wenn ich dabei war.
Der Fremde hob den Kopf und nahm eine arrogante Haltung ein, für die ich ihn am liebsten sofort geköpft hätte. ,,Mein Name ist Krueger. Freddy Krueger. Und ich werde dich jetzt töten.“
,,Das wüsste ich aber.“ Ich sah ihn spöttisch an. ,,Sowas wie du will mich töten? Und abgesehen davon, woher kennst du Jason?“
,,Ich hatte vor einiger Zeit einige... Differenzen mit ihm. Und jetzt will ich ihm alles mit Zins und Zinses-Zins zurückzahlen.“
Ich schüttelte den Kopf. ,,Das kann ich leider nicht dulden.“
,,Wie süß“, gab Freddy spöttisch zurück. ,,Muss dieser Feigling jetzt schon ein kleines Mädchen vorschicken?“
Meine Augen färbten sich wieder golden. ,,Reiß die Klappe nicht so weit auf, Krueger! Sonst...“ Ich sah mich um, entdeckte einen dicken Ast der am Boden lag und deutete darauf. ,,...werde ich diesen Ast da nehmen und ihn dir so weit in den Arsch schieben, dass er aus deiner Fresse wieder rauskommt, comprende?“
,,Dazu musst du mich erstmal erwischen, Girly.“ Freddy rannte auf mich zu und hieb mit seinem Messerhandschuh nach mir, doch ich wich aus und ließ meine Krallen auf ihn niedersausen.
Die Klauen zerrissen seinen Pulli an dieser Stelle und legten ein Stück verbrannte Haut frei.
Für einen Moment passte ich nicht auf und bekam prompt seinen Handschuh in die Seite.
Aus der Wunde sprudelte Blut, doch ich ignorierte dies.
Freddy schien einen Moment überrascht ob der Tatsache, dass ich eine derart tiefe Wunde einfach ignorieren konnte. Aber er fing sich schnell wieder.
Leider zu spät, denn ich hatte schon meine Krallen in seinem Nacken vergraben. Meine Finger färbten sich rot von seinem Blut. Und wieder begann der Rausch.
Ich fuhr Freddy mit den Krallen einmal durchs Gesicht. Er schrie auf, nicht aus Schmerz, sondern wahrscheinlich vor Überraschung.
Als ich dann wieder seinen Handschuh spürte, der sich diesmal in meinen Bauch grub und beim Rausziehen fast noch ein paar Gedärme mit rausholte. Unter uns bildete sich eine riesige Blutlache.
Die Schmerzen explodierten in meinem Körper, doch ich kämpfte gegen den Reflex, die Wunde zuzuhalten und so meine Deckung zu vernachlässigen, an.
Aber der Blutverlust machte mir Sorgen. Ich konnte nur durch Silberwaffen sterben, doch ohnmächtig werden konnte ich auch so.
Langsam verschwamm die Sicht vor meinen Augen, doch ich kämpfte unermüdlich weiter.
Krueger bekam einiges ab. Ich hatte ihm schon drei Finger der linken Hand abgerissen und in meiner Verzweiflung und Erschöpfung sogar einmal versucht, ihn zu erwürgen. Die Würgemale sah man ganz genau an seinem Hals.
Auch er verlor viel Blut, doch er war nicht annähernd so erschöpft wie ich.
Meine Knie begannen zu zittern, ich kippte fast vorne über, doch der Gedanke, dass dieser Kerl Jason irgendwas tun wollte hielt mich aufrecht.
Langsam breitete sich in meinem Kopf eine ermüdende Taubheit aus. Einen Moment wurde mir schwarz vor Augen.
Ich hörte Krueger spöttisch sagen:,, Große Klappe und nichts dahinter.“
,Ich kann nicht mehr', dachte ich und sackte zusammen. Röchelnd sah ich den Klingen von Kruegers Handschuh entgegen, von denen mein Blut tropfte, in der Gewissheit, dass er mich nicht töten konnte. Aber was war mit Jason? Dieser Krueger war kein Mensch. Aber auch nicht dasselbe wie Jason. Was, wenn er in der Lage war, Jason ernsthaft zu verletzen, sogar zu töten?
Nur am Rande nahm ich noch den vertrauten Geruch von Wasserpflanzen wahr, der an Jason haftete, und sah seine große Silhouette auf Krueger zu stürmen, dann ertönte das Geräusch von Metall, das auf Metall prallte dann wurde alles schwarz, als ich in erschöpfter Bewusstlosigkeit versank.

Ich wusste nicht, wie lange ich bewusstlos gewesen war. Minuten, Stunden, Tage?
Als ich endlich die Augen wieder öffnete, war das Erste, was mir ins Auge stach, Jason, der ruhig an seinem Tisch saß, eine dampfende Tasse Tee vor sich.
,,Jason!“, japste ich und wollte aufspringen, doch ehe ich mich ganz aufgesetzt hatte, war Jason schon aufgestanden, zu mir gegangen und hatte mich wieder in eine liegende Position gedrückt.
Ich sah an mir herunter. Nur meine Unterwäsche bedeckte meinen geschundenen Körper. Die Wunden, die Krueger mir zugefügt hatte, waren mehr schlecht als recht verarztet.
Sofort griff ich nach der Decke, um meine Blöße zu bedecken.
Jason zog einen Stuhl zu sich heran und setzte sich ans Bett.
Ich fragte:,, Was ist mit Krueger? Konntest du ihn in die Flucht schlagen?“
Mein Gegenüber schüttelte nach einigem Überlegen den Kopf. Natürlich.
Jemand wie Krueger kommt immer wieder. Den waren wir noch nicht los.
Seufzend sah ich an die Decke. ,,Es tut mir so leid, Jason. Ich dachte, ich könnte es alleine mit ihm aufnehmen, aber...“
Jason schüttelte abermals den Kopf und legte mir einen Finger auf die Lippen. Ich verstummte und wandte mich mit Tränen in den Augen ab. ,,Es tut mir so leid“, wisperte ich erneut.
Ich kam mir wieder wie ein kleines Kind vor. Klein und hilflos.
Sobald Jason mir wieder nahe genug kam, drückte ich mich an ihn und schluchzte hemmungslos.
Eine Blöße, die ich mir nur ihm gegenüber gab.
Ich wollte ihn nie verlieren. Er war genau wie ich. Er verstand mich.
Meine gefasste, gleichgültig-lockere Fassade brach das erste Mal seit zwei Wochen wieder zusammen. Ich ließ den Tränen, die sich in dieser Zeit angestaut hatten, einfach freien Lauf ohne dabei einen Gedanken daran zu verschwenden, ob Jason mich für schwach oder verweichlicht hielt.
Aber das würde er auch nicht.
Sanft wiegte er mich hin und her, ich lehnte mich an seinen muskulösen Körper, schluchzte immer leiser, bis mein Schluchzen schließlich ganz erstarb.
Kurz davor, wieder in einen erschöpften Schlaf zu fallen, spürte ich wie Jason mich besitzergreifend an sich zog. Mein verkrampftes Herz entspannte sich und langsam konnte ich wieder normal atmen.
Ich schwieg, wollte diese gewissermaßen romantische Stille nicht durchbrechen.
Langsam überkam mich die Müdigkeit und ich schlief in Jasons Armen ein.

Als sich die Dunkelheit eines traumlosen Schlafes wieder lichtete, spürte ich die starken Arme um meinen Körper, die mir ein Gefühl von Schutz und Geborgenheit vermittelten.
Ich kuschelte mich an den dazugehörigen Körper und wollte weiterschlafen, doch ich konnte nicht, so sehr ich es auch versuchte.
Keine Ahnung, wieso. Also blieb ich wach liegen und lauschte an Jasons breiter Brust vergeblich nach Herztönen. Aber Jason war genau genommen tot. Also auch kein Herzschlag.
Ich seufzte und lehnte die Stirn leicht gegen seine Brust. Nur die Atembewegungen zeigten, dass ich neben einem halbwegs lebendigen Menschen lag. Plötzlich spürte ich die große Hand, die durch meine Haare strich.
Ich sah auf. Jason sah mich nicht an, sondern schien aus dem Fenster zu starren, als würde er die sanften Bewegungen seiner Hand nicht bemerken.
Und offenbar glaubte er, ich schliefe noch.
Auf dem Gesicht spürte ich noch die getrockneten Tränen und wurde bei dem Gedanken an meinen Nervenzusammenbruch am Vortag unweigerlich rot. Warum eigentlich?
Vor Jason durfte ich weinen. Er richtete nicht über mich. Er nahm meine Gefühle als selbstverständlich hin, und ich freute mich darüber.
Wegen einer solchen Heulattacke hätte ich mich in meiner Schulzeit wahrscheinlich in Grund und Boden geschämt, aber dem war nicht mehr so. Vor Jason war das in Ordnung. Er wusste, wie es mir ging.
Ob er in der Zeit kurz nach seinem Tod wohl auch geweint hat? Und als seine Mutter getötet wurde? Er hatte mir ihre Todesanzeige gezeigt, und auch seinen kleinen Altar für sie mit ihrem Kopf und ihrem Lieblingspullover.
Ich fand das rührend. Er liebte seine Mutter über alles. Ich wünschte, ich hätte das von meiner auch behaupten können. Aber nach allem, was meine Mutter getan hatte...
Endlich schien Jason zu bemerken, dass ich wach war. Seine Augen blitzten mich an und ich lächelte zurück.
Jason rückte noch näher zu mir und just in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich noch immer nur mit Unterwäsche und einigen Verbänden bekleidet war.
Es war mir seltsamerweise kein bisschen unangenehm, als sei es das normalste der Welt, halb nackt neben einem Untoten zu liegen.
Ich wollte nur noch weiterschlafen und weiterhin Jasons große Hand in meinen Haaren spüren.
Also kuschelte ich mich an seine Brust und seufzte:,, Danke. Danke für alles, Jason.“
Er nickte und vergrub das Gesicht in meinen Haaren.
Einfach die Geborgenheit genießend blieb ich liegen, schlief aber nicht ein.
Wie lange war es her, seit ich bei meinen Eltern oder bei Freunden Zuflucht suchen konnte?
Knapp fünf Jahre, aber es kam mir wie das zehnfache vor.
Umso mehr freute ich mich darüber, dass Jason mir Trost spendete.
Seine Umarmung tat gut.
Für einen Moment kam in mir die Frage auf, ob ich das alles nur träumte, oder ob das wirklich Realität war. Aber es fühlte sich so real an, von der kratzigen Bettdecke bis hin zu Jasons Hand, die noch immer Gedankenverloren durch meine Haare strich.
Es musste also Wirklichkeit sein. Einerseits machte mich diese Einsicht traurig, andererseits aber auch glücklich.
Ich hatte nun jemanden, der mich verstand, mit dem ich reden konnte, der mich nicht richtete. Stattdessen ließ er mir meine Ecken und Kanten, so wie ich seine akzeptierte.
Vor mir hatte er nie seine Maske abgenommen, doch er hatte mir zu verstehen gegeben, dass es schon einen Grund hatte, warum er sie trug.
Ich hatte nicht weiter gefragt, doch die Neugier blieb.
Er hatte mir ein Foto von sich als Kind gezeigt. Er war keine Schönheit gewesen, doch äußerliche Erscheinung stand bei meiner „Nach diesen Kriterien bewerte ich Menschen ob sie meine Freunde sein könnten“-Liste ganz unten. Das wäre aber auch das einzige gewesen, bei dem Jason nicht überragend abschnitt.
Er hatte eine tolle Persönlichkeit, war emotional (ich wage zu behaupten, sogar ein bisschen romantisch) veranlagt, verständnisvoll, mutig, er wusste was er wollte, war bei den Dingen, die er tat, mit Leidenschaft und Eifer bei der Sache, war fürsorglich und alles andere als dumm.
Andere hätten ihn als ziemlich blöde geschildert, doch er hatte einfach seine eigene Art Dinge anzugehen. Und die hatte sich in der Zeit, in der ich ihn nun schon kannte, immer als richtig erwiesen. Blöd war er also auf keinen Fall. Ein bisschen ungeschickt vielleicht, denn bei unseren wenigen 'Raubzügen' hatte ich bemerkt, dass er desöfteren mit seiner Machete in irgendwelchen Gegenständen stecken blieb.
Aber gerade das machte ihn sympathisch. Er hatte eben seine Fehler, und war trotz Unsterblichkeit und Kraft kein Mr. Universum.

Es war gegen Mittag, als wir uns endlich aus dem Bett bequemten.
Zwar wollte ich liegen bleiben, doch Jason wollte aus irgendeinem Grund einen kleinen Kontrollgang durch den Wald machen.
Ich beschloss, ihn zu begleiten. Zum einen, weil ich einfach in seiner Nähe sein wollte, und zum anderen weil ich alleine Angst gehabt hätte. Mein Zusammenstoß mit Krueger hatte mich vorsichtiger gemacht und meinem überschäumenden Selbstvertrauen einen gehörigen Dämpfer verpasst.
Also steckte ich mein Taschenmesser ein und ging hinter Jason den festgetretenen Waldweg entlang.
Es war alles ganz ruhig, sogar die Vögel schienen verstummt zu sein.
Merkwürdig. Als hätten sie sich vor Jason und mir versteckt. Eigentlich ein absurder Gedanke.
Trotzdem, irgendetwas stimmte nicht. Ich sah mich wachsam um. Ich konnte weder eine Gefahr oder ein potenzielles Opfer riechen, noch sehen oder hören.
Alles war mucksmäuschenstill. Beinahe schon unheimlich.
Aber mir machte nichts so leicht Angst.
Ich hielt mich einfach dicht hinter Jason und beobachtete die Umgebung.
Er schien meine Nervosität zu bemerken, denn er drehte sich kurz um, wuschelte mir durch die Haar und ging dann weiter, ich blieb direkt hinter ihm.
Zwar hatte ich mich durch diese zärtliche Geste ein bisschen beruhigt, doch meine gesamte Anspannung konnte Jason mir nicht nehmen.
Irgendetwas folgte uns. Für einen Moment meinte ich, Kruegers Geruch in der Nase zu haben.
Das Gefühl verschwand schnell. Trotzdem glaubte ich, die Schritte einer dritten Person, eines Fremden, der hier nichts zu suchen hatte, zu hören.
Als Jason plötzlich stehen blieb, konnte ich nicht schnell genug reagieren, prallte gegen seinen breiten Rücken, verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Hintern. Ich landete genau auf einem leicht aus dem Waldboden ragenden Stein. Ein zuckender Schmerz machte sich in meinen fünf Buchstaben breit und breitete sich über die Wirbelsäule aus. ,,Warum hältst du an?“, fragte ich und richtete mich mühsam auf.
Verdammt, tat mein Hintern weh! Als ich meine Aufmerksamkeit von meinem schmerzenden Arsch wieder auf Jason richtete, hörte ich plötzlich eine unangenehm bekannte Stimme:,, So? Sind die Missgeburt und seine kleine Freundin mal zusammen unterwegs?“
,,Krueger!“, zischte ich und machte mich, soweit meine offenbar in Mitleidenschaft gezogene Wirbelsäule es zuließ, kampfbereit.
War ich etwa zu angespannt gewesen, um seinen Geruch wahrzunehmen? Ich wusste es nicht. Und im Moment war es mir auch egal.
In mir machte sich ein seltsamer Gefühlscocktail aus Angst und Angriffslust breit.
Diesmal war ich nicht alleine. Jason war bei mir.
Ich bleckte die Fangzähne und ließ meine Krallen aufblitzen.
Krueger musterte mich einen Moment. ,,Sieht so aus, als hättest du aus unserer letzten Begegnung nichts gelernt. Bedauerlich, wirklich bedauerlich. Ich hatte dich als klüger eingeschätzt.“
Ehrlich, ich hatte niemals einen weniger bedauernden Gesichtsausdruck gesehen.
,,Du wirst schon noch sehen wie klug ich bin, du menschliche Frikadelle.“
Jasons Schultern begannen krampfhaft zu zucken, genau wie seine Brust, einen Moment dachte ich bestürzt, er wäre irgendwie krank, bis ich merkte, dass das seine völlig lautlose Art war, zu lachen.
Offenbar fand er den Spitznamen „menschliche Frikadelle“ sehr passend für Krueger.
Krueger schien einen Moment wirklich beleidigt, doch dann konterte er gelassen:,, Das muss ich mir von der Freundin eines Muttersöhnchens sagen lassen?“
Ich sah Krueger wütend an. ,,Wollen wir uns hier gegenseitig Beleidigungen an den Kopf werfen, oder gedenkst du heute noch zum Angriff überzugehen, du angebranntes Steak?“
Jasons Zuckungen wurden heftiger, erstarben dann aber, als er sich kampfbereit machte.
Krueger begutachtete uns. Das musste ziemlich schräg aussehen.
Ein Untoter mit einer Machete und daneben ein völlig normal wirkendes Mädchen. Ein ungleiches Paar.
Ein Paar...
Schnell schüttelte ich den Gedanken ab. Das würde nicht funktionieren. Ich wusste nicht, warum ich mir da so sicher war, aber ich wusste, dass eine Beziehung zwischen mir und Jason von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Warum auch immer.
Vielleicht war es meine Angst, ihn an Vollmond zu verletzen. Oder einfach die Tatsache, dass er mehr oder weniger tot war und ich mehr oder weniger lebendig, so sehr sich das auch nach der „Ist-das-Glas-halbvoll-oder-halbleer“-Frage anhörte.
,Argh! Was denke ich eigentlich da?! Es gibt einen Gegner zu bekämpfen und ich mach mir Gedanken darum, ob es zwischen Jason und mir klappen könnte! Bin ich eigentlich total von der Rolle?!'
Meine Gedanken kosteten mich meine Konzentration. Krueger zielte auf die Wunden, die er mir beim letzten Mal zugefügt hatte. Zwar waren sie einigermaßen verheilt, doch dort war ich noch sehr empfindlich.
Als er den Handschuh wieder in meinem Bauch vergrub, stöhnte ich schmerzvoll auf.
Blut sprudelte aus der wieder geöffneten Wunde, ich keuchte und ging zu Boden.
Die Empfindlichkeit ging so weit, dass ich durch diesen Schmerz sogar meine Deckung vernachlässigte. Ich wollte nur, dass es aufhörte.
Ich schmeckte Blut. Es floss mir aus den Mundwinkeln und tropfte auf meine Kleidung.
Jason ging auf Krueger los, doch der war durch seine Schnelligkeit im Vorteil.
Ich stöhnte abermals auf, als ich sah wie Krueger Jason an der linken Schulter erwischte. Blut sprudelte aus Jasons Wunde.
Nein! Ich versuchte mich aufzurichten, kämpfte den Schmerz runter, egal wie er mich auch in die Knie zwingen wollte. Jason war in Gefahr. Er brauchte mich. Und ich lag dabei nutzlos auf dem Boden rum! Sobald ich mich wieder aufgerichtet hatte, hob ich die Hand, an der meine Krallen blitzten und hieb damit nach Krueger. Ich schaffte es erneut, ihm ein paar hübsche Kratzer im Gesicht zu hinterlassen, meine nächste Attacke zielte auf sein Herz.
Als meine Klauen seine Brust durchbohrten, bekam ich den verstummten Muskel zu fassen und riss ihn mit einem Ruck heraus.
Da stand ich, mir die linke Hand auf die Wunde an meinem Bauch gepresst, in der rechten Kruegers Herz. Mein Atem ging schwer und rasselnd.
Freddy begutachtete mich spöttisch, sah dann auf sein Herz und sagte:,, Entschuldige, aber du hast da etwas, das MIR gehört.“
,,Ach was?“, fragte ich und knickte mit einem Bein leicht ein. Daraus resultierte eine Kurzschlussreaktion, in der ich Kruegers Herz zerquetschte.
Er betrachtete mich mit höhnischem Wohlwollen.
Zwar hatte er auch einiges abgekriegt, sein Pullover war größtenteils blutig und zerfetzt, über sein Gesicht strömte von den Furchen, die meine Krallen quer darüber gezogen hatte, ausgehend, Blut und tränkte den Saum seines (immernoch hässlichen) Pullis.
Weder Jason noch Freddy schienen so am Ende zu sein wie ich.
Jason hatte zusätzlich zu der Wunde an der Schulter noch einen Schnitt über die Brust und einige Kratzer auf der Maske.
Freddy betrachtete Jason. ,,Na, willst du deine kleine Freundin nicht retten?“
Jason gab weder ein Nicken noch ein Kopfschütteln als Antwort. Er sah Krueger bloß bohrend an.
Keiner rührte sich, bis ich mit einem stöhnenden Gurgeln zu Boden ging.
Nun kam wieder Bewegung in die Szene. Jason stürmte zu mir und hob mich auf seine Arme, Krueger grinste:,, Einigen wir uns für dieses Mal auf unentschieden. Das nächste Mal bin ich nicht so gnädig.“
Das war alles, was ich noch mitbekam, ehe ich endgültig bewusstlos wurde.

Das nächste, was ich spürte war, dass zwei große raue Hände meine Wunden verbanden.
Ohne mich groß zu fragen was passiert war reckte ich mich leicht den Berührungen entgegen und seufzte leise.
Die Hände hielten inne. Ich öffnete die Augen und sah Jason, dessen Blick auf mich gerichtet war.
Für einen Moment versank ich in seinen braunen Augen.
Wieder erinnerte ich mich an die Gedanken, die mir die Wunde eingebrockt hatten.
Ja, könnte es zwischen Jason und mir klappen? Mein Verstand sagte 'Nein' mein Herz sagte 'Ja'.
Nur, wem von beiden sollte ich glauben?
Mein Herz raste, wenn ich Jason ansah, und wohlige Wärme flutete meinen Körper.
Wenn wir zusammen im Bett lagen und ich mich an ihn schmiegte, fühlte es sich an als seien wir füreinander geschaffen.
Zwei Stücke eines großen Ganzen.
Und die Zärtlichkeit, mit der er nun wieder begann meine Wunden zu versorgen, bescherte mir eine wohlige Gänsehaut.
Er schenkte mir Geborgenheit, die ich glaubte nie wieder spüren zu dürfen.
Er ließ mich hoffen, wieder leben zu können.
Dafür liebte ich ihn. Er verstellte sich nicht, und verlangte auch nicht von mir, dies zu tun.
Als kleines Mädchen hatte ich immer von meinem Märchenprinzen geträumt, so wie alle kleinen Mädchen. Zwar war Jason kein Prinz auf einem Schimmel, doch er hatte alle Charakterzüge, die ich meinem 'Märchenprinzen' damals angedichtet hatte.
Und für alles, was er mir gegeben hatte, schenkte ich ihm mein vollstes Vertrauen. Ich legte mein Leben völlig in seine Hände, wenn es sein musste.
Ich hatte ihn also gefunden. Meinen 'Prinzen'. Jason war es.
Auch wenn mein Verstand sich gegen diese These wehrte, mein Herz bestätigte es. Jason war der Mann, auf den ich mehr oder weniger unbewusst gewartet hatte.
 
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