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Almost Forgotten Memories

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P12 / Het
Evey Hammond V
10.04.2010
26.04.2010
7
13.494
2
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Dieses Kapitel
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10.04.2010 1.457
 
Unbeantwortete Fragen

Evey war flau im Magen als sie über das nachdachte, was ihr soeben erst richtig klar wurde. Wenn das, was sie soeben herausgefunden hatte, stimmte, dann würde das bedeuten, dass sie Vs Identität aufgeklärt hatte.
Und plötzlich musste sie an ein vergangenes Gespräch mit ihm denken, was nur einige Tage zuvor stattgefunden hatte:


“V?”, flüsterte sie als der Abspann von “Zauberer von Oz” lief, den sie gerade eben auf Eveys Wunsch hin angesehen hatten. V saß ruhig neben ihr auf dem Sofa, wie sooft, wenn sie zusammen einen Film sahen. Doch als Evey nun seinen Namen sprach, wandte er langsam seinen Kopf zu Seite.
Evey schluckte einmal. Sie wusste zu dem Zeitpunkt nicht genau, warum die Frage gerade jetzt in ihrem Kopf aufgetaucht war, aber sie war einfach zu neugierig, um sie V nicht zu stellen.

“Darf ich dich etwas fragen?”, begann sie zögerlich.
“Nur zu.”, sagte V.
Evey senkte ihren Blick, als sie fortfuhr:
“Stimmt es, dass…” Sie machte eine Pause. “Stimmt es, dass du dich nicht an deine Vergangenheit erinnerst?”
Evey wusste nicht wie V auf diese Frage reagieren würde und so mied sie weiterhin seinen Blick.
V schwieg eine Weile und als Evey schon dachte er würde überhaupt nicht mehr antworten, sagte er:
“Wie kommst du darauf?”
Evey schaute ihn wieder an.
“Beantworte meine Frage!”, forderte sie. Sie beobachtete wie V seinen Kopf leicht zur Seite neigte.
“Es stimmt”, sagte er knapp.
Einige Minuten vergingen, da Evey darauf wartete, dass er noch etwas sagte, doch er schwieg weiter.
“Mehr willst du mir dazu nicht sagen?”
Jetzt wurde sie etwas ungeduldig, was eindeutig aus ihrer Stimme herauszuhören war, ebenso wie an ihrem durchdringenden Blick.
“Es ist schon so lange her, Evey. Und ich weiß nicht, ob du es wirklich hören willst.”
“Würde ich sonst fragen?”
“Evey…”, begann er.
“Nein, nichts ‘Evey’. Warum kannst du nicht einfach mal mit mir darüber reden? Hab ich das etwa nicht verdient? Vertraust du mir nicht genug?” Verärgert stand sie auf und verschränkte bestimmt die Arme.
“Was willst du wissen?”, fragte er mit emotionsloser Stimme. Evey war überrascht, dass er so schnell nachgab. Aber wahrscheinlich wollte V nicht riskieren, dass sie sich noch mehr aufregte und beschloss, dass es besser war, ihr die nötigen Antworten zu geben.

Evey setzte sich wieder neben ihn mit dem Blick in seine Richtung. V wandte ihr ebenfalls sein erstarrtes, weißes Gesicht zu.

“Woran kannst du dich noch erinnern?”, fragte sie zaghaft.
“Nur daran, wie ich vor über 20 Jahren von den Fingermännern gefasst wurde. Dort beginnt meine Erinnerung.” Seine Stimme war noch immer so eintönig und neutral, als würde ihn das alles gar nicht betreffen. Evey hatte ihn noch nie ausrasten sehen, geschweige denn verzweifelt oder extrem traurig. Sie fragte sich oft, was sich wohl hinter seiner Maske tatsächlich abspielte. Aber freiwillig würde er ihr sein Gesicht wohl nie enthüllen.

“Und davor?”, hakte sie nach.
“Nichts”
“Überhaupt nichts?” ,erwiderte sie beklommen.
“Überhaupt nichts.”, wiederholte er.
Evey biss sich auf die Lippe.
“Das tut mir Leid”, wisperte sie, unfähig etwas anderes zu sagen.
“Du bist die letzte, die sich dafür entschuldigen sollte, Evey.”, sagte er sanft und Evey hörte aus seinen Worten heraus, dass er lächelte. Sie sah ihn bedeutsam an und versuchte einen nächsten Satz zu formulieren.
“Warst du nie neugierig? Ich meine… willst du nicht gern wissen, wer du warst und wo du herkommst?”
“Ich weiß, wer ich bin, Evey. Dazu muss ich nicht meine Vergangenheit kennen.”
“Wir können nur herausfinden, wer wir sind, wenn wir wissen, wo wir herkommen.”, argumentierte Evey mit einem Zitat, das sie einmal in einem Film über die Maori aus Neuseeland aufgeschnappt hatte.
V kicherte leise als er bemerkte, dass sie jetzt auch schon begann Zitate in ihre Diskussionen einzubauen. Sie hatte so viel von ihm gelernt.

“Die Gegenwart allein ist wahr und wirklich: sie ist die real erfüllte Zeit, und ausschließlich in ihr liegt unser Dasein.”, zitierte V nun ebenfalls. Evey kannte das Zitat nicht, aber sie wusste dennoch, dass es eins war.
“Wenn das tatsächlich stimmt: warum hast du dich dann an all den Leuten gerächt, die dir in deiner Vergangenheit Leid zugefügt haben?”, fragte Evey mit fester Überzeugung und ganz gespannt darauf, was er ihr darauf wohl entgegnen würde. Doch V zögerte nicht lange.
“Damit sie in der Zukunft nicht die Möglichkeit haben, anderen Menschen noch mehr Leid zuzufügen.”
“Wir kommen vom Thema ab.”, stellte Evey leicht genervt fest.
“Ich denke es wurde alles gesagt.” , meinte er und wandte sich wieder dem Fernseher zu, in dem inzwischen die Nachrichten des Tages gezeigt wurden.
Damit war das Thema für ihn anscheinend erledigt und Evey traute sich nicht weiter nachzufragen. Für sie war es klar, dass es kein angenehmes Gespräch für V war und infolgedessen auch nicht weiter darüber reden wollte. Sie akzeptierte das, aber sie war trotzdem nicht zufriedengestellt mit seinen Antworten, denn sie glaubte nicht, dass es ihm alles egal war. Er musste sich doch für seiner Herkunft interessieren… oder nicht?


Evey starrte erneut auf das über 20 Jahre alte Foto und machte sich bewusst, dass der Mann auf dem Foto vor ungefähr über 20 Jahren verschwunden war. Und V wurde vor über 20 Jahren von den Fingermännern gefasst. Eine weitere Gemeinsamkeit, die Evey nicht ignorieren konnte.
Sie legte seufzend das Foto beiseite zurück in die Kiste und stand auf. Ohne wirklich zu wissen, was sie eigentlich tat, verließ sie ihr Zimmer und betrat das große unterirdische Gewölbe der Schattengallerie, wo Vs wertvollste Gegenstände seinen Platz hatten, unter anderem einen alten Flügel, die verschiedensten Gemälde, Plastiken und die Jukebox, von der Evey von Anfang an so fasziniert gewesen war.

Barfuss schritt sie über das kalte Gestein des Fußbodens. Es war fast vollkommen dunkel. Nur einige wenige der Fackeln an der Wand waren erleuchtet.
Sie betätigte eine Taste an der Jukebox und die mittlerweile ihr vertraute Musik von Cat Power füllte die Gewölbe. Die Musik war sehr leise, doch Evey genoss es dennoch. Es war eines ihrer Lieblingslieder auf Vs Jukebox und das Lied half ihr beim Nachdenken. Es hatte ihr schon geholfen , als sie V noch für tot gehalten hatte und ihre Zeit in der Schattengallerie verbrachte, da sie  immer das Gefühl hatte ihm dort am nahsten zu sein. Sie schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Dabei bemerkte sie natürlich nicht, dass sich noch jemand anderes im Raum befand.

“Evey. Was machst du hier? ”
Evey fuhr herum und sah V in der Tür stehen. Sie hatte vollkommen vergessen, dass es ja mitten in der Nacht war.
“Du hast mich erschreckt.” ,antwortete sie mit gesenkter Stimme.
“Ist etwas passiert?”, fragte er.
Evey kniff die Lippen fest zusammen und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
“Nein.” ,versicherte sie ihm. “Es ist nichts. Ich bin nur aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen und dann hatte ich das Bedürfnis diesen Song zu hören. Tut mir Leid, dass ich dich geweckt habe.”, ergänzte sie mit entschuldigender Miene.
“Du hast mich nicht geweckt. Ich konnte ebenfalls nicht schlafen und dann hab ich die Musik gehört und wollte nachsehen was los ist.”
Evey nickte stumm.
“Ich liebe dieses Lied. Es ist so wunderschön.”, sagte Evey.
“Ja, das ist es.”, entgegnete V mit ruhiger Stimme.

Einige Sekunden verstrichen.

“Welche Augenfarbe hast du eigentlich?”, setzte Evey unbekümmert fort, den Blick noch immer Richtung Jukebox gesenkt. Die Frage rutschte ihr einfach so heraus, ehe sie darüber nachdenken konnte.
Auch wenn V es sich nicht anmerken ließ, so war sich Evey sicher, dass er ziemlich überrascht war, dass sie diese Frage stellte, wenn nicht sogar sehr verwundert. Als V nicht antwortete, sprach Evey weiter:
“Entschuldigung, ich hab mich für einen Moment nur gefragt, ob…-”
“Warum möchtest du das wissen?”, unterbrach er sie.
“Ich versuche mir nur vorzustellen, was für Augen wohl zu einem so intelligenten, mysteriösen und warmherzigen Mann gehören.”, lächelte sie müde und sah ihn zum ersten Mal seit langem an.
V gab ein schüchternes Kichern von sich.
“Danke.” ,sagte er mit leichter Verlegenheit in der Stimme.

Evey legte den Kopf schief und verzog ihre Lippen zu einem weiteren Lächeln. Dann schaltete sie die Musik ab, ging auf ihm zu und drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange der Maske.
“Ich wette sie sind blau wie der Ozean”, wisperte sie verschwörerisch über seine Schulter gebeugt. “Gute Nacht.”, hauchte sie abschließend zärtlich.
Dann wandte sie sich ab und ging zurück in ihr Zimmer, während V regungslos in der großen Halle stand und nicht anders konnte, als ihr hinterher zustarren. Dann fuhr er kurz mit den Fingern über die Stelle, wo Eveys Lippen sich vor wenigen Sekunden befunden hatten und ging dann anschließend ebenfalls in sein Schlafzimmer zurück.

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Reviews? ;)

Ich denke, dass die Geschichte vielleicht doch länger als 4 Kapitel wird, aber ich möchte nicht zu viel versprechen xD
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