Schatzsuche

von GinaRayne
GeschichteHumor / P6
Freddie Faulig Sportacus Stephanie
15.04.2010
26.04.2010
6
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Vor einem halben Jahr sind neue Gesichter nach Lazy Town gekommen: Das Ehepaar Marina und Ralph Mischauf mit seiner Tochter Kati (13) und den Zwillingen Stefan und Michael (10). Die Kinder machen ihrem Namen alle Ehre und bringen frischen Wind nach Lazy Town. Ralph hat die freigewordene Arztpraxis in der Stadt übernommen, und die Kinder haben sich mit Stephanie, Sportacus und Co. angefreundet.
Zusammen erleben sie jetzt neue Abenteuer, zum Beispiel das hier:

Schatzsuche

Als Stephanie an diesem Morgen die Augen öffnete, wusste sie sofort, dass sich über Nacht ihr größter Wunsch erfüllt hatte. Nach fast drei Wochen Frost und immer wieder Eisregen hatte es nun endlich geschneit.
Mit einem Jubelschrei sprang Stephanie aus dem Bett und tanzte im Nachthemd durchs Zimmer. „Schnee! Schnee! Es hat geschneit, juhuuu, es hat geschneit!“
Angelockt durch den Krach, den seine Nichte machte, kam Meinhard Meintsgut, der Bürgermeister von Lazy Town, in ihr Zimmer und machte ein sehr erstauntes Gesicht. „Guten Morgen, Stephanie. Ach Gottchen, was ist denn mit dir los? Worüber freust du dich denn so?“
„Guten Morgen, Onkel Meinhard! Hast du schon gesehen? Es hat geschneit, es hat endlich geschneit! Ist das nicht toll, Onkel?“ Begeistert und überschwänglich umarmte Stephanie ihren Onkel.
Der wusste erstmal überhaupt nicht, was er zu diesem Gefühlsausbruch sagen sollte. „Ach Gottchen, ja, natürlich ist das toll, Stephanie“, erwiderte er überrumpelt und beobachtete, wie sich das Mädchen in Windeseile umzuziehen begann.
„Dürfen wir denn heute zum Schlittschuhlaufen gehen, Onkel?“ fragte sie dabei. „Du hast gesagt, wir dürfen auf die Eisbahn, wenn es geschneit hat und die Wege nicht mehr so glatt sind.“
„Ach Gottchen, ja stimmt, das hatte ich ja ganz vergessen! Natürlich! Ich werde es gleich bekannt geben!“, und eilig wuselte er hinaus.
Liebevoll lachend sah Stephanie ihm nach und folgte ihm sofort.
Noch während die Leute beim Frühstück saßen, übertrug das Fernsehen eine Ansprache des Bürgermeisters, in der er verkündete, die am Stadtrand angelegte Schlittschuhbahn sei ab sofort zum Eislaufen freigegeben.
Johlend begrüßten vor allem die Kinder die Entscheidung und stürmten, das Frühstück vergessend, hinaus und sofort hinunter zum Stadtrand. Selbst der kleine Ziggy, der noch nie im Leben auf Schlittschuhen gestanden hatte, beeilte sich, denn seine älteren Freunde hatten ihm versprochen, ihm das Eislaufen beizubringen. Eine Weile später folgten die Erwachsenen, und schon bald herrschte fröhliches Treiben auf der Bahn.
Mit ein bisschen Verspätung kamen Kati und ihre Brüder Michael und Stefan hinzu. Obwohl das Mädchen seit dem Sommer nach vier Jahren im Rollstuhl wieder laufen konnte, wäre es für sie noch zu gefährlich gewesen aufs Eis zu gehen, darum blieb für sie nur die Rolle des Zuschauers. Das tat ihren Freunden leid, und sie überlegten, wie sie ihre Freundin doch noch am Spaß teilhaben lassen konnten. Schließlich hatte Stephanie eine Idee. Eilig lief sie nach Hause und holte ihren Schlitten, darauf setzten sie Kati, und Stephanie, Stefan und Michael zogen sie übers Eis. Und als später noch Sportacus hinzukam, wagte Kati es sogar aufzustehen und sich von ihm stehend über die spiegelglatte Fläche ziehen zu lassen. Insgeheim aber schien das Mädchen die ganze Zeit über auf etwas zu warten. Irgendwann flüsterte sie Sportacus etwas zu und machte sich allein auf den Weg zurück in die Stadt.
Keiner wunderte sich darüber. Sie alle wussten, wo sie hinwollte.
Nach einer Viertelstunde erreichte sie ihr Ziel, irgendwo am Stadtrand mitten auf der Wiese. Sie blieb stehen und sah sich suchend um, dann rief sie fragend: „Freddie?“
Kati und Freddie Faulig verband seit einem halben Jahr, genauer gesagt seit jenem Sommertag, an dem Kati ihren 13. Geburtstag gefeiert hatte, eine Art freundschaftlicher Hassliebe. Beim Kuchenessen am Nachmittag hatte Freddie sich hoffnungslos den Magen verdorben und daraufhin in der nächsten Nach vor Bauchschmerzen nicht schlafen können. Kati, die Tochter eines Arztes, war ihm zu Hilfe gekommen, und seither bestellte er sie jeden Tag zu sich – meist unter fadenscheinigen Gründen. Öffentlich hätte er das natürlich niemals zugegeben.
Freddie hatte als Einziger von dem plötzlichen Wintereinbruch nichts mitbekommen. Er lag in seinem Sessel, das linke Bein von sich gestreckt und auf einem Hocker abgelegt. Er trug es verbunden, der Knöchel war verstaucht und der Fuß tat bei jeder Bewegung höllisch weh. Außerdem hatte er sich offensichtlich gründlich erkältet, denn seit der vergangenen Nacht fieberte er heftig. Katis Ruf schreckte ihn aus seinem Fiebertraum auf. Erschrocken fuhr er hoch und stöhnte prompt auf, als heißer Schmerz sein Bein durchzuckte. Verärgert ließ er sich zurücksinken und antwortete Kati mit einem mürrischen „Komm rein!“.
Das Mädchen folgte dem Ruf prompt und betrat keine halbe Minute später Fauligs unterirdisches Versteck. „Wie geht’s dir?“ fragte sie knapp.
Faulig sagte nichts.
Das war Kati Antwort genug. Sie hatte gleich gesehen, dass der junge Mann stark schwitzte, und legte ihm kurz die Hand auf die Stirn. „Seit wann hast du das Fieber?“
„Seit heute Nacht“, knurrte er.
Das Mädchen nickte und verschwand wortlos. Als sie nach einer Weile wiederkam, hatte sie eine Tasse in der Hand, aus der es dampfte. Die hielt sie Faulig hin. „Trink!“
Er nahm ihr das Gefäß aus der Hand, nippte daran und verbrannte sich prompt die Lippen. Der Tee war sehr bitter, und Faulig verzog angewidert das Gesicht. „PFUI!“
Ein Grinsen überflog Katis Gesicht. „Aber es hilft gegen das Fieber. Das ist nämlich schon ziemlich hoch, und wenn es noch weiter steigt, verlierst du zu viel Kraft. Trink aus!“
Freddie gehorchte, doch dann stieß er die Tasse angewidert von sich.
Kati grinste und nickte zufrieden. „In ein paar Stunden komme ich wieder, dann kriegst du noch eine. Ob es dir passt oder nicht. Du kannst das Fieber nicht gebrauchen, du hast so schon genug Probleme.“ Mit einem knappen Nicken verabschiedete sie sich.
Kaum war sie hinaus, spuckte Faulig die eklige Flüssigkeit in hohem Bogen aus. „Bäh!“ machte er und schüttelte sich, dann lehnte er sich zurück und fiel in einen unruhigen Fieberschlaf.
Kati kehrte an den See zurück, wo ihr ihre Freunde sofort entgegen kamen.
„Wie geht’s Freddie?“ erkundigte sich Stephanie.
Kati zuckte die Achseln. „Er hat seit letzter Nacht hohes Fieber. Ich wollte ihm helfen, aber das will er offenbar nicht, denn als ich raus bin, hat er den Fiebertee ausgespuckt. Er dachte wohl, ich sehe’s nicht! Er fand den Tee widerlich. Tja, sein Pech, dann wird Papa nachher dafür sorgen, dass er den Saft nimmt, den ich ihm eigentlich von Anfang an geben sollte, und der ist erst recht widerwärtig. Hier.“ Sie holte eine Flasche hervor, öffnete sie und hielt sie den anderen unter die Nase.
„Iiiieh!“ machte Trixie und hielt sich angewidert die Nase zu. Auch die anderen wandten sich angeekelt ab. „Und du glaubst, das wird er trinken?“
Kati kicherte. „Er wird es müssen. Papa versteht da keinen Spaß. Er will ihn heute Nachmittag sowieso noch besuchen, weil er sich seinen Fuß noch mal ansehen will. Das Fieber wird ihm gar nicht gefallen.“
„Freunde, das sollten wir uns nicht entgehen lassen!“ rief Trixie sofort. „Würde dein Papa uns mitnehmen, wenn er zu Freddie geht?“
Kati lachte. „Wir können ihn ja dann mal fragen.“ Plötzlich schüttelte sie den Kopf: „Wenn ich mir das so überlege – wenn er nicht so gierig gewesen wäre, hätte Freddie jetzt das Problem gar nicht!“
„Ja, richtig“, pflichtete Sportacus ihr bei. „Wisst ihr noch? Eigentlich hat doch alles angefangen …“
„… mit der Geschichte, die Onkel Meinhard uns erzählt hat“, beendete Stephanie den begonnenen Satz.
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