Aufgespießt: Schriftstellerische Zumutungen

von Robidu
GeschichteHumor / P12
22.04.2010
13.10.2013
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Es ist immer wieder erstaunlich, was einige AutorInnen ihren Idolen da teilweise andichten.
Nehmen wir beispielsweise einmal das Fandom Prominente → Musik → Tokio Hotel und betrachten uns einmal die Geschichten, die dort anzufinden sind. Slash hier, Twincest da, gepaart mit Bettgeschichten und anderen Dingen. Auf die wenigen Geschichten, auf die dies nicht zutrifft, will ich hier nicht weiter eingehen, genauso wenig wie ich andere Fandoms aus dem Bereich „Reale Personen“ ins Kalkül ziehen werde, da Tokio Hotel mit Abstand am ergiebigsten zu sein scheint, was derlei Funde betrifft; man kann all das jedoch auch problemlos auf die anderen Kategorien anwenden...

Wie die erste Komponente des Fandoms bereits aussagt, handelt es sich um real existierende Personen, denen logischerweise vom Grundgesetz eine ganze Reihe Rechte zugestanden werden, die von verschiedenen anderen Gesetzen abgesichert sind.
Dies ist der Phantasie verschiedener AutorInnen jedoch so ziemlich egal – frei nach dem Motto „Die Gedanken sind frei“ wird munter aufgeschrieben und veröffentlicht, was einem gerade so in den Sinn kommt, egal ob es mit der Realität übereinstimmt oder nicht.
Inzest (Twincest)? Warum nicht? Mit erfundenen Figuren klappt das ja auch wunderbar, weshalb dann nicht auch hier?
Vergewaltigung und Konsorten? Nur zu – funktioniert anderweitig ja auch...
Beziehungskisten und Sex? Das will leserIn schließlich haben, also einmal andichten, bitte!

Daß dies jedoch geradezu nach Ärger schreit, wird dabei entweder gar nicht wahrgenommen oder eben geflissentlich ignoriert – oder im extremsten Fall billigend in Kauf genommen. Schließlich gibt es in Deutschland immer noch Redefreiheit, wen interessieren da schon die Persönlichkeitsrechte anderer? Und zudem ist man ja Fan dieser Person(en), von daher hat man ja wohl erst recht das Recht dazu, das zu schreiben, was man will, denn die Betroffenen sind in der beschriebenen Konstellation ja „sooooooooooooo süüüüüüüüüüüüüz!“
Schließlich bekommen die Zielpersonen auf diesem Wege ja die Aufmerksamkeit ihrer Fans geschenkt, was wollen die also mehr? Einziger Schönheitsfehler: Die Betroffenen könnten mit Sicherheit auf diese Form der Aufmerksamkeit verzichten...
Doch das hindert diverse sogenannte Fans nicht daran, ihr gar schändlich Tun ihre Aktivitäten in irgendeiner Form einzuschränken. Um Himmels Willen! Wo kämen wir denn da hin? Dann kann man doch nicht mehr signalisieren, wie sehr man die betreffenden Personen doch mag – und außerdem kann man so gleich seine eigenen absolut schrägen Phantasien mit ausleben. Also stellt euch gefälligst nicht so an!
Oder wollt ihr eure Fans etwa mit derlei Unbefindlichkeiten verprellen? Asche über eure Häupter, und jetzt ab in die Ecke und eine Runde schämen! Spielverderber!
Also wirklich! Ihr müßt doch nicht gleich alles so bierernst nehmen und jedes Wort auf die Goldwaage legen! Das ist nicht gut für den Blutdruck, und ein Herzinfarkt kommt auf dem Wege auch schneller, als man ihn hätte haben wollen. Und wenn man nicht aufpaßt, stehen die ganzen lieben Fans plötzlich ohne Idol da, und so etwas führt schon mal zu lebensbedrohlichen Existenzkrisen!
Warum laßt ihr euren sogenannten Fans also nicht ihren Spaß, selbst wenn einigen von ihnen ein Besuch bei einem Neurologen oder Psychiater dringendst anzuraten wäre, um die Funktion der grauen Zellen der Betreffenden einmal gründlich durchsehen zu lassen. Was für euch die Musik, der Sport, die Schauspielerei oder was auch immer ist, ist für eure Fans hier schließlich die Schriftstellerei – und das sollte man ja wohl respektieren, auch wenn die Staatsanwaltschaft da schnell anderer Meinung ist.
Aber deren Meinung ist ja nicht so wichtig, weshalb man hier also getrost fortfahren kann – bis der Postbote kommt und euch eine Vorladung zu einer Vernehmung oder gleich die Anklageschrift wegen des Vorwurfs der üblen Nachrede überbringt...