Zurück nach Nikko

von Teekon
GeschichteDrama / P16
Cyclops / Scott Summers Wolverine
15.04.2010
25.06.2013
30
189503
3
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In seinen fein geschnittenen schwarzen Hosen und dem darüber fallenden weinroten Jackett wirkte der junge Mann mindestens halb so dünn und zierlich, wie er wirklich war. Und selbst das war schon kaum mehr als ein Strich in der Landschaft. Mühelos hätte er sich hinter einem gewöhnlichen New Yorker Laternenpfahl verstecken können, dieser Knilch mit dem glänzenden blauschwarzen Pagenschnitt. Die Brille mit dem viel zu dicken schwarzen Rand machte es nicht besser, und dennoch lächelte er so frei und offen, wie es in diesem Land überhaupt nur möglich war.

„Daisuke“ stand auf seinem goldenen Namensschild, das blinkte und blitzte im Licht der Kronleuchter von allen Seiten. Ob das nun tatsächlich nur eine Anrede war, oder ob der Portier wirklich so hieß, das ließ sich nicht nachvollziehen. Er verbeugte sich nur tief und in einer solch ungestellten Unterwürfigkeit, dass man davon Angst bekommen würde, wenn man es nicht gewohnt war. Sein Auftreten war so souverän, selbst ein Erdbeben der Stärke 8.0 auf der nach oben offenen Richter-Skala hätte ihn nicht aus der Fassung gebracht. Dunkle Sonnenbrillen, eine Uzi im Anschlag, barsche Worte, nichts davon würde sein Lächeln aus diesem kindlichen Gesicht wischen oder ihn auch nur irgendwie nach außen hin Verunsicherung bezeugen lassen.

„Kônnichi wâ!“ (1) grüßte er nur zuckersüß und trat einen Schritt beiseite, auf keinen Fall zulassend, dass sich sein Gegenüber ebenfalls verbeugte, denn das würde bedeuten, er müsse es noch einmal tun. Und er hatte schon genug von diesen Ausländern erlebt, die es einfach nicht begriffen. Sich immer und immer wieder den Rücken verkrümmen zu müssen, bis die Langnasen endlich nachgaben und mit der Verbeugerei aufhörten, damit er, als Bediensteter, das ebenfalls tun konnte, gehörte nun wirklich nicht zu seinen Lieblingsaufgaben in diesem Beruf. Aber das würde Watanabe Daisuke niemals auch nur aussprechen, geschweige denn sich darüber beschweren. Und auch dieser außergewöhnliche und seltsame Besuch würde ihn nicht dazu bewegen, das Lächeln aufzugeben, dachte er im hintersten Eck seines disziplinierten Bewusstseins, bis er sich wieder aufrichtete, um sich dem nächsten eintretenden Gast zu widmen, und zum ersten Mal seit Menschengedenken einem Mann aus diesem altehrwürdigen Geschlecht das Gesicht entgleiste.

Hätte jemand in diesem Moment auch nur einen Seitenblick für ihn gehabt, er wäre für Jahre das Gesprächsthema der Belegschaft gewesen. So aber war der Grund für seine Respektlosigkeit gleichzeitig seine Rettung.

Der vorausgehende Gaijin in einem leichten dunklen Anzug war halb in der Lobby stehengeblieben, hielt sich an seiner Aktentasche fest und schaute sich neugierig, aber nicht aufdringlich um. Wie einer der jeden Tag zu Tausenden in die Stadt strömenden Geschäftsleute war er nicht sonderlich auffällig gekleidet, eher gewöhnlich, und dennoch blieben einige Blicke an ihm hängen. Das lag weder an dem einfachen, gegelten Seitenscheitel, noch an den blankgeputzten Schuhen.

Ein recht junger Herr war das, wohl Amerikaner, das ließ sich schon erkennen, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hatte. Irgendwie unterschieden sie sich von Europäern, obwohl man im ersten Augenblick vielleicht behaupten mochte, dass die Goldhaarigen alle gleich aussahen. Das Kinn könnte es sein, sehr prominent und ausladend, ohne deplatziert zu wirken. Dieser hier betonte es besonders dadurch, keine einzige Bartstoppel darauf stehen zu lassen, was den Gaijin (2) sonst recht schwer zu fallen schien. Ein hübscher Junge wahrscheinlich, wenn man den Geschmack dafür hatte. Aber wie gesagt: Das war es nicht, was ihn so außergewöhnlich machte.

Es war die Sonnenbrille, oder was auch immer es war. Getönt waren die Gläser, jedoch nicht im klassischen Dunkelbraun und auch nicht in modischerem Schwarz oder Gold. Nein, es war ein durchdringendes, jegliches Gegenlicht aussperrendes Rot, das wie Rubine schimmerte. Sehr seltsam, sehr ungewöhnlich. Daisuke konnte sich nicht vorstellen, dass man damit überhaupt etwas sehen konnte. Dieser junge Mann aus Gaikôku (3) jedoch schien sich sehr wohl zu fühlen und wunderbar zurecht zu kommen. Langsam und bedächtig, forschend beinahe glitten seine nicht sichtbaren Augen durch das Foyer im fünften Stock des Okura Hotels, saugten die Atmosphäre auf und verschafften ihm einen Eindruck von seiner derzeitigen Umgebung. Aus irgendeinem Grund war dem Liftboy eines klar: Auch wenn es so aussehen mochte, als könne er kaum zwei Meter weit schauen, nahm dieser doch so biedere Geschäftsmann mehr wahr als Daisuke an diesem Ort jemals bemerkt hätte, und dabei arbeitete er hier seit er die Schule verlassen hatte.

'Nichts ist so wie es scheint. Du musst immer erst hinter die Fassade blicken,' hatte ihm sein Großvater oft eingetrichtert, wenn er ihn auf dem staubigen Dachboden seines alten Holzhauses unten im Tempelbezirk besucht hatte, wo er seine Bonsai schnitt und pflegte, bis der alte Mann starb und die letzte traditionelle Wohnstätte dort unten dem Erdboden gleichgemacht worden war. Wie hatte er ihn immer belächelt. Und dennoch, auf einmal, hier, an dieser Stelle, wo er jeden Tag Stunden zubrachte, kam ihm aus heiterem Himmel die Erkenntnis, dass Großvater recht gehabt hatte. Nur durch den Anblick eines langweilig normalen GI-Joe mit tiefroter Sonnenbrille.

Trotzdem: Das war nicht der Grund, wieso einem abgebrühten Hoteljungen, der schon so viele Menschen aus aller Welt hatte kommen und gehen sehen (und bei jedem hatte er freundlich gelächelt und sich verneigt), plötzlich die ineinander verhakten und behandschuhten Hände zitterten. Direkt hinter dem jungen Geschäftsmann trat ein weiterer Gaijin ein, der, so ungewöhnlich es bei jeglicher Betrachtung, dem ersten Blick und auch genauerem Forschen doch sein mochte, offenbar zu eben diesem gehörte. Die Kleidung war nahezu empörend. Wildlederne, konisch zulaufende Spitzen von genagelten Stiefeln schauten unter ausgebleichten und abgetragenen Blue Jeans hervor. Die dunkle Lederjacke mit den drei gelben Streifen um die Unterarme war kaum lang genug, um den breiten Gürtel mit der blinkend silbernen Schnalle in Form eines X in einem Kreis zu verdecken.

Aber wahrscheinlich lag das auch daran, dass der breit und kräftig gebaute Mann eine Hand knapp über dem Hosenbund in die Hüfte gestemmt hatte, so dass sein Daumen hinter der Taille verborgen blieb. Über die andere Schulter hatte er eine zerschlissene und verbeulte Ledertasche, wohl sein Handgepäck und das Pendant zum Aktenkoffer seines Begleiters, gehängt, was die Jacke noch weiter aufzog und ein weiß und schwarz kariertes Hemd mit eingelassenen, schmalsten roten Streifen zum Vorschein brachte.

Aus dem offenen Kragen quoll ein Teil seiner für Langnasen typischen Brustbehaarung heraus, und er wischte sich laut schniefend mit dem Handrücken über Nase und Kinn, während er aus dem Fahrstuhl trat. Sein Gesicht konnte Daisuke nicht erkennen, war es doch hinter der breiten Krempe seines Stetson Wagon Wheel in original Wieselfell-Farbe vergraben. Nur der wie bei einem Tiger abstehende Backenbart fiel gleich ins Auge. Wie frisch aus einem John-Wayne-Film entsprungen war dieser Mann, und genau so stiefelte er geraden Rückgrats mitten in die Lobby eines Tokyoter Fünfsterne-Hotels. Watanabe Daisuke vergaß zu grüßen und sich zu verbeugen.

Das war ein sehr nett anzusehendes Foyer, befand der junge Mann in seinem Anzug, nickte wie zu sich selbst und fasste die U-förmig angelegte Theke der Rezeption ins Auge. Nach westlichem Vorbild angelegt, brauchte er die Kanji (4)-Schriftzeichen nicht zu übersetzen, ganz abgesehen davon, dass in perfektem Englisch die entsprechenden Bezeichnungen dazu geschrieben waren. 'Sie können es gar nicht schlecht, aber ihre Aussprache ist entsetzlich, Sie werden mit Englisch nicht weit kommen,' hatte man ihm mehrfach versichert, aber er würde schon zurecht kommen. Und zur allergrößten Not musste er eben Plan B aktivieren. Jedenfalls gehörte es für Scott Summers nicht in die erste Wahl, seinen Begleiter für sich oder gar für die Schule sprechen zu lassen, und mochte sein Japanisch noch so fantastisch sein. Er konnte sich lebhaft vorstellen, dass der es hinkriegen würde, auch aus dieser respektvollen Sprache noch ein 'spuck's aus, Gott verdammt, Du Dreckskerl!' herauszukriegen. Falls das überhaupt möglich war. Wenn es einer konnte, dann er. Und darauf wollte er es wirklich nicht ankommen lassen.

Ohne sich zu ihm umzudrehen, sondierte Scott weiterhin den Saal, betrachtete die schlichte Einfachheit und den gut zur Schau gestellten Luxus genauso aufmerksam wie er einen jeden Menschen musterte, ob Gast oder Angestellter. Dem Liftboy hatte er höflich zugenickt, so wie man es ihm erklärt hatte bei Bediensteten tun zu müssen, und nun beachtete er ihn nicht weiter. Trotzdem verdunkelte sich sein Gesicht etwas, und die Stirn legte sich in Falten. Verdammt, diese Kerle sahen alle gleich aus! Missmutig schnaufend versuchte er, sich an das Gesicht auf dem Foto besser zu erinnern. Nein, alle ungefähr gleich groß, alle dunkelhaarig und irgendwie sogar mit dem gleichen Haarschnitt, und jeder hatte verflucht nochmal die selben flachen, nichtssagenden Gesichtszüge. Scott schüttelte den Kopf.

„Logan?“ fragte er, gerade mal das Kinn so weit herumdrehend, dass es die eigene Schulter berührte. „Hm?“ Sein Begleiter antwortete so, wie er es den gesamten Flug und die Fahrt vom fast anderthalb Stunden entfernten Flughafen herüber getan hatte. Einsilbig, halb abwesend und in sich gekehrt. Keine Ahnung, wieso er das machte. Natürlich, Scott hatte auf diesen Trip auch keine Lust gehabt. Schon gar nicht in dieser Konstellation. Aber der Professor hatte es für nötig erachtet.

Geschickt war das sicherlich nicht, auch wenn vermutlich wieder irgendein typisch PSI-begabten tiefenpsychologischer Gedanke dahinter stand, sie beide zusammen, allein, getrennt von allen anderen auf eine Mission zu schicken, die nicht gefährlich sein würde, aber die es erforderte, sich auf einander zu verlassen und vor allem, miteinander zu kommunizieren. Und Scott hatte pflichtbewusst wie immer versucht, sich daran nicht nur zu halten, sondern auch irgendwas daraus zu machen. 'Probiert's wenigstens mal,' hatte Jean gebeten, und dabei hatte ihre Lippe gezittert wie die eines kleinen Kindes im Süßwarenladen. Mit den Augen rollend, hätte Teamleader #1 wirklich kotzen können bei der Erinnerung. Mit dem neuen Liebhaber seiner Ex unterwegs. Yay. Spielen wir Pfadfinder! Lass uns beste Freunde sein! Würg.

Logan dagegen tat gar nichts. Jedes Gespräch, das Scott unterwegs hatte beginnen wollen, seit sie im Van das Gelände verlassen und die Graymalkin Lane heruntergerauscht waren, hatte er nicht mal abgeblockt, sondern gar nicht erst aufkommen lassen. Mit Antworten so informativ wie dieses „hm?“ jetzt. Im Flieger hatte er penetrant auf einem Kaugummi herumgekaut, bis es schon einem Kiesel ähnelte, aber auch dort hatte er kein Wort gesprochen, schon gar nicht mit Scott. Auch geschlafen hatte er nicht, nur stundenlang auf die Rückenlehne seines Vordermannes gestarrt und ungefähr zehn Martini gekippt, ohne davon betrunken zu werden.

Von einem sonst so ungeduldigen Menschen erwartete man es einfach nicht, dass er zu einer solchen Stoa in der Lage war. Immer wenn Scott aufgewacht war und unter seiner Decke am Fenster hervorgelugt hatte, war ihm das gleiche Bild erschienen: Logan, tief in seinen Sitz versunken, diesen schäbigen Cowboyhut auf dem Kopf und weit hinunter in die Stirn gezogen, die Augen jedoch offen.

Ob es was mit Dr. Howletts seltsamen Spruch zu tun hatte, den sie auf den Stufen des Xavier-Anwesens gebracht hatte: 'Gut achtgeben, dich von Silber und Katanas (5) fernhalten, und es kann nichts schiefgehen!' Scott teilte durchaus ihre Meinung, dass man Logan auf keinen Fall ein Samurai-Schwert in die Finger geben sollte, aber was zum Geier sie mit dem Silber im Kopf gehabt hatte, darauf konnte er sich keinen Reim machen. Am Ende hatte er einfach entschieden: Logan war eben nun mal Logan. Den Kerl würde er nie verstehen und wollte es auch eigentlich gar nicht. Und wenn er hier eben den Schweigsamen spielen wollte, dann bitte sehr. Summers jedenfalls würde seinen Auftrag erledigen und nach bestem Wissen und Gewissen so schnell wie möglich durchziehen. Am liebsten schon gestern, und dann ab nach Hause.

Den Kopf hebend, entschloss sich Logan zu ungefähr der selben Strategie. Es war jetzt an der Zeit, sich aus seinen Gedanken zu reißen, die vergebliche innere Reise in eine verschüttete Vergangenheit zu vergessen und es aufzugeben, die verstreuten Puzzleteile, auf die er Zugriff hatte, zu verbinden zu suchen. Später hätte er vielleicht noch Zeit dazu. Möglicherweise konnte er nach Beendigung dieser Sache mit Summers hier noch ein wenig herumziehen und schauen, ob ihm etwas einfiel. Allzu lange sollte das ja nicht dauern. Ab diesem Moment jedoch war seine Aufmerksamkeit gefragt.

Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich für Sekundenbruchteile auf seiner katzenartigen Netzhaut und reflektierte so grell zurück, dass seine Pupillen wie Halogenscheinwerfer wirkten. Wäre es von irgendeiner Relevanz gewesen, ihn hätte das Zusammenzucken des Liftboys aufgeschreckt. Aber es war nur Nebensache, wie das Fallen eines Blattes im dichten Laubwald. Und deshalb registrierten seine Sinne es nicht im Bewusstsein.

Die Hand glitt von seiner Hüfte hinauf in die Innentasche seiner geliebten Lederjacke und fingerte geschickt eine Zigarre und sein Sturmfeuerzeug heraus. Das war nach dem langen Flug genau das Richtige, dachte er sich, während sein Blick nun doch über den jungen Mann zu seiner Linken streifte. Augenblicklich zog Logan die eine Augenbraue hoch und den Kopf zurück. Was hatte der denn für Affekte? Höchst unjapanisch, sagte ihm irgendwas. War doch sicher nicht der erste Kaukasier, der ihm über den Weg lief. Die Schultern zuckend, stopfte Logan sich die Zigarre zwischen die Zähne und zündete sie an, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an den Pagen zu verschwenden.

„Wann hat Mr. Fujimura noch mal gesagt, würde er herkommen?“ stellte Scott endlich seine Frage, dabei weiterhin jede einzelne Person im Raum musternd. Ehrlich gesagt war er sich nicht einmal mehr sicher, ob es sich bei Mr. Fujimura tatsächlich um einen Mr. gehandelt hatte. Am Telefon jedenfalls hatte er recht indifferent geklungen. Und ja, sein Englisch war schrecklich gewesen.

Von irgendwo hinter ihm drang eine Fahne beißenden, süßlichen Rauchs an seine Nase, und Scott fuhr herum. Natürlich hatte Logan es nicht mehr ausgehalten und sich eine angesteckt. Den Mund aufmachend, wollte Summers zu einer Tirade ansetzen, schluckte es aber gleich herunter und klappte die Kiefer wieder zusammen. Nutzlos. Und seinem eher zweiten, heimlichen Auftrag von Xavier und „Grey“, wie er sie jetzt einfach für sich nannte, um das Persönliche auszublenden, nicht gerade zuträglich.

Es fiel Logan nicht auf, er war offenbar selbst sehr damit beschäftigt, sich die umher wuselnden Massen des Hotels anzuschauen. Mit einem raschen Blick auf seine klobige Armbanduhr zuckte er die Achseln. „Haben noch genug Zeit für 'ne Dusche,“ entgegnete er schließlich und deutete mit dem Kinn auf die Rezeption. „Sollten rauf auf's Zimmer.“ Damit war Scott höchst einverstanden, und seinen Aktenkoffer fester greifend, begab er sich in Richtung der jungen Dame im roséfarbenen Kimono hinter der Theke.

Der Geschäftsmann aus Gaikôku schritt fest und ausladend davon, und sein raubeiniger Begleiter folgte ihm langsam, aber selbstbewusst, während Daisuke zurückblieb auf seinem Posten. So seltsam es auch klingen mochte: Amerikanisch großspurig sah er aus mit den Stiefeln, dem Stetson, der Zigarre, den Jeans; dagegen höflich unauffällig der Andere in seinem einfachen Anzug, der gut gebundenen Krawatte, zurückhaltend; und trotzdem war etwas an dem Mann mit dem Backenbart, das ihm mehr als dem der japanischen Geschäftswelt so angepassten Businessman die Ausstrahlung und fast schon die ehrenvolle Erhabenheit eines echten Bushi verlieh. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund, man mochte es echtes Hara-gei (6) nennen, wusste Watanabe Daisuke, dass hier einer lief, der, wenn es darauf ankam, seinen Ahnen an Rang und Würde in nichts nachstand, und der junge Hotelpage richtete sich auf und beschloss, sich vor diesem Sensei (7) in Zukunft besonders tief zu verneigen.  



Fußnoten: 1: Kônnichi wa – „guten Tag“. Allgemeine und höfliche Begrüßung zwischen Sonnenaufgang und etwa 17:00 Uhr, ähnlich wie im Deutschen.
2: Gaijin - „Fremder“. Ausländer, bsd. Kaukasier, nicht besonders freundliche Bezeichnung.
3: Gaikôku - „Fremdes Land“. Ausland, bsd. die USA.
4: Kanji – eines der drei Schriftzeichensysteme, aus dem Chinesischen und darum sehr ähnlich. Wird für Nomen, feststehende Begriffe, Orte und Personen benutzt (sofern dafür Kanji zur Verfügung stehen). Es gibt bis zu 80.000, in der Schule gelehrt werden knapp 2000. Ein Mediziner beispielsweise braucht 1000 weitere Zeichen zum Verständnis der Fachbegriffe.
5: Katana – das Langschwert des Samurai, auch Daitô genannt. Wird mit der Schneide nach oben entweder mit oder ohne Scheide im Gürtel hängend getragen.
6: Hara-gei – „Bauchgefühl“. Die Intuition.
7: Sensei – „Meister“. Einerseits Bezeichnung für den Lehrmeister oder Vorgesetzten, aber auch als Namensanhängsel für Lehrer, Ärzte und andere gesellschaftlich hoch anerkannte Personen beiderlei Geschlechts.
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