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Am Ende wartet das Glück

von Lion
GeschichteLiebesgeschichte / P16 Slash
Galew
22.04.2010
13.08.2010
3
11.689
 
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3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.04.2010 4.884
 
Autor: Lykos
Fanfiction: The Candidate for Goddess
Titel: Am Ende wartet das Glück
Warnings: Slash!, sap, sad, fluffy, Gareas x Erts, Rio x Yu
Disclaimer: So, eines vorneweg: die Charaktere aus The Candidate for Goddess gehören - leider - nicht mir, sondern sind Eigentum von Yukiru Sugisaki. Ich borge sie mir in meinen Fanfictions lediglich für meine persönlichen Zwecke.
Ich bitte euch, meine Ideen nicht zu kopieren oder zu stehlen. Wer meine Fanworks ausstellen möchte, melde sich bitte bei mir per E-Mail.
Dann noch etwas in eigener Sache: ich musste einfach mal wieder eine Story zu meinem Top-Favoriten-Couple Garu/Erts verfassen, weil ich der Ansicht bin, dass die beiden Jungs sehr gut zusammenpassen, sowohl optisch als auch charakterlich ;)
Und nicht zuletzt deshalb, weil Gareas nach Ernests Tod sowieso ein Auge auf den Kleinen hat. xD
Da ich in meiner letzten FF ‚Immortal love’ ein tragisches Ende vorgeschlagen bekommen und geschrieben hatte, habe ich dieses Mal ein Happy End gewählt, damit die Romantik-Fans auch auf ihr Kosten kommen.
Galew und Erts sind 18 bzw. 15 Jahre alt. Die Geschichte spielt ein Jahr nach dem Tod von Ernest.
Noch ein Hinweis: Ich verwende die geschriebene Form Galew. Im Original schreibt sich der Charakter Gareas, jedoch spricht man den Namen der ersten Variante aus wie er geschrieben wird, daher verwende ich ihn auch, nicht dass sich jemand wundert. XD
Inspiriert zu der Story hat mich der Song ‚Believe’ von Josh Groban (und ja, ich weiß, dass das ein Weihnachtslied ist. Aber es passt halt stückweit so gut. xD). :3
Soweit zum Disclaimer, genug der Worte, viel Spaß beim Lesen. 8D

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Sternzeit 5026.

Schwer atmend sah der blonde Junge an die steril weiße Zimmerdecke.
Die Hitze in seinem lustgepeinigten Körper nahm langsam ab, der Duft der Leidenschaft jedoch lag immer noch dezent in der Luft.
Er sah neben sich. Galew zog sich an.
Erts Virny Cocteau richtete sich mit Mühe auf. Er hatte gehofft, dass sein Teamkollege und inoffizielle Affäre noch bleiben würde, doch offensichtlich hatte dieser nichts dergleichen vor.
„Musst du schon gehen?“
Galew Elidd, der älteste der Top-Piloten, sah kurz über die Schulter, dann fuhr er sich durch seine dichten grünen Haare. „Ja. Tut mir Leid.“
Erts’ freundliche, höfliche Art gebot ihm, ein ‚Schon gut’ zu erwidern, doch er konnte einfach nicht. Zu trocken war sein Hals.
Galew erhob sich und knöpfte seine Hose zu, bevor er sich noch einmal zu dem Jüngeren über das Bett beugte und ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen hauchte.
„Man sieht sich.“
Erts versuchte zu lächeln. „Ja. Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Und dann war er auch schon wieder alleine in seinem Quartier.
Er presste die Lippen aufeinander.
Ja, es war schön gewesen. Es war jedes Mal schön, wenn sie sich vereinten, wenn Galew in ihm war und sie beide so zu einem Ganzen, einem Körper, machte.
Seit etwa vier Monaten nun hatten sie eine Affäre.
Und das Ganze hatte so ungezwungen begonnen. Sie wurden nach Ernests Tod Freunde und gaben sich gegenseitig Halt, um über dessen Tod hinwegzukommen, der eine, weil er seinen Bruder verloren hatte, der andere, weil er einen guten Freund verloren hatte.
Dass es zum Sex kommen würde, davon hatte Erts nie zu träumen gewagt. Geschweige denn zu Beginn überhaupt daran gedacht.
Bis zu dem einen Abend, an dem sie beide getrunken hatten – Galew mehrere Biere, Erts einen Honigrum. Und dieser eine Honigrum war schon zuviel gewesen.
Sie hatten geredet und geredet, bis es später Abend geworden war. Galew hatte ihn irgendwann zu seinem Quartier begleitet.
Er selbst hatte Galew dann hereingebeten, ganz unverfänglich, hatte sich gar nichts dabei gedacht.
Und dann plötzlich hatten sie sich geküsst. Erts wusste selbst jetzt noch nicht wie es dazu kommen konnte.
Galew war nämlich eigentlich ganz und gar nicht Jungs zugeneigt. Doch anscheinend war es ihm egal gewesen – zumindest bei Erts.
Sie hatten sich geküsst, wieder und wieder, jedes Mal leidenschaftlicher, fordernder und verlangender.
Und dann hatten sie miteinander geschlafen. Es war Erts’ erstes Mal gewesen, aber das hatte er Galew natürlich nicht wissen lassen, um kein schlechtes Gewissen zu hinterlassen.
Sicher, Erts hatte sich sein erstes Mal anders vorgestellt. Romantisch, mit viel Gefühl und tiefer, bezeugter Liebe. Aber nun war es eben anders gekommen. Nicht negativ anders, es war nämlich sehr schön gewesen. Um ehrlich zu sein sogar unvergesslich.
Er wusste nicht, ob er froh oder traurig darüber sein sollte.
Jedenfalls taten sie es wieder. Immer wieder. Zuerst ein paar Mal im Monat. Dann öfter. Und schließlich mehrmals in der Woche.
Galew war ein einfühlsamer Liebhaber. Er wusste genau, wie er seinen Partner berühren musste, um ihn in Ekstase zu bringen. Natürlich. Er hatte als Schürzenjäger immerhin viel Erfahrung.
Erts gab sich ihm jedes Mal aufs Neue ganz und gar hin, ließ seinen Körper von dem älteren Jungen brandmarken, ließ alles mit sich geschehen, bis sie beide die heiße Seligkeit fühlten, das höchste der Gefühle in ihrer Vereinigung.
Kein Zweifel, es fühlte sich jedes Mal wunderbar an. Doch…
Tränen rannen dem jungen Piloten von Reneighd Klein über die Wangen hinab.
Ja, es war schön, doch Galew ging danach immer gleich. Er blieb nie lange.
Zu Anfangs hatte es ihn nicht weiter gekümmert, aber mittlerweile tat es das und, was das Üble an der Sache war, es wurde immer schlimmer.
Er wollte, dass Galew bei ihm bleib. Er wollte bei ihm sein, an ihn geschmiegt einschlafen, seinen ruhigen Herzschlag fühlen, die Wärme genießen, die ihn sanft einlullte und ihm versicherte, dass sie beiden...
Ein unterdrücktes Schluchzen zwang sich zwischen seinen Lippen hindurch. Ja, er wollte, dass sie beiden zusammen waren.
Er wollte Galew ganz gehören. Er wollte keine von Galews vielen Affären sein.
Seine Gefühle wuchsen immer stärker. Er war schwer in Galew verliebt.
Natürlich jedoch hatte er dem älteren Jungen noch nichts davon erzählt. Er wusste nicht einmal, ob er es ihm jemals sagen könnte, ohne dass ihre Verbindung zu Bruch ging oder Galew ihn verwarf.
Aber sein Herz sehnte sich so sehr danach. Es verzehrte sich jedes Mal, wenn sie eins waren, mehr nach Galew.
Ob sein Freund es spürte? Sah er in den jadegrünen Augen seines Geliebten, wenn sie Sex hatten, die Liebe, die ihm entgegenbrannte?
Erts schluckte schwer und wischte die Tränen weg. Er musste stark sein.
Auch wenn seine Affäre nichts von der Liebe zu ihm wusste, zumindest konnte er selbst sich in ganzer Liebe zu ihm hingeben.
Erts stieg aus dem Bett und ging duschen.
Und dabei war Galew so ein Schürzenjäger. Hinter jedem Rockzipfel war der Kerl her. Und das schlimme an der Sache war, er hatte meistens Erfolg. Weil er nämlich verdammt gut aussah. Er war groß, mindestens einen Kopf größer als Erts, und hatte smaragdgrüne Augen, die um einiges dunkler waren als seine eigenen. Und Galew hatte Muskeln wie aus dem Bilderbuche.
Diese Muskeln zauberten solch schöne Schauspiele, wenn sie sich vereinigten, dass es Erts fast den Atem raubte.
Er trocknete sich ab und cremte sich ein. Währenddessen betrachtete er seinen eigenen Körper, der kaum Ansätze für Muskeln hatte. Er war einfach nicht der Vorzeigekerl wie man ihn kennt.
Er war schwach, klein, fast mädchenhaft. Aber er hatte eine verdammt gute Fähigkeit. Er konnte Gedanken und Gefühle auf Berührung lesen, manches Mal auch so, wenn sie nur stark genug waren. Und genau das hatte ihn bis ganz nach oben befördert. Er war unter den Top 5 Piloten von G.O.A.. Was konnte man mehr erreichen? Sicher, es war nicht das, was er sich gewünscht hatte, aber seine Eltern sehr wohl. Und die hatten ihn nicht nach seiner Meinung gefragt. Hatten sie überhaupt nie seit er lebte.
Erts ging in sein Schlafzimmer zurück und vergrub sich unter seiner Decke. Die Matratze war immer noch warm.
Er fühlte sich einsam und kämpfte gegen erneut aufsteigende Tränen an.
Warum konnte Galew nicht einfach sein fester Freund sein? Es musste ja nicht einmal jemand erfahren. Sie konnten in der Öffentlichkeit tun als ob sie nur Freunde waren. Dann würde sich Galew nicht einmal genieren oder schämen müssen. Das wollte er ihm ja auch nicht zumuten.
Aber er wünschte sich so sehr, dass sein Freund seine Gefühle erwiderte. Dass das zwischen ihnen nicht einfach nur bloßer Sex war.
Er sehnte sich danach, Liebe und Geborgenheit von Galew zu bekommen. Beides hatte er selbst als Kind niemals bekommen. Umso mehr sehnte er sich nun danach.
Er wusste nicht, ob er sich mit dem Unvermeidlichen abfinden sollte, denn obendrein waren Gefühle für Personen des gleichen Geschlechts etwas Verpöhntes. Wie würde wohl Galew damit umgehen? Würde er jemals dazu stehen, käme es je so weit, dass er einen Kerl liebte?
Die Tränen gewannen die Oberhand und flüchteten sich über Erts’ heiße Wangen hinab.
Niemand wusste von der Affäre zwischen ihnen. Er konnte sich niemandem anvertrauen, weil er befürchtete, man würde ihn auslachen, doch mehr noch machte ihm Sorge, dass Galew wegen ihm verspottet werden konnte. Und das wollte er seinem Teamkollegen niemals antun.
Und so weinte sich der 15-jährige, der jüngste der Piloten der In-Grids, in den Schlaf, so wie fast jede Nacht in den letzten Tagen.

* * * * *

Die Top-Piloten saßen am Tisch in der Mensa. Es gab vorgeschriebenes Mittagessen, jeder bekam das gleiche. Wegen den Nährstoffen. Ob es schmeckte, war wieder eine andere Sache.
Erts stocherte lustlos in seinem Teller herum. Der Appetit hatte ihn verlassen, seit er so unglücklich verliebt war.
Sein Blick schweifte langsam durch den ganzen Saal.
Die Schüler und Anwärter lachten, schmatzten und grölten herum wie eh und je.
Sein Blick wanderte weiter, um dann verstohlen in Galews Richtung zu schweifen, der schräg gegenüber von ihm neben Rio saß.
Er erwiderte den Blick nicht und scherzte mit seinem besten Freund und gleichzeitig größten Rivalen herum.
Galew und Rio, sie waren das Chaotengespann von ganz G.O.A., dafür waren sie bekannt. Und auch dafür, schöne Fluglotsen-Anwärterinnen aufzureißen.
Rio in letzter Zeit nicht mehr – warum auch immer –, aber das tat seinem Ruf nichts ab.
Besagter Pilot, der nur ein Jahr jünger war als sein bester Freund, sah nun ebenfalls verstohlen herüber. Sein Blick galt Yu, der neben Erts saß und gedankenverloren ins Weltall hinaussah. Er war ein schweigsamer Tagträumer, nur ein paar Monate jünger als Rio und so groß wie Erts.
Ein Pfeifen nun riss den brünetten Jungen aus seinen Gedanken und er und Erts starrten überrascht Galew an, um danach seinem Blick zu folgen.
Der galt einer Blondine mit langen Haaren und Beinen, die wahrscheinlich so lang waren wie die von Yu und Erts zusammen.
„Wow, die sieht heiß aus“, grinste Galew und Rio lachte herzlich, während Teela, die Nummer Eins der Piloten und gleichzeitig einzig weibliche Vertreterin, nur genervt den Kopf schütteln konnte. Das Chaoten-Duo übertrieb es wieder einmal.
Galew legte noch einen drauf und rief: „Hey, heute Abend schon was vor, Schönheit?“
Sie drehte sich in die Richtung der Top-Piloten und schenkte Galew einen leidenschaftlichen Augenaufschlag aus den braunen, dunkel geschminkten Augen.
Erts hielt den Atem an, während sein Brustkorb sich schmerzhaft zusammenzog.
Das Mädchen wusste genau, wer Galew war. Er war DER männliche Top-Pilot schlechthin. Und damit auch der begehrteste. Zeigte man sich an seiner Seite, kannte einen am nächsten Tag jeder.
Und diese Gelegenheit, so schoss es Erts bitter durch den Kopf, würde die sich sicher nicht entgehen lassen.
Und so war es auch. Sie kam zum Tisch.
„Nein, bis jetzt noch nicht, aber das kann sich ändern. Kommt ganz auf dich an, Galew.“
Sie lächelte, die Locken umschmeichelten gefährlich ihr süßes Gesicht.
Erts’ Hände verkrampften sich unter dem Tisch zu geballten Fäusten. Er wollte aufstehen, wollte ihr eine schmieren, wollte sie wegschubsen und ihr laut und deutlich sagen, dass Galew zu ihm gehörte und dass sie ihre dreckigen Finger von ihm zu lassen hatte oder sie würde ihr blaues Wunder erleben.
Galews Arm wanderte hinter Rios Rücken vorbei und schlang sich um die Hüfte der Blondine, um sie zu sich herzuziehen.
„Sag’ mir deine Quartiernummer und ich hole dich um zwanzig Uhr ab und wir zwei machen uns einen unvergesslichen Abend.“
Sie kicherte und mit jedem einzelnen Laut spürte Erts schlimmere Schmerzen, die davon herrühren mussten, dass sein Herz auf grausamste Weise entzweigerissen wurde.
Sicher, Galew hatte auch die letzte Zeit mit Mädchen geflirtet, seit sie eine Affäre hatten, aber er war noch nie so weit wie heute gegangen und hatte ein eindeutiges Date mit der Absicht auf mehr ausgemacht!
Erts biss die Zähne so fest aufeinander wie er konnte. Er musste sich zusammennehmen. Er würde sich keine Blöße geben. Nicht hier, nicht jetzt.
Das Mädchen nannte ihrem Date die Quartiernummer und zwinkerte ihm dann zu, bevor sie mit einem lasziven Hüftschwung die Mensa verließ.
Rio grinste breit. „Wow, da hast du dir ja was Heißes geangelt.“
„Nicht wahr?“, triumphierte Galew.
„Das wird eine schlaflose Nacht geben, was, du Schwerenöter?“
Oh ja, das würde es werden, das sah Erts kommen. Ihm wurde schlecht und am liebsten wollte er sein ganzes Mittagessen wieder erbrechen, doch er beherrschte sich.
Stattdessen erhob er sich gezwungen ruhig vom Tisch. „Ich bin fertig. Wir sehen uns nachher beim Training.“
Galews Augen streiften und musterten ihn, das konnte der blonde Junge sehr wohl spüren, doch er ignorierte Galew kalt. Er wusste, wenn er jetzt den Blick erwiderte, dann wäre es um seine Selbstbeherrschung geschehen und dann würde er nicht mehr wissen, was er tat.
Also sah er tapfer nach vorne und ließ die anderen vier Piloten zurück. Nachdem er sein Tablett abgegeben hatte, verließ er fast fluchtartig die Mensa.
Er lief die langen Flure entlang, bis er einen der mehreren Entspannungs- und Freizeiträume erreichte.
Niemand war dort; sie waren wohl alle noch beim Mittagessen.
Erts schaffte sich mit letzter Kraft zu einer Bank in der Ecke und ließ sich schluchzend nieder. Er weinte und weinte, und es tat so gut. Es befreite ihn, er bekam auch etwas besser Luft, doch die Hilflosigkeit und der Schmerz, zu wissen, dass Galew nun jemand anderes haben würde, nagten sich brutal durch seine Seele.
Erts wusste nicht, wie viel Leid er noch ertragen konnte, ohne unter dieser ganzen Last zu zerbrechen.
Und in diesem Zuge erkannte der junge Pilot, dass es kein Zurück mehr für ihn gab. Es war nicht nur bloße Verliebtheit; er liebte Galew von ganzem Herzen. Der Schwerenöter von G.O.A. war seine erste große Liebe. Und eine aussichtslose dazu.
Ganz zu schweigen davon, dass er sich in diesem Moment schwor, niemals wieder jemanden zu lieben außer Galew, denn er würde solch einen Schmerz kein zweites Mal ertragen können. Dafür war er charakterlich viel zu labil und loyal gleichermaßen.
Sein Schluchzen wurde lauter, er unterdrückte es nicht mehr. Warum nur sah Galew nicht, wie sehr sein Teamkollege sich nach ihm verzehrte? Was, wenn er es gar nicht sehen wollte? Vielleicht war er ja auch nur ein Spielzeug für ihn, ein Druckventil?
Die Tränen des Jungen flossen schneller. Er wollte doch einfach nur von Galew geliebt werden. Nichts weiter. Mehr wünschte er sich nicht, zumindest seit diesem Moment. Es war sein einziger Wunsch, an den er sich klammerte.
„Erts?“, erklang eine verzerrte Stimme hinter ihm.
Der Angesprochene zuckte zusammen und zwang sich sofort, mit dem Weinen aufzuhören, doch es klappte nicht.
Langsam sah er über die Schulter.
Es war nicht Galew, es war Tune, seine Fluglotsin.
Schüchtern trat sie näher. „Ich habe deinen gequälten Gesichtsausdruck in der Mensa gesehen.“
Erts sah vor sich auf den Boden. Er wusste, sie war in seinen Bruder verliebt gewesen. Dass sie ihn nicht genauso akzeptierte wie Ernest, das war ihm auch klar. Doch sie gab sich Mühe, auch ihn als Piloten anzunehmen und ihm eine gute Lotsin zu sein.
Und er selbst war so erbärmlich. Er weinte, schlimmer als ein Mädchen.
„Ich komm’ schon irgendwie klar“, versuchte er sich herauszureden.
Das kam er natürlich nicht, aber er wollte sich Tune nicht anvertrauen. Sie würde ihn nicht verstehen, denn er war nicht Ernest. Er war ein blasser Hauch seines Bruders und stand in dessen Schatten mit dem Zwang, das Gleiche zu leisten wie er.
„Bist du sicher?“, hakte Tune leise nach.
Erts wagte kaum, sie anzusehen und wischte sich die Tränen weg. „Ich möchte dich nicht mit noch mehr Kummer belasten, Tune.“
Sie wurde blass vor Schreck.
Erts fuhr fort. „Ich weiß, dass du immer noch an Ernest hängst. Ich spüre es jeden Tag aufs Neue. Und bis du dich ganz mit seinem Tod und deiner Liebe zu ihm abgefunden hast, werde ich nichts von dir fordern, was dich belasten könnte.“
Tune schluckte und strich sich nervös eine silberfarbene Haarsträhne hinters Ohr. Sie wusste, sie war ihm nicht die Hilfe, die er eigentlich brauchte. Erts sah ihr Innerstes. Er wusste genau, wie sie fühlte. Sie konnte ihm nichts verheimlichen.  
„Ich weiß, du gibst dir Mühe und das schätze ich auch, Tune. Aber ich werde meine eigene Last selbst tragen.“
„D-Danke“, hauchte sie, während sich nun auch ihre Augen mit Tränen füllten. Und ehe sie fielen, machte sie kehrt und verließ den Raum.
Erts wusste nicht, was er nun denken sollte. Sie war gekommen, um ihn zu trösten und er hatte ihr geholfen, sich selbst zu helfen.
Der junge Pilot seufzte leise und strich sich durch die blonden Haare.
Er musste ebenfalls sich selbst helfen, nicht nur anderen.
Er versuchte, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Es half alles nichts. Galew und er waren nicht zusammen. Sie hatten nur eine Affäre und damit hatte er keinen Besitzanspruch auf Galew.
Fakt war doch eigentlich, dass Galew tun und lassen konnte, was er wollte und Erts konnte nur hilflos dabei zusehen, wie sein Herz nach und nach daran zerbrach.
Er fragte sich, was wohl das Beste war. Der Affäre den Laufpass geben und abschließen?
Nein, das konnte und vor allem das wollte er nicht. Er hing viel zu sehr an seinem Freund.
Er musste die Affäre weiter aufrechterhalten. Nur so konnte er Galew nahe sein. Es war nur die Frage, wie lange Galew ihn noch wollte.
Erts wollte gar nicht weiterdenken, nicht den Wenn-Fall in Betracht ziehen, falls Galew ihn nicht mehr wollte; wie einsam er dann wäre und welch Zerstörung seiner Selbst das zur Folge haben konnte.
Er musste weiterspielen. Das schien die einzige Lösung zu sein. Die einzige Lösung, bei der er Galew so nahe war, dass sie zu einem Ganzen wurden, zu etwas Perfektem.
Und er war bereit, dafür zugrunde zu gehen. Bereit, dafür sogar zu sterben.

* * * * *

Zum Training erschien Erts nicht weniger pünktlich oder später als sonst auch.
Die anderen waren fast alle da, nur Nummer Eins, Teela Zain Elmes, fehlte noch.
Galew redete gerade mit Rio, der gedanklich jedoch nicht bei seinem besten Freund war, sondern wohl irgendwo anders, denn sein Blick schweifte in die Richtung von Yu und ihm.
Erst wusste längst, dass Rios Neigung in die homosexuelle Art abzudriften schien.
Aber keiner außer ihm schien das zu bemerken. Erts war in diesem Moment froh über seine Gabe. Dann wanderte sein Blick suchend weiter.
Galew hatte ihn noch nicht einmal bemerkt. Erts wollte am liebsten alles tun, was nötig war, um seinen Freund auf sich aufmerksam zu machen.
So viel Aufmerksamkeit der grünhaarige Schwerenöter ihm abends, wenn sie zu zweit waren, schenkte, so wenig interessierte er sich scheinbar für ihn, wenn der normale Tagesablauf im Gange war.
Und das kränkte den Top-Piloten der In-Grid Reneighd Klein.
Wütend zog er seine Trainingsuniform an, nichtachtend des guten Stoffes, der sich den Trainierenden immer perfekt anpasste und eigentlich recht belastbar war, wenn man sorgfältig mit ihm umging.
Yu sah irritiert zu ihm herüber.
Erts fing seinen Blick, schwieg jedoch und machte kurz darauf weiter.
Sein Teamkollege wusste nicht recht, wie er damit umgehen sollte. Sie waren beide eigentlich recht ruhige, introvertierte Menschen. Sicher, wären sie Freunde, würden sie sich prima verstehen, das wusste Yu genau. Aber dazu mussten sie erst einmal Freunde werden.
Und das fiel dem Piloten der In-Grid Tellia Callisto schwer. Aber er konnte sich vorstellen, dass es Erts mindestens genauso schwerfallen musste. War er doch anstelle von seinem großen Bruder nun Pilot in einer Gruppe, die ihm fremd gewesen war und mit der er niemals zusammen in der Anwärterzeit trainiert hatte.
Yu beschloss, sich einen Ruck zu geben und über seinen Schatten zu springen.
„Du bist heute viel anders als sonst. Es muss etwas Größeres vorgefallen sein, wenn du schon so weit bist, deine Emotionen nicht mehr unter Kontrolle zu haben.“
Es war eine Feststellung, keine Vermutung.
Und nun war es an Erts, Yu Rede und Antwort zu stehen oder es sein zu lassen und damit den Anflug einer Freundschaft mit dem anderen Jungen, der ihm von allen in der Gruppe am ähnlichsten war, in den Wind zu schießen.
Und Erts konnte Freunde momentan mehr als dringend gebrauchen, denn er hatte außer Galew momentan und Zero in seiner Anwärterzeit niemals Freunde gehabt. Und Zero... den würde er wohl ohnehin nie wieder sehen.
Erts schluckte seinen Zorn hinab und versuchte, sich zu beruhigen. „Es ist absolute Hilflosigkeit, die mich so wütend gemacht hat.“
„Hilflosigkeit?“
„Ja. Hilflosigkeit ist das schlimmste, was einem passieren kann, wenn man etwas erreichen will und es sich mehr als alles andere überhaupt wünscht.“
Es war nichts als die Wahrheit, was über seine Lippen sprudelte. Jedes Wort war exakt das, was er momentan fühlte.
Yu bemerkte, dass Erts sich nicht traute, ins Detail zu gehen, aber das war in Ordnung. Der Anfang war gemacht. Und es war sowieso höchste Zeit gewesen, dass sie beide sich etwas annäherten. Erts war nun schon rund ein Jahr in ihrem Team und sie hatten kaum zehn Sätze miteinander gewechselt. Eigentlich war es eine Schande.
Yu versuchte, nicht so distanziert und beherrscht zu wirken wie sonst immer, denn er wusste, das schreckte andere Menschen ab, wenn sie nicht gerade Galew oder Rioroute hießen. „Darüber zu reden hilft vielleicht.“
„Ja, vielleicht“, echote Erts. „Aber momentan geht es nicht. Trotzdem danke.“
Er zwang sich zu einem kurzen, dankbaren Lächeln.
Yu musterte ihn mit einem besorgten Blick. Er selbst gehörte nicht zur Sorte der starken Menschen, er gehörte zu den labileren, auch wenn er sich das nie anmerken ließ. Seine reservierte Art half ihm dabei. Das einzig starke an ihm war seine Fähigkeit.
Bei Erts musste es wohl ähnlich sein, so vermutete er. Nur dass Erts nicht reserviert war, sondern offen und freundlich. Und damit ein Ziel für Ausnutzung.
Yu beobachtete seinen Teamkollegen verstohlen. Dessen Blick wanderte über die Trainingsfläche, auf der Rio und Galew bereits mit dem Training begonnen hatten.
Sein Blick schien besonders Galew zu gelten. Hatten sie vielleicht Streit?
Erts’ Blick wurde immer trauriger, je öfter Galews Lachen zu vernehmen war.
Vielleicht war es aber auch etwas anderes. Yu wusste es nicht. Und eigentlich wollte er auch nicht weiter darüber nachdenken, denn er hatte seine eigenen Probleme.
Erts würde ihm bestimmt noch irgendwann sagen, was ihn bedrückte. Er musste nur geduldig sein.
„Lass’ uns auch trainieren.“
Der Angesprochene gehorchte ohne auch nur ein Wort.
Sie lernten neue Techniken mittels den Pro-Ings. Diese würden sie bei Gelegenheit in den In-Grids testen. Aber dazu brauchte man eben Geschick, daher das unerlässliche Training.
Erts war heute aggressiver als sonst, so schien es Yu. Er zögerte bei den Angriffen keine Sekunde lang.
Es war hier eigentlich die beste Möglichkeit, die angestauten Aggressionen abzubauen, schoss es Yu durch den Kopf. Und so sparte auch er keine Kräfte auf.

Etwa zwei Stunden später – Teela war inzwischen ebenfalls dazu gestoßen – waren sie alle durchgeschwitzt.
„Mann, eine ausgiebige Dusche wär’s jetzt“, ächzte Rio und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Ein paar der dunkelblonden Strähnen blieben dabei auf der Haut kleben, doch das störte ihn nicht weiter.
„Worauf warten wir dann noch?“, grinste Galew, der ebenfalls ziemlich verschwitzt war. „Wer als erster im Duschraum ist.“
Und damit stürmte er los, scheinbar ohne auch nur einen Ansatz von Müdigkeit.
‚Wahrscheinlich freut er sich auf sein Date und kann’s kaum erwarten’, dachte Erts melancholisch bei sich.
Yu und er folgten den beiden Streithähnen und sie nahmen im Gemeinschaftsduschraum eine Abkühlung auf der Haut ein.
Erts spürte Galews Blicke auf seinem Körper. Normalerweise genoss er es, doch heute war es ihm unangenehm, angesichts der Tatsache, dass Galew heute Nacht bei einem Mädchen sein würde, um sie flachzulegen.
Der 15-jährige Pilot drehte sich einfach um und streckte Galew die Kehrseite entgegen.
Als Galews lüsterne Blicke immer noch nicht endeten, warf er einen scheuen Blick über die Schulter. Galew fing ihn und zwinkerte ihm zu.
‚Also, das ist ja wohl das Allerletzte!’, dachte Erts und die Wut kehrte zurück. ‚Wie kann er es wagen, mich noch so anzusehen, wenn er genau weiß, dass ich die Sache mit seinem Date mitbekommen habe!?’
Er warf Galew einen bezeichnenden Blick zu und sah wieder nach vorne. Was erlaubte dieser Schürzenjäger sich eigentlich? Dachte der wirklich, man konnte auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen?
Erts war es leid. Er stelle die Brause aus und schlang ein Duschtuch um sich, um danach den Duschraum zu verlassen.
Kurz darauf folgte ihm auch schon Galew.
Erts zog sich wortlos an und ignorierte die Anwesenheit seines Freundes.
Nun kamen auch Rio und Yu und lockerten die Stimmung auf durch ein Thema, das Rio anschnitt, das da lautete ‚Wie besiegt man die Victims so, dass es auch noch cool dabei aussieht?’.
Erts beteiligte sich nicht am Gespräch. Er hatte keine Nerven dazu. Er hoffte, dass die anderen möglichst schnell den Umkleideraum verließen, damit er alleine war und keine gute Miene zum bösen Spiel machen musste.
Sie gingen alle nach und nach – bis auf Galew.
Die Türe schloss sich und schon drehte sich der große Kerl zu ihm herum.
„Was ist denn heute los mit dir? So kenne ich dich ja gar nicht.“ Es klang nicht sauer oder enttäuscht, eher überrascht. Und genau das war etwas, was Erts jetzt am wenigsten brauchte – dieses Überraschungs-Getue. Die Miene der Unschuld, die er wahrlich nicht hatte!
Er funkelte kurz über die Schulter und wendete sich danach dem Eincremen seines Gesichtes. „Was soll deiner Meinung nach sein?“
Zappeln sollte der Schürzenjäger. Heraus kitzeln musste er es, wenn er Details wissen wollte.
Doch Erts hatte nicht mit Galews Hartnäckigkeit gerechnet. Er konnte zäh sein wie Kaugummi.
„Erts, wir kennen uns jetzt schon eine ganze Weile. Ich merke sehr wohl, wenn du dich anders als sonst verhältst.“
Der Angesprochene wollte ihm am liebsten um die Ohren hauen, was für ein unglaublicher Schnellchecker dieser doch war und wie seltsam schwach sein Gedächtnis funktionierte, aber Erts wäre nicht Erts gewesen, wenn er sich solch eine Unhöflichkeit erlaubt hätte.
Er rieb sich mit dem Handtuch die Haare etwas trockener und strich sie danach mit den Fingern in ihre Bahnen. Erst danach sah er Galew an, in scheinbarer Gemütlichkeit, als hätte er alle Zeit der Welt.
Eigentlich hatte Galew die Standpredigt seines Lebens verdient, wirklich. Aber Erts konnte ihm einfach nichts in lautem Ton entgegenwerfen.
„Weißt du“, begann er dann langsam, „ich habe gedacht, du hättest die Lösung wenigstens selbst erkannt, aber da lag ich wohl falsch.“
Hinter Galews Augen begann es zu rattern. „Ist es etwa wegen... dem Mädchen heute in der Mensa?“
Bingo.
Erts’ Nasenflügel bebten für einen kurzen Moment, doch drang kein Ton über seine Lippen.
Sein Freund wusste, er hatte richtig getippt.
Er holte zu einer Ausflucht Luft, doch Erts gab ihm die Möglichkeit nicht.
„Ich weiß, dass wir nicht zusammen sind. Das musst du mir gar nicht erst vorhalten.“
Galews Gesichtsausdruck wurde etwas überrumpelt. „Äh..“
„Aber verstehe bitte an dieser Stelle auch mich. Ich habe nämlich keine Lust darauf, das Bett mit dir zu teilen, wenn du vorher mit jemand anderem in die Kiste gesprungen bist. Das widert mich an.“
Jetzt hatte er Galew an eine gefährliche Schneide gebracht und sogar womöglich heraufbeschworen, dass dieser ihrer Affäre den Laufpass gab, um seine Freiheiten weiterhin voll auskosten zu können, dessen war Erts sich bewusst. Aber er wollte sehen, wie wichtig seinem Freund ihre Affäre war.
Und Galew war nun wirklich überfahren; er wusste in den ersten Sekunden nichts zu erwidern. Denn Erts’ Vorwurf hatte wirklich Biss.
Doch dann hatte er sich endlich Worte zurechtgelegt.
„Meinetwegen. Ich werde mich etwas einschränken.“
Bei dem Wörtchen ‚Etwas’ läuteten bei dem Jüngeren sämtliche Alarmglocken. Ein Galew konnte sich nämlich nicht gänzlich einschränken. Ein Galew war polygam veranlagt.
Doch Erts beließ es dabei – zumindest für den Moment.
„Danke.“
Und dann kam Galew auch schon auf ihn zu. „Ich habe dich vorhin übrigens angesehen.“
„Ich weiß“, murmelte Erts schwach.
„Und weißt du was? Ich habe gerade ziemlich Lust auf dich, weil du verdammt gut aussiehst. “
In der Brust des jüngsten der Top-Piloten begann es ziemlich heftig zu hämmern. Er wich langsam zurück, bis die Wand kam und Galew direkt vor ihm war, sodass er keine Möglichkeit mehr hatte zu entkommen.
Dieses wohlvertraute, spannende Knistern entstand.
„Galew, wir können doch nicht hier... Was ist, wenn jemand kommt?“
„Da wird schon niemand kommen. Und außerdem ist das hier jeden Kick wert.“
Bevor Erts noch einmal protestieren konnte, spürte er auch schon Galews Hände an seinen Seiten, seinem Rücken, Po, einfach überall, seine Lippen an seinen Wangen, seinem Kinn, seinem Mund.
Seine Knie wurden weich, sein Verstand benebelt und er wusste, es war zu spät für eine Rückkehr, denn er begehrte seinen Partner mindestens genauso sehr wie dieser ihn.

* * * * *

Armer Erts. ._.
Mal sehen, ob die FF gut ankommt. Würde mich speziell zu dieser FF über Kommentare freuen, da mir dieses Werk sehr am Herzen liegt. 8D
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