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Ich war Jacks wertvollster Schatz

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
02.04.2010
02.04.2010
1
1.071
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Dieses Kapitel
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02.04.2010 1.071
 
Dieser OneShot war ursprünglich als eine Hausaufgabe für Deutsch geplant. Letztendlich wurde die Story dann doch etwas länger.
Die Sicht aus der Angel Face (aus dem Film "Fight Club" /gespielt von Jared Leto) sein Leben als ein Mitgleid des Projekts Chaos schildert, stimmt nicht ganz überein, mit der Figurvorlage des Films.
Darum wundert euch bitte nicht, wenn ihr den eigentlichen "Angel Face" in manchen Abschnitten nicht ganz wiederfinden könnt:)

Viel Spaß, beim Lesen!

Ich würde mich immer sehr über eure Meinung freuen und verspreche auch jedes Review zu beantworten!:D


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Fight Club  

Angel Face

Ich war Jacks wertvollster Schatz

Müde setzte Angel Face sich auf.
Sofort durchfuhren ihn eine Welle stechenden Schmerzes, als er versuchte, sich auf einen Arm zu stützen. Nur knapp schaffte er es, sich in einer aufrechten Position auf der schäbigen, alten Matratze zu halten.
Vorsichtig schob er die Beine über die Bettkante.
Nachdenklich sah Angel Face sich in dem großen, dunklen Keller um, der mit mehreren Reihen von Doppelbetten vollgestellt war. An den schäbig aussehenden Wänden reihten sich große Fässer aneinander.
Der Keller diente ihm als Schlafplatz. Ihm, und all den anderen Männern die sich dem „Projekt Chaos“ angeschlossen hatten. „Weltraumaffen“ hatte Tyler gesagt.
Tyler. Ihr Anführer. Tyler. Der Mann, der den Fight Club, sowie das Projekt Chaos ins Leben gerufen hatte. Tyler. Von dem er geglaubt hatte, er habe ihm, Angel Face, ein besonderes Privileg zugeteilt...
Langsam stemmte er sich von der abgelegenen Matratze hoch.

Kaum jemand schenkte ihm Beachtung, als er in die dreckige Küche geschlurft kam. Alle waren mit anderen Sachen beschäftigt. Ein paar der Männer, darunter auch Bob, warfen ihm mitleidige Blicke zu. Bob, das Riesenbaby Bob, mit den Weibertitten. Er schien die sensibelste Seele unter all diesen abgestumpften Affen zu sein. Er war der einzige, zu dem Angel Face Vertrauen aufgebaut hatte.  Bob hatte mit ihm auf der breiten Veranda des riesigen, abrissreifen Hauses gewartet, hatte sich mit ihm all den Beschimpfungen, Beleidigungen und Demütigungen hingegeben, welche jeder von ihnen erfahren hatte.
So ist die Regel des Projekts Chaos. Drei Tage lang musst du ohne ein Wort der Ermutigung vor der Tür des Hauses verharren, ehe du von dem glorreichen Tyler Durden aufgenommen wirst.
Angel Face schob sich durch die Menge bis zu dem großen Badezimmer.
Drei Männer saßen auf dem Badewannenrand und unterhielten sich halblaut. Als sie Angel Face, der sich still in den hohen, muffigen Raum drängte, bemerkten verstummten sie abrupt. Mit gesenktem Kopf trat Angel Face zum Waschbecken, über dem ein großer Spiegel hing.
Er spürte die Blicke der Männer im Rücken. Nirgends in diesem riesigen Haus hatte man auch nur für ein paar Momente seine Ruhe.
Angel Face versuchte die bohrenden Blicke zu ignorieren.
Er sah in sein Spiegelbild, aus dem ihn zwei graublaue Augen anblickten. Viel mehr war es nur ein Auge. Das andere war so sehr angeschwollen, dass er fast nur durch das eine sehen konnte. Eine große Platzwunde zog sich von seinem Haaransatz bis zu seiner linken Augenbraue. Seine gebrochene Nase sah aus, als gehöre sie einem Boxer, der einen grauenvollen Kampf hinter sich hatte. Angel Face glitt mit der Daumenspitze über sein Kinn, welches eine weitere Narbe zierte.
Seufzend schlug er die Augen nieder und fuhr sich mit der flachen Hand durch das wild zerzauste, strohblonde Haar.
Tyler hatte ihm erlaubt, es zu behalten. Alle anderen Weltraumaffen trugen ihr Haar kurzgeschoren.
„Angel Face“.
Ihr Anführer selbst hatte ihm diesen Namen gegeben.
Sie hatten keine Namen im Projekt Chaos. Doch Tyler hatte ihn auf diesen Namen getauft, als er ihn zu sich in seine Armee aufnahm.
Angel Face, das süße Engelchen.
Angel Face mit dem Goldlächeln.
Angel Face, der Schönling.
Zu schön.
Tyler hatte sein Gesicht zerstört, in dieser einen Nacht im Fight Club, als er so blind auf ihn eingeschlagen hatte.
Angel Face hatte keinerlei Möglichkeiten gehabt, sich gegen seine Hiebe zur Wehr zu setzten.
Immer härter hatten Tylers geballte Fäuste ihn getroffen, hatten sein „ach so schönes“ Engelsgesicht, wie Tyler selbst es noch beschrieben hatte, zerschlagen.
Langsam drehte Angel Face den Hahn auf, der sich alt und verrostet über das Waschbecken beugte. Eisiges Wasser schoss hervor.
Angel Face hielt seine Finger über den harten Strahl. Sein Blick glitt über eine weitere Narbe, die sich in seinen Handrücken gefressen hatte.
Ein Kuss. Tylers Kuss. Tylers feuchte Lippen auf seiner Haut, die Lauge, welche sich wie Feuer in sein Fleisch gebrannt hatte...
Jeder der Weltraumaffen, jeder Mann im Projekt Chaos, trug diesen Kuss auf der Hand, eingebrannt durch das ätzende Laugengemisch.
Abwesend drehte Angel Face den Hahn ab und wand sich zum Gehen.
Die drei Weldraumaffen folgten ihm mit ausdruckslosem Blick.
Mit einem genervten Schnauben trat Angel Face zurück in den weiten Hausflur.
Den Kopf geneigt drängte er an all den redenden und arbeitenden Männern vorbei. Die schäbige Eingangstür jaulte quietschend auf, als er sie ruckartig aufzog.
Kühle Morgenluft schlug ihm entgegen, als er einige Schritte auf die breite Veranda des Hauses trat.
Langsam ließ Angel Face den Blick über den großen Garten gleiten, der sich vor dem Haus erstreckte.
Selbst hier waren Weltraumaffen unentwegt am Arbeiten.
Mit abermaligem Seufzen schritt Angel Face die breiten Treppenstufen hinab.
Der Tau des Grases benetzte seine Stiefelspitzen, als er über den Rasen schlenderte, die Hände tief in den Taschen seiner Hose vergraben.
Keiner der Männer sah sich zu ihm um, sprach ihn an.
Angel Face erwiderte ihre Ignoranz und trat, ohne ihnen die geringste Achtung zu schenken, an ihnen vorbei.
Nachdenklich schweifte sein Blick über das große, heruntergekommene Haus.
Wie inständig hatte er gehofft von Tyler Durden aufgenommen zu werden, als er auf der Veranda gestanden hatte, zwei schwarze Hosen, zwei schwarze Hemden, schwarze Stiefel, eine schwarze Jacke und das Geld für deine „Begräbniskosten“, wie Tyler es formuliert hatte, in einer Tüte.
Wie naiv war er nur gewesen, sich auf das Projekt Chaos einzulassen, ohne auch nur einen Moment lang über Folgen oder Nachteile nachzudenken.
Fasziniert von ihrem, von seinem prächtigen Anführer.
Tyler war der Vater, den er nie gehabt hatte. Tyler war der Lehrer, der ihm das Leben erklärt hatte. Tyler war die Verkörperung seiner Maßstäbe, seiner Ziele...
Tyler.
Tyler Durden.
Der Mann, der ihm das Gefühl geschenkt hatte einen Platz zu haben, dazu zugehören.
Der Mann, der ihm Anerkennung hatte zukommen lassen.
Der Mann, der wie besinnungslos auf ihn eingeschlagen hatte.
Der Mann, der ihm seine Identität genommen hatte, ihn gedemütigt hatte.
Der Mann, den er so sehr hasste.


Ende
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