Geralt-Saga - Der Auftrag

GedichtAbenteuer, Fantasy / P16
Geralt von Riva
26.04.2010
07.11.2016
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Der Auftrag
Eine Ballade von DiamondDove

"Ein Auftrag, sagt Ihr?", so fragte der Hexer
den hiesigen Dorfschulz, der stark untersetzt war.
"Ja, ja, ein Monster mit Zähnen wie Dolche
und Pranken mit Krallen, wie Finger lang – solche!"


Er zeigte die Spanne mit seiner zittrigen Hand.
Kein Untier war ihm nach dieser Beschreibung bekannt.
Vermutlich ein Bär, 'im Kopf' stark gewachsen,
dachte er bei sich, das waren nur Flachsen.

Doch damals, vor Wochen, da hat es begonnen
dass Kinder verschwanden. Kein Tag ist verronnen,
an dem sie nicht suchten. Bis eines Tages
die Leichen sie fanden ... Die Bestie, sie tat es!

Das war ihnen klar als sie untersuchten
die Spuren des Tatorts und still dabei fluchten:
In Fetzen die Kleider, das Blut längst vertagt
die Knochen verstreut, das Fleisch abgenagt.

Sie dachten zu stellen das Biest-Ungeheuer
mit Treibjagd und Fallen, nichts war zu teuer.
Doch die Bestie war schlau und ließ sich kaum sehn.
Kein Kind durfte mehr allein hinausgehn ...

„Was gedenkt Ihr zu zahlen, ganz frank und frei,
wenn ich es finde, euch davon befrei?“

„Zweihundert Orens bar auf die Hand
sobald Ihr ihn bringt, den Kopfe als Pfand.“


Er war ein Hexer, ein Fachmann für‘s Töten.
Man holte ihn nur, wenn‘s war vonnöten,
um Monster zu tilgen, um Flüche zu brechen,
und machmal auch, um mit Nixen zu sprechen.

Die Jagd auf Monster, das war sein Fach,
wovon er lebte, mit Ach und Krach.
Seine Dienste bot er nicht jedem an,
meist nur dem, der sich‘s auch leisten kann.

Der Auftrag hier kam ihm leidlich zupasse,
dann klingelte endlich wieder die Kasse.
Zu lange war er brotlos umhergestreift,
als dass er auf diese Orens jetzt pfeift.

Er ging in den Wald, lief ohne Pausen
ganz tief hinein, denn dort sollt' es hausen,
das Monster, das so viele Kinder verschlang
und den Leuten im Dorf machte ganz Bang.

Angekommen am beschriebenen Ort,
war die Spur schon verwischt, die Beweise fast fort.
Er spürte aber, hier muss noch was sein,
und lief etwas weiter - und erstarrte zu Stein:

Im tiefsten Dickicht hörte er jetzt ein Stöhnen.
Er zückt gleich sein Schwert - nicht zum Versöhnen!
Schleicht sich heran, ganz auf Hexerart ...
bis er vor sich einen Fellberg gewahrt!

Das Wesen war riesig und braun wie ein Bär,
zottig sein Haar, es war keine Mär!
Doch hier lag kein Petz zwischen eisernen Zangen,
nein, es war ein Hund in der Falle gefangen.

Groß wie ein Bär und behaart wie ein solcher,
halb tot schien er, schwer atmete, keucht er.
Seit Stunden musste er schon hier liegen,
konnt' sich nicht selbst aus dem Eisen freikriegen.

Den Riesen betrachtend wird dem Hexer schnell klar:
„Der kann es nicht sein, der der Mörder war.
Zu klein seine Zähne, obschon sehr gewaltig,
doch nicht groß genug; das ist nicht stichhaltig.

Auch sah ich sein Filz nicht am Schauplatze liegen ...
Ich muss dieses Tier aus der Falle rauskriegen.“

Der Hund knurrt laut als der Hexmann sich nähert.
"Na, das kann was werden, bis ich den gut bekehrt hab!"

Hund jault vor Pein und windt' sich im Schmerz
das gemarterte Tier erweicht ganz sein Herz.
Schwingt er das Schwert, und mit einem Hieb
trifft er den Kopf, stumpf, dass es still liegt.

Die Bügel zu lösen von des Hundes Bein
keine Kleinigkeit war, es blieb allein
mit aller Kraft sich dagegen zu stemmen
zwischen die Arme der brutalen Eisenklemmen.

Der Akt war nicht leicht, doch er gelang
dem Hexer, der bald nach Atem rang,
doch zog er heraus das gewaltige Tier.
Jetzt fragte er sich: "Was mach ich mit dir?

Die Morde zu klären, das tut jetzt Not,
nur ins Dorf dich zu bringen, wäre dein Tod."

Eine Schleife aus Erlen war schnell gemacht
und gleich das Tier zum eignen Lager gebracht.

Er pflegte die Wunde, umschlang sie mit Fetzen,
benetzte des Tieres trockene Lefzen
und ließ es dann schlafen am wärmenden Feuer.
Ruhig atmete bald das Hund-Ungeheuer.
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