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Lessons & Obsessions

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
11.04.2010
19.02.2011
30
102.552
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11.04.2010 3.263
 
Es sah Hermine überhaupt nicht ähnlich, den Unterricht zu schwänzen und als Ginny im Gemeinschaftsraum davon erfuhr, lief sie sofort zu ihr. Sie fand sie im Schlafsaal der Siebtklässlerinnen auf ihrem Bett sitzend und einen Stapel Bücher sortierend. Ein kleiner Beutel lag neben ihrem Bett.
„Ich habe gehört, dass du bald gehst. Harry lässt mich natürlich nicht“, sagte Ginny halb verärgert, halb liebevoll.
Hermine nickte nur zur Bestätigung, während sie ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln in den Beutel packte.
Ginny setzte sich neben Hermine und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Alles okay?“
Hermine hörte auf zu packen, sah ihre Freundin jedoch nicht an, als sie sprach. „Ich habe Malfoy gesagt, dass wir gehen.“
Ginny hob besorgt ihre Augenbrauen. „Was hat er gesagt?“
„Natürlich nichts Sinnvolles“, sagte Hermine bitter. „Ich war dumm genug, ihm zu sagen, dass ich ihn liebe.“
Ginnys Hand kniff in die Schulter ihrer Freundin, während sie die Nachricht verdaute. Sie konnte sich nicht vorstellen, Draco Malfoy ein solches Geständnis zu machen. Es hatte lange genug gedauert, den Mut zu finden, es Harry zu sagen, und sie hatte keine Angst gehabt, dass Harry es nicht erwiderte.
„Was hat er gesagt?“
„Er sagte, dass Frauen flatterhaft wären“, antwortete Hermine mit einem angewiderten Schnauben. „Und dann, dass sein Aufenthalt in Azkaban wie Urlaub sein würde.“
Ginny seufzte und wandte den Blick ab. Wie sollte sie Hermine trösten? Sie hatte im Geheimen gedacht, dass diese Beziehung nur böse enden konnte, aber sie kannte ihre Freundin auch gut genug, um zu wissen, dass sie zu verliebt war um nicht am Boden zerstört zu sein.
„Kann ich irgendwas tun?“, fragte sie nach einem Moment zögerlich.
Hermine schüttelte hilflos den Kopf und sah sich im Raum nach anderen Dingen um, die sie mit sich nehmen könnte.
„Ich werde dich vermissen“, sagte Ginny ruhig und Hermine sah auf.
„Oh Ginny, ich werde dich auch vermissen“, sagte sie und umarmte Ginny fest.
Als sie sich zurückzog, lächelte Ginny ihre Freundin an und drückte nochmal ihre Schulter. „Pass auf dich auf.“
„Wir geben unser Bestes“, sagte Hermine mit einem traurigen Lächeln. Und bevor Ginny sich zum Gehen wandte, packte sie bereits wieder Bücher und Kleidung in ihren Beutel.
*****
Eine Woche später verließen Ron und Hermine Hogwarts ohne zu wissen, ob sie jemals zurückkehren würden. Sie schlichen sich durch den Durchgang hinter der Statue der einäugigen Hexe und verließen den Honigtopf, bevor die Besitzer aufwachten. Nicht einmal Ron würdigte die Süßigkeiten dieses Mal einen zweiten Blick, und sie apparierten von Hogsmeade aus zu dem Wald, in dem die Quidditch-Weltmeisterschaft stattgefunden hatte. Sie würden Harry treffen und von dort aus gemeinsam weitergehen.
Sie erreichten ihren Treffpunkt bei Sonnenaufgang und das Gras war nass vom Tau. Hermines Kopf schmerzte von der Vorstellung jeder möglichen Gefahr, die vor ihnen liegen könnte. Sie konzentrierte sich jedoch wieder, als Harry zwischen den Bäumen hervortrat.
Ihn zu sehen war schockierend unwirklich. Vor einem Jahr hatte er sie verlassen. Wie konnte es so lang her sein? Sein Haar war wirrer als sonst, und seine Kleidung trug schmutzige Flecken, bei denen er sich nicht die Mühe gemacht hatte, sie zu entfernen. Er sah aus, als wäre er um ein Jahrzehnt gealtert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nicht bemerkt, dass er kein Junge mehr war. Keiner von ihnen war mehr Kind.
Aber sein Gesicht hellte sich auf, als er sie erblickte, und er war wieder der gleiche, alte Harry, ihr Harry, den sie schlimmer vermisst hatte, als sie es bemerkt hatte. Sie rannen aufeinander zu und Hermine erreichte Harry zuerst. Er zog sie in eine feste Umarmung und sie weinte, bevor sie überhaupt verstand, weshalb. Ihre Freude über ihr Wiedersehen, ihre Angst, was auf sie zukommen würde, und die Verzweiflung, die sie niedergezwungen hatte, seitdem sie Draco zum letzten Mal gesehen hatte, überfluteten sie gleichzeitig und sie konnte fast nicht mehr stehen.
Harry murmelte tröstliche Worte in ihre Haare, während ihre Tränen auf sein Hemd fielen. Einen Moment später kam Ron dazu und umarmte sie beide, einen Arm um Harrys Schulter, den anderen um Hermines Taille. Es schien Jahre her zu sein, seit sie das letzte Mal zusammen gewesen waren und Hermine wusste, selbst als sie so sehr weinte, dass ihr das Atmen schwer fiel, dass alles in Ordnung sein würde, solange sie ihre beiden besten Freunde hätte.
*****
Es war ein Wunder, dass Draco den letzten Monat Schule beendete. Der einzige Grund, warum er geblieben war, war, dass er nirgendwo anders hin konnte. Anscheinend hatte er, bevor sie gegangen war, genug gelernt, um seine Prüfungen zu bestehen.
Es war leicht, keine Trauer oder Bedauern zu spüren, wenn man so voller Angst und Wut war. Die Albträume kamen unaufhörlich wieder, es gab aber kein tröstendes Bett mehr, in das er konnte. Manchmal war er so erbärmlich, dass er sich fragte, ob er in ihr leeres Zimmer schleichen könnte, um zu prüfen, ob er dort besser schlafen könne. Aber so tief würde er sich nicht sinken lassen.
Er hätte sich vielleicht mehr Sorgen um sie machen können, wenn er sich nicht so sehr über sich selbst gegrübelt hätte. Sie hatte Potter, Weasley und den Orden des Phoenix als Schutz. Er hatte zuviel Angst, um seiner Mutter und zu stolz, um seinem Vater zu schreiben. Wenn sie immer noch Anhänger des Dunklen Lords sein sollten, und er war sich diesbezüglich relativ sicher, dann könnte er ebenso gut seinen eigenen Todesschein unterzeichnen.
Er hatte seinen Plan schon festgelegt, bevor er die Prüfungsergebnisse hatte. Er würde nicht mit dem Hogwarts Express zurück nach King’s Cross fahren. Wenn ihn jemand finden wollte, wäre das der logischste Aufenthaltsort. Er würde mit den anderen Schülern zum Bahnhof von Hogsmeade gehen und dort mit seinem Koffern apparieren. Er hatte Geld und Talente, die ihn zu einem Slytherin gemacht hatten. Er würde in die Muggelwelt eintreten, wenn er müsste. Er könnte das Land verlassen, falls nötig. Die Todesser würden ihn töten, wenn sie ihn fanden, und der Orden des Phoenix würde ihn, nachdem, was nach dem Ausbruch seines Vaters aus Azkaban geschehen war, nicht wieder beschützen.
Er ging nicht zur Abschlussfeier. Er blieb im Schlafsaal und packte seine Sachen zu Ende. Er hatte es vor sich her geschoben und war nun der letzte unter seinen Hauskameraden, der packte. Er öffnete schließlich den Koffer und wühlte sich durch den Müll, der sich während des Jahres angesammelt hatte: schmutzige Kleidung, kaputte Federn, überflüssiges Pergament und… eine rot-goldene Krawatte.
Einen Moment lang hatte er keine Ahnung, wie die dorthin gekommen war. Dann stürzte es plötzlich auf ihn ein. Sie war zum Raum der Wünsche gekommen, um allein zu sein. Sie hatte geweint. Weasley hatte ihr gesagt, dass er sie wollte. Draco hatte, in einem Anflug von Wahnsinn, versucht, selbstlos zu sein und ihr gesagt, sie solle zu ihm gehen. Sie hatte Draco verführt. Sie hatte gewollt, dass er sie dafür bestrafte, dass sie ihren Freund verletzt hatte. Aber sie hatte ihn gewählt. Sie hatte ihn statt Weasley gewählt, und diese Tatsache hatte ihm gestattet, sie auf eine Art zu lieben, die er nie für möglich gehalten hatte.
Und in ihrem emotionalen Durcheinander hatte sie ihre Krawatte vergessen.
Er hatte sie ihr zurück geben wollen. Nun würde es nie so weit kommen. Sie nur festzuhalten machte ihn schon wütend. Er stürmte zum Kamin hinüber und war eine Sekunde davon entfernt, sie hinein zu werfen, bevor er sich anders entschied. Der Stofffetzen war sein einziger echter Beweis. Beweis, dass er ihr Erster gewesen war. Sie würde gehen und die magische Welt retten, und dabei würden sie und Weasley sich sicherlich versöhnen. Sie würden heiraten und ein Dutzend Kinder mit buschigem, rotem Haar haben und Draco würde nichts weiter als eine unangenehme Erinnerung sein.
Sein einziger Trost wäre das Wissen, dass sie ihm alles gegeben hatte, bevor sie Weasley überhaupt erlaubt hatte, sie anzufassen. Dass er, Draco Malfoy, ihre erste Wahl gewesen war. Und die Krawatte würde ihn daran erinnern. Er würde nicht auf sie warten. Er würde ihr nicht hinterher schmachten. Aber er würde ihr nicht die Genugtuung geben und so tun, als wäre nie etwas passiert.
*****
Narcissa Malfoy wartete auf Gleis 9¾ bis der letzte Schüler aus dem Hogwarts Express mit seinen Eltern gegangen war. Dann wartete sie noch eine Stunde.
Sie spürte die Anwesenheit ihres Ehemannes, bevor seine, in einen Handschuh gehüllte Hand, ihre Schulter berührte. Sie bewegte sich nicht. Ihre Augen starrten leer auf den leeren Raum, wo der Zug gestanden hatte.
„Er ist nicht hier.“
Der Schmerz in der Stimme seiner Frau ließ Lucius Gesicht unfreiwillig zusammenzucken.
„Komm heim, Schatz“, sagte er mit sanfte Stimme.
Narcissa schüttelte ihren Kopf, ihre Augen immer noch fest auf die Stahlschienen gerichtet.
„Wir sollten zurückkehren“, beharrte er nachdrücklich.
Ihre Augen fielen auf das Gleis zu ihren Füßen. „Nein.“
„Narcissa -“
Sie drehte sich ihm zu und ihre Augen funkelten böse. „Das ist deine Schuld, Lucius.“
Er war vor den Kopf gestoßen. „Ich -“
Sie fuhr fort, ohne ihn unterbrechen zu lassen. „Du hast ihn fort geschickt, und wir werden ihn vielleicht nie wieder sehen!“
Lucius wollte seiner Frau über die Wange streicheln, doch sie schlug seine Hand mit einer schnellen Bewegung fort.
Er bat sie um Vernunft. „Denkst du wirklich, er wäre zu Hause jetzt sicher? Es ist schlimm genug, dass ich die Prophezeiung nicht beschafft habe – dass du unter den Schutz des Ordens getreten bist. Was glaubst du macht der Dunkle Lord mit Todessern, die seine Aufrufe ignorieren?“
„Wir hätten es erklären können -“, begann Narcissa schwach.
„Wir könnten zur Zeit nichts sagen, was die Hand des Dunklen Lords zurückhalten würde, wenn er Draco in die Finger bekommen sollte“, sagte Lucius fest. „Sei froh, dass er nicht gekommen ist. Er ist sicherer, wenn er nicht bei uns ist.“
Lucius streckte wieder seine Hand aus und Narcissa ließ zu, dass er sie an ihre Wange drückte. Das Leder war weich, aber kalt an ihrer Haut. Sie sehnte sich nach der Wärme seiner Haut, aber sie würde nicht in der Öffentlichkeit nach seiner Zuneigung suchen. Sie wollte nicht wieder zurück nach Hause, wo Todesser kamen und gingen, wie es ihnen gefiel, und der Dunkle Lord alles beobachtete und sie am wenigsten von allen Anhängern in seiner Gunst standen.
„Und wenn er mit dieser Granger unterwegs ist?“, fragte Narcissa zögernd, als Lucius seine Hand fallen ließ. „Was dann?“
„Dann werden wir ihn bald sehen.“
Narcissa fröstelte bei der Andeutung in der Stimme ihres Mannes, nickte aber langsam zustimmend. Er hielt ihr seinen Arm hin, als wären sie auf einem Ball und er ihre Begleitung. Sie legte ihre Hand mit der Anmut, die mit dem Alter noch größer geworden war, auf seinen Unterarm, und sie apparierten von dem leeren Gleis.
*****
Harry saß im Zelteingang und hörte dem Regen, der auf das Stoffdach ihres vorübergehenden Zuhauses fiel, zu. Er war dran mit Wache halten. Zwischendurch wandte er seinen Kopf hin und wieder seinen Freunden, die tief in ihren Kojen schliefen, zu. Sie hatten nun seit fast zwei Wochen eines der kleinen Betten geteilt. Jedes Mal, wenn er sie beim Schlafen beobachtete, lag Rons Arm um Hermines Taille, als hätte er Angst, dass er sie verlieren würde, wenn er sie nicht festhielt.
Ron und Hermines neu entdeckte Nähe ließ Harry Ginny noch mehr vermissen als zu der Zeit, zu der er allein gewesen war. Er dachte darüber nach, wie es wäre, sie jetzt bei sich zu haben, zusammengerollt in seinem Bett, es wärmend, bis seine Wache vorbei war. Aber wenigstens wusste er, dass sie sicher war. Sie hatte es ohne Zwischenfall nach hause geschafft und wurde nun durch den Orden des Phoenix beschützt, zumindest den Sommer über. Wer wusste schon, ob Hogwarts im kommenden September wieder aufmachen würde?
Er freute sich aber für seine Freunde. Er war froh, dass sie einander hatten. Es hatte lange gedauert, und er hatte damit gerechnet, dass sie zusammenkommen würden. Ron und Hermine hatten viel durchgemacht, während Harry fort gewesen war. Er hatte befürchtet, dass ihre Freundschaft es nicht überleben würde. Stattdessen hatte es sie letztendlich wieder zusammen gebracht. Harry hoffte, dass es so am besten war.
Hinter ihm bewegte sich jemand und Harry blickte zum nächsten Bett hinüber. Hermine öffnete ihre Augen und sah ihn an. Harrys Schicht war vorbei. Hermine löste sich vorsichtig aus Rons Umarmung und stieg aus dem Bett. Sie zitterte und zog sich eine nahe Decke über, nahm dann ihren Zauberstab und setzte sich neben Harry.
„Du bist dran mit schlafen“, sagte sie leise, während sie eine Hand auf seine Schulter legte.
„Ich bin noch nicht müde“, sagte Harry ehrlich und sah sie an. „Kann ich noch bei dir sitzen bleiben?“
Hermine lächelte verschlafen. „Natürlich.“
Sie saß mit verschränkten Armen auf ihren Knien und lehnte ihren Kopf stützend an seine Schulter, während sie versuchte, den Schlaf abzuschütteln. Harry schlang einen Arm um ihre Schultern und sie saßen einige Minuten still da und hörten dem Regen zu.
„Geht es dir gut?“, fragte Harry schließlich, weil er nicht wusste, ob er noch einmal die Chance dazu bekommen würde.
Sie antwortete nicht sofort, aber ihre Hand landete zwischen ihnen und er bedeckte sie mit seiner.
„Ich…“ Sie räusperte sich vernehmlich. „Ich vermisse ihn.“
Harry wusste, was es sie kostete das zuzugeben. Sie hatte Malfoy nicht erwähnt, seitdem Harry in seinem Brief enthüllt hatte, dass er von ihrer Beziehung wusste. Er wusste nicht, was er sagen sollte, also sagte er nichts.
„Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist“, sagte sie mit der Andeutung von Angst in ihrer Stimme. „Er hat es so klingen lassen, als würde er umgebracht werden, falls er zu den Todessern zurückkehren würde.“
„Vol – Du-weißt-schon-wer“, verbesserte Harry sich gereizt, sich daran erinnernd, dass der Name nun verflucht war, „geht nicht sehr nett mit Deserteuren um.“
Hermine machte ein mitleidiges Geräusch an Harrys Schulter und er versuchte schnell, sie zu beruhigen. „Es wird ihm gut gehen, Hermine. Wenn es eine Sache gibt, die Malfoy gut kann, dann ist es, sich aus der Affäre zu ziehen. Ich bin mir sicher, dass du ihn wieder sehen wirst.“
Sie schüttelte ihren Kopf. „Nein.“
„Warum nicht?“
„Was immer es war, es ist vorbei.“ Ihr Ausdruck war entschlossen. „Ich – Ich bin jetzt mit Ron zusammen. Ich kann Dr – Ich kann ihn nie wieder sehen.“
Harry war still. Er fühlte tiefe Traurigkeit für seine Freundin. Es war ihm nun klar, dass sie für Malfoy mehr gefühlt hatte, als sie je zugeben würde. Aber sie hatte wahrscheinlich Recht: Ihn wieder zusehen würde ihr jetzt nur wehtun. Es gab keine Chance auf Versöhnung. Sie konnten nun nur hoffen, dass Hermines wachsende Beziehung mit Ron den Schmerz über ihren Verlust erleichtern würde.
Harry konnte nichts weiter sagen. Er drückte Hermines Schulter und stand auf. Sie lächelte ihn traurig an und wandte ihren Blick dann der Nacht zu, ihren Zauberstab fest in ihrer Hand.
Erst als er die Decken über sich zog erkannte er ihr leises Weinen, eingehüllt von dem fallenden Regen.
*****
Draco schloss sein Fenster gegen den Lärm eines plötzlichen Konzerts, das auf dem Platz, an dem eine Reihe kleiner Wohnungen angrenzte, veranstaltet wurde. Das gedämpfte Geplapper in ländlichem Französisch konnte durch das Glas immer noch gehört werden, aber es war ein wenig besser. Er hätte sehr viel lieber in Paris gelebt, aber er konnte sich in einer Stadt, in der so viele Hexen und Zauberer – von denen viele den Malfoy-Erben beim Anblick erkennen würden – lebten, nicht sicher sein.
Er hatte beschlossen, in einer abgelegenen, magischen Gemeinschaft, die das französische Gegenstück zu Hogsmeade oder Godric’s Hollow war, zu leben, es sich am Ende aber anders überlegt. Selbst auf dem Land würde man ihn erkennen können. Letztendlich hatte er entschieden, dass der einzige Weg, wie er sicher nicht gefunden werden würde, war, in ein Muggeldorf auf dem Land zu ziehen. Und nach ein paar Monaten war es nicht mehr so schlimm. Er stellte fest, dass er in seiner Wohnung einfache Zauber benutzen konnte. Er war nicht mehr im Geltungsbereich des Britischen Zaubereiministeriums, und das französische Ministerium war ziemlich nachsichtig, was die Nutzung von Magie in solch abgeschiedenen Teilen des Landes betraf.
Draco hatte seinen Safe bei Gringotts gleich nachdem er vom Zug aus appariert war, geleert, damit seine Einkäufe nicht zurückverfolgt werden konnten. Sein Vorrat an Gold, schon lange in Francs umgetauscht, hatte sich deutlich gemindert, aber er konnte noch ein paar Monate überstehen, ohne sich Kopfzerbrechen über das Arbeiten in einem Muggelladen machen zu müssen. Rückblickend war seine Entscheidung, auf dem Land zu leben, auch auf andere Weise klug: es war sehr viel günstiger als Paris.
Seine Wohnung war aus Stein und nachts kühl, selbst im Frühling. Draco zog sich eine Pullover über den Kopf – marineblau und weiß gestreift: das einzige Muster, das es auf dem Land zu geben schien – und setzte sich an seinen Cafétisch. Die Morgenausgabe des Tagespropheten lag neben einem leeren Whiskeyglas. Es kostete Zusatzgebühren, den Propheten in ein anderes Land liefern zu lassen, aber es war eine notwendige Ausgabe. Er musste wissen, was zu Hause geschah. Selbst jetzt saß die kalte Angst in seiner Magengrube, während er las bis er sicher war, dass die Zeitung keine Todes- oder Verletzungsmeldungen brachte. Er hasste es, dass er noch genug empfand, um sich Sorgen zu machen.
Er hatte sich bisher nicht gestattet, den Leitartikel zu lesen. Er war den ganzen Tag durch seine Wohnung gelaufen, mit einem Gefühl der Übelkeit in seinem Bauch und einem Glas Whiskey in der Hand. Aber nun konnte er es nicht mehr aufschieben. Er entfernte den Deckel von der halb leeren Flasche und füllte nochmal sein Glas. Er nahm einen großen Schluck, bevor er seine Augen die Worte aufnehmen ließ, die ihn den ganzen Tag geplagt hatten:
KRIEG VORBEI: POTTER SIEGT
Draco hielt inne und atmete tief ein, bevor er sich zwang, den Artikel zu lesen.
Früh am heutigen Morgen wurde bekannt, dass die Terrorherrschaft von Ihr-wisst-schon-wem endlich ein Ende hat, und zwar endgültig. Auf beiden Seiten wurden während dem letzten Kampf, der fast die ganze Nacht auf Hogwarts – Schule für Hexerei und Zauberei – stattgefunden hatte, Dutzende getötet.
Die Augenzeugen von Harry Potters Begegnung mit dem mächtigsten bösen Zauberer unserer Zeit berichteten, dass es ein denkwürdiger Anblick war, und dass sie mit einer Endgültigkeit endete, die keinen Zweifel ließ, dass Ihr-wisst-schon-wer nicht mehr in der Lage wäre, zurückzukehren, wie damals vor achtzehn Jahren, als er schon einmal für tot gehalten wurde. Potter selbst versicherte dies den Überlebenden der Schlacht bevor die Auroren des Ministeriums ihn und den Rest der Verletzten kurz vor Sonnenaufgang zu St. Mungos Krankenhaus für magische Krankheiten und Verletzungen begleiteten.
Die Liste der Verluste ist noch nicht vollständig, aber unsere Leser werden glücklich sein, zu hören, dass Harry Potters Schulfreunde Ronald Weasley und Hermine Granger –
Sein Herz taumelte in seiner Brust und heiße Erleichterung durchströmte ihn, gesteigert durch das langsame Brennen des Whiskeys
- unter den Überlebenden waren. „Es hätte sehr viel schlimmer sein können“, erzählte Direktorin Minerva McGonagall einem unserer Reporter, „aber wir trauern um jeden Verlust, und die magische Gemeinschaft wird einige Zeit brauchen, ums ich von dieser Tragödie zu erholen.“
Die Medihexe, die mit Potters Pflege betraut wurde, hat sich bisher geweigert, eine andere Aussage zu seiner Gesundheit zu treffen als die, dass die Öffentlichkeit sicher sein kann, dass er mit der Zeit wieder vollständig genesen wird.
Draco musste den Artikel nicht zu Ende lesen. Der Rest sah aus, als würden die Ereignisse der Schlacht wiederholt und über die nächsten Tage spekuliert werden. Er hatte gelesen, was er wissen wollte. Er legte das Papier zurück auf den Tisch. Nachdem er sein Whiskey-Glas geleert hatte, setzte er sich hin und nahm eine Feder.
Liebe Mutter, begann er.
Es war Zeit, nach Hause zu gehen.
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