Blutmagie

von Jari
GeschichteMystery / P12
12.04.2010
22.07.2012
10
20240
1
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Hallo Leser/in (ich hoffe mal, daß sich jemand hierher verirrt *smile*),

nun, dies ist meine erste (und hoffentlich nicht letzte) Geschichte in diesem Bereich. Da ich sowohl die Bücher als auch TV-Reihe mochte, ist es eine Mischung aus beidem geworden ;) Außerdem konnte ich weder auf Coreen noch Tony verzichten - ich mag beide einfach gerne. Falls zu grobe Fehler drin vorkommen, bitte mich darauf hinweisen - man kann ja fast alles wieder abändern ...

Anmerkungen: armer Henry *kicher* (zumindest am Anfang)

Meinen Dank (wie immer) an Maevenna für's Betalesen und alles ... :-)



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Dröhnende Bässe und wummernde Beats luden dazu ein, sich in exstatischen Bewegungen zu verrenken. Strobolichter zuckten auf. In blauen Blitzen durchdrangen sie die künstlichen Nebelschwaden. Die, zumeist leicht bekleideten, Tanzenden verschwammen zu einer gesichts- und formlosen Menge.

Chrom, farbiges Glas, dunkles Holz und warme Stoffe schafften es, eine kühle und gleichzeitig gemütliche Atmosphäre zu erzeugen.

An allen sieben Bars herrschte Hochbetrieb. Das hauseigene Kinocenter zeigte Filme aus den 80er Jahren. In den abgetrennten, schummrigen Sitzecken wurden mal mehr, mal weniger legale Geschäfte abgewickelt. Auf einer der Toiletten brach eine Schlägerei aus, wurde jedoch schnell von dem Sicherheitspersonal unter Kontrolle gebracht.

Mit Sicherheit war das Blue Banana in Toronto kein Nachtclub wie jeder andere. Und vermutlich war es der einzige Club weltweit, der einen Vampir als Stammgast hatte.

Von seinem Lieblingsplatz an der Grünen Bar beobachtete Henry Fitzroy das muntere Treiben.

An einem der um die Theke gruppierten Tische feierte eine gesellige Runde Damen feucht-fröhlich einen Junggesellinnenabschied. Anfang der Nacht hatte Henry noch überlegt, ob er eine von ihnen in den Genuß bringen sollte zu erfahren, was es bedeutete, einem Mann mit jahrhundertealter Erfahrung zu begegnen, aber das Kichern und Gequatsche war ihm alsbald auf die Nerven gegangen.

Rechts neben ihm saß ein Pärchen, das kaum Augen und Hände voneinander lassen konnte. Der Platz links von Henry war leer.

Gedankenverloren nahm er einen Schluck von seinem Alibi-Wasser, dem einzigen Getränk, das er außer Blut noch zu sich nehmen konnte. Er wußte selbst nicht genau, warum es ihn immer noch in solche Lokalitäten zog. Es war laut –die Musik entsprach nicht einmal seinem Geschmack-, es stank nach Alkohol, dem Rauch von Zigaretten und anderen „Genußmitteln“

Henry seufzte. Vermutlich handelte es sich um eine Angewohnheit. Früher war er auf Bälle gegangen, die er gehaßt hatte, und in diesem Zeitalter hing er eben in Clubs rum, wie man das als junger, erfolgreicher Schriftsteller eben tat.

Der Duft war es, der ihm zuerst auffiel. Würzig, irgendwie urtümlich. Verheißungsvoll. Unbekannt und doch vertraut. Sein Blick wanderte über die Menschenmenge, doch er konnte niemanden ausmachen, der es wert gewesen wäre, sich näher mit ihm zu beschäftigen.

Und dann sah er sie.

Die Frau war klein. Noch kleiner als Henry, der mit seinen 1,65 m beileibe kein Mann von beeindruckender Größe war. In ihrer Kleidung unterschied sie sich von den meisten Anwesenden. An einem Ort, an dem Lack, Leder und möglichst freizügige Kleidung vorherrschte, trug sie ein Kleid von der Farbe sonnengereiften Weizens. Ungeschminkt, keinen Schmuck tragend und sich mit der Unschuld der Jugend bewegend, wirkte sie wie ein Mädchen aus gutem Hause, das sich auf dem Weg zu einem Gottesdienst befand.

Und doch war etwas an ihr, das deutlich machte, daß es sich bei ihr weder um eine Person handelte, die sich verirrt hatte, noch daß sie so unschuldig war, wie sie aussah. Lag es an dem Ausdruck in ihren dunklen Augen oder an der Art, wie sie sich durch ihr Haar strich? Henry wußte es nicht.

Sie kam auf Henry zu, als wären sie miteinander verabredet. Kurz vor ihm stoppte sie und verschwand in Richtung der im Keller gelegenen Toilettenräume.

„Geh ihr nach.“ Der Barkeeper, der bis dahin mit dem Putzen von Gläsern beschäftigt gewesen war, deutete mit seinem Trockentuch hinter ihr her. „Die ist scharf auf Dich.“

„Meinst Du?“ Henry und Daniel kannten sich seit ein paar Jahren. Henry vermutete, daß der Barkeeper ihn für einen schweigsamen, recht versponnenen, aber an sich harmlosen Zeitgenossen hielt, und er hatte nicht vor, diesen Glauben auf die Probe zu stellen.

„Na sicher.“

Einen letzten Schluck von seinem Wasser nehmend stand Henry auf und folgte der Unbekannten. Vielleicht würde die Nacht vielversprechender enden, als sie begonnen hatte.

In den unterirdisch befindlichen Wasch- und Toilettenanlagen roch es nach Urin, Desinfektionsmittel, Parfum und nach Sex. Ihr persönlicher Geruch schaffte es, diese zu überlagern und Henry den Weg zu weisen. Der Vampir fühlte sich als wäre er auf einer erzwungenen Jagd. Als stünde er unter einem Bann. Für gewöhnlich bestimmte er. Dies hier war ungewöhnlich. Anders. Aufregend.

Sein Weg führte durch ein wahres Labyrinth an Gängen. Vorbei an den Gästetoiletten, Aufenthaltsräumen der Angestellten und Lagerräumen.

Er fand die Frau am Ende eines Korridors. Verborgen im Halbdunkel stand sie an eine Wand gelehnt. Entspannt. Erwartend.

Die Musik, die zuvor Henrys Trommelfell malträtiert hatte, war dumpf in der Ferne zu hören. Eine einzige nackte Glühbirne, flackernd und zischend, beleuchtete den Gang. Für Henry war das Licht mehr als ausreichend. Mit langsamen Schritten näherte er sich der Unbekannten und entblößte seine Zähne. Sie würde nicht weglaufen. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche.

„Du hast auf mich gewartet.“

„Ja, Kind der Nacht.“ Ihre Stimme, dunkel und ein wenig rauchig, paßte zu ihrem Geruch, nicht aber zu ihrem Äußeren.

Henry lächelte. Das versprach besser zu werden, als er angenommen hatte. Sie war nicht nur an einem Abenteuer mit einem fremden Mann interessiert. Sie wußte, was er war. Henry näherte sich ihr noch weiter. Ihr persönlicher Geruch umfing ihn wie eine Umarmung. Warm, weich und verlockend. Ein bißchen erdig, aber auf eine angenehme Art. Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Vampir viele Frauen kennengelernt, aber nur wenige, die so urtümlich und unverfälscht rochen. Für gewöhnlich taten dies nur Angehörige von Naturvölkern.

Angst hatte er keine. Es gab genügend Möglichkeiten, woraus sie ihr Wissen bezog. Sie war ein Mensch. Dessen war er sich ganz sicher, und vielleicht bot sie ihm genau die Aufregung, nach der er die letzte Zeit gesucht hatte.

So sehr Henry seine Ruhe liebte, war es in den letzten Monaten selbst für seinen Geschmack einfach zu ruhig gewesen. Es hatte keine unnatürlichen Todesfälle gegeben, so daß sich sein Kontakt zu Vicki Nelson auf gelegentliche Telefonanrufe beschränkte. Sein letzter Roman war abgeschlossen, an dem nächsten Werk wurde bereits gearbeitet.

Die einzige Abwechslung in seinem untoten Leben hatte darin bestanden, sich hin und wieder mit Tony zu verabreden, um von diesem zu trinken oder die Nacht auf andere angenehme Art miteinander zu verbringen.

„Ihr fürchtet Euch nicht vor mir“, stellte Henry mit Verwunderung fest.

Sie lächelte bloß und streckte ihm ihre Hand entgegen. Er nahm die Herausforderung an.

„Trink von mir“, schaffte die Frau noch zu sagen, bevor sich Henrys Zähne verlangend in ihr weiches Fleisch am Handgelenk bohrten.

Kaum hatte der Vampir den ersten Schluck genommen, wußte er, daß die ganze Aktion ein großer Fehler gewesen war. Ihr Blut schmeckte irgendwie falsch. Nach was genau, konnte er nicht benennen. Irgendwie faulig, alt, älter als selbst Henrys Sein.

Verzweifelt versuchte Henry das Trinken einzustellen. Und doch konnte er es nicht. Er saugte, schluckte und nahm immer mehr. Ihm war, als würde seine ganze Erfüllung darin liegen, so viel Blut wie möglich von dieser Frau zu erlangen.

Mit jedem weiteren übelschmeckenden Blutschluck in seinem Mund bemerkte er, wie sein Wille gebrochen wurde.

Schwach regte sich eine Erinnerung in seinem Geist. Eine lange verloren geglaubte Warnung. Hexe.

„So ist es gut, mein Hübscher“, flüsterte die Frau mit ihrer dunklen Schokoladenstimme. „Und nun folgst Du mir.“

Unverzüglich stellte Henry das Trinken ein und tat, was ihm befohlen worden war. Er würde bis zu den Sternen wandern und noch weiter, wenn sie das wünschte.
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