Schluss

GeschichteDrama / P12
26.03.2010
26.03.2010
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Enttäuscht



Ich geh durch die Tür ins Raven. Das Raven ist eine Kneipe die sich mit den Werken des Edgar Allan Poe beschäftigt. Alles ist mit Plakaten von Filmen über die Werke von ihm beklebt. Aus den Lautsprechern kommt Musik die sich mit seinen Texten befasst oder eine ähnlich düstere Stimmung vermitteln. Die Wände sind schwarz gestrichen und die Lampen gedämpft. Nur der Billardtisch ist besser beleuchtet. Ich bin froh das dies eine Kneipe ist in der man noch Rauchen darf.
Aus der Innentasche meines langen Ledermantels nehme ich eine kleine Ledertasche bevor ich ihn an die Garderobe hänge. Nachdem ich mich kurz umgesehen habe gehe ich zur Bar. Dort bestelle ich ein großes Weizenbier und während ich warte stopfe ich mir meine Pfeife. Kurz überlege ich ob ich ein bisschen Gras rein tue. Lieber nicht. Mein Weizenbier kommt und der Mike der Barmann meint: „Ah die Pfeife mit der Pfeife. Oh Shit, du siehst ja echt beschissen aus heute!“ Das stimmt, meine Haare sind wirr und hängen in nassen Strähnen auf meinem rücken und mein Gesichtsausdruck ist gequält.
„Mir geht’s auch beschissen“, antworte ich und gucke auf den Tresen. Ich ziehe an meiner Pfeife.
„Willst du drüber reden? Ich hör dir gerne zu!“
Warum nicht, vielleicht hat er ja nen Rat. Dafür das er seine Kneipe so düster eingerichtet hat hat er ein unverwüstlich sonniges Gemüt. Sein Gesicht ist voller Lachfalten und seine Haare die schon mit 35 grau sind hat er im Nacken zusammen gebunden. Er lehnt sich mir gegenüber auf die Theke und sieht mich an. Er ist 18 Jahre älter als ich und etwas 1000 Jahre weiser. Trotz seiner Weisheit habe ich ihn wenn er über seinen Gedichten brütet nachdenklich gesehen und noch nie ernst oder gar betrübt.
„Los erzähl schon, ich hab dir doch bisher noch immer helfen können. Mia, übernimm mal bitte die Bestellungen!“, ruft er nach hinten. Die kleine Zierliche Mia kommt aus dem Hinterzimmer und meint: „Bin sowieso mit der Inventur gerade fertig geworden.“
„Ok weist ja das ich in so nem Betreuten Wohnheim wohne, danke nochmal das du mir dazu geraten hast...“ „Kein Ding, erzähl weiter!“ „Ja, da mein Zimmernachbar hat irgendwie immer 'n' Mädel bei sich im Zimmer und abends geht’s da so richtig los. Meinen PC kann ich gar nicht laut genug machen als das ich den ihr stöhnen nicht mehr höre. Und heute Abend, eigentlich wollte ich mit meiner Freundin ins Kino gehen, aber sie war krank, habe ich mich an PC gesetzt und Ego-Shooter gespielt. Musste einfach den Frust auf den Idioten neben mir abbauen. Auch mir Kopfhörern habe ich's immernoch mitbekommen. Ich hab gegen die Wand geschlagen, geflucht, aber nix hat geholfen. Also hab ich nach meinem Handy gesucht und wollte meine Freundin nochmal anrufen und ihr sagen, dass mein Zimmernachbar ma wieder so extrem laut poppt, und wenn er keine da hat, sie bitte vorbeikommen solle damit wir mal lauten Sex haben. Ja, ich weiß, es iss ziemlich kindisch aber hör weiter zu. Als ich gerade das Handy am Ohr hab und warte das sie abnimmt wird’s neben mir leise und ich höre einen Handyklingelton. Nicht irgendeinen sondern den den ich ihr geschickt habe und den sie für mich eingestellt hat, 'Eisregen-Elektrohexe'. Ich lege auf und neben mir wird’s still. Ich wollte es nicht glauben also rufe ich nochmal an und sie geht dran. Sie keucht: 'Hey Schatz, was gibt’s denn noch?'
Ich antwortete geistesgegenwärtig: 'Nix, ich bin gerade auf dem Weg zu dir, will dich gesund pflegen Süße. Du weist ja das mein Immunsystem wie eine Burgmauer ist. Nix kommt durch. Soll ich noch was mitbringen?“
Kaum habe ich den Satz beendet hörte ich im Zimmer neben mir und im Handy jemanden nach Luft schnappen. Sie stotterte: „Nein Süßer, besser nicht, hab doch gesagt hab die Schweinegrippe, da darf niemand zu mir kommen, meine Eltern dürfen mir das Essen auch nur vor die Tür stellen und müssen die Teller sofort in weißes Wasser schmeißen.' Sie hustete ein paar mal, auch im zimmer neben mir hustete es und sie fuhr fort: 'Lieber nicht, ich melde mich wenn ich wieder fit bin.' 'ok Süße, ich geh dann heute Abend ins Raven. Gute Besserung.' Sie legte auf und neben mir hörte ich ein Lachen und eine gedämpfte weibliche Stimme sagen:'Der Idiot glaub aber auch echt alles' Kurz darauf fing das stöhnen wieder an. Ich setzte mich also wie du dir denken kannst auf mein Bett und denke nach. Was sollte ich denn jetzt tun? Dann nach dem neben mir ein lauter Lustschrei kam bin ich aufgesprungen und in die Küche gerannt. Ich hab mir nen Eierkarton aus'm Kühlschrank geholt und vor der Tür meines Nachbarn gewartet bis das Stöhnen wieder anfing. Dann als sie wieder mittendrin waren die Tür auf gemacht. Bisher hatte ich noch gehofft das ich mich geirrt hätte, doch auf ihm saß meine Freundin und ritt ihn lustvoll. Schnell habe ich sämtliche Eier auf die Beiden geworfen und gebrüllt: 'Ja iss klar, Schweinegrippe und die Medizin dagegen iss mit meinem Zimmernachbarn zu ficken! Du kannst mich mal du dumme Schlampe. Für mich bist du gestorben und Andy du Arschloch, dein dauerndes Poppen neben meinem Zimmer geht mir auf'n Sack aber das du mit meiner Freundin fickst, Das hätte ich nicht gedacht, dachte wir wären sowas wie Kumpels!' Dann habe ich erstmal alles in seinem Zimmer genommen und umher geworfen. Nachdem meine Wut erstmal etwas abgeklungen war bin ich zu meinem Zimmer hab es abgeschlossen und bin dann durch die Stadt gelaufen und bin dann hier gelandet. Tja Mike das war's. Da darf man doch wohl scheiße aussehen oder?“
Er sieht mich nachdenklich an und ich nehme nen großen Schluck von meinem Bier. Vom Erzählen ist mein Mund trocken. Er schüttelt den Kopf und sagt: „Mann, Mann, Mann. Du hast echt ein Scheiß-Pech. Ich glaube wenn Mia mich so bescheißen würde, hätte ich genauso reagiert. Ich würde erstmal zu den Chefs bei dem Wohnheim gehen und denen alles erzählen. Oder nein, ich ruf Alf an, der soll hierher kommen. Die sollten am besten dieses Arschloch raus schmeißen. Sowas macht man nicht!“ Ich trinke mein Bier aus und er schenkt mit ein neues ein. Und fährt mit wütender Stimme fort: „Wer sowas macht, dem gehört der Sack abgeschnitten und in Arsch gesteckt, aber bis zum Anschlag. Am besten machst du mit der Schlampe Schluss und suchst dir eine die dich verdient. Bestell' sie am besten auch hierher, ich will mir mal n Bild von ihr machen!“ Er geht nach hinten und wählt eine Nummer und redet hastig in den Hörer während ich eine Freundin anrufe. Bevor sie was sagen kann sage ich: „Komm sofort ins Raven, ich muss mit dir reden!“ sie sagt nur kurz ja und legt auf. Anscheinend tut es ihr Leid aber am Anfang unserer Beziehung habe ich ihr gesagt, das wenn sie besoffen auf ner Party mit andren rumknutscht, dann bin ich zwar sauer aber ich kann ihr verziehen aber nüchtern fremdficken- das kann ich nicht tolerieren.
Mike kommt zu mir zurück und sagt: „Das erfordert besondere Mittel. Er schenkt 2 Gläser Jägermeister ein und gibt mir eins. Das ist das erste mal das ich ihn sehe wie er Alk trinkt, wenn er hinter der Theke steht. Wir trinken und nach 10 Minuten kommt meine Freundin. Ihre Haare sind verklebt und sie sieht traurig aus. Sie stürmt auf mich zu und fällt mir um den Hals. Ich stoße sie von mir weg und sage: „Es ist aus. Aber erklär' mir wieso musste das sein und das wievielte mal war es?“
Sie sieht sich Hilfe suchend um doch Mike sieht sie nur finster an. Sie bestellt sich eine Cola und bekommt eine kleine Glasflasche, ohne Glas und ungeöffnet. Sie macht sie auf und nimmt einen Schluck und sagt: „Bitte du musst mir glauben, es war das einzigste Mal und es ging nicht von mir aus. Er wollte unbedingt mit mir und halt mich irgendwie überredet. Bitte verlass mich nicht, ohne dich kann ich nicht weiterleben, ohne dich bin ich...“ Ich unterbreche sie: „ohne mich hast du anscheinend mehr Spaß beim ficken und mich hältst du anscheinend für einen Idioten. Die Wände bei uns im Wohnheim sind extrem hellhörig und ich habe dich sagen gehört: 'Der Idiot glaub aber auch echt alles'. Das hast du doch gesagt oder?“ „Ja, aber...“ „Verdammt nix aber, und irgendwie überredet gibt’s nicht, damit man dich dazu überreden kann musst du es auch wollen, irgendwo tief in deinem Innern. Ich glaube dir kein Wort mehr. Wenn du mich zurück haben willst dann hast du Pech. Es ist aus. Hat er dich wenigstens gut bezahlt?“ „ein... ähh ja... nein... was wie bezahlt?“ „Na ich musste als wir vor 2 Monaten zusammen gekommen sind 4 Wochen warten bis du bereit warst. Und mit ihm fickst du sofort!“
Sie bricht in tränen aus und wirft sich mir zu Füßen hin und bettelt ich solle ihr noch eine Chance geben. Ich ziehe sie hoch und sehe ihr in die Augen: „Dir tut es Leid? Mir auch, mir tut es Leid dir je vertraut zu haben. Ich kann dir nicht mehr trauen. Und ohne Vertrauen kann keine Beziehung bestehen!“
Sie sieht mich mit tränen in den Augen an und fragt verzweifelt: „Und wenn ich dir auch einen Fremdfick zugestehe?“
„Nein, ich gehe dir nicht fremd, ich mache Schluss! Das ist mein letztes Wort! Hast du noch was zu sagen?“, frage ich und meine Stimme zittert.
Sie schüttelt den Kopf und stürmt hinaus. Gerade in dem Moment kommt der Wohnheimleiter herein und sieht Mike und mich fragend an. Mike winkt ihn zu sich und Alf sieht schon das es wichtig ist.
Mike beginnt sofort: „Ich mische mich nicht in deine Angelegenheiten ein, und du dich nicht in meine. Aber das hier ist was andres. Lorenz und ich sind schon lange befreundet und hier muss ich ihm wirklich helfen. Du musst seinen Zimmernachbarn raus schmeißen, oder wird’s bei dir toleriert, dass einer seinem Nachbarn die Freundin ausspannt und in seinem Zimmer vögelt?“
„Was? Nein das wird es nicht. Erzählt mir die Geschichte.“

...